Erinnerung an Springer-Blockade
Günter in Stadtnotizen am 11. April 2008, 12:30 16 Kommentare »
“Vor 40 Jahren hatte die Hetze der Springer-Blätter ein Klima des Hasses geschaffen, das zu dem Mordversuch an Dutschke führte”, erklärte das Maydaybündnis Berlin heute bei einer Pressekonferenz, die an die Blockade des Springer-Hochhauses nach den Schüssen auf Rudi Dutschke erinnern sollte. Doch es gehe nicht nur um die Erinnerung: “Springer-Zeitungen wie BZ und BILD betreiben nach wie vor rassistische Stimmungsmache und denunzieren Streiks und soziale Kämpfe. Die Ablehnung beschränkt sich nicht auf Zeitungsartikel: Beim Postdienstleister PIN versucht die Springer AG vereinbarte Mindestlöhne auszuhebeln und die ohnehin bescheidenen Rechte der Beschäftigten weiter einzuschränken.” Deshalb sei die Forderung für eine Springer-Enteignung nicht nur eine historische Reminiszenz.
Das Motto der Mayday-Parade am 1. Mai lautet übrigens: “be.STREIK.berlin – Organisier das schöne Leben”.
16 Kommentare
Achmed
am 11. April 2008, 14:37 #
“rassistische Stimmungsmache”?
Hört sich verdammt nach Stimmungsmache durch Mayday an oder haben sie dafür Beispiele …?
am 11. April 2008, 15:06 #
Das Wort “Stimmungsmache” hat wohl von jeder Seite mit Stimmungsmache zu tun.
Achmed
am 12. April 2008, 07:09 #
Tut mir leid, der Bild-Blog ist keine Referenz wenn es um eine differenzierte Darstellung geht. Bild-Blog nennt z.B. Telepolis als objektive Quelle, die nicht auf “politischen Kreuzzug” ist – das ist schlicht lächerlich.
Außerdem wird der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen Pfeiffer selektiv zitiert und Augenwischerei bei den Statistiken betrieben – eben nur genau in die andere Richtung, als die “Bild”.
am 12. April 2008, 08:42 #
Na, das Bildblog ist zweifelsohne bedeutend seriöser als der Grund für dessen Existenz. “Genau in die andere Richtung” sieht mir doch sehr stark nach persönlicher Einschätzung aus.
Gibt’s eigentlich diese Aufkleber noch “Bild lügt und macht kaputt”?
Die derzeitige Werbemasche, unschuldige Kinder für Bild-Werbung zu missbrauchen, weil angeblich ausgerechnet Bild die Wahrheit ausspricht, finde ich äußerst geschmacklos. Das ist meine persönliche Meinung.
Tom Liebmann
am 12. April 2008, 09:48 #
Die BILD ist doch wirklich ein übles Blatt, ich weiß gar nicht, was es da zu zweifeln gibt. Und die Aktion der Mayday-Leute fand ich ganz passend, besser jedenfalls als die reine Gedenkaktion der Grünen. Der Vorwurf, Springer-Zeitungen sind konservative Propaganda-Blätter und Springer hat sich bei der PIN-AG schlimm benommen, sind ja wohl nicht falsch.
Bei der Mayday-Parade (ich habe sie mir letztes Jahr angesehen) geht es um die fehlende soziale Absicherung von Freiberuflern, um die Situation von HartzIV-Empfängern und um die Rechtlosigkeit von Flüchtlingen. Und das auf eine Weise, die nicht so ideologisch und verbiestert wirkt wie bei den Parteien oder gar bei der “Revolutionären 1.Mai-Demo”. Stattdessen gibt es dort bunte Wagen mit Musik, Straßentheater, Informationen und gute Musik.
am 12. April 2008, 21:49 #
be.STREIK.berlin? Herrlich! Was man da für eine schöne Anti-Kampagne draus machen kann. zwischen be- und berlin passt ja wirklich jedes werb…äh Verb.
be.STREIK.berlin
be.SCHEISS.berlin
be.KLAU.berlin
be.LÜGT.berlin
be.OBACHTET.berlin
be.SETZT.berlin
…
naja, die Idee hatte ja bestimmt schon jemand vorher wa? ;)
Green
am 12. April 2008, 23:02 #
Max Goldt sagt es deutlich:
“Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muss so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.”
Kathrin Schreyeck
am 13. April 2008, 09:28 #
Schön, dass in diesem Zusammenhang mal Max Goldt mal zitiert wird und nicht nur immer die sozialdemokratischen Moralhüter Wallraff, Grass und Staeck. Bei denen reicht die Empörung über beschissene Verhältnisse immer nur bis zum nächsten Wahlaufruf für die SPD.
Besser ist es da auf jeden Fall, sich selbst zu artikulieren. Ich war mit dem Berliner Sozialforum letztes Jahr auf der Mayday-Parade in Neukölln und Kreuzberg, da waren ein paar Tausend Leute und es hatte nichts von den drögen Verdi- bzw. DGB-Versammlungen. Es war wie ein kleiner Karneval der Kulturen, nur eben mit ein paar richtig guten Forderungen!
Jürgen/P.berg
am 13. April 2008, 09:39 #
Hört doch auf, auf der Bild herumzuhacken! Immerhin hat die linke taz die böse Bild-Redaktion schon an ihre Schreibtische gelassen, dann kann die Bild ja nicht mehr so schlimm sein.
Und was soll das mit dem “Mayday”? Das ist doch eigentlich eine Techno-Veranstaltung (gibt es da nicht Namensrechte?) bzw. ein See-Notruf. Ob am 1.Mai oder sonstwann ein paar Tausend “Ausgebeutete” mehr herumziehen, ist doch echt egal. Wenn die sich ein bisschen anstrengen würden, könnten die doch auch irgendeinen schönen Job kriegen. Ich habe z.B. direkt nach meinem Praktikum in der Firma anfangen können. Zwar wird der Vertrag nur jährlich verlängert, aber da heule ich doch auch nicht rum und male bunte Schilder für Paraden.
Kathrin Schreyeck
am 13. April 2008, 09:46 #
Ach, Jürgen!
Da wird es vielleicht mal Zeit, dass du über den tellerrand hinaus blickst und feststellt, dass es außer dir noch andere Menschen gibt. Und wenn die sagen wollen, dass sie keinen Bock mehr auf Minijobs und freiberufliche Selbstausbeutung haben, dann lass sie doch.
Vielleicht ändert sich Deine Meinung ja noch, wenn dein Vertrag nicht verlängert wird, du ein Kind hast, ALGII beantragen musst etc. Wenn man ab und zu in die Arbeitsagentur muss, dann kommt einem die Mayday-Parade noch viel zu freundlich vor. Ich könnte jedesmal durchdrehen, wenn man von Pontius zu Pilatus geschickt wird, immer irgendeine Akte nicht dabei hat und sich dann nicht einmal gleich beschweren kann. “Die Beschwerdestelle ist leider in einem ganz anderen Gebäude untergebracht.” heißt es dann.
giulio
am 13. April 2008, 09:54 #
Schöne Diskusion! Habe an den mayday-parade in Milano vor 2 Jahre teilgenommen, da waren 100.000 Leute, sehr kreativ und bunt. Man sieht bei YouTube auch Clips von die parade. Aber viel besser ist das Clip aus Berlin:
www.youtube.com/watch?v=RyOr6qPAvRo
mit Musik von radiohead! Ich finde den Clip sehr lustig. Und auch Mayday. Leider ich bin dieses Jahr nicht in Berlin.
Oli aus Neukölln
am 13. April 2008, 10:01 #
Super Clip! Danke für den Hinweis. Da ist noch ein zweiter, der ist so ähnlich, nur dass kein Blitzzement ins Klo geschüttet wird, sondern die gestresste Kellnerin den Kuchen lieber selbst verschlingt:
www.youtube.com/watch?v=KSnhnaF55b0
Ich habe mich auch gerade total oft beworben und saß genau solchen Typen gegenüber wie die Frau im Film. Vielleicht hätte ich mich auch mit deren Laptops für die miese Behandlung entschädigen sollen ;)
giulio
am 13. April 2008, 13:42 #
Zweite Clip habe ich auch gesehen, aber erste ist besser. Man kann auch gucken auf die Website von Mayday in Berlin:
Da es gibt bei “Propaganda” Plakate zu Mayday. Mir gefallen diese Plakate gut.
Tom Liebmann
am 13. April 2008, 16:31 #
Habe mir auch beide Clips angesehen, ganz lustig trotz der Wiederholung. Und die Mayday-Seite habe ich auch besucht: teilweise ein bisschen Polit-Kauderwelsch, aber sonst ganz gut.
