Berlin am Freitag, 18. April 2008
Günter in Schlagzeilen am 18. April 2008, 09:59 8 Leserbriefe »
Ein “Luftfahrtexperte” hat laut Tagesspiegel “ein Gutachten der Berliner Fachhochschule für Technik und Wirtschaft” vorgelegt: Danach ist der Betrieb des Flughafens Tempelhof notwendig, weil die Kapazität des neuen Airports BBI in Schönefeld bereits bei dessen Eröffnung in drei Jahren ausgereizt sein werde (was die Flughafengesellschaft dementiert). Das Gutachten von “Fachhochschul-Dozent Dieter Schlobach” wurde am Mittwochabend bei einer Icat-Veranstaltung vorgestellt. Außerdem wird der “Luftrechtsexperte Elmar Giemulla” zitiert, der keinen juristischen Grund sieht, Tempelhof zu schließen. Was im Artikel leider unerwähnt bleibt: Beide Wissenschaftler sind alles andere als unabhängig. Schlobach ist Schatzmeister der Icat, Giemulla ist Präsident des Verbands der Allgemeinen Luftfahrt (AOPA), der nach eigenen Angaben “die Interessen von inzwischen 18.000 Privat- und Berufspiloten, 90 Unternehmen, 20 Flugplätzen und 58 Luftfahrtvereinen” vertritt.
Und:
- Senioren trauen sich nicht raus.
- SPD will abgeschobene Mutter zurück holen.
- “Volker hört die Signale”: Ratzmann soll Grünen-Chef werden.
- Solardachbörse läuft nicht.
- Bezirke wollen mehr Geld: Bürgermeister raufen sich zusammen.
- Unschuldiger verletzt: SEK-Beamte bestreiten Verantwortung.
- Neue Ausstellung in KZ-Gedenkstätte.
8 Kommentare
littleplanet
am 18. April 2008, 17:22 #
Ein echtes Lehrbeispiel in Sachen Manipulation! Flughafenbefürworter stellen Riesenwerbeschilder an den Strassen der Stadt auf, die Gegner eher Kleinere. Im regionalen Fernsehen ist diese Woche ein Vertreter der IHK als Fürsprecher zu hören und zu sehen. In der Volksentscheid-Argumentationsbroschüre wird suggeriert, wenn man nicht abstimmt, dann wäre das eine Stimme gegen die Offenhaltung des Flughafens in Tempelhof. Wenn aber genügend Wahlberechtigte abstimmen und davon die Mehrheit mit “Ja” stimmt, dann sieht das doch unabhängig von der anschl. politischen Folge ganz anders aus. Selbst in der Bloggersparte lese ich jetzt von Gutachten und Experten, die sich gerade jetzt zu Wort melden. Wohl dem, der seinen eigenen Kopf einsetzen kann und sich noch sein eigenes Bild bei dem machen kann, womit täglich präsente Medien und Macher das Volk zur Meinungsbildung füttern.
Helen
am 18. April 2008, 18:35 #
Vielleicht kommt heute in der AS einer zu Wort, der gegen den Flughafen Argumente vorbringt.
Olaf
am 19. April 2008, 07:25 #
… ich war gegen den Flughafen und schwanke jetzt. Ausgelöst haben das die dümmlichen Plakate der Gegner und die Arroganz der Herrschenden (Egal, was das Volk will, wir machen, was die staatliche Plankommission beschloss…)
Da nehme ich vielleicht sogar in Kauf, mit Herrn Pflüger gemeinsam zu stimmen.
littleplanet
am 19. April 2008, 08:55 #
@Helen: Ja, mag sein. Die tendenziöse Medienlinie der letzten Tage fällt trotzdem auf.
@Olaf: Die ganze Kampagne ist doch ein schlechter Scherz. Wenn ich mir überlege, was hier an Zeit, Geld und Arbeitskraft investiert wird. Bleibt wie immer die Frage: Wem nützt das Ganze was? Eine Antwort darauf zu finden, bleibt Jedem selbst überlassen.
Mark S
am 19. April 2008, 09:19 #
@Olaf: Du willst dem größeren Herrschenden eins auswischen, indem Du den kleineren Herrschenden unterstützt? Na prima, so wünscht man sich den angepassten Staatsbürger!
Dass die Gegner die eindeutig schlechteren Plakate haben – von dem schönen Seyfried-Motiv mal abgesehen – ändert ja nun gar nichts an der Tatsache, dass wir den uns Steuerzahlern nur Verluste bringenden Flughafen so wenig brauchen wie Hundekot am Schuh.
Helen
am 19. April 2008, 13:32 #
Die Werbung kann ja auch nicht unterschiedlicher sein. Man sieht doch gleich, wo das Geld steckt. Aber es ist wie meistens bei Werbung, wenn ein Artikel so beworben werden muß, dann hat er vielleicht bei den Käufern wenig Chancen.
georg
am 19. April 2008, 15:02 #
Die Werbung der Flughafenbefürworter spricht auch von Behördenwillkür.
Eine Volksabstimmung gegen eben diese Willkür in all seinen Auswucherungen hätte mich auf jeden Fall motiviert mein “ politisches Gewicht “ im Rahmen einer Abstimmung wirken zu lassen.
Ansonsten gibt es wirklich wichtigere Themen für die es sich lohnt zu streiten.
am 19. April 2008, 15:29 #
@Olaf
Viel ärgerlicher als die dümmlichen Plakate (»Alle Macht geht vom Volke aus« ist nebenbei gesagt genauso dümmlich) und die »Arroganz der Herrschenden« ist die Vorbereitung der Abstimmungsinitiatoren: Sie haben es schlicht versäumt, mit dem Volksbegehren einen Gesetzesentwurf zu verbinden. Dieser hätte den Senat gezwungen, die Flughafen offenzuhalten.
Aber nein, obwohl sie über juristisches Know-how verfügen müssten, haben die Initiatoren auf dieses Mittel verzichtet. Sie nehmen damit bewusst in Kauf, dass eine rechtlich wertlose Wahl durchgeführt wird, die einfach mal 2,5 Millionen Euro kostet.