Pro Reli: gescheitert. Eine Schlappe - oder ein Gewinn?
Michael in Schlagzeilen am 26. April 2009, 22:52 32 Kommentare »
Die Kampagne “Pro Reli” ist beendet, erwartungsgemäß war sie nicht erfolgreich für die Initiatoren. Bei 29,2% Wahlbeteiligung stimmten 51,3% Berliner mit Nein ab und sprachen sich gegen das Wahlpflichtfach Ethik oder Religion aus. 48,5% stimmten mit Ja. Eine unglaubliche Schlappe für Gott, tituliert die taz, aber ist es das?
In Berlin, der “Hauptstadt der Volksdemokratie”, gab es damit die zweite Volksabstimmung nach Tempelhof über ein höchst subjektives, ja, emotional bewegendes Thema, welches bei Befürwortern und Gegnern zu einem zum (grossen) Teil sehr unsachlich, verbrämt und verbohrt geführten Schlagabtausch geführt hat, der bei beiden Seiten zu mehr Härte, mehr Intoleranz und mehr Unverständnis geführt hat. Carola Blum, Fraktionsvorsitzende der Linken, bringt es auf den Punkt:“Das Ergebnis hat gezeigt, dass eine intolerante Debatte über ein tolerantes Modell zum Scheitern verurteilt war”.
Zum einen war die Kampagne “Pro Reli” inhaltlich wie methodisch sehr ungeschickt, unsachlich und á la Boulevard-Meinungsmachermuster aufgezogen.
Zum anderen habe ich selten in den Medien, beim Senat, hier bei den Kommentaren eine so unsachlich, so hart und wirklich manchmal auch bösartige Anmache, ein stockbanales Heruntermachen der Andersdenkenden bei O-Akzeptanz-Bereitschaft erlebt.
Das passt nicht in die Wahrnehmung von Berlin als toleranter Stadt. Glaube ist nicht heilbar, er bedarf keiner Heilung, und Ablehnung von Religionsunterricht in Schulen und Atheismus ist nicht gleichzusetzen mit unmoralischen Menschen.
Die krassen Unterschiede in den Ost- und Westbezirken zeigen, das die sozialistische, nicht religiöse Grundprägung genausoviel Bestand hat wie die eher religiöse Grundprägung in den Weststadtteilen, wobei Berlin als ganzes als Hauptstadt des Atheismus in Deutschland gilt. Der Stadtsoziologe Hartmut Häußermann von der Humboldt-Universität stellt ein anderes Verständnis von Bürgerlichkeit in beiden Teilen Berlins fest. Sie sei “in den östlichen Bezirken viel lässiger, ärmer, offener, im Selbstverständnis sogar anti-bürgerlich”.
Es ist halt eine Sache des Glaubens. Wer glaubt, der soll glauben, wer nicht glauben kann oder will, kann genau wie alle anderen seine Meinung sagen, sollte aber auch Toleranz zeigen.
Wichtig aber ist: der Senat sollte nun alles in Bewegung setzen, damit die Lehrer gut und umfangreich ausgebildet werden, um einen guten Ethikunterricht aufzustellen. Die Kinder der islamischen Mitbürger werden selbstverständlich zur Koran-Schule ausserhalb der staatlichen Pflichtschulzeit gehen (müssen) und dort eine (zunächst für ihre Eltern, dann sich) wichtige kulturelle Prägung erhalten.
Nach dieser klaren Entscheidung der Berliner muss ein moderner, aufgeklärter Ethikunterricht möglichst unbelastet von religiösen Ausrichtungen, aber unter wohlwollender wie auch kritischer Betrachtung aller Religionen im Ethik-Unterricht vermittelt werden, der dann wiederum ein Modell für einen wahrhaft säkularen Staat werden könnte, der von Religionsfreiheit und gegenseitigem Respekt der Kulturen geprägt ist.
32 Kommentare
am 27. April 2009, 00:50 #
Wichtig aber ist: der Senat sollte nun alles in Bewegung setzen, damit die Lehrer gut und umfangreich ausgebildet werden, um einen guten Ethikunterricht aufzustellen.
Das hätte ich unabhängig vom Ausgang des Entscheids erwartet. Genauso wie ich es von Mathe-, Deutsch-, oder Biologielehrern erwarte.
Die Kinder der islamischen Mitbürger werden selbstverständlich zur Koran-Schule ausserhalb der staatlichen Pflichtschulzeit gehen (müssen) und dort eine (zunächst für ihre Eltern, dann sie) wichtige kulturelle Prägung erhalten.
Auch das hätte sich mit Pro-Reli wahrscheinlich nur an sehr wenigen Schulen geändert. Denn neben den großen Kirchen kann wohl kaum eine Religionsgemeinschaft genügend gut ausgebildete Lehrer stellen.
Nter0ne
am 27. April 2009, 10:17 #
Es ist gut wie es ausging. Die Wahlbeteiligung hätte zwar wie immer stärker ausfallen können, aber nach all den Querelen in den letzten Wochen (zB. auch Falschinformation durch ProReli —> bei ProEthik nachzulesen) bin ich froh dass das Thema mit der richtigen Entscheidung vom Tisch ist. Es spricht ja auch nichts dagegen im Ethikunterricht objektiv über die Bandbreite der Religionen zu informieren. Dann können die Schüler, wenn sie sich überhaupt für Religion entscheiden, selbst entscheiden für welche Religion sie sich entscheiden.
Wer sich für eine Glaubensrichtung entschieden hat kann außerschulisch sicher genug Möglichkeiten finden dem nachzugehen.
In dem Sinne: Schön dass Demokratie funktionieren kann.
Falt3r
am 27. April 2009, 11:48 #
Als Berliner bin ich in starker Euphorie aufgeblüht, als ich am gestrigen Abend das deutliche Scheitern einer unehrlichen, fast schon widerwärtig manipulativ geführten Hetzkampagne, miterleben durfte.
Selbst die Einmischung unserer werten Kanzlerin oder dem Pseudojournalisten Günther Jauch hat daran Gott sei Dank (was für eine Ironie) nichts ändern können.
Es ging nie um die Freiheit, sondern immer um das genau Gegenteil, da die Kirchen ihre Einflussnahme in der Gesellschaft mehr und mehr verlieren (die ja in ihrer Perversion nicht einmal vor Kinderköpfen halt macht).
Die Aggressivität, mit der Pro Reli den Bürger belästigte, lässt auf eine große Angst vor einem weltanschaulich neutralen Dialog in Form von Ethik schließen.
Als Philosophiestudent habe ich oft die Erfahrung machen müssen, dass religiöse Menschen in unserem Land Ethik verlächerlichen, ihre Bedeutung überhaupt nicht verstehen wollen und von der richtigen Konzeption ihrer eindimensionalen Anschauungen vollmundig überzeugt sind.
Gleichzeititg verstehen sich solche Menschen als arme Opfer, weil ihnen nun schrittweise vorgeführt wird, dass ihre verqueren Gedankengefängnisse immer weniger Menschen in einem säkularen Staat einsperren.
Diese Abstimmung hat meiner Meinung nach ein klares Zeichen gesetzt, an dem auch die Beschuldigungen an den bösen, bösen Senat in kleinkindhafte Manier zu rütteln ist!
Ein Hoch auf Wowi und Berliner Freigeister!
Egon
am 27. April 2009, 14:43 #
Ein interessanter Beitrag dazu ist hier zu finden:
www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30198/1.html
Siegfried Bahr
am 27. April 2009, 16:27 #
Es war einer der sehr viel schöneren Abende, die ich gestern erleben durfte. Dieser unglaublich peinlich und derbe Wahlkampf der ewig Gestrigen (wählen Sie die Freiheit) hat nicht verfangen. Ich glaube beinah, dass hat so einigen erst die Augen geöffnet. Aber Achtung: Diese Reli-Leute haben schon gesagt “wir machen weiter”. Natürlich machen Sie so deutlich, dass sie nun überhaupt nichts begriffen haben. Trotzdem weden sie es irgendwann schaffen. Bei einer entsprechenden Stimmung im Volk, bei einer anderen Regierung oder mit wählerwirksameren Argumenten. Blickt man in die Geschichte, verlieren doch meist die, die wirklich Freiheit anzubieten haben,- sie sind offener, differenzierter, ehrlicher und kommunikativer (Prager Frühling). Und die mit den scheinbaren Wahrheiten – Freiheit oder Sozialismus (Adenauer) – werden immer wieder gerne genommen.
Gerade haben wir gewonnen. Geniessen wir die Zeit
Toska
am 27. April 2009, 18:18 #
Nr. 4
Ich muss Ihnen da wiedersprechen.
Religiöse Menschen(egal welcher Religion) machen Ethik nicht lächerlich. Im Gegenteil, man sucht immer das miteinander.
Ihr posting spricht Vorurteile und sogar Hass gegenüber Gläubigen aus.
Sie werfen der Kanzlerin und Günter Jauch Einmischung vor. Und wie sieht es mit Herr Momper aus ? Alle haben sich eingemischt, und daraus ein Politspektakel gemacht.
Wo sehen Sie eine Perversion? Bei den Parteien sehe ich eine!
Sie sollten zwischen wahrhaftig Gläubigen (aller Konfessionen)
und durch politische Hetzkampagnen, wie es hier bei diesen Volksentscheid im Vorfeld geschehen ist ,zu unterscheiden wissen.
Euphorie, na ja, ich weiss nicht, Sie sind wahrscheinlich high und in allen Dingen Dingen überbetont.
Helen
am 27. April 2009, 19:06 #
Endlich ist es vorbei, unmöglich fand ich den Moderator in der Spätabendschau, der immer wieder von Herrn Wowereit hören wollte, wie man denn jetzt denkt auf die Kirchen zuzugehen. Er sollte die ProReli-Leute fragen.
Der Ethik-Unterricht ist sicher verbesserungsbedürftig, aber er besteht nun mal nicht nur aus Religion. Und Schüler der 7.-10. Kl. haben auch schon ein eigenes Bild der Gesellschaft vor sich.
Falt3r
am 27. April 2009, 19:12 #
Lieber Toska,
ich kann nur meine persönlichen Erfahrungen mit Gläubigen schildern und habe im offenen Diskurs nicht selten Dogmatismus und Universalitätsansprüche der eigenen Weltanschuung von religiöser Seite zu hören bekommen.
Das Einstehen für Ethik als weltbezogenes, von jedweder Konfession unabhängige philosophische Disziplin wurde nicht selten als gotteslästerliche, menschliche Anmaßung, die für das alltägliche Leben ja vollkommen irrelevant sei, “interpretiert”.
Ich hasse Gläubige keineswegs, sondern bin lediglich der Auffassung, dass Religionen sicher kein Miteinander fördern, sondern (zumindest in vielen Fällen) Offenheit und bescheidene Zweifel hinsichtlich großer menschlicher Fragen oft mit sehr kritikwürdigen Antworten abwürgen.
Was die von Ihnen angesprochene Unterscheidung angeht: Die beiden großen, christlichen Kirchen haben sich in dieser Schlammschlacht über fundamentale säkulare Ideale wie die Trennung von Staat und Kirche hinweggesetzt und gezielt Fehlinformationen verbreitet.
Ich erinnere mich nicht daran, derartige Eskapaden von Seiten des Senats oder speziell Herrn Mompers bemerkt zu haben.
Selbstverständlich gibt es auch sehr viele Gläubige, die diesem Wahn nicht verfallen sind und sich auf die Ihnen gegebene Vernunft stützen. Ich denke hierbei vor allem an die “Christen-Pro-Ethik”-Bewegung. Sie sehen, auch ich bin zur Differenzierung fähig ;)
Ich verstehe jedoch nicht, was ihr letzter Satz zur Argumentation beiträgt. Vielleicht können Sie mich ja über die Bedeutung dieser Beleidigung informieren, ich habe darauf getippt, dass sie mich in entweder in die Schublade Dauerkiffer oder Choleriker schieben. Beides trifft jedoch leider nicht zu. Aber vielleicht hat das ja eine noch tiefere Bedeutung…?
Einen schönen Abend noch!
weirdo
am 27. April 2009, 19:36 #
Wie wäre das überhaupt in der Praxis umzusetzen gewesen, wenn Religion nach Konfession getrennt unterrichtet werden sollte? (Rethorische Frage…)
In einem Spiegelonlineartikel fiel mir folgender Satz auf: Lehmann und seine Initiative hatten dafür gekämpft, dass Religion zum Wahlpflichtfach befördert wird, und sich jeder Schüler zwischen Ethik und Religion entscheiden muss […]
Entweder oder? Religion schliesst Ethik also aus? ;)
weirdo
am 27. April 2009, 19:41 #
Entschuldigung für den Doppelkommentar.
Zu #6:
Aber Achtung: Diese Reli-Leute haben schon gesagt “wir machen weiter”.
Ganz exakt haben sie sogar gesagt: “Wir kämpfen weiter”.
Toska
am 27. April 2009, 19:46 #
Nein, @Falt3r
Mir liegt es völlig fern, jemand zu beleidigen.
high ist gleichzusetzen mit Euphorie. ( im weiteren Sinne ) Ich bitte um Entschuldigung, wenn es missverstanden wurde.
Ich komme aber bei Ihrer Argumentation doch zur der Auffassung, dass Sie sich eines Schubladensystems bedienen, was Religion betrifft. Auch wenn man negative Erfahrungen gemacht hat, sollte man immer offen für ein Dialog sein.
Über diese Pro oder kontra Reli Abstimmung bin ich geteilter Meinung, aber es war gut, mal da rüber gesprochen zu haben.
Auch Ihnen einen schönen Abend und nochmals Sorry.
am 27. April 2009, 20:09 #
Es gab viele heikle Bereiche dieser Pro-Reli Kampagne.
1. die Aktion wurde nicht gut innerhalb der Gemeinden im demokratischen Prozess diskutiert und dann gemeinsam getragen (siehe französische Gemeinde, die zu recht kritisierte).
2. leider haben viele Kichenvertreter (und Politiker) noch nicht begriffen, das ein säkularer Staat nicht zwingend ein unethischer Staat ist ( aber sein kann, wie ein religiöser Staat auch), in dem Kirchen durchaus stark und einflußreich sein können.
3. die Kirchen haben sich (leider sehr undifferenziert) von Parteien einbandeln und instrumentalisieren lassen. Und es gibt einige unter den Kirchenvertretern, die schlechte Verlierer sind, wie hier schon bemerkt wurde.
4. das komplexe Thema wurde schlecht kommuniziert und von einigen (dogmatischen) Rednern in Beschlag genommen.
5. die Werbekampagne war unglücklich bis billig und bediente sich aufdringlicher bis zweifelhafter Werbemethoden, die man sonst nur von Werbeschwätzern kannte.
6. Religion besteht aus ethischen Grundsätzen, ist also selbstverständlich kein entweder (Religion) oder (Ethik). Religion ohne Ethik ist sowohl unvorstellbar als auch unmöglich, Ethik ohne religiösen Einschlag widerum ist größtenteils möglich, obwohl man zugrunde legen muß, das unsere abendländische Kultur immerhin auf Religionen und deren Weltanschauung basiert (wie fast alle Kulturen).
7. Leider zeigt sich in Berlin, das schlechte Bildung, Armut, Gleichgültigkeit und mangelnde Ethik (bei Deutschen, Problemkieze!!!) oft zusammengehen. Da hier viele Atheisten leben, haben diese Gruppen wohl doch noch Bedarf an ethischer Bildung, die ich dringenst vom Senat erwarte. Dafür sollte die Politik kämpfen, Armut, Bildungsmisere und mangelnde Ethik zum Besseren zu verändern!
Prokrastes
am 27. April 2009, 20:54 #
7. Leider zeigt sich in Berlin, das schlechte Bildung, Armut, Gleichgültigkeit und mangelnde Ethik (bei Deutschen, Problemkieze!!!) oft zusammengehen. Da hier viele Atheisten leben, haben diese Gruppen wohl doch noch Bedarf an ethischer Bildung, die ich dringenst vom Senat erwarte.
Widerspruch.
Mangelnde Ethik wird derzeit von Leuten vorgelebt, die vieles, aber keine Armut haben. Manager, Politiker, Entscheider.
Und die Atheistenkeule ist auch daneben, die Entgleisungen eines “Militärbischofs” Mixa sind bereits ausreichend ekelerregend gewesen.
ulla
am 27. April 2009, 21:22 #
@Michael (hsb)
Ich will mal zu Ihren Gunsten annehmen, daß Punkt 7 Ihres Beitrages eine Ihrer berühmt/berüchtigten Satiren ist.
Sollte ich mich irren, schicken Sie uns doch möglichst bald ein paar Rheinländer irischer Abstammung vorbei damit der Schaden behoben werden kann.
am 27. April 2009, 21:23 #
@Prokrastes: Das eine schließt leider das andere nicht mehr aus! Manager, Politiker, Entscheider haben oft keine gute Bildung mehr – jedenfalls keine humanistische. Deshalb sind sie so neoliberal-globalistisch verstrahlt.
Und auch die Entgleisungen des Bischofs sind – volle Zustimmung – daneben. Trotzdem gibt es in den vornehmlich protestantisch und atheistisch geprägten Gegenden Deutschlands mehr Armut. Weniger Bildung. Mehr Arbeitslosigkeit. Und: viel mehr Unzufriedenheit und mangelnde Akzeptanz. Das hat oft weniger mit der Kirche als mit ethischer Erziehung zu tun.
Abgesehen davon habe ich keine “Atheistenkeule” verwendet. Aber da sind wir wieder beim Thema Toleranz. Ich habe jeden möglichen Respekt vor kultivierten Andersgläubigen oder Atheisten.
Prokrastes
am 27. April 2009, 21:38 #
In
bq. Da hier viele Atheisten leben, haben diese Gruppen wohl doch noch Bedarf an ethischer Bildung (…)
sehe ich eine geschwungene Keule. Ist das nur ungeschickt formuliert?
Helen
am 27. April 2009, 21:56 #
nr. 16
Ich bin Ahteist, und muß nun von Ihnen erfahren, daß mir eine ethische Bildung fehlt. Ich bin konfirmiert, also nicht katholisch. Diese Leute haben Sie ja in Ihren Ausführungen ausgenommen.
Ihren Artikel habe ich hingenommen, aber Ihre weiteren Ausführungen empfinde ich als beleidigend. Sie unterstellen einem armen Menschen, daß er keine ehtischen Vorstellungen hat, daß er nichts davon versteht.
Bricky
am 27. April 2009, 22:19 #
Ich gehöre auch zu denen, die das Wahlergebnis befürworten
(nicht weil ich anti-Reli bin sondern weil ich denke, dass es positiv ist, wenn Menschen nicht nach Konfessionen separiert Unterricht erhalten sondern, gerade auch hier in Berlin, wo vieles “bunt durcheinandergewürfelt” ist, gemeinsam Themen erkunden, vergleichen und sich gegenseitig austauschen können).
Die Streitereien zwischen ProEthik/ProReli Vertreter/innen finde ich sehr schade.
Natürlich sollte der Ethikunterricht verbessert werden … das ist doch ein sich ständig wandelnder Prozess, hoffe ich zumindest!
(Wie bei anderen Unterrichtsfächern auch).
Und: Es sollten die Schüler/innen aktiv beteiligt werden, weil sie es sind, die in einem multikulturellen Umfeld aufwachsen und daher mehr mit Schnittstellen/Interessen/Auffassungen zu tun haben als die meisten Lehrkräfte (allein schon der Altersuntrschied macht viel aus – das ist sehr diffizil).
Letztere haben dann vielleicht eine bessere Chance, adäquaten Unterricht zu machen – was für Lehrer und Schüler nur gut sein kann ;-).
Religion sollte nicht verachtet werden.
Ich hatte mit verschiedenen Menschen Kontakt, die ihre Religion sehr bewusst gelebt haben (was mir anfangs, gebe ich zu, sehr befremdlich war).
Durch diese Leute habe ich viel lernen können (gerade auch im Bereich der Toleranz und “einfach mal Nachfragen und andere Sichtweisen kennenlernen”).
Glauben kann sehr viel Kraft und Hoffnung geben – das darf man einfach nicht ignorieren!
Vieles ist in Religionen ähnlich wieder zu finden. Da kommt Ethik wieder ins Spiel als Verknüpfung und Brücke zu “weltlichen Ansichten”…
am 27. April 2009, 22:20 #
@Prokrastes: nun ja, vielleicht etwas ungeschickt formuliert.
Es war nicht als Keule gemeint. Ich sehe eher mit Bedauern, das es in Deutschland ein immer grösseres Nord-Süd Gefälle gibt, im Osten ist es noch etwas differnzierter zu betrachten. Und da hängen Bildung, Erziehung und anderes eben doch mit dran!
Als Katholik, der wegen unsäglichen Verhaltens und maßloser Ignoranz der derzeitigen Kirchenführung aus der Kirche ausgetreten ist, bin ich in Berlin schon häufig wegen meiner christlich-humanistischen Grundeinstellung zumeist unsachlich und diffamierend angegriffen worden – von Atheisten. Vielleicht hab ich dadurch etwas Respekt verloren, was nicht sein sollte. Sorry, wenn das als Keule rüberkam. Kritisch bleibe ich dennoch.
am 27. April 2009, 22:33 #
@ Helen: nirgendwo steht, das Atheisten keine ethische Bildung haben! Steht auch schon im Artikel, Helen!
Und für Armut allein kann niemand etwas. Und das heisst auch nicht, keine Ethik zu haben. Bitte genau lesen!
Ich sprach von Kombinationen, die es leider zu beklagen gibt, die aber noch nicht einmal in der Schuld der betroffenen liegen muß, es ist eher ein Summe aus verschiedenen Fehlentwicklungen.
Oder wollen Sie abstreiten, das eine schlechte Bildung nicht auch zu mehr Wahrscheinlichkeit an Armut führt?
Das mangelnde Ethik und Bildung oft zu Orientierungslosigkeit bei Jugendlichen führt, egal ob katholisch, protestantisch, muslimisch?
Sie beweisen mir einmal mehr mit Ihrem Kommentar, das es wirklich schwierig ist, zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen (auch Atheismus ist eine Glaubensrichtung) zu vermitteln oder zu verbinden, da kaum jemand von seinen Standpunkten weicht und bewusst falsch verstehen will. Mir passiert das auch manchmal, ich bin aber bemüht, es einzugrenzen, das es nicht zu einem konstruktiven Miteinander beiträgt.
Toska
am 28. April 2009, 05:40 #
Um das mal zum Abschluss zu bringen, Berlin spielt mal wieder eine Sonderrolle.
In anderem Bundesländern gibst darüber keine Diskussionen geschweige einen Volksentscheid. Von anderen Ländern will ich garnicht erst anfangen.
Ich sehe dass sehr gut an meinen Enkelkindern, die in internationalen Schulen (im Ausland )gehen, wo so etwas überhaupt kein Thema ist, sondern Religion in all seinen Richtungen gelehrt wird.
Und was dabei rauskommt-nennt man dann schon Bildung.
Deutschland hat in der Richtung absolut nichts zu bieten, und der Bildungsgrad ist dem entsprechend.
Mehr habe ich zu diesem Thema nicht zu sagen.
ulla
am 28. April 2009, 08:39 #
@Toska
Ich glaube, hier irren Sie. In anderen Bundesländern, vorne weg NRW, gibt es schon Diskussionen ob dem Berliner Modell nicht gefolgt werden sollte.
In vielen anderen Ländern, z.B. USA, Frankreich und Türkei sind Staat und Kirche streng geteilt. In Spanien ist Religion kein Pflichtfach mehr, in Amerika gibt’s übrigens gar keinen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen.
Wenn ich jetzt Ihren Thesen mal folge, kann der Bildungsstand in diesen Ländern auch nicht höher sein als in Deutschland – und in Deutschland ist er überall gleich (Ihr vorletzter Satz: “Deutschland hat in der Richtung absolut…..), in Berlin genau wie in MeckPom oder Bayern.
In Berlin wird Religion doch auch gelehrt und der Senat ist absolut nicht kirchenfeindlich – er unterstützt das ja großzügig. Nur, in Berlin ist die Teilnahme am Religionsunterricht eben – seit 1948 – freiwillig. Wo liegt da das Problem?
ulla
am 28. April 2009, 09:49 #
@Toska
Inzwischen habe ich mich mal noch so ein bißchen schlau gemacht über Religionsunterricht in Europa.
Auch in dem von uns so geliebten Italien ist die Teilnahme am RU seit 1984 freiwillig. Alternativ gibt es ein unserem “Ethik” entsprechendes Fach – ebenfalls auf freiwilliger Basis.
Der einzige Unterschied zu Berlin ist also, daß “Ethik” hier für 3 Jahrgänge verpflichtend ist. Damit kann man leben, meine ich.
Helen
am 28. April 2009, 13:26 #
@ Michael
Dann sehen Sie sich Ihren Beitrag Nr. 16 an. Ihren Artikel habe ich akzeptiert, das habe ich ja geschrieben, aber ansonsten arbeiten Sie mit Unterstellungen, die ich nunmal als beleidigend empfinde. Das soll mein letztes Wort dazu sein.
Toska
am 28. April 2009, 17:26 #
@Ulla
Ich ziehe immer Vergleiche zwischen der Schule meiner Enkelkinder und den Unterricht hier. Dass hat jetzt aber nicht mit Vorurteile zu tun, ich habe bloss immer das Gefühl, dass man hier irgenwie den Anschluss verpasst.
Ich meine dass auch mit dem Bildungsgrad im allgemeinen.
Aber mit Italien, sind Sie sich da sicher? Also ich muss gestehen, mir ist davon nichts bekannt, dass da RU freiwillig ist. Selbst mein Gatte ist etwas baff.
Haben Sie da eventuell ein Link oder andere Info. Wäre sehr nett von Ihnen .
ulla
am 28. April 2009, 21:23 #
@Toska
Ich habe das bei Wikipedia unter “Italienisches Schulsystem” im Abschnitt “Stundenpläne” und unter “Religionsunterricht in Europa” (dw-world.de/dw/article
/0,,1551342,00.html) gefunden.
Ist übrigens ganz interessant, wenn man sich mal näher damit befaßt, wie es in anderen Ländern gehandhabt wird.
Toska
am 29. April 2009, 05:34 #
Danke @Ulla , ganz lieb von Ihnen
Ja stimmt, man sollte sich damit auch befaßen wie es wo anders gehandhabt wird. Ist ja auch interessant.
Schaue mir mal das heute Abend an. Osvaldo ( mein Mann ) wills jetzt auch wissen.
Muss los, die Pflicht ruft. Schönen Tag wünsche Ich Ihnen.
ulla
am 29. April 2009, 21:49 #
@Toska
Was habe ich denn da gestern für einen Murks fabriziert? Das war wohl die (Frühjahrs)Müdigkeit. Hier ist das Gleiche nochmal in Reinschrift:
Toska
am 30. April 2009, 06:25 #
Ach @Ulla alles halb so schlimm.
Aber mit der Frühjahrsmüdigkeit haut es hin. Ich war gestern sowas von daneben auf Arbeit. Gott sei Dank , dass der Chef auch nicht ganz klar war ;-)
Aber nochmals vielen Dank. Ich schaue mir das in Ruhe an.
Wünsche Ihnen schönen 1. Mai
Allen anderen auch.
Siegfried Bahr
am 30. April 2009, 17:20 #
Ich habe hier oft von Atheisten gelesen. Dazu möchte ich folgendes (auch über mich) schreiben:
Also ich bin kein Atheist (müßte ich ja wissen). Ich glaube an keine übernatürlichen Wesen. An einigen Mitmenschen bemerke ich, dass sie an etwas glauben, das sie mit “Gott” bezeichnen. Kann ich auch nichts mit anfangen.
Ich bin kein Diabetiker. Ich bin aber auch kein Nicht-Diabetiker. Meine Eltern haben mir einen Namen gegeben,- das reicht. Also bin ich (und das darf ich ja wohl selber entscheiden) kein Atheist. Ich glaube hingegen (bin sogar ziemlich sicher), dass mit jedem neuen Menschen, der in die Welt geboren wird, ein neues “Universum” erscheint, welche alle Möglichkeiten zu seiner Entfaltung mit sich bringt. Ich glaube, dass wenn man diese Entfaltung nicht aus Dummheit oder eigener Verkümmerung verhindert, Liebe, Zärtlichkeit, Wahrhaftigkeit und die Summe aller sozialen Kompetenzen wachsen und gedeihen können, die eben wachsen und gedeihen, wenn Menschen aneinander und miteinander Menschlichkeit lernen dürfen. Menschlichkeit ist im Menschen (eigentlich) drin. Wenn das nicht klappt, weiß man eigentlich heutzutage, warum es nicht klappt: Schlechte Pädagogen, große Moralisten, sozial abträgliche Verhältnisse, selbsternannte Propheten und die Summe aller Kleingeister.
So,- das war ein superkurzes Glaubenbekenntnis. Könnte mir nun jemand sagen, weshalb er mich als Atheisten bezeichnet?
Das Gegenteil von etwas, was es nicht gibt (Gott), gibt es dann doch auch nicht. Könnten Christen nicht die Menschen, welche ihren Glauben nicht teilen, einfach nur zur Kategorie Mensch zählen und sie bei ihrem Namen nennen? Ich sehe da keine Probleme.
Übrigens: Ich hasse Kategorien. Atheist ist eine davon.
cora
am 1. Mai 2009, 01:23 #
@Siegfried Bahr
Schöner Beitrag, danke dafür.
Zähle mich dann einfach mal zur Kategorie “Mensch”.