Carrotmob in Berlin - Einkaufen zur CO2-Reduktion
Sebastian in Stadtnotizen am 2. Juni 2009, 12:18 10 Kommentare »
Eigentlich hält man störrischen Eseln eine Mohrrübe vor die Nase, um sie zum Laufen zu bewegen. Wenn das Lockmittel stimmt, kann aber auch Menschen bewegen. Gekoppelt mit dem Prinzip des “Flashmob”, also einer Menschenansammlung zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort, wird daraus ein so genannter Carrotmob.
Die Idee dahinter, ist einfach erklärt. Eine große Menge von Leuten kommt zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem Laden und kauft dort ein. Einen gewissen Anteil des Umsatzes, der so in kurzer Zeit entsteht, wird vom Besitzer garantiert in Umbaumaßnahmen gesteckt, die den Energieverbrauch senken. Verbrauchermacht mal nicht als Boykott, sondern als werbewirksame Einkaufsgemeinschaft.
Die Organisatoren wählen den Laden aus, der vorher den größten Anteil des Umsatzes für den “guten Zweck” verspricht. Bleibt zu Hoffen, dass die Leute Dinge kaufen, die sie ohnehin erstanden hätten, und nicht irgendeinen Scheiß.
Diese Idee, die 2008 schon in San Francisco erfolgreich gelaufen ist, wie dieses Video zeigt, kommt jetzt nach Berlin. Am 13. Juni zwischen 16 und 21 Uhr soll ein Spätkauf in Kreuzberg von Konsumenten “gestürmt” werden. Welcher Spätkauf es sein wird, entscheidet sich noch. Alle Infos dazu finden sich auf der Webseite von carrotmobberlin.
10 Kommentare
am 3. Juni 2009, 23:38 #
Klingt offen gesagt nach einer ziehmlich schwachsinnigen Idee. Man kann nur hoffen das das wieder aufhört. Leider setzt sich ja der größte Blödsinn meistens durch. Wenn ich das noch mal zusammenfassen darf:
Es wird also zum Zweck der Energieersparnis (also CO2-Reduktion) dazu aufgerufen zu einem bestimmten Zeitpunkt in einem bestimmten Geschäft einkaufen zu gehen. Die wenigsten werden sich sicherlich zu Fuß dort hin bewegen, da die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist das viele Leute zum gleichen Zeitpunkt am selben Ort Zahncreme oder Schuhe brauchen wird sicher nur Zeug gekauft das man nicht braucht. Viele userer Produkte werden sonstwo zu unterirdischen Bedingungen produziert bei denen CO2 keine Rolle spielt.
Aber das ist sicherneschöne Sache für den eine oder anderen Berlin-Yuppie. Ich habe die Befürchtung das der Besitzer des besagten Spätkauf bis Jahresende im Dunkeln verkaufen muss weil er den Mund zu voll genommen hat. Uhaaaa haaa haa.
Egal! Fight the Schwachsinn! ;)
Max
am 4. Juni 2009, 01:03 #
Warum? Da steht doch auch als extra ‘Hinweis: Bitte a) reis nicht extra zwei Stunden mit Auto und Bahn für den Carrotmob an (gerne mit dem Fahrrad!) und b) kauf auch nicht mehr ein als du brauchst und auch normal einkaufen würdest! Es geht bei der Aktion darum die Macht des bewussten Konsums zu zeigen – nicht extra CO2 in die Luft zu blasen oder den sinnlosen Konsum zu fördern…’ Klar, die Frage ist wer dies bei dem ganzen Hype darum beachten und befolgen wird… Ich find die Aktion klasse und mir fallen so spontan auch keine anderen Wege ein um die Macht des bewussten Konsums so deutlich zu zeigen… dir?
Jürgen (hsb)
am 4. Juni 2009, 08:06 #
Vernünftige Methoden bezüglich Konsum wären zum Beispiel:
1. Nur das zu kaufen, was man wirklich braucht. Manchmal kann einem angst und bange werden, wenn man sieht, wie sich das Warensortiment immer weiter aufbläht und die Produzenten krampfhaft versuchen, neue Käuferschichten zu finden. Es gibt dann auch Momente (z.B. Autos), wo dann die Über-und Falschproduktion in eine richtige Krise ausartet.
2. Vor allem bei Lebensmitteln (frisch, schmackhaft) und da wo möglich, auch bei anderen Produkten, saisonal und regional kaufen. Das hilft einheimischen Produzenten, hält Wertschöpfung im Lande und spart Energie. Man muß deshalb nicht gleich versuchen autark oder protektionistisch zu werden.
ulla
am 4. Juni 2009, 09:58 #
Das klingt ja alles sehr vernünftig und abgeklärt und gesund und preiswert; aber wer möchte schon so durch’s Leben gehen? Ohne Freude an Dingen, die man nicht braucht; aber gerne hätte und dann auch irgendwann kauft – egal ob es die original italienische Pasta, das 10. Paar Schuhe oder ein neuer technischer Gegenstand ist?
Volkswirtschaftlich wäre das m.M. nach auch nicht so clever. Mal frei nach Henry Ford: “Spreewäder Gurken kaufen keine Spreewälder Gurken”.
Wenn niemand mehr den Bedarf nach “unnützen” Gegenstände weckt, diese herstellt und verkauft – dazu braucht’s ‘ne Menge Arbeitsplätze – hat bald auch niemand mehr das Geld um Spreewälder Gurken zu kaufen. In Deutschland gibt’s eben viel mehr Arbeitsplätze in der Industrie als in der Landwirtschaft.
Wollen wir beten, daß in anderen Ländern nicht ähnlich gedacht wird; denn noch sind wir Exportweltmeister.
Spreewälder Gurken werden übrigens auch exportiert ;-).
am 4. Juni 2009, 12:53 #
Ulla (4) schön und gut aber die Leute die die Spreewaldgurken pflücken und einlegen sind vergleichsweise gut bezahlt, sozialversichert und hier gibt es einen Arbeitnehmerschutz!
“…Arbeiter, denen Maschinen Hände oder Arme abgerissen haben. Die Firmen scheren sich nicht um Arbeitsschutz und schon gar nicht um Entschädigungen…” (Zitat: www.china) Übrigends geht es hie rauch um Firmen die Jahrelang subventioniert worden sind und jetzt dort produzieren.
Das ist der Grund warum Moral und Ethik schwerer wiegen als Pasta oder Schuhe. Aber mit der Moral ist das sone sache wenn hier geschlossen die freitliche demokratische Weltordnung propagandiert und dort mir ner Diktatur Zusammenarbeitet.
Fazit Geschichte wirderholt sich immer! Niemand lernt aus fehler. Wer soll denn sonst so viel Spreewaldgurken essen. uhaaaa
PS.: der o.g. Chinese kann jetzt gar nicht mehr “durch Leben gehen”
Helen
am 4. Juni 2009, 21:09 #
Wer denkt sich nur diesen Unsinn aus – arme unterbelichtete Menschen sicher.
Time
am 4. Juni 2009, 21:26 #
… so unterbelichtet, dass sogar die Time ( www.time.com/time/business/article/0 ) über solche Aktionen berichtet. Inzwischen überall arme und unterbelichtete Menschen, wo soll das alles nur enden?
Helen
am 4. Juni 2009, 21:41 #
Na und? In unseren Medien gibt es auch Berichte über unterbelichtete Sachen.
am 28. Juni 2009, 02:36 #
Ich finde solche Aktionen gut! Zwar sparen sie effektiv so gut wie kein Co2 ein, doch sorgen sie wenigstens dafür dass die ganze Thematik im Bewusstsein der Menschen bleibt und sie so ein wichtiges Thema nicht durch andere Ablenkthemen wie etwa Wirtschaftskrise und Co. vergessen.
Bricky
am 28. Juni 2009, 22:18 #
Zur Carrotmob gab es doch schoneinmal was …
@ Jürgen:
Ja, der Einwand ist sehr gut!
Es gibt zum Kaufverhalten und zur Disziplinierung ganze Horden an Büchern.
Na, es hilft beispielsweise, wenn man sich im Vorhinein eine Liste macht und auch nur soviel an Kohle mitnimmt, die man ausgeben möchte und kann.
@ Helen:
Hatte Sie nicht für so engstirnig gehalten …
Naja, als “unterbelichtet” werden halt Menschen tituliert, die
1. minderbemittelt sind = heutzutage H4 = asozial,
2. in irgendeiner Form behindert sind, insbesondere geistig
Hab ja selber auch meine Meinung bezüglich der Masserei von Menschen,
und finde diese Lebensform eigentlich nicht so prickelnd,
bin jedoch eher vorsichtig mit Stigmatisierung und Verurteilung von Schwächen.