DDR & BRD ade: Deutschland 20 Jahre nach dem Mauerfall.
Michael in Schlagzeilen am 9. November 2009, 15:03 23 Kommentare »
Wolfgang Tiefensee (SPD), Ex-Verkehrsminister der abgewählten Großen Koalition, hatte als damaliger Ostbeauftragter (Die DDR-Geschichte muss in den Schulen auf den Stundenplan) eine Emnid-Umfrage in Auftrag gegeben, um 20 Jahre nach dem Mauerfall neue Erkenntnisse über die Befindlichkeiten des Volkes zur eigenen Geschichte, der DDR, zu erfahren. Die in Berlin veröffentlichte Studie hat vor einigen Monaten vor allem im Internet zum Teil heftige, unsachliche Diskussionen ausgelöst. (Die Fragen der Emnid-Umfrage).
Das heutige Jubiläum “20 Jahre Mauerfall” nehme ich zum Anlass, einen Blick auf verschiedene Meinungspositionen zu werfen, die beide Seiten beleuchtet, der Versuch eines kurzen “L’etat de choses” (“Ist-Zustand”) Deutschlands zum heutigen Tag.
DDR: zwischen Verklärung und Verteufelung
Was von der DDR übrigblieb, individuell: vielleicht eine glückliche Kindheit, eine schöne Zeit im FDJ, die Erinnerung an eine zufriedenstellende Arbeit, das gute Gefühl, in einem “beschützen Raum” gelebt zu haben. Mit Einschränkungen, die für den braven Bürger ohne Kundtun einer öffentlichen Meinung überschaubar waren. Ohne Sorge vor Inflation, Energiemangel oder unbezahlbaren Mieten.
Anders ausgedrückt: ein durch und durch organisiertes System (deutsch halt) , mit (Stasi-unterstützter innerer) Sicherheit und damit Kalkulierbarkeit des Volkes, der Meinungen. Dankbar vom Westen als Feinbild angenommen, wofür dann ausnahmslos alle Regierungen der BRD Milliarden in ein moskautreues System, ein Regime steckten, das, obwohl Klassenfeind, in einer merkwürdig ambivalenten Art gepflegt, gefüttert und gehasst wurde. Leger ausgedrückt, könnte man sagen: die DDR, ein treuer Franchise-Nehmer der Moskauer Kommunismus-Spielart, subventioniert von Moskau (zuerst), später vom Westen. Obwohl ein erfolgreicher Industriestaat, war der Staat durch Reparationsleistungen an die Freunde im tiefen Osten und Extremsubventionen (Wohnungsbau, Energie, ÖPNV) nicht auf Dauer überlebensfähig.
Nina Hagen gab in der Boulevardpresse vor einigen Tagen zum Besten: “so bunt war meine DDR”, sie bemängelte, dass die Darstellung der DDR als ausschließlich autoritären und biederen Staates wohl daher rühre, dass ein “Massenvergessen”, so Hagen, über das in der DDR “sehr solidarische und bunte Leben” eingesetzt habe. Jedenfalls hat die frisch getaufte Christin einen Liebesbrief an Papst Benedikt geschrieben und betonte in ihrem Interview in Moskau auch die wichtige Rolle der Kirchen in der DDR beim Widerstand gegen das Regime.
Auch der greisen Margot Honnecker (82) wurde nochmals Gehör geschenkt: sie feierte am anderen Ende der Welt im Kreise von Freunden in ihrem Asyl Santiago de Chile 60 Jahre DDR. Dazu ließ sie sich filmen und setzte das Video, ganz zeitgemäß, ins Internet. Darin sagte sie: 50 Prozent der Ostdeutschen sagen: Wir leben schlechter im Kapitalismus. Wir haben eine schöne Zeit gelebt in unserer DDR. Weiter äußert sie im Video: “man kann damit rechnen, dass [es] in Deutschland weiter bergab geht – nicht mit der Industrie, sondern mit der Arbeiterklasse”. Man mag die eiserne Margot sehen wie man will, zumindestens mit diesem Satz hat die strenge und eher kalt-unsympathisch wirkende Frau Recht.
Freunde in Moskau, Freunde in Washington: die Deutschländer als Systemfans
Für das politisch unbefleckte Lieschen Müller war die DDR als Staat mit billiger Mietwohnung, geringen Energiekosten, mit den VEB-, LPG Strukturen und Warteschlangen für Konsumgüter genau so normal und harmlos wie die BRD für Otto Normalverbraucher im Westen, der brav seiner Schicht nachging, drei Jahre in der Gewerkschaft war, ein Auto, ein Haus, ein Leben kaufte, der amerikanischen Ideologie von totaler Marktwirtschaft.
Die einen hatten die Freunde in Moskau, die anderen in Washington. Beide haben Aufbauhilfen bekommen, beide haben teilweise (und manche sogar nachhaltig) die Ideologie ihrer Gründerväter übernommen – und davon profitiert, wenn auch in unterschiedlicher Weise, die sich aber erst in den 60er Jahren deutlicher abzeichnete. Während der Westen sich zunehmend von “Altlasten”, Reparationsleistungen und Alt-Nazis befreite, wurde der Osten weiterhin wirtschaftlich ausgeblutet und geplant verwirtschaftet. Man lernte, mit dem klarzukommen, was es gab, Perspektiven für einen “Ausbruch” außer “rübermachen” gab es wenige, im Gegensatz zur BRD. Dafür gab es ein anderes kostbares Gut: Zeit, etwas mehr Zusammenhalt (wenn auch eher gezwungen) und relativ wenig echte Zukunftsängste (teils aus Unwissenheit).
Beide Systeme hatten ihre Bürger, die sich am System des Staates nicht sonderlich störten, sondern ihr Leben lebten. Im Lauf der Jahre hatte die Mehrheit der Bevölkerung mit den Besonderheiten des Staates arrangiert. Und in beiden Staaten sind Individualisten letztendlich gestrandet, gescheitert, enttäuscht, frustriert. Die einen blieben ohne wirtschaftlichen Erfolg, kehrten sich ab vom Mainstream des Wirtschaftsgefügen und arrangierten sich mit Jobs, Sozialhilfe und stiller Opposition. Die anderen im Osten sahen sich mit politischen Gängeleien konfrontiert, kamen nicht weiter, rieben sich und ihre Familien auf.
Planwirtschaft contra Neoliberalismus: Schwächeanfälle bei beiden Systemen durch Exzesse
Jedes demokratische System macht Fehler, ist angreifbar, hat seine Schwächen. Es bedeutet aber auch eine Form von Selbstverantwortung, Mitbestimmung, anstrengenden Entscheidungsprozessen. Denen ist, sowohl im Westen wie im Osten, nicht jeder gewachsen.
Die DDR war, wie vorher schon erwähnt, für den Großteil seiner Bevölkerung ein lebbarer Staat, in dem sich zunächst viele wohlfühlten, eine wachsende Menge des Volkes aber mit der Zeit auch nicht. “Die DDR war ein Schreckensstaat für alle, die eine Meinung hatten”, so schrieb eine Kommentatorin in der Lausitzer Zeitung.
Der wirtschaftliche Niedergang der DDR zeichnete sich früh ab, so wie sich heute in der globalisierten Welt der Niedergang eines falsch verstandenen Neoliberalismus – abzeichnet. Ein echter klassischer Neoliberaler in der Tradition von Hayek oder Dahrendorf würde niemals staatliche Gelder für den Erhalt unrentabler und schlecht geführter Betriebe kassieren, sondern im Sinne einer sozialen Marktwirtschaft handeln, die weit davon entfernt wäre, Verluste zu sozialisieren und Gewinne fast steuerfrei zu privatisieren. Das wäre eher klassischer Liberalismus, der der Wirtschaft absolut freien Lauf gibt. Und genau darin liegt die Schwäche der in der BRD ehemals gut funktionierenden sozialen Marktwirtschaft: populistische Politik, Rentenversprechen, Fehleinschätzungen und einer Lockerung des Systems unter Aufgabe sozialer und paritätisch verteilter Sozialsystem wird zu einer desolaten Schieflage des Sozialsystems und einer absurden Weiterverschuldung des Staates führen – zugunsten internationaler Gesellschaften.
Für die Absurditäten der Kommandowirtschaft der DDR nennt Gerhard Schürer (1965 bis 1989 Vorsitzender der Staatlichen Plankommission beim Ministerrat der DDR) heute das folgende Beispiel: „Lieferte ein Züchter ein Kaninchen an den Staat, erhielt er dafür 60 Mark. Kaufte er es danach geschlachtet und ausgenommen bei der Staatlichen Handelsorganisation HO zurück, kostete es trotz der aufgewendeten Arbeit nur 15 Mark.” So einfach lässt sich das komplex wirkende Banken-, Shareholder-Value und Hedgefond-System des Westens auch beschreiben: eine Wett- und Spielbörse zu Lasten des Mittelstandes und der einfachen Leute. Ein Casino-Kapitalismus, schön beschrieben in der Süddeutschen Zeitung anhand des Unternehmers Merkle.
Diese Wahrnehmung einer Realität, die das Gute verdrängt und sich am “guten Alten, vertrauten” festmacht, führt hier zur Ostalgie. Und zu einer Verklärung des Westens (golden oder böse) ebenso.
Und im Westen zu ungläubiger, ebenso naiver Wut, haben wird das gewußt? gewollt? verdient? Kein Besserwessietum, sondern mehr politischer Pragmatismus, verbunden mit wirtschaftlichen Hoffnungen, die ersten West-Ängste vor den Folgen einer wachsenden Globalisierung mit unkalkulierbaren Folgen für das eigene, bis dato geschütze System.
Der Philosoph Richard Schröder, seit 2001 im nationalen Ethikrat in Berlin, fasst die Renaissance des Ostalgischen in den Worten zusammen: “Ostdeutsche können durchaus stolz darauf sein, was sie unter den Bedingungen der Diktatur geleistet haben, aber sie können doch nicht stolz sein wollen auf diese erschwerenden Bedingungen." Ein weises Wort, denn die Bevölkerung der DDR hat viel geleistet, deshalb ist es auch folgerichtig, dass viele unzufrieden mit der heutigen Wahrnehmung “ihrer DDR” waren und sind, dabei aber oft verdrängen, dass eben diese erschwerenden Bedingungen die Diktatur, das Überwachungssytem, die fehlenden Reisemöglichkeiten, das Fehlen der Freiheit an sich waren.
Das Problem 2009: die Erwartung, zu Leben wie im Sozialismus (oder einem anderen nicht wirtschaftlich finanzierbarem System), aber zu verdienen wie im Kapitalismus. Dass beides nicht kompatibel ist, wird von manchen einfach ignoriert und man trauert dann der alten DDR nach, einer Diktatur, einem Unrechtsstaat, der bereits 1983 das erste Mal pleite war – so schreibt es treffend ein anderer Kommentator zur Emnid-Umfrage.
1980 titelte der Spiegel: die fetten Jahre [in der BRD] sind vorbei. Waren sie noch nicht. Aber damals zeichnete sich via Maggie Thatcher, Tony Blair, Helmut Kohl, Ronald Reagan ein liberaler Konservatismus ab, der einen selektiven Rückbau der erreichten sozialen Errungenschaften und Standards begann, der mit Kohl noch seine sanfteste Form hatte. Auch die BRD hatte wirtschaftliche Probleme, aber sie konnte sich selbst finanzieren.
Die Zukunft
“Die Berliner in Ost und West sind sich seit 1989 erstaunlich ähnlich geworden – vor allem in der Pflege der wechselseitigen Vorurteile”, so schrieb es gestern Stefan Jacobs im Tagesspiegel. Weiter schreibt Jacobs im Artikel süffisant (und zutreffend): Forscher vermuten, dass die Klischees der Selbstbestätigung dienen. Aber eines Tages, sagen sie, könnte Berlin echte Weltbürger hervorbringen.
Auch in den anderen Ländern machen sich Menschen Gedanken, was die Wende bewirkt hat und bewerten manche Entwicklungen auch kritischer oder setzen sie in einen neuen Kontext. Slavoj Žižek, Direktor des Birkbeck Colleges der Londoner Universität, dazu: die Mehrheit der Proteste gegen die kommunistischen Regime in Osteuropa fragte nicht nach Kapitalismus. Sie wollten die Freiheit, ihre Leben außerhalb staatlicher Kontrolle zu leben, und genau da kann die berechtigte philosophische Frage einsetzen: wie frei ist der Mensch wirklich, was haben Aufklärung und Demokratie verändert?
Deutschland 20 Jahre nach dem Mauerfall ist anders als die DDR und die BRD zusammengewürfelt. Es hat sich viel verändert, vieles ist gewachsen, manches ist verkümmert, nicht alle sind glücklich, aber es ist etwas in Bewegung, und das vereinte Deutschland bietet – bei aller Kritik – noch ein gutes Maß an sozialer Sicherheit.
Ein einfaches, aber funktionierendes Rezept für Berlin, Deutschland: zusammenwachsen, zusammenleben, sich den Herausforderungen der Zukunft stellen und weniger verdrängen, lieber mehr miteinander reden, versuchen, zu verstehen und gemeinsam für Arbeit, gutes Einkommen und soziale Gerechtigkeit kämpfen. Keine sozialen Disparitäten zulassen. Das geht immer in unserer Demokratie. Wird aber konsequenterweise nicht “von oben” verordnet, sondern muss selber erarbeitet werden durch aktive Teilnahme.
Und genau da setzt das Problem für Demokratie-Ungeübte Deutsche ein. Arbeiten wir dran – gemeinsam!
28 Kommentare
Werner Bredebusch
am 9. November 2009, 16:40 #
Ja,ja die freie Meinungsäußerung .Sagen Sie mal in einer Firma in der BRD frei Ihre Meinung,mal sehen wie weit man damit kommt. Es herrscht oftmals ein Klima der Angst. Mitarbeiter werden kontrolliert und überwacht ,alles Realität im ach so freien Westen. Einer ist des anderen Wolf. Ja und so wars halt nicht zu DDR Zeiten. Da gabs Zusammenhalt und Solidarität. Und wegen des Verzehrs von Maultaschen (die ohnehin wegeworfen werden sollten) flog schon gar keiner raus.
Thema Unrechtsstaat ,das Recht ist immer das Recht der herrschenden Klasse. In der BRD gabs ja keine Berufsverbote gegen Andersdenkende,nicht war.? Gabs ja alles nicht. Musste bisher ein Bankmanager vor Gericht ? Die haben MRD € verzockt und kriegen dafür dann noch Steuergeld. Bei einem Arbeiter reicht der bloße Verdacht (siehe Pfandbon Wert 1,30€ um Ihn zu feuern.
Fakt ist eins, so beschissen wie in diesem Staate BRD wurde in der DDR kein einziger Mensch. Und so geheuchelt und gelogen wurde auch nicht.
Die BRD ist für mich keine Demokratie oder glauben Sie ernsthaft ein Herr Ackermann lässt sich ins Handwerk pfuschen ? Der feiert seinen Geburtstag nicht ohne Grund im Kanzleramt.Kapitalismus und Demokratie ist ein Widerspruch in sich.
Diese BRD ist ein zutiefst antikommunistischer Staat. Führende Nazis konnten hier Karriere machen. Z.B. ein Herr Globke odeer ein Herr Filbinger.Man könnte ganze Bände über die Skandale dieser BRD füllen….
am 9. November 2009, 17:03 #
@Werner Bredebusch: Ich verspreche, es ist mein letzter Versuch, den Unterschied zu verdeutlichen, um eine vernünftige Diskussion mit Ihnen anzustossen: Das Sie hier gerade Ihre freie Meinung über diesen Staat äussern dürfen, für Ihre Ziele auf die Straße gehen, einen Verein gründen, einen Bürgerentscheid anstossen, in unterschiedlichen Parteien aktiv werden, sogar eigene Parteien gründen, eine Firma gründen und damit schweinereich oder mit Hilfe eines Flugtickets via Frankfurt nach Pjöngjang fliegen (auch one-way!).
am 9. November 2009, 17:05 #
@Bredebusch: man kann ganze Bände über Skandale in der BRD führen. Ja! Und es gab auch Nazis! Ja! Die Angst gab es in der DDR, überall, versteckt! Ich kenne die DDR noch gut!
Die heutige Angst ist Teil eines globalen Systems, Mismanagement von Politik und Wirtschaft. Aber das ist ein anderes Thema. Es lässt sich ändern.
Heute gibt es auch Beton-SED’ler und Stasis in führenden Positionen.
Die DDR hat getötet, verfolgt, nach Bautzen in den Knast geschickt. Da haben nicht nur ein paar Firmen wie die Post, DB, LIDL überwacht, da hat ein Volk sich selbst überwacht, gedemütigt, behindert, verraten, in der geraden Tradition des 3. Reiches. Schon vergessen? Antifaschistischer schutzwall? VOPOS, die drangsalieren? Die Abzocke mit “Eintrittsgeld”? Freikauf von politischen Häftlingen, um die leere Staatskasse aufzufüllen?
Das es gute Seiten gab (in jedem System gibt), hatte ich oben erwähnt, das rechtfertigt aber NIE Verfolgung, mangelnde Freiheit, etc.
Wer so etwas verdrängt, gehört in eine Geschichtswerkstatt mit therapeutischem Charakter!
ulla
am 9. November 2009, 20:42 #
Heute bleibe ich wohl beim Danke-sagen, nämlich Ihnen, @Sebastian und Michael für die Kommentare 2 und 3.
1704
am 9. November 2009, 20:58 #
@ Nobbi #4
das wort “bankrott” geht durchaus in die köpfe der leute, nur warum der bankrotteur dann hingerichtet worden ist, oder, je nach sichtweise, sich durch erzwungenen selbstmord den folgen desselben entzog, wirft hier und da noch immer verwundertes kopfschütteln hervor…
vor gar nicht allzu langer zeit war Argentinien in der situation, den staatsbankrott erklären zu müssen – aber, oh wunder, es hat den bankrott überlebt, auch auf das mittel der selbstentleibung wurde verzichtet, potz falliment & weltbankgruppe…
am 9. November 2009, 21:19 #
Es ist viel Wahres drin in Kommentar 1.
Ich finde trotzdem, dass Sie alles ein wenig zu einseitig betrachten, Werner.
Ich bin jedenfalls froh über das, was heute vor 20 Jahren passierte!
Es war ne friedliche Revolution, es hat bewiesen, wir können (friedlich) was bewegen.
Könnte uns doch auch Mut machen in Bezug auf die heutigen, änderungsbedürftigen Verhältnisse.
Sigurd
am 9. November 2009, 21:30 #
Ich weiß gar nicht ob etwas Satire an diesem so feierlichen Tag erlaubt ist. Da wir deutschen doch alles so ernst nehmen, auch das feiern. Vor zwanzig Jahren begann auch der Aufstieg einer hoffnungsvollen Politikerin aus Mecklenburg-Vorpommern. Deren Aufstieg durch nichts zu bremsen war, auch nicht als Umweltministerin. Dabei hatte sie noch Glück, ihren Nachfolger im Amt hat man gleich nach Afrika geschickt. Der war gar nicht artig. Aber genug der Vorrede, ich überlasse den Zynismus jemandem, der dies viel besser kann als ich. Der Berliner Satiriker Martin Buchholz, von dem öffentlich, rechtlichen Sender dieser Stadt leider sträflichst vernachlässigt.
Satire ist durchaus erlaubt, abschreiben aber überhaupt nicht. Von daher musste ich die Kopie löschen. Ersatzweise hier der Link: Martin Buchholz (lg, susanne)
1704
am 9. November 2009, 21:45 #
@ central station #7
was mut machen kann: daß der klimawandel unumkehrbar erst für das jahr 2050 erwartet wird, wenn Sie verstehen, was ich meine…
(fast ein einzeiler)
necurryauffefaust
am 9. November 2009, 22:00 #
@ Werner Bredebusch:
“Kapitalismus und Demokratie ist ein Widerspruch in sich.”
Nee eigentlich nicht.Da ist nur n Schreibfehler drin.
Eigentlich müsste es heißen TIMOkratie (http://de.wikipedia.org/wiki/Timokratie) und Kapitalismus passen sehr gut zusammen.
Das wurde bis jetzt nur noch nicht geändert da keine Regierung Zeit dafür hatte.
Was die tolle Arbeit in der DDR angeht,haben sie wohl recht.
Wenn kein Material da war dann wurden eben Arbeiterdenkmäler gebaut.
Und die Bauern fanden es auch ganz dufte das ihr Land mit dazugehörigem Gehöft verstaatlicht und zu sogennanten LPG´s zusammengfasst wurde.
Und der allmorgendliche Fahnenapell in der Schule hat auch immer wieder Spaß gemacht.
Und und und…
Hernando Velasquez
am 9. November 2009, 22:02 #
@sigurd
Satire soll das sein?
Mich hat das angekotzt!
Er wird noch viele Jahre mit Merkel leben müssen.
Das gönn ich ihm.
Hier war der Herr Buchhoz besser aufgehoben als bei den Öffentlich-Rechtlichen.
-
Der Text ist jetzt weg. Meine Meinung schwebt daher etwas im luftleeren Raum.
Zur Info: Es ging um Beleidigungen und Verunglimpfung von Bundeskanlerin Merkel. Auf unterstem, menschenverachtenden Niveau.
Als öffentliche Person muss man sich das wohl bieten lassen.
Ich darf aber sagen: Ich finde den Text zum Kotzen.
am 9. November 2009, 22:09 #
Zur Info: Der Text ist hier im HSB gelöscht, aber hinter dem Link auf Martin Buchholz sofort verfügbar.
1704
am 9. November 2009, 23:01 #
@ Nobbi #13
sehen Sie, das schätze ich so an Ihnen, ich kann immer absolut sicher sein, daß Sie immer nur das lesen, was Ihnen gefällt oder was Sie als brauchbar ansehen. z.b. haben Sie folgendes im Abendschaublog in einem kommentar von 1704 völlig überlesen: “mir geht es im übrigen gar nicht darum, dieses oder jenes in abrede zu stellen, was dem MfS anzulasten ist, sondern um die, ggf. nicht einmal gewollte, ‘verniedlichung’ der west- bzw. bundesdeutschen geheimdienste.”, und dann ist da ja noch Ihr altes leiden, texte aus dem kontext zu reißen…
“Wenn die Diskussion sich um den Staatsbankrott der DDR bewegt, dann hätte gar die westliche Staatengemeinschaft der DDR wieder aufhelfen sollen???”
nennen Sie mir vernünftige gründe, warum nicht? vergessen Sie dabei aber nicht den beschluss des Ministerrates der DDR vom 13. Januar 1990… im übrigen argumentieren Sie mit Ihren nachfolgenden “argumenten” “revanchistisch”, ohne die gegebenheiten von 1989 dabei zu berücksichtigen. die DDR, die Sie hier nennen, gab es 1990 nicht mehr, ergo usw. usf. aber spielt keine rolle, ob ich das näher ausführen würde…
spätestens 1989 hat wohl auch der dickste betonkopf in der DDR begriffen, daß das land reformen brauchte, grundlegende, Sie aber argumentieren ganz im sinne gewisser antikommunistischer hardliner, die einfach nicht mitbekommen wollen, daß sich vieles geändert hat(te)… bravo!
können Sie diesem gedankenspiel folgen: was wäre wohl passiert, wenn die bürger der DDR nicht die option gehabt hätten, dem geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland beizutreten? meinen Sie, die damalige DDR wäre dann geschlossen Österreich beigetreten? oder hätte sich Belgien angeschlossen? und glauben Sie, daß z.b. die EU einen solchen staat hätte zugrunde gehen lassen? schon aus geostrategischen gründen hätte man ein solches vakuum mitten in Europa niemals zugelassen, allerdings brauchte man sich darüber auch keine sorgen machen, denn es kam ja, wie wir alle wissen usw. usf.
am 10. November 2009, 07:49 #
Vielen Dank für diesen Artikel,
Hier im Westen des Landes scheinen viele zu glauben die DDR wäre ein Staat gewesen an dem es jeden Tag Asche und Dreck regnete, alle immer krank waren und man außer Angst keine Gefühle kannte. Freude, Glück und sogar Zufriedenheit waren aber tatsächlich auch Bestandteile des Lebens in der DDR. Der Begriff des Regimekritikers ist auch immer so schön weit gefasst, dass im Grunde jeder ein Regimekritiker hätte sein können und dementsprechend auch von der Stasi hätte verfolgt werden müssen. Fakt ist aber, dass konstruktive Kritik an den richtigen Stellen eingebracht nicht bedeutete dass man ab sofort in der Herberge in Hohenschönhausen verweilen musste, sondern manchmal sogar positve Veränderungen hervorbrachte. Wenn sich Leute eingebracht haben um sinnvolle Verbesserungen vorzuschlagen stießen sie auch auf offene Ohren.
Ich will damit nichts rechtfertigen was an Unrecht geschehen ist aber ich bin dagegen dass in den meisten Diskussionen nur schwarz(ost)-weiß(west) gemalt wird.
1704
am 10. November 2009, 12:49 #
@ Nobbi #16
“die DDR, die Sie hier nennen, gab es 1990 nicht mehr, ergo usw. usf. “ (1704, #14)
bezieht sich auf dieses hier von Ihnen:
“Diesem Unrechtsregime also, das nicht nur seine Untertanen bespitzelt, malträtiert, mit Willkür überzogen hat?
… das gegen die BRD mit der RAF kooperiert hat?
… das sich als “friedliebend” bezeichnet hat, und dabei Einmarschpläne mit Atombombeneinsatz gegen den Westen in der Schublade zu liegen hatte…” (Nobbi, #13)
zumindest diesen transfer hätten Sie leisten können…
den sprachgebrauch “revanchistisch” habe ich ganz bewußt gewählt und tatsächlich auch genau so gemeint – so mancher im westen hatte auch 1989/1990 nicht begriffen (und manche auch heute noch nicht), daß die “alte DDR” keine überlebenschance mehr hatte, daß aber daraus keineswegs der einzig mögliche schluß zu ziehen war/ist, die DDR müsse deshalb von der landkarte verschwinden. das spielt heute natürlich praktisch keine rolle mehr.
im übrigen wäre es bzgl. DDR auch nicht um eine “finanzspritze” gegangen, die hätte in der tat nichts nennenswertes bewirkt…
mehr zu schreiben lohnt an dieser stelle nicht…
wünsche einen schönen tag!
Sigurd
am 10. November 2009, 17:41 #
@Hernando Velasquez
Kurt Tucholsky sagte einst, Satire darf alles, damit liegt er wohl nicht ganz richtig.
Satire darf fast alles, nur beleidigen und verunglimpfen darf auch sie nicht. Es ist oftmals ein schmaler Grad, auf dem sich Satiriker bewegen. Sie überziehen Themen oftmals bewusst, um auf Missstände aufmerksam zu machen, oder nehmen, wie in diesem Fall Politiker/innen aufs Korn. Ihnen wäre bestimmt das K***** nicht gekommen, hätte es sich um führende Politiker der SPD oder der Linken gehandelt. So hat eben jeder seine Weltanschauung. Dies ist auch gut so, wären wir alle einer Meinung, bräuchten wir nicht zu diskutieren, dies wäre doch langweilig, oder? Wenn Sie schon k***** müssen, dann bitte nicht auf die Tastatur.
Ihnen hat der Wochenschauer von Martin Buchholz nicht gefallen, dies ist doch in Ordnung. Nicht jeder mag diese Art von Satire. Sie sollten allerdings nicht immer gleich jeden dessen Meinung Ihnen zu progressiv oder zu links oder eben sehr von der Ihren abweicht, in eine ultralinke Ecke stellen. Sie möchten gewiss auch in keine Ecke gestellt werden. Was ich damit ausdrücken möchte, Kritik ist o. k. abstempeln finde ich nicht akzeptabel.
Martin Buchholz ist einer der angesehenen Satiriker in diesem Lande und wird selbst in konservativen Zeitungen hoch gelobt. Welches ja eigentlich schon wieder verdächtig ist. ;-)
@Susanne
Sorry ich hatte tatsächlich abgeschrieben, fast wie früher in der Schule. An einen Link hatte ich in diesem Moment nicht gedacht. Danke für die Bereinigung. ;-))
1794
am 10. November 2009, 19:56 #
@ Nobbi #19
es spielt keine rolle, ob die DDR zu einem gewissen zeitpunkt (k)ein frei gewählter Staat oder (k)ein völkerrechtlich annerkannter Staat war – selbst dem dümmsten marxisten oder anhänger des real existierenden sozialismus war durch die ereignisse von 1989 klar, daß die zeit der SED und damit die alte staatskonstruktion passée war. und genauso war es selbst dem dümmsten kapitalisten, dem stupidesten antikommunisten klar, daß endlich die zeit zum handeln gekommen war…
“Sie sollten einfach mal zur Kenntnis nehmen a) das Ergebnis jener Wahl damals, und b) die daraus resultierende Wirklichkeit.”
habe ich damals schon, dazu braucht es nicht Ihre ermahnung, und ich war damals schon davon überzeugt, daß die leute dabei waren, einen großen fehler zu machen – natürlich ist das meine ganz persönliche sicht, von der ich sehr gut weiß, daß nur wenige sie teilen. man könnte diesen irrtum auch genauer aufdröseln, in den einzelnen details einmal betrachten, aber sicher nicht hier und sicher nicht im dialog mit Ihnen…
machen Sie sich einen schönen abend!
Hernando Velasquez
am 10. November 2009, 22:18 #
@sigurd #20
Satire darf fast alles, nur beleidigen und verunglimpfen darf auch sie nicht.
Jetzt mal Butter bei die Fische: Ist der Text nun beleidigend und verunglimpfend gegenüber Frau Merkel oder nicht?
In eine ultralinke Ecke hab ich Buchholz nicht gestellt. Lediglich auf eine frühere Wirkungsstätte hab ich verlinkt. Das ist doch ok. Oder?
Ich würde es auch nicht gut finden, wenn Margot Honecker so behandelt würde.
1704
am 11. November 2009, 02:05 #
@ Hernando Velasquez #22
“Jetzt mal Butter bei die Fische: Ist der Text nun beleidigend und verunglimpfend gegenüber Frau Merkel oder nicht?”
nennen Sie doch einmal die stellen in dem text von Martin Buchholz, die Sie als “beleidigend” und/oder als “verunglimpfend” ansehen/empfinden – ich z.b. finde an dem text von Buchholz nicht gerade jeden satz gelungen, aber “beleidigend”? “verunglimpfend”?
mich erinnert der text von Buchholz an jenes wahlplakat, auf dem Vera Lengsfeld und die Bundeskanzlerin mit oberweiten-ausschnitten zu sehen sind und der text: Wir haben mehr zu bieten
die öffentliche reaktion auf dieses plakat führte dazu, daß dieses plakat von der CDU-führung wieder “einkassiert” worden war, weil vielleicht doch zu “anstößig”, zu “ungebührlich” – dabei war es eines der interessantesten plakate des gesamten wahlkampfes, nicht wegen des gewährten blicks auf irgendwelche oberweiten, sondern weil es einen enormen “subtext” aufwies, im gegensatz zu den meisten anderen wahlkampfplakate dieser tage, die sich durch tumbe einfalt auszeichneten…
was will ich damit sagen: möglicherweise regen Sie sich hier gar nicht über eine art “beleidigung” oder “verunglimpfung” auf, sondern über das, was im subtext angesprochen wird und der, in welcher form auch immer, bei Ihnen sozusagen unterschellig “werte” in frage stellt. eine linie des subtextes ist ja wohl die assoziation zu “mutter der nation”, ironisiert als kuh. und wenn Sie sich auf dieser ebene einmal den text näher ansehen, dann sehen Sie vielleicht, daß sich dieser text evtl. an den stellen, die Sie als “beleidigend” oder “verunglimpfend” empfinden, gar nicht mehr von Angela Merkel als person die rede ist, sondern von der “ikonographie” “kuh” oder “mutter” oder “muttertier”, und darin kann ich nichts beleidigendes sehen noch etwas verunglimpfendes, allerdings macht sich Buchholz darüber eben lustig und treibt ein ironisches spiel mit diesen vorstellungen. und er gibt sogar einen hinweis darauf, auf welcher klaviatur er sich dort bewegt: “Wer hieß dich denn, dein Handtäschchen zu nehmen und IHM zu folgen. ER war es! “ – “Angelaaa! Du, unsere künftige Mutter Kuh-Rage”. ich muß wohl nicht erklären, daß Buchholz hier in ironischer weise das christentum bemüht? und daß mit Mutter Kuh-Rage Brechts Mutter Courage angesprochen wird, allerings ironisch gebrochen.
langer rede kurzer sinn: möglicherweise lesen Sie den text einfacher als er ist?
1704
am 11. November 2009, 02:26 #
@ Hernando Velasquez #22
teil 2, der kürzere
Ihr bildlink beschäftigt sich übrigens mit der gleichen ikonographie, die auch Buchholz bemüht, allerdings mit rein bildlichen mitteln, und von daher auch unbestimmter, und die in diesem bild enthaltene ironie wird allerdings nicht konkretisiert, sondern verweist lediglich durch die angewandten stilmittel darauf, daß dieses bild auch einen ironischen “subtext” fomuliert, und, natürlich, nicht so “böse” wie eben Buchholz. außerdem transportiert das bild ganz mühelos noch den weithin und allgemein geschätzten wert meisterlicher handwerklichkeit, der an einem text von Buchholz ganz sicher nicht beim überfliegen der einzelnen sätze deutlich wird. man muß sich schon mit diesem text beschäftigen, um überhaupt das “schöne” (ich meine hier tatsächlich das schöne, nicht etwa eine affirmative wertung) des textes sehen zu können, aber es erschließt sich eben nicht mühelos…
Hernando Velasquez
am 11. November 2009, 09:00 #
@1704 ## 23,24
Danke für die Ansprachen.
Schön, dass Sie verstanden haben, was ich mit dem Merkel-Bildlink sagen wollte.
Es geht so und so.
Die Mühe, mir auch “das Schöne” im Buchholz-Text zu erschließen, werde ich mir nicht machen. Mit geht es in diesem Zusammenhang nicht um Ästhetik, sondern um knallharte Politik. Um Wirkungen, die erzeugt werden sollen. Agitprop eben.
Ich schätze mal, das wird vielleicht sogar Buchholz so sehen.
1704
am 11. November 2009, 13:21 #
@ Hernando Velasquez #25
darf ich Sie bei anderen (diskussions)gelegenheiten bzw. kommentaren von Ihnen in folgender form mit diesem satz zitieren:
Ihnen “… geht es in diesem Zusammenhang (nicht um Ästhetik, sondern) um knallharte Politik. Um Wirkungen, die erzeugt werden sollen. Agitprop eben.”
??
HH
am 12. November 2009, 08:07 #
Wie kann man es in eime Satz zusammenfassen wenn man die Ereignissen und die damit verbundenen Folgen darstellen möchte?
p.dank
am 15. November 2009, 17:21 #
schönes Video zum Thema:
www.youtube.com/watch?v=Tmfi2epotgM