Miss Tschörmänie – eine Bilderbuchbiographie
Susanne in Kultur am 24. Juli 2009, 16:10 8 Kommentare »
Machen wir uns nichts vor, es wird ernst. In ein paar Wochen ist Wahl, es geht um den Bundestag, unsere Regierung also, und alles liegt danieder. Das ist nicht neu, so ist es immer, mitten im Sommerloch. Aber diesmal regnet und regnet es einfach nur in die Abgründe. Manchmal hagelt es sogar, und das verheißt ohne Zweifel nichts Gutes. Dennoch: Alles wird gut, dafür steht schließlich unser aller Angie.
Es ist der 27. September 2009, fast ist es vorüber. Am Nachmittag, kurz vor 18 Uhr treffen sich Ex-Kanzler Schröder und Fast-Kanzler Stoiber in einer Bar in Mitte, um gemeinsam auf die alten Zeiten anzustoßen. Was die beiden vereint? Nun, sie hoffen und bangen, dass SIE es nicht wieder schaffen möge. Nicht noch einmal.
Die beiden resümieren, wie es überhaupt dazu kommen konnte, und dabei entsteht in Wort und Bild die Lebensgeschichte von Angela Merkel. Ihre Einreise in die DDR im zarten Alter von ein paar Wochen, ihre zwiespältigen Lehrzeiten, Angela als Hausbesetzerin – jawohl! – und am 9. November 1989 als Grenzgängerin nach Saunagang. Es folgt die politische Karriere: Zunächst beim „Demokratischen Aufbruch“, dann im fliegenden Wechsel als Kohls CDU-Ostmädel und schließlich als talentierte Strategin.
Die politischen High- und Lowlights sind bekannt. Die Spendenaffäre um Alt-Kanzler Kohl, die Wahlschlappe neben Nicht-Kanzler Stoiber und letztendlich doch noch – der Sieg. Darüber schreibt Lars L. von der Gönna im Westen:
Etwa in der legendären Elefantenrunde, in der Schröder Merkel das Kanzleramt absprach. Da zeigt der Comic Merkels stoisches Gesicht, aber nicht nur das. „Jetzt bloß nicht heulen”, lassen die Biografen Merkel denken. Sakurai und Hollstein thematisieren auch die permanente Unterschätzung, die zusammenfiel mit der taktischen Raffinesse, mit der „Kohls Mädchen” manchen Mann hinter sich ließ. „Das Naivchen!” denkt Stoiber „Graue Duckmaus”, so Koch.
Lustig ist das alles nicht, aber ein Comic ist es allemal. Pointiert getextet, immer auf den Punkt, trotz der engen Vorgabe. Und Merkels „merkeln“, das bekannte Abwärtslächeln, kommt auch gezeichnet ausgezeichnet rüber. Wir werden es zu sehen bekommen, vermutlich mehr als uns lieb ist, in nächster Zeit.
Machen wir uns also schlau, egal ob in Partei- oder TV-Programmen, in Zeitungen oder Wahlkampfmagazinen, auf Wikipedia oder in dem vorgestellten Buch. Hauptsache rechtzeitig. Bevor am Ende wieder alles so richtig gut wird.
Miriam Hollstein / Heiko Sakurai, Miss Tschörmänie, Einborn Verlag, 9,95 €
8 Kommentare
Sigurd
am 24. Juli 2009, 17:14 #
…und am 9. November 1889 als Grenzgängerin nach Saunagang.
So alt ist die schon? Jetzt wird mir so einiges klar. ;-))
Genosse der Zeit
am 26. Juli 2009, 10:31 #
Der eigentlich Comic ist ja, daß soeiner wie der Koch noch frei rumlaufen darf, sogar noch Redezeit im Tv etc. bekommt.
Etwas weiter süd-östlich würde der wohl immernoch an einem Baum baumeln und verfaulen.
Und zurecht !
Das die spd Schieffresse Steinmeier ins Rennen geschickt hat, ich weiss ja nicht, aber ich denke der Weichspüler ist noch viel schlimmer, auch wenn die Christen regelmäßig gegen ihre eigenen Gebote verstoßen.
Auch der Vorstoß der Zypris(war doch die), daß auch Schwule und Lesben Kinder adoptieren sollen, ist da vielleicht auch nicht gerade förderlich, zumal es auch den einen oder anderen schwulen Verband gibt, der eher dem konservativen Lage recht gibt, Kinder gehören besser zu Mann und Frau, alles andere ist mehr oder weniger Quatsch – aber naja, Quatsch können die von der spd besonders gut – bin schon gespannt, ob nochmal Schrödersn reaktiviert wird, und ob das was kosten wird, denn als Schröder dem Gasgeruch gefolgt ist, hat er sich schon als Hure geoutet.
am 26. Juli 2009, 12:48 #
Nun mal halblang mit groben Rumdumschlägen. Niemand wird hier irgendwo an einen Baum gehängt. Auch nicht verbal, wenn ich bitten darf.
Genosse der Zeit
am 27. Juli 2009, 12:01 #
@ Susanne (hsb)
Tja, immer dasselbe, man darf zwar alles sagen, man muß nur das Richtige denken, ob privat oder öffentlich.
Aber öffentlich anlügen und verarschen und abzocken etc. soll man sich ohne zu Murren lassen – irgendwie typisch deutsch, und dann im stillen Kämmerlein schimpfen. Da finde ich die Franzosen schon sehr symphatisch, die gehen gleich auf die Straße, oder nehmen ihre Manager oder Firmen in Geiselhaft. Mal sehen ob sie sich irgendwann auch noch einen Politiker greifen…
Chihuahua
am 29. Juli 2009, 04:53 #
Die Karrikatur ist durchaus gelungen :) Ein großes Lob an die Künstler!