Das Currywurstmuseum - Design und Geschichten um das Berliner Culinarium

Michael in am 14. August 2009, 12:15   14 Kommentare »

Die Currywurst und Berlin – zwei die zusammen gehören! Auch wenn es ein Buch, einen neuen Film über die Hamburger Currywurst gibt. Und einen Streit darüber, wer zuerst die Currysauce erfunden hat – die Hamburger reklamieren das für sich. Die höchste Dichte an Curry-Verkaufsstellen pro Einwohner findet sich übrigens in Bochum. Was soll’s, der Berliner und seine Gäste lieben die Wurst mit Sauce, ist es doch eine Erfolgsgeschichte der Nachkriegszeit und ein (gesamt)deutscher Beitrag zum internationalen Fast Food.

Die richtige Aussprache ist wichtig - Koerivurst Foto: MM (HSB)

Anlass genug für den Unternehmer, Berlinfan und Currywurst-Liebhaber Martin Löwer, nach vierjähriger Vorbereitungszeit und 5 Millionen Euro Investitionen das Deutsche Currywurst-Museum in der Schützenstraße nahe dem Checkpoint Charlie zu eröffnen.

Am Samstag, den 15. August öffnet es seine Pforten für die Besucher. Erwartet werden rund 350 000 Einheimische und Touristen pro Jahr – ein ehrgeiziges Ziel bei einem stolzen Eintrittspreis von 11€ pro Erwachsenem, eine Familienkarte (2 Erwachsene, 2 Kinder) kostet immerhin noch 29€.

Ein dreidimensionaler Überblick, wo in Berlin Currywurst-Buden zu finden sind. Das dichteste Nahversorgungsnetz ist übrigens in Tempelhof-Schöneberg, Mitte, Charlottenburg und Kreuzberg!

Was bietet das Currywurst-Museum? Einen im kühlen und hochmodernen Design gestalteten musealen Bereich von 1000m² Größe, mit vielen optischen und haptischen Erlebnismöglichkeiten, einem virtuellen Currywurstspiel (drei individuelle Bestellungen in einer Minute abarbeiten), einem Pappschalen-Info-Raum mit Recycling-Infos, eine Film-Lounge, Infos zur Fast-Food Geschichte, ein 60er Jahre Fernsehzimmer und eine Küche sowie eine Darstellung typischer Kühlschrankinhalte, nach Alter, Beruf und Herkunft “sortiert” – die Currywurst fehlt natürlich nicht. Ein großer Seitenraum ist den Zutaten gewidmet, in einer Wand lassen sich manche Schubladen öffnen, und das jeweilige Gewürz ist samt einem Text zu Herkunft und Geschichte zu sehen. An Säulen kann man auch den Deckel heben und an den Gewürzen schnuppern, die unabdinglich als Ingredienz einer guten, schmackhaften Sauce eingeordnet werden.

Witzige Spielerei: eine Currysaucen-Flasche mit Lautsprecher, wahlweise mit Herbert Grönemeyers Currywurst Song oder dem von Helge Schneider.

Apropos Rezeptur: fehlen darf natürlich nicht die Erfinderin, Hertha Heuwer, die, so die Berliner Variante der Legende, am 4. September 1949 an einem verregneten Tag die Rezeptur der Sauce “erfand”. Den Gästen in ihrem Imbiß in Charlottenburg servierte sie am nächsten Tag zur heißen Brühwurst die selbstgemachte Tomaten-Currysauce. Schnell wurde die Wurst mit Hertha’s Sauce bekannt und berühmt, 1959 meldete sie das Rezept der nun “Chillup” genannten Currysauce beim Münchner Patentamt an. Sie hat übrigens nie die Rezeptur ihrer Sauce verraten und sie auch nicht an einen großen Konzern verkaufen wollen.

Ein alter Fernseher (60er Jahre) mit Ausschnnitten der TV-Show “Pssst” zeigt den jungen Harald Schmidt im Gespräch mit der Erfinderin Hertha Heuwer.

Schließlich findet man einen typischen Berliner Currybudenwagen, den man auch betreten kann, um das authentisches Gefühl einer Wurstverkäuferin in ihrem Reich erahnen zu können. Und noch ein paar Außenstellen, weltweit, wo man in Thailand, Portugal, London oder Tokio die Berliner Spezialität verspeisen kann.

Der Currywurst-Ticker

Insgesamt ein durchgestyltes, für das Thema interessant gestaltetes Museum, nicht allzu groß, auch für Kinder interessant, aber leider mit hohem Eintritt. Currywurst essen kann man übrigens dort nicht, in ein paar Wochen soll gegenüber eine ohne Eintritt zugängliche, aber dem Museum zugehörige Curry-Lounge eröffnet werden. Die Sterne-Köche Kolja Kleeberg und Thomas Kammeier haben schon eine eigene Saucenkreationen zur Verfügung gestellt. Na denn, juten Appetit!

Wer das Museum braucht – nun, es ist ein Stück Stadt-Kultur, privat initiert und vermarktet, Berlin-Themenbezogen. Touristen werden kommen, und Berliner werden mit ihren auswärtigen Freunden hingehen. Wer es sich leisten kann. Es wird funktionieren.

Nach so viel Currywurst – Theorie kam dann der Hunger (es gab im Museum nur ein paar übersichtliche Currywurst-Häppchen), und man traf anschließend viele Kollegen unverabredet beim Curry 36 in Kreuzberg…

14 Kommentare

1

:-)

Und wer braucht sowas? Für 11 Euro Eintritt??

Wenigstens gibts bald ma wieder ne neue Lounge, ist doch was, oder?
Ne Curry-Lounge, ich schmeiß mich weg (wenn das nicht zum neuen Lieblingswort eines ganz bestimmten… :-)))

2

cora

Da gabs doch auch was von Gröni…

www.youtube.com/watch?v=TjvpGVo00kg

3

Michael (hsb)

@cora: der Hinweis auf Grönemeyers und Schneiders Songs über die Currywurst ist oben rechts neben der roten Flasche, da wo Currywurst Grönemeyer draufsteht, zu finden…

4

Gedankenpflug

@:-)
Wer die Currywurst nicht ehrt, ist des Schultheiss nicht wert.

5

weirdo

Waaaat? Ich kugel mich hier grad… ein Currywurstticker – dit is Berlin. Andere Städte mahnen zählend auf Tickern die Schulden… ticktack… Und hier – hier! – zählen se Würstchen!!!

Hach… Berlin – ik liebe dia… xD

www.youtube.com/watch?v=QB1152sq9o8

6

Helen

Grönemeyer singt von der CurrywUrst, der Berliner sagt wohl eher CurrywOrst.

7

oStsEE

Also ich hätte dann gern noch ein Butterstullenmuseum, ein Bulettenmuseum und ein Ostschrippenmuseum. Danke.

8

ICHO TOLOT

eigentlich heist das mit der worst “worscht” und der thron gehört eigentlich den frankfurten,,,,,,,,,,,

ich warte ja nur drauf das es endlich mal hier in berlin ne filiale von dem superscharfem zeugs gibt, bin da als habanero-fan tierisch neugierig drauf………..

chef in berlin war ist und bleibt konopke ;-)

9

Helen

@ ICHO

Wenn ein Berliner vornehm sprechen will, dann sagt er Worst. Aber ansonsten kauft er eine Worscht, da hast Du Recht. Ich kriege dieses Curryzeugs nicht runter, ich bevorzuge Rostbratwurst.

10

Michael (hsb)

@Icho Tolot: Bin auch ein Habanero-Fan, mache die Sauce manchmal selber, wenn ich frische Schoten bekomme. – Eine Currywurst oder Ket-Wurst mit scharfer Sauce ist auch superlecker!

@Helen: ich hab mich an die Berliner Brüh-Currywurst mit Curry obenauf gewöhnt und mag nun die aus meiner Heimat nicht mehr: Bratwurst mit süsslicher Tomaten-Currysauce. Aber gegen eine leckere Rostbratwurst (Thüringer mit Majoran) ist auch nichts einzuwenden!

@oStsEE: Hmm..bis auf die Ostschrippen bin ich einverstanden. Aber Ostschrippen und Westberliner Schrippen schmecken gleich schlecht. Mehlwasser-Teig. Das können die hier alle nicht. Es gibt nur folgende Ausnahmen: in Dresden, Leipzig, und ab Köln südwärts, da gibt es noch knusprige Schrippen, äh, Brötschen (Köln), Wecke (Frankfurt/M), Semmeln (Bayern) mit Malz und die oben noch gepinselt werden.

11

Toska

Hm, sehe nicht so richtig den Sinn einer solchen Einrichtung und der Eintrittspreis ist ja mehr als saftig, aber wems gefällt-bitte schön.

Wenn ich in Berlin bin, gehe ich in Weissensee meine Curry essen, einfach lecker.

Dazu brauche ick keen Musseum. Also icke hätte mit 5 Mille was anderes gemacht.

12

sven

wo wir grad beim thema sind – noch´n cooler ticker: Friendticker. mobile plattform zum leute und orte suchen und lokalisieren.

www.friendticker.de

gibts auch ne app fürs iPhone:
www.appstorehq.com/friendticker

ganz witziges und vorallem hier in berlin n echt hilfreiches tool.

13

Billigflüge

Ich komme aus Bochum und ich liebe die Currywurst. Ob`s nun eine echte Berliner Currywurst ist oder eine Normale, das ist mir gleich. Hauptsache sie schmeckt. Wir haben übrigens in Bochum die Schärfste Currywurst :-)
Also kommt doch mal vorbei….
Lg

14

Aussteiger

@ ICHO TOLOT,

“chef in berlin war ist und bleibt konopke ;-)”

Das ist doch wohl eine Aussage über eine sehr subjektive Geschmacksache.
Mir hat es vor über 20 Jahren bei Konopke sehr gut geschmeckt aber heute meide ich diesen Imbiss. Das kann aber auch an mir liegen.
In letzter Zeit bevorzuge ich Curry 36.

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