Graffiti: getaggter Lieferwagen

Michael in am 17. August 2009, 11:57   24 Kommentare »

Graffiti verzierter Lieferwagen 08.2009 Foto: MM (HSB)

Davon gibt es ein paar in Berlin: Lieferwagen voller Tags, Bombings und Style-Writing.
Man muss sie nicht mögen, aber ein Hinseher sind sie allemal. Berlin, August 2009.

24 Kommentare

1

Susanne (hsb)

Tags sind Scheiße! Neulich wurde der Roller meiner Freundin getaggt. Da hockt man dann da und muss riesiges schwarzes Eddinggekritzel mit stinkenden Lösungsmitteln vom weißen Lack putzen. Und das benutzte Zeug dann auch noch irgendwie korrekt entsorgen. Dem kann ich echt nichts abgewinnen.

2

Drösel

So ästhetisch wie ein schon lange nicht mehr gereinigtes Ostblock-Bahnhofsklo.

3

Daniel Pfeffer

Naja, wenn das wenigstens gut aussehen würde :D aber dieses gekritzel da oben……..

Lg

4

Nobbi

Könnte vielleicht ganz hilfreich sein, wenn man diese “gestalterischen Maßnahmen” als einen Schutzfaktor gegen das, ebenfalls in der Szene sehr beliebte, Abfackeln begreifen könnte?

5

Marla

…“Schrott!”

6

cora

Da kann mam nur hoffen, dass der Besitzer des Wagens das entweder selbst “gepimpt” hat oder zumindest einverstanden war….

7

Nter0ne

najaaa… er könnte ja ein Schild rantun “bitte vollflächig besprühen” das wäre sicher ein effektiver korrosionsschutz. In Italien waren anfang der 90er die Züge mit bis zu 20 Schichten Farbe besprüht… Da kommt nix mehr ran ;)

8

Drösel

@7:

Bringt nichts, die Pappnasen kümmern sich nicht um den Unterbodenschutz. Faules Pack, das.

9

tobi

Eigentlich fand ich die tägliche Graffiti-Serie ganz sehenswert. Nur langsam flacht’s etwas ab und wird mir zu “sommerlochig”. Sorry, aber es gibt weitaus Interessanteres als einen zugetagten Bus, das haben die Aufnahmen der letzten Tage eindeutig bewiesen.

10

Michael (hsb)

@tobi: das hat nix mit dem sommerloch zu tun. mir kommt es auf eine breite darstellung an, dazu gehören auch lieferwagen oder bauwagen (kommt noch) mit verschiedenen arten der graffiti.

es sollen ja auch tolle und weniger tolle dabei sein, qualitätsunterschiede gezeigt werden, ich möchte ja auch die meinung der leute erfahren. ich persönlich mag graffitis, aber nicht diese tags, die oft nur von mitläufern sind!

es werden wieder viele recht gute kommen, versprochen, habe allein heute ein paar tolle aufnahmen gemacht!

11

central station

Na, was seid denn ihr für Spießer? Sowas ist doch ein Zeichen von Leben und bringt Farbe in das triste Alltagsgrau, die seelenlose Sterilität der modernen Stadt!
Tags sind Kult(ur). Oder wollt ihr lieber kalte Sachlichkeit, so wie die U-Bahnhöfe der U55?

,-)

So, und jetzt mal ganz ohne Ironie oder Sarkasmus… Was genau ist denn anders an einem vollgetaggten Lieferwagen (oder meinetwegen Motorroller) als an einer beschmierten S-Bahn, Gebäude, Bushaltestelle?
Während das eine “nunmal dazu gehört”, ist es beim anderen ein Skandal?
Wählt mal die Piratenpartei, dann wird irgendwann alles bunt werden!
(Vielfalt und Kunst im öffentlichen Raum:-))

12

Susanne (hsb)

Zertaggte und zerkratzte Bushaltestellen, S-Bahnen usw., wer hat behauptet, dass das schön sei? Das sieht alles gnaz genauso Scheiße aus wie der Wagen oben.

13

Michael (hsb)

@Susanne (hsb): Wohl wahr, Susanne, und deshalb finde ich es auch wichtig, auf diese Tags wie auch auf interessante Graffiti hinzuweisen, um vielleicht auch ein differenzierteres Bewußtsein anzuregen.

Es gibt tolle Graffitis, aber leider auch viele NoNo’s, wie vollgeschmierte Fahrpläne, etc., was Du auch schon sagtest.

Und Roller und Privatautos vollzuschmieren, ist echt daneben.

Bin gespannt, was meine Interviews mit denjenigen ergeben, die “Train Bombings” durchführen, was für manche Graffiteure immer noch den Super-Thrill und den maximalen Fame bedeutet.

14

central station

Na, ich muss mir öfter anhören, Spießer zu sein, weil ich sowas kritisiere.
War auch hier im HSB schon der Fall (eine der vergangenen Graffitidiskussionen).
Dabei bin ich recht offen in Sachen Graffiti.
Aber sowas wie auf dem Bild dort…geht gar nicht!

15

ICHO TOLOT

na vielleicht hat sich da ne truppe selbst am eigenen wagen verewigt wie früher die hippis. was dann ? vielleicht mags dann immer noch nicht gefallen hätte aber nix mit der bushaltestelle zu tun………..

weis ja keiner von nem foto runter………….

ansonsten wenn schon graffitis, dann gehört sowas halt dazu. da kann man in einer reportage wie ich das hier sehe keinen unterschied zwischen “gutem” und “bösem” graffitit machen sondern muss auch die ganze bandbreite gezeigt werden. ganz einfach: wenn schon denn schon.

und was sich wie ein schlechter scherz anhört ist ernst gemeint: hauptsache die flußsäure bleibt zuhause…………

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Susanne (hsb)

Flußsäure zu Hause ist auch bekoppt. Sozusagen überflüssig.

17

Besucher

Vor ein paar Monaten sah die Beifahrertür aber noch gaaanz anders aus, hehe: www.heikoheftich.de/Bilder/fotospecial_38.jpg

18

Drösel

ansonsten wenn schon graffitis, dann gehört sowas halt dazu. da kann man in einer reportage wie ich das hier sehe keinen unterschied zwischen “gutem” und “bösem” graffitit machen sondern muss auch die ganze bandbreite gezeigt werden. ganz einfach: wenn schon denn schon.

Dann gehören aber auch die gerne auf Bürgersteigen ausgekippten Farbeimer auch dazu, das ist auch Graffiti, das ist auch StreetArt, das ist auch Leben in Berlin!

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Michael (hsb)

@Drösel: stimmt genau! Ich mach mal Bilder…grins…;-)

Herrje, alles so schön bunt hier!

20

Drösel

Dann bleibt aber die Frage:

Warum nur Graffiti mit synthetischen Farben?

Warum Farbgifte mit künstlichen Farbstoffen fragwürdiger Provenienz und Lösungsmittel, die nur dumm in der Birne machen? Warum keine organischen Farbstoffe, die die Vergänglichkeit allen Seins repräsentieren? Warum keine organischen Farbstoffe, die auch olfaktorisch ihre Präsenz in der modernen, zeitgeistumhasteten Stadt einfordern?

Eben. Drum ist auch das, was manchem als lieblos dahingeschissener Hundehaufen oder als im Suff gegen die Hauswand gepisste Feuchtfläche erscheinen mag, in Wirklichkeit künstlerische Interaktion mit den öffentlichen Flächen des Gemeinwesens Stadt.
Und es erschließt auch noch eine beim klasssischen Synthetikfarb-Graffiti völlig unbeachtet bleibenden Aspekt, nämlich den der dritten Dimension. Die spannt auf der Fläche den Raum auf, den Raum, angefüllt von der schon von Paul Lincke verklärten Berliner Luft, und eben auch Raum für die olfaktorische Komponente, die dem Interaktionsgut des Organo-Graffiteurs erst zum Gesamtkunstwerk verhilft.
Pastös aufgetragen, bietet das Organo-Graffiti auch noch die Möglichkeit der spontanen Interaktion mit dem Graffiti, die Möglichkeit des zufälligen Passanten auch teilzuhaben am künstlerischen Ausdruck, sich gewissermaßen hineinzuprojizieren in die rauhe künstliche Stadtwelt voller Beton, Stahl und Glas, quasi als organischer Widerstand, als organische Duftnote, als piece de résistance, eben als Botschaft gleich mehrfältigen Inhalts, und auch den Zyklus des Lebens über Geburt, Leben, Altern, Zerfall, Tod und auch Wiedergeburt, irgendwie halt.

Das ist StreetArt!

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Nter0ne

Das mit dem Bus hat sich sicher verselbstständigt, der wurde garantiert irgendwann mal angetaggt, einmal, zweimal… und wenn so ein TagMobil schonmal runsteht… naja dann macht es doch nix… so oder so ähnliche Gedanken unterstelle ich einfach mal ;)

Ist das vielleicht auch so dass man aufgrund schlechter Graffitis die guen eher zu schätzen weiß? … man weiß ja wie schlimm sie aussehen können und dann freut man sich vielleicht viel mehr über hübsche pieces… also bei mir ist das so ;)

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Drösel

Ist das vielleicht auch so dass man aufgrund schlechter Graffitis
die guen eher zu schätzen weiß?

Das mag wohl sein, ist aber erschreckend. Denn es impliziert, daß man ganz furchtbar viel schlechte Graffitis ertragen muss, um dann das eine oder andere gute zu erkennen.
Gut, so funktionierts ja auch beim Fußpilz, äh, der “Werbung”. Davon muss man auch unglaublich viel irrsinnig schlechte ertragen, um sich über ein oder zwei gutgemachte Ausrutscher freuen zu können.

Allerdings: Man stelle sich Museen vor, die genauso funktionierten. Museen voller endlos banaler und grottenschlechter Kunst, nur, um die ein oder zwei herausragenden Stücke zu präsentieren.

Nee.

und wenn so ein TagMobil schonmal runsteht… naja dann macht es doch nix… so oder so ähnliche Gedanken unterstelle ich einfach mal ;)

Gedanken? Die Probanden zeichnen sich doch gerade durch die vollständige Abwesenheit des Trägermaterials kognitiver Prozesse aus, wie sollten die dann noch Gedanken haben? Lösungsmittelaerosol macht dumm inne Birne, weissu.

23

ICHO TOLOT

@16 susanne(hsb)

einverstanden ;-)……….

24

central station

20:

:-)

Diese Form von Streetart hat es sogar bis ins antiseptisch-leblose Betonstahlglas-Berlin geschafft. Aber schließlich soll sie ja auch genau dort wirken, oder? Gegen nen Baum pinkeln kann schließlich jeder.
Und diese Düfte! Man kann nur hoffen, dass das nicht irgendwer mal entdeckt und kommerzialisiert. Ein Parfum draus macht oder dergleichen.
Eau de Toilette würde dann seinem Namen alle Ehre machen.

Ich weiß nicht, ob mir bunte Farbe am Ende nicht doch lieber ist als menschlich-exkrementöse Markierungsspuren und -düfte.
Also, wenn ich wählen müsste…

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