Den Deutschen ins Stammbuch
Jürgen in Schlagzeilen am 9. November 2009, 18:02 29 Kommentare »
Den Berlinern und allen anderen Deutschen beiderseits der Elbe widme ich an diesem Tag dies folgende, treffende Wort eines deutschen Humanisten und Skeptikers – in Dresden geboren, in München gestorben – zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft:
“In memoriam memoriae”
“Die Erinn’rung ist eine mysteriöse
Macht und bildet die Menschen um.
Wer das, was schön war, vergißt, wird böse.
Wer das, was schlimm war, vergißt, wird dumm.”
Erich Kästner
29 Kommentare
oStsEE
am 9. November 2009, 19:28 #
Tja, über der ganzen Feierei lässt es sich so schön vergessen – immerhin wars der ARD gerade eine Fußnote wert, dass dieses Datum auch mit anderen Ereignissen in Verbindung gebracht werden kann (soll).
Sigurd
am 9. November 2009, 20:31 #
Dieses Gedicht von 1961 fand ich eben im Internet. Scheint zum heutigen Tag zu passen.
O Tag der Freiheit, wann wirst du erscheinen
und uns in Frieden wiederum vereinen?
Wann wird der Vorhang uns nicht länger trennen,
den wir den eisernen mit Abscheu nennen?
Wann wird die Spaltung friedlich weichen
dass wir in Ost und West die Hand uns reichen?
O Deutschland lass die Hoffnung nimmer sinken!
Das große Werk muss endlich doch gelingen.
Das Morgenrot der Freiheit wird hochflammen
und unser Volk wieder führ’n zusammen.
Was jetzt nur Wunsch und Traum und Wahn muss heißen,
das dürfen wir als Wirklichkeit noch preisen.
O Volk, sei klug und mach’ es nicht noch schlimmer,
zerstöre nicht den leisen Hoffnungsschimmer.
Versuch’ es nicht mit Fordern, Poltern, Pochen,
lass deinen Groll nicht jählings überkochen.
O lasse dich durch solche nicht verführen,
die nur die Leidenschaften blindlings schüren.
Du wirst damit das Gegenteil erreichen,
den Trotz des Gegners nimmermehr erweichen.
Die Spannung wird sich dadurch nur erhöhen,
die Schraube wird sich nur noch fester drehen.
Man lebt sich nur noch weiter auseinander,
wird fremder sich, feindsel’ger, unbekannter.
Versuch es doch mit guten Worten, Reden,
bedenke stets die unsagbaren Schäden,
die du den andern zugefügt mit Wüten,
mit Grausamkeiten, wie sie Teufel brüten.
Lass dich von einem neuen Geiste leiten,
der strebt mit Lust und nach Gemeinsamkeiten.
Drum beug’ dich nieder, nimm als Schicksals Rache,
als Himmelsstrafe reuig deine Sache.
Dann wird, wer weiß, der Vorhang eher fallen,
Vereinigung beglückend wird uns allen:
Ein Vaterland wird uns zusammenschließen,
im Geist wir schon den hohen Tag begrüßen.
17.Juni 1961, ergänzt im Juni 1976
Christian Berger, Fränkischer Pfarrer
(unter Vorbehalt, ich bin mir nicht ganz sicher, ob diese Quellenangabe richtig ist)
Anbei noch der Link:
sprechakt.over
1704
am 9. November 2009, 22:01 #
@ Sigurd #4
ich will nicht langweilen, deshalb kurz die erklärung: 1871 wurde von James C. Maxwell ein gedankenexperiment veröffentlicht. und am 1. September 1914 starb die Wandertaube aus… ich finde, beide ereignisse passen knallgenau wie die erbse in die dose zur heutigen situation, das ganze natürlich zur erinnerung und mahnung zugleich!
*g
am 9. November 2009, 22:10 #
@oStsEE: klar, bei 20jährigem Jubiläum ist das andere nur eine Fußnote.
Aber das wird schon wieder! Nächstes Jahr….ich schreib dann mal ausführlich über die anderen daten!
Viele denken noch an die Reichskristallnacht vom 9. November 1938, aber der Ausruf der Republik durch Philipp Scheidemann am 9. November 1918 wird gerne vergessen. Am selben Tag dankte übrigens der deutsche Kaiser ab.
@1704: die Kombination verstehe ich auch nicht ganz: 1871: gewonnener Krieg gegen die Franzosen, Reichsgründung; 1914 Beginn des zweiten Weltkrieges.
Ich würde reinschreiben: 1848, 1883, 1871, 1914, 1918, 1923, 1933, 1939, 1945, 1948, 1949, 1961, 1989.
Jürgen (hsb)
am 9. November 2009, 22:30 #
@Michael: Du meinst mit 1914 den ersten Weltkrieg.
Für mich wird das Jahr zu den denkwürdigen gehören, wenn sich Deutschland endlich aus Afghanistan zurückzieht.
1704
am 9. November 2009, 22:36 #
@ Michael (hsb) #6
Sie verstehen die zahlenkombination nicht? kann ich gar nicht so recht nachvollziehen.
Ihre zahlenreihe ist aber auch interessant, wobei ich persönlich noch 1832 hinzufügen würde…
Sie schreiben es doch schon: 1871 reichsgründung, 1914 ausbruch des 1. wk… – dabei ist keine gedankliche akrobatik gefragt, sondern lediglich ein hinsehen auf politische ausgangssituationen und nachfolgende entwicklungen. allerdings gebe ich zu, es fällt natürlich schwer, die 1871 nachfolgenden gründerjahre mit der heutigen wirtschaftlichen situation in eine gewisse übereinstimmung zu bringen, liegt aber daran, daß geschichte sich nicht 1:1 wiederholt…). und vergessen wir nicht: es ging doch darum, den deutschen etwas ins stammbuch zu schreiben…
ulla
am 9. November 2009, 22:40 #
Ja, ja, @Jürgen – und hätten sich Amerikaner, Engländer und Franzosen rechtzeitig aus Deutschland zurückgezogen, müßten wir heute nicht den Mauerfall feiern.
Jürgen (hsb)
am 9. November 2009, 23:09 #
Wahrscheinlich sind die Deutschen beim “Vergessen” der dunklen Punkte ihrer Geschichte nicht besser oder schlechter als andere Völker. Das Problem ist nur, daß mit zwei begonnenen Weltkriegen und dem mit n i c h t s zu vergleichenden Faschismus eine mächtige Hypothek auf Deutschland liegt. Es wäre nun, wiedervereinigt, doch tatsächlich denkwürdig, wenn man bei einer im großen und ganzen friedlichen Außenpolitik beider deutscher Staaten nach 1945 nun in der Jetztzeit und für die kommenden Generationen auch im genannten Einzelfall Afghanistan vernünftig handeln würde. Zu helfen ist dort nichts mehr. Wir werden froh sein, wenn wir dort wieder raus kommen!
Deutschland und Europa wäre gut beraten, sich auf den Schutz der europäischen Grenzen – ich war kürzlich in Südspanien/Tanger(Marokko) und hab die strengen und langwierigen Grenzformalitäten erlebt – und ausgewählte F r i e d e n s missionen außerhalb Europas zu konzentrieren.
Die innere Einheit in Deutschland, die wir noch nicht haben, wäre bei der Anvisierung der friedlichen äußeren Ziele natürlich schon dienlich.
Michael (hsb)
am 9. November 2009, 23:24 #
@1704: okay, 1832 gehört definitiv dazu! Einverstanden! Ist mir durchgegangen.
@Jürgen (HSB): ich bin zwar nie für den Afghanistan-Einsatz gewesen, aber einen derzeitigen Rückzug hielte ich trotz aller Vorbehalte für falsch!
Allerdings finde ich die Beschränkung auf unterstützende und logistische humanitäre Einsätze (Schulen, Versorgung, Medizin) richtig und wichtig, und Finger weg von militärischen Begleiteinsätzen!!!
ulla
am 9. November 2009, 23:39 #
@Jürgen
Wir hatten das Thema neulich schon mal. Es gibt internationale Bündnisse und Verträge – sich nur an die zu halten, die zu unseren (deutschen)Gunsten sind und alle anderen zu kippen geht ja wohl nicht an.
Sollten Sie jetzt sagen, alle raus aus Afghanistan, Afghanistan den Afghanen, könnte man über das Thema nochmal diskutieren obwohl ich nicht ganz sicher bin, ob unsere Freiheit nicht doch am Hindukusch verteidigt wird. Möglich wäre es.
Sie können es doch der internationalen Gemeinschaft nicht zumuten, nur ihre jungen Leute dort zu opfern damit die Deutschen eine friedliche reine Weste behalten und ggf. im Erfolgsfall davon auch noch profitieren.
1704
am 10. November 2009, 00:12 #
@ ulla #13
“… obwohl ich nicht ganz sicher bin, ob unsere Freiheit nicht doch am Hindukusch verteidigt wird. Möglich wäre es.”
aber selbstverständlich wird am Hindukusch unsere freiheit verteidigt!
falls Sie interesse haben: Geostrategische Großmachtinteressen und Afghanistan
ich denke schon, daß wir wissen sollten, worum es dort geht und warum es als stabilisierungseinsatz gekennzeichnet sein muß, neuerdings hat man sich aber ein wenig der realität angenähert und spricht von einem “kriegsähnlichen” einsatz…
am 10. November 2009, 02:12 #
@Michael (hsb): 20jähriges Jubiläum??? Das wird ‘ne lange Feier!!!;)) Jaja, Besserossi, ich weiß ;)
am 10. November 2009, 07:23 #
Ich weiß nicht… vielleicht bin ich einfach zu jung…
Aber ich mich hat das gestrige TV-Programm zum Thema des Tages schlichtweg genervt. Ich hab mir aus Taktgefühl noch einmal die Ereignisse des Tages von 1989 durchgelesen und gut war, aber dann im TV auf jedem Sender vorgehalten bekommen welche Klischees existieren, welche Vorurteile gefestigt werden sollen… Das war einfach geschmacklos. Am gestrigen Abend hat es die deutsche Fernsehlandschaft wiedereinmal geschafft unser Volk in OST und WEST zu TEILEN. Meine Freundin und ich (Sie aus Frankfurt/M., ich aus Berlin Lichtenberg) saßen letztlich nur noch da und haben total entnervt hin und her geschaltet.
Vielleicht sind wir beide noch zu jung um bei den Vorurteilen mitzureden und um den MAuerfall emotional mit etwas zu verknüpfen, aber vielleicht sind wir auch schon die ersten denen es völlig wurscht ist woher jemand kommt.
Fakt ist:
Wir SIND vereint und wenn uns etwas trennt dann nur wir selbst!
am 10. November 2009, 13:55 #
Fakt ist:
Wir SIND vereint und wenn uns etwas trennt dann nur wir selbst!
Genau! :-)
Werner Bredebusch
am 10. November 2009, 14:35 #
ulla
am 9. November 2009, 23:39 #
“obwohl ich nicht ganz sicher bin, ob unsere Freiheit nicht doch am Hindukusch verteidigt wird. Möglich wäre es.”
Die Terroristen des 11.09. kamen aus Saudi Arabien ,eine blutrünstige Diktatur ,wie es noch 80 weiterer solcher Staaten gibt .Werden diese von den USA angegriffen?
Afghanistan ist ein geostrategisch wichtiges Land. BRD Energiekonzerne können da nicht aussen vor stehen. Also ein wichtiger Transitweg für Erdöl und Erdgas. Sonst nichts.
Ja,ja die “Freiheit” ,verkommt doch so richtig zur Phrase.P.S.Für mich ist die BRD übrigens auch eine Diktatur ,eine des Kapitals!
Jürgen (hsb)
am 10. November 2009, 18:41 #
@nterOne: Die heute 20-30 Jährigen gehen natürlich anders an dieses Thema heran, das ist normal. Aber ein bißchen sollte man sich mit der Geschichte befassen. Im Guten wie im Schlechten, genauso wie man es aus Kästners Satz entnehmen kann.
@Michael@Ulla: Ich hatte es schon in meinem Afghanistan-Bericht geschrieben. Die Deutschen sollten dort raus, so schnell als möglich. In punkto Irak und teilweise in der aktuellen Finanzkrise hat Deutschland seinen eigenen (Interessen) Weg gewählt, der auch nicht mit dem anderer (Verbündeter) identisch ist.
am 11. November 2009, 07:25 #
@jürgen(hsb)
Da geb ich dir recht und ich muss darauf verweisen dass ich mich doch recht intensiv mit der Vergangenheit beschäftige und das auch schon seit der Schulzeit mit großem Interesse tue. Leider ist mir die Berichterstattung über die deutsche Teilung meist zu einseitig und zu selbstgerecht (aus Sicht der Bundesrepublik). Da wird eine ganze Volksgruppe reduziert auf jene die sich haben unterdrücken lassen und die die rebelliert haben. Ein ganzer Staat wird auf ein Unrechtssystem reduziert ohne positiven Aspekten und Ansätzen auch nur im geringsten Beachtung zu schenken. Alles was den Alltag ausmacht, wird als lächerlich dargestellt und über Dinge wie das schmale Warensortiment im Konsum wird herzhaft gelacht. Dass dieser Teil der Deutschen nach 1989 Großes geleistet hat wird selten erwähnt. Dass diese Menschen lernen mussten in einem komplett anderem System zu überleben, dieses mit zu gestalten und eine kaputte Wirtschaft und Infrastruktur aufzubauen, das hört man eher selten. Stattdessen wird weiter herzhaft über den (dummen) OSSI gelacht, während überall sonst lächerliches passiert , aber man bekommt eben ungern den Spiegel vorgehalten, da lacht man dann eben lieber über den sächsischen Dialekt, den aus westlicher Sicht ja offenbar jeder DDR-Bürger sprach.
Wie gesagt was uns das TV am montag bieten wollte war zu 90% peinlicher Mist, der einem das Gefühl gab noch immer in einem geteilten Land zu Leben, was ich am Jahrestag des Mauerfalls mehr als paradox finde. Dass allen anderen wirklich wichtigen Ereignissen der Vergangenheit an diesem Tag kaum Beachtung geschenkt wurde, hat man hier ja schon erwähnt.
ulla
am 11. November 2009, 08:36 #
@NterOne
das ist jetzt nicht gegen Sie persönlich gerichtet, es betrifft den Zustand, den Sie beschreiben. Wäre es nicht an der Zeit, daß – beileibe nicht alle – Bürger der vergangenen DDR aufhören in Selbstmitleid zu baden und sich endlich einen Ruck geben, um richtig im Westen anzukommen?
Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, daß die Menschen im westlichen Teil Deutschlands auch nicht als wohlhabende aufrechte Demokraten in ein freies Land geboren wurden sondern sich alles hart erarbeiten mußten?
Daß wir in die Freiheit entlassen wurden, liegt nun allerdings schon 60 Jahre zurück und wir hatten, aus welchem Grund auch immer, die Hilfe der Amerikaner – dafür haben die Ostdeutschen seit 1989 die Hilfe aus dem Westen um die kaputte Wirtschaft und Infrastruktur aufzubauen.
Das beklagte Lachen über die “dummen Ossis” gehört auch in die Kategorie Selbstmitleid. Wir – Gesamtdeutschland – lachen doch auch über Ostfriesen, Blondinen und (außer den Bayern) über das kleine diebische Bergvolk am Rande der Alpen.
Hernando Velasquez
am 11. November 2009, 09:07 #
@nterOne
Dass allen anderen wirklich wichtigen Ereignissen der Vergangenheit an diesem Tag kaum Beachtung geschenkt wurde, hat man hier ja schon erwähnt.
…und dass Sie es hier wiederholen, macht es nicht wahrer.
Sowohl Köhler wie auch Merkel haben mehrfach und ausführlich zum 9. November 1938 gesprochen. Auch im Barenboim-Konzert am Brandenburger Tor kam es vor. Und selbst in den eher lockeren Interviews am Rande kam es immer wieder zur Sprache.
Was muss man für Scheuklappen haben, um das alles zu übersehen?
Werner Bredebusch
am 11. November 2009, 16:21 #
ulla
am 11. November 2009, 08:36 #
“und sich endlich einen Ruck geben, um richtig im Westen anzukommen?
daß die Menschen im westlichen Teil Deutschlands auch nicht als wohlhabende aufrechte Demokraten in ein freies Land “
einfach gruselig diese Vorstellung ,vielleicht noch so zu werden wie Sie.
In dieser gemeinsamen BRD (Deutschland) sind SIe jawohl auch noch
nicht angekommen. Da spricht eindeutig der arrogante, besserwisserische
Wessi! Aber schön diese Aneinandereihung von Phrasen und Worthülsen.
am 12. November 2009, 15:02 #
@ ulla
Das ganze hat rein agrnichts mit selbstmitleid zu tun sondern nur mit dem Vorwurf dass die Leistungen der Bürger aus dem Osten nicht geschätzt werden. Dass auch in der DDR vieles hart erarbeitet wurde können Sie natürlich nicht wissen, mache ich Ihnen auch nicht zum Vorwurf. Wird ja nicht drüber berichtet. Fakt ist dass die DDR ebenfalls vieles aufbauen musste denn, sie werden es kaum glauben, auch im Osten gab es Kriegsschäden, ganz abgesehen von den Sachen die die Russen haben mitgehen lassen. Mir ging es darum dass die Bürger der ehem. DDR nach der äquivalenten Aufbauarbeit zum Westen sich seit der Wende erneut an ein neues System anpassen mussten, während die Wessis jemanden bekamen über den sie sich lustig machen können…
und nein ich fühle mich nicht persönlich angegriffen denn ich bin mehr im Westen angekommen als mancher der hier geboren ist und ich bin mir nicht sicher ob mir das hier alles passen soll denn vieles (ja das is abgekaut) war im Osten nicht verkehrt. Immerhin haben wir vorgelebt dass Menschen nicht zugrunde gehen wenn sie im Dezember keine frischen Erdbeeren bekommen (zugegebener maßen nicht ganz freiwillig).
so ich klemm mir mal die leitung ab sonst philosophier ich hier noch bis nächste woche!
1704
am 12. November 2009, 15:22 #
@ nter0ne #26
“… so ich klemm mir mal die leitung ab sonst philosophier ich hier noch bis nächste woche!”
schade, daß Sie hier nicht bs zur nächsten woche philosophieren, denn was den meisten diskussionen über dieses thema fehlt, ist die sichtweise derjeniger, die in der DDR gelebt haben, über das “damals”, über das “heute”, insbesondere derjeniger, die an der DDR auch irgendetwas als “gut” befunden haben. das würde zwar höchstwahrscheinlich die bestehenden meinungen bei den einzelnen nicht verändern, aber evtl. für einige wenige zumindest einen differenzierteren blick auf die wirklichkeit in der DDR oder jetzt im “wiedervereinten Deutschland” ermöglichen…
am 13. November 2009, 07:20 #
@1704
Als Sohn einer Familie aus Berlin-Lichtenberg (Wurzeln in der Niederlausitz) habe ich selbst nur zu berichten was mir von Beginn meiner Erinnerungen bis zur Einschulung widerfahren ist. Ich denke dennoch dass ich ganz gut einschätzen kann ob meine Eltern die DDR als Angst- und Schreckensregime empfanden oder ob sie ganz gut damit zurechtkamen. Tatsächlich kamen die meisten die kenne ganz gut klar und haben größtenteils ach viele schöne und positive Erinnerungen an diese Zeiten. Meiner Familie war es immer wichtig dass wir nicht voreingenommen auf Menschen zugehen und ich denke dass ich für meinen Teil das genz gut umsetze. Leider lerne ich hier unten in Südhessen viele Menschen kennen die unheimlich stark geprägt sind von Vorurteilen über “die aus der Zone”. Diese Leute machen keinen Hehl daraus aber wenn man sie anspricht bekommt man meist zu hören “das geht ja nicht gegen dich, aber die meisten da drüben sind so” … wundert mich immer wieder der Satz weil ich glaube dass ich mehr Menschen aus dem Osten kenne als die…
Vielleicht täusche ich mich auch und die kennen die meisten der 17 Millionen… kann ja sein.
Dann kenne ich nur den unbedeutenden Personenkreis aus Bekannten und Verwandten die zum größtenteil nicht unglücklich waren. Über vieles hat man sich ja auch als Ossi, wenn auch im verdeckten, amüsiert…
Da hat man dann z.B. bei der FDJ statt FREUNDSCHAFT einfach mal feindSCHAFT gemurmelt… is albern aber zeigt dass die Menschen nicht alles ernst genommen haben und dennoch nicht gleich eingebuchtet oder erschossen wurden.
1704
am 13. November 2009, 13:29 #
@ nter0ne #28
ich bin in westdeutschland geboren und kenne die DDR nur aus den zahlreichen besuchen, natürlich immer als einer aus dem westen mit den augen eines menschen, der seine sozialisation im westen hatte… aber das, was Sie beschreiben hinsichtlich des umgangs mit vorurteilen anderen gegenüber kenne ich auch (das geht ja nicht gegen dich, aber die meisten … sind so). und es ist mir nur bei sehr wenigen gelungen, solche vorurteile auch einmal etwas “aufweichen” zu können. was mich aber oftmals ziemlich erschüttert: daß manche vorurteile auch nach 30 jahren immer noch genauso bestehen, als wäre die zeit und das leben einfach stehen geblieben…