Dienstag, den 10. November 2009

Linda in am 10. November 2009, 10:39   8 Leserbriefe »

Die Mauer ist noch einmal umgestürzt, das war die wichtigste Meldung des Tages. Fast könnte man meinen, in Berlin feiert die ganze Welt stellvertretend sich selbst, beim persönlichen Mauereinreißen. Auch die neuen Medien halten Einzug. Bei Twitter war es zeitweise schon die drittwichtigste internationale Meldung, während andere immerhin über die Veranstaltungen Livebloggen. Die Berliner erhielten gestern einen Friedenspreis des Atlantic Council of the United States, für den Freiheitswillen während der schwierigsten Zeit des Kalten Kriegs.
Viele Träume sind seither zerronnen, so auch die Idee, die Stadt architektonisch neu zu erfinden. Geblieben ist international gleichförmiger Investorenkitsch.
“Deutschland” ist kein Grund zum Feiern, sagen Teilnehmer einer Demonstration gegen neuen Nationalismus. Außerdem steckten wegen des hohen Verkehrsaufkommens die Impfstoff-Kuriere im Stau. Vielleicht sollte doch der 9. November zum Feiertag erklärt werden? Im Tagesspiegel plädiert man dafür.
Ummauert kommen sich immer noch zwei Schüler vor, sie sitzen seit Mai in Untersuchungshaft. Sie werden verdächtigt, mit Molotow-Cocktails Polizisten beworfen zu haben. “Was für ein Albtraum, wenn sich die beiden als unschuldig erweisen”, meint die Verteidigerin und verlangt sofortige Freilassung. Ein anderer beschuldigter Schüler, der – angeblich aber vermutlich doch nicht – SchülerVZ erpresst haben soll, hat sich erst vor ein paar Tagen im Untersuchungsknast das Leben genommen.

Sonst noch was?

8 Kommentare

1

central station

Schade, der Artikel zum Thema Architektur kommt mal wieder äußerst destruktiv daher, dh es wird alles in der Luft zerrissen (erstaunlicherweise nur der Potsdamer Platz ausnahmsweise mal nicht), aber man vermisst hier konstruktive Vorschläge der Verbesserung, ein “wie es hätte sein müssen, damit es (aus Sicht der Artikelschreiber) als schön gilt”.
Es wird ausschließlich davon gesprochen, wie es nicht sein soll, und was alles nicht geht.

Ich bewundere Berlin nach wie vor für seine architektonische Vielfalt. Hier gleicht, bis auf bestimmte Ecken (besagter Leipziger Platz, Friedrichstraße) kein Stil dem anderen. Wobei nicht zu übersehen ist, dass diese Vielfalt so allmählich immer weiter geschmälert wird. Der Investorenkram ist auf dem Vormarsch (s. Mediaspree), was schade ist, nicht, weil das immer automatisch gleich hässlich ist (obwohl… Mediaspree?), sondern weil es schlicht zu eintönig ist. Ich möchte auch nicht überall Glasbetonpaläste, auch wenn ich einige der bereits existierenden schön finde.

Am Hauptbahnhof erwartet uns leider wieder genau so etwas:

Künftiges Bahnhofsumfeld
(ausm Deutschen Architekturforum)

Städtebauliche Planung für Lehrter Quartier und Humboldthafen
(aus Skyscrapercity)

Neues Hotel- und Konferenzzentrum an der Invalidenstraße
(aus der Berliner Zeitung)

Na, ich weiß ja nicht. Klar sind die derzeitigen Brachen kein Zustand, aber ich frage mich, ob dennoch alles so dicht bebaut werden muss, und denke mir, die Mehrheit der Berliner wird die “Wüste Gobi” ganz schön vermissen, wenn erstmal der Potsdamer Platz II fertig ist. Ein kaltes, seelenloses Kommerzviertel. Dabei bietet doch der Bahnhof schon genug Kommerz fürs ganze Quartier ,-) und in seine Bügelbauten hätte statt der Bahn auch ein Hotel einziehen können (wie ursprünglich geplant).
Er verdient es auch nicht, eingemauert zu werden, dass man ihn nicht mehr sieht. Hier werden mir sicher einige wiedersprechen, ok, aber ich finde der ist mehr als nur ein simpler Stahl-Glas-Kasten, er gehört mit zu der schönsten und innovativsten Architektur, die nach der Wende entstanden ist. Wie gesagt, meine Meinung.

Den Humboldthafen hätte man einfach mit Uferwegen und Promenaden umgeben können, außerdem finde ich die Flächen für temporäre Nutzung (zB Sandsation, Strandbars) ganz praktisch. Die Vorplätze gehören anständig gestaltet, gepflastert, mit Sitzmöglichkeiten ausgestattet, Springbrunnen und ein paar Bäume würden sich hier nett machen, und vor allem, breitere und vernünftige Straßen und Parkmöglichkeiten für Taxi und PKW.
Soweit, so gut :-)

Eins noch zum Artikel:
Ich weiß ja nun, das olle Spreedreieck ist nicht Jedermann’s Sache, auch ich hätte es gerne höher und so hell wie im Entwurf gehabt, außerdem finde ich schade, dass unten wieder nur Geschäfte reinkommen (und da es die Friedrichstraße ist, kann man sich denken, was für welche…).
Aber hier von einem “schwarz-braunen Monster”, einem “unschön gekneteten StückBlutwurst” zu sprechen… da frag ich mich, was man da genommen haben muss.
Naja, gehört wohl zum journalistischen Stil der Hyperbel, genau wie alles als Klotz und Kasten zu bezeichnen, egal welche Form es hat.

Letztendlich gewinnt man aus dem Artikel nur einen Eindruck, und das hätte auch gut die Überschrift sein können:

*Allet scheiße hier. Abreißen, neu machen!
(“Aber wie denn nur?” – “Ach, keine Ahnung!”)*

2

Thomas

plötzlich beschweren sich alle über berlins architektur… meine güte, immer noch besser als kassel oder mannheim.

3

central station

Ähm. Ich hatte hier vor gut 24 Stunden einen Kommentar geschrieben, der wegen drei Links ersteinmal in die Moderationsschleife gerutscht ist.

Wollte ich nur nochmal drauf hinweisen, falls der übersehen wurde :-)

4

Susanne (hsb)

da isser schon! ;-)

5

Linda (HSB)

@central station: wird prompt nachgeliefert ;-)

6

Werner Bredebusch

Thomas
am 11. November 2009, 01:36 #
plötzlich beschweren sich alle über berlins architektur… meine güte, immer noch besser als kassel oder mannheim.

Na vielleicht sollten wir differenzieren .Gemeint ist wahrscheinlich eher die Wesstberliner Architektur und was so nach der Wende hochgezogen wurde .

Das ist nun mal ziemlich häßlich.Nennenswert ist da das ICC und die ganze Umgebung . Steglitzer Kreisel auch ein abschreckendes Beipiel , Beispiel auch für den „Alt –Westberliner Sumpf“ .

Ich finde auch den gesamten Potsdamer Platz fürchterlich ,aber irgendwie passend zu dieser kalten ,herzlosen Gesellschaft.Im Prinzip wurde Westberlin ums Auto“ herumgebaut“:Für mich als Fahrradfahrer ein Graus. Erwähnen möchte ich noch die vorhande oder fortschreitende
Gettoisierung von Teilen des Westteil z.B. im Wedding,Neuköln .

Man spürt auch noch richtig den alten Westberliner Mief in vielen Ecken. Für mich gesprochen ich fühl mich richtig unwohl im Westteil ,liegt natürlich nicht nur an der Archtitektur…

7

central station

@Susanne & Linda

Danke Euch.

@Werner
Warum bin ich kein bisschen überrascht von Ihrem Kommentar? :-)
Differenzieren Sie doch mal wirklich. Also, das Spreedreieck steht im Osten, soweit ich weiß. Mediaspree… auch. Selbst der Leipziger Platz ist schon Osten :-)
Halten wir fest: Es gibt auf beiden Seiten gelungene und weniger gelungene Architektur. Auch der Westteil hat schöne Ecken, wo’s nicht mieft. ,-)

Und was heißt hier “kalte, herzlose Gesellschaft”? Die Gesellschaft an sich ist doch nicht kalt und herzlos. Höchstens einige Menschen. Sie und ich sind doch aber auch Teil der Gesellschaft. Ich empfinde mich nicht als herzlos (eher manchmal zu viel Herz). Sie sich?

8

tomatensaft

Damit der Blog nicht nur noch aus Debatten über Werners kleingeistigen Ansichten besteht, sollten künftig seine Kommentare ignoriert werden.

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