Mittwoch, den 25. November 2009
Michael in Schlagzeilen am 25. November 2009, 12:48 6 Leserbriefe »
Unzufrieden: das sind heute in der Hauptstadt die Hausbesetzer in der Brunnenstraße, der Hausbesitzer, das Künstlerhaus Bethanien, die Lokführer bei privaten Eisenbahnen, die Erzieher in Horten, Mieter und A 100 Gegner und Befürworter. Die Gründe: frisch aufbereitet für unsere Leser!
- Kollegin Linda hatte es gestern schon berichtet, das besetzte Haus in der Brunnenstraße 183 in Mitte wurde geräumt, Handwerker entfernten Fenster und Rahmen, um es unbewohnbar zu machen. Im Auftrag des bayerischen Hauseigentümers Kronawitter wurde die Räumung vollzogen, statt der erwarteten Hausbesetzer fanden die Beamte 19 Osteuropäer vor, wahrscheinlich ohne gültige Aufenthaltserlaubnis.
Kronawitters Sohn ist ein bekannter Aktivist in der linken Szene – also auch ein Vater-Sohn-Konflikt? Im Gebäude soll ein Mehrgenerationen-Haus entstehen. Die Räumung verlief friedlich.
- Der Wohnungsmarkt in Berlin: weit weniger entspannt, als lange gedacht. Die Mieten in Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Lichtenberg steigen stark bei Neuvermietungen. In Charlottenburg-Wilmersdorf gibt es kaum freie Wohnungen, der Leerstand liegt unter 3%. Eine Tabelle gibt es hier.
- Die Lokführergewerkschaft GDL hatte von 4 Uhr bis 7 Uhr heute morgen zu einem Warnstreik auf den privaten betriebenen Eisenbahnlinien der ODEG und NEB im Raum Berlin aufgerufen. Es kam zu stundenlangen Verspätungen im Pendlerverkehr. Die Gewerkschaft fordert eine Angleichung der Löhne auf DB-Niveau, die Löhne seien derzeit rund 30% darunter, trotz hoher Gewinne der Betreiber.
- Die Kita-Mittel werden aufgestockt, das hat zu Erleichterung bei Berlins Eltern geführt. Doch der Senat verschleppt nun die Verträge mit den Erziehern in den Horten. Dort laufen viele Arbeitsverhältnisse zum 31.12. aus, von einer Verlängerung wissen viele noch nichts. Es wird befürchtet, dass die Hort-Erzieher zu den Kitas abwandern könnnten. Naheliegend ist der Verdacht, dass dies die Absicht der Politik ist…
- Das Künstlerhaus Bethanien zieht um – in die Nachbarschaft. Vorangegangen waren ein Streit mit dem Bezirksamt im Februar dieses Jahres: die Miete wurde verdoppelt. Gleichzeitig wurde den Autonomen, die den Südflügel des Gebäudes nutzen, angeblich ein günstigerer Mietpreis pro m2 vorgeschlagen, so Künstervertreter Tannert. Bis dato hatten die Südflügelnutzer gar keine Miete bezahlt.
- Die Mittel liegen ein paar Monate auf Eis – bis eine endgültige Entscheidung im Frühling 2010 fallen soll. Der Weiterbau der A 100 bleibt umstritten, auch innerhalb der rot-roten Regierung.
6 Kommentare
Metro
am 26. November 2009, 12:50 #
“Unzufrieden: das sind heute in der Hauptstadt die Hausbesetzer in der Brunnenstraße, der Hausbesitzer…”
Naja, ist halt dumm gelaufen, hamm halt das Beste verpasst, nämlich die Räumung ihrer Behausung. EIne medienwirksame Sitzblockade, vielleicht noch mit anketten, so wie die Atomkraftgegner ab und an, man würde vielleicht anderes über diese Besetzer denken.
Der eine oder andere dürfte auch über die Schließung des Themas “Haus wird geräumt” etwas unzufrieden sein. Nun ja, Sprache hin oder her, entscheidend sind für mich immernoch Taten. Und wenn ich recht informiert bin, einer der Schreiber wurde ja auch schon aus einem anderem Blog vorerst verbannt, durch seine provokanten Äußerungen, und damit meine ich nicht mich.
“Vater-Sohn-Konflikt”, durchaus möglich, doch an so einem Konflikt und dessen Eskalation haben immer auch beide Schuld, weiss ich aus eigener Erfahrung. Vielleicht hätte man das auch im Vorfeld des so guten Projektes in die eine oder andere Überlegung mit einfließen lassen sollen, sprich sich gleich ein neues, anderes Objekt zum Besetzen bzw. für dieses “Projekt” gesucht.
“.. statt der erwarteten Hausbesetzer fanden die Beamte 19 Osteuropäer vor, wahrscheinlich ohne gültige Aufenthaltserlaubnis.”
Bin gespannt ob man noch was über die hören wird, bin auch gespannt was mit ihnen passieren wird.
Zu den Kita-Mitteln (wobei ich trotz Kita immernoch Kindergarten sage):
“Naheliegend ist der Verdacht, dass dies die Absicht der Politik ist…”
Und wie naheliegend der Verdacht ist. Und das Thema kostenloser Kindergartenplatz gabs auch schon mal, scheint aber niemanden aus dem Senat/Bund sonderlich zu interessieren, vielleicht weil Herr Wowereit selbst keine Kinder hat, könnte man nun süffisant unterstellen. Klar kostet das Geld, nur man muß ja nicht permanent Geld verschwenden, und sich z.B. noch teure Füller bestellen bzw. schenken lassen. Der Bund der Steuerzahler listet da regelmäßig so einigen Unsinn an Geldverschwendung auf, interessiert aber keinen, ebenso wie Kinder, könnte man meinen.
1704
am 26. November 2009, 19:47 #
@ Metro
“… und damit meine ich nicht mich.”
natürlich meinen Sie sich nicht, aber Sie meinen etwas, von dem Sie ganz offensichtlich nur wenig wissen…
ICHO TOLOT
am 26. November 2009, 21:13 #
tatsächlich gibt es noch etwas anzumerken:
wenn im anderen thraed davon geschrieben wird: das es gleich wieder losgeht, das jemand jetzt schreibt, das hat die polizei so hergerichtet, so kann ich nur die frage stellen, ob das rausreissen von türen und fenstern denn nicht genau dieser tatsache entspricht ? was aber auch bestätigt, was mancher im anderen thread nicht glauben wollte: irgendwer muss die fenster da ja mal reingebaut haben…………
Sigurd
am 28. November 2009, 20:58 #
Dazu hörte ich am Donnerstag einige Stimmen, die natürlich nicht repräsentativ sind, im Radio. Überwiegend war man der Meinung, dass es schade ist, dass in diesem Kiez offenbar alles clean und gleichmäßig werden soll. Man war eindeutig gegen diese Räumung. Gespannt darf man auf den Anfang der Umbauarbeiten sein. Möglicherweise wird es so sein wie so oft. Geräumt und vergessen. Irgendwann wird das Spekulationsobjekt weiterverkauft.
Der Aussage des Eigentümers glaube ich erst, wenn er seine Worte in Taten umsetzen sollte.
central station
am 28. November 2009, 21:15 #
Was da mit dem Haus (Türen und Fenster rausreißen) gemacht wurde, nur um es unbewohnbar zu machen (es war also noch nicht unbewohnbar!), war im Grunde nichts anderes als Vandalismus. Da habe ich überhaupt kein Verständnis für!
Wo wohnen jetzt eigentlich die (Ex-)Besetzer?
ICHO TOLOT
am 29. November 2009, 14:23 #
@central station
ich kann dir die frage nur aus meiner ehemaligen situation beantworten:
wir haben damals aus protest und notunterkunft ein zeltlager neben einer kirche aufgemacht welches dann bis vor die “ASTA” an der uni gezogen ist, teilweise haben sich die leute damals dann auf andere (zum teil ex-)besetzte häüser verteillt oder sind erstmal bei freunden untergekommen, in teltow ist ein folgehaus besetzt worden das dann leider an internen quereleien gescheitert ist, obwohl der besitzer zu mietverträgen bereit gewesen ist, worauf ich damals mit den kollegen aus der band ne WG aufgemacht habe,………
so ähnlich wird das da wohl auch bei dem einen oder anderen laufen……….