Kesselhaus versteht Homophobie im kulturellen Zusammenhang?
Sebastian in Kultur am 26. November 2009, 12:40 9 Kommentare »
Über homophobe Übergriffe in Berlin haben wir hier schon öfter berichten müssen. Auch in einer gefestigten Demokratie und einem ordentlichen Rechtsstaat wie dem unseren, in dem die Würde des Menschen an erster Stelle steht, sind in Teilen der Bevölkerung die Werte von Toleranz unterbelichtet.
In Jamaika steht Homosexualität sogar nach wie vor unter Strafe. Menschen werden dort immer wieder deshalb umgebracht.
Dennoch will das Kesselhaus in der Kulturbrauerei heute Abend erdreisten das Konzert des mehrfach in Deutschland indizierten Reggae-Sängers Sizzla durchzuführen! Die Begründung für diese Entscheidung setzt aus meiner Sicht dem Ganzen noch die Krone auf:
Die homophobe Haltung des Künstlers hat seine Ursache in den gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenhängen, in denen der Künstler lebt. Diese müssen nachhaltig geändert werden. Die eigenen Erfolge unserer Kultur – Abschaffung des Gesetzes gegen Homosexualität in Deutschland – könnten und sollten Motor dabei sein.
Die gesamte Begründung und die als Vorbeugung gemeinten Maßnahmen finden sich auf der Webseite des Kesselhauses (Im Programmkalender das Konzert anwählen, leider flash-Seite)
Werte Betreiber des Kesselhauses,
hallo Team der Kulturbrauerei,
mit derselben Begründung könnt ihr auch Nazi-Bands auftreten lassen (wenn sie versprechen mal einen Abend die rassistischen Texte wegzulassen)! Vielleicht fördert das auch den kulturellen Dialog!
Ich glaube, ich spinne! U n f a s s l i c h!
Heute Abend gibt es eine Demonstration unter dem Motto “Smash Homophobia – für ein tolerantes Berlin”. Start ist um 18:30 Uhr am S-Bahnhof Schönhauser Allee.
Update: Das Konzert ist abgesagt! (danke für den Hinweis an unseren Kommentator Ben)
Update vom Update: Das Konzert wurde offensichtlich nicht abgesagt, sondern verlegt. (via Volker Beck) Ein geübtes Spiel. Im letzten Jahr ist das Konzert in Dortmund auch verlegt worden.
Update Nr. 3 (und hoffentlich das letzte!): Auch das Ausweichkonzert in Huxley’s Neuer Welt ist abgesagt worden.
10 Kommentare
am 26. November 2009, 16:04 #
Geschäftsführer Sören Birke in der Berliner Zeitung:
„Wir wollen, dass sich in Jamaika, wo Schwulenfeindlichkeit an der Tagesordnung ist, etwas ändert. Und das geht nicht, in dem man einen Künstler einfach verbietet.“
Ich glaube nicht, daß man mit einem Konzert im Kesselhaus in Jamaika irgendwas verändern kann.
am 26. November 2009, 16:13 #
bedenklich was da stattfindet….können sich demnächst zukünftig auch vor strafe schützen weil sie im moment gerade keinen mord verübt haben!
demokratie schützt wohl auch nicht mehr gegen homophobie!
1704
am 26. November 2009, 20:00 #
@ Nobbi #6
so manches entwickelt sich eben, und nicht immer zum besten…
ICHO TOLOT
am 26. November 2009, 20:59 #
@nobbi
es ist nicht die musik an sich, sondern der textinhalt und die menschen die ihn transportieren was von fall zu fall zu hinterfragen ist…………..