Blutwurstritter, der
Susanne in Bloxikon am 2. Dezember 2009, 09:38 22 Kommentare »
Blutwurstritter, der; auch Benser, Marcus, Blutwurstritter
Im Süden der Stadt, im schönen Rixdorf, am Rand des Böhmischen Viertels befindet sich das Reich des wohl einzigen Berliner Ritter des Blutwurstordens. Am Karl-Marx-Platz, unweit des U-Bahnhofs Karl-Marx-Straße, herrscht Fleischermeister Marcus Benser in seiner Blutwurstmanufaktur, wo Spanferkel und Lämmer, kalte Platten und warme Braten fabriziert werden. Außerdem natürlich die inzwischen berühmte Blutwurst.
Bei der Berliner Blutwurst aus dem Hause Benser handelt es sich um eine klassische schwarze Blutwurst, die aus frischem Schweineblut, Rückenfett, mageren Kammspitzen und trockenen Schrippen angerührt wird. Dazu kommt eine geheime Gewürzmischung, die auf Marcus Bensers Urgroßvater zurückgeht. Dieser betrieb viele Jahrzehnte lang in Weimar eine eigene Fleischerei und hinterließ ein legendäres Rezeptbuch, das heute die Qualitätsgrundlage für die Produkte der Blutwurstmanufaktur bildet.
Die Ritterwürde stammt übrigens aus Mortagne-au-Perche, der Hauptstadt der “Boudin Noir” – also der schwarzen Blutwurst – in der französischen Normandie. Jahr für Jahr wird dort Blutwurst aus ganz Frankreich und zunehmend auch aus Europa angeliefert, verkostet und prämiert. Inoffiziell gilt dieser Blutwurstwettbewerb bereits als Blutwurst-Weltmeisterschaft, ausgerichtet vom Blutwurstritter-Orden. Marcus Benser hat in der kleinen französischen Gemeinde schon mehrfach die Spitzenplätze belegt und wurde deshalb 2004 selbst in den Orden aufgenommen. Seither darf er sich Ritter der Blutwurst nennen. Das darf nur,
wer sich um die Blutwurst verdient gemacht hat, von einem Mitglied der Bruderschaft vorgeschlagen wurde, mindestens ein mal pro Woche Blutwurst ißt und den Eid auf Grill und Gabel geleistet hat.
22 Kommentare
ulla
am 2. Dezember 2009, 10:12 #
Das ist gemein und ungerecht – so etwas Schönes gibt’s bei uns im hohen Norden nicht.
Aber nun nur wegen der Blutwurst und dem Weihnachtsmarkt nach Rixdorf ziehen? Ich werd’ mal drüber nachdenken…
Hernando
am 2. Dezember 2009, 10:25 #
@ulla
Marcus Benser beliefert sämtliche Spitzenhotels. Vielleicht findet sich da auch was in Ihrer Nähe.
Es gab in aufgegabelt info-radio mal ein tolles Porträt über ihn.
Eine sehr schöne Sendereihe. Immer samstags um 10.44 Uhr.
Hernando Velasquez
am 2. Dezember 2009, 12:00 #
@Nobbi #4
Die Kultivierung der Blutwurst find ich ja ok.
Das mit den Spitzenhotels ist allerdings schon etwas dekadent.
Aber was sollen die denn machen, die schon alles haben und kennen?
@ensa #5
Und zu “Louis” ist es doch auch nicht weit. Oder?
oStsEE
am 2. Dezember 2009, 12:33 #
Also bei uns wurde Blutwurst immer “tote Oma” genannt…
Aber danke für den Text – macht Appetit und ich werd uns auch mal wieder welche machen.
am 2. Dezember 2009, 16:41 #
Verkaufe neuen Titel für die RTL-Restauranttester-Doku:
“Rach isst Blutwurst”
Toska
am 2. Dezember 2009, 18:52 #
@oStsEE
und wo nehmen Sie das frische Schweineblut her ? hamse eine Sau zu Hause ? ;-)
oStsEE
am 2. Dezember 2009, 18:55 #
@ Toska
Nö, aber zwei gute Fleischereien um die Ecke…
(Aber doch, ich hab ne Sau… ne Meersau.)
Sigurd
am 2. Dezember 2009, 19:42 #
Puuaaahhhh, wenn ich die Bilder der Blutwurst sehe, schüttelt es mich schon. Hat bei mir den gleichen Effekt wie die Weißwurst. Aber wer’s gerne mag, guten Appetit.
am 2. Dezember 2009, 19:55 #
… vielleicht sollte man seinem kontrahenten lieber eine blutwurst schicken – statt sich zu rächen, meine ich … ;-)
cora
am 2. Dezember 2009, 20:21 #
Lieber Blutwurst, mal, als Nierchen oder Hirn …. brrrrr ….
So einmal im Jahr ist das lecker…
Also, ich bin ja eher Mago-Fan…Aber ob die Bluturst haben?
Der Papa meines Freundes macht immer noch selbst Wurst, richtig lecker – was alles drin ist? Will ich nicht wissen :-).
Toska
am 3. Dezember 2009, 05:50 #
Ach so@oStsEE
dann isses aber nicht so ganz selber gemacht. Wahrscheinlich kaufen Sie Ihre Blutwurst beim Fleischer Oppen auf der Berliner Allee-stimms?? ;-)
( ich hoffe der Name stimmt-kenne den noch von früher )
Helen
am 3. Dezember 2009, 22:25 #
Das Allee-Center kenne ich auch, wenn ich aber erzähle, weswegen ich da hingehe, lachen sich einige bestimmt kaputt oder so ähnlich.
Daniel
am 16. Dezember 2009, 00:14 #
Die Steigerung von Blutwurst ist Schwarzwurst, die gab’s mal vor Kurzem im Supermarket.
Ich hatte sie gekauft und wusste nicht so recht, was mache ich eigentlich mit diesem Stück.
Als das MHD. immer näher rückte, recherchierte ich mal im Net.
Über Schwarzwurst gibt es relativ wenig Infos. Was schon mal aufhorchen lässt, denn im Netz findet man ja so ziemlich fast alles.
Man kann Schwarzwurst als Salat zubereiten oder auf Brot sich schmieren.
Ich schnitt das Teil auf und die fetten Stücke kamen mir auch schon ans Tageslicht.
Als Variante gab es noch in der Pfanne anbraten- Dazu entschied ich mich.
Ohne Öl, kam da schon ein Fett zum Vorschein, das der Pfanne als Grundlage diente.
Dazu Brot und nach 15Minuten probierte ich mit viel Senf.
Zum Anfang war der Geschmack völlig neu und interessant.
Um so mehr ich aß überkam mich ein Gefühl, als ob ich mich 150 Jahre in die Vergangenheit katapultierte.
So in etwa mussten unsere Vorfahren gegessen haben, jetzt kann ich mir auch vorstellen, warum außer der fehlenden medizinischen Versorgung unsere Vorfahren nicht so lange lebten.
Ein Erlebnis der besonderen Art; der Rest landete in der Biotonne.
Wenn man meint, man isst sonst schon etwas totes, das hier war die Krönung.
Dagegen ist Blut,- oder Leberwurst ein wahre Delikatesse.
Wer sich einen Trip in die Vergangenheit gönnen will, dem kann man
Schwarzwurst empfehlen.