Alex, der

Steffka in am 1. Dezember 2009, 10:05   19 Kommentare »

Alex, der; Abk. für Alexanderplatz, der
„Na vom Alex, da ist die Aussicht ja ganz einmalig“ hört man hier und dort die Zugezogenen sagen. Über den kapitalen Fehler „Alex“ zum Fernsehturm zu sagen, hilft dem gemeinen Berliner außer Gekicher nur die Vorstellung hinweg, dass es ja mit „Telespargel“ noch schlimmer kommen könnte. Und irgendwie ist es ja auch ganz putzig, wenn einem erklärt wird, dass der „Alex“ sich ja jetzt zweimal in der Stunde dreht.

Benannt nach dem Zar Alexander, macht der tatsächliche Alex vor allem als Luftbild (vom Fernsehturm oder nachts vom Weekend aus) einen sympathischen, aufgeräumten Eindruck. Dieser verfliegt schnell, sobald man sich direkt auf Augenhöhe mit dem Eingang zum Alexa oder dem Kaufhof befindet, wobei die aktuellen stadtplanerischen Entwicklungen erstaunlicherweise dazu führen, den eher uncoolen Charakter noch zu stärken. Mit seiner sperrigen Anmutung dient der Alex täglich tausenden Berlinern als ÖPNV-Knoten, Arbeitsplatz oder als Shoppingparadies. Verweilen möchte man in der Regel trotzdem nicht oder nur, wenn es unbedingt sein muss. Ausgenommen von diesem Normalverhalten sind Punks und jugendliche Partykids – diese empfinden scheinbar eine unerklärliche Faszination für den Ort und halten sich in der Regel gleich 24/7 dort auf.

Der Alexanderplatz repräsentiert Berlin eigentlich ganz gut: nicht schön, nie fertig gestellt und auf eine kauzige Art lebendig. Davon abgesehen, dass das letzte vorhandene Grün samt Biergarten einem weiteren Konsumklotz weichen musste, der sich unerklärlicherweise überhaupt nicht in den marmornen Stil der restlichen Gebäude einpasst, gibt es am Alex wenig Überwältigendes. Er lässt sich daher – stur wie eine Berliner Bäckersfrau – nur mit einer ordentlichen Portion Berlinliebe und Entdeckerlust liebgewinnen oder vielleicht durch die Lektüre des nach ihm benannten Romans von Alfred Döblin.

Seine Unangepasstheit verwandelt das ehemalige Herzstück des sozialistischen Ostberlins allerdings auch in eine charmante Option für verschiedene Anlässe. Wenn tausende Menschen am Alex zusammen kommen, hat es oft etwas mit Protest oder gar mit Umsturz zu tun. Schon während der Märzrevolution 1848 und eben auch im November 1989 . Wahrscheinlich sind es diese historischen Schwingungen kombiniert mit dem individuellen Einzelwahnsinn der vielen Durchreisenden, die dem Platz seinen warmen Herzschlag geben.

20 Kommentare

1

Hernando

A wie Alex
Das war zu erwarten – und wohl auch unvermeidlich.

Hier eine schöne Aufnahme
(zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Meist ist der Alex für mich nur Umsteigestation.
Im Sommer geh ich aber auch gern mal bei Käse König essen. Deftig und günstig. Im Freien fast direkt unterm Fernsehturm.
Die Homepage ist leider nicht so gut wie das Essen.

-

mehr A:

Abgeordnetenhaus, das

Alte Försterei, die

Avus, die

-

Künftig will ich mich nicht mehr so breit machen. Zumindest was die Länge meines Nicks betrifft. Allen Bloggern und Kommentatoren wünsche ich eine friedliche Adventszeit.

2

cora

Alex…ein Albtraum, ich sehe da vor lauter Menschen mal immer gar nichts.

Am schlimmsten diese Straßenbahn, die mitten über den Platz juckelt – wer das erdacht hat, der kann doch keinerlei städtebauliche Kompetenz gehabt haben .-(.

@HV
Hätte es denn dann nicht auch “HV” getan? :-)))

ich wünsche auch allen eine friedliche Adventszeit.

3

Drösel

Der Fernsehpümpel steht überhaupt nicht auf oder am Alexanderplatz. Zwischen beiden ist unter anderem die Stadtbahn, und die Brachfläche zwischen Stadtbahn und Spree mit jetzt entferntem “Palast” ist nicht der Alexanderplatz, und war es auch nie.

Wie man, wenn man sich die Schnüffelsoftware “Google Earth” installiert, übrigens auch leicht nachprüfen kann, dort gibt es so eine Art “Wayback-Machine”, mit der man auch älteres Luftbildmaterial untersuchen kann. Das älteste Material, das ganz Berlin zeigt, ist von 1953; einige wenige Ecken aber gibt es auch noch im März 1945.

Klar erkennbar ist, daß die Fläche nördlich des roten Rathauses früher mit Häusern bebaut war.

Im übrigen wird der Abriss als städtebauliches Korrektiv von Nachkriegsschäden leider immer noch viel zu wenig ernst genommen. Die komplette “Bebauung” rund um den Alexanderplatz und auch die rund um den Platz ohne Namen, auf dem eben der Fernsehpümpel steht, die hat es hinter sich. So menschenverachtende Hassprediger-Beton-Brocken braucht Berlin nicht. Weg damit! Weg mit dem Hotelbunker neben dem “Centrum”, äh, “Kaufhof”, weg mit den ganzen Ost-Verbrechen, weg mit den West-Verbrechen in Form von “Cubix”, “Alexa” und wie der ganze Rotz heißen mag …

4

Metro

Spannend am “A” finde ich immer die (rumänische!?) Bettelmafia…
na, komm se nun und trau’n sich bei mir… oder macht den meine
fast Glatze doch mehr Angst als nötig.
Ist mir schon ein Paar mal passiert, komm’ um die Ecke, Mafiosi, also
Bettelfrau mit Kind auf’m Arm, will loslegen, und innerhalb einer Sekunde
überlegt sie es sich doch anders. Manchmal ja echt witzig, und manchmal fühl’ ick mir echt diskriminiert.
Aber besonders witzig find ick’s dann, falls mich doch mal einer auf’m falschen Fuß erwischt, wenn ick denen dann mit Russisch komme. Ich schätze mal, Finnisch, also Fantasie-Finnisch würde ooch gehn. Klar andere machen nen Fisch und zeigen nicht mal ne Regung, da bin ick wohl zu menschenfreundlich.

5

Gedankenpflug

Der Alex ist nicht schön; aber das macht ihn aus. Der Alex ist grau, usselig und äußerst charmant.

6

central station

Es gibt Leute, die zum Fernsehturm “Alex” sagen? :-)

Ansonsten, schöner Text, beschreibt den Platz genau so wie er ist.

Das Schlimmste dort ist noch immer dieses Alexa-Dingens, so schlimm, dass es irgendwie schon wieder Kult ist… und ne schaurig-schöne Warnung an andere Städte, wen sie besser nicht bei sich bauen lassen ,-)

@ Sep Drösel, was sollte man denn stattdessen, anstatt dieser ganzen “Ost- und Westverbrechen”, dorthin bauen? Ich lese immer nur, was alles nicht geht (eine erschreckend große Bandbreite), aber was geht denn? Rund um den Alex entstehen ja bald ein paar wuchtige Kollhoff-Türme. Vielleicht gefallen Ihnen ja die?

7

oStsEE

Ich fand den Alex eigentlich immer ganz nett…

Aber seit Alexa und diesem unsäglichen Sa****-Klotz mitten auf dem Platz ist das vorbei.

Nett anzusehen sind die Skater und wild zur Seite springenden Straßenbahn-nicht-herankommen-Ahnenden.

8

Hernando

@ostsee

Nett anzusehen sind die Skater und wild zur Seite springenden Straßenbahn-nicht-herankommen-Ahnenden

Das führt bei mir eher zu einem Stoßgebet.

9

oStsEE

@ Hernando

Na, dann sind Sie ja vielleicht sowas wie der Schutzengel dieser wild zur Seite springenden Straßenbahn-nicht-herankommen-Ahnenden…

10

Toska

Also @Hernando Nr. 1-das kannste mir nicht antun. Für mich bleibst Du HV;-))

Der Alex wird nie sein Schmuddelimage losbekommen. Mich nerven immer die Punks mit ihren Hunden.

Nee, nicht mein Platz. Da hat Berlin besseres zu bieten.

Auch ich wünsche allen eine schöne Adventszeit

11

cora

@Toska
Aha, also den Breitscheidplatz finde ich auch nicht schicker…

Aber wie
@oStsEE sagt:

Die Skater, die finde ich überall klasse.

@oStsEE
Pah, “Straßenbahn-nicht-herankommen-Ahnende” :-( – Männo dit iß ne Fußjängerßone….*lispel

12

oStsEE

@ cora

Die Straßenbahnen sind diese langen großen gelben Dinger die auf den Gleisen fahren… Also Obacht.

13

cora

@12
hüpf

14

Helen

He, ich will da morgen wieder hin , zu Saturn, und dann fahre ich gaaaanz langsam mit der Tram über den Alexanderplatz.
Und wer diese Straßenbahn dort nicht mag, es steigen viele Leute ein und aus, also muß sie sich doch rentieren (es fuhren früher auch schon Bahnen dort).

15

Toska

@cora

Wie jetzt , aha ???? nee, der Breitschatzplatz ist auch nicht mein Ding.

Muss ja auch nicht unbedingt ein Platz sein. Berlin hat so viel zu bieten, da ist für uns beide was dabei.

16

ICHO TOLOT

also in kreuzberg sollen sie den platz für mediaspree räumen – in friedrichshain genauso – ausm prenzlberg sind se auch grad verschwunden, jetzt finden manche punks am alexanderplatz unpassend, ja wo darf man dann denn punk sein?

17

central station

@ Icho Tolot

Überall, wo Sie möchten, und sei es im Regierungsviertel. Daran, dass manche Leute das “unpassend finden”, sollte es doch nicht scheitern ,-)
Hey, wir sind in Berlin!

18

1704

@ ICHO TOLOT #17

“no futere” – und dann irgendwen um erlaubnis bitten?

punks sind auch nicht mehr das, was sie mal waren…

19

1704

#19/was habe ich denn da geschrieben, nur gut, daß hier niemand rumänisch kann – es muß natürlich “no future” heißen…

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