Keenen Sechser in der Tasche
Linda in Schnauze am 18. Oktober 2005, 21:23 11 Kommentare »
Geld hat in Berlin ein sprachliches Eigenleben. Wer schon einmal Ureinwohner übers Geld reden gehört hat, könnte an eine besondere brandenburgisch-preußische Regionalwährung glauben. Nachhaltigen Eindruck hat hier die Zeit von 1687 bis 1871 gemacht, als es kupferne “rote” Halbgroschen gab: Sechser. Ein Groschen war zu der Zeit 12 Pfennige wert und ein Halbgroschenstück war demnach ein Sechser. Praktischerweise behielt man in Berlin diese Bezeichnung bei, auch nach Einführung des Dezimalsystems. Die Währungen wechselten von der Reichsmark über Deutsche Mark zum Euro, dem Berliner Sechser konnte das alles nichts anhaben. Auch ein 5 Cent-Stück wird nunmehr unbeirrt Sechser genannt. Als ich, frisch zugezogen, einmal einen Freund nach dem wahren Sinn des Sechsers fragte, meinte er nur: Weil sich Fümwer blöd anhört. Eben. Das isses doch!
Der Berliner Duden kennt noch weitere eigenwillige Ausdrücke für Geld. Nach meiner Beobachtung sind es praktisch-logische Ausdrücke, jeweils situationsabhängig. Mein Lieblingsausdruck ist Knete. Damit kann man etwas anfangen, Geld ist in dem Fall Gestaltungsmittel: Staatsknete, z.B. als Fördermittel für ein Jugendprojekt. Die ist allerdings am Aussterben – wegen der notorischen Berliner Haushaltskrise. Oder nehmen wir Geld als Lebensmittel: wenn ein armer Student sich Geld leihen will, wird er gefragt: “Haste wieder keine Kohle?” Zum unmittelbaren Verbrennen bestimmt, zum Herzerwärmen, sozusagen. Was er dann angeboten bekommt, ist vielleicht ein Pfund, also – aus dem Englischen übersetzt – ein 20 Euroschein. Aber das ist bestenfalls Pinke, das klingt lautmalerisch, so als ob gerade das Kleingeld aus der Tasche fällt. Kommt mir berlinerisch vor, steht aber nicht im Duden.
Die Berliner Hartz-IV-Empfänger sind derweil froh über verbleibende Pinke an der Panke und erinnern sich an das Stempellied von Hanns Eisler aus dem Jahr 1929, einer Art frühem Arbeitslosenblues in deutscher Sprache, am bekanntesten in der Version von Ernst Busch:
“Keenen Sechser in der Tasche bloß’n Stempelschein.
Durch die Löcher der Kleedage kiekt de Sonne rein.”
Und das mit der Kleedage (Kleedasche?) ist wieder eine andere Geschichte!
11 Kommentare
am 18. Oktober 2005, 22:24 #
ja, genau. altberlinisch mit französisierender Endung, laut Duden :-)Patrick
am 19. Oktober 2005, 01:44 #
Die Berliner Hartz VI Empfänger sind derweil froh über …– Hartz 6 ?! ;-)
Deppenleerzeichen lässt grüßen. Selbst Bild-Online titelt richtig: Hartz-IV-Empfänger zocken ab
P.S.
Textile kommt mit langen Links überhaupt nicht klar und zerstört sie. Nur mal so…
Und wenn überhaupt, sollte man es korrekt als Alg2 bezeichnen.
am 19. Oktober 2005, 06:54 #
Vielen Dank für deine aufmerksame Lektüre unserer Artikel. Selbstverständlich hast du Recht mit deiner Anmerkung, dass Leerzeichen nichts zwischen Hartz-IV-Empfänger zu suchen haben. Ich habe das natürlich für meine Kollegin geändert.Ich denke, man kann bei Hartz IV eine Ausnahme machen, wenn man es statt ALG2 verwendet, da es mittlerweile so eingebürgert ist, dass man weiß, was gemeint ist.
am 19. Oktober 2005, 08:48 #
@Patrick: Wollen wir mal päpstlicher sein, als der Papst? Oder ist es die Freude, in einem liebevoll geschriebenen Artikel der Autorin einen Tippfehler nachweisen zu können? Anstatt dich am Artikel zu erfreuen, pöbelst du hier rum.So. Das musste ich mal sagen.
Patrick
am 19. Oktober 2005, 11:43 #
@IvoDanke für Deine (sachliche) Antwort. Wenn die Bezeichnung mittlerweile so eingebürgert ist, kann ich mir das gut vorstellen. In den Medien findet sich ja sonst auch kein Bericht über das Thema ohne Hartz IV.
@Matthias:
Wer pöbelt hier rum? Du hast wohl den Smiley übersehen. Außerdem bin ich sachlich, höchstens etwas sarkastisch, was Deppenleerzeichen angeht. Deine Äußerungen hier lassen aber viel eher auf Denkfehler schliessen: voreilige Rückschlüsse.
Nein, es ist nicht meine persönliche Freude, Tippfehler nachweisen zu können. Da könnte ich auch einfach die Seite kicken und nicht wiederkommen. Aber so schreibe ich noch etwas, um auf den wirklich nicht kleinen Fehler aufmerksam zu machen und darf mich gleich als Pöbler bezeichnen zu lassen. So wird das nichts mit den Lesern.
am 19. Oktober 2005, 12:29 #
@Patrick: Meine Antwort mag sich etwas harsch lesen. Trotzdem bin ich die Diskussionskultur teilweise leid, wenn Kommentare nicht mehr dazu dienen sich mit dem Artikel auseinander zu setzen. Dazu hat das KleineF übrigens mal schön seine Gedanken sortiert.Und ob nun Hartz 4 oder 6, inhaltlich zwar falsch, das will ich nicht bestreiten, aber logisch weiß man, was gemeint ist. Who cares?
AndyCarl
am 19. Oktober 2005, 18:03 #
@Patrick“Aber so schreibe ich noch etwas, um auf den wirklich nicht kleinen Fehler aufmerksam zu machen und darf mich gleich als Pöbler bezeichnen zu lassen.”
Das sollten wir auch noch einmal üben!
Zum Thema: “Der Splitter im Auge des Anderen”
Ghidra
am 25. Dezember 2005, 14:12 #
Ich hab hier einen Päääätrick gefunden. Falls es der P. ist, den ich meine, schööönen Gruß von Allen, denen er noch Geld schuldet.
Winkääää!
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am 18. Januar 2006, 13:26 #
Sechser malen ist übrigens meine Spezialität,
wie das gravitar zeigt.
Diese Geldfakten wurden erst einmal an mich herangetragen, aber danke für den blog , so weiß ich jetzt die genauen Hintergründe.
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