Schneemanndemo ist Werbung
Susanne in Schlagzeilen am 22. Januar 2010, 21:59 15 Kommentare »
Entega ist ein hessischer Stromanbieter, die Schneemänner sind aus Kunstschnee, und die Demonstration gegen den Klimawandel ist keine.
Das las ich soeben in der taz. Und es macht mich einigermaßen fassungslos. Obwohl mir diese Plakataktion auch schon ein wenig seltsam vorgekommen ist.
15 Kommentare
1704
am 23. Januar 2010, 00:20 #
der link zum taz-artikel.
auszüge:
_”… Auf einer Infotafel auf dem Schlossplatz steht: ‘Wir waren Teil des Problems, jetzt wollen wir Teil der Lösung sein.’ Entega ist ein regionaler Energieanbieter, der auf den deutschen Markt bekannt werden will, als Erstes in diesen Tagen in Berlin. Und die Marke soll dabei möglichst von Anfang an mit dem Label ‘Ökostrom’ verbunden sein. Doch ein Drittel des Stroms kommt nach Firmenangaben aus Gas und Kohle, etwa die Hälfte der 800.000 Kunden beziehen keinen reinen Ökostrom. Zwar verkauft das Unternehmen selbst keinen Atomstrom, doch ein Teil der Profite wandert derzeit noch an den Atomenergiekonzern Eon…”
“… Die Idee kam von Ralf Schmerberg. Der Filmemacher, der früher Werbespots gedreht hat, dann eine Dokumentation über die Proteste in Heiligendamm, wird von Entega drei Jahre lang für solche Aktionen bezahlt. ‘Kunstaktion, Demonstration oder PR – ist doch scheißegal’, findet er. Findet Lobby Control nicht.”
[und wie man sieht, funktioniert´s… das mit der werbung!]
ulla
am 23. Januar 2010, 08:06 #
@1704
Macht man das jetzt so, ich meine vom Vorredner – besser -schreiber – verlinkte Artikel zum besseren Verständnis für die Leserschaft noch einmal zu verlinken und anschließend auszugsweise im Text zu wiederholen? Aber wenn Sie das tun wird’s schon seine Richtigkeit haben, Sie tun’s ja häufiger mal.
Wie ich im Nachbarthread schon schrieb, wollen Sie uns wohl nicht dumm sterben lassen. Danke dafür.
Weltverbesserer
am 23. Januar 2010, 12:05 #
Na und? Besser mit denen protestieren als gar nichts tun. und die idee kommt nicht von ralf schmerberg, sondern wird von ihm nur umgesetzt…
1704
am 23. Januar 2010, 14:10 #
@ ulla #2
“Macht man das jetzt so…”
keine ahnung, 1704 ist nicht “man”!
es kann gut sein, daß ich übersehen habe, daß der link im text angegeben ist – ich meine allerdings, daß der link zu dem zeitpunkt fehlte, als ich den kommentar schrieb. ansonsten, kennen Sie doch sicher: doppelt genäht hält besser!
am 23. Januar 2010, 14:19 #
Egal was man von der Veranstaltung politisch halten mag, für Fans von Schneemännern, für Familien mit Kindern, oder für Leute die Spaß haben wollen, ist es ein riesiges Happening. Ich hab selten soviele fröhliche Menschen auf einen Fleck gesehen, was für Berlin schon was heißen will ;-)
Ich habe auch noch nie so viele kreative Schneemänner und – frauen auf einen Haufen gesehen. Der blaue Himmel und die Kulisse von Dom und Fernsehturm dazu… für mich als Fotograf ein Schlaraffenland. Nur der Akku, der macht bei der sibirischen Kälte früher Schluß als man das gewohnt ist. Ein paar Bilder werde ich gleich mal einstellen.
am 23. Januar 2010, 15:46 #
@ 1704
Der Link stand da, von Anfang an. Logisch, immerhin habe ich ja auch aus dem Artikel zitiert, da ist ein Link wohl Pflicht.
@ Harald
Das glaube ich gerne, dass das lustig war/ist. Noch dazu, wo wir endlich mal wieder die Sonne sehen heute. Und dann mit gesponsortem Kunstschnee bauen dürfen. Die zusammengestampften Berliner Eisschichten eigenen sich ja wohl kaum noch zu Schneefiguren des einen oder anderen Geschlechts. Ich bin gespannt auf die Bilder.
1704
am 23. Januar 2010, 16:39 #
@ Susanne HSB #7
nicht alles, was “logisch”, ist dann auch zwingend, andernfalls müßten sich manche meinungen und handlungen von selbst verbieten. ist aber nicht so, und fehler und versäumnisse sind wie irrtümer recht “menschlich” – aber, wenn Sie sagen, der link sei von anfang an gesetzt gewesen, dann wird es wohl auch stimmen…
Noem
am 23. Januar 2010, 22:10 #
ich fands ein einmaliges happening! werde morgen gleich noch ein paar schneemänner bauen.
@utopia watchblog: waren sie denn an der veranstaltung?
am 23. Januar 2010, 22:39 #
@noem
Aber sicher sind wir da mal vorbeigeschneit.
Schneemänner sind immer toll. Die Werbung ist auch super gemacht. Nur ist es eben Werbung, von DDB (Berlin) und anderen. Nicht für jede/n ist sofort ersichtlich wofür er/sie da eingespannt wird. Siehe die Presseberichte (Verweise auf selbe finden Sie z.B. auf www.twitter.com/utopiawatchblog).
Wir haben allerdings keine Schneemänner aus Kunstschnee gebaut, der irgendwo am anderen Ende der Welt wieder CO2-neutralisiert wird. Wir folgen sozusagen streng dem ursprünglichen Motto von Utopia: »Hier nicht auf Kosten von anderswo.«
am 23. Januar 2010, 22:46 #
@noem
Um Missverständnissen vorzubeugen, die »Kohle nur noch zum Schneemann bauen«-Aktivisten vom Bund, auf die ich verwies, werden morgen Schneemänner bauen gehen.
(Das Utopia-Watchblog und die Klimaaktivisten vom Bund sind zwei unterschiedliche Gruppen.)
neom
am 24. Januar 2010, 13:27 #
@utopia watchblog
auf dem flyer, den ich bekommen hab, war entega als absender aufgedruckt. ebenso auf den plakaten die ich gesehen hab. von daher finde ich nicht, dass man leute getäuscht und reingelegt hat. und weshalb gegen die aktion so anschreiben? sie mögen wohl recht haben, dass es ökostromanbieter gibt, die noch “grüner” sind…aber es ist doch immerhin besser, wenn die leute strom von entega beziehen als von e.on, rwe u.a..oder sehen sie das anders?
Elisabeth Seeger
am 24. Januar 2010, 13:31 #
Viele fröhliche Gesichter machten die Schneemann-Demo zu einem Ort der Begegnung und Aktivität. Manche Fotografen knipsten, bis der Akku leer war! Wir alle dürfen uns auf die tollen Bilder freuen, die sie mit uns teilen.
Für mich war es nicht nur ein unverbindliches Vergnügen, denn unsere Mitstreiter aus Schnee können einen Bewusstseinswandel hervorrufen! Jeder von uns kann einen Beitrag leisten – zum Beispiel durch die Wahl des Stromanbieters. Ich bin froh, dass es moderne und verantwortungsbewusste Versorgungsunternehmen gibt, die solche Aktionen ermöglichen.
am 24. Januar 2010, 17:02 #
@noem
Natürlich wird auf Werbemitteln der Absender benannt, das Unternehmen soll schließlich beworben werden.
Dies nicht jedoch nicht jedem bewusst, der sich auf den Weg zur »Schneemanndemo« macht.
Es ist für Image-Werbung völlig normal, dass das positive Image, hier das der Scheemänner, im Vordergrund steht, der auf das werbende Unternehmen abfärben soll, und erst später der Verweis auf den Sponsor/Werber erfolgt.
Wie die Imagewerbung funktioniert zeigt Frau Seeger’s Beitrag.
Da ist dann egal, dass die HSE als Eigner der Entega rund 90 % Graustrom aus Erdgas erzeugt, oder dass die Pipeline »Nord Stream« durch die Ostsee gebaut wird.
Ob man ein »grüner« »Öko«-Stromanbieter wird, wenn man die ca. 10% Ökostrom aus dem HSE-Strommix in einer eigenen Vertriebsfirma (ENTEGA) vermarktet deren Strommix dann 65% Ökostrom ausweist (weil sie nicht den kompletten Graustrom der HSE mit vermarktet) sei dahingestellt.
Ich bin nicht der Meinung, dass es besser wäre den Strom bei der Entega als bei e.on, rwe, zu kaufen, die mit Dumpingpreisen versucht den Ökostrommarkt zu übernehmen und den »echten« Ökostromanbietern die Kunden abtrotzt. Vielmehr sollte man zu echten Ökostromanbietern wechseln auch wenn es finanziell weh tut.
Wir teilen nicht den Ansatz der Ökoeffizienz von HSE/Entega bei der Graustrom-Produktion, sondern folgen eher der Idee der »Ökoeffektivität«.
CO2-Kompensierung oder -Neutralität steht deshalb in unserer Kritik.
Wie Braungart es mal trefflich formulierte: »Wir versuchen, das Falsche zu verbessern, und machen dadurch das Falsche perfekt falsch.«
Natürlich ist nachvollziehbar, dass die HSE / Stadtwerke Mainz ihren noch langen Weg zu regenerativen Energieträgern möglichst schmerz- und verlustfrei gehen wollen, doch das ist halt ein wirtschaftliches Ziel eines Unternehmens auf Kosten der Umwelt und mithin der Gesellschaft.
am 28. Januar 2010, 14:55 #
Ein herzliches Dankschön an alle Schneemannerbauerinnen und -erbauer und auch an alle, die einen Kommentar geschrieben haben! Mehr Infos zur Aktion und ein Diskussionforum gibt es bei facebook: www.facebook.com/denkanstoesse#/denkanstoesse?v=app_2373072738