Mittwoch, den 3. Februar 2010

Michael in am 3. Februar 2010, 13:59   25 Leserbriefe »

  • Das Schweigen ist das Benzin im Motor des Täters konstatiert der Rektor des Canisius Kolleges, Pater Klaus Mertes. Weiter sagt er: “Ich weiß, wie alleine man sich fühlt, wenn alle im Umfeld wegschauen. Das ist ja Teil des Missbrauchs.” Dass dieser Missbrauch nicht nur Teil der katholischen Kirche sei, betont er, und dass er hoffe, dass die moderne Kirche offen ist für das, was Gott mit der Kirche heute vorhat. Vielleicht könne dies – so auch meine Hoffnung – zu einer theologischen Neubewertung von Homosexualität oder zur Ordination von Frauen führen, aber das ist offen. Ein kluger Mann, der mit viel Energie und beherzter Offenheit ein Tabu-Thema endlich öffentlich diskutiert! Um so trauriger, dass der “deutsche” Papst Benedikt trotz Intelligenz sich in abstrusen geistigen Windungen vor der Modernisierung der Kirche drückt.
  • Bei einigen Proben, die Greenpeace bei Kaiser’s überprüft hat, wurden bis zu 15 verschiedenen Pestizide auf Salatblättern gefunden. Auch der angebotene Ruccola ist bei der Lebensmittelkette extrem belastet. Einige Salatköpfe seien sogar akut gesundheitsgefährdend. Zunehmend werden mehrere Pestizide parallel eingesetzt, um die Überschreitung der Höchstmenge bei einem einzigen Stoff zu vermeiden, so ein Greepeace-Sprecher. Die belgischen, italienischen und holländischen Produkte sind mal wieder am stärksten belastet. Und es ist noch nicht einmal ein billiger Discounter, hier wurde Gift zu hohen Preisen verkauft!
  • Möglicherweise gibt es am kommenden Montag eine Einigung im Tarifkonflikt. Kernpunkte und Ziele sind die Angleichung der Gehälter an das Bundesniveau und die Aufhebung der restlichen Ost-West Unterschiede bis 2014. 24 Jahre bis zur Angleichung, mehr als die Hälfte eines Berufslebens – welch Tempo!
  • Das Dach eines großen Baumarktes in der Alboinstraße musste von der Schneelast befreit werden. Die Feuerwehr fuhr einen Großeinsatz.
  • Berlin bleibt die Luft weg, die Feinstaubwerte, z.B. an der Frankfurter Allee in Friedrichshain, waren an manchen Tagen deutlich über den erlaubten Höchstwerten im Januar 2010.
  • Ein S-Bahn-Fahrer packt aus und erzählt, warum es zu dem großen Debakel kam. Im Grunde genommen alles das, was wir befürchtet haben: verantwortungslose Manager und Profitsucht seitens der Bahnführung.

25 Kommentare

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Sigurd

Berliner Baumarkt drohte einzustürzen!
Wow die Morgenpost, auch als Beamten-BZ bekannt, hat mal wieder ihre Schlagzeile. Im Artikel selbst gibt man sich dann etwas aufgeräumter. Es ging um das Lager des Baumarktes.

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ulla

Danke für diesen kaisers.de/ Link, @Michael. Da weiß ich doch gleich, wo ich am Wochenende preisgünstig einkaufen kann.

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cora

Klar, Zeemann spendet auch von jedem Einkauf einen Cent…

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ulla

@cora

Aber das neue Baumwoll-outfit von Zeeman vor dem ersten Tragen immer mindestens genauso gründlich waschen wie den Kopfsalat von Kaisers.

Auch in Baumwolle lauern Pestizide und das nicht zu knapp www.forum ;-)).

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Michael (hsb)

@ulla: der Link auf die Unternehmensseite direkt funktioniert leider nicht.

Aber dank ihrer Intelligenz haben Sie sich bestimmt nicht von den bunten Angeboten ablenken lassen und sind direkt zum Link “Unternehmen” geswitcht.

@cora: Kaisers spendet auch pro Bon 1 Cent für Haiti. Macht geschätzte 80000€ pro Woche aus. Aber das ist nicht das Thema dieses Threads!

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ulla

Ach nicht doch, @Michael, Sie machen mich ja ganz verlegen ;-).

Ab sofort denke ich auch nicht mehr, daß Sie Schleichwerbung betreiben wollten.

Ist es dieser Link kaisers.de/infoseiten/ueberuns.html , der nicht funktioniert?

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Helen

Geistige Windungen …
Ich habe gerade einen Beitrag gelesen unter der Überschrift “Papst will “missionarischen Eifer” gegen Schwule, es geht um seinen Besuch in Großbritanien (Leider kann ich keinen Link setzen, ich kann es nicht). Die kath. Kirche wird sich nie ändern.

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Susanne HSB

@ Helen

Das mit den Links ist ganz einfach, man kann si eim Grunde einfach hier reinschreiben. Es geht natürlich auch eleganter und ist genauer erklärt, zusammen mit einigen anderen gestalterischen Sachen. Einfach unter der Eingabebox auf die kleine Schrift “Textile-Hilfe” klicken, dann klappt ein Erklärungsfenster auf.

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Helen

Danke @ Susanne – aber da ist bei mir Hopfen und Malz verloren, meine Enkel haben es auch schon versucht, mir beizubringen, einen Text zu kopieren um ihn dann woanders einzufügen. (Nur bei Musik klappt es)

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1704

Papst will #missionarischen Eifer’ gegen Schwule

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Helen

@ 1704
Das ist der Artikel, ich habe ihn woanders gelesen.

12

1704

“Das neue Gesetz [Gesetz gegen die Diskriminierung Homosexueller auf dem Arbeitsmarkt] sieht zum Beispiel vor, dass auch die Kirche außer bei streng klerikalen Belangen wie Priester- und Diakonatsweihe Arbeitsanträge von Homosexuellen, auf Ausschreibungen hin eingereicht, mit der gleichen Offenheit zu behandeln habe wie alle anderen Bewerbungen aus dem säkularen Umfeld. Rücksicht auf Bedenken aufgrund einer anderen moralischen Tradition entfielen mithin. Dagegen mit ‘missionarischem Eifer’ vorzugehen, hat Benedikt in dieser Woche seine britischen Amtsbrüder aufgefordert.” (link in #10)

nicht verwunderlich, daß die kirche da gern sturm gelaufen sehen möchte…

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cre

Wenn es “nur” die Kirche wäre… Gut, die strengen Katholiken haben halt ihre Ansichten.
Traurig ist, dass diese Denke (“bitte nicht zu viel Toleranz gegenüber Minderheiten”) auch in der nicht-religiösen Gesellschaft sich entweder allmählich breit macht, oder immer schon vorhanden war. Ich weiß es nicht genau – es wird ja gerne argumentiert mit “Es kann nicht angehen, dass heutzutage alles geht, die Gesellschaft keine Tabus mehr kennt, das Traditionelle verloren geht, und dann muss man das auch noch tolerieren..”

Ein Kommentar unter dem von 1704 verlinkten Artikel sagt es deutlicher:

Der Papst hat recht, das Gesetz ist lächerlich. Diese Gleichmacherei und Bevorzugung von Minderheiten degradiert die zurückhaltende Mehrheit zur Minderheit, ein alltägliches, traditionelles Weltbild wird so zum Unnormalen.
So entwickelt sich die Diktatur der heterogenen Masse, jede Gruppierung fordert Rechte ein, die sich mit anderen Lebensmodellen nicht vereinbaren lassen.

(LOL, “Diktatur der heterogenen Masse” – ein Widerspruch in sich, und ganz abgesehen davon, Diktatur ist Diktatur.)

Genau das ist es. Angst. Angst, irgendwann selbst einmal im Abseits zu stehen, Minderheit zu sein. Angst, dass Gewohntes verloren geht, dass Dinge sich ändern, dass man seine Sicherheiten und Orientierung verliert.
Ganz gleich, ob diese Angst gerechtfertigt ist, zumal “Gleichstellung” nicht dasselbe ist wie “Bevorzugung”, und etwas nicht automatisch zur Mehrheit wird, wenn es plötzlich gleichberechtigt ist (sprich, es wird nicht mehr Schwule geben, wenn sie in allen Belangen gleichberechtigt sind). Völlig irrational, diese Bedenken.

Traurig, aber leider all zu menschlich.

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Michael (hsb)

@cre: Klasse Kommentar – teile da genau Deine Ansichten. Es ist ANGST der heterogenen Masse vor definierten Minderheiten, die dann in eine “beschütze Zone (Meinung der Gegner) = Gleichstellung” durch Gesetzesänderunen kommen. Und es ist einfach nur dumm, was die Mehrheit da denkt. Leider muß man dieser Masse immer durch Aufklärung beikommen, gegen Vorurteile kämpfen und durch tägliche offene Präsenz angehen. Schweigen die Schwulen/Lesben/Transidenten zu lange, werden sie wieder in eine unangenehme Defensive kommen.

Der Papst definiert etwas, wo leider wieder eine wachsende – auch nichtkatholische – Masse applaudiert, trotz jahrelanger Verbesserung der Lebenssituation. Aber: Jesus rettet/liebt alle. Kitschig anmutend, aber wahr. Wollte man das abstreiten, stellte man sich gegen die Kernglaubensprinzipien der Kirche. Das hat auch George Michael in seinem Video "Outside" (leider funktioniert der Link nicht) schon sehr spielerisch, sexy und gut produziert vorgestellt.

Ein weiterer schwerer Fehler des Papstes, diese Kampagne in GB.

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1704

bzgl. link in #14

Outside

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oStsEE

@ Michael

Leider muß man gegen diese Masse immer durch Aufklärung, gegen Vorurteile kämpfen und tägliche offene Präsenz angehen.

Da schreiben Sie etwas sehr Richtiges/Wichtiges. Aufklärung tut not. Unaufgeklärten Menschen ein Gesetz nahezubringen, welches von so “wichtiger” Seite bekämpft wird – das ist eine schwere Aufgabe.

@ cre

Die gefühlte sinkende Toleranz ist eine ganz reale, glaube ich. Geschichte wiederholt sich (doch) und je mehr Angst der Einzelne entwickelt (vor dem sozialen Abstieg, vor Verlusten, vor gesellschaftlicher Entwicklung), desto empfänglicher wird er für Botschaften, die ihn vor der “Bedrohung” durch Veränderung/Fortschritt warnen…

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Harry F. Hartwig

Kommen Sie bitte nicht nach Kanada zur Winter Olympiade. Wir haben leider nur wenig Schnee, aber viel Regenwasser. Ha,ha.

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Metro

@ Michael (hsb)

“Und es ist einfach nur dumm, was die Mehrheit da denkt.”

Rein statistisch gesehen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es doch einige kluge Köpfe in der “Masse” gibt, viel höher, als in irgendeiner Minderheit.

“Es ist ANGST der heterogenen Masse vor definierten Minderheiten, die dann in eine “beschütze Zone (Meinung der Gegner) = Gleichstellung” durch Gesetzesänderunen kommen.”

Sind sie da so sicher, bzw. haben sie mal bei jemanden nachgefragt, der ihnen dann auf den Kopf zusagte, ja, es ist Angst ?
Komisch immer für mich, als ob einige Gedanken lesen könnten, oder eine Glaskugel besitzen würden, und jeden Abend eine Séance abhalten.
Ich denke schon der Begriff Masse stimmt so nicht, bzw. verleitet zu irrigen Gedanken, wie zu dem, das man Angst hätte, irgendwann selbst zu einer Minderheit zu gehören, halte ich für Blödsinn, aber gut, bin damit hier wohl in der Minderheit (und, schrei’ ick nun nach Gleichstellung…? :P).
Ich finde jedes Gleichstellungsgesetz ist eines zuviel, kommt auch irgendwie dem alten deutschen romantischen Traum der Gleichmacherei sehr nah (Romantik). Mich interessiert die sexuelle Orientierung von niemanden, außer von mir und meiner Lebenspartnerin. Wenn andere ihren Rand nicht halten können, und es jedem erzählen müßen, brauchen sie sich auch nicht wundern, wenn man angenervt von ihnen ist, und das wieder rückkoppelt und evtl. als Ablehnung mißinterpretiert wird.
Mir persönlich sind kernige Machos die schwul sind wie lieber, als die aufgestylten Großstadttucken. Interessant übrigens, selbst in der “Szene” gibt es “Minderheiten” die von anderen “Minderheiten” abgelehnt werden, ja sogar gemieden werden.

Glauben, Kirche und Papst sind meiner Meinung nach drei unterschiedliche Sachen, die man nicht unbedingt mischen sollte/muß, ebenso wie ernst nehmen. Die Auswirkungen dessen, die sollte man schon ernst nehmen.

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cre

@Metro

Sind sie da so sicher, bzw. haben sie mal bei jemanden nachgefragt, der ihnen dann auf den Kopf zusagte, ja, es ist Angst ?
Komisch immer für mich, als ob einige Gedanken lesen könnten, oder eine Glaskugel besitzen würden, und jeden Abend eine Séance abhalten.

Man braucht keine Glaskugel. Nur aufmerksam lesen/ zuhören. Und ja, des Öfteren begründeten Leute schon ihre Intoleranz mit der Angst vor dem Verfall von Werten und Traditionen. Dass das Normale irgendwann unnormal wird. Was ist das, wenn nicht Angst? Irrationale Angst.

aber gut, bin damit hier wohl in der Minderheit (und, schrei’ ick nun nach Gleichstellung…? :P)

Nö. Weil Sie hier ja trotzdem kommentieren dürfen. Und wegen Ihrer Meinung auch nicht diffamiert werden.

Ich finde jedes Gleichstellungsgesetz ist eines zuviel, kommt auch irgendwie dem alten deutschen romantischen Traum der Gleichmacherei sehr nah (Romantik).

Wieso? Müssten Sie mal erklären. “Gleichstellung” ist nicht “Gleichmacherei”. Feiner, aber wichtiger Unterschied. Geht denn irgendeine Bedrohung von Homosexuellen oder anderen (sexuellen) Minderheiten (ausgenommen Pädophile) aus? Was passiert denn Schlimmes, wenn sie die gleichen Rechte (keine Sonderrechte!) bekommen wie alle anderen? Ich verstehe das Problem keinen Meter.

Mich interessiert die sexuelle Orientierung von niemanden, außer von mir und meiner Lebenspartnerin. Wenn andere ihren Rand nicht halten können, und es jedem erzählen müßen, brauchen sie sich auch nicht wundern, wenn man angenervt von ihnen ist, und das wieder rückkoppelt und evtl. als Ablehnung mißinterpretiert wird.

So ist es ja auch richtig. Allerdings scheint die Orientierung oftmals ja sehr wohl eine Rolle zu spielen, sonst müsste es das Gesetz (traurig genug, dass es da überhaupt erst ein Gesetz, einen Zwang also, braucht!) gar nicht geben. Es interessiert sich doch ständig jemand dafür, wie und mit wem man lebt, man hat sich immer zu rechtfertigen oder “mitzuspielen” um nicht aus der Masse herauszustechen. Hat überhaupt nichts mit “Rand nicht halten können” zu tun. Im Gegenteil, wenn man schweigt, macht man sich erst recht “verdächtig”, anders resp. “seltsam” zu sein.

Wenn Sie angenervt sind von jemandem – gut. Man kann nicht jeden mögen. Was meinen Sie, wer mich alles nervt. Toleranz heißt auch nicht, demjenigen sofort um den Hals zu fallen und zu sagen “Du, ich find das total gut!” . Verwechseln leider auch immer noch zu viele Leute. Man muss nicht alles gutheißen oder verstehen. Sollte aber abwägen können, inwiefern man sich damit arrangieren kann und ob es wirklich Not tut, etwas anzufeinden. Geschweigedenn mit “missionarischem Eifer” dagegen vorzugehen.

20

Metro

@ cre

“Müssten Sie mal erklären. “Gleichstellung” ist nicht “Gleichmacherei”. Feiner, aber wichtiger Unterschied. Geht denn irgendeine Bedrohung von Homosexuellen oder anderen (sexuellen) Minderheiten (ausgenommen Pädophile) aus? Was passiert denn Schlimmes, wenn sie die gleichen Rechte (keine Sonderrechte!) bekommen wie alle anderen? Ich verstehe das Problem keinen Meter.”

Sehen sie, sie haben mich nicht verstanden. Und ja, so manche Gleichstellung hat den Beigeschmack von Gleichmacherei, wie z.B. das auch Schwule und Lesben adoptieren wollen/sollen/dürfen, aber das ist ein ganz anderes Reizthema.
Was ich meinte ist, wenn es in einer Gesellschaft ein Gleichstellungsgesetz geben muß, und bestimmte Sachen zu korregieren, dann stimmt etwas nicht in der Gesellschaft, und das kann man per Gesetz nicht wirklich aus der Welt schaffen, eher mit Aufklärung etc.
Ein solches Gesetz, so könnte man auch sagen, ist eher ein Zeichen für eine unaufgeklärte Gesellschaft.

“(traurig genug, dass es da überhaupt erst ein Gesetz, einen Zwang also, braucht!)”

Sehen sie, sagen sie ja auch selbst.
Von daher bin ich gegen jede Form von Gleichstellungsgesetzen. Wer dieselbe Arbeit verrichtet, egal ob Mann oder Frau, soll auch das gleiche Gehalt bekommen, logisch, oder!? Wenn Frauen es, warum auch immer, nicht in die Chefetagen schaffen, halte ich es für Unsinn, da mit einer Quote zu kommen. Laut einer Umfrage wollen auch nicht alle Frauen in die Chefetage, wer weiss wer auf den Trichter gekommen ist… wahrscheinlich eine (Quoten)Frau. Das ließe sich nun noch fortführen, aber ich denke sie wissen nun was ich meine bzw. worauf ich hinaus wollte.

21

1704

ich persönlich glaube auch, daß der versuch, die oft festzustellende ablehnung von homosexualität mit “angst” zu erklären, so nicht wirklich überzeugend ist. ich denke da eher an eine tradition der verbote, an die sich formeln von gehorsam und gefolgschaft und ein “belohnungssystem” knüpfen (und folge damit dem gedankenansatz eines Arno Grün). durch den wegfall einzelner verbote relativiert sich das “belohnungssystem” bzw. die forderung nach gehorsam und gefolgschaft. zumal die sexualität für den menschen einen wichtigen bestandteil seiner gelebten und erfahrenen existenz ausmacht, und in der christlichen tradition auch immer etwas, was “beherrscht” werden muß.

hinzu kommt, daß sich die christliche tradition in der folge ihrer kulturellen entwicklung nicht nur körperfeindlich entwickelte (vorwiegend in sexueller hinsicht), sondern auch repressiv (bis hin zu einer sehr strikten, repressiven pädagogik). kritiker der christlichen religion haben dieser immer vorgeworfen, daß sie zu repressionen neige und – da ist sie: – auf angst gegründet ist. für christen (und auch andere religiöse, besonders der abrahamitischen religionen) ist das paradies nicht auf erden angesiedelt, sondern jenseits aller körperlichkeit. hinzu kommt die leistungsorientierte, puritanisch-calvinistische tradition, in der wollust und laster per se keine berechtigung haben und lebensfreude sich an den erreichten zielen bemißt.

wer kann mit dem begriff des ewigen fegefeuers heutzutage so ganz und gar nichts anfangen? wem sagt der begriff sünde nichts? im kollektiven gedächtnis und in den überzeugungen bzgl. eines rechtschaffenen lebens steckt diese angst vor dem fehlen oder versagen auch heute noch, auch so mancher klageruf bzgl. “verfall der sitten” hat seine tatsächlichen wurzeln in den christlichen überzeugungen (Sodom und Gomorrha)…

wir sollten auch nicht vergessen, daß in der Bundesrepublik Deutschland der § 175 StGB immerhin bis 1994 geltendes recht formulierte. d.h. wir blicken auf eine historisch sehr kurze zeitspanne zurück, in der die homosexualität nicht mehr mit strafe belegt ist. aber wir sehen bzgl. des verbotes der homosexualität auf jahrhunderte zurück, in denen diese form von sexualität absolut geächtet war.

kurz nach der gründung des Deutschen Reiches, im jahre 1872, wurde dieser unselige paragraph geltendes, weltliches, deutsches recht. und er wurde in der zeit des nationalsozialismus um einiges noch verschärft. das gesellschaftliche verbot der homosexualität reicht aber noch viel weiter zurück.

im 13. jahrhundert wurde “homosexualität” (womit der analverkehr bzw. die gleichgeschlechtliche sexualität gemeint ist, denn der begriff homsexualität wird erst seit dem 19. jahrhundert gebräuchlich) als vitium sodomiticum (sodomitisches laster) und als vitium contra naturam (laster wider die natur) angesehen und mit der todesstrafe geahndet. das heutige verständnis des begriffs der sodomie ist wesentlich enger als der des mittelalters. das verbot der sodomie bezog sich seinerzeit aber lediglich auf die sexualpraktiken, nicht z.b. auf die liebe zwischen männern.

1532 wurde durch Karl V. die Constitutio Criminalis Carolina geltendes recht, darunter auch (§ 116): “so eyn mensch mit eymem vihe, mann mit mann, weib mit weib, vnkeusch treiben, die haben auch das leben verwürckt, vmd man soll sie der gemeymen gewomheyt nach mit dem fewer vom leben zum todt richten.” in Preußen wurde dann mit einführung des Allgmeinen Landrechts die todesstrafe aufgrund des vorwurfs der sodomie auf gefängnis und verbannung herabgesetzt (1794), wobei an der formulierung dieser gesetzlichen bestimung sehr gut das “christliche erbe” abgelesen werden kann (“Sodomiterey und andre dergleichen unnatürliche Sünden, welche wegen ihrer Abscheulichkeit hier nicht genannt werden können, erfordern eine gänzliche Vertilgung des Andenkens…”).

festzuhalten ist zum verständnis, daß der homosexualität das etikett des “widernatürlichen” oder “unnormalen” bis hin zum “perversen” seit dieser mittelalterlichen zeit anhängt und bis in heutige zeit immer noch von vielen so gesehen wird. es ist ein kulturelles erbe, das keineswegs als überwunden anzusehen ist. die tradition der ablehnung von homosexualität reicht sehr viel weiter zurück als die liberalisierung, ist also wesentlich länger kulturell wirksam als es die zeitspanne des wegfalls dieses verbotes sein konnte. zumal wir bzgl. wegfall lediglich die weltliche seite betrachten. es wird wohl noch sehr lange dauern, bis z.b. einmal ein homosexueller papst das habemus papam auslösen wird und sich dann auch noch öffentlich als schwul bekennt…

im übrigen gilt wohl, wie in vielen anderen bereichen des lebens auch: solange ein verbot nicht uns selbst (be)trifft, haben wir grundsätzlich keine probleme damit, das verbot anzuerkennen oder dessen existenz einfach hinzunehmen.

und, wenn wir schon mit “angst” begründen wollen, warum dann so einseitig? die latente angst der homnosexuellen oder (ehemals) diskriminierter minderheiten ist die rückkehr zu alten verhältnissen! und, auch wieder ein wenig grundsätzlich: gesellschaftsverträge können gekündigt und neu ausgehandelt werden. ein kennzeichen des heutigen Europas ist die lange tradition des christlichen wie des später auftauchenden aufklärerischen, wobei beide sich keineswegs so antagonistisch gegenüber stehen wie es oft dargestellt wird. beide richtungen stehen ständig in der “angst”, von der anderen (wieder) überwältigt zu werden.

@ Michael (hsb), #14

“Aber: Jesus rettet/liebt alle. Kitschig anmutend, aber wahr.”

wie sagt man immer so schön (auch in mittelalterlicher tradition): wer´s glaubt, wird selig. aber, im sinne der (katholischen) kirche: sünder haben doch immer die möglichkeit, durch reue und buße wieder auf den rechten pfad zurückzukehren. denn die liebe dieses mannes ist so groß, daß er auch schwerste sünden, verfehlungen, irrungen und wirrungen vergeben kann… die liebe dieses Jesus ist kein argument für die anerkennung der homosexualität! beileibe nicht!

22

cre

1704: Interessanter Beitrag.

Nur eine kleine Frage hätt ich:

im übrigen gilt wohl, wie in vielen anderen bereichen des lebens auch: solange ein verbot nicht uns selbst (be)trifft, haben wir grundsätzlich keine probleme damit, das verbot anzuerkennen oder dessen existenz einfach hinzunehmen.

Worauf stützen Sie diese These? Wer ist “wir”?

Letzten Endes läuft es ja doch auf Angst zurück. Angst vor Sünde und deren Bestrafung, und vor allem: Angst vor dem, was man nicht kennt/versteht. Reicht sogar noch viel weiter zurück als jede christliche Tradition. Weil es ein ur-menschliches, und (eigentlich) sehr nützliches Gefühl ist.

ein kennzeichen des heutigen Europas ist die lange tradition des christlichen wie des später auftauchenden aufklärerischen, wobei beide sich keineswegs so antagonistisch gegenüber stehen wie es oft dargestellt wird. beide richtungen stehen ständig in der “angst”, von der anderen (wieder) überwältigt zu werden.

Da haben Sie wohl recht.

23

1704

@ cre #22

dieses kleine wörtchen wohl im zitierten satz deutet an, daß ich mich hierbei auf eine annahme bzw. vermutung stütze, die ich meine, im laufe meines lebens oft genug bestätigt gefunden zu haben. ich erhebe hier aber keineswegs den anspruch, daß deshalb “wir” tatsächlich alle meinen muß, nicht einmal, daß die vermutung stimmt.

ich vermute also, daß homosexualität für viele/die meisten solange kein problem ist, bis dann irgendwann der sohnemann auf der matte steht und verkündet: Papa, Mama, ich bin schwul! oder man an sich selbst die erstaunliche erkenntnis gewinnt, daß man diese orientierung hat. nehmen wir das thema schwarzarbeit. was wird nicht immer wieder dagegen gewettert, aber wenn man dann gelegenheit für einen solchen job hat und gerade knapp bei kasse, oder wenn einem plötzlich die nachricht ins haus flattert, man habe geerbt, oder beim ausfüllen der einkommenssteuererklärung, wo man dann hier und da doch in die versuchung kommt, beträge klein oder groß zu rechnen…

“… Letzten Endes läuft es ja doch auf Angst zurück. Angst vor Sünde und deren Bestrafung, und vor allem: Angst vor dem, was man nicht kennt/versteht….”

nein, läuft es eben nicht. ich schrieb ja, daß ich meinen zweifel an dieser allgemeinen aussage an einem gedanklichen ansatz von Arno Grün orientiere, genauer, an dessen buch “Der Wahnsinn der Normalität – Realismus als Krankheit: eine grundlegende Theorie zur menschlichen Destruktivität” darin wird u.a. z.b. ausgeführt, daß “erziehung” oft nichts anderes ist als ein deal. das kind benimmt sich im sinne des erziehenden, dafür bekommt es die aufmerksamkeit und liebe, die es braucht. genauso können Sie das bzgl. einhaltens gesellschaftlicher normen sehen, völlig egal, ob es sich dabei um “gebote” oder “verbote” handelt. wohlverhalten in dem einen wie im anderen sinne zieht den (gefühlten) anspruch nach sich, dafür auch belohnt werden zu müssen. im fall von gleichberechtigung von minderheiten oder anerkennung sozialer gruppen, die zuvor als außenstehend wahrgenommen worden sind (diskriminiert), können viele den “deal” nicht sehen/nicht verstehen, der eine vergünstigung bringt, ohne daß die gegenleistung erkennbar wird oder als ausreiche3nd wichtig angesehen werden kann, zumal der eigene deal dadurch sozusagen eine unschöne delle bekommt… ich denke, diese leute sehen sich nicht unbedingt in angst versetzt oder bedroht, sondern fühlen sich eher “betrogen” und “hintergangen”… wenn Sie das besser verstehen wollen, empfehle ich, das angesprochene buch einmal zu lesen…

und, generell zur angst: in meinem verständnis vom menschen spielt die angst eine sehr große rolle. ich denke, daß der mensch an sich ein grundsätzlich ängstliches wesen ist, von den anfängen in der urzeit bis heute hat sich das auch nicht geändert. die angst hat gott und götter in die welt gesetzt, die angst weist auch über das ende des menschen hinaus, die angst hat ganze gesellschaften konstitutionell und im sinne von codizes geformt, das strafgesetzbuch ist eine bibel der angst, usw. usf. d.h. der begriff “angst” ist so allumfassend, daß er letztlich im einzelnen gar nichts wirklich mit praktischem nutzen erklären kann… in diesem sinne natürlich:steht hinter allem wahrscheinlich auch immer eine angst. hinzu kommt, daß mit dem christentum eine religion das gesellschaftliche leben prägte, die angst sehr geschickt und sehr erfolgreich instrumentalisiert hat… das werden “aufgeklärte” christenmenschen natürlich nicht gern lesen, wollen sie doch anderen vermitteln, daß es doch eine religion der liebe sei. an diesem punkt der diskussion empfehle ich dann immer gern das bereits angesprochene buch von Arno Grün, auch wenn ich dazu auch die erfahrung sammeln konnte, daß es nicht sonderlich viel bei den so angesprochenen an neuen einsichten bringt, denn die Bibel ist eine sehr mächtige, noch immer sehr wirksame schrift…

24

1704

“Der Skandal um sexuellen Missbrauch an Jesuiten-Kollegs weitet sich aus: Bundesweit hätten sich bereits 115 Opfer gemeldet, verkündete eine vom Orden beauftragte Anwältin. Unter den Tätern sind offenbar auch Frauen.”

quelle

25

Hernando

Hier ein erschütternder Bericht eines Opfers:

www.zeit.de/gesellschaft/schule/2010

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