Und das soll eine Großstadt sein?
Jürgen in Schnauze am 6. Februar 2010, 17:32 38 Kommentare »
Ja, so reden sie manchmal, die Touristen. Heute schimpfte eine Gruppe deutschsprechender, auswärtiger Damen vor dem Friedrichstadtpalast, weil auf dem Bürgersteig nicht gestreut war. Warum auch. Reicht doch, wenn wir eine “be Berlin”-Kampagne haben, wozu dann noch die Bürgersteige rutschfrei machen?! Außerdem sollen Touristen doch froh sein, wenn sie aus ihrem Nest mal rauskommen und Berliner Luft schnuppern können. Hier dürfen sie was erleben und sehen auch mal einen prominenten Politiker oder Künstler vorübergleiten, der allerdings manchmal sauer ist, wenn ihn niemand erkennt. Den Berliner stören diese Leute ja nicht weiter, er guckt geradeaus, aber die Touristen fangen dann gleich an zu tuscheln. War das nicht der und der?
Letzte Woche beobachtete ich im Postamt Ecke Zinnowitzer Straße (Achtung: Der U-Bahnhof heißt seit einiger Zeit Naturkundemuseum) eine vielleicht 30-jährige Frau. Sie saß an einem der Kundenplätze und hatte einen Riesenkasten mit Briefen vor sich, die sie alle manuell und durch Einsatz ihrer Zunge mit Marken beklebte. Sie machte ein hochzufriedenes, eifriges Gesicht bei dieser Tätigkeit und alle naselang entfuhr ihr ein: “Aha” oder “Oh” oder “Mmm” oder sie nuschelte so etwas wie “…aufpassn…” usw. Vielleicht hat die Frau endlich einen neuen Job und das Versenden der Post gehört mit zu ihren Aufgaben.
Oder die neue Suppenküche in der Invalidenstraße: Als ich den Laden betrat, strahlten mich zwei schürzenbehangene Frauen an. Vielleicht war ich ihr erster Kunde an diesem Tag, vielleicht hatten sie auch gerade einen großen Auftrag zur Belieferung einer Firmenfeier mit exotischen Suppen erhalten, wer weiß. Jedenfalls gibt es diesen Laden noch nicht lange und ich wünschte den Frauen viele Kunden, denn von mir allein können sie ja nicht leben.
In Mitte eröffnen und schließen manche Läden so schnell, da kommt man nicht hinterher. Aber in Charlottenburg z.B., da halten die Geschäfte lange durch. Gibt aber auch Ausnahmen, wie z. B. Tilo Stöhr. Dessen Radio-Werbespruch vergangener Jahre hallt mir immer noch im Ohr: “Tilo Stöhr bietet mehr”. War doch was: Kurz, prägnant, knackig.
Manchmal kriegt man aber dann doch wieder das Grübeln. Heute hab ich im Friedrichstadt-Palast wegen Berlinale-Karten nachgefragt: Procedere wie im alten Rom. Karten gibt’s nur an dem Tag, wo der Film läuft. Keine Vorbestellungen!
Da kann ich nur sagen: Siehe Überschrift.
38 Kommentare
Berliner
am 6. Februar 2010, 19:03 #
Berlins Charme wird gerade dadurch definiert was der Artikel beschreibt.
Wer es anders will sollte es im Ruhrgebiet versuchen.
Gruß, ein Berliner Großstädter der Berlin so toll findet wie es ist
rob s.
am 6. Februar 2010, 22:03 #
berlin bleibt vorerst noch ein grossdorf welches bekannterweise relativ viele aus alle welt sehr attraktiv finden. doch über die kampagne unserer hauptstadt können viele meckern, obwohl sich doch alle als ein teil von berlin fühlen möchten. kurz gesagt: Du bist BERLIN oder “be berlin”. Und besonders die, die es hierher getrieben hat. warum wohl? weil hier vielfalt und die freiheit besteht über alles meckern zu können?
Helen
am 6. Februar 2010, 22:49 #
Berlin besteht aus vielen kleinen Dörfern, manch einer ist selten über die Grenze seines “Dorfes” hinausgekommen. Und die Touristen nerven, die Bahnen und Busse sind voll, auf den Straßen und Plätzen stehen sie im Weg.
Eigentlich müßte ich sie ja verstehen, schließlich bin ich auch oft unterwegs, aber trotzdem… Ich meide den Wittenbergplatz und Umgebung, die Linden, und fahre raus nach Marzahn und Lichtenberg. Eine verrückte Welt ist das Berlin…
Toska
am 7. Februar 2010, 07:59 #
Na ja , die Überschrift haut schon hin. Ich habe mir die Frage erst gestern wieder gestellt, nachdem ich das x-Schlagloch ausweichen musste.
Werde wohl doch aufs Pferd umsatteln. PS ist PS .
Aber eine Stadt, egal welche, hat sein Flair dass ich nicht missen möchte.
@Helen hat nicht so ganz Unrecht.
Manchmal ist mir die betriebssamkeit dieser Stadt zuviel. Dann setze ich mich irgenwo in ein Caffee und beobachte diese Hecktik, für mich enspannend.
Berlin ist ein Individium für sich .
@Jürgen ( HSB ) wieder mal Spitze wie Sie Ihre Beobachtungen umsetzen.
Meine Briefmarken sind übrigens selbstklebend. Also die Dinger anlecken-igitt, brrrrr.
Tja, wer weiss, was der Frau beim Briefmarkenanlecken durch den Kopf ging.
Peter
am 7. Februar 2010, 08:33 #
Äusserts armseliger Artikel. Sehr piefig und die einzelnen Absätze sind auch noch vollkommen zusammenhangslos.
Jürgen (hsb)
am 7. Februar 2010, 10:09 #
Die Leser werden es gemerkt haben: Im ersten Abschnitt steckt auch eine Portion Sarkasmus. Denn natürlich bin ich dafür, daß die Gehwege bei diesem Wetter gestreut werden. Das sehen allerdings die Stadt Berlin und insbesondere einige Hauseigentümer aber offensichtlich ganz anders.
Ansonsten ist es so und wird wohl auch noch ein Weilchen so bleiben, daß sich das Berliner Leben im großen, besonders interessant aber auch im kleinen (Kiez) abspielt.
Peter
am 7. Februar 2010, 10:28 #
Was hat die Frau auf dem Postamt mit den nicht gestreuten Wegen zu tun? Und wo habe ich die Suppenküche einzuordnen?
BTW: der Versuch des Sarkasmus im ersten Absatz ist mir nicht entgangen..Jürgen (hsb)
am 7. Februar 2010, 11:01 #
@Peter: Es sind Beobachtungen aus meinem Kiez und Gedanken zu Berlin. Nicht alles hat mit allem zu tun. Wozu auch?
Toska
am 7. Februar 2010, 11:30 #
Ich will ja nicht unhöflich sein # 5+7, aber diese Nörgeleien kann ich nicht verstehen.
cora
am 7. Februar 2010, 12:39 #
@5
Man nennt das “Eindrücke”, diese sammelt man kreuz und quer.
Zum Thema:
Lebt eigentlich der Mann mit der Schallplatte auf dem Kopf noch? Sah man oft auf der U8/ U9?
Die Künstler und Promis erkenne ich nie… Obwohl ich knapp 3 Jahre Zwischen Weinmeister- und Rosenthalerstraße gewohnt habe, nie einen gesehen :-).
Einiges von Berlin geht leider “den Bach runter” – wenn ich mir die Müllerstraße (Wedding) ansehe oder die Gorkistraße in Tegel… Letztere hatte einen größeren Charme, als sie noch keine Fußgängerpassage war… Mein persönlicher Eindruck, mögen auch verklärte Jugenderinnerungen an Cliquentreffen bei BK sein.
Jürgen (hsb)
am 7. Februar 2010, 13:02 #
@Cora: Prominente oder sogenannte Prominente kann man in der Spandauer oder Rosenthaler Vorstadt häufig treffen. Wenn ich ehrlich bin, interessieren mich die “normalen” Berliner viel mehr und ab und an versuche ich auch, ein paar davon vorzustellen.
So habe ich im Sommer eine sehr alte Frau getroffen, die schon ihr ganzes Leben hier im Kiez wohnt und früher mal einen Fleischerladen hatte. Die Frau ist am 11.12.1912 geboren. Der Arzt sagte damals zu ihrer Mutter, so hat sie mir das erzählt, warum sie denn nicht noch einen Tag gewartet habe. Eigentlich wollte ich – weil diese alten Berliner Geschichten vielleicht auch erhalten bleiben sollen – mit dieser alten Dame, die geistig noch klar ist, ein kleines Gespräch machen, aber ich weiß nicht, ob sie Kinder hat. Denn mit denen müßte ich ja vorher reden.
eric
am 7. Februar 2010, 13:15 #
…der Unterschied ist wohl dass Berliner ihre Stadt zum Maßstab aller Dinge machen und über die restliche Welt nicht ohne abwertende Adjektive und Mißfallen reden können. Das macht Berliner oft einfach sehr unsympathisch in den Augen von Auswärtigen (und zwar vollkommen zurecht). Das hat auch nichts mit einem ach so speziellen Charakter zu tun sondern ist einfach ein Unding was nicht sein muss. Bisl Offenheit und ein Lächeln hat noch keinem geschadet. Gerne auch wenn man in den nächsten Hundehaufen gelatscht ist :-P
cora
am 7. Februar 2010, 13:53 #
@eric
Echt? Komisch, bisher hatte ich eher den Eindruck, dass Touristen die berliner, trotz “Berliner Schnauze” symphaytisch finden. Dies entnehme ich auch den Äußerungen meiner Gäste die aus Bielefefeld (Nordrhein/ Westfalen), Niedersachsen, Thüringen oder aus anderen Bundesgebieten kommen.
Ich finde, wir können viel lachen und lächeln.
Münchener halten ihre Stadt auch für etwas Besonderes, warum auch nicht?
@Jürgen
Wenn die Frau klar ist… Warum dann vorher mit den Kindern reden?
Ich liebe auch die Gespräche mit älteren (alten) Mitmenschen, egal ob unterwegs oder im Haus. Komisch, “früher” fand ich das weniger spannend….
Toska
am 7. Februar 2010, 14:56 #
Ja, @Cora -da haste Recht.
Früher dachte ich auch immer, mensch diese Alten mit ihr Gequatsche- und plötzlich gehört man auch dazu. :-)) und siehe da, es macht Spaß.
Jürgen (hsb)
am 7. Februar 2010, 19:33 #
@eric: Alles verändert sich-auch die Berliner Bevölkerungsstruktur. Mit den vielen Zuzüglern aus allen Teilen Deutschlands und Europas kommt positives und vielleicht auch weniger positives in die Hauptstadt. Auf jeden Fall wird es die Stadt beeinflussen und die neuen werden schrittweise das Bild der Stadt nach außen mit prägen, wie es zu allen Zeiten der Fall war. Aber auch die Ankömmlinge werden, ob es ihnen bewußt wird oder nicht, von der Geschichte und den Gegebenheiten hier berührt und sich somit auch selbst verändern.
Was übrigens die Hundehaufen betrifft, kann ich Dir garantieren, daß Du irgendwann nicht mehr lachst, wenn Du nur oft genug in einen hineingelatscht bist!
Frank
am 8. Februar 2010, 11:37 #
@cora: Hast du Halluzination. Bielefeld gibt es doch gar nicht.
Sebastian
am 8. Februar 2010, 12:15 #
Das es auf dem Bürgersteig kaum noch gestreut wird nervt mich auch. Aber wieso sollte das in Berlin anders sein, als in München, Hamburg oder Heidelberg? Dass das Streugut ausgeht sollte wohl jeder inzwischen wissen. Aber meckern macht ja soviel spaß. Besonders ohne Nachzudenken.
Den Zusammenhang zwischen den anderen “Eindrücken” hatte ich auch nicht verstanden. Suppenladen mit “Und das soll eine Großstadt sein?” versteh ich nicht. Da wär wohl ne andere Überschrift besser gewesen.
Aber danke trotzdem für die Eindrücke. :)
Marco
am 8. Februar 2010, 12:26 #
@Sebastian
Wenn du schon indirekt andere aufforderst, erst nachzudenken, solltest du diesen Maßstab auch bei dir anwenden! Das Problem der nicht geräumten Gehwege liegt nicht am mangelden Streugut, sondern an der Respektlosigkeit (vuldo: Scheißegalhaltung) der verantwortlichen Hausbesitzer. Nicht das Streugut allgemein geht zur Neige, sondern das Streusalz und dies ist auf Gehwegen eh nicht erlaubt.
Es ist ja auch kaum zu übersehen, dass überall dort, wo die Räumpflicht von Anfang an ernst genommen wurde, heute auch keine Probleme mit Glatteis bestehen.
By the way @Jürgen: schöner Artikel! :)
Daniel
am 8. Februar 2010, 14:37 #
Hallo zusammen,
interessante Diskussion, vor allem für mich, da ich im Begriff bin im HErbst mein Studium in Berlin zu beginnen. Also zu dem Thema Patriotismus muss ich sagen, dass das glaub ich keine Berliner Eigenschaft ist, sondern etwas, was so ziemlich jede Stadt hat. Ich selbst bin Münchner und muss aus Erfahrung sagen, dass die Münchner ein sehr ausgeprägtes “Mia san Mia” Gefühl haben. Also wenn die Berliner das noch toppen, wow, aber ich hoffe ehrlich gesagt nicht, denn die Münchner (obwohl ich selbst ein Gebürtiger bin) nerven manchmal schon heftig damit. =) Was ich mir von Berlin erhoffe, ist großes Facettenreichtum und ein Stück mehr Bodenständigkeit als in München. Dass in Berlin auch viel Schickeria ist, ist mir natürlich klar. Berlin ist ja schließlich eine riesen Metropole und was wäre eine Metropole ohne Snobs und Schickimicki ? =)
Auf jeden Fall werde ich dieses Diskussion weiter verfolgen, ist wirklich interessant.
Metro
am 8. Februar 2010, 22:05 #
“Und das soll eine Großstadt sein?”
Nun ja, ich kenne einige Städte, auch Landeshauptstädte in Deutschland, daß mit der Großstadt stimmt schon. Die Sache ist nur, Berlin will ja immer mehr sein, nämlich Weltstadt.
…da denkt man, man nimmt den letzten ICE von München aus, den ICE 1500, Abfahrtszeit 19.19Uhr, der sogar schneller ist, als der, der um ca.18.50Uhr ab München abfährt, schwingt sich in die S-Bahn ab Gesundbrunnen, und geht dann ca. gegen 2Uhr schlafen, tja, wenn Berlin nicht so eine verschi… ehm bescheuerte Kleinstadt wäre, denn schon einige Zeit bevor der ICE, der sogar teils 15 Minuten früher als erwartet (ich weiss gar nicht warum immer auf die DB geschimpft wird, läuft meist wie geschmiert) ankommt, stellt die S-Bahn den Fahrbetrieb ein, bis kurz vor 4Uhr. Wenigstens eine 30Minutentaktung sollte doch drin sein, aber nicht mal das geht in der Stadt der Großfressen,
um jetzt nicht den alten Max Liebermann zu zitieren.
Da erscheint die Vorstellung, dann doch mal selbst mit dem Auto zu fahren, fast irgendwie symphatisch, wenn man sich dann allerdings ins Gedächtnis ruft, was auf der A8 so los ist, naja, vielleicht doch mal den Flieger nehmen, Klima interessiert ja eh keinen. Also warum nicht …
Mal ein Glättetip, einfach mal etwas Sandpappier unter die Schuhe geklebt, 50er Körnung z.B., geht gut damit.
cora
am 8. Februar 2010, 22:15 #
@Metro
Berlin hat ein sehr gut ausgebautes Nachtbussystem… Nur mal so als Tipp.
Jürgen (hsb)
am 8. Februar 2010, 22:18 #
@Daniel: Man könnte versuchen, Berlin mit sagen wir mal 20 Adjektiven zu beschreiben. Einige davon würden immer zutreffen. Aber ich verzichte darauf, weil sich jeder sein eigenes Bild fügt.
Als ich 1973 aus der Kleinstadt nach Berlin kam, hat mich am meisten beeindruckt mit welcher Gelassenheit und Kontinuität das Getriebe der Großstadt läuft, scheinbar ohne Beachtung des einzelnen, kleinen, menschlichen Schicksals. Was mich heute unverändert begeistert ist die nüchterne Aufgeschlossenheit der Stadt und ihrer Menschen und die außerordentlich breite kulturelle Landschaft.
am 9. Februar 2010, 14:59 #
@jürgen
zum trost: die berlinale-karten werden auch online verkauft, immer drei tage vorher, aber für den friedrichstadtpalast sind schon alle vorstellungen im vorverkauf
beste grüße von (d)einer aufgeschlossenen und hilfsbereiten berlinerin (in der hoffnung, der link funktioniert)
Jürgen (hsb)
am 9. Februar 2010, 18:40 #
@Frau Zauder: Bezüglich Berlinale wird’s schon wieder eng. Die Karten für die Knaller “Metropolis” von Fritz Lang und “Boxhagener Platz” von Matti Geschonnek sind im Vorverkauf schon weg. Vielleicht kommt noch was an der Abendkasse.
am 10. Februar 2010, 12:23 #
@jürgen
genau – bleibt nur frieren in der schlange. zum glück sind die berlinale-gehwege enteist! gehen wir also mal wieder ins theater. sehr zu empfehlen in der dt-box: glaube, liebe, hoffnung
geschichten von hier, also auch ein bisschen boxhagener platz…
Metro
am 10. Februar 2010, 13:46 #
@ cora
Weiss ich, das mit dem Nachtbus und der Nachttram, trotzdem ist es schon etwas, naja, mehr als daneben, Sonntagnacht die S-Bahngleise hochzuklappen, während auf dem Bahnsteig nebenan noch Züge ankommen.
Selbiges fiel übrigens auch einer Deutsch-Russin auf, mit der ich mich dann genau darüber unterhielt, auch sie wollte ihr Geld nicht den Taxifahrern in den Rachen schmeißen;sie kam auch mit dem ICE aus München.
Ist auch nicht das erste Mal, das ich die Strecke mit der Verbindung fahre, doch irgendwie ist es einer “Weltstadt” doch schon unwürdig wie ich finde, zumal, auch ein Nachtbus verpestet die Luft, und das nicht schlecht.
Tja, Klima und so ist eben doch egal.
tob
am 10. Februar 2010, 18:50 #
@metro: na dann bloß nicht nach london fahren – da wird der schienenverkehr noch früher eingestellt. aber ist ja auch keine weltstadt, ne.
ironisch auch: würde der ICE nicht so spät noch fahren, würde sich keiner beschweren…
davon abgesehen sind hochausgelastete busse umweltfreundlicher als gering ausgelastet s-bahnen. wie war das mit dem klima? scheint dir egal zu sein.
Metro
am 10. Februar 2010, 23:37 #
@ tob
Im Moment fahren ja eh nur 4 Wagen, des Nächtens könnte man ja nur 2 fahren lassen bei der S-Bahn, sicherlich, auch das kostet Energie, aber verpestet nicht so die Umwelt, bzw. niemand muß das direkt einatmen, Stichwort Wintersmog.
Sind sie schonmal Sonntagnacht mit dem Bus gefahren?
So hoch ausgelastet… was heißt das genau, 3/4 voll, prope voll, alle
Sitzplätze belegt, sowie fast alle Stehplätze ?
Meist ist er nicht mal halbvoll, jedenfalls die letzten Male wo ich gefahren bin.
Und das mit London, is mir ehrlich gesagt schnuppe, Berlin will ja immer Weltstadt sein, bzw. wird gern schnell mal dahingesagt.
Ironisch finde ich eher einen ICE der gerade eingefahren ist, und ein zwei Gleise nebenan, kommt eine S-Bahn eingetrudelt, die dann den Fahrbetrieb einstellt, und dann diejenigen, die die Beine in die Hand nehmen, weil sie glauben sie würden die S-Bahn noch schaffen, dann aber entgeistert feststellen, alles Mumpitz.
“wie war das mit dem klima? scheint dir egal zu sein.”
Im Grunde, ja, ist es, so wie den meisten, auch wenn sie dann anders
daherreden. Wer Billigprodukte aus China oder so z.B. kauft, obwohl
es dasselbe Produkt, was meist auch noch qualitativ besser ist, auch aus
heimischer, oder zumindest europäischer Produktion gibt, dem ist auch
das Klima egal, auch wenn er es nicht wahr haben will.
Aber okay, lassen wir das, sonst wird mir meine Kritik noch als Jammern
oder Beschweren ausgelegt.
Demnächst fahr’ ich mit der Bahn hin, und komme mit dem Flieger wieder.
Mal sehen wie das ist. Sammle ich halt noch Bonusmeilen, was solls.
tob
am 11. Februar 2010, 12:30 #
4 wagen ist ja bei der s-bahn das maximum – 2 fahren nachts sowieso nur. das problem ist, dass man bei fahrender s-bahn natürlich sämtliche infrastruktur respektive die energie dafür mit in betrieb hält – beim bus nicht. im nachtbus bin ich regelmäßig, zwischen ziemlich voll und fast leer habe ich da schon alles erlebt – das stützt aber ja nur mein argument, dass nach halb zwei s-bahn-verkehr ziemlich umweltschädlich wäre (auf das energiethema bin übrigens auch ursprünglich nicht ich gekommen)…
wie dem auch sei: im endeffekt ist das ja eine kritik an der deutschen Bahn – die ja auch S-Bahn-Eigentümer ist und einen Anschluss eigentlich hinbekommen müsste. ich finde es nur übertrieben, daran eine diskussion weltstadt oder nicht festzumachen – dass berlin keine weltstadt wie londonnewyorktokio ist braucht man wohl keinem klarzumachen, aber da spielen andere faktoren als eine verpasste s-bahn eine rolle.
und wo wir gerade dabei sind: ich kenne keinen einzigen berliner, der was von berlin sei weltstadt faselt. in meinen augen wird das höchstens von (natürlich) sensationshaschenden (auch – und besonders – lokalen!) medien so aufgebauscht.
Metro
am 12. Februar 2010, 12:13 #
@ tob
“4 wagen ist ja bei der s-bahn das maximum – 2 fahren nachts sowieso nur.”
Kann ich so nicht bestätigen, bin letztens selbst auf dem Ring in einer S-Bahn mit 6Wagen gefahren, im Nachtbetrieb sehe ich öfter 4Wagen, werde das aber mal weiter beobachten.
“das problem ist, dass man bei fahrender s-bahn natürlich sämtliche infrastruktur respektive die energie dafür mit in betrieb hält – beim bus nicht.”
Nur ist diese Energiebereitstellung nicht so umwelt- und gesunddheitsschädlich, wie die Dieselabgase und der evtl. Feinstaub der Busse, nehme ich jetzt mal an. Dabei stellt sich mir die Frage, ob die BVG als Großabnehmer, andere Spritpreise bekommt, als der Normalverbraucher.
“im endeffekt ist das ja eine kritik an der deutschen Bahn – die ja auch S-Bahn-Eigentümer ist und einen Anschluss eigentlich hinbekommen müsste. “
Jein, sage ich mal, denn schließlich hat der Senat da auch noch ein Wörtchen mitgeredet, als es um den Vertrag mit der Bahn ging. Da hätte man im Grunde bestimmte Klauseln für den Nachtverkehr mit einarbeiten können.
“ich finde es nur übertrieben, daran eine diskussion weltstadt oder nicht festzumachen “
Nun ja, war ja nicht nur ich, sondern auch die eine Deutsch-Russin, der das auffiel, und eine Diskussion ist es auch nicht wirklich, sondern eher ein Kritikpunkt, nicht mehr.
“und wo wir gerade dabei sind: ich kenne keinen einzigen berliner, der was von berlin sei weltstadt faselt. in meinen augen wird das höchstens von (natürlich) sensationshaschenden (auch – und besonders – lokalen!) medien so aufgebauscht.”
Ganz genau, meist ist es die Journalie, sowie einzelne Politiker mit Ambitionen, wie z.B. Wowereit, der das unterschwellig auch schon das eine oder andere Mal im Subtext transportierte. Die Berlinale oder andere internationale Events sind dahingehend auch ganz gute Beispiele, wie sich hier, in dieser so famosen “Weltstadt”, die “Weltstars” die Klinke in die Hand geben, und natürlich vor der Kamera von Berlin (als Weltstadt) schwärmen.
tob
am 12. Februar 2010, 15:54 #
nur kurz zu den wagen: ich hab die symbole in der blauen s-bahn-anzeige immer als wagen genommen (die haben entweder zwei, drei oder vier wagen in den tafeln), ein wagen-symbol bedeutet aber jeweils zwei wagen. mögliche einheiten sind als vier (kürzer geht leider nicht), sechs oder acht wagen. in punkto gesundheits- und umweltschädlichkeit ist das global gesehen schlechter als ein bus (strom muss auch irgendwo produziert werden und das wird in der regel in kohlekraftwerken gemacht) – wenn man dem natürlich direkt hinterherläuft ist das schlechter ;)
falls das mit der umweltfreundlichkeit interessiert, hier ist ein ganz vernünftiger artikel (englisch) darüber: www.iop.org/EJ/article/1748 (commuter rail ~ s-bahn), im wesentlichen macht es sich daran fest, wie vollbesetzt ein bus ist – nach der Studie wäre wahrscheinlich eine s-bahn pro stunde sinnvoller sobald die busse nicht mehr gut besetzt sind, womit aber natürlich das nachtnetz schlechter werden würde.
1704
am 12. Februar 2010, 23:40 #
@ Jürgen (hsb)
na, dann wissen wir ja endlich, warum Berlin bestenfalls eine metropole ist. möglicherweise geht das ganze aber auf ein mißverständnis zurück: der Berliner wähnt sich in einer weltstadt, weil Berlin eben seine welt ist, von daher kann er auch eigentlich nicht verstehen, daß z.b. touristen Berlin so nicht sehen, weil touristen aus der peripherie Berlins kommen und von der welt somit auch gar keine ahnung haben können. zeigen sich touristen hingegen begeistert von Berlin, fühlt sich der Berliner natürlich in der annahme bestätigt und gestärkt, daß Berlin natürlich eine weltstadt ist, denn er findet Berlin ganz natürlich vor der eigenen haustür liegen, was ihn aber nicht daran hindert, über alles und jeden zu meckern.
andererseits ist der Berliner aber auch kein metropolenbewohner, weil er im grunde seines herzens immer noch ein gebundensein an die heimische scholle fühlt, kiezgrenzen zu überschreiten hält er nicht nur für eigentlich völlig überflüssig, sondern auch für lebensgefährlich, man liest darüber ja auch immer viel in den zeitungen. abgesehen davon fängt für den Berliner außerhalb Berlins bereits die 3. welt an, denn der Berliner weiß stets am allerbesten, was und wie man etwas machen muß und hält damit auch nicht hinter den berg, weil der einzige berg in Berlin eigentlich ein überschaubarer hügel ist und ein Berliner selten in die verlegenehit kommt, seine überlegenheit auch beweisen zu müssen. außerdem hat der Berliner auch 20 jahre nach öffnung der mauer noch nicht verwunden, daß um Berlin herum feindlich gesinntes buschland und eine völlig unnötig bewachte einöde beginnt, trotzdem hat er ein gewisses entwicklungshelfersyndrom ausgebildet, um denen da im osten mal zu zeigen, wie man es richtig macht, zumindest wüßte er es, wenn man ihn nur ließe. von daher gab und gibt es in Berlin auch keine himmelsrichtungen, egal, wohin der Berliner blickt, er sieht in den osten. ähnliches gilt für die zeit. der Berliner an sich lebt im jahre 1989 und wird die datumsgrenze auch wahrscheinlich niemals überschreiten. ein ähnliches mißverständnis wie bei weltstadt finden wir bestätigt, wenn man mit Berlinern über das globale dorf redet, denn sie meinen dann tatsächlich ganz ernsthaft, man spräche über Berlin…
Jürgen (hsb)
am 13. Februar 2010, 08:11 #
@1704(35): Ganz gut getroffen, aber es ist wohl – auch wenn Sie es ironisch formulieren – streckenweise eine W e s t berliner Sicht, die Sie hier beschreiben.
1704
am 13. Februar 2010, 12:30 #
@ Jürgen (hsb) #36
Sie haben vollkommen recht! man könnte auch formulieren, daß der Berliner an sich, wenn er aus dem ostteil der stadt kommt, letztlich am unauffälligkeitssyndrom leidet bzw. darunter, ständig nicht auffallen zu wollen…
Jürgen (hsb)
am 14. Februar 2010, 19:03 #
@1704(37): Ich würde es ein wenig anders formulieren (ich klaue diese Bemerkung jetzt aus einem Witz, den Regine Hildebrandt mal gemacht hat): Dem Ostberliner fehlt einfach nur ein Semester Schauspielunterricht.
Was er, in Bezug auf sein Umland, auf jeden Fall seit Jahrzehnten schätzt, ist die Tatsache, daß es für ihn Erholungs- und Rückzugsrefugium ist und gleichzeitig Lieferant für eine Reihe von wohlschmeckenden Produkten.