Zeitenlauf

Harald in am 7. Februar 2010, 18:48   17 Kommentare »

Der winterliche Berliner Hauptbahnhof in der Morgensonne - Foto: h|b

Langsam und träge wie eine dicke Suppe mit vielen Stippen wälzt sich die Spree derzeit am Hauptbahnhof vorbei. Man muss wirklich einen Moment stehenbleiben, um die Bewegung überhaupt zu erkennen. Man kann dort wunderbar über den Lauf der Zeit sinnieren und darüber nachdenken, wo diese ganzen Eisstippen letztlich enden.

Spätestens an der Schleuse am Tegeler Weg, stellen sich der trägen Eisspree unüberwindbare Hindernisse in den Weg. Wird das Eis dort einfach geschreddert und zu Crusheis?

17 Kommentare

1

Susanne HSB

Die Spree ist aber immer ziemlich lahm. Wenn sie nicht sogar rückwärts fließt. Hab ich zumindest mal gehört. Oder war das einer der Kanäle? ;-)

2

berlin hbf

Da geht mir ja wieder direkt das Herz auf. :-)

3

Spreeathener

@Susanne HSB

Das stimmt, die Spree floss auch schon rückwärts.
Siehe hier:
www.berlinonline.de/berliner

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Harald (HSB)

Allerdings tut, bzw. tat sie das bisher nur in Köpenick. Im Text heisst es: “Wer auch immer schuld daran ist: Die Spree in Köpenick wird vorerst weiter rückwärts fließen…”

In der Stadt selbst ist das wohl noch nicht passiert, da liegt ja auch noch die Schleuse am Mühlendamm dazwischen. Aber langsam fließt sie wohl meistens, nur ist das jetzt mit dem Eis auch gut zu beobachten.

5

Jürgen (hsb)

@Harald: Du verwendest das Wort “Stippen”. In der angewandten Bedeutung ist es mir unbekannt. Ich kenne das Wort – als Verb- aus meiner alten Heimat als Wort für “angeln”.

6

Harald (HSB)

Ich kenne den Begriff eher aus der Welt der Suppen. Wir haben uns früher Brot in die Suppe gebrockt (Linsensuppe, z.B.) und das waren dann halt die Brotstippen. Allerdings bedeutet Stippen – lt. Wikipedia – auch Sauce auftunken mit dem Brot, was nach einem ähnlichen Ursprung klingt. Bin mir aber ehrlich gesagt, nicht mehr ganz sicher.

Das mit dem Angeln war mir auf jeden Fall unbekannt, habe aber gerade gelesen, dass man z.B. “.. auf Karpfen stippen kann …” Darüberhinaus bezeichnte der Begriff Stippe auch eine Mangelerscheinung bei einem Apfel (eingesunkene braune Flecken) und ein Fehlerbild beim Lackieren (kleine, unerwünschte Erhöhungen im Lack)

Was ja nun wiederum – bei etwas Fantasie – alles auf die aktuelle Spree zutreffen könnte ;-)

7

Michael (hsb)

@Jürgen, Harald: Stippen wird im rheinischen Sprachgebrauch häufig verwendet, z.B. Heringsstipp (Hering in Sahnesauce bzw. Sauce nach Hausfrauenart mit Äpfeln), das ist ein Tontöpfchen mit der Spezialität, die mit Brot gestippt (zu sich genommen, gedippt) wird. Aber auch im Norrddeutschen und in Berlin gibt es die Beamtenstippe, ein einfaches, sattmachendes Gericht, die Westberliner kennen es auch.

Außerdem ist Stippeföttchen kölscher ein Begriff: die Hinterteile werden beim tanzen aneinandergerieben. ;-)

8

ulla

Bei “stippen” in @Jürgens Sinn fallen mir immer die Männer ein, die völlig selbstvergessen auf einer Kaimauer sitzen und – na ja, eben angeln. Man trifft sie überall auf der Welt an und vielen scheint es völlig egal zu sein, ob sie etwas fangen. Ich gucke da immer gerne ein Weilchen zu. Natürlich schweigsam, so wie es sich gehört ;-)

9

T. Boder

Warum sollte die Schleuse am Tegeler Weg eine unüberwindliche Sperre für die Eisstücke sein? Sie können doch einfach mitgeschleust werden. Außerdem ist neben der Schleuse auch ein Wehr, wo die Eisstücke ebenfalls problemlos durchflutschen können, auch wenn sie dabei sicher etwas durchgewirbelt werden.

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cora

@9

Du meine Güte! Bei der Kälte auf dem Wasser rumtreiben und dann auch noch durch eine Schleuse gewirbelt werden – neenee, was bin ich froh, dass ich kein Eisscholle bin :-).

Zur Stippe:

Eine Stippe ist eine Angel ohne Rolle, bei der die Angelsehne ebenso lang wie die Angelrute ist.

(Man kann mit einer besonderen Vorrichtung auch eine Rolle befestigen, so, dass sie auch als Wurfrute benutzbar ist).

Im Eingangstest lese ich die Stippen allerdings auch wie die Brotbröckchen.

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ulla

@cora

Auch so ein bedauernswertes Anglerkind gewesen, das in Vaters Nähe nicht im Wasser planschen durfte?

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cora

@Ulla

Nein, ich habe es geliebt und wir durften sogar in Saatwinkel schlittschuhlaufen, während die Angelkumpelpapas eisangelten.

Irgendwann so mit 12 Jahren konnte ich leider die Fische nicht mehr vom Haken machen, das knirschte manchmal so furchtbar, wenn man… und wenn der Angelhaken so aus den Kiemen wieder rauskam… und die Augen von den Fischen, wenn man sie so in der Hand hielt…:-(.

Jedenfalls gab ich das Angeln dann auf.

@Harald
Sorry, etwas vom Thema weg.

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ulla

@cora

Kann ich nachfühlen! Ich sollte mal “nur für ein paar Minuten” auf die Angelrute aufpassen und habe dabei – aber wirklich aus Versehen – einen Fisch gefangen. Da saß ich dann mit meinem Talent! Den Haken raus habe ich mich nicht getraut – und der Fisch guckte mich so an…. Ich hab’ ihm eine Plastikschüssel übergestülpt bis nach einer gefühlten halben Ewigkeit mein Vater wieder da war. Der hat dann das arme, immer noch zappelnde Viech vom Haken befreit und es zurück ins Wasser gesetzt. Mit zum Angeln war ich seitdem nie wieder.

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Helen

Die Stippe erinnert mich an die Nachkriegszeit, zu Pellkartoffeln wurde so eine Mehlsoße gemacht, mit irgendeinem Gewürz, das war die Stippe. Wenn wir Kinder zum Essen gerufen wurden und einer fragte, was gibt es bei euch, dann hieß es “Kartoffeln mit Stippe”. Jede Mutter hatte da ihr eignes Rezept und so schmeckte bei einer Einladung beim Freund auch die Stippe immer etwas anders.

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cora

@Helen

Kenne Sie das gleichnamige Buch?

Ilse Gräfin von Bredow; “Kartoffeln mit Stippe”; wirklich erfrischend geschrieben :-).

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Jürgen (hsb)

@Helen: Da fällt mir noch was andres ein: Nämlich der “Stippi” für “kleiner Junge”.

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Helen

@ Cora
Ich bin sehr froh, daß ich hier nicht etwas Exotisches reingebracht habe. Das Buch kenne ich nicht, aber der Name der Dame sagt mir. daß sie aus dem Osten, also jenseits der Oder, stammt. Ich bin in Sachsen-Anhalt geboren und dort gab es dieses Gericht also auch.

@ Jürgen
Und den Stippi kenne ich auch, aber wo der überall gebräuchlich ist, das weiß ich nicht.

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