60 Jahre her: Gründung der Stasi in Berlin - die Blockwartschmiede

Michael in am 8. Februar 2010, 18:58   2 Kommentare »

Das Ministerium für Staatssicherheit: Schild und Schwert der Partei

Am 8. Februar 1950 wurde in der knapp mal ein halbes Jahr alten DDR das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) gegründet – natürlich in Berlin, der Hauptstadt der DDR (wer von den 40+jährigen erinnert sich nicht an die ganzen Straßenschilder auf dem Berliner Ring mit dem Verweis darauf!). Im Parteiorgan Neues Deutschland war am 9. Februar 1950 zu lesen: die “Hauptverwaltung zum Schutz der Volkswirtschaft in der DDR” werde in ein “Ministerium für Staatssicherheit” (MfS) umgewandelt.”

Wozu diente das Ministerium, im Volksmund später nur noch STASI genannt? Zunächst war es einigen Quellen zufolge tatsächlich als eine Art Nachrichtendienst gegründet worden, wie ihn nahezu jeder Staat unterhält. Schnell zeigten sich aber Züge in der Führung, die sich in der Tradition der 1917 von den “Bolschewiki”: (Большевики = “Mehrheitler”) in Russland gegründeten Tscheka sahen – Josef Stalin war in Russland von Anfang an dabei (seit der Gründung 1903 in London). 1953 konnte trotz der bis dahin vergleichsweise vielen Mitarbeitern der Stasi der Volksaufstand in Berlin-Friedrichshain nicht verhindert werden – Zeit für eine Umstrukturierung.

Geheimpolizei in der Tradition der Tscheka

Erst durch Erich Mielke (dritter Leiter der MfS nach Zaisser und Wollweber, von 1957 bis 1989) erhielt die STASI die vollendete Struktur eines weitverzweigtes Zuträgersystem für eine gleichsam flächendeckende Überwachung der Bevölkerung, denn er hatte alle Eigenschaften eines guten “Tschekisten”: Disziplin, Arbeitseifer, Loyalität und Wille zur Macht. Die Geheimpolizei, wie die Tscheka (später in die GPU transferiert), war ein Parteiorgan, funktionierte, wuchs und wurde ein “Beschäftigungsmotor”.

Rund 2700 hauptamtliche Mitarbeiter hat die Stasi von Anfang an, im Jahr 1953 sind es schon rund 13.000, im November 1989 beschäftigte die Stasi 91.000 feste Mitarbeiter und bis zu 180.000 freiberufliche Spitzel, sogenannte Inoffizielle Mitarbeiter (IM) – man erinnere sich an den erst ein paar Tage zurückliegenden Fall des IM Genua.

Kaum nachzuvollziehen aus heutiger Sicht: am 17.11.1989 erklärte Hans Modrow die Absicht, das MfS in das Amt für Nationale Sicherheit (AfNS) umzuwandeln. Der im Volk trotz der hohen Zahl an offenen und verdeckten Mitarbeitern verhasste Apparat sollte gerettet werden. In den Dezember- und Januartagen 1990 wurde dies durch Besetzungen der Stasizentralen in Lichtenberg und Treptow durch Bürgerrechtler verhindert, doch bis dahin waren schon viele Akten verschwunden.

Seit 1933 eine nahezu nahtlose Tradition mit dem Blockwart – ein trauriges Kapitel in der ostdeutschen Geschichte. Seit dem 29. Dezember 1991 trat das Stasi-Unterlagen-Gesetz in Kraft, das der Deutsche Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet hatte. Seitdem ist die vollständige Öffnung der Akten des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes erfolgt, insbesondere der Zugang der Betroffenen zu den Informationen, die der Staatssicherheitsdienst zu ihnen gespeichert hat. Umgangssprachlich wird diese Einrichtung auch nach ihren Leitern Gauck-Behörde, später Birthler-Behörde genannt.

*Überschrift ergänzt am 9. februar 2010

2 Kommentare

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nter0ne

um vorneweg klarzustellen,…
Ich heiße die Stasi und die Bespitzelungen nicht gut und will sie auch nicht verharmlosen.

Leider habe ich auch in der heutigen Zeit nicht das Gefühl in einem freiheitlichen Umfeld zu leben. Was der BND macht und wer für ihn spitzelt und spioniert, weiß keiner so richtig außer der BND selbst. Unsere Regierung unterstützt Hacker, die geschützte Daten stehlen mit Millionenbelohnungen… Sind das jetzt auch IM’s???
Ich habe ja nichts dagegen dass unser Staat hinterzogene Steuergelder zurückhaben will aber gegenseitige Bespitzelung zu unterstützen kann nicht der Weg sein. Die entscheidung spionierte Bankdaten zu kaufen setzt in meinen Augen ein Zeichen dafür, dass jeder auf jedem Wege jeden ausspionieren kann und dafür auch noch reichlich belohnt wird von Papa Staat oder von Mama Merkel.

Stasi reloaded in den Kinderschuhen!

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Hernando

@Bredebusch und @Wolf
Ich wünsche dann mal eine machtvolle, feuchtfröhliche Jubiläumsfeier.
Vielleicht fällt ja doch mal jemand von euch auf die Schnauze.
Muss ja nicht unbedingt wegen Glatteis sein.

@Michael
Vielen Dank für den informativen Artikel.

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