Dienstag, den 9. März 2010
Linda in Schlagzeilen am 9. März 2010, 11:10 7 Leserbriefe »
Gelegentlicher Meinungswechsel und dauerhafte Überwachung bilden derzeit die Berliner Schlagzeilen. Wenn die SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus heute den Abgeordneten Ralf Hillenberg wegen der HoWoGe-Affäre ausschließt, verliert sie trotzdem keine Stimme. Sie hat einen Neuzugang zu verzeichnen: Rainer-Michael Lehmann von der FDP wechselt zur SPD.
Rot-grün ab 2011 in Berlin? Wowereit wäre nicht abgeneigt, sagt er. Tja, müsste allerdings wohl deutlich über 20 % Wählerstimmen einfahren! Renate Künast von den Grünen will sich jedenfalls noch nicht festlegen lassen.
Will sie nun oder nicht? Die Bahn würde im Bahnhof Zoo gern eine Spielhalle einrichten. Im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf zeigte man sich gar nicht amüsiert. Baurechtlich gesehen muss der Bezirk nur Betriebe zulassen, die der Nutzung im Rahmen eines Bahnbetriebs dienen. Offenbar hat aber die Bahn nun wieder Abstand von ihren Plänen genommen.
Überhaupt scheint Berlin in diesen Tagen kein so gutes Pflaster für Spieler zu sein, die Berliner Zeitung erinnert an spektakuläre Raubüberfälle von den Gebrüdern Sass bis zu den KaDeWe-Zwillingsbrüdern, die man wegen ihrer uneindeutigen DNA-Zuordnung wieder freilassen musste.
Der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix fordert eine wissenschaftliche Evaluation der Videoüberwachungspraxis. Innensenator Körting will die Notwendigkeit nicht einsehen. Derweil engagierten weitere Neuköllner Schulen private Sicherheitsdienste.
Mit der Überwachung haben wir hier eben ein Problem, historisch gesehen. Die Stasi-Unterlagenbehörde wirkt immer sehr hilfreich mit, wenn anderen ihre Mitarbeit bei der DDR-Behörde nachgewiesen werden soll. Nun ist einer ihrer Direktoren selbst verdächtig, für die Stasi tätig in kommunistisch infiltrierten Organisationen tätig gewesen zu sein. Aber wer untersucht nun wen?
- Heizölpreise sind in den letzten 12 Monaten in Berlin gestiegen
- Auch eine Mädchenschule am Wannsee meldet Missbrauchsfälle
- Berliner Verkäuferinnen haben Angst vor Überfällen
- Mehr Radarfallen wünschen sich die Grünen
7 Kommentare
oStsEE
am 9. März 2010, 11:31 #
Kann mir bitte jemand erklären, was “kommunistische Tarnorganisationen” sind (waren)?
[hsb] linda
am 9. März 2010, 11:40 #
@ostsee: ich wundere mich auch immer: der kalte krieg ist längst vorbei, aber die paranoia wird weitergeschürt…
[hsb] linda
am 9. März 2010, 13:20 #
Die programmhinweise hab’ ich diesmal gelöscht: die hälfte davon war nicht mehr aktuell ;-)
Hernando
am 9. März 2010, 13:45 #
@Linda
Dass Altendorf für die Stasi tätig gewesen sein soll, habe ich noch nirgends sonst gelesen.
Die Springer-Presse hat am grünlichsten recherchiert und beschreibt es so:
“Recherchen der WELT hatten ergeben, dass Altendorf in den Siebzigerjahren in Gruppierungen verstrickt war, die von SED und KGB unterstützt wurden. Das hatte er verschwiegen; in seinen publizierten Lebensläufen spielten kommunistische Tarnorganisationen wie der “Weltfriedensrat” und die Initiative “Weg mit den Berufsverboten” keine Rolle.”
@ostsee
“Weltfriedensrat” und die Initiative “Weg mit den Berufsverboten” sind nur zwei von sogenannten Tarnorganisationen. Es gibt viele mehr.
Alle möglichen Bereiche: Jugend, Gewerkschaft, Sport, Kirche usw.
Auch die linke Sex-Zeitschrift “konkret” ist da einzuordnen.
Alles voll von der DDR finanziert.
Was ja letztlich heißt von uns in der Bundesrepublik (Milliardenkredite).
[hsb] linda
am 9. März 2010, 14:25 #
stimmt, es wird nichts explizit gesagt, nur insinuiert ;-)
aber ich ändere das trotzdem mal …
am 9. März 2010, 23:29 #
die springer-presse ist diesbezüglich keine seriöse quelle. fühlten sie sich doch einem militanten antikommunismus verpflichtet, wo man die grenzen zum politischen rufmord regelmässig missachtete. man erinnere sich nur an die kampagnen gegen apo und rudi dutschke. die antikommunistische revolverpresse, mit bild und welt an der spitze, sah in den 80er jahren in jedem friedensbewegten grünen bestenfalls ein gefährliches appeasement-weichei, meistens aber einen getarnten kryptokommunisten. wenn die springer-presse von ihren recherchen berichtet, dann haben sie vielleicht in ihren eigenen vergifteten archiven nachgesehen. oder warum werden die “infiltrierten organisationen” nicht beim namen genannt?
[hsb] linda
am 10. März 2010, 18:40 #
@ts-dagewe: “kryptokommunisten” – ja genau, das wort fehlte mir noch ;-)