Donnerstag, den 18. März 2010
Jürgen in Schlagzeilen am 18. März 2010, 08:48 Kommentare
Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr, lautet ein altes Sprichwort. Aber es ist wohl von der Realität überholt worden. Der Mensch lernt lebenslang dazu. Man muss nur wollen und die Gelegenheit bekommen.
- Letzteres scheint im Bildungswesen immer schwieriger zu werden: An den Grundschulen läuft etwas schief. Die Zahl der Sitzenbleiber hat sich in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt. Es muss also über die Bildung in der Vorschulphase und in den Klassen 1 und 2 mehr nachgedacht und verändert werden.
Der Geschichtsunterricht – hier geht es um die etwas älteren Schüler – soll ebenfalls verbessert werden. Wenn man den Unterricht in dieser Weise vervollkommnen will und DDR-Geschichte ausschließlich auf Mauer und Stasi reduzieren will, dann wird das garantiert nichts werden.
- Auch der Senat könnte dazulernen und Verträge mit Investoren machen, die auf die Interessen der Berliner mehr Rücksicht nehmen. Nicht zum ersten Mal wird hier auf das Problem der Wasserpreise hingewiesen. Wirtschaftssenator Wolf will jetzt an die Gewinne der Investoren ran. Wasser muss für die Berliner billiger werden!
- Ich nehme an, dass weder die Bundesrepublik, noch das Land Berlin oder ein anderes Bundesland bisher eine dieser aufgetauchten “Steuerdateien” gekauft haben. Ist offensichtlich auch gar nicht nötig, denn die Steuersünder kommen von allein, in Berlin inzwischen ca. 400. Vorschlag zum Nachdenken: Die Bundesländer erhalten zukünftig das durch solche Aktionen eingenommene Geld sofort selbst und müssen es für Bildungsaufgaben (siehe oben) einsetzen!
- Das in den vergangenen Monaten in die Kritik geratene DIW hat nun ermittelt, was sowieso schon jeder Betroffene weiß: Ost-Renten werden deutlich sinken.
- Ob die vier Männer noch dazulernen wollen und können, die einen Rentner attackiert haben, weiß ich nicht. Bei den zwei 13-Jährigen aus Schöneberg klappt es vielleicht noch.
- Die Einmauerung der Spree und des Hauptbahnhofes geht weiter. Jetzt soll der Bundespressestrand weichen. Ein Glück, dass man als langjähriger Mittebewohner noch einige ruhige Refugien hat.
Zu den Pokerturnier-Räubern schreibe ich heute nichts. Aber Polizei und Räuber werden auch in diesem Fall (hoffentlich) was dazugelernt haben.
40 Kommentare
ulla
am 18. März 2010, 10:22 #
Nun waren ja einerseits die Stasi und “Stacheldraht und Mauer” die Markenzeichen der DDR. Andererseits war die DDR nicht der Mittelpunkt der Welt. Da sollte doch der Geschichtsunterricht in der geplanten Form ausreichend sein
Hernando
am 18. März 2010, 12:04 #
Holla!
Es wird moderiert!?
Gibt es dazu einen Anlass und vieleicht eine Begründung?
Jedenfalls: Mein Beileid für den Moderator.
am 18. März 2010, 12:43 #
Nur die Ruhe, manchmal “moderiert” das System automatisch und niemand weiß warum. Ich hab auch nicht immer die Zeit, alle paar Minuten die hängen gebliebenen Kommentare zu checken.
am 18. März 2010, 12:51 #
@ ulla
Wenn man Geschichte nur noch nach angeblichen Markenzeichen gibt, … dann seh ich schwarz für die nächste Pisa Studie. Fragen sie doch mal im Osten rum was denen zum Stichwort DDR einfällt! Klar wird da die Mauer fallen aber sicherlich auch zig andere Dinge. Sicher ist auch Aufklärung über die Stasi wichtig, aber die BRD-Geschichte wird doch auch wesentlich facettenreicher unterrichtet. Warum fällt es so schwer auch mal normale Geschichte abseits von Stai und mauer zu unterrichten??? Wenn das so weitergeht werden meine Kinder irgendwann den Eindruck haben, dass in der DDR alle, immer unter Todesangst gelitten haben, nie lachen konnten und nur sagen durften was jemand vorher genehmigt hat. Find ich nur immer komisch, weil ich Fotos von meinem Vater kenne, da isser unglaublich ausgelassen und frohen Mutes, trägt ein USA Shirt und macht nicht wirklich nen unterdrückten Eindruck. Will damit nur wiedermal betonen dass die DDR mehr war als MAUER und STASI und dass das verdammtnochmal irgendwo angenommen werden sollte.
Aussteiger
am 18. März 2010, 13:16 #
@ nter0ne,
auch Du wirst nicht verhindern können, das es Menschen gibt die “nur” ihre subjektive Meinung vertreten.
Ich bemühe mich viele Dinge aus verschieden Blichwinkeln zu betrachten aber ich gebe es zu: Auch mir gelingt es nicht immer. Jeder von uns ist etwas “Betriebsblind”.
1704
am 18. März 2010, 13:46 #
@ Aussteiger #5
die nach wie vor schlüssigste defintion davon, was eine “meinung” ist, hat m.m.n. Theodor W. Adorno gegeben: “Meinung ist die wie immer auch eingeschränkte Setzung eines subjektiven, in seinem Wahrheitsgehalt beschränkten Bewußtseins als gültig.” (Adorno, Meinung Wahn Gesellschaft)
von daher dürfte meinung ihrer natur nach immer schon subjektiv sein. nur: welchen aussagewert hat eine meinung? i.d.r. gibt sie nur auskunft über das denken und fühlen desjenigen, der meint, und genau das wäre einer behandlung des themas DDR anzulasten, wenn sich geschichtsunterricht bzgl. DDR-geschichte lediglich mit nur wenigen aspekten dazu beschäftigt (z.b. mauerfall und Stasi)… ich finde es gerade in diskussionen um die DDR-vergangenheit immer wieder interessant, daß immer oder meistens versucht wird, die DDR auf mauer und Stasi begrenzt sehen zu wollen, während man das Deutschland in der zeit den nationalsozialismus gern differenzierter betrachtet sehen möchte, nicht nur reduziert auf die konzentrationslager und massenmorde… Sie verstehen, was ich damit zum ausdruck bringen möchte?
am 18. März 2010, 15:27 #
@1704
Ich gehe da völlig mit!
Viele Dinge werden diesbezüglich auch gern aus dem Zusammenhang gerissen, andere gern ausgelassen und wieder andere Fakten einfach geschönt.
Ich empfinde das als Verzerrung der Geschichte. Selbst die Versuche in jüngerer Vergangenheit den Alltag des DDR-Bürgers im TV darzustellen verkommt meist in einer Vorurteilsorgie mit Comedyaspekten. Darüber kann man herzlich lachen… wenn man nicht aus dem Osten kommt. Es wird immer wie über eine andere Spezies berichtet, so als ob die Betroffenen nicht zuschauen würden. Wie gesagt diese Art der Geschichtsaufarbeitung ist mir höchst zuwider. Für mich ist diese Verzerrung schon nahe an dem was man als Geschichtsfälschung bezeichnet.
Jürgen (hsb)
am 18. März 2010, 16:13 #
@Hernando: Ich komme oft nur morgens und abends zum Schreiben bzw. antworten.
@Ulla: Jeder von den 17 Mio, die mal im Osten gewohnt haben – jetzt sind es ein paar weniger – hat seine eigene Vorstellung, seine eigenen Erfahrungen und vergibt auch sein eigenes Markenzeichen von und mit der DDR, so wie heute jeder seine eigene Vorstellung und Wertung der Bundesrepublik hat. Ich würde weder den Ostlern, noch den im Westen sozialisierten oder den heute 20-30-Jährigen vorgeben wollen, was ihr “Markenzeichen” von seinem Land sei.
Wenn man aber als geeintes Deutschland und für die Zukunft aller Deutschen ein tragfähiges, politisches Fundament schaffen will, dann muss man sich nicht nur mit der eigenen westdeutschen Geschichte kritischer befassen, sondern sich auch differenzierter als das bisher der Fall war, mit dem Staat DDR auseinandersetzen und – um mal zwei Beispiele zu nennen – seine Friedens- und Bildungspolitik ernsthaft in die Betrachtung mit einbeziehen. Letzteres hört man in der Politik und in den allermeisten Medien heute gar nicht oder nur sehr verschämt.
Wenn man aber dieses Fundament nicht will, dann muss man so weitermachen wie bisher.
ulla
am 18. März 2010, 17:03 #
@nter0ne
Was Sie schreiben, glaube ich Ihnen gerne. Ich weiß nur nicht, ob das ein Thema direkt für den Geschichtsunterricht ist oder besser in einem der anderen Fächer angesprochen werden sollte.
@Jürgen
“…seine Friedenspolitik” finde ich besonders bemerkenswert. Zur Bildungspolitik will ich nichts weiter sagen, weil ich darüber nur weiß, daß das Parteibuch der Eltern sehr hilfreich sein konnte, besonders wenn’s ums Erlernen von Fremdsprachen – außer Russisch – und das Studium ging.
Was mir aber immer wieder auffällt: Wenn wir uns hier “die Köpfe heiß reden” über Dinge, die in der alten Bundesrepublik vorgefallen sind, z.B. in den Nachbarthreads der Kindesmißbrauch, oder über die Judenfrage, Nazis in gehobenen Positionen, Fremdenfeindlichkeit, Gewaltbereitschaft, Korruption, kommt von Ihnen nie ein Satz wie “das hat es bei uns in der DDR auch gegeben”.Hat es das da wirklich nicht gegeben?
Sie fühlen sich nur immer ausgegrenzt, wenn es um Positives geht, von dem Sie sagen, daß es das bei Ihnen selbstverständlich auch oder aber noch viel besser gab. Schön für Sie, daß Sie in einem moralisch so einwandfreien Land leben durften.
Nun lassen Sie uns alte Bundesrepublikaner unsere diesbezügliche Vergangenheit erstmal aufarbeiten, dann können wir uns mit gutem Gewissen auch im Geschichtsunterricht unserer besseren Hälfte, der DDR, zuwenden.
Marco
am 18. März 2010, 17:19 #
Ich bin ein alter Bundesrepublikaner und es sollte doch wohl keinerlei Diskussionen darüber geben, dass wenn in der Schule das Thema “Deutsche Geschichte nach 1945” auf dem Lehrplan steht, selbstverständlich damit die Geschichte beidseits der innerdeutschen Grenze gemeint ist. Alles andere wäre komplett grotesk!
Jürgen (hsb)
am 18. März 2010, 18:02 #
@Ulla(9): Einige Worte zur Bildungspolitik in der DDR. Einmal abgesehen von einer leicht ideologischen Überfrachtung war das Bildungssystem leistungsstark. Im Schulbereich gab es die Oberschule 1.-10. Klasse und die Erweiterte Oberschule 9.-12. Klasse. Wer zur EOS ging, verließ in der 8. Klasse die OS. Dann gab es aber noch die Möglichkeit Berufsausbildung mit Abitur beginnens nach der 10. Klasse. Wer leistungsschwächer war, ist manchmal in der 8. Klasse abgegangen. Die Kinder lernten so lange wie möglich in einem Klassenverband, was grundsätzlich positiv war. An Fremdsprachen gab es Russisch, Englisch, teilweise Französisch und Latein., die letzten drei genannten auf der EOS bzw. Spezialschule. Das Parteibuch (oder nicht) der Eltern hatte mit dem Erlernen von Fremdsprachen nichts zu tun. Fremdsprachen, im Studium dann wahlweise, waren Pflichtfächer, genau wie alle naturwissenschaftlichen. Ein “Abwählen” von Hauptfächern war nicht möglich. Das Niveau in allen naturwissenschaftlichen Fächern, aber auch in Deutsch, war sehr hoch. Bis zur 10. Klasse gab es noch ein Fach UTP, später ESP, in welchem man praktisch in einem Betrieb arbeitete bzw. handwerkliche Fähigkeiten (z.B. Schlosserarbeiten) erlernte.
Was eine Studienaufnahme betraf, gab es begehrte und wenige begehrte Richtungen und eine teilweise sehr unterschiedliche Anzahl von Studienplätzen. Bei mir (Außenhandel) kamen auf einen Platz 5 Bewerber und mußte daher zum Aufnahmegespräch. Parteibücher der Eltern spielten fürs Studium in der Regel ebenfalls keine Rolle. Das Studium wurde nach 4 , 41/2 oder 5 Jahren beendet, je nach Richtung. Verlängerung gabe es nur im begründeten Ausnahmefall. Es gab allerdings Studienrichtungen, da hatte man bessere Platzchancen, wenn man sich vorher 3 (statt der üblichen 1 1/2 Jahre) zur Armee meldete. Wenn jemand in Dresden sein Abitur gemacht hatte, dann galt das auch in Rostock oder Halle ohne jede Einschränkung. Jeder Student bekam nach dem Studium einen, in der Regel auch anspruchsvollen, Arbeitsplatz. In der Oberschule, insbesondere in den unteren Klassen, gab es eine enge Zusammenarbeit Lehrer-Eltern. Hospitieren von Elternvertretern (Elternaktiv) war jederzeit möglich.
Zu den anderen Fragen später.
nter0ne
am 18. März 2010, 19:26 #
@ulla
Was mir aber immer wieder auffällt: Wenn wir uns hier “die Köpfe heiß reden” über Dinge, die in der alten Bundesrepublik vorgefallen sind, z.B. in den Nachbarthreads der Kindesmißbrauch, oder über die Judenfrage, Nazis in gehobenen Positionen, Fremdenfeindlichkeit, Gewaltbereitschaft, Korruption, kommt von Ihnen nie ein Satz wie “das hat es bei uns in der DDR auch gegeben”.Hat es das da wirklich nicht gegeben?
ich denke dass da niemand sagt, “jupp hatten wir auch” liegt vielleicht daran, dass an dieser stelle einfach nicht groß drüber geredet wurde… und auch wenn das fast nach propaganda klingt, wenn jeder jeden bespitzeln könnte ist vielleicht die hemmschwelle höher was verbotenes zu tun… weil ja die wahrscheinlichkeit erwischt zu werden wesentlich höher ist. Ich glaube an dieser stelle war das maß überwchung vielleicht sogar zweckdienlich. abgesehen davon verurteile ich jede art von privater kontrolle zutiefst und kann mir das auch nicht vorstellen von meinen nachbarn belauscht zu werden… damit könnte ich mich auch nicht anfreundne.
ulla
am 18. März 2010, 20:46 #
@Jürgen
Wenn ich das so lese…
Sagen wir mal um des lieben Friedens willen, Ihr Schulsystem war anders. Besser war’s sicher nicht.
oStsEE
am 18. März 2010, 21:52 #
@ ulla
Da irren Sie. Es war besser. Aber diese Diskussion hatten wir schon…
ulla
am 18. März 2010, 22:02 #
Wegen der “leichten ideologischen Überfrachtung” wie @Jürgen schreibt?
Michael Höfner
am 18. März 2010, 22:08 #
Liebe Leute,
müssen wir dem “Bundespressestrand” wirklich nachtrauern? Einer von der seinerzeit interessierten Presse (es gab da persönliche Verbindungen) hochgejubelten “Ich-AG”, bei der dann die “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft” warb mit an das Ufer gehängten Schildern “Deutschland steht das Wasser bis hier” (sprich: bis zum Wasserspiegel der Spree)? Ist so etwas wirklich Ausdruck von Freiheit und Selbstbestimmung? Gerade in diesem Forum müßte man so etwas kritisch sehen.
Michael Höfner
Helen
am 18. März 2010, 22:27 #
Grundschule – Ich kann mir nicht vorstellen, daß die zusammengewürfelten 1-3 Kl. etwas bringen sollen. Das gehört in den Kindergarten oder den Hort. Die Schüler müssen sich um ihre Sachen (3. Kl.) kümmern, sie sollen etwas lernen und zwar etwas, was ihrem Bildungsstand entspricht und nicht dem der 1. Kl. Warum muß alles umgemodelt werden, haben frühere Generationen nicht auch etwas gebracht, obwohl sie altersgemäß gelernt haben?
Für die Zusammenlegung der Haupt- und Realschulen zur Sekundarschule bin ich auch.
oStsEE
am 18. März 2010, 22:48 #
@ ulla
Nein. Deswegen ganz sicher nicht. Aber: Ich kann die Bildungssysteme gut vergleichen – ich bin mit dem einen groß geworden und meine Tochter ist Teil des “Bildungs“experiments Bundesrepublik (resp. Berlin).
Ich sehe: Kinder, die in der DDR einen Kindergarten besucht haben (das waren die meisten), waren durch die Vorschulstunden dort in der Lage, bereits mit der Einschulung den Zahlenraum bis 10 (oder 20) zu beherrschen. Zum Ende der 1. Klasse konnten wir sicher rechnen mit Zahlen bis zur 100. Auch Lesen und Schreiben konnten wir vernünftig.
Meine Tochter hat erst zum Ende der 2. Klasse (!) die so genannte “Schulausgangsschrift” (Schreibschrift) beherrschen müssen, auch der Matheunterricht erreichte bei den Kindern im Laufe der zweiten Klasse das, was wir viel früher gelernt haben.. Usw. usf. – das zieht sich hin bis heute.
Es gab bereits in der Unterstufe Fachlehrer für Musik und Kunst, also Lehrer, die ein Instrument beherrschten oder malen/zeichnen konnten. Der Musikunterricht an der Grundschule meiner Tochter beschränkte sich aufs gelegentliche Musikhören von CD und das Einstudieren eines Weihnachtsliedes.
Heute wird darüber diskutiert, ob man den Musikunterricht nicht ganz abschaffen kann. Der Zusammenhang zwischen dem Musizieren (auch Singen) und der Steigerung der Hirnleistung sollte inzwischen hinreichend bekannt sein.
Im Literaturunterricht wurden die Schüler (neben, natürlich, auch der staatstragenden Dinge) zeitig an klassische Dichtung und Literatur herangeführt, das Auswendiglernen und Aufsagen von Gedichten mag zwar lästig gewesen sein – im Nachhinein bin ich dankbar für die Möglichkeit dazu.
Heute kann kaum ein Achtklässler mit den Namen Goethe, Schiller etc. etwas anfangen.
Jürgen (hsb)
am 19. März 2010, 07:29 #
Ich habe in (11) noch dieses vergessen: Wer den Abschluss 10. Klasse gemacht hat, hatte danach mehrere Möglichkeiten. Eine hab ich schon erwähnt. Die andere war: Berufsausbildung, Facharbeiterabschluss und danach entweder Beruf oder Fachschulstudium (ca. 3 Jahre). Insgesamt erbrachte das System einen hohen Grad an polytechnischer Bildung. Aber auch Singen (Musik), Zeichnen (techn Zeichnen, Kunsterziehung) und Sport kamen nicht zu kurz. Hinzu kamen eine Vielzahl von außerunterrichtlichen Arbeitsgemeinschaften (Kurse), die man besuchen konnte.
@ oStsEE hat in (18) einige Erfahrungen geschildert. Ich hatte auch zwei Töchter durch die Nachwendeschule zu bringen: Unterrichtsausfälle, Kurssystem verbunden mit dem Abwählen von Hauptfächern, Lehrplan- und Lehrbuchunklarheiten und Lehrer, die mit Struktur- und Bürokratieproblemen kämpfen mussten, sind einige meiner Erfahrungen mit dem jetzigen Bildungssystem. Die Probleme setzen sich dann im Studium fort, wo es z.B. überfüllte Hörsäle und völlig verkorkste Studienformen, wie z.B. Bachelor gibt.
Es geht also @Ulla nicht darum, wer recht hat, sondern, daß die heutigen Schulkinder/Studenten in Berlin und anderswo eine ordentliche Bildung bekommen.
Marco
am 19. März 2010, 08:23 #
@ Jürgen und Ostsee
Ich werde mich hier weder auf die eine oder andere Seite schlagen, vor allem auch weil ich das Bildungssystem der DDR nicht beurteilen kann. Wobei ich mir aus den erlesenen Informationen durchaus vorstellen kann, dass es gut funktioniert hat und auch gut strukturiert bzw. aufgestellt war.
Was aber sicherlich kaum zulässig ist: Aus Ihren persönlichen Erlebnissen/Erfahrungen in der Nachwendezeit (ich nehm mal an in Berlin) auf das gesamte BRD-Bildungssystem zu schließen.
oStsEE
am 19. März 2010, 08:36 #
@ Marco
Nun, zumindest auf das berliner Bildungssystem habe ich einen ganz guten Blick. Es sind ja nicht Erfahrungen der Nachwendezeit, sondern ich erlebe das Schul/Bildungssystem mit meinem Kinde gerade ganz aktuell.
Was auch gerade Herr Zöllner in dieser Stadt anrichtet, wird sich bald ganz bitter rächen…
ulla
am 19. März 2010, 10:39 #
Ich denke, welches Schulsystem in Vorwendezeiten das bessere war ist eine reine Glaubensfrage oder gibt es da irgendwelche internationalen Vergleiche ähnlich den Pisa-Studien?.
Womit @Marco auf jeden Fall Recht hat: Man kann von Berlin nicht auf die gesamte Bundesrepublik schließen.
Hernando
am 19. März 2010, 13:56 #
@Jürgen, @nterone, @ostsee
An Ihren positiven Darstellungen des
DDR-Schulsystems kann ich Folgendes gelten lassen:
- Die Schulorganisation war vernünftig strukturiert, überschaubar und landesweit einheitlich
- In Punkto Beherrschung der allgemeinen Kulturtechniken hat man gute Ergebnisse zustande gebracht.
Weit, weit über dem Niveau von Berlin (West). Bei PISA wäre man bestimmt im oberen Viertel gelandet.
So weit, so gut.
Oder auch nicht so gut. Denn was ist dabei rausgekommen? Ein an die Wand gefahrenes Land mit kaputter Umwelt und desolaten Städten und Dörfern. Ganz zu schweigen von den abertausenden Menschen, die durch die unmenschliche Parteidiktatur deformiert bis zerstört wurden.
Kein Wunder, dass es reichte, mit der Banane zu wedeln, um alles über Bord zu werfen.
Aber:
@Jürgen:Einmal abgesehen von einer leicht
ideologischen Überfrachtung
Das ist ja wohl die Untertreibung des Jahres.
Selbst die linke GEW muss konstatieren:
Natürlich litt das DDR-Bildungswesen unter der ideologischen Verbohrtheit der SED.
Wer den Zugang zu Abitur und Studium an politisches Wohlverhalten und/oder proletarische Herkunft knüpft, produziert damit eine Vielzahl individueller Tragödien und eine
Fehlsteuerung knapper Ressourcen. Und
natürlich hätte man auch am DDR-System der Elitenförderung noch einiges verbessern können.
Insbesondere dann, wenn Kinder wieder
aus der Förderung genommen wurden,
weil sie doch nicht zum Weltmeister
taugten, machte die DDR eine
schlechte Figur. Die Ausgesonderten
wurden ohne Netz mit dem Makel des
Versagens allein gelassen. Aber
anstatt ein bestehendes Fördersystem mit mehr Pestalozzi und weniger Darwin zu optimieren, kippte man es weg.
Oder auch hier, aus einer gut strukturierten Hausarbeit:
o Vermittlung und Festigung der sozialistischenIdeologie => Machtsicherung
o Sozialistische Persönlichkeiten sind gebildete, moralisch und charakterlich gefestigte und klassenbewusste Staatsbürger Es sind Menschen, die aktiv, initiativreich und schöpferisch tätig sind und ihre Fähigkeiten und Talente entwickeln.Sozialistische Persönlichkeiten, …, zeichnen sich dadurch aus, dass sie in Wort und Tat für den Sozialismus, für die Sache der Arbeiterklasse eintreten….”
o Die sozialistische Persönlichkeit setzt das gesellschaftliche Interesse an die erste Stelle setze, um dabei die Grundsätze und Ziele der kommunistischen Ideologie zu vertreten o Wirtschaftliche Ziele: Bildungswesen in Wirtschaftsplanung mit einbezogen => Arbeitskräfte wurden je nach Bedarf ausgebildet; gilt auch für Fachschul- und Hochschulsektor; man hat teilweise gar keine Wahlmöglichkeiten, musste einen vorbestimmten Beruf ergreifen (hing von pol. Gesinnung ab) o Bspw. DDR begrenzte in den 70-Jahren Studienplätze da es zuwenig Bewerber für Lehrstellen gabQ.: www.benditz.de/hausarbeiten/ddrvortrag.doc
-
Alles zu Fahnenappel, Staatsbürgerkunde und Jubelparaden lass ich mal lieber Steffi Spira sagen:
www.youtube.com/watch?v=NSoWSyI9lDc
-
Nicht vergessen sollten wir auch:
- Hangranaten- statt Schlagballweitwurf
- Wehrkunde
- Jugendwerkhöfe
- Umgang in den Schulen mit Bürgern, die einen Ausreiseantrag gestellt hatten (egal ob Lehrer oder Schüler)
-
Ich will es mal damit bewenden lassen.
Nur noch eine Literaturempfehlung:
Claudia Rusch, Meine freie deutsche Jugend
www.perlentaucher.de/buch/14687.html
Ein wunderbares Buch!
-
Nachbemerkung: Das DDR-Schulsystem ist mir auch durch intensive direkte Begegnungen bekannt und vor allem durch die Freundschaft mit einer tollen Frau, die dort 20 Jahre unterrichtet hat.
ulla
am 19. März 2010, 20:22 #
Das Schulsystem der DDR, so wie es Finland wohl übernommen hat und auch hier teilweise wieder eingeführt werden soll, war vielleicht doch nicht so verkehrt, wie ich annahm – verkehrt war, wie dieses System in der DDR praktiziert wurde. Dazu habe ich diesen www.zeit.de/2009/46/C Artikel in der gefunden.
Ich fürchte, @Jürgen trägt eine zu rosarote Brille wenn er in die Vergangenheit schaut, ganz besonders wenn’s um die Chancengleichheit der Schüler geht.
Helen
am 19. März 2010, 21:35 #
Ich habe meine Schulzeit z.T. auch in der DDR verbracht und kann @ Jürgen und @ Ostsee zustimmen, allerdings war das zu einem sehr frühen Zeitpunkt, so um 1955 rum. Meine Geschwister sind auch durch diese Schule gegangen, haben Abitur gemacht und haben z,T, studiert. Diese ideologische Radikalisierung, so will ich es mal nennen, ist später erfolgt, wie ich erfahren konnte.
Ich war sehr gut in Mathematik, wurde von den Lehrern gefördert, indem ich andere Aufgaben bwz. zusätzliche Aufgaben bekam (um nicht zu stören). Ich bin nicht dort geblieben. Das heutige Schulsystem kann ich nicht beurteilen, ich habe keine Schulkinder mehr.
Aber wenn ich mir die Beiträge in den Medien ansehe, dann sind die Waldorf-, Steiner- Schulen usw,für mich Quatsch. Was lernen die Kinder dort? Die Kinder können machen, was und wann sie was wollen. Wie sollen da Menschen heranwachsen, die den normalen Alltag wahrnehmen und sich auch einfügen müssen.
Na gut, vieles wird ein Rätsel bleiben….
Jürgen (hsb)
am 20. März 2010, 10:57 #
@Hernando: Reden Sie mit Leuten, die in der DDR gelebt haben und dort groß geworden sind und lassen Sie die Schlagworte beiseite.
Was Sie hier von der GEW zitieren, ist teilweise Unsinn. Entscheidend für die Aufnahme an der EOS waren zunächst einmal die Leistung und das Verhalten der Schüler. Wer in der 8. Klasse kein ordentliches Zeugnis vorweisen konnte, hatte wenig Chancen, an die EOS zu kommen. Da man aber dort nur eine begrenzte Anzahl von Plätzen hatte, wurde dann auch auf die Herkunft geschaut. Mit den Chancen auf einen Studienplatz war es ähnlich. Man brauchte als Basis zunächst einmal ein gutes Zeugnis der 11. Klasse (die Bewerbung für das Studium gingen ein Jahr vor dem Abi raus). Ich schrieb bereits weiter oben, daß manche Studienrichtungen (z.B. auch Journalistik, Architektur, Archäologie, Geologie, Außenhandel u.a.) dermaßen begehrt waren, daß die Bewerberzahlen weit über der Anzahl der Studienplätze lagen. Manche versuchten dann über den 3-jährigen Armeedienst sich einen Vorteil zu verschaffen, in wenigen Fällen spielten sicher auch Beziehungen eine Rolle. Die Hauptmethode, um die Anzahl der Bewerber mit der Anzahl der Studienplätze in Übereinstimmung zu bringen, war jedoch die Aufnahmeprüfung, bei der es vor allen Dingen um Wissen und Fertigkeiten ging.
Wer eine Studienrichtung nicht bekam, der nahm in der Regel eine andere, so wie das heute auch ist und nicht daran zerbrochen!
Die von Ihnen nach GEW zitierte “Vielzahl individueller Tragödien” ist für das normale DDR-Schulsystem genauso ein Blödsinn. Was richtig ist, daß an den Sportspezialschulen mit sehr hohem Leistungsanspruch gearbeitet wurde und die “Aussonderung” derjenigen, die nicht mehr mitkamen oft sehr unsensibel gehandhabt wurde. Davon habe ich auch gehört.
Wir hatten im September 2009 ein rundes Klassen-Jahrgangstreffen in Prenzlau. Neben der Tatsache, daß es ein sehr schönes Treffen war, zeigte sich auch, daß alle über ihre Schulzeit und die meisten Lehrer mit großer Anerkennung sprachen und es bedauerlich fanden, daß keiner der alten Lehrer mehr kommen konnte. Die Herausbildung “einer sozialistischen Persönlichkeit” war zwar laut Vorgabe die Hauptaufgabe der Lehrer, aber die allermeisten haben das nicht so verbissen gesehen und einfach nur eine gute Arbeit gemacht, heißt den in den Mittelpunkt gestellt und gefördert, der in einem Bildungssystem am wichtigsten ist: der junge heranwachsende Mensch.
Hernando
am 20. März 2010, 11:23 #
@Jürgen
Leider sind Sie auf den Punkt “ideologische Ausrichtung” kaum eingegangen.
In welcher Erinnerung haben Sie zum Beispiel Fahnenappell, Wehrkunde und Teilnahme an “machtvollen Demonstrationen” – für sich ganz persönlich?
Das würde mich wirklich mal interessieren.
oStsEE
am 20. März 2010, 11:33 #
@ HV
Ich habe als Kind in der Nähe des “Städtchens” gewohnt. War hoher Besuch in der Stadt, wurden wir Schüler zum Winken an die Straße beordert… Die Erinnerung daran? Schulfrei, kein Mathe oder Chemie für diese Stunden. Mehr nicht.
Appelle gab es bei uns nur zu Beginn und Ende eine Schulhalbjahres. Während dieser Veranstaltungen wurden Schüler für ihre guten schulischen Leistungen ausgezeichnet oder für andere Dinge belobigt… Und er Direktor hielt eine Rede… War nicht schlimm…
Wehrkundeunterricht? Wir haben uns halbtot gelacht, wenn wir Atemschutzmasken aus Zellstoff und Nylonstrüpfen gebastelt haben. Wir haben nicht gelacht, wenn wir Filme über Hiroshima und Nagasaki gesehen haben. Oder über den 2. Weltkrieg. Blöd waren die Runden auf dem Sportplatz (über Eskaladierwände, oder wie die heißen, klettern…)…
ulla
am 20. März 2010, 11:46 #
@Jürgen
Also da lob’ ich mir das bundesrepublikanische System mit dem NC.
Eltern egal, politische Einstellung egal, religiöse Einstellung egal, sportliche Höchstleistungen egal – ausschlaggebend sind verfügbare Kapazitäten der Hochschulen und die Abi-Noten.
1704
am 20. März 2010, 12:44 #
@ ulla #29
wenn man den NC isoliert betrachtet, dann kann man das wohl so sehen wie Sie es hier tun, aber ich hoffe doch, daß Sie wissen, was für eine naive sicht auf das west-deutsche schulsystem es darstellt, gerade auch bezogen auf den zeitraum, um den es hier geht…
Jürgen (hsb)
am 20. März 2010, 14:19 #
Hernando(27): Das gehörte mit zu den ideologischen Übefrachtungen, von denen ich oben schrieb. Wehrkundeunterricht und vormilitärische Ausbildung gab es in der 9./10. Klasse. Ersteres hatte ich nicht, ich kann mich jedenfalls nicht erinnern. Letzteres 1 × 3 Wochen während des Studiums in den Semesterferien. Ich habe das militärische – damals wie heute – gehasst, aber für die meisten war das nur Geikel.
Fahnenappell klingt gewaltig, war aber harmlos. Da ist die ganze Schule auf dem Hof angetreten, meist zum Beginn oder Ende des Schuljahres, und der Direktor hat eine Rede gehalten, in der mindestens einmal das Wort Frieden und Sozialismus auftauchte. Hauptsächlich ging es aber aber um die Verabschiedung von Schülern bzw. Jahrgängen, die Begrüßung von Erstklässlern und die Auszeichnung besonderer Prüfungsleistungen.
Aber um auch die Äußerungen von @Helen und @oStsEE zu ergänzen noch einmal anders herum: Das ideologische an der Schulzeit (z. B. hatte man auch Ärger mit langen Haaren und Jeans) betrachten die meisten der Ostler heute mit einem Grinsen, weil es niemand so richtig ernst nahm.
Was anderes waren die Lehrer und ihre Mühen, um den Schülern Wissen, Methodik, Ideale, vor allem aber die Liebe zum Lernen mitzugeben. Da hat dieses Bildungssystem gut funktioniert.
1704
am 20. März 2010, 14:45 #
@ Jürgen (hsb) #31
“Das ideologische an der Schulzeit (z. B. hatte man auch Ärger mit langen Haaren und Jeans) betrachten die meisten der Ostler heute mit einem Grinsen, weil es niemand so richtig ernst nahm.”
“ärger” also, aha, und wie sah der dann konkret aus?
Jürgen (hsb)
am 20. März 2010, 15:50 #
@1704(32): Die Beatmusik flatterte herüber. Fast alle Jungs in dem Alter, in der Zeit 10.-12. Klasse hatten lange Haare und trugen am liebsten Jeans. (“Die neuen Leiden des jungen W.” von Plenzdorf hat uns aus dem Herzen gesprochen: Jeans sind keine Hosen, sie sind eine Weltanschauung.) Beides hatte unser Direktor nicht so gern und so gab es immer mal wieder die eine oder andere Diskussion. Haare blieben aber und Hosen auch. Das wars schon.
Hernando
am 20. März 2010, 16:36 #
@Jürgen
Viel schlimmer als Jeans und lange Haare war ja das Outfit der Punks. Später natürlich.
Diese kleine, aber feine Truppe wurde härter angefasst.
In der Stasi-Gedenkstätte macht ein Schreiber Führungen, der die Punk-Szene beobachtet und beschrieben hat. Folge: Stasi-Knast, Urteil, mehrere Jahre Haft.
Ich hab mich lange mit ihm unterhalten.
Er ist durchaus links eingestellt.
Am meisten bedauert er, dass so gut wie keine Ost-Klassen die Gedenkstätten besuchen. Statistiken werden geführt.
Seine Erklärung, die ich nachvollziehen kann: Viele Ost-Lehrer scheuen die unmittelbare Konfrontation mit den sicht- und anfassbaren Zeichen des damaligen Unrechtsstaates, fürchten kritische Fragen.
Irgendeine Leiche hat wohl jeder im Keller. Und seien es auch nur allgemeine Beurteilungen auf Zeugnissen, für die man sich heute zu recht schämt/schämen sollte.
So a la “Kollektiv”, “Klassenstandpunkt”, “sozialistische Persönlichkeit” usw.
Da ist die ganze Schule auf dem Hof angetreten, meist zum Beginn oder Ende des Schuljahres, und der Direktor hat eine Rede gehalten, in der mindestens einmal das Wort Frieden und Sozialismus auftauchte.
So eine Szene ist in meinem in #23 empfohlenen Buch geschildert.
Nach den Sommerferien 1989. Es gab Ungarn. Und es gab Leipzig. Berlin gab es nicht.
In dieser “Feierstunde” in der Aula blieben etliche Plätze leer. Lehrer, Schüler. Improvisation war angesagt.
Wie gesagt, sehr schön zu lesen.
1704
am 20. März 2010, 16:51 #
@ Jürgen (hsb) #33
was mich an Ihren kommentaren zur schule in der DDR so ein wenig irritiert: wie lieb und nett doch alles war. so mag ich gar nicht glauben, daß die DDR-bürger insgesamt mit ihrem staat so unzufrieden waren bzw. wurden – 40 jahre DDR sind ja auch ein paar schulische jahrgänge, die in der DDR ja auch in führende positionen gelangt sein müssen. ging es also bzgl. friedlicher revolution doch nur um bananen, zitrusfrüchte, reisefreiheit und west-valuta?
in einer rede, die Lothar Bisky am 07.10.1999 im Tränenpalast, Berlin, gehalten hat (quelle) spricht dieser von “Konstruktionsfehler[n] des Systems”, und zählt dazu den “undemokratischen Charakter, die autoritäre Herrschaft, die allumfassende geistige Enge, die politische Überfremdung und Deformation der Wirtschaft” – ist schon verwunderlich, wenn davon in den schulen und im schulsystem der DDR so ganz und gar nichts zu spüren gewesen sein soll, oder wenn doch, dann eben eigentlich ganz lieb und nett, oder gar willkommen? insbesondere das mit der “allumfassenden geistigen Enge” mutet dann etwas seltsam an…
mit anderen worten: der thread hier wirft merkwürdige fragezeichen auf…
Jürgen (hsb)
am 20. März 2010, 18:02 #
@Hernando(34): Wenn man sich ernsthaft mit der DDR-Rückschau befassen will, muss man als erstes die Meinungen und Erfahrungen der Menschen zur Kenntnis nehmen und akzeptieren, die im Osten gelebt haben. Wenn mancher Politiker oder selbsternannter “DDR-Experte” dazu in den letzten 20 Jahren nicht willens war, darf man sich über die Reaktion vieler Ostdeutscher nicht wundern. Sie hören dann diesen selbstgerechten Reden und Urteilen des Westens nicht mehr zu! Insofern ist es für mich nicht verwunderlich, wenn kaum Ost-Klassen die Stasi-Gedenkstätte besuchen. Es wird für Deutschland insgesamt, aber auch die eingeengte Sicht manch eines Westdeutschen kein Vorteil sein, wenn man die ostdeutsche Vergangenheit ausschließlich mit Mauer und Stasi erklären will. Die Kinder und teilweise auch Enkel derjenigen, die in der DDR groß geworden sind, erfahren von Ihren Eltern sowieso wie es wirklich war, im positiven, wie im negativen.
@1704(35): Wenn Sie schon Bisky zitieren, dann auch über seine Sicht der positiven Aspekt des DDR-Sozialismus. Um aber wieder auf das Bildungssystem zurückzukommen: Es war, was ideologische Fragen betraf, eben nicht alles lieb und nett. Ich habe darüber geschrieben und wiederhole es jetzt nicht.
@all: Nur noch einmal ein paar Fakten zum Bildungssystem. Jeder kann ja dann mit heute vergleichen: – Einheitliche Lehrpläne – Schulunterricht in jedem Fall kostenfrei für die Eltern – Schulbücher überwiegend kostenfrei für die Eltern – Schulolympiaden und Förderung in div. Fächern kostenfrei für die Eltern – So gut wie keine Stunden- bzw. Unterrichtsaufälle – Jeder Schulabsolvent bekam eine Lehrstelle, Arbeitsstelle oder einen Studienplatz – Studium kostenfrei für die Eltern. Für die meisten Studenten gab es ein Stipendium, welches selbstverständlich nicht zurückgezahlt werden musste, wie heut das Bafög.
Das alles könnte sich die heutige Bundesrepublik auch leisten, die innere Verschuldung würde sich damit nicht spürbar erhöhen.
Aussteiger
am 20. März 2010, 19:30 #
@ Jürgen (hsb),
bei uns, im Westen, gab es mal ein Gerücht, das Akademikerkinder in der DDR nicht studieren durften. War das wirklich so? Wenn ja, dann war ja DDR-Bildungsystem auch nicht gerade gerecht.
Ich bin der Meinung das es Gerechtigkeit in der Bildung nicht gibt. Diese hat es nie gegeben und wird es nie geben, in keinen Land dieser Erde.
cora
am 20. März 2010, 20:04 #
@Aussteiger
Also jedenfalls dufte man angeblich nicht studieren, wenn man nicht in der FDJ war…
@all
Mir erscheint momentan der blog ziemlich (auch agressiv) ausfragend… ich weiß noch nicht, ob mir das gefällt.
Warum sollten Menschen, welche eben in der DDR aufwuchsen, nun in einer Art Verteidigungshaltung stehen?
Sie lebten mit/ in einem System, welches sich überholte, welches nicht mehr gewollt war (ein Versuch war?).
Ich bin der Meinung, dass es (nochmal an Aussteiger) Gerechtigkeit eh nie geben wird. Nicht nur in der Bildung.
Jürgen (hsb)
am 20. März 2010, 20:04 #
@Aussteiger: Akademikerkinder konnten studieren, wenn sie wollten und einen Studienplatz bekamen.
Jürgen (hsb)
am 20. März 2010, 20:10 #
@Cora: Du hast mit Deinem zweiten Ansatz natürlich recht. Deshalb schließe ich auch hier.