Volkes Stimme
Harald in am 26. Juli 2010, 12:30 Kommentare
Auf Initiative des Rhetorik-Trainers Peter Lüder konnte sich gestern jeder Berliner der dazu Lust hatte direkt an das Volk wenden. In Anlehnung an die alte Tradition der “Speakers’ Corner”, wo jeder sich auf eine Kiste stellen und seine Weltsicht mit anderen teilen kann, soll das auch hier – im weiten Tempelhofer Feld – eine Tradition werden. Um die “Ecke” zu finden habe ich dazu aber erstmal das komplete Flugfeld umrundet, nur um später festzustellen, dass es fast neben meinem Einstieg am Columbiadamm lag. Hätt ich glatt auch was darüber erzählen können.
Das machten dann insgesamt acht Berliner von den knapp 3,4 Millionen vorhandenen, auch das zuhörende Volk beschränkte sich auf etwa 300. In der ersten Runde durfte zweieinhalb Minuten geredet werden, in der Endrunde – in die fast alle Redner/innen einrückten – waren es dann schon 8 Minuten. Waren die zweieinhalb recht knapp, waren die 8 Minuten für die meisten eindeutig zu lang. Das Themenspektrum reichte über Drogen zu unverstandener Jugend, widmete sich der allgemeinen Gleichgültigkeit und gipfelte in der gewaltfreien Kommunikation, der ganz normale Wahnsinn halt, wie hier im HSB.
Eine Apfelsinenkiste bleibt stehen, einen weiteren “Redewettbewerb” wird es frühestens im nächsten Jahr wieder geben, wer sich also mal so allgemein ans Volk wenden möchte, nur Mut.
9 Kommentare
1704
am 26. Juli 2010, 13:21 #
evtl. interessant zu wissen:
“Durch einen Parlamentsbeschluss vom 27. Juni 1872 (Royal Parks and Gardens Regulation Act) kann hier jeder ohne Anmeldung einen Vortrag zu einem beliebigen Thema halten… Hinweisschilder weisen aber darauf hin, dass die Queen und die königliche Familie nicht Inhalt einer Rede sein dürfen…
Typischerweise stellen sich die Redner auf eine mitgebrachte Kiste, um etwas erhöht sprechen zu können, wovon der Ausdruck Soapboxing abgeleitet ist. Bis 1783 standen in der Nähe der heutigen Speakers’ Corner die Galgen von Tyburn, wo die Verurteilten vor ihrer Hinrichtung mit einer „last dying speech“ noch ein letztes Mal das Wort ergreifen konnten…”
(wikipedia, Speakers’ Corner)
und:
“… Das Recht auch über andere, kontroverse Themen frei zu sprechen, wurde in mehreren teilweise heftigen Auseinandersetzungen etabliert und gilt mittlerweile als zentraler Aspekt der britischen politischen Kultur. Einige Versuche, dies auch in Deutschland einzurichten, scheiterten, was Erhard Eppler mit Berufung auf Carl Gustav Jochmann… auf die Vorherrschaft der geschriebenen Sprache, der Vorlesung und des dozierenden Stils in Deutschland gegenüber der mündlich geprägten angelsächsischen Öffentlichkeit, Debattenkultur bis hin zur Rechtsprechung zurückführte.
Eine moderne Form des soapboxen sind Blogs, Webseiten, auf denen User ihre Gedanken veröffentlichen.”
(wikipedia, Soapbox)
p.s. @Herald
“Speakers Corner” – Speakers’ Corner
am 26. Juli 2010, 13:45 #
das-gemeine-wesen war übrigens auch da, schönen gruss.
leider ist auch die rede seit den zeiten der antike von einer kunst heruntergekommen zur pr-methode, wie man die mitmenschen vollquasseln ohne dass sie schreiend davonlaufen und die “besten” im contest kriegen einen job beim verkaufsfernsehn. das machte sich während der veranstaltung als inhaltsleere bemerkbar, nach dem motto: es reicht nicht keine gedanken zu haben…
im wiki (danke 1704) habe ich gelesen, dass da auch karl marx mal gesprochen hat. heute hat wohl jeder den makel als querulant oder pausenclown zu tragen, der sich an so ein rednerpult stellt.
am 26. Juli 2010, 15:33 #
Aufgrund erwiesener Themenverfehlungen die Kommentare etwas gelichtet. Wir sind ja hier nicht auf der Apfelsinenkiste. Sodele.
Ach ja, apostrophiert habe ich dann auch gleich noch mal, danke für den Hinweis.
Sprech ich eigentlich chinesisch? Und immer noch Ex-#6,#7,#8
ulla
am 26. Juli 2010, 20:50 #
So, jetzt ganz ernsthaft. Hier habe ich auch etwas zu Speakers’ corner gefunden. Müßte zum Thema passen.
Vielleicht wird Tempelhofs corner ja auch mal so bekannt in aller Welt.
Helen
am 26. Juli 2010, 21:01 #
Ich habe einmal so eine Veranstaltung in London gesehen. Ich habe auf einen Bus gewartet, der am Marble Arch abfährt. Allerdings konnte ich nichts verstehen, es ist laut dort. Der Sprecher war wohl etwas erregt, denn er fuchtelte mit den Armen herum. Aber es standen viele Menschen drumherum.
Inwieweit hier bestimmte Themen nicht erwähnt werden dürfen, das weiß ich nicht.
Toska
am 26. Juli 2010, 21:05 #
Mensch @Harald ( hsb) der Stinkefinger darf aber stehenbleiben :-(
Mal was zur auflockerung:
Was heisst Polizist auf chinesisch ?
Lang Fing Fang
na denn auf chinesisch gute Nacht: wan an ning du qi
am 26. Juli 2010, 22:41 #
@Toska: Kannst du Mittelfinger nicht von Zeigefinger unterscheiden und hieß der Polizeihund nicht Long-Fing-Fang-Wau? Und jetzt wieder alle zurück in die angeschlossenen Funkhäuser, husch, husch ;-)
Und Schade um #10-15
Da wohl nichts erhellendes mehr zum Thema kommt, machen wir halt dunkel, sodele