Post an die Post

Claudia in am 29. Juli 2010, 08:08   21 Kommentare »

Gestern wollte ich das internationalisierte deutsche Paketunternehmen in Anspruch nehmen und bewegte mich zum vertrauten Postschalter Hermannstraße Ecke Glasower Straße, wo ein Kollektiv von Papierwarenhandlung mit dem Unternehmen in gelb aufwartet.

Stille Post | foto ©claudiathomas

Wie mir der handgeschriebene Zettel erzählt, ist die Filiale hier seit dem 14.07.2010 Vergangenheit. Einem zweiten Zettel – im Gegensatz zur ersten Meldung maschinell verfasst – hoffe ich einen offiziellen Hinweis zu einem neuen Ersatzstandort, falls es einen gibt, zu entnehmen. Aber Pustekuchen:

Post an die Post | foto ©claudiathomas

(In der unteren Zeile steht: „Wir sind nur noch Opfer, aber keine Kunden mehr. Kundendienst ist ein Fremdwort geworden.)

21 Kommentare

1

tba

hab ich mal auf meinem blog verlinkt, weil es so schön ist. vielen dank. manchmal habe ich das gefühl man könnte ganze blogs mit geschichten über den grottigen kundenservice der post füllen. ich finde es schön, dass ihr immer mal wieder ein paar davon bringt. das ist für mich die moderne gruselgeschichte, wohlig läuft mir beim lesen ein schauer den rücken runter…

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Susanne HSB

Die Botschaft kommt nicht an, nie im Leben. ;-)

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claudia (hsb)

@tba
Nächste „neue“ DHL-Abgabestelle knapp 1 km weiter die Hermannstraße hoch Richtung Hermann Platz: ein schmieriger Getränkespätkauf. Im Style genau der Laden, dem man seine Post garantiert nicht anvertrauen möchte. (Hermes guckt da bei der Lizenzvergabe noch etwas genauer hin, ist mir in dem Zusammenhang aufgefallen.)

Der Laden befindet sich ca. 200 m (!) weg von der nächsten Post-Fililae in der Hermannstraße/Werbellinstraße.

@Susanne
Kannste mal aufhören meine Neuköllner Brieftauben zu dissen? ,-)

4

Thomas Jacob

Zum Thema Kundenservice: In der Postfiliale bei uns in Hamburg-Billstedt habe ich mal live erlebt, wie eine ausländischer oder zumindest fremdsprachiger Kunde mit der korrekten Beschriftung eines Paketes überfordert war. Anstatt zu helfen, hat der Postmitarbeiter gesagt: “Sie sind mir zu doof. Ich geh jetzt nach da vorn, und wenn ich mich wieder umdreh, sind Sie weg.” Und dann zu einem Kollegen: “Ist er weg?”

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Michael Nordmeyer

@Thomas Jacob

Hey Thomas, das ist wirklich krass. Auch wenn ich in Billstedt viele krasse Dinge erwarten würde, das wäre auf jeden Fall eine fristlose Kündigung wert.

6

angst

haha, die botschaft find ich gut, das gefällt mir.
es wäre ja wohl wirklich keine große sache gewesen, die nächste filiale dort zu vermerken.

@thomas jacob
da fehlen mir echt die worte

7

Efeu

Zum Blogpost: Diesen Zettel daneben anzubringen: Genial! Etwas, das jeder ratlos Davorstehende denkt. Werden die Neuköllner Brieftauben nur in der Tat nicht zur Kenntnis derer tragen, die es verdient hätten. Aber zum Schmunzeln und Seine-Mitmenschen-Beglückwünschen-und-Liebhaben reicht’s.

Zu Thomas Jacob: Ist das Datum rekonstruierbar? Diesen Vorfall würde ich als schriftliche Beschwerde beim Post-Kundenservice einreichen. Wird nix ändern, aber sowas nur hinzunehmen, ist auch zu wenig. Ist ja wohl unfasslich (aber nicht überraschend)!

8

Vroni

Danke für dieses Bild, musste so laut darüber lachen! Stimme aber dem Schreiber vollkommen zu!

9

tba

@ Efeu (7): Beschweren lohnt sich. Entlassen wird der Mitarbeiter vielleicht nicht, aber allein das Antwortschreiben der Post wär es doch wert. Außerdem verteilt die Post als Widergutmachung Gutscheine. “Sie wurden Idiot genannt, als Entschädigung dürfen Sie sich in der Filiale nen Briefbeschwerer abholen.” – Ich trau’s der Post zu!

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Helen

Hat eigentlich schon mal einer ausgerechnet, wieviel Arbeitsstunden wir, der Kunde, den Institutionen wie Post, Bank, Einkauf(Selbstbedienungekassen), Fahrkarten usw. erbringen für Arbeiten, wofür es “früher” Arbeitskräfte gab. Bei der Post wollte ich neulich eine Briefmarke zu 1.70 haben, aber ich wurde an den Automaten verwiesen. Diese Prozedur hat mich 30 Min. gekostet – Brille raus, Brille ab, Geld raus, nachgezählt, die Bedingungen am Automaten studiert und so ging es weiter. Was waren das für Zeiten damals ….

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Hernando

@Helen

Die einzelnen Wertzeichen gehen denen schon mal aus. Ist mir auch schon oft so gegangen.

Zum Automaten muss man sich aber deswegen nicht schicken lassen.
Man verlangt einfach gestückelte Marken im Wert von 1,70.
Die Sendung sieht dann manchmal auch viel bunter und hübscher aus.

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Helen

@ Hernando
Mal ist gut. Als mir das mehrere Male passiert war, Briefe an meine Enkel, habe ich eine kleine Filiale gefunden, sicher mit wenig Verkehr, und die hatten die gewünschten Wertzeichen.
Aber das war ja nur ein Beispiel für die eingesparten Mitarbeiter.
Meine Bank hat auch keinen Briefkasten mehr, wo ich die Überweisungen einwerfen kann, sondern ich muß das jetzt am Computer machen in der Halle dort. Ich stelle mich aber ein bißchen an und so muß die Dame sich bemühen und mir zeigen, wie das so gemacht wird. Die Herrschaften werden ja von mir bezahlt.

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ulla

Neulich brauchte ich keine Marke für 1,70 sondern nur eine ganz einfache für 0,55 €. Ich hatte sowieso einiges zu erledigen und wußte, daß ich auf dem Weg auch an einem Postamt vorbeikomme. An der Stelle gab’s aber keine Post mehr – da ist jetzt Lidl. Eine nette Passantin sagte mir dann, daß es ein Stück weiter bei McPaper Briefmarken gäbe. Ich also hin – mein Pech: Die verkaufen keine einzelnen Briefmarken sondern nur 10er Blocks. Da ich meinen Schriftverkehr vorwiegend via Netz erledige weil das schneller und zuverlässiger ist, wären 9 Marken eine Investition in einen weit entfernten Zeitraum gewesen.

Mein Glück: “meine” Apothekerin, der ich davon erzählte, hat mir dann aus ihren Beständen eine Marke überlassen, sonst hätte ich rd. 2,5 km in die Gegenrichtung gemußt. Das Postamt dort war einige Tage vorher noch da und es hingen auch keinerlei Zettel von wegen Schließung an der Tür.

14

claudia (hsb)

Ich hab’ die Erfahrung gemacht, dass die allermeisten Zeitungsläden mittlerweile, die BVG-Tickets als auch Lotto im Angebot haben, auch die gängigen Briefmarken in der Schublade haben und die einzeln verkaufen. Einfach mal nachfragen.

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ulla

@claudia

Danke für den Tip

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Efeu

Das stimmt. Meist sind nur genau dann die Marken ausverkauft, wenn ich im Zeitungsladen aufschlage. ;-)

@tba #9: Leider traue ich das der Post eben nicht zu. Ein Entschuldigungsschreiben wäre ja Aufwand.
Abgesehen davon, dass davon vielleicht ich was hätte (bzw. Thomas Jacob, der den Vorfall berichtet hat), nicht aber der beim Vorfall indiskutabel Behandelte.

Ich wurde mal bei meiner Postfiliale, als ich mich am Schalter über eine schiefgelaufene Paketzustellung beschweren wollte (und wissen wollte, was da schiefgelaufen war und warum der Zusteller Mist baut, wiederholt übrigens, und wer mir das erneute Porto bezahlt), an das tolle Beschwerdetelefon verwiesen, das immer in den Filialen hängt. Dort durchgekommen, schnauzte mich der Mitarbeiter der Hotline an, das sei doch nicht sein Bier, inzwischen sei die Hotline doch nur für Briefsendungen zuständig, zum Rest könne er mir nichts sagen. Auf die Frage, wer das denn könne, kam: “Das weiß ich doch nicht!” und es wurde aufgelegt. Wieder am Schalter und den Vorfall berichtend, war der (immerhin nette) Mitarbeiter völlig erstaunt und geschockt – und wusste noch nichts davon, dass die Hotline sich nur noch mit Briefen befasse. “Hm, ich schicke die Kunden immer da hin, ist noch keiner zurückgekommen!” Kein Wunder, man hat irgendwann einfach nicht mehr den Eindruck, dass es was bringt. Diese Resignation ist wohl intendiert, bei der gegenwärtigen Schließungs- und Personalabbaupolitik (nicht mehr Arbeit machen als nötig!). Lustig, dass dann noch mit “Wir bauen unser Filialnetz aus” geworben wird. Aber das bezieht sich wohl auf Shop-in-shops bei Supermärkten und Co., deren Mitarbeiter regelmäßig überfordert sind.

17

PAMaD

Die ehemals DBP von damals ist mit der heutigen DP AG in keinster weise mehr vergleichbar.
Heutige Postfilialen vermitteln weder ein Sicherheitsgefühl nach innen (Mitarbeiter, Standard in der Arbeit) noch nach außen ( Kundenzufriedenheit).

Die alte Post hat längst ausgedient. Nicht die Zufriedenheit des Kunden, sondern die natürlich globale Rendite hat höchste Priorität.

Wie man am Foto sehen kann, ein Stück Papier was jeder Dödel schreiben kann.
Die Post ist im Begriff sich selbst aufzulösen.
Übrig werden bleiben, die rentablen Filialen unter Leitung der Postbank, deren Chef immer mehr ein Herr Ackermann wird.

Wer noch alte “Werte”- vorstellungen der achtziger Jahre von der ehemaligen DBP in seinem Hinterkopf hat, ist irgendwie vom Mond und braucht sich jetzt nicht darüber aufzuregen, wenn er die weltweite Globalisierung von DHL nicht mitbekommen hat.

Es ist müßig drüber zu spekulieren, ob diejenigen selbst eine gewisse Mitschuld daran tragen, weil sie, wie so vieles, in ihrer gut behüteten Welt
nichts dazu beigetragen haben, dagegen zu steuern.

Jeder bekommt seine Post, die er verdient.
Dies ist aber nur die Spitze des Eisberges worum sich die heutige Generation einen Dreck darum kümmert und sich hinterher wundert und beschwert.

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Jürgen (hsb)

Zum kleinen Post-Ärger hier mal ein paar “große” Zahlen. Ich zitiere aus der Financial Times Deutschland vom 20.1.2010, “Appels Abschiedspräsent” von Leo Klimm:
“ Der größte US-Frachtflughafen sollte zum Einfallstor der Deutschen Post in Amerika werden. Der Angriff scheiterte kläglich. Jetzt wird der Airport verschenkt – einfach so.” Und etwas weiter im Text: “…310 Mio $ hatte Zumwinkel 2005 in den hochmodernen Flughafen mit seinen zwei Start- und Landebahnen und acht Sortier- und Wartungshallen gesteckt.”
Und wiederum etwas weiter im Text: “…Insgesamt hat das US-Abenteuer die Post 7,5 Mrd. € gekostet…”.

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claudia (hsb)

Die 7,5 Mrd. hätten Klimm/Zumwinkel auch direkt an mich überweisen können. Hätte ihnen dafür auch einen 1a-Wirtschaftskrimi in ihre Bilanz geschrieben. ,-)

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waldnase

irgendwann läuft alles per e-post (de-mail) und kostet für den Kunden genauso viel, der Post aber weniger^^

21

claudia (hsb)

@Waldnase
Wobei De-Mail (Projekt dt. Bundesregierung zur rechtssicheren verschlüsselten Mailkommunikation) noch etwas anderes ist als der E-Postbrief (das Produkt der Post) möchte ich betonen.

Da gibt es derezit ausreichend Verwirrung, die unter ungünstigen Umständen zu Diensten der Post gereichen könnten. Dem Wunsch nach einer rechtssicheren Verschlüsselung werden deutlich mehr ISPs gerecht als nur das gelbe Unternehmen, das jetzt gerade mit einer millionenschweren Kampagne dick blubbert und so tut als wäre es das einzige am Markt, dass das kann. ;-(

Dennoch gilt gerade der E-Postbrief ganz klar als ernstzunehmendes Tool, um der Entschleunigung der E-Mail Beine zu machen! ,-)

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