Berliner Grundnahrungsmittel

Linda in am 30. Oktober 2005, 16:33   79 Kommentare »

Original Berliner Klappstulle, Foto: linda link

Auch im Berliner Duden führt kein Weg daran vorbei, an den Fressalien. Stürzen wir uns also wagemutig ins kulinarische Berlin, sozusagen an die Basis der Lebensmittelversorgung! Das Problem ist schnell auf einen Nenner gebracht: In der Stadt gab es praktisch seit Gründung in der sandigen Mark Brandenburg schlichtweg kein Material und kein Geld für besonders luxuriöse Mahlzeiten für Normalbürger. Geld gibt es heute zwar immer noch nicht in dem gewünschten Ausmaß, ein größerer Hinderungsgrund für Berliner Spitzengastronomie ist aber – neben der fehlenden Tradition – purer Zeitmangel. All diese Faktoren laufen am Ende auf das selbe Ergebnis hinaus: ein gewisses Understatement bei der Essensqualität.

Grundnahrungsmittel Nr.1 ist unangefochten seit mehr als hundert Jahren die Klappstulle. Dient selbst in angesagtesten High-Tech Firmen als ernst zu nehmende Mittagsverpflegung, da eigentlich nie Zeit zum “richtigen” Essen ist. Außerdem ist so eine liebevoll von Hand geschmierte Brotschnitte eine sentimentale Erinnerung an Mutterns haushälterische Versorgungskunst während der eigenen Kinderzeit. Manchmal aber nimmt die Arbeit dermaßen überhand, dass es nicht einmal zum Stullefuttern reicht: Was man dann nach Hause wieder mitnimmt ist das Hasenbrot. Manche behaupten, das schmeckt besser als ein Frisches. Naja.
Ist nach der Arbeit noch Zeit zum Einkaufen, nimmt man den Hackenporsche, geht zum Jemüsefritzen, kauft ein paar Fußlappen (Salatblätter) und eine Gärtnerwurst (Gurke), dann braucht man noch Hackepeter für Buletten, vielleicht noch ein paar Schrippen und Schusterjungs. Fußlappen bitte nicht verwechseln mit Salat, das ist wieder was anderes, eigentlich ziemlich Problematisches. Bekannt aus der Redewendung: Jetzt haben wir den Salat! Der Einkaufzettel sieht ganz so aus, als gäbe es Hamburger, ist aber nicht so.

Zuhause macht man nämlich gehackten Molli (oder auch Schrippenpuffer, je nach Bröselanteil), dazu gibt’s Quetschkartoffeln. Trinken könnte man dazu ‘ne Molle, wenn sie kühl ist Mollekühle. Falls die Zeit noch gereicht hat für die Feinkost-Abteilung im KaDeWe, hat man eventuell Moppelkotze (Mayonnaisesalat) eingekauft. Lädst du dir gern Besuch ein? Dann brauchst du Nachtisch. Back’ doch vorher Nappsülze (Napfkuchen). Pass auf, dass der Kuchen nicht klietschig wird! Meistens reicht aber, wie oben erläutert, die Zeit nicht so recht zum Selberbacken. Daher kauft man dann oft Pfannkuchen ein. Ja, bitte P-f-a-n-n-k-u-c-h-e-n. Die heißen sonst – völlig unverständlich – überall Berliner. Klingt fast so, als ob Berliner genießbar wären. Dazu gereicht wird Blümchenkaffee, der wegen der Gesundheit so dünn ist, dass man unten in der Sammeltasse die Blümchen erkennen kann. Wer keinen Kuchen mag, bekommt eine Bürne, die liegt schon lange und ist deswegen ziemlich mudicke. Jetzt wird’s mir doch schon etwas blümerant von Magen her, deswegen trinke ich schnell einen Schluck Quasselwasser.

Natürlich gibt’s parallell zu dieser etwas proletarischen Fressalienkultur auch andere regionale Küchenerzeugnisse im gastronomischen Angebot der Stadt. Das steht dann aber nicht mehr im Berliner Duden.

79 Kommentare

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Trackback von :
Berlin, ick liebe dir!

Ick bin zwar nur nen ex-rand-berliner, aber immerhin hab ick och zwee Jahre in der stadt jewohnt. Bevor es mich nach Meckpomm und jetzt nach Wiesbaden verschlagen hat. Aber der Dialekt was soll ich sagen ich liebe ihn. Ich weiß, auch wenn viele behaupt...
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Mario

Herrlich ick danke sehr. dit hat mir eben so jut jetan dit zu lesen wa :) ick mußte gleich mal in meinem blog darüber berichten, verstehste.
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[HSB] Linda

ah, gut. hab’ grad’ keine zeit. muss klappstulle futtern….
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Robin

Danke, danke, danke! Mit der Verwässerung der Berliner Kultur hört man das immer weniger.
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[HSB] Linda

der gehackte molli ist übrigens ein “falscher hase” oder auch hackbraten – keine gewöhnliche bulette! wollt’ ich nur noch mal bemerken… :-)
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[HSB] Matthias

Linda, du solltest mal ein Kochseminar veranstalten!
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Nter0ne

Warum kriegt dit außerhalb von berlin eigentlich keener jebacken ne richtje Boulette zu machen??? Dit schmeckt allet immer so merkwürdich… Ick begreif dit nich, aber jut, ick fahr einfach zu Omma oder Muttern und jut is, die wissen wie man dit macht.
Och diese Pfannkuchen-Problematik schnallt keener so recht, is mir aber och wurscht.

Wat is eigentlich mit Muckefuck? der fehlt mir grad…

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ostsee

Weil das dann “Frikadelle” heißt. Und was so genannt wird kann ja nicht schmecken…

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cora

Hackepeterschrüppe hattn wa die Tare ooch. Wieso heißtn dit woanners Mett?

Meene Eltan lebn im Emsland seit n paar Jahrn, meen Vata jeht imma noch Schrüppn koofen. Die Bäckerolle weeß mittlaweile wat der habn will :-).

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Nter0ne

Naja hier unten im Hessenland kennen die ja wie schon festjestellt och keene Pfannkuchen im eijentlichen sinne. die nennen dit nichmal berliner sonder kreppel… da hab ick blöd jekiekt… Aber witzig fand ick ehrlich jesagt als et mal beim Bäcker “Latte-Macchiato-Berliner” gab… ick hätt die ja prenzlauer-berger jenannt aber mich hat ja keener jefragt

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ulla

Gibt’s denn in Hessen wenigstens ordentliche Kartoffelpuffer oder haben die da auch so einen abartigen Namen?

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tzbe

Die meisten können bis heute sich nicht einmal halbwegs eigenständig vernünftig ernähren und greifen im Supermarkt zu (teurem) Fastfood.
Kann man hervorragend daran sehen, wie viele Meter die Tiefkühl Regale an Pizzen ausmachen.
Da helfen auch keine per “Rezept” verordnet verblödenden Massenkoch Shows im Fernsehen.

Wer die Klappstulle für die No.1 hält, lässt sich auch davon nicht abraten Bratwurst in ranziges Fett zu verköstigen und hält sich für ach so multikulturell wenn er Gammel-Döner verspeist, wo die Salmonellen dem Geschmack den besonderem Kick verleihen.

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Nter0ne

@ ulla… also mein kollege würde das “gadoffl-bannkuche” nennen… immerhin besser als kreppel… das klingt so nach krüppel… schlimm schlimm

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Hernando

@NterOne, @Ulla

Die Kartoffelpfannkuchen in Hessen sind lecker.
Beim Bäcker gibt es keine Pfannkuchen sondern die Kräppel. Die sind weniger perfekt geformt/genormt als die Berliner – oftmals sogar recht unregelmäßig.
Pfannkuchen macht man sich dagegen selbst mit Ei, Mehl, Milch, Zucker und Salz in ein paar Minuten in der Pfanne, bei uns daheim immer mit dünnen Apfelschnitten drin. Der Berliner sagt dazu wohl Eierkuchen.
Jahreszeitlich ist jetzt in Hessen die “Grün Soß” fällig. Bei uns mit hartgekochten Eiern. Die hab ich mir immer rausgepickt.

Guten Appetit
und ein frohes und sonniges Pfingstfest
wünscht Hernando
(ex-Osthesse)

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Nter0ne

@hernando…

richtig… die grün soß… was ich hier mag ist handkäs mit musik… Äppler hingegen find ich schrecklich!!! Ick will nen ordentlichet Berliner Pilsner! Nur dit macht mich glücklich, ne schöne Molle!!!

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claudia (hsb)

@Linda
Du bist nach wie vor die einzige Person, die ich kenne, die ‘nen falschen Hasen hier als „gehackten Molli“ bezeichnet. ;-)

Wo ist eigentlich die Schmalzstulle?

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Linda Link

@claudia: womöglich war das eine indivuelle wortschöpfung von meinem ex-freund ;-)
@tzbe: wer die klappstulle nicht ehrt, ist die haute cuisine nicht wert!

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claudia (hsb)

@Lina
Der hatte mal als Kind ein Kaninchen namens „Molli“. Wollen wir wetten?

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Efeu

Was für eine schöne Abhandlung, Auflistung, Diskussion! :o) Mir fehlt der Klassiker “Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl” – aber ärgerlich: Es gibt meines Wissens keinen lustig-flapsigen Berliner Begriff dafür. Oder läuft Quark zur Not unter “Moppelkotze”, über die so schön viel Uneinigkeit besteht? ;-)

Und zum Bier: Dass a) deren Ruf schlechter ist als so manches Gebräu und es hier b) außerdem mehr und Besseres gibt als nur Kindl, Schulli und B-Pilsner (danke an die kleinen Brauereien!), verraten wir einfach keinem Schmähenden.

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Suppenkasper

Würde meine Selbstjeschmierten niemals zur Klappstulle degradieren, sind einfach nur meine Stulln. Wer sowas macht, der sollte gleich mal eine Stulle mehr essen, hält da länga seine Klappe.

Moppelkotze – nett, lange nicht mehr gehört, nur soweit ich weiß, Moppelkotze steht als Synonym für all die Rotze, die einem nicht schmeckt bzw. unjeniesbar ist, bzw. aussieht, als wäre sie schon mal halbverdaut worden.

Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl – eindeutig, Moppelkotze!
Pellkartoffeln mit brauner Butter und zwee beidseitiggebratene Eier – immer wieder, ein leckerer Klassiker!

Wo kommt eigentlich der Peter aus dem Hack her? Mich durchzuckt es ab und an mal Hackedieter, oder Hackemicha zu sagen.

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Helen

Quark auch Weißkäse, ich weiß aber nicht, wo das gebräuchlich ist.

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Efeu

Ich glaub, “Weißkäse” is eher süddeutsch als berlinisch. ;-) Aber ich mag mich irren. Ja, auch das kommt vor. lol
Heißt vermutlich einfach Quaaaak.

Und außerdem isser keine Moppelkotze. Zumindest, wenn die Definition tatsächlich in Richtung “all das, was eklig is” geht (die auch MEINE Kindheit geprägt hat, ehrlichkeitshalber; aber vielleicht war es zufällig auch immer der oben angeführte Wurst-/Fleischsalat mit Majonnaise, was eklig war, das mag sein). Sondern lecker. Was nich heißt, dass die Variante mit beidseitig gebratenem Ei ihrerseits Moppelkotze is, die is zumindest auch lecker. Aber der Kram mit Leinöl is so typisch für die Region “Berlin und Umland”. Übrigens hab ich mal gelesen, Leinöl sei das einzig Pflanzliche mit jenen ominösen, legendären Omega-3-Fettsäuren, der Berliner lebt also gesund! ;-D

Und natürlich heißen Klappstullen Klappstullen! Aber logikhalber, denn der Berliner ist sehr rational, nur dann, wenn se jeklappt sind, ürgendwie klar!

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ulla

Als “Eingeborene” möchte ich mal behaupten, daß es in Berlin keinen Quark gibt. Ist höchstens mal wieder alles Quark was so passiert. Weißen Käse mit Leinöl – Zwiebeln nicht vergessen! – und Pellkartoffeln essen wir aber alle gerne – bei uns ist es ein richtiges “Sommeressen”. Gibt’s im Sommer fast jeden Sonnabend.

Moppelk… ist italienischer Salat – warum der “italienisch” heißt wüßte ich auch gerne mal, aus sieht er wie Fleischsalat, der natürlich auch Moppeldingsda ist. Na, egal, beide Salate sehen ja aus wie schon mal gegessen. Ich mag sie, obwohl ich sonst ziemlich pingelig mit Essen bin, trotzdem – besonders gerne auf Schrippe.

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happysilver

Stulle mit Brot is oochn Klassika.Berlina Nuttenfrühstück-kennt dit wer?
Na dit isn Kaffe mit Zarette,wenns ma schnelle jehn muss,wa?!
Der berlina Släng wird nich zu jrunde jehn,dafüa sorjen wa schon.
Tschüssikowski meene Lieben ;-)

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claudia (hsb)

Äh, sorry: Moppelkotze ist bei uns (Berliner) immer Bohneneintopf. Und zwar ausschließlich der mit Ersatzrindfleisch aus der Dose – ohne echtem Suppenfleisch oder gar Hammelfleisch. Die Bohnen gehören dazu auch aus der Dose genommen, nicht frisch …

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ulla

@claudia

iiiiiiih, wer ißt denn sowas?

@Happysilver

Zum echten Nuttenfrühstück gehören aber außer Kaffee und Zigaretten auch noch ‘n paar Aspirin :-))

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cora

Und eigentlich ist ne Klappstulle eine Scheibe Brot, die in der Mitte zusammengeklappt wird und nicht wie auf dem Photo aus zwei Scheiben Brot bestehend.

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ulla

…und auf ‘ner richtigen Klappstulle wird auch mit dem Belag sparsamer umgegangen – nicht nur des Geldes wegen sondern auch, weil man die “aus der Hand” ißt und sich nicht die Finger beschmieren will.

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claudia (hsb)

@ulla
Öch, zum einen Kantinengänger und natürlich Menschen, bei denen das Geld knapper bemessen ist.

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ulla

@claudia

Kantinengänger bin ich nicht, da ist Klappstulle besser (aber nicht mit überhängender Wurst von wegen Finger beschmieren und so).

Und “Grüne Bohnen Eintopf” gibt’s bei uns nur im Sommer. Da kann man sich frische grüne Bohnen schon mal leisten und eine ordentliche Brühe auch. Müssen ja nicht riesige Fleischstücke drin sein – zuviel Fleisch ist eh’ ungesund.

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Nter0ne

hehe.. Nuttenfrühstück find ick jut… hab ick jeden morgen! Stulln jibts erst uffn Mittach!

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happysilver

Is rischte @Ulla,
die kleenen Blutvadünna ha’ick veajessen,Schulljung.

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Helen

Mit ‘ner halben Klappstulle würde ich mich nicht zufrieden geben. Bei uns waren das wie im Bild zwei Scheiben mit was dazwischen, meistens mit Streichwurst oder harter Wurst.

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Efeu

@Ulla #23: Hab mich inzwischen umgehört – Asche uff meen’ Kopp, tatsächlich scheint es den Begriff “Weißkäse” für Quark zu geben. Vielleicht kenne ich zu viele Berliner mit ethnischer Verwässerung durch Elternteile aus Nichtberlin. Mein Fall inklusive: wohl die klassisch schwäbische Blutverschmutzung. Wobei meine Mutter inzwischen artig berlinert.

@Helen #33: Das ist dann aber eben keine “Klappstulle”. Klappstulle heißt ja so, weil sie geklappt wird und nicht aufeinandergelegt. Sonst wäre es ja eine Drauflegstulle. ;o)

Der oben erwähnte Begriff “Stulle mit Brot” ist mir auch sehr geläufig, bezeichnet m.E. den Unwillen (oder aber die nüchterne Feststellung), dass es statt ‘ner richtigen Mahlzeit ganz profan “nur Stullen” gibt.

Zum “Nuttenfrühstück”: Schön auch an Neuköllner Kneipen, die explizit “Berliner Frühstück” anbieten: ‘ne Molle und ‘n Korn und ‘ne Zichte. Aua.

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ulla

@Efeu

“Weißkäse” kennt hier auch niemand – das ist “Weißer Käse”; aber fragen Sie mich jetzt bitte nicht, warum das so ist oder ob’s da irgendeinen Unterschied gibt. Das weiß wahrscheinlich keiner – ist eben einfach so :-)).

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ulla

@Efeu

Da fällt mit noch ein – um alle Klarheiten restlos zu beseitigen – wenn Ihnen Ihre Mutter mal Weißen Käse mit Leinöl kredenzen will, soll Sie im Supermarkt nicht nach Quark Ausschau halten – dann muß sie Schichtkäse kaufen.

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Efeu

@Ulla:
Bei meiner schwäbischen Mutter heißt das aber ja “Quark”. Vermutlich hab ich das von da übernommen. Wobei auch selbsternannte Alt-Berliner “Traditions”-Kneipen mir schon gerne “Pellkartoffeln mit Quark [sic!] und Leinöl” angeboten haben. Das Regionale und Wichtige daran ist ja definitiv das Leinöl; also bin ich da mal ganz tolerant und das Wesentliche sehend – und somit gewillt, von “Quark” über “Weißkäse” (was ich bisher für eine österreichische Bezeichnung hielt, ehrlich gesagt) und “weißen Käse” bis hin zu von mir aus “Schichtkäse” alles zu akzeptieren. ;o) Schichtkäse. Soso. Nie gehört, hihi.

Fakt ist übrigens: Die Berliner Küche ist nicht sehr vegetarierfreundlich, bis auf ebendieses Gericht und ein paar Stullen. Was seltsam anmutet, ist doch tendentiell das Fleisch das Teure an einem Gericht und historisch gewachsen die Berliner Küche eine Arme-Leute-oder-schlechte-Zeiten-Küche.

Darauf ‘n Schulli!

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ulla

@Efeu

:-)). “Schichtkäse” bekommen Sie übrigens in jedem Supermarkt. Steht sogar auf der Verpackung (ohne Verpackung würde er kleckern).

Mit Fleisch ist die traditionelle Berliner Küche doch recht sparsam – in eine richtige Bulette z.B. gehören reichlich Schrippen – bei falschem Hasen genauso. Es ist immer wieder erstaunlich, wie gut manche Hausfrauen den Fleischgeschmack in die Schrippen kriegen ;-).

Für mich jetzt kein Schulli – ist noch ein bißchen zu früh.

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cora

@Ulla
Also allzu viel Schrippen sollten man Hasen aber nicht geben, die brauchen eher Grünzeug und Möhren ;-).

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Efeu

Nee, das sollte man echt nicht, und das “Grünzeug” hab eh alles ich. ;o))

Aber aufschlussreiches B(o)ulettenrezept!

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Efeu

Wie sieht es eigentlich mit Senfeiern (=Eier in Senfsauce, meist auf Kartoffelpürree/Stampfe oder mit Salzkartoffeln) aus? Ist das berlinisch bzw. regional?

Ich hatte die Debatte neulich mit ein paar Leuten. Die nicht aus der Region Stammenden kannten das Gericht entweder nicht oder erst, seit sie in Berlin waren. Ich kannte es erst aus der Zeit nach meiner Kindheit, auch eine mundartliche Bezeichung (um die es hier im Blog ja so schön ging) fiel mir nicht ein. Beides eher Indizien dagegen. Wikipedia sagt: Ja, Berliner Küche, und das Ganze heißt “Mostrich-Eier”. Kommt mir unwahrscheinlich vor, wie vieles auf Wikipedia. Was meint ihr?

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Hernando

Die Zahl der Berliner Senfeiesser wird sich in Grenzen halten.
Vielleicht so viele wie die, die den Fernsehturm “Telespargel” nennen.

43

claudia (hsb)

@Efeu
Senfeier sind regional allgemein deutsche Esskultur, denke ich. Das Solei an sich kommt aus der Schlesischen Küche und ich denke, die Senfsoße kommt letztendlich auch aus der Ecke und hat dann in alle Bundesländer rübergemacht. Gibt Leute, die behaupten, Setzeier sind eine Spezialität aus Sachsen-Anhalt. Andere sagen, das ist ein typisches Fastnacht/Fastenessen …

Ich weiß, dass man früher in Berlin zu Senf auch Mostrich gesagt hat. Aber Mostrich-Eier sind mir hier noch nie untergekommen, Senfeier – da muss ich Hernando widersprechen, sorry – sehr häufig. Senfeier sind oft ein Freitagsessen, gibt es eigentlich in jeder Eckkneipe, die auch Essen serviert. Und ich weiß, es gibt in Charlottenburg eine Weinhändler, der auch einen Mittagstisch anbietet, da waren Senfeier 1x die Woche auf der Karte – und der Renner. Ich kenne auch in meinem Bekanntenkreis niemanden, der nicht „Au ja!“ grunzt, wenn ich sage, ich mache Senfeier …

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1704

@ Claudia #43

wahrscheinlich ein glück, daß Ihnen “Mostrich-Eier” noch nie “untergekommen sind”, wer weiß, was da alles hätte passieren können…

aber, sehen Sie einmal hier – insbesondere punkt Eierspeisen, da stehen sie: Mostrich-Eier (gekochte Eier in Senf-Sauce); serviert mit Salz- oder Stampfkartoffeln

und folgendes kann man dort auch lesen: “Typische Berliner Gerichte müssen nicht unbedingt in Berlin entstanden sein. Meist sind sie erst mit Zuwanderern nach Berlin gekommen. Eigene Erfindungen wie Kasseler, Schnitzel Holstein, Sol-Eier und Currywurst sind eher selten.”

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Toska

Also ich kenne nur Süss Saure Eier. Das wird sehr häufig gegessen und sind auch sehr lecker.

@Claudia (HSB)
Versuchen Sie es mal damit:
Speck auslassen, kleine Zwiebel(gehackt) mit ca . 3 EL Senf und Mehl durchschwitzen lassen,
danach mit Brühe auffüllen, gut durchschlagen,
Salz, Pfeffer, Essig und mit Zucker abschmecken.
zum Schluß die (rohen )Eier vorsichtig in die Sauce schlagen und über ein Wasserbad ca. 25 min. garziehen lassen.
Dazu Salzkartoffeln mit frischen Kräutern

Guten Appetit und Sie werden die Bude immer voll haben, wenn Sie sagen : ich mache Senfeier :-))

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Amantine

@ Hernando # 42
da muß ich widersprechen, Senf-oder Mostricheier gehören zur Berliner Küche wie Königsberger Klopse und die Bulette. Meine ostpreußische Oma hat vorzüglich Senfeier gekocht und besagte Klopse, original mit einer Sardelle im Fleischbrät und natürlich die Kapern nicht zu vergessen.
Zum Mostrich wäre zu sagen, dass die Einflüsse der Hugenotten ursächlich für Berliner Begrifflichkeiten sind : Mostrich-mostarde, dem alten Fritz sei Dank :o)
Richtig ist auch, dass die “Zugereisten” aus Schlesien, Pommern, West-und Ostpreußen viele regionale Gerichte in die Berliner Küche haben einfliessen lassen.

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oStsEE

In meiner Familie hieß das “verlorene Eier”. Und weil ich die Soße NIE so hinbekommen habe wie meine Mutter (und mir nur ihre Soße geschmeckt hat) gibts das bei uns nicht mehr…

48

Amantine

Übrigens, meines Wissens nach ist “Moppelkotze” der berlinische Ausdruck für Fleischsalat mit Mayonnaise.

49

claudia (hsb)

@1704
Wo haben Sie in letzter Zeit in einer Berliner Speisekarte das Wort Mostrich-Eier gelesen und in welcher Häufigkeit im Vergleich zum Begriff Senfei?

Mostrich (Mustum ardens) wird aus Most oder unvergorenem Saft von Trauben hergestellt, daher der Name. Nun überlegen Sie mal, welche Region Deutschlands nicht gerade für Weinproduktion steht und woher vermutlich dieser Begriff für Eier mit Mostrich nicht herkommt und vielleicht weniger üblich ist als in anderen schönen Regionen dieses Landes? (Ja, Berlin hat vier Weinberge, aber die sind neueren Datums.)

Senf entsteht wiederum, wenn man die Senfkörner mit Weinessig verrührt. Die Produktion von Essig unterscheidet sich deutlich als von der vom Most. Somit die schlimmen News vorneweg: es ist beides nicht einmal das Gleiche! Und da das Lebensmittelgesetz in der Gastronomie ziemlich streng ist mit den Bezeichnungen, wird der Koch, der tatsächlich Senf für die Soße verwendet, sein Menü mit dieser Sauce demnach Senfeier nennen (müssen). Er kann natürlich auch Mostrich nehmen. Der ist aber teurer als der Bautzner Senf im Großpack. Vom Preis abgesehen, ist die Schreibweise „Senfei“ kürzer und daher pragmatischer – eine Eigenschaft für die der Berliner ja gerne steht.

L’oeuf avec la moutarde (auch aus Solei) ist mindestens solange in Frankreich bekannt wie in Berlin oder Preußen. Niemand hat gesagt, es gäbe hier keine Senfeier. Niemand hat gesagt, es gibt hier keine Mostricheier. Aber der Begriff Mostrich ist für Senf heutzutage (davon abgesehen, dass eine andere Art von Würzpaste) aufgrund seiner Zubereitung hier nicht mehr so geläufig, wie er es sicherlich in deutschen Grenzgebieten zu Belgien/Elsaß weiterhin ist und somit finden Sie auf den Berliner Speisekarten den Begriff Senfeier. Eine Essigkultur gibt es sehr wohl in Berlin und Umland.

Die Berliner Küche ist eine Mischung aus einer einfachen protestantischen Küche (Ursprung) und der ihrer Einwanderer aus: Schlesien, Pommern, Böhmen, Ostpreußen, Mecklenburg. Den Rest haben die Hugenotten im 17. Jahrhundert dazu gereicht. Sol-Eier, wie wir sie hier kennen, haben ihren Ursprung in Schlesien Sie gibt es aber genauso lange in Frankreich, in England und über die 100jährigen Eier Asiens, reden wir gar nicht erst. Will man überhaupt eine ursprüngliche Berliner Küche kennenlernen, dann muss man Fisch essen. Und die allermeisten wirklich urtypischen Rezepte wie Stolzer Heinrich, Bierkaltschale, Krebse in Bier oder Berliner Art (Krebse gab es nämlich bis zur Krebspest im 19. Jahrhundert hier satt), die ganzen Aal-Rezepte, jenseits Aal grün und sogar die Berliner Luft (großartiges Dessert, das heute eher in Bayern als hier serviert wird), kennt hierzulande kaum noch einer.

Schnitzel Holstein, angebl. nach Friedrich von Holstein benannt, bleibt eine Legende. Tatsächlich bezieht sich die spezielle Zubereitung „Ei auf Fleisch oder Fisch° auf eine Art der Zubereitung aus der Region Holstein. Holstein, wissen wir, liegt nicht ganz bei Berlin.

Kasseler soll aus Berlin stammen und zwar von einem Berliner Fleischer roundabout 19. Jahrhundert namens Cassel/Kassel. Nun gab es aber gar keinen Fleischer diesen Namens zu dieser Zeit in Berlin unter der angeblichen Adresse. Der tatsächliche Ursprung von Kasseler ist immer noch ungeklärt soviel ich weiß, lasse mich gerne von neueren Ergebnissen überzeugen.

Sol-Eier hatten wir schon und Currywurst, da streiten ja auch die Gemüter.

So, und jetzt gucken Sie mal genau auf die Autorin dieser Blogbeiträge aus dem Jahr 2007 Senfeier und Stolzer Heinrich

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Efeu

Danke für die prompten Antworten! :)

@Amantine #48: Hihi, über Moppelkotze findet hier glaube ich keine Einigung mehr statt. Es scheint aber neben einigen Abweichlern doch primär die beiden favorisierten Ansichten zu geben, dass es sich a) um Fleischsalat mit Majo oder b) um alles Mögliche und Unmögliche, das zusammengeschmissen wurde und eklig aussieht, aber ganz passabel schmeckt, handelt.

Den Begriff “verlorene Eier” kenne ich auch. Aber bezeichnet er Senfeier? Und ist er berlinisch? Müsste er dann nicht “valooane Eia” lauten? ;-)

@Hernando #42: Auch ich muss widersprechen: Ich kenne viele Senfeier-Fans (mich inklusive, wenn auch nur ohne Speck)! Die Frage war ja auch nicht einmal, ob das Gericht (noch) weit verbreitet ist. Sondern wie es hier heißt und ob es regiontypisch ist oder landesweit üblich. / Übrigens gibt es durchaus auch Menschen, die “Telespargel” zum Fernsehturm sagen (oder “Langer Lulatsch” zum West-Fernsehturm bzw. Funkturm), auch wenn sie langsam aussterben, denn es scheint sich eher um Altberliner zu handeln.

Zum Sich-was-Abgucken (## 43, 44 und 46): Klar, Kulinarisches und auch Wörter werden weitergetragen. Trotzdem fand ich es interessant, ob das inzwischen “typisch Berlin” ist. Weil ich es wie gesagt erst aus der Zeit nach meiner Kindheit und ohne richtigen Berliner Namen dafür (ich weiß, was “Mostrich” ist, aber Wikiedias Empfehlung “Mostrich-Eier” hatte ich noch nie gehört) kannte, was eher gegen die Berliner-Küche-These spricht. Wobei mich wie gesagt irritierte, dass die an der Diskussion Beteiligten, die Zugezogene waren, es von zu Hause nicht kannten. Die hatten mich erst auf die Idee gebracht, es könnte Berlinküche sein. Die Tatsache, dass es billig zuzubereiten ist, spräche ja auch dafür, denn die hiesige Küche ist ja traditionell eher eine Arme-Leute-Küche.

Übrigens – spät, aber doch – noch eine Antwort zu ulla #38: Unfasslich, aber meine hiesigen Supermärkte verkaufen “Quark” und keinen “Schichtkäse!” Dass sowas erlaubt ist! Und ich versichere: Dies, obwohl Verpackung drumherum ist.

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claudia (hsb)

@oStsEE
Bei den „Verlorenen Eiern“ werden diese ohne Schale in Wasser gekocht und das Eiweiß mit etwas Essig im Wasser zur Gerinnung gebracht. Die Senfeier werden in der Schale gekocht und vor dem Servieren gepellt. Ich mag die Variante verlorene Eier lieber.

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claudia (hsb)

@Amantine
Lustig, darunter, also unter Moppel Kotze oder Hoppel-Poppel kenne ich diesen Mischmasch aus Bratkartoffel, Speck, Eier und Wurst oder Fleisch aus der Pfanne. ;-)

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Efeu

Huch, da hatte ich wohl zeitgleich mit Claudia geschrieben. Das les ich erst jetzt. Bin erleichtert, dass ich mich nicht irrte: War tatsächlich erst irritiert bei “Mostrich”, ob das nicht Essig statt Senf ist. Dachte dann: Das kommt nur durch die Verwässerung durch eine schwäbische Mutter (die “Moschdrich” sagt) und ihrer Irritation über das Berlinische. Naja: Essig macht man in die Senfsauce auch rein…

“Kasseler soll aus Berlin stammen und zwar von einem Berliner Fleischer roundabout 19. Jahrhundert namens Cassel/Kassel. Nun gab es aber gar keinen Fleischer diesen Namens zu dieser Zeit in Berlin unter der angeblichen Adresse. “
—> Soweit ich “weiß”, war vielmehr jene namensgebende Fleischerei in der Kasseler Straße. ;-)

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claudia (hsb)

@
Efeu
Ich hab’ in einem meiner klügen Bücher stehen, die Fleischerei in der angeblich der Fleischermeister Cassler tätig sein sollte, solle in der Potsdamer Straße gewesen sein.

Legenden über Legenden!

Schwäbische Mutter, da kommt ja ein bisschen Neid auf … ;-)

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Efeu

@Claudia:

Ja, Legendenbildung ist was Feines! Und da es ja auch schon allein genügend verschiedene Legenden zur Berliner Stadtgründung gibt, sind diese mehr als passend. Der Begriff urban legend kriegt einen anderen Dreh angesichts von Kasselern/Casslern, Kasseler Straßen und ähnlichen Kuriositäten in einer Großstadt, die ebenso ihre Märchen braucht wie Heidi auf der Alm. Wer hat eigentlich die Currywurst erfunden, lebte und wirkte Fleischer Curr (oder C. Harry?) denn nun in Berlin oder in Köln oder in Bochum oder…? ;-)

Und: Neid auf eine schwäbische Mutter?? Wie darf ich das denn verstehen? Weil mich das erst zur typischen Berlinerin macht, oder wie? Hihi.

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claudia (hsb)

Ich glaube ja nach wie vor, die Wurst kommt aus Bochum, die Soße aus Berlin-Steglitz. Und Harry C. Curry hat sie zusammen geführt. ;-)

Neid auf die schwäbische Mutter, wenn sie denn gut schwäbisch kochen kann. Die schwäbische Küche ist schon etwas Feines! Die typische Berlinerin hat ja ‘en oberschlesische Mutter. ;-)

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ulla

Bei uns gibt’s schlicht und einfach immer (hartgekochte) Eier in Senfsoße. Und die Soße ist eine ganz einfache “Grundsoße” aus Braunmehl und Wasser mit einem ordentlichen Klacks Mostrich, der in Wirklichkeit Senf ist, wie ich eben gelernt habe, drin. Warum das Senfsoße heißt, wo doch die Berliner zu Senf immer Mostrich sagen, weiß ich auch nicht.

Aber das wirklich Wichtige an dem Gericht sind ja weder die Eier noch die Soße – die Krönung sind die Quetschkartoffeln! Und die dürfen nicht aus der Tüte sein, die werden noch richtig selbst gemacht aus Salzkartoffeln und Milch und zum Schluß mit einem großen Stück Butter verfeinert. ‘ne echte Kalorienbombe; aber man gönnt sich ja sonst nichts… :-).

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oStsEE

@ Claudia (51)

Ja, die Eier kann ich ja. Aber die Soße nicht. :(

59

oStsEE

@ Efeu

Meine Eltern stammen aus dem Anhaltinischen, aber ob “Verlorene Eier” da her kommt, weiß ich nicht. Fragen kann ich sie leider nicht.

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1704

@ claudia #49

“Wo haben Sie in letzter Zeit in einer Berliner Speisekarte das Wort Mostrich-Eier gelesen und in welcher Häufigkeit im Vergleich zum Begriff Senfei?”

warum fragen Sie das? ist es wichtig für Sie, wie oft 1704 etwas wo gelesen hat, wovon er nicht einmal behauptet hat, daß er es dort oder dort gelesen habe, noch, daß man es dort oder dort lesen würde?

ist ja nett von Ihnen, daß Sie 1704 nun meinen erklären zu müssen, wie die bezeichnung mostrich entstanden ist, aber warum erklären Sie es überhaupt? daß es einen anderen denn einen Berliner ursprung hat, ist hier längst schon geklärt, aber natürlich kann man dieses oder jenes auch noch einmal aufbacken, soll ja auch schmackhaft sein.

ich mag ja so pseudo-pädagogische sachen wie “Nun überlegen Sie mal, welche Region Deutschlands nicht gerade für Weinproduktion steht “ – na, da fällt mir doch sofort die Lüneburger Heide ein, z.b., oder so höhenlagen der Alpen, sagen wir oberhalb der baumgrenze, oder die landschaften an nord- oder ostsee. ich kenne auch landstriche in Nordrhein-Westfalen, da werden Sie alles mögliche finden, nur keinen weinstock, von weinanbau ganz zu schweigen, aber auch dort kennt man senf und die sagen dort zu senf trotzdem nicht mostrich, komisch, wo doch klar ist, wo der begriff denn her kommt, zumal wir ja jetzt auch dank Ihrer mühe wissen, daß senf und mostrich keineswegs das gleiche sind, schon gar nicht dasselbe. manche pädagogik erweist sich da eben als mutti sagt, und wenn mutti sagt, dann ist das auch so, punkt, besonders, wenn mutti mal wieder fuchsteufelswild, weil die kleinen mal wieder nicht aufgeräumt haben…

und was der quark soll über lebensmittelverordnung und mostrich ist teurer und der Berliner liebt es eher kurz, dürfte wohl auch Ihr geheimnis bleiben! ich mußte aber darüber doch herzlichst lachen, zumal Sie sich dabei auch ein wenig verheddert haben! und es ist beides (senf/mostrich) eben nicht das gleiche! na toll, hat das hier irgendjemand denn behauptet? na, dieser nichtsweiß weiß jetzt aber mal bescheid!

“L’oeuf avec la moutarde (auch aus Solei) ist mindestens solange in Frankreich bekannt wie in Berlin oder Preußen.” – na ja, wenn wir das einmal ganz logisch nehmen, dann widerspricht das ja nicht unbedingt dem, was Sie hier wohl gern widerlegt sehen wollen, denn es müßte dann ja mindestens vorher gewesen sein, um wirklich überzeugen zu können, aber bitte: belegen Sie, was Sie hier behaupten! mir ist das übrigens zudem auch völlig egal, ich weiß auch nicht, warum Sie das nun alles ausgerechnet 1704 schreiben. ich mag nicht einmal sol-eier oder senf-eier oder mostrich-eier, und wo die nun letztlich herkommen ist mir sowas von egal – aber für Sie scheint das irgendwie ganz enorm wichtig zu sein, na gut, ist ja auch okay, und 100jährige eier mag ich übrigens erst recht nicht! nicht einmal mir vorstellen, so ohne schale…

“So, und jetzt gucken Sie mal genau auf die Autorin dieser Blogbeiträge aus dem Jahr 2007 Senfeier und Stolzer Heinrich Dämmert’s?” – ach was, dämmern, geradezu grellstes neonlicht, allerdings gänzlich ohne die mithilfe irgendwelcher anderer user und schon lange bevor Sie überhaupt auch nur 1 finger auf der tastatur abmühten – Sie können eben keine kommentare von 1704 lesen, daran liegt´s. Sie erliegen hier genau dem gleichen irrtum wie seinerzeit in dem thread, in dem der Goldene Schnitt erwähnung fand. auch dort meinten Sie, Ihre interpretation wichtiger nehmen zu müssen als das tatsächlich geschriebene. aber das ist, ganz im vertrauen gesagt, Ihr problem, nicht meins!

und wenn Sie die “wahrheit” über die herkunft dieser komischen eier wissen wollen, dann lesen Sie das hier, und ich hoffe, Sie verfügen über ausreichend humor, obwohl ich da so meine zweifel habe…

also, wenn Sie etwas gutes tun wollen, dann wenden Sie sich einfach vertrauensvoll an wikipedia und bringen dort all Ihr so wichtiges wissen über die Berliner Küche ein, es wird dort willkommen sein, und, nach überprüfung, wird es sogar veröffentlicht bzw. der dortige artiekel auch entsprechend abgeändert! hier im blog als eine antwort an 1704 machen Sie sich eher lächerlich, weil Sie zu widerlegen suchen, was 1704 gar nicht behauptet hat, aber das problem kenne ich ja schon von Ihnen…

62

claudia (hsb)

@oStsEE
Ach, Mamas Soße kann man sich erarbeiten. Habe ich mit Omas Linsen auch hinbekommen! Vielleicht einen Schuss Essig rein? Einen kleinen? War die denn eher hell? Oder dunkler?

Bestimmt liegt es am Senf! Es muss Mamas Senf sein! (Das stimmt übrigens, so ein billiger Senf kann die Soße ganz schön übel schmecken lassen.) Überleg mal, was Ihr früher an Senf da hattet?

63

oStsEE

@ Claudia

Helle Soße. Und billiger Ost-Senf. Aber den gibts ja wieder… ;)

Nee, ich habs zweidreimal versucht, jetzt lass ich es lieber. Gibt zum Glück noch andere Mutter-Rezepte (z.B. Schweineschwanzsuppe, hieß bei uns “Kartoffelstückchen”) und die gelingen mir besser…

64

claudia (hsb)

@OStsEE
Zweidreimal ist kein Mal! ;-) Dran bleiben! MIndestens noch vier Mal probieren! Der billige Ostsenf ist über jeden Zweifel erhaben. Schmeckt der noch wie früher? Wie geht Schweineschwanzsuppe?

65

oStsEE

@ Claudia

Na, fast wie früher schmeckt er schon, der Senf. Glaube ich. Ist halt schon lang her, das Früher.

Die Suppe? Da wird ne kräftige Brühe eben aus Schweinewänzen (mit dem ganzen Fett drumrum uns so) gekocht. Kartoffeln in Würfel, halb garkochen. Zwiebel anbraten, dann bissel Tomatenmark dazu. Allet in die Brühe (ohne Schwanz, man kann wenn man will noch bissel Fleisch abpulen). Zum Schluss kommt noch Zitrone (Saft) dran, da muss man aufpassen. Ist ein “Armeleuteessen”, aber sooo lecker.

66

claudia (hsb)

@oStsee
Klingt spannend. Probiere ich mal. Dankeschön! Alleine das Gesicht vom Fleischer, wenn ich Schweineschwänze verlange … ;-)

67

ulla

Komisch, mit den Tapetenrollen geht’s mir wie mit Romanen von Ganghofer: Hat man eine(n) gelesen, hat man alle gelesen. Das Thema variiert etwas, der Grundtenor bleibt aber bestehen.

68

oStsEE

@ Claudia

Gerne. :)

69

ulla

Oh, ich sehe gerade, ich hätte da eben noch irgendwie Nr. 61 einfügen sollen.

Mit meinem obigen Kommentar sind keinesfalls Autoren oder andere user gemeint, die hin und wieder mal einen längeren Text schreiben.

70

Efeu

Geht das nur mir als Nichtfleischesserin so oder klingt das mit den Schweineschwänzen irgendwie eklig?
Und darf man auch Mostrich ranmachen, was auch immer es nun ist?

;o)

71

oStsEE

@ Efeu

Wieso eklig? Eine gute Ochsenschwanzsuppe zum Beispiel ist noch immer eine Delikatesse. Und so ein Schwein hat nun mal nen Schwanz – und eigentlich wird so ein Tier ja komplett “verwurstet”. Also warum nicht den Schwanz…

Sieht nicht so toll aus, aber für die Suppe wird ja nur die Brühe gebraucht. Die gekochten Schwänzchen ess ich auch nicht…

72

claudia (hsb)

@Efeu
Naja, es ist hierzulande natürlich nicht mehr usus so alles gänzlich zu verwenden. Schweineschwänze sind deutlich seltener als Ochsenschwänze z. B. Bei uns wandert ja üblicherweise alles sonst in die Wurst und das Auge isst hierzulande eh nur noch, was nicht mehr an Leben erinnert.

Der Vegetarier steht da natürlich noch mal ganz anders vor! ,-)

73

cora

@64

Ostsenf? Dieser Bauzener mit dem blauen Deckel? Ich finde den viiiieeeel zu süß ;-)))), sieht mein Freund anders……

Entwerder Löwensenf extra oder Djionsenf.

74

Efeu

@Claudia #72:
Nicht nur der Vegetarier, auch die Piscetarierin. ;-)
Wobei ich den Trend in der Tat auch von den meisten Fleischessern kenne, dass sie eigentlich nicht mehr so genau wissen (oder gar sehen) wollen, woraus ihre Fleischspeise besteht bzw. was darin ist. Wohl auch ein Grund für die deutsche Vorliebe für den Abfall, äh, die Wurst.

75

Helen

Ich habe immer gern Fleischsalat gegessen, aber seitdem ich mal einen Filmbeitrag Im FS gesehen, was da alles so rein gemacht wird, ist mir der Appetit vergangen und nichts mehr gekauft. Seitdem gibt es Geflügelsalat bei uns zu Hause und den mache ich selber.

76

Efeu

Was ist denn drin? Diesem Thread folgend: Kotze von Moppeln?

77

Helen

Ich verwende keine Mayonnaise, sondern Salatcreme mit Kräutern, keine bekannte Firma und unter einem Euro. Hoffentlich ist das keine Werbung. Und drin ist Geflügel wie der Name schon sagte.

78

Efeu

Natürlich bezog sich das nicht auf den Geflügel-, sondern auf den Fleischsalat. Und auf das “aber seitdem ich mal einen Filmbeitrag Im FS gesehen, was da alles so rein gemacht wird, ist mir der Appetit vergangen”. Ach, egal, war nur ein Running-Gag-Versuch.

79

Helen

Hat aber geklappt @ Efeu.

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