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Die am 15. November abgeschlossenen Koalitionsverhandlungen zwischen Wowereits SPD und Henkels CDU sind von beiden Parteien auf Landesparteitagen abgesegnet worden.
Gar keine Widerstände gab es bei der CDU – nicht mal eine Enthaltung. Bei der SPD hingegen hatten einige Genossen Schwierigkeiten, dem Vertrag, der eine deutliche sozialdemokratische Handschrift trägt, zuzustimmen. Beim Landesparteitag gestern Nachmittag (21.11.) votierten immerhin 39 Delegierte dagegen und sieben enthielten sich der Stimme.
Entwurf der Koalitionsvereinbarung für SPD-Freunde.
Entwurf der Koalitionsvereinbarung für CDU-Freunde.

Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren/verdient weder Freiheit noch Sicherheit. Benjamin Franklin (1706-1790), Wissenschaftler, Kongressabgeordneter, Diplomat.
Ablauf-Planung: (alle Zeiten ca. Angaben)
13 Uhr Versammlung mit Redebeiträgen.
13:30 Uhr Start -Demozug.
15:30 Uhr Ankunft – BKA Hauptquartier Treptower Park. Demozug und Redebeiträge, lustige Spassaktionen.
16:00 Uhr Ende, wer mag siedelt um, z. B. zur Silvio-Meier2011 oder zu Occupy.
Wer nimmt teil, welche Gruppen haben ein Bündnis zur Demo gebildet? Diese Informationen gibt es auch hier im Hauptstadtblog! Bündnisteilnehmer ist auch die Piratenpartei LV Berlin, noch mehr Hintergrund bei Ozapftis.info.
Michael HSB in Aufnahmen ~ 18. November 2011 ~ 19:19 Uhr ~ Kommentare deaktiviert

Novemberabend mit feuchtkalter Luft, die eine leicht unwirkliche Stimmung schafft, auf der Karl-Marx-Allee in Friedrichshain Foto: ©MM|HSB2011
Grüne Verwerfungen: Volker Ratzmann tritt zurück
Volker Ratzmann (Grüne) trat zurück, heute Nachmittag. Frustriert. Wurde er doch von vielen in seiner Partei verantwortlich gemacht für das Scheitern der Koalitionsverhandlungen mit Wowereits SPD-Gefolgschaft. Dabei war er, der Realo, mit einer der öffentlichen Hauptaussagen im Wahlkampf und danach doch nur ehrlich: Die grüne Basis wollte und will keine A100, und genau das hat er vermittelt. Erstaunlich, dass er jetzt scharf vom linken Flügel, besonders von Dirk Behrend, demontiert wird, Ratzmann war immerhin mit 13 von 15 Stimmen wiedergewählt worden – im zweiten Wahlgang. Angeblich hätte Ratzmann der CDU zugearbeitet – von Männerfreundschaft mit Henkel war da die Rede, der sich jedoch schnell einen neuen “Freund” suchte – Wowereit. Mehr Macht, mehr Einfluss. That is the game. Die Verwerfungen (Machtkämpfe) innerhalb der Grünen in Berlin werden wohl noch viele Mediatoren-Stunden brauchen, bis sie wieder begehbar für das tägliche politische Geschäft sind.
Bedenkliche Verstrickungen bei der SPD
Kenan Kolat ist der Bundesvorsitzende des türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg (TBB). Und Mitglied der SPD. Dilek Kolat ist die Ehefrau von Kenan Kolat, bis jetzt Haushalts- und finanzpolitische Sprecherin der SPD und die stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Den Posten als neue Fraktionsvorsitzende der SPD für den neuen Senat hat sie im Vorfeld abgelehnt.
Aber Dilek Kolat ist die aussichtsreichste Kandidatin für den Posten der Integrationssenatorin. Die, die Gelder des Senats an Institutionen, die sich um Integration kümmern, verteilt. Das sind mindestens 500.000€, die direkt vom Senat an den TBB gehen. Und die türkische Gemeinde ist einer der Hauptempfänger aller anderen Gelder. Andere Migranten-Organisationen kritisieren: “Viele Migranten haben Angst vor dieser gigantischen Macht einer einzelnen Organisation, die auf Partei-, Parlament- und Verwaltungsebene vertreten ist”.
Die SPD sollte mal ihre Position dazu überdenken. Auch wenn Dilek Kolat sicher für den Posten geeignet ist, würde ihre Benennung als Senatorin für reichlich Misstrauen und Auseinandersetzung bei den anderen Migranten-Gruppen sorgen. Dazu käme dann eben ihre Verflechtung über ihren Mann mit der TBB – der auch finanzielle Interessen verfolgt.
Piraten: alles wieder geregelt?
Auch bei den Piraten gab es weniger glückliche Verknüpfungen. Der amtierende Bundespressesprecher Christopher Lang (25) ist mit der einzigen weiblichen Abgeordneten, Susanne Graf (19), liiert, in einer Berliner BVV und nun auch von seiner Partnerin als persönlicher Fraktionsassistent (Sachbearbeiter) angestellt worden, wenn auch nur “vorübergehend”, wie sie auf ihrem Blog gestern Abend bekannt gab. Schon gestern Nacht wurden auf Twitter viele Bedenken von Parteifreunden geäußert, und der Pressesprecher des Berliner Landesverbandes, Philipp Brechler, begrüsste heute nachmittag, dass Susanne Graf die Einstellung ihres Freundes zurückgezogen habe, denn “die komplette Transparenz des Staatswesens” habe Vorrang, so Brechler. Formaljuristisch hatte Graf allerdings nichts falsch gemacht.
Ergänzung zu den Piraten: es gibt wohl noch mehr persönliche Verstrickungen… seufz… (ergänzt um 22:26 Uhr)

Nachts an der Warschauer Brücke Foto: ©MM|HSB2011
Schienen
Kalte Luft, die Augen schneiden
treffen auf Farben, sie tränen dabei.
In die Nacht, hinaus in das Dunkle
möcht’ nicht wissen, wohin Du fährst.
Sie lassen dich gleiten, ihr Ziel scheint unendlich
doch Weichen, gestellt, bestimmen den Weg.
Du fragst nicht wohin, dir ist nur kalt
die Farben tauchen, das Fremde kommt bald.
Angeblich soll der neue rot-schwarze Senat einen Paradigmenwechsel bei Hartz IV vollziehen wollen. Dies kündigte der CDU-Abgeordnete Frank Steffel (MdB) an, der die Koalitionsverhandlungen in Berlin zum Thema Wirtschaft führt. Steffel wörtlich: “Wir dürfen nicht mehr tolerieren, dass Berliner es sich auf Kosten der Allgemeinheit ohne Arbeit bequem machen. Notfalls müssen die Jobcenter mehr Sanktionen verhängen.” Weiter verlangt Steffel ein Ende der Akzeptanz von Leistungsverweigerung. Er ist übrigens der Mann, der behauptete, dass Hartz IV-Eltern kein Interesse an Bildungsgutscheinen hätten, weil sich damit weder Alkohol noch Nikotin finanzieren ließe. Und er ist laut dem Berliner Stadtmagazin Tip der peinlichste Berliner 2011 (Platz 1).
Eigentlich habe ich von Frank Henkels neuer Mannschaft mehr erwartet, als bereits vor der offiziellen Ehe von rot-schwarz auf die einzudreschen, die entgegen dem stets gepflegten Vorteil von einigen in der FDP und CDU in großer Mehrheit NICHT freiwillig von Transferleistungen abhängig sind.
Ein Ziel der Henkel-Mannschaft könnte es sein, bei der traditionellen Wählerschaft – Wilmersdorfer Witwen, einfachen bürgerlichen Mittelstand, gesetzten Arbeiterschaft in (noch) gut bezahlten Fabrik-Jobs und der wohlversorgten Rentnerschar zu punkten, ihnen zu vermitteln: Wir tun was gegen die Sozialschmarotzer. Wer wenig Rente bekommt, wird nichts sagen. Aber wer mit rund 1500-1800€ seinen Lebensabend gestalten kann, wird nicht verstehen (wollen), dass es eine steigende Anzahl von Menschen gibt, die für 1000€ pro Monat trotz guter Ausbildung 40-50 Stunden pro Woche arbeiten und regelmäßig Phasen ohne Arbeit überbrücken müssen. Und bei schlechter Ausbildung, vor allem ältere Frauen, für 600€ im Monat arbeiten müssen, Vollzeit. Hintergrund: Diese Menschen werden z. B. bei Dienstleistern angestellt, die Tarifverträge umgehen, oder man bedient sich bei einem Akademiker mit passenden Qualifikationen an dem probaten Mittel, ihn als ungelernten Berufsanfänger tariflich einzustufen, weil die Qualifikation nicht 100% deckungsgleich mit dem Anforderungsprofil ist.
Was allerdings Klaus Wowereit damit verfolgt, ist noch unklar. Bisher gab es weder eine offizielle Stellungnahme noch mehrere lokale Zeitungsberichte über die geplanten Änderungen. Vielleicht will man auch einfach nur abwarten, wie die Reaktionen auf den provokanten Unternehmer Steffel sind, vielleicht will man sein soziales Gesicht wahren und so tun, als sei dies nicht auch SPD-Linie.
Vielleicht lässt man Steffel (30 Nebentätigkeiten neben seinem MdB-Amt), der kein Senator (Zu wenig Geld, wahrschein nicht in Kombi mit seinen anderen Jobs machbar?) werden will, aber auch nur labern. Es ist ja nichts wichtiges, geht ja nur um ein paar Abzocker, faule Eltern und Leute, die es sich zu Hause auf Kosten der anderen bequem machen. Da muss man der unreflektierten Öffentlichkeit doch mal sagen dürfen: “Hört auf, die zu akzeptieren!” Denn dann kann Geld gespart werden, um z. B. Unternehmen zu subventionieren, die gerne mehr Gewinn mit Staatsknete machen möchten.
Ein weitere Versuch, soziale Kälte, unchristliches Verhalten und populistische Phrasen auf die anzuwenden, die sich am wenigsten wehren können. Sozialdarwinismus im neuen Berliner Senat, Teil 1? Wir werden sehen…
Wie die Unterscheidung von linkem und rechtem Terror allein schon in der Hauptstadt funktioniert, zeigt sich in der Berliner Polizeistatistik, hier besonders die Seiten 18ff . Da wird gern jedes brennende Auto einem politisch motiviertem Straftäter aus der linken Szene zugeordnet – ohne jeden verifizierbaren Beweis, dass diese Zuordnung wahr ist. Darüber wurde in Berlin, auch hier, schon ausführlich diskutiert. Außerdem verzerrt es die strafrechtliche Relevanz: Der linke Terror wirkt nachhaltiger in den Medien, da Hausbesetzungen und deren Räumungen und brennende Autos massiv öffentlich gemacht werden, rechte Straftaten sind jedoch weniger Sachbeschädigungen, sondern eher Raubüberfälle und Morde, deren Hintergründe erst viel später publik gemacht werden. Und die vorher ergo nicht in der Statistik der rechten Straftaten auftauchen. Die meisten Opfer linker Gewalt (2010) waren rechte Gegner (30), aber keine Toten, die meisten Opfer der rechten Gewalt Migranten, Schwule, und Menschen mit “falscher” Hautfarbe (51). Eine Bestandsaufnahme über die Berliner Neonaziszene hat die Antifaschistische Linke vor zwei Wochen publiziert.
137 Tote durch rechten Terror gibt es in Deutschland von 1990 bis zum September 2010, recherchierte der Tagesspiegel im vergangenen Jahr und veröffentlicht eine Chronologie der rechten Terrormorde in Deutschland. Nun müssen seit gestern zehn Opfer hinzugefügt werden: neun Migranten und eine deutsche Polizistin. Und es gibt auch eine Liste über rechte Terroranschläge in Deutschland seit 1945. Sind aus den Anschlägen von Solingen, Mölln, Hoyerswerda, Rostock und anderen die richtigen Schlussfolgerungen gezogen worden? Offensichtlich nicht – Mitte der 90er Jahre beobachtete der Landesverfassungsschutz Thüringen schon einige der brutalen Täter, ohne je zu handeln. (Ergänzung um 3:43 Uhr)
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Ein eher unschönes Beispiel, wie die Sicherheitsdienste, hier der BVG, statt Kunden zu schützen sie eher verschrecken.
Kurz vor Mitternacht in der M10, Haltestelle Straßmannstraße, ich sitze im Zug Richtung Nordbahnhof. Sechs Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes GOS steigen in GSG9-ähnlichen, überdicken Uniformen ein, wahrscheinlich mit dreifach-schusssicherer Weste, ca. 1,20m Kreuz-Verstärkung und martialischen Stiefeln. Die Männer, alle über 1,85m groß, wahrscheinlich Muckibuden-Abhängige. (Jaja, ich weiß, man muss ja körperlich fit für so einen Job sein, geistige Fitness würde aber auch extrem helfen).
Kaum in die recht gut besetzte Bahn eingetreten, stürmen zwei der schweren, großen Männer direkt auf eine Gruppe junger Leute in der Mitte der Bahn zu, die Flaschen in der Hand haben, und blöken sie laut an: “Mit Bierflasche raus hier, sofort!” Die Bahn fuhr aber gerade an, und so kommen zwei der anderen Sicherheitskräfte vom vorderen Teil der Bahn angelaufen und bauen sich vor einer kleinen, zierlichen Frau auf, die einfach nur laut gesagt hat: “Laut Beförderungsbedingungen ist es in Berlin NICHT verboten, während der Fahrt Bier zu trinken.” Der eine GOS-Mitarbeiter fährt sie an: “Wir bestimmen hier” und will ihr die Flasche (alkoholfreie) Mate-Cola aus der Hand nehmen, doch dann mische ich mich ein und sage zu dem Mann: “1. Die junge Frau hat kein alkoholischen Getränk. 2. Ich kenne die Beförderungsbedingungen auch, Alkohol ist nicht verboten! Und 3., wie sich hier benehmen, das ist Nötigung.” Der eine Mitarbeiter fasst mich daraufhin hart am Arm an, dann mischt sich ein weiterer Fahrgast ein und packt den Sicherheitsmann am Arm, der mich festhält. Der junge Fahrgast ist ca. 2m groß und ebenfalls kräftig. Es gibt wenige Augenblicke von Machtchecken, Aggressionspotentialseinschätzung und Risiken, das ist spürbar. Der junge Mann schaut mich fragend an, ich mache eine verneinende Geste, und er lässt den GOS-Mann los, der sofort seinen Griff beendet. Das geschieht in wenigen Augenblicken.
Im mittleren Teil des Wagen haben andere Mitarbeiter der Sicherheitsfirma bereits die Fahrgäste herausexpedieren wollen, die die Bierflaschen in der Hand haben, doch die jungen Leute stellen einfach die Flaschen auf den Bahnsteig an der Haltestelle, an der wir gerade halten. Allgemeines Gelächter in der Umgebung. Die Bahn fährt weiter, doch im vorderen Teil des Zuges ist noch lautes, aggressives Argumentieren zwischen Fahrgästen und GOS-Männern zu hören, und schließlich brüllt der Einsatzleiter: “Raus hier” zu seinen Leuten, als die Bahn an der nächsten Haltestelle anhält. Sofort wechselt die Stimmung wieder, als die Sicherheitskräfte aussteigen, und die Fahrgäste unterhalten sich miteinander über den Einsatz.
Was für Schlüsse kann man daraus ziehen? Bitte umblättern!
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Es gibt einen Livestream während der Plenarssitzung des Berliner Abgeordnetenhauses. Wer beobachten möchte, mit welcher Bissigkeit die etablierten Parteien im Parlament gegen die Piraten wettern (“viel Rauch um Nichts”) und wie Christopher Lauer (Piraten) ermahnt wird, nicht mehr “unparlamentarische” Ausdrücke wie “anpimmeln” zu verwenden, kann sich hier sowohl informieren als auch amüsieren.
Die Übertragung ist derzeit überlastet, deshalb im Text zwei Links zu Seite.

Nachts auf der Warschauer Brücke spontan von Passanten erstelltes Boden-Graffiti. Schön finde ich das - Liebe ist legal! Foto: ©MM|HSB2011
Der 9. November – für Deutschland ein mehrfach bedeutender historischer und politischer Tag. Vor 22 Jahren fiel die Mauer, vor 71 Jahren fanden die Pogrome gegen die Juden statt, vor 93 Jahren rief Philipp Scheidemann (SPD) die Republik vom Westbalkon des Reichstages aus. Ansonsten: Proteste gegen hohe Mieten, ein Anschlag, eine geschmäcklerische Entgleisung des Präsidenten des Abgeordnetenhauses und klassisches November-Wetter: neblig, feucht und kalt. Berliner Geschichte, aktuell:
✚ Heute vor 22 Jahren fiel die Mauer - immer wieder erinnere ich mich gern an diese Nacht. Die Ost-Berliner Freunde, die mich aus West-Berlin aufgeregt zu Hause anriefen. (Und auf den AB sprachen, ich würde gerade etwas wichtiges verpassen, als ich schon längst mit meinem Motorrad durch die kalte Novembernacht von Köln nach Berlin unterwegs war, um dabei zu sein) Die ahnungslosen, knurrigen Grenzbeamten in Helmstedt, mein Viel-zu-schnell-fahren durch die Noch-DDR, die Schwierigkeit, in einem völlig aufgeregten Berlin, ohne Handy und viele SMS (an alle Spätgeborenen: war damals noch nicht verbreitet!) einen Treffpunkt mit Freunden auszumachen, und der Rausch eines wohl unvergesslichlichen Erlebnisses, durchgefroren, müde, aber glücklich, bei einem historischen Ereignis dabei zu sein, welches auch mein Privatleben beeinflusste, war doch mein damaliger Freund Ostberliner. Das große Ganze hatten zwar viele auch im Kopf, letztendlich zählte aber wohl erst einmal das persönliche Erleben, das Dabeisein, das in den Westen/Osten gehen können, eine wilde Umarmung mit Fremden, ein glückliches Lächeln. Was war diese Nacht voller Gefühle!
✚ Auf das Anton-Schmaus-Haus, ein Jugendzentrum der linken Falken in Neukölln, wurde erneut ein Brandanschlag verübt. Auf einer Neo-Nazi-Seite wird das Jugendhaus der Falken seit langem als potentielles Ziel genannt. Ein Zusammenhang rechter Attentäter mit Bezug auf die Reichskristallnacht (Novemberpogrome) am 9. November 1938 wird nicht ausgeschlossen.
✚ Gestern eingeweiht: das Denkmal für den Hitler-Attentäter Georg Elser, der vor 72 Jahren versuchte, Hitler umzubringen. Es steht an der Wilhelmstraße, der Schriftsteller Rolf Hochhuth hat sich lange für die Errichtung des Mahnmals eingesetzt, seine künstlerische Gestaltung erfolgte durch Ulrich Klages. Der aus Baden-Württemberg stammende Elser hatte am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller eine Bombe platziert. Hitler wurde nicht getötet, weil er wegen schlechten Wetters kürzer redetet und den Saal 13 Minuten vor der Detonation verließ, um mit der Reichsbahn statt dem Flugzeug nach Berlin zurückzukehren. Acht Menschen starben bei dem Anschlag.
✚ Hopp, hopp, hopp: Mietenstopp! Rund 40 Demonstrierende wollten gestern im Roten Rathaus auf die explodierenden Mieten in Berlin hinweisen. Der Bestand an landeseigenen Wohnungen soll in dieser Wahlperiode um 30.000 erhöht werden – das haben SPD und CDU verabredet.
✚ Lufthansa startet eine neue Billigflug-Offensive. Damit sollen RyanAir und Easyjet Kunden abgeworben werden. Lufthansa stockt die Beschäftigtenzahl in Berlin und Brandenburg um 500 auf 4000 auf.
✚ Der Parlamentspräsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland (SPD) äußerte heute persönliche Kritik am Palästinensertuch des Piraten-Abgeordneten Gerwald Claus-Brunner. Ihm gefalle es nicht, aber er sähe keine Möglichkeit, es durchzusetzen, ihm es vom Kopf zu nehmen, so der Parlamentspräsident. Die erste Kritik kam vergangenen Donnerstag von Charlotte Knobloch, der früheren Präsidentin des Zentralrats der Juden. Während ich ihre Kritik nachvollziehen kann (Beißreflex Juden-Palästinenser), ist für mich die Kritik von Wieland, besonders in seiner Funktion als Präsident, nicht nachvollziehbar. Denn ihm geht es um Gefallen, nicht um eine politische Botschaft. Muss einem die Kleidung des politischen Mitstreiters/Gegners gefallen? Für mich ist auch die uniforme Anzug-Riege der grauen Herren im Parlament eine Form eines überkommenenen Wertesystems, worüber auch Botschaften transportiert werden. Politisch gesehen finde ich es bedenklich, solche “persönlichen Meinungen” wie die von Wieland in der Presse zu verbreiten. Ziel kann nur eine Demontage sein, die jedoch auf persönlicher Ebene nicht auf’s politische Parkett gehört.
Hundreds – Wait For My Raccoon from Sinnbus on Vimeo.
Das Hamburger Geschwisterpaar Eva (*1981) und Philipp (*1975) Milner nennt ihr gemeinsames musikalisches Projekt Hundreds. Das selbstproduzierte Album (in Berlin mastered) wurde zwar schon im April 2011 herausgebracht, aber zwei Friedrichshainer Kreativagenturen (Sinnbus und skrotzki&kempf) haben mit den Milners ein spannendes und kreatives Video produziert bzw. vermarktet, was gerade zur aktuellen Tournee der beiden Musiker veröffentlich wurde. Zu sehen sind die beiden in Potsdam am 16.11.1011 im Nikolaisaal.
Wer psychodelisch anmutende, sphärische Musik mag, ist bei Hundreds gut aufgehoben, die gleitenden Klänge sind ideal zum Entspannen und Sinnieren, ohne in beliebige Supermarkt-Sound-Langweiligkeit abzudriften. Das aktuelle Video “Waiting for my racoon” ist ein richtiger Teaser: Jedes Stück ihres Albums ist ein kleines Kunstwerk voller musikalischer Dichte, verwobener Noten, die zwischen Distanz und Intimität switchen, ein Sounderlebnis, welches sich in der Phantasie des für Erlebnisse offenen Hörers einnistet und ihn einbindet in eine erzählte Geschichte, die sich kunstvoll mit eigenen Phantasien vermischt, mit strengen Soundbildern, die in björkianischen-überlagerten Gesängen und einem trockenen Bass sowie minimalistischem Schlagzeug fast etwas von einer betörenden Sirene hat.
Im Dezember wird ein neues Album mit Coverversionen herausgebracht.
Manchmal, in seltenen Augenblicken, wird mir die Abhängigkeit, in der wir alle uns befinden, ganz besonders bewusst. Eben war so ein Augenblick.
Ich war beim (gehassten) Sonntagsshopping. Gestern zu viel zu tun gehabt, nicht mehr nachts eingekauft, und gleich stehen Freunde vor der Tür, die im Gegensatz zu mir nicht so sehr auf vegetarische Hauptgerichte stehen.
Kurz vor Erreichen des Einkaufscenters fiel der Strom aus – alle Straßenlaternen dunkel. Kurz sah es hübsch aus, ich registrierte bewusster, wie viele Lichter in den großen alten Häusern brennen, in wie vielen errichteten Steinhöhlen wir mit Strom unseren Interessen nachgehen, kochen, Leselampe eingeschaltet, Computer an, Fernsehen schauen.
Doch dann gingen kurz auch die Lampen in den Häusern aus.
Im Einkaufstempel angekommen, wurden die Sicherheitskräfte dort gerade hektisch. Die Rolltreppen waren ausgefallen, Aufzüge steckengeblieben, die Drehtüren stockten, mit Einkaufstüten dickbepackte Menschen drängelten sich genervt, aber die schwere Tür blieb einfach stehen. In manchen Läden funktionierte offenbar die Notstromversorgung, bei anderen nicht. Zappenduster. Ratlose Verkäuferinnen, unsichere Verkäufer, die zum Sicherheitspersonal liefen.
Manche Kassen gaben kurzfristig ihren Dienst auf, das Licht fiel wenige Momente ganz aus, was wiederum einige Kunden spontan zum Entwenden von Artikeln nutzten. Noch mehr Hektik bei den wenigen Sicherheitskräften, die Polizei wurde angerufen, aber auch die Handynetzte funktionierten ein paar Minuten nicht. Kurz konnte ich die Orientierungslosigkeit mancher Menschen spüren, eine Art kollektiver Unsicherheitsschwingung übertrug sich auf die Anwesenden: Was mach’ ich jetzt, komm ich hier ‘raus? Gibt es Ärger?
Der Stromausfall selbst hat nur ein paar Minuten gedauert, aber lange dauerte es, bis wieder Normalität einkehrte: falsche Kassenbuchungen, abgebrochene Verkaufvorgänge, Umsatzausfall, Unsicherheit, Diebstahl, stehende Rolltreppen, Drehtüreingänge, die einfach nicht funktionieren wollten, weil ein Restart der gesamten Sicherheitstechnik erforderlich wurde. Gestresstes Personal, welches nach einem ohnehin anstrengenden Sonntagnachmittag den Feierabend nach hinten schieben musste, um für morgen wieder Normalität herzustellen.
Manchmal, in diesen seltenen Augenblicken, ist mir meine/unsere Abhängigkeit von Strom aus der Dose, Wasser aus der Leitung und Mobilfunk/Internet jederzeit unheimlich.