AutorInnenarchiv

Berliner Straßennamen zeigen Spuren aus vielen Kriegen

Bei Namen wie Gendarmenmarkt und Stauffenbergstraße ist es offensichtlich. Aber mit der Skalitzer Straße oder dem Hackeschen Markt verbinden vermutlich nur wenige Menschen einen Hinweis auf vergangene Kriege. Das Projekt Straßenkrieg des Künstlers Hans Hack zeigt diese Verbindungen sehr anschaulich. Überall in Berlin gibt es Straßen und Plätze, deren Namen auf Ereignisse, einzelne Personen oder auch eroberte und verlorene Gebiete seit der Varusschlacht 9 n.Chr. verweisen. 750 Straßennamen aus 40 Kriegen.

Ausschnitt aus "Kriegsspuren in Berliner Straßennamen"

Ausschnitt aus “Kriegsspuren in Berliner Straßennamen”

Wie wichtig ein Bewusstsein für das Thema ist, zeigen auch die schon seit Jahren zum Teil heftig geführten Diskussionen, um die Umbenennung von Straßen und Plätzen. Nur um ein – immer noch – aktuelles Beispiel herauszugreifen, sei der Streit um die kolonialen Namen im Wedding (Afrikanisches Viertel) genannt.

Die technische Umsetzung der Webanwendung zu den Kriegsspuren in Berliner Straßennamen von Dacosto ist auch ein anschauliches Beispiel für Datenjournalismus. Auf der Karte lässt sich mit Filterung nach Zeiträumen, einzelnen Kriegen und Kriterien wie Personen, Militärische Einheiten oder Kriegsschauplätze die große Datenmenge gut erschliessen und differenziert betrachten. Man merkt, dass einer der profiliertesten Datenjournalisten aus Berlin Lorenz Matzat an der Realisierung beteiligt war.

geBALLt gegen Armut

Fussball kann Türen öffnen.

Fußball kann Türen öffnen.

Fußball ist nicht nur eine schöne Nebensache für viele Menschen*, sondern auch ein globales Geschäft für wenige Menschen. Das Hochamt des globalen Kickens findet in diesem Sommer bekanntermaßen in Brasilien statt, also in einem sogenannten Schwellenland mit nach wie vor großer Armut trotz einiger staatlicher Anstrengung.

Wenn auch die materielle Absicherung in Deutschland nicht mit der in Brasilien vergleichbar ist, so ist auch hier – vor allem in Berlin – der Mangel an gesellschaftlicher Teilhabe für viele Menschen eine alltägliche Erfahrung. Besonders Kinder und Jugendliche spüren dies schmerzhaft, weil der Blick auf besser gestellte Gleichaltrigen die Einschränkungen deutlich macht.

Dort setzt die Idee von geBallt gegen Armut an, einem Projekt der sozialen Institutionen Gebewo, des Vereins Internationaler Bund und Gangway Berlin. Kern des Projektes ist ein Fussball-Camp und am 7. Juni 2014 ein Charity-Spiel mit ehemaligen Bundesligagrößen.

“Mit den Einnahmen von geBALLt gegen ARMUT fördern wir ein Projekt unseres Kooperationspartners nepia e.V. für Kinder aus sozial benachteiligten Familien. (mehr dazu)”

Wer das unterstützen möchte, kann Tickets für das Spiel kaufen und ehemalige Profis wie Pierre Littbarski, Ciriaco Sforza, Steffen Baumgart, Jens Nowotny, Andreas “Zecke” Neuendorf, Carsten Ramelow, Stefan “Paule” Beinlich und noch andere auf dem Rasen sehen.

* Der Autor zählt sich dazu.

Wenn der Iro im Pankow steht, lässt sich gut der Lack entfernen

Ladenfenster in Berlin

Ladenfenster in Berlin

Goldgruben?

Löcher im Bezirk Pankow

Löcher im Bezirk Pankow

In Pankow sind, zwischen der Wisbyer Str. und der Wichertstraße im April nicht etwa Schatzsucher mit Baustellenschildern marodierend umhergezogen, sondern – wie es im Mai jetzt nach und nach sichtbar wird – die Parkraumbewirtschafter des Bezirks waren aktiv, um die Zonen 44 und 45 einzurichten. Also doch eine Art Goldgrube? So einfach ist es offenbar nicht, denn das Land hat es auf die Einnahmen durch Bußgelder abgesehen. Dann wäre es für den Bezirk wohl ein Minusgeschäft.

Die Menge und das Meer aus kleinem Geld

Teilen. Gemeinsam. Paradigmen, die längst zu einem Mainstream angeschwollen sind. In unserer von prekären und gleichzeitig künstlerisch wertvollen Verhältnissen durchwobenen Stadt kann man das freigiebig Teilende und gemeinsam Erschaffende am eigenen Leib erleben, wenn man will. Gerade auch für die Netzbeheimateten – wie Sascha Lobo die netzaffinen Citoyen nennt – ist das ein systemimmanentes Verhalten. Teilen von und gemeinsames Erarbeiten von Inhalten. Nicht zuletzt ist dieses Blog, das Ergebnis einer Gruppe.

Es ist das eine, Bilder, Buchstaben und Beats kollaborativ zu schaffen und zu nutzen, und etwas anderes, Geld zu beschaffen. Aber Crowdfunding entspringt derselben Motivation. Und das Prinzip, wenn viele ein wenig geben, kann daraus etwas großes werden, erlebt derzeit einen ordentlichen Aufschwung. Und hier gilt wie überall: im Longtail ist für jeden was dabei, egal welches Thema mensch umschwärmen möchte. Theaterstücke, Kunstprojekte, Spende, Geschäftsideen und Produkte jeder Art.

Die Plattformen dafür sind auch im deutschsprachigen Raum inzwischen zahlreich. Auch regionale Plattformen entstehen. Für Berlin zum Beispiel Berlin Crowd. Geben und Nehmen. Für mein Invest bekomme ich im Erfolgsfall exklusiv das fertige Werk, ein Hauskonzert oder Anteile an einem StartUp.

In Sachen Musik ist Sellaband ein internationaler Platzhirsch. Hier kann man Musikern ein Konzert, eine Tournee oder eine Platte ermöglichen. Und weil wir derzeit alle etwas Wärmendes, Süßes und Farbiges gut gebrauchen können, steht der Song “Meer aus Farben” Berliner Band Berge nicht nur für eine erfolgreiche Kampagne mit der Masse, sondern auch für einen frühlingshaften Abschluss dieses Beitrags.

Leerstandsmelder – jetzt auch für Berlin

Logo vom Leerstandsmelder

Logo vom Leerstandsmelder

Viele Häuser, Ladenzeilen, Geschäfte oder andere Arten von Flächen stehen in den Städten dieser Republik dauerhaft oder temporär leer. Gleichzeitig gibt es Bedarf von Künstlern, Gewerbetreibenden (oder solchen, die es werden wollen) und Zwischennutzern aller Art, an günstige Räumlichkeiten heranzukommen. Um zumindest den Leerstand schon mal sichtbar zu machen, gibt es bereits seit einer Weile – ausgehend vom Hamburger Gängeviertel e.V. (um dass es auch Auseinandersetzungen gab) – ein Kartentool namens Leerstandsmelder, auf dem man Leerstände in verschiedenen Städten melden kann. So werden diese Freiräume sichtbar und finden vielleicht eine sinnvolle Nutzung. Seit April ist das auch für Berlin möglich. Falls Euch Flächen bekannt sind, wisst Ihr ja jetzt, wo ihr sie eintragen könnt.

Stoppt ACTA!

Berlin gegen ACTA

Berlin gegen ACTA

Wir hatten uns ja schon am 18. Januar 2012 zu SOPA und PIPA eindeutig positioniert und einen Tag lang ein schwarzes Bild gezeigt. Heute weisen wir auf die nächste tolle Abkürzung hin: ACTA, das Anti-Counterfeiting Trade Agreement. Die eine oder der andere hat vielleicht davon schon gehört oder engagiert sich bereits dagegen. Wer sich noch informieren möchte, warum dieses Abkommen undemokratisch entsteht, weitreichende Folgen für alle hat, jeden Internetnutzer angeht und es höchste Zeit zum Protest ist, dem seien folgende Links ans Herz gelegt:

  • Netzpolitik.org: “Ein kleiner Einstieg in ACTA” und weitere Artikel dort, die mit ACTA getagged sind.
  • Internet-Law: “Warum das Europaparlament ACTA die Zustimmung versagen sollte
  • SpOn: “Tschechien und Slowakei ratifizieren Acta vorerst nicht
  • Und weil es trotz der Minusgrade bestes Wetter für einen Protestmarsch ist, weisen wir auf die Demonstration STOPACTA an diesem Samstag, 13 Uhr, Neptunbrunnen am Alex hin. Die Demo ist Teil eines bundes-, europa- und weltweiten Aktionstages. In Polen hat der Protest schon länger die Straße und den vorläufigen Stop durch die Regierung erreicht. Auch im Rest von Europa rumort es.

    Pickelgesicht oder Bubble Tea?

    Bubble tea | Foto: flickr, oxborrow, cc by-sa 2.0

    Bubble tea | Foto: flickr, oxborrow, cc by-sa 2.0

    Berlin sieht in manchen Straßenzügen derzeit aus wie ein pubertierender Teenager. Wie Pickel aus der Gesichtshaut eines heranwachsenden Gesellschaftsmitgliedes zwischen 12 und 16 Jahren sprießen seit einigen Monaten bunt-und-munter so genannte Bubble Tea Shops aus den Ladenzeilen. Und ähnlich wie Pickelausdrücken lässt sich auch das Gefühl beschreiben, das sich im Mund verbreitet, wenn man das „besondere“ an diesem neuen Modegesöff am Gaumen zerquetscht. Ok, die Tapioka-Kugeln, die in der Tee-Frucht-Milch-Suppe schwimmen, sind nicht mit Eiter gefüllt, sondern bestehen im Wesentlichen aus Speisestärke, aber besser macht es das auch nicht. Nach Smoothies, Chai Coffee Latte, Weizenbier-Grapefruit und gefrorenem Joghurt wird der nächste globale Trend durchs Berliner Dorf getrieben.

    Klar, als Bewohner des preußischen Sandes sage ich mir, gemäß des dem großen Fritz (dessen bevorstehender 300. Geburtstag allenthalben medial gewürdigt wird) zugeschriebenen und immer wieder gern zitierten Ausspruches, jeder soll nach seiner Façon selig werden. Und zugegeben, meine Neugierde hat mich in den vergangenen Jahren auch immer mal wieder etwas austesten lassen – logischerweise auch das hier beschriebene Getränk, könnte ich mich doch sonst nicht drüber echauffieren -, dennoch wallt beim Erblicken eines jeden weiteren dieser Läden in mir der unwiderstehliche Drang auf, eine Flasche Clerasil zu exen.

    PS: Beim Kommentieren bitte den Blasentee-Witz weglassen, hab ich ja auch geschafft ;)

    Last-Minute-Geschenk (nicht nur) für Weddinger

    Weddinger Kunstkalender 2012

    Weddinger Kunstkalender 2012

    Wer noch ein Last-Minute-Weihnachtsgeschenk aus dem Wedding, für Weddinger oder für Kunstkalenderliebhaber sucht, dem sei der “Durch den Wedding – Kunstkalender 2012″ empfohlen. Gestaltet wurde der Kalender mit Zeichnungen vom Künstler Manfred Böhm. Herausgegeben wird der Kalender von der Initiative zur Gründung einer Bürgerstiftung im Wedding. Mit dem Kauf des Kalenders, der im Stadtteilladen in der Swinemünder Straße 64 – dem Sitz des Quartiersmanagement Brunnenviertel – erhältlich ist, soll auf die Gründungsinitiative und die banalen Schönheiten dieses Berliner Stadtteils aufmerksam gemacht werden.

    In Berlin gibt es bereits einige Bürgerstiftungen. So zum Beispiel in Lichtenberg, Steglitz-Zehlendorf, Neukölln, in Spandau die Bürgerstiftung Gutspark Neukladow sowie die “Bürgerstiftung Berlin”.
    Einen Einstieg in das Thema Bürgerstiftungen im Allgemeinen bietet Wikipedia.

    Wandernder Weihnachtskalender in Schöneweide

    Logo Wandernder Weihnachtskalender

    Vom 26. November an wandert ein “Weihnachtskalender” bis Heiligabend mit täglich neuen “offenen Türen” an einen anderen Ort in Schöneweide. Wer nur Orgelmusik und Plätzchenbacken vermutet liegt ziemlich daneben. Das Programm (PDF) reicht von einer Führung durch das ehemalige Rundfunk-Zentrum in der Nalepastraße über Techno Minimal im General Dealer Club und dem Blick in das Innere einer Bootswerft bis hin zu traurig aktuellen Veranstaltungen wie dem Infoabend “Die sanfte Seite? Mädchen und Frauen im Rechtsextremismus”.

    Um die A100 ging es nie

    Vorbemerkung: Der Autor ist Mitglied bei B90/Die Grünen. Dies sollte die kritische Leserschaft wissen, um den nachfolgenden Text einordnen zu können.

    Auch wenn die Hauptstadtmedien überwiegend etwas anderes kolportieren und interpretieren. Es ging Wowereit nie um die Autobahn, die Verlängerung der A100 ist ihm eigentlich scheißegal. Die Bundesmittel – ja, die haben ihn schon etwas interessiert. Im Wesentlichen aber geht es um ein egomanisches Machtspiel.

    Dieses Machtspiel hat zuerst die SPD zu spüren bekommen als der Regierende einen Parteitagsbeschluss zum Nicht-Weiterbau der A100 unter hohem Druck (mit heftigen Einzelgesprächen) und mit der Verknüpfung eines möglichen Rücktritts wieder umgebogen hat. Der neue Beschluss ist mit 5 Stimmen Mehrheit zustande gekommen und war mit allerlei weiteren Maßnahmen garniert (z. B. Ausweitung Tempo 30 auf Hauptstraßen (sic!))

    Das Spiel ging mit den Grünen weiter.

    In vier Sondierungsrunden wurde ein Kompromiss erarbeitet. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich beide Seiten kräftig bewegt, wenn man die komplett unvereinbaren Ausgangspositionen („Auf jeden Fall bauen wir“ vs. „Wir bauen auf keinen Fall“) zum Maßstab nimmt. Die Chance, wichtigere Fragen der Stadtpolitik im Sinne einer gedeihlichen Zukunft Berlins zu lösen, hätte nach den quälend langen Verhandlungen zur A 100 geboten, hier entschlossen zuzugreifen.

    Das Arbeitsprogramm einer rot-grünen Koalition für die nächste Legislaturperiode in Sachen A 100 hätte wörtlich wie folgt gelautet (und war Grundlage des Beschlusses beider Parteien, Koalitionsgespräche aufzunehmen!):

    „Das Projekt 16. Bauabschnitt der BAB 100 wird nicht grundsätzlich aufgegeben.

    Die Koalition setzt sich aktiv und ernsthaft dafür ein, dass die Umwidmung der Bundesmittel ermöglicht wird. Der Bau erfolgt nicht, wenn die investiven Bundesmittel in andere Infrastrukturmaßnahmen in Berlin umgewidmet werden können.

    Sollte sich eine Umwidmung der Bundesmittel auch nach Bewertung durch eine neue Bundesregierung nicht erreichen lassen, wird mit der Verlängerung der BAB 100 am Autobahndreieck Neukölln begonnen und diese an der Sonnenallee zum Abschluss gebracht.

    Für den Bundesverkehrswegeplan 2015 wird in zusätzliches Projekt angemeldet.“

    Damit hätte alle Seiten die nächsten fünf Jahre gut zu tun gehabt und gut leben können. Zum Beispiel hätte man sich zunächst bei der Bundesregierung dafür einsetzen müssen, dass überhaupt Geld für Berlin den Bundshaushalt eingestellt wird. Bis jetzt ist das ja nicht der Fall – weder für die A 100, geschweige für Ersatzmaßnahmen.

    Und als dieser Kompromiss in der ersten Stunde der Koalitionsverhandlungen noch mal durchgesprochen wird, sagt Wowereit plötzlich wörtlich „Für mich ist die Autobahn nicht verhandelbar“. Die SPD steht vom Tisch auf und erklärt die Gespräche für gescheitert. Soviel dazu, wer das Thema vor die Gesamtbelange der Stadt gestellt hat.

    Wowereit hätte auch ein anderes Thema gefunden, um es nicht mit den Grünen zu machen. Das Spiel gab es 2001 und 2006 mit unterschiedlichen Fehlern auf beiden Seiten. Aber 2011 den Grünen die Schuld geben zu wollen, ist nicht richtig.

    Berlin ein Potemkinsches Dorf – alles für den Papst?

    Nicht genug, dass zur Rede des Papstes im Deutschen Bundestag die leeren Sitze der aus Protest fernbleibenden Abgeordneten, mit ehemaligen Parlamentariern aufgefüllt werden. Aus Berlin wird auch in anderer Hinsicht mancherorts ein Potemkinsches Dorf gemacht. Der abgebildete Wandspruch der jahrelang unbehelligt an der Mauer der Katholischen Akademie – auch Sitzungsort der Katholischen Bischofskonferenz – (wo Bundeskanzlerin Merkel und “Seine Heiligkeit” morgen zu Besuch sein werden) prangte, wurde vor etwa drei Tagen mit weißer Farbe übertüncht. Nicht die gesamte Mauer. Nur dieser Spruch. (Kann es leider nicht fotografieren, denn die Polizisten, die dort seit heute patrouillieren, sind ein wenig nervös Update siehe unten). Sollen dem irdische Stellvertreter Gottes die “sündigen” Niederungen des sich weiter abwendenden West-Europas nicht gezeigt werden? Für wie blöd halten die Organisatoren den Papst eigentlich?

    Spruch auf Mauer der Katholischen Akademie Berlin

    Spruch auf Mauer der Katholischen Akademie Berlin | Foto:HSB

     

    Update: Hier die Mauer mit dem übermalten Spruch.

    Übermalter Spruch auf der Mauer der Katholischen Akademie

    Übermalter Spruch auf der Mauer der Katholischen Akademie

    Der Papst und die Gullis

    Versiegelte Gullis wegen des Papstbesuches

    Versiegelte Gullis wegen des Papstbesuches | Foto: HSB