Randnotiz von der Weserstraße

In den letzten drei Tagen mehrfach vom Hermannplatz die Weserstraße hinuntergeradelt. Die ersten Sommertage sozusagen, wie das so ist in Berlin. Frühling, Fehlanzeige. Immer ist es gleich sommerlich.

Vom Rad aus wieder einmal gesehen, zweimal in der Dämmerung, heute dann am Nachmittag, was sich da draußen tut. Was sich da draußen inzwischen offensichtlich stündlich tut. Jede Menge Menschen, auf den Bürgersteigen, den Radwegen, auch mitten auf der Straße. Viele neue Läden, kaum noch Leerstand, future bars, wie es vor einiger Zeit noch hieß. Dazu die ersten Läden, die vergleichsweise riesig sind, die satt durchrenoviert, von Grund auf durchkonzipiert fix und fertig auf einmal so dastehen. Aus dem Nichts. Weserstraße, that’s the place to be. Da macht man jetzt eine Filiale auf. To make money, make the most. Ja, es gibt die ersten Läden, die kommunizieren ihr Anliegen nur noch in Englisch an die Laufkundschaft.

Ich bin fassungslos. Ich gebe zu: Zum ersten Mal habe ich richtig Angst. Das könnte ein schlimmer Sommer werden, besonders nachts.

Literaturlegende Berlin

Berlin und die Literatur, das ist ein Ding für sich. Als ich vor über zehn Jahren hierherkam, war ich gespannt auf die vielgerühmten Möglichkeiten, die Lesebühnen und Poetry Slams, all das. Außerdem die vielen Verlage, darunter mein Verlag, die Agenturen natürlich und all die lebenden Literaten, die man unterwegs irgendwo trifft. Toll! Und dann?

Das Ding mit der Berliner Literatur liegt schräg und bleibt schräg, von wo aus man es auch betrachtet. Wuppertal oder Neukölln, Provinz oder Weltkreativdrecksstadt Berlin, das ist ziemlich egal.

Insgesamt war ich auf keiner einzigen Slam-Veranstaltung, aber das war klar. Ich mochte das nie, diesen inszenierten Wettbewerb. Ich war aber auch nur zwei- oder dreimal als Zuhörerin bei Lesebühnen und ein einziges Mal stand ich als Gast auf der Bühne. Das war eine tolle Erfahrung, aber das war’s dann auch. Ich eigne mich nur wenig als Gagschreiberin. Punkt! So ähnlich sieht das auch Sarah Schmidt, eine Lesebühnenlegende, wie ich heute lesen durfte.

Das Schönste waren sicherlich die Bloglesungen, die es vor ein paar Jahren immer wieder Mal gab. Denen trauere ich ein wenig nach. Da war ich gerne, egal in welcher Position. Aber damit war es dann, spätestens mit der ersten Twitterlesung, auch vorbei. Schade eigentlich.

Auf ein Neues

Hier ist zwischen den Jahren ein bisschen was kaputt gegangen, doch jetzt sind wir wieder da. Mal sehen, was wir daraus machen. Aber erst nächstes Jahr, versprochen.

Wir wünschen einen guten Rutsch heute Nacht.

Einstürzende Schulbauten in Berlin

Advent, Zeit der täglichen Türchen. Blogs spielen dieses Spiel gern mit, mal mehr und mal weniger elegant. Auch wir vom HSB haben das vor einigen Jahren einmal gemacht, mit unserem Bloxikon. Gefällt mir noch heute sehr gut.

Das aktuelle Türenspielchen, das ich soeben entdeckt habe, topt das aber um Längen. Es handelt sich um eine launige Zusammenstellung von einstürzenden Berliner Schulgebäuden, ebenso erschreckend wie makaber. Schöne Bilder auch.

Zum Auftakt heißt es dort Ende November:

Der Sanierungsrückstau an Berliner Schulen ist weitaus größer als bisher vermutet. Über zwei Milliarden Euro müsste das Land Berlin aufbringen um die Schulgebäude instand zu setzen. Das ging unlängst aus der Beantwortung einer kleinen Anfrage im Abgeordnetenhaus hervor.

Die Zustände, unter denen unsere Kinder lernen müssen, sind ein Skandal!

Ich bin gespannt und werde ab heute sicher täglich die Klinke bedienen.

Die Zeit hat Zähne

So heißt es doch, wenn die Dinge sich nach und nach verändern. Üblicherweise gilt das für einen langsamen Verfall, der sich unmöglich aufhalten lässt. Von Berlin jedoch gibt es immer wieder Bilderserien, in denen das genaue Gegenteil dargestellt ist. Da werden die Zähne auch mal gemacht, von der Zeit sozusagen. Besonders ergiebig ist das für die letzten 20 bis 25 Jahre, allerdings ist das auch nicht allzu schwer.

Oft weiß ich nicht genau, was ich davon halten soll. Von besonderer Bedeutung sind diese Bilder natürlich für diejenigen, die dabei gewesen sind. Damals, weißt du noch?! Das kann ich verstehen, doch selbst finde ich oft nicht viel darin. Ich fliege auf alte Aufnahmen aus der Gegend, die für mich ein »Damals« beinhaltet. Logisch.

Ganz interessant ist aber das, was ich heute gefunden habe. Im Grunde ist es wohl ein Hinweis auf ein Buch, »Berlin Wonderland – Wild Years Revisited«. Auch das könnte interessant sein, aber eigentlich witzig ist, was auf dieser BuzzFeed-Seite daraus gemacht wird. Tipp: Mit der Maus wischen bitte. Macht Spaß.

S-Bahn-Streik ab 14 Uhr

Jedes Jahr dasselbe, so scheint es mir. Die, mit dem Traumberuf vieler junger Menschen, streiken mal wieder. Die LokführerInnen meine ich, nicht die Feuerwehrmänner und -frauen. Das heißt also: Auch die Berliner S-Bahnen stehen still, morgen ab 14 Uhr bis vermutlich Donnerstag Nacht um 4 Uhr. Und auch danach wird es noch eine Weile einigermaßen zäh laufen.

Mehr kann man auf der Seite des rbb nachlesen.

Ich wünsche also fröhliches Staustehen morgen. Obwohl mein Tipp ja ist, in Zweifel lieber das Fahrrad zu nehmen. Das Wetter wird einigermaßen, Regen steht vermutlich nicht auf dem Programm. Gute Fahrt.