Risse im Beton

Es bröckelt im Stelenfeld, dem Mahnmal, Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Das ging in den letzten Tagen durch die Presse, natürlich nicht zum ersten Mal. Felix Schwenzel hat sich das Mal mal angesehen und in seinem Blog mit dem Hund zusammengefasst:

deshalb finde ich, dass man das stelenfeld — oder zumindest den beton — seinem schicksal überlassen sollte. ich finde die intakten stelen zwar auch wunderschön, die scharfen kanten, die glatte oberfläche, aber genauso schön finde ich die risse.

Natürlich steht da noch mehr, mit vielen weiterführenden Links, also weiterlesen bitte.

Es ist genug! – Demo gegen Homophobie

Kommenden Samstag um 11 Uhr am Wittenbergplatz treffen und dann über den Potsdamer Platz rüber zum Alex laufen. Das ist angesagt, es ist mehr als angesagt!

Stop Homophobia!

Unnötig, aus meiner Sicht, hier noch einmal aufzuzählen, warum. Das steht alles hinter dem Link, der auf dem Banner liegt. Ich werde dort sein, nicht um sichtbar zu sein. Das bin ich ohnehin. Ich werde dort sein, um zu sein.

Wer noch? (Meine lieben heterosexuellen Freundinnen und Freunde! Wie wär’s?!)

Berliner Identitäten – Zwischen Graswurzel und Elfenbein

In Berlin zu wohnen ist mir mittlerweile manchmal nicht viel anders, als in irgendeiner Kleinstadt zu sein. Wenn zu viel ansteht, beruflich oder privat, dann sehe ich nur wenige, ausgewählte Menschen und nehme über das Internet hinaus am kulturellen Leben nicht teil.

Dann wieder kommen Wochen, wie die letzte Woche eine war. Erst zur re:publica, dem wilden Treffen diverser Internetmenschen mit den unterschiedlichsten Internetthemen auf dem Herzen, den Lippen und Podien. Seit Jahren bereits eine feste Größe, um deretwillen ich froh bin, in Berlin zu sein. Anreise und Aufenthalt extra für diesen Event könnte und würde ich mir, wie manche andere auch, wie ich von vielen Seiten höre, wohl nicht erlauben.

rp14So aber radle ich los, bin ich zwanzig Minuten dort, um ganz real zwischen tausenden von Menschen umherzulaufen, um in Talks und Workshops einzutauchen, hinaus- und wieder hineinzuschwimmen in Begegnungen, in Wiedersehen und immer wieder auch in frisches persönliches Kennenlernen. So geht das. So sieht es aus, für mich. Und für andere mag es dort ganz anders zugehen. Das ist sehr erfreulich, sehr belebend.

Am Donnerstag dann stand ein ganz anderes Kaliber auf dem Programm, die Europäische Schriftstellerkonferenz 2014 mit dem beinah erschreckenden Untertitel TraumWirklichkeit. So recht wusste ich zunächst nicht, wo ich dort gelandet bin. Und wie überhaupt, wie konnte das passieren. Unmittelbar nach der Betonbodenschlurferei, der Graswurzelei im Stadion in diesem Elfenbeinatrium der Deutschen Bank zu landen, plötzlich zwischen Bundesaußenminister samt entsprechendem Presseauflauf und Autorenprominenz, sofern es das gibt, zu sitzen. (By the way: Es waren durchaus auch Schriftstellerinnen und Autorinnen anwesend.)

Eine andere Welt.
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Nazifrei

Seit Tagen nun schon diese Hubschraubergeräusche in der Luft über Neukölln. Was ist das nur, denke ich. Und denke an den 1. Mai, zu dem es doch noch ein paar Tage hin ist. Das Netz hilft mir auf die Sprünge, wie so oft. Zumindest eine Vermutung habe ich nun. Morgen nämlich ist BERLIN NAZIFREI.

Eigentlich gilt natürlich gerade das nicht, da die NPD ihre Gefolgschaft zum Marschieren gerufen hat, morgen und am 1. Mai. Mich graust es, bei der Vorstellung, was da wieder für ein dummes Spiel abgehen könnte. Blockaden, die als gewalttätig eingestuft werden, und eine Polizei, die auf die falschen losgeht, um die rechten zu schützen. Oder so ähnlich.

Dennoch: Nazifrei muss sein!

[Mehr Info für morgen für alle, die mitblockieren wollen und können. Ich kann sowas leider nicht.]

Stolpersteine in Berlin

Sie sind überall in Berlin, und es ist so gut wie unmöglich, nicht irgendwann über sie zu stolpern. Denn dazu sind sie schließlich da, diese kleinen Denkmäler auf Gehweglevel: die Stolpersteine.

Zwei "Stolpersteine" in der Gubener Strasse in Friedrichshain
Zwei “Stolpersteine” in der Gubener Strasse in Friedrichshain – Foto: h|b

Meist stößt man zufällig auf sie, tritt fast hin, tritt dann daneben und schaut. Liest die knappe Botschaft. Was von einem Menschen bleibt. Wie wenig mitunter.

Wer gezielt danach suchen möchte, kann in einem Wiki nachsehen, wo die Berliner Stolpersteine verzeichnet sind. Auf der Hamburger Stolpersteinseite habe ich übrigens eine Putzanleitung gefunden. Keine schlechte Idee, wo doch gerade der Frühling beginnt.

Morgen 13 Uhr am Alex: Freiheit statt Angst in Berlin

Freiheit statt Angst 2013Treffpunkt für die diesjährige Demonstration „Freiheit statt Angst 2013“: Samstag, 7. September um 13.00 Uhr Alexanderplatz/Karl-Marx-Allee, die Route kann man im Blog der Veranstaltung einsehen.

So richtig habe ich die Parole noch nie verstanden: Freiheit statt Angst? Das scheint mir nicht richtig, greift mir zu kurz, ist mir zu platt. Das könnte man besser formulieren, aber egal. Dennoch war ich in den letzten Jahren vor Ort, denn die Themen Vorratsdatenspeicherung, Datensicherheit, ausufernde Überwachung usw. sind wichtig. Wichtiger denn je, besonders in diesem Jahr, ganz ohne Zweifel. Das zeigt auch das aktuelle breite Bündnis aus diversen Organisationen, Verbänden und Parteien, sowie vielen Helfern und Einzelunterstützern.

Also: Bis morgen dann!

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Echt Berlin

Berlin zu verlassen, ist immer wieder mal eine gute Idee. Nicht nur, weil die unwidersprochene Berliner Weite permanent Anwesenden nach ein paar Jahren urplötzlich ungeheuer eng vorkommen kann. Ebenso wie der Lärm und die Luft, im Grunde ja durchaus erträglich, mitunter ins Unermessliche wachsen. Nein, auch das Zurückkommen von klaren österreichischen Seen, aus den Wäldern Schwedens, selbst ganz harmlos von einem Kurztrip der Ostsee, hat sein eigenes Flair.

Der motzende – oder vielleicht doch scherzende? – Busfahrer in Tegel, der Geruch der U-Bahn-Stationen, die Farben und Geräusche auf der Fahrt. Das Rumpeln, die vertraute Ansagenstimme. Ein Straßenmusiker, der offensichtlich Feierabend macht und keine U-Bahnmusik mehr. Was bin ich froh, nach zwölf Stunden Weg und Warten auf europäischen Flughäfen. Ich will keine Zwangsmusik.

Der Musiker, der sich mit seiner Musikmaschine, auf einem Einkaufstrolli installiert, raumgreifend an einer älteren Berlinerin vorbeidrängelt. Mehr als raumgreifend, eigentlich ziemlich rücksichtslos, stellt er sein Equipment quasi auf ihren Füßen ab.

Die aber wehrt sich, wie echte Berlinerinnen, gleich welchen Alters,  das machen. „Ich bin doch auch auf der Welt“, stellt sie zutreffend fest. Und wiederholt das dann. Immer wieder, bis der Musiker sich fügt.