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Sommernächte in Berlin

Ich muss schon sagen, da fallen Worte, Töne und Schwachsinn aus den Mäulern der Menschen. Auf allen verfügbaren Seiten, mal mehr und mal weniger. Du liebe Zeit. Und das sage ich, die ich als Weserstraßenanwohnerin zunehmend selbst betroffen bin.

Himmel, wirf Hirn! Ob das aber noch hilft?

Echt Berlin

Berlin zu verlassen, ist immer wieder mal eine gute Idee. Nicht nur, weil die unwidersprochene Berliner Weite permanent Anwesenden nach ein paar Jahren urplötzlich ungeheuer eng vorkommen kann. Ebenso wie der Lärm und die Luft, im Grunde ja durchaus erträglich, mitunter ins Unermessliche wachsen. Nein, auch das Zurückkommen von klaren österreichischen Seen, aus den Wäldern Schwedens, selbst ganz harmlos von einem Kurztrip der Ostsee, hat sein eigenes Flair.

Der motzende – oder vielleicht doch scherzende? – Busfahrer in Tegel, der Geruch der U-Bahn-Stationen, die Farben und Geräusche auf der Fahrt. Das Rumpeln, die vertraute Ansagenstimme. Ein Straßenmusiker, der offensichtlich Feierabend macht und keine U-Bahnmusik mehr. Was bin ich froh, nach zwölf Stunden Weg und Warten auf europäischen Flughäfen. Ich will keine Zwangsmusik.

Der Musiker, der sich mit seiner Musikmaschine, auf einem Einkaufstrolli installiert, raumgreifend an einer älteren Berlinerin vorbeidrängelt. Mehr als raumgreifend, eigentlich ziemlich rücksichtslos, stellt er sein Equipment quasi auf ihren Füßen ab.

Die aber wehrt sich, wie echte Berlinerinnen, gleich welchen Alters,  das machen. „Ich bin doch auch auf der Welt“, stellt sie zutreffend fest. Und wiederholt das dann. Immer wieder, bis der Musiker sich fügt.

Berliner Perspektive

Foto: HSBengl

Foto: HSBengl

Schreiben, Lesen und Kämpfen

So etwas passiert, wenn alte Internetesel wie ich sich vergoogeln. Eigentlich wollte ich gestern Mittag nur etwas über einen mir bislang unbekannten Schriftsteller herausbekommen, von dem ich kurz zuvor ein kleines bisschen Quatsch über #aufschrei gelesen hatte. Dabei übersah ich, dass Google artig, wie zuvor aus anderem Grund vorgegeben, lediglich die News auswarf. Genau gesagt, ganze zwei News. Eine davon enthielt die Information auf die aktuellen Berliner Festivitäten zum 150-jährigen Bestehen der SPD sowie einen Hinweis auf eine Lesung aus dem Band „Schriftsteller gratulieren der SPD zum 150. Geburtstag“. Eine mittelmächtig gruselige Vorstellung.

Rote Erde! Foto: HSBengl

Rote Erde! Foto: HSBengl

Als tiefe Verehrerin des Prinzips Zufall und darüber hinaus nicht unbedingt feige, was literarischen Grusel angeht, befinde ich mich kurz danach unvermittelt mitten auf einem mit rotem Teppich unterlegten Deutschlandfest. Kann passieren. Und die SPD ist womöglich ja auch gar nicht so verkehrt, zumal ich als Ruhrpottgöre einen nicht unerheblichen persönlichen Bezug zur ihr haben könnte. Das rede ich mir fleißig ein, als ich zwischen den Bühnen hin- und herwandere, sämtliche Unterschriftslisten mehr oder weniger höflich abwehre, die mir eifrig vorgehalten werden, und zuletzt bei den poetischen Appellen von Konstantin Wecker hängenbleibe. (Beinah hätte ich Hannes Wader geschrieben, aber so alt ist die Liebe dann doch noch nicht.) Wut und Zärtlichkeit, jaja. Wie in den 80ern.

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Neuköllner Gesellen

Gleich und Gleich

Gleich und Gleich, wie man sieht.

Flussfund?

Flussfund?

Was ist das denn?

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Queeres Berlin im Sommer 2013: Dyke* March, CSDs und QueerTango-Festival

Am letzten Wochenende fand das Lesbisch-schwule Stadtfest um den Nollendorfplatz statt. Bekannt ist diese queere Institution, die es bereits seit 1993 gibt, auch als Motzstraßenfest. Ich selbst sage ja seit einiger Zeit eher Motzmesse dazu, was möglicherweise ein klein wenig gemein ist. Die Live-Musik dort höre ich dennoch ganz gern, deshalb war ich tatsächlich, nach ein paar Jahren Abstinenz, diesmal wieder kurz vor Ort. Und zwar deshalb:

Am kommenden Wochenende finden dann die CSDs statt, der „große CSD“ und natürlich auch der „kleine CSD“. Hervorragend zusammengefasst werden beide im Terminkalender von xhain.info. Und morgen schon marschieren die Dyke*s für mehr Sichtbarkeit durch Berlin, zum ersten Mal, soweit ich weiß. Keine schlechte Idee!

Diese Marschiererei ist allerdings nicht (mehr) so mein Ding, neuerdings bin ich mehr fürs Tanzen. Das geht im kommenden Monat los, beim QueerTango-Festival mit höchst internationaler Beteiligung, das in diesem Jahr zum 3. Mal stattfindet. So sah es dort im letzten Jahr aus:

Sommeranfang mit Musique

Am kommenden Freitag, den 21. Juni, dem längsten Tag des Jahres, findet in Berlin, wie mittlerweile seit neunzehn Jahren schon, die Fête de la Musique statt. Was das ist? Kurz gesagt: Musik für umsonst, verteilt in der ganzen Stadt. Viel, viel mehr kann man auf der Webseite des Musikfestes nachlesen. Oder einfach schnell mal dieses Video anschauen:

Ach: Und eine App gibt es natürlich auch. Werd ich gleich mal ausprobieren.

Obama wird Berliner

Nächste Woche ist es soweit, am 18. oder vielleicht schnell noch am 19. Juni darf Mr. Obama versuchen, den berühmten Kennedy-Satz zu toppen. Frau und Kinder sind auch mit dabei, so liest man in der Morgenpost.

Berlin in den ersten Hochsommertagen mit Spitzentemperaturen, na, das wird fein. Interessant auch, wieder einmal, die Vorbereitungen auf die Politshow, die die Berliner Zeitung zusammengefasst hat. Absolute Sicherheit, so lautet die Vorgabe. Wie auch sonst, kann man ja verstehen. Dabei geht es also um Gullies und Mülltonnen, Kräne und Taucher und um Anwohner, die die Fenster gefälligst geschlossen zu halten haben. Bei dem Wetter!

Ich wünsche guten Aufenhalt und bestes Gelingen. Und bin vor allem gespannt auf den Satz.

Viel Himmel über Tempelhof

Tempelhofer Himmel

Der Himmel ist gerade mächtig groß über Berlin, das wurde aber auch Zeit. Auf dem Tempelhofer Feld gibt es besonders viel davon. Viel Himmel, beinah soviel wie am Meer.

Sieht es dort nicht mitunter tatsächlich so aus, als befände man sich irgendwo in den Dünen? Verbotenerweise. Und gleich dahinter das große Rauschen? Da kann man wohl mal in die Knie gehen und sich platt auf die Seite legen. Oder? Warum denn eigentlich nicht?

Tempelhofer Düne

Verfassungsschutzbericht 2012 veröffentlicht

Gestern hat der Berliner Senat den Verfassungsschutzbericht 2012 veröffentlicht. Dieser kann in vollem Umfang, das sind 140 Seiten, eingesehen werden. Viel Freude bei der Lektüre.

Die fahren U-Bahn

Jörg und Maike tun das in ein paar Tagen, mit der U-Bahn fahren und nichts sonst. Also die ganze Strecke, das komplette Netz, an einem Tag, in einem durch. Oder so ähnlich.

Nun ist es soweit. Wir setzen das Projekt in die Praxis um und stellen der mathematischen Theorie den erfahrenen Beweis zur Seite: Am 13. April starten wir morgens gegen 9:00 Uhr am Alexanderplatz und fahren einmal das komplette Berliner U-Bahn-Netz rauf und runter. Wir sind gespannt, wie lange wir brauchen und ob wir das wirklich in zwölf Stunden schaffen. Wir werden Berlin von unten erkunden. An Orte kommen, wo wir nach fünf beziehungsweise zehn Jahren Berlinbewohnen noch nie waren. Alte Strecken erinnern. Umsteigen. Auf Züge warten. Reden. Spaß haben. Und vor allem beobachten. (mehr bei kleinerdrei)

Natürlich tun sie mehr als nur vor sich hin fahren, klar. Beobachten wollen sie, dem U-Bahn-Alltag Stichproben entnehmen und selbstverständlich davon berichten. Zunächst live via Twitter unter dem hashtag #ubahn, wer mag also bitte vormerken und mitspielen. Alles weiter wird sich dann zeigen.

Ich bin amüsiert. Und gespannt, was dabei herauskommt.

Winter in Tempelhof