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Die fahren U-Bahn

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Jörg und Maike tun das in ein paar Tagen, mit der U-Bahn fahren und nichts sonst. Also die ganze Strecke, das komplette Netz, an einem Tag, in einem durch. Oder so ähnlich.

Nun ist es soweit. Wir setzen das Projekt in die Praxis um und stellen der mathematischen Theorie den erfahrenen Beweis zur Seite: Am 13. April starten wir morgens gegen 9:00 Uhr am Alexanderplatz und fahren einmal das komplette Berliner U-Bahn-Netz rauf und runter. Wir sind gespannt, wie lange wir brauchen und ob wir das wirklich in zwölf Stunden schaffen. Wir werden Berlin von unten erkunden. An Orte kommen, wo wir nach fünf beziehungsweise zehn Jahren Berlinbewohnen noch nie waren. Alte Strecken erinnern. Umsteigen. Auf Züge warten. Reden. Spaß haben. Und vor allem beobachten. (mehr bei kleinerdrei)

Natürlich tun sie mehr als nur vor sich hin fahren, klar. Beobachten wollen sie, dem U-Bahn-Alltag Stichproben entnehmen und selbstverständlich davon berichten. Zunächst live via Twitter unter dem hashtag #ubahn, wer mag also bitte vormerken und mitspielen. Alles weiter wird sich dann zeigen.

Ich bin amüsiert. Und gespannt, was dabei herauskommt.

Winter in Tempelhof

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Sonne im Kiez

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Gestern war ein strahlender Tag. Am Morgen schon piepten die Vögel, und der Frühling lag nicht nur in der Luft. Er lag auf der Haut, auf der Netzhaut sogar.  Da draußen ist Berlin und wartet. Im Winter, im monatelangen Kälteschlaf vergesse ich das leider, immer wieder. Im Winter macht Berlin auch keinen Spaß, da ist es einfach nur kalt und voll hier.  All die Menschen, die sich über die überbreiten Bürgersteige zwingen und zwängen, man glaubt es kaum.  An strategischen Engpässen navigiert man sich besser sorgsam durch die Massen, mit Schulterblick bei Überhohlmanövern. Hier in Neukölln zumindest ist das so.

Beim Kaffee lese über Gentrifizierung in Neukölln und die Weserstraße, die mittlerweile von Barcelona bis nach New York ein berühmtes Partyareal sein soll. Das Übliche, man kann es mittlerweile überall finden, in Blogs und Zeitungen, bald wird es die Lifestylemagazine und das Hochglanz-TV erreichen. Wenn das nicht schon längst geschehen ist. Das Fazit: Alles wird teurer, nichts ist mehr schön, wir vertreiben uns selbst, vielleicht aber auch (doch noch) nicht.

Dann gehe ich hinunter auf eben diese Weserstraße, um meinem Motorrad die Batterie zu entnehmen. Es ist Frühling, bald geht es wieder los, und ich will bereit sein. Beim Schrauben mache ich eine ganz eigenartige Alltagserfahrung in Sachen Postgender und lerne: Ich bin ein Mensch, das ist genug. Auch das gehört dazu, zum Berliner Spießertum, zur Weltoffenheit, zur heimischen Multikulti. Das gehört hierher, die ureigene, allein seligmachende Façon.

Auf dem Weg zum Friseur, die Weserstraße hoch, fast bis zum Hermannplatz,  sehe ich zum ersten Mal einen Postkartenständer draußen stehen. Dahinter ein Laden wie in Friedrichshain, Schnickes, Schnackes und Souvenirs. Drei Schritte weiter ein türkischer Späti mit Billardtisch im Hinterzimmer. Frisch eröffnet, den halben Winter wurde dort von Grund auf renoviert. Ein paar Straßen weiter steht jemand in einem Hauseingang und macht Fotos mit einem Apfeltelefon. Vermutlich von einem dieser langsam verfallenden Kleingärten, die  alle paar Meter rund um einen Straßenbaum angelegt werden. Etwas anderes, auch nur halbwegs fotogenes kann ich jedenfalls nicht erkennen. Aber schräg gegenüber steht ein Lokal leer, davor ein Pärchen. What’s that, fragt er. A future bar, antwortet sie. Und wir lachen, alle drei.

Um die Ecke sitzt mein türkischer Friseur auf der Bank vor dem Laden und erwartet mich bereits. Nein, eigentlich telefoniert er und reicht mir nebenbei kurz die Hand. Aber ich bin termingerecht für drei Uhr eingetragen, nur meinen Namen hat man in der letzten Woche am Telefon offensichtlich nicht richtig mitbekommen. Sonne, steht da. Nicht Susanne.

Ich bin also Sonne. Sonne um drei. Und ein Mensch in Neukölln.

Muss die Mauer weg?

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Aus aktuellem Anlass eine schon ein wenig ältere Mauerspazierfahrt mit Musik. (via Kommentator Brumms leider kommerzielle Seite, deshalb gelöscht, sorry.)

Berlinale vergessen

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So geht es mir oft. Ich lebe in Berlin, seit über acht Jahren, die Hauptstadt liegt mir quasi zu Füßen. Nun ja, auf jeden Fall ist sie da draußen, irgendwo, ohne jeden Zweifel. Und mit ihr die Konzerte, Museen und Theaterpremieren. Die großen Events und die kleinen Mucken, die vielen Dinge, die man mal gesehen haben sollte. Unbedingt. Und ich verpasse es, ich verpasse soviel. Ich verpasse im Grunde alles. Außer die eine oder andere Literaturveranstaltung, immerhin.

Die Berlinale zum Beispiel. Sie war da, da bin ich sicher. Sie war bestimmt nicht weit, aber ehe ich mich aufraffen konnte, was sie auch schon wieder vorbei. Morgen gibt es nämlich schon die Oscars, sehe ich gerade. Verdammt!

Deshalb lese ich jetzt schnell bei Maike nach, denn die war, das habe ich bei Twitter mitgekriegt, intensiv mit dabei und hat in ihrem Blog beim Meinungsmedium (soso!) der freitag auch fleißig darüber geschrieben: Prolog, Entschleunigung, Porno, Verwechslungsgefahr, Schlafes Schwester, Hey Jude und Love Zombie.

Puh. Ich glaub, Berlinale ist anstrengend.

Zwangsräumung heute morgen in Kreuzberg

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Kurzer, sehenswerter Bericht über eine womöglich ein ganz klein wenig überzogene Aktion.

One Billion Rising in Berlin

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Morgen wird auf dem Pariser Platz getanzt, und ich bin leider nicht dabei, weil ich Trottel genau zu dem Zeitpunkt einen beruflichen Termin vereinbart habe. Deshalb tanze ich jetzt hier, auf und ab und hin und her am Schreibtisch, damit möglichst viele andere, die zufällig Zeit haben oder von vorn herein besser geplant haben, es nicht verpassen.

One Billion Rising operiert weltweit und will nichts anderes als die Welt verändern:

Am 14. Februar 2013 läd der V-Day eine Milliarde Frauen dazu ein, raus zu gehen, zu tanzen und sich zu erheben, um das Ende dieser Gewalt zu fordern. Eine Milliarde Frauen – und Männer – überall auf der Welt. Wir zeigen der Welt unsere kollektive Stärke und unsere globale Solidarität über alle Grenzen hinweg. Zeig auch Du der Welt am 14. Februar 2013, wie EINE MILLIARDE aussieht. Am 14. Februar sieht sie aus wie eine REVOLUTION.

Auch Deutschland und Berlin ist vielfältig mit dabei und ganz besonders eben tanzend auf dem Pariser Platz:

Am 14. Februar 2013 um 17.30 Uhr versammeln sich im Rahmen der weltweiten Aktion One Billion Rising auf dem Pariser Platz Menschen, die gegen Gewalt an Mädchen und Frauen demonstrieren wollen. Schirmherrin der Demonstration gegen Gewalt ist die Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, Dilek Kolat.

Ich wünsche viel Erfolg, viel Spaß, und ich bin im Herzen mit dabei. Auf jeden Fall.

Wodkawege

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Es ist ein absolut gängiges Berliner Accessoire und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit: Das Bier für den Weg, das so genannte Wegbier. Wirklich, ich würde es vermissen, säße nicht in jeder S- oder U-Bahn, in der ich ein paar Stationen mitfahre, ein Mensch mit einer Bierflasche in der Hand oder am Hals. Das gehört einfach dazu. Das sind mal fröhliche, mal deprimierte, manchmal auch lästige Mitmenschen, die sich eine kleine Freiheit im Leben gönnen.

Gestern allerdings durfte ich einen jungen Mann beobachten, der mit einer großen Flasche Wegwodka in der Ringbahn unterwegs war. Das war Mal etwas Neues, etwas Besonderes, zumindest am frühen Nachmittag. Und daraus entstand eine wunderschöne, hingebungsvolle Szene mit dem typischen Berliner Charme.

Der Mann ging sehr ruhig und bedacht vor, penibel tupfte er beispielsweise die Flasche mit einem Papiertaschentuch ab, als ihm ein paar Tropfen daneben gegangen waren. Ebenso tat er es mit dem Sitz, auf dem er die Flasche zu diesem Zweck kurz abgesetzt und einen Wodkaring hinterlassen hatte. Alle Bewegungen führte der Mann sehr langsam und mit nur einer Hand aus, denn die andere war in einem Gipsverband ruhig gestellt. Ebenso gründlich und langsam sah er zwischendurch um sich, mit offenen Augen und Ohren. Diese Schlichtheit und Ruhe, ist das der Unterschied zwischen Bier und Wodka?

Um diesen traurigen Trinker herum saßen und standen die anderen Menschen, sie lasen, hörten Musik oder telefonierten. Wie das so ist, wie immer. In Berlin.

Ein Lied in Berlin

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Heute 16 Uhr – Lärmdemo für ein soziales Berlin

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Gerade erst erfahren, deshalb nur kurz ein Hinweis per copy&paste:

Kotti & Co ruft alle Freunde und Freundinnen, Kolleginnen und Kollegen, alle Menschen, die uns bisher unterstützt haben und alle, für die Wohnungen keine Ware sind, auf zur Lärmdemo XL am Samstag, dem 10.11.2012 um 16:00 zum Kottbusser Tor zu kommen. (weiterlesen)

Grundsatzdiskussion am Rand des Refugee Camps am Pariser Platz

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Flüchtlinge protestieren und frieren am Pariser Platz

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Im September machten sich Flüchtlinge und Asylanten von Würzburg aus zu Fuß auf den Marsch nach Berlin, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen und eine menschenwürdige Behandlung einzuklagen. Gefordert werden u. a. ein legaler Aufenthalt, einen legalen Zugang zum Arbeitsmarkt und die Abschaffung der Sammelunterkünfte sowie der Residenzpflicht für Asylbewerber. Dem wäre noch einiges hinzuzufügen, etwa die bestehende Abschiebepraxis.

Inzwischen kampieren sie auf dem Parier Platz und frieren und hungern für ihr Anliegen. Was in den Sozialen Netzwerken seit Tagen, wenn nicht seit Wochen ein Thema ist, erreicht nun auch – endlich – die Printmedien. Gestern berichtete die Berliner Zeitung:

Trotz eisiger Temperaturen protestieren Flüchtlinge weiter Tag und Nacht vor dem Brandenburger Tor gegen die deutsche Asylpolitik. Wärmende Decken, Isomatten, Wärmflaschen und Regenschirme mussten die etwa 14 Demonstranten jedoch auch in der Nacht zu Sonntag wieder abgeben. Polizisten beschlagnahmten die wärmenden und schützenden Utensilien. Ans Aufgeben denken die Demonstranten, die am Mittwoch in einen Hungerstreik getreten waren, nicht. „Wir bleiben, bis die Politiker unsere Situation verbessern“, sagte ein Sprecher der Gruppe am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa.

Heute steigt aus Spon ein und vergisst dabei auch „das Netz“ nicht:

Im Netz wird die Aktion – und vor allem die Reaktion der deutschen Behörden darauf – kontrovers diskutiert. Besondere Empörung herrscht darüber, dass die Demonstranten keine Isomatten, Decken und Schlafsäcke benutzen dürfen. Auch mehrere prominente Mitglieder der Piratenpartei beklagen sich per Twitter darüber. So twittert etwa Anke Domscheit: “kann ein polizist eigentl nachts schlafen, nachdem er hungernden, frierenden flüchtlingen decken u isomatten weggenommen hat?” Die Piratin Marina Weißband ruft zur Hilfe für die Frierenden auf: “Könntet ihr euch etwas Honig, Jacken und Decken unter den Arm klemmen und am Pariser Platz vorbei schauen?” Die Bloggerin Julia Probst, auch Piraten-Mitglied, schrieb: “WAS lese ich DA? Den frierenden Flüchtlingen beim #refugeecamp nimmt man die Decken + Schlafsäcken weg? Bitte sagt, dass das nicht stimmt.”

Und ich frage mich nun: Darf man in Berlin wirklich nicht campen? Also, aus welchem Grund auch immer, denkbar wäre ja auch der Verlust der Wohng oder ähnliches. Oder ist das nur an touristisch relevanten Plätzen unerwünscht?

Nachtrag: Mehr und direktere Info über berlin und andere Städte gibt es übrigen auf refugeetentaction.net

Schleifen, Blumen und Herzen

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Die PPSch-41 bei Fuß! Mit Blümchen. Foto: HSBengl

Heute im Treptower Park gewesen, die letzte Sonne genießen. Dabei eher versehentlich über das Sowjetische Ehrenmal gestolpert. Sofern man bei der Größe überhaupt von Stolpern reden kann. Einmal rundherum gelaufen und jede Menge Stalinprosa genossen. Oder ist das Poesie? Kriegspoesie? Helden- und Opferdramatik?

Des Kaiser’s Herzen. Oder sind die von Rewe? Foto: HSBengl