Über derzeit 44 Hotspots kann in Berlin ab sofort frei gesurft werden. Am Freitag startete das Pilotprojekt, das bis Sommer 2013 auf 100 Hotspots erweitert werden wird. Das Projekt soll über zwei Jahre lang laufen, der Spaß ist allerdings begrenzt auf eine halbe Stunde pro Tag.
Die aktuellen Hotspots stehen dort, wo man massenhaft mobile Nutzer erwarten darf: rund um den Hackeschen Markt etwa, am Gendarmenmarkt und in der Gegend um die Kastanienallee und den Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg. Künftig sollen der Potsdamer Platz, die Kantstraße in Charlottenburg und die Stadtmitte von Potsdam hinzukommen.
Die Einwahl ist mit jedem WLAN-fähigen Gerät – etwa Laptops, Tablet-PCs, Smartphones – möglich. Die offenen Netzwerke heißen entweder „KD WLAN Hotspot+“ oder „30 Min Free WIFI“, bei der Anmeldung werden keine persönlichen Daten abgefragt, … (weiterlesen in der Berliner Zeitung)
Da habe ich vorgestern erst die Berliner Zeitung als eine der lesbarsten Zeitungen Berlins gelobt, besonders was den Lokalteil angeht. Und das will ich auch nicht wirklich zurücknehmen, nein. Nicht, was die Qualität der Artikel, Meldungen und Meinungen betrifft, zumindest so im Großen und Ganzen betrachtet. Kleinere Missgriffe oder auch Totalausfälle gibt es zwar auch, aber naja, Schwamm drüber.
Aber als ich soeben auf diese Meldung bei ver.di stieß, war ich dann doch schwer geplättet. Hier ein paar Auszüge:
Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di befürchtet eine Kündigungswelle beim Berliner Verlag („Berliner Zeitung“, „Berliner Kurier“, Abendblatt). Nach Informationen, die der dju vorliegen, sollen 50 Arbeitsplätze wegfallen. Gegenüber der Nachrichtenagentur dapd hat eine Sprecherin des Kölner Zeitungshauses M. DuMont Schauberg, zu dem der Berliner Verlag über die BV Deutsche Zeitungsholding gehört, eingeräumt, dass Einsparmaßnahmen geplant seien.
„Mit einem fantasielosen Handstreich, der seinesgleichen sucht, soll ein Zehntel der Belegschaft vor die Tür gesetzt werden. Dabei ist der Arbeitsdruck in Verlagen und Redaktionen schon jetzt an der Grenze des Erträglichen“, sagt dju-Bundesgeschäftsführerin Cornelia Haß.
„Billigkräfte sollen als ,Kiezreporter’ eingesetzt werden. Damit versucht DuMont Schauberg aber nur zu kaschieren, dass letztendlich am Standort Berlin mit deutlich weniger Personal produziert werden soll. Gute Bedingungen für guten Journalismus sind das nicht“, betont die dju-Bundesgeschäftsführerin. Beim Boulevardblatt „Berliner Kurier“ könnte jede siebte Stelle gestrichen und in der Redaktionsgemeinschaft der „Berliner Zeitung“ mit der „Frankfurter Rundschau“ 15 bis 20 Stellen abgebaut werden.
Die Berliner Zeitung – eine weitgehend überaus lesbare Zeitung übrigens – berichtet heute, dass der Seniorentreff in der Stiller Straße doch nicht geschlossen wird. Die Rentner hatten ihn einfach besetzt.
Seit Monaten besetzten Pankower Rentner einen von der Schließung bedrohten Seniorentreff in der Stillen Straße. Nun steht fest: Der Rentnertreff bleibt erhalten. Die Besetzung ist beendet.
Die rüstigen Rentner im Seniorentreff Stille Straße 10 in Pankow können es noch nicht richtig glauben. Seit 111 Tagen halten sie ihre Einrichtung besetzt, jetzt haben sie ihr Ziel erreicht: Der Rentnertreff bleibt erhalten. Der Sozialverband Volkssolidarität wird den Rentnerclub übernehmen. (weiterlesen)
Welche Art von Kommentare dort wohl abgegeben werden? Sorgfältig von Hand geschriebene, soweit ich das sehen konnte. Ja, es war tatsächlich etwas darin, sogar jedes Mal. Immer, wenn ich daran vorbeikam bislang. Und: Das Ding ist unten offen, also man könnte, wenn man wollte … Habe ich aber natürlich nicht.
Ein durchaus erhellendes Interview mit vielen Aspekten zum Thema Neukölln, wie es hier vor Ort und darüber hinaus überall ist, hat der Tagesspiegel mit Heinz Buschkowsky geführt. Darin bezieht der bekannte Bezirksbürgermeister gewohnt klar Stellung. Zunächst zu sich und zu seiner Sichtweise:
Wer behauptet, dass Parallelgesellschaften, asymmetrische Entwicklungen, Gewaltbereitschaft, Nicht-Anpassen-Wollen und „das eigene Ding“ machen, Vielehen und eigene Rechtsfindung nur in Neukölln zu finden sind, der verkennt die Realitäten. Die Kehrseite der gelungenen Integrationskarrieren sind die Einwandererschichten, die sich der deutschen Gesellschaft und ihren Regeln entziehen. Sie gibt es von Kiel-Gaarden bis München-Hasenbergl. Wenn wir weiter tatenlos zusehen, werden Stadtviertel wie in London oder am Rande von Paris die Folge sein.
Außerdem zu seiner bescheidenen politischen Handlungsfähigkeit:
Ein Bezirksbürgermeister bestimmt noch nicht einmal die Größe von Schulklassen oder Kita-Gruppen, kann keine Lehrer einstellen oder Ganztagsschulen gründen. Wenn ich das alles könnte, würde Neukölln anders aussehen.
Darüber hinaus gibt er noch eigentümlich Sätze zum Besten:
Die Wirklichkeit kann nicht rassistisch sein.
Letzteres verstehe ich nicht so ganz, das heißt, eigentlich überhaupt nicht. Es scheint mir ein völlig absurder Satz zu sein. Auch aus dem Zusammenhang kann ich mir den Konstrukt nur notdürftig zusammenflicken.
Aber egal, die eigentliche Frage ist doch: Von welcher Wirklichkeit redet der Mann? Von seiner eigenen offensichtlich. Der ich noch nicht einmal die faktische Richtigkeit absprechen mag. Es gibt diese Problemschwerpunkte in Neukölln, wie auch anderswo. Und das ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, ganz im Gegenteil. Das gehört auf den Tisch.
Aber meine Wirlichkeit, und die der meisten Neuköllner vermutlich ebenfalls, ist das nicht. Und das sollte, bei aller politischen Agitation, nicht vergessen werden. Hier leben Menschen, viele Menschen, gut und sehr gerne. So ist das.
Susanne HSB in Kultur ~ 13. Oktober 2012 ~ 18:10 Uhr ~ Kommentare deaktiviert
Ich mag gute Geschichten, auch gute Filme natürlich. Und ich mag Kurzfilme, die es ja früher tatsächlich noch im Kino zu sehen gab. Als Vorfilm, nach der Werbung und vor dem Eis. Unvergesslich!
Projekttitelbild zur Unterstützungskampagne auf startnext.de
Auf der startnext-Plattform startet demnächst – ich weiß leider nicht, wann genau, da steht nur: in Kürze – die Sammelaktion für einen Kurzfilm von Anna Arndt, der in Berlin, genauer gesagt in Kreuzberg spielt: Gib mir ein Morgen thematisiert die fortschreitende Gentrifizierung anhand von drei Geschichten von drei Menschen, die versuchen, sich ein Morgen in dieser Stadt zu schaffen.
In er Projektbeschreibung heißt es:
In “Gib mir ein Morgen” versuchen drei Bewohner Kreuzbergs mit dem Wandel, sowohl der Stadt als auch ihrer persönlichen Umstände umzugehen. Da gibt es Herrn Schukowsky, einen Altberliner, dessen Frau gestorben ist und der sich nun einer Wohnungsräumung gegenüber sieht. Seine gewohnte Struktur ist weggebrochen und er trifft eine folgenschwere Entscheidung. Martin, ein, scheinbar, aufstrebender Karrieretyp aus Stuttgart zieht nach Berlin, um mit seiner Langzeitfreundin Svantje ein neues Leben zu beginnen, aber alles kommt anders. Seine Freundin betrügt ihn, er findet keinen Zugang zu Berlin und schlittert von einem Dilemma zum Nächsten. Als auch noch sein Auto angezündet wird, hat Martin genug. Er rastet aus. Lena ein Kreuzberger Mädchen auf Wohnungssuche, sieht sich mit einer absurden Mietpreissituation konfrontiert. Berlin ist hip, bezahlbare Wohnungen sind knapp. Als sie gerade einen Hoffnungsschimmer am Horizont sieht, wird sie verhaftet. Sie soll einen schwarzen Mercedes angezündet haben.
Die Zielsumme beträgt 2100 €, das sollte doch zu schaffen sein. Und bei der Höchstsumme von 1000 € gibt es ein Ständchen der Regisseurin!
Diese grundlegende und gar nicht so schwer verständliche Weisheit stammt offensichtlich von Kotti & Co, der Kreuzberger Mietergemeinschaft am Kottbusser Tor. Diese wehrt sich seit 2011 gegen die jährlich steigenden Mieten im sozialen Wohnungsbau:
Unsere Hochhäuser gehören den privaten Gesellschaften Hermes und GSW, die seit über 30 Jahren Subventionen bekommen, um bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Sie erhöhen jedes Jahr die Miete, da die Stadt sich aus den Subventionen zurückzieht. Unsere Mieten sind inzwischen so hoch, dass jede zweite Familie hier 40-50% ihres Einkommens dafür ausgibt. Auch das Jobcenter verschickt Aufforderungen, die “Kosten der Unterkunft” zu senken. (Quelle)
Susanne HSB in Kultur ~ 08. Oktober 2012 ~ 13:00 Uhr ~ Kommentare deaktiviert
Mal was Schönes zur Abwechslung, Multikulti und so:
Am kommenden Mittwoch, den 10. Oktober um 20 Uhr findet im Kino International in der Karl-Marx-Allee die Filmpremiere des Films Nairobi Half Life statt. Dieser entstand im Jahr 2010 aus einem Workshop in Nairobi, der auf einer gemeinsamen Initiative von Tom Tykwers und Marie Steinmanns ONE FINE DAY FILMS, der Deutsche Welle AKADEMIE und der kenianischen Produktionsfirma GINGER INK basiert. Anwesend sein werden der Regisseur Tosh Gitonga sowie der Hauptdarsteller Joseph Wairimu.
Die Premiere ist übrigens zugleich auch eine Benefiz-Veranstaltung: Die gesammelten Erlöse gehen an die von Tom Tykwer und Marie Steinmann ins Leben gerufene Initiative One Fine Day Films e.V., um so weitere Projekte zu fördern zu können. Der Verein ermöglicht Kindern und Jugendlichen in benachteiligten Regionen der Welt einen Zugang zu den Phantasie- und Entdeckungsräumen der Kunst.
Ankündigung via Facebook, wie das heute so üblich ist:
Am Donnerstag, den 04.10, liest Heinz Buschkowsky in der Urania um 19.30 Uhr aus seinem neuen Buch “Neukölln ist überall”. Die Gruppe Bashkowsky ist auch überall und wird dem Neuköllner Bezirksbürgermeister seinen Wunsch erfüllen und ihm die rassistischen Passagen aus dem Buch vorlesen. Wir sind kein SMS-Flashmob, wie Buschkowsky fälschlicherweise behauptet! Wir sind ein unabhängiger Zusammenschluss von Einzelpersonen aus Neukölln, die Heinz Buschkowsky kritisch begleiten und entschieden, laut und bunt gegen Rassismus und Sozialhetze vorgehen.
Treffpunkt und Versammlungsort ist Ecke Kleiststraße/An der Urania.
Viel mehr steht da nicht, aber es ist offensichtlich geplant ab 18.30 Uhr eine Kundgebung vor der Urania abzuhalten. Mehr Infos gibt es möglicherweise im Laufe des Tages in den Facebook-Kommentaren.
Briefe voller Beschimpfungen, Beleidigungen oder einfach nur guter, alter Hass. Böse Kommentare in Online-Kommentarspalten, aber auch handschriftliche, mit getrockneten Blümchen verzierte, mitunter obszöne Briefe – das bekommen die Protagonisten des Abends kübelweise zugeschickt.
Mely Kiyak, (Kolumnistin der Berliner Zeitung und der Frankfurter Rundschau) und zwei weitere Überraschungsgäste lesen aus ihren schönsten, derbsten, vulgärsten Leserbriefen und treten im fröhlichen Wettbewerb gegeneinander an.
Ach, das kann ich so gut nachvollziehen. Und das wird sicher ein Spaß.
3. Oktober 2012, Naunynstraße 27, 20 Uhr, Eintritt frei
Heinz Buschkowsky hat es getan, er hat jetzt auch mal was geschrieben und sich nicht nur in diversen Talkshows platziert, um seine tiefgreifenden Erkenntnisse kundzutun. In der „Zeitung“ mit den großen Bildern konnte man es dieser Tage bereits lesen, was an mir natürlich komplett vorübergegangen ist. Doch auch die Morgenpost hat bereits einen (flüchtigen?) Blick auf das heute erscheinende Buch geworfen:
In “Neukölln ist überall” (ab 21. September) beschreibt Buschkowsky deutschenfeindliche Aggressionen, Integrationsverweigerung, Kriminalität und islamistische Tendenzen in seinem Bezirk und in der Einwandererszene. Gleichzeitig wirft er Berlins Regieren dem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) Ahnungslosigkeit über die tatsächlichen Probleme vor.
Buschkowsky sagte im Interview mit der “Zeit”, Wowereit beklage, Kinder könnten verhungern, wenn ihre Familien aus der Sozialhilfe Bußgelder bezahlen müssten. “Wo sind wir denn, dass ein Regierungschef so einen Stuss schreibt?” Nötig seien klare Regeln auch für Einwanderer: Kindergartenpflicht, Ganztagsschulen und Sanktionen schon bei kleinen Regelverstößen.
Treffsicher zum Erscheinungstermin hingegen wird heute um 18 Uhr zu einer Kundgebung vor dem Neuköllner Rathaus aufgerufen. In der Pressemitteilung wird klar Position bezogen:
Am Freitag den 21.9.2012 erscheint im Ullsteinverlag, der zur Axel Springer AG gehört, das Buch des Bezirksbürgermeisters von Neukölln, Heinz Buschkowsky. In Vorabdrucken der ebenfalls zur Axel Springer AG gehörigen Boulevardzeitung „BILD“ wurden seit Montag jeden Tag Kernthesen seines Buches „Neukölln ist überall“ verbreitet.
Der dort verbreitete Rassismus, nämlich das ausschliesslich Menschen nicht-deutscher Herkunft, die Heinz Buschkowsky nach eigener Aussage eindeutig an ihrem Äusseren erkennen kann, für alle Probleme Neuköllns verantwortlich seien und seine sozialhetzerischen Ansichten, dass Menschen nur nützlich sind, wenn sie ausreichend zum Bruttosozialprodukt beitragen, ruft entschiedenen Widerspruch in Neukölln hervor. Gegen die ausgrenzenden und diffamierenden Behauptungen des Bezirksbürgermeister von Neukölln findet am heutigen Freitag um 18 Uhr eine Kundgebung vor dem Rathaus Neukölln statt, die kurzfristig und spontan von empörten Menschen aus Neukölln organisiert und angemeldet wurde. Als Termin haben wir bewusst den Erscheinungstag von „Neukölln ist überall“ gewählt und rufen Heinz Buschkowsky zu: „Rassismus ist überall!“ Buschkowskys Wahrnehmung der Verhältnisse in Neukölln teilen wir in keinster Weise, denn hier tobt kein Bürgerkrieg der Migranten, die Buschkowsky stets als Täter_innen beschreibt, gegen die „guten“ Deutschen, die er stets als Opfer betrachtet. Dagegen werden wir vor dem Rathaus Neukölln laut, kraftvoll und bunt demonstrieren.
Mehr Infos gibt es auf Facebook. Lesenswert ist in dem Zusammenhang auch dieser offene Brief an Herrn Buschkowsky. Nachtrag: Die taz äußert sich ebenfalls, differenziert und bedenkenswert.
Wir bloggen Berlin! Dabei erheben wir selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, dafür aber auf Vielfalt. Das Hauptstadtblog erzählt vom Leben und Lachen in Berlin und Umgebung. Auch vom Hadern und Streiten natürlich. Dabei sind unsere Autorinnen und Autoren subjektiv und verspielt, manchmal auch bissig. Bundespolitik interessiert uns, ist aber hier nicht unser Thema – dazu gibt es ja auch viele andere Blogs.
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