Bernd in Bloxikon am 23. Dezember 2009, 10:00 4 Kommentare »
»Paris ― wat is denn det für ne Stadt! Da jibts ja nich mah nen Wasserfall. « So könnte ― frei nach Tucholsky ― das Urteil eines Berliners über Paris oder eine andere Metropole lauten. Und in den meisten Fällen behielte er Recht.
Der besagte Wasserfall befindet sich nicht nur in, sondern auch auf dem Kreuzberg. Er entstand durch die Anregung eines gewissen Herrn Friedel , der 1884 eine Schrift mit dem schönen Titel »Erläuterungen betreffend die Herstellung des Parks auf dem Kreuzberg« veröffentlichte. Es dauerte dann noch 4 Jahre, bis mit den Arbeiten begonnen wurde.
Hermann Mächtig hieß der Mann, unter dessen Regie die Anlage verwirklicht wurde. Es muss eine Zeit des Aufbruchs gewesen sein, in der man genügend Geld im Etat fand, um die zahlreichen grünen Oasen Berlins zu schaffen und zu gestalten. 2,8 Millionen Mark wurden in den Victoriapark, den niemand so nennt, investiert. Bei einem Umrechnungsfaktor von rund 1 zu 10 entspricht das 28 Millionen Euro. Man stelle sich den Aufschrei vor, wenn heute ein Stadtrat vorschlagen würde, den gleichen Betrag für einen Park auszugeben. Da sei Herr Nußbaum vor.
Bekommen haben die Berliner jedenfalls einen veritablen Wasserfall, dessen Vorbild im Riesengebirge zu finden ist. Weil auf der kleinen Anhöhe keine natürliche Quelle zur Verfügung steht, müssen 13.000 Liter Wasser pro Minute hinauf gepumpt werden. Es gab schon oft Zeiten, in denen die Mittel fürs Wasser fehlten. Zum Glück fanden sich immer wieder Geldgeber, die dafür sorgten, dass die Trockenperioden nicht allzu lange dauerten. Schließlich ist das Foto vom Kreuzberg mit sprudelndem Wasserfall eine Ikone, die auf unzähligen Postkarten Verbreitung in alle Welt gefunden hat.