20.02.2010

Blumen in der Servicewüste

Gastautor in am 20. Februar 2010, 12:18   6 Kommentare »

Abschluss der aktuellen Berliner Posttragödie – Ein Happy End?
von Martin Wagenpfeil

Es ist Montag, der 15.2.2010. Ich bin jetzt den 12. Tag ohne meine Post. Ohne meine wichtige Post. Der Brief von meiner Bank aus Köln hat mich nicht erreicht und der Akku meines Vaters liegt ebenfalls in irgendeinem Fach, einer Ablage, einer Sammelstelle, einem Hamsternest oder wo auch immer.

7:30 Uhr. Ich telefoniere mit dem Sachbearbeiter Herrn F. und schildere ihm nochmals eindringlich meine Entschlossenheit, an meine Post zu kommen. „Ich habe den Vorgang jetzt an die Presse weitergegeben.“ Herr F. verspricht, er wolle den alten Zusteller auf die Tour ansetzen, um sie „aufzuräumen“.

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17.02.2010

Verdursten in der Servicewüste

Gastautor in am 17. Februar 2010, 14:52   23 Kommentare »

oder: Seit 12 Tagen ohne Postzustellung
von Martin Wagenpfeil

Wir schreiben heute den 15. Februar 2010.

Seit dem 5. Februar bin ich von der Außenwelt abgeschnitten. Das Eis? Das Wetter? Eine Schneelawine? Um die Frage direkt zu beantworten, ich lebe nicht auf Hiddensee. Ich wohne in Berlin, in Berlin Mitte. Zwar nicht im Bezirk Mitte, aber ein wenig östlich davon im Prenzlauer Berg. Ganz genau gesagt: im Winsviertel. Marienburger Straße. Hier gibt es keine zugefrorene Wasserstraße, die ein Eisbrecher mit tausenden PS zermalmen müsste, um mich zu erreichen, hier gibt es nur den ganz normalen Wahnsinn, der mich nun in der zweiten Woche von der Außenwelt abschneidet.

Seit dem 4. Februar 2010 bekomme ich meine Post nicht zugestellt. Wichtige Sendungen erreichen mich nicht. Definitiv hätte ich am 5. oder am 6. Februar wichtige Post bekommen müssen, die bis jetzt nicht den Weg in meinen Briefkasten fand. Von anderen möglicherweise noch wichtigeren Zustellungen weiß ich nichts. Wie sollte ich auch davon wissen? Bei den vermissten Sendungen handelt es sich um einen wichtigen Brief von meiner Bank in Köln und eine wichtige Sendung, die ich an meinen Vater weiterleiten muss, der einen neuen Akku für sein Motorola braucht. Sein Akku gibt den Geist auf. Wie ich auch bald. Ich ärgere mich nämlich zu Tode.

Am Montag den 8. und Dienstag den 9. beginne ich mich zu wundern, wo meine Post bleibt. Amazon hat mir doch schon per E-Mail mitgeteilt, dass meine Sendung an den Frachtführer übergeben wurde. Und der Sachbearbeiter meiner Bank in Köln wollte doch die Post letzte Woche noch losschicken. Und er ist immer zuverlässig.

Mittwoch, der 10. Februar. Ich entschließe mich, die Servicenummer der Post anzurufen. Die Hotline: 01802-3333. Ich bin mittlerweile überzeugt, dass mit meiner Post etwas gründlich schief läuft. Ich höre von einer Nachbarin, dass sie glaubt, Post würde entwendet. Ich glaube eher, die Post wird nicht zugestellt. Also 01802-3333. Ich bin sicher: Hotline bedeutet schnelle Hilfe. Hier wird geholfen! Eine überaus bezaubernde weibliche Stimme nimmt meinen Fall auf. Ich erkläre natürlich, dass die Post längst hätte da sein müssen. „Das ist ja schlimm“, kommentiert sie voller Mitgefühl. „Wir werden es weiter geben. Machen Sie sich keine Sorgen.“ Ich kann meine Handynummer sogar dalassen. Mir wird geholfen. Ich bin ganz sicher. Wir sind in einer Großstadt. Der Hauptstadt von dat Janze. Und es gibt jemanden, der sich um mein Elend kümmert, sich meiner Sorgen annimmt. Außerdem: Für das Engeleindasein des Service wird Engelchen sogar noch bezahlt. Halleluja! Alles wird schön!

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28.03.2008

Kunst oder Bildung? Theaterhaus Mitte droht Schließung

Gastautor in am 28. März 2008, 20:22   Kommentar schreiben »

Im alten Schulgebäude am Koppenplatz ist derzeit das Theaterhaus Mitte untergebracht. Das Gebäude wird den Künstlern mietfrei vom Bezirk Mitte zur Verfügung gestellt. Ab dem Sommer soll dort wieder der Schulbetrieb aufgenommen werden. Deshalb sollen die Künstler ausziehen. Ein Gastbeitrag von Pano Karas.

Nachdem das Kulturamt angekündigt hat, ab Sommer diesen Jahres den Kooperationsvertrag mit dem Theaterhaus zu kündigen und die Zuständigkeit des Gebäudes am Koppenplatz 12 an das Schulamt weiterreichen wird, bedeutet dies für viele freischaffende Künstler eine akute Existenzgefahr.

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