09.03.2010

Der Trick-ser

Jürgen in am 9. März 2010, 18:52   2 Kommentare »

Die Tschechen können gute Märchenfilme machen. Das drückt sich z. B. darin aus, daß “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” seit Jahren ein gern gesehener Dauerbrenner in festtäglichen Fernsehprogrammen geworden ist.

Hier soll aber an den Kinder- und Trickfilmregisseur Karel Zeman erinnert werden, der (noch bis 11.3.10) in einer kleinen, s e h r bescheidenen Ausstellung in der Botschaft der Tschechischen Republik in der Wilhelmstraße geehrt wird. Zu sehen sind u.a. Fotos zu seinen beiden berühmtesten Filmen: “Reise in die Urzeit” (1955) und “Die Erfindung des Verderbens” (1958). Beide Filme, die zu damaliger Zeit als Trickspielfilme eine Sensation waren, entstanden nach Inspiration durch die Bücher Jules Vernes.

Natürlich ist ein Vergleich mit heutigen computergestützten Trickfilmen, wie etwa dem jüngst an den Oscars vorbeigeschrammten “Avatar”, kaum möglich, dennoch werden sich viele Leser an die Faszination beider Zeman-Filme erinnern.

“Die Erfindung des Verderbens” wird auch heute ab und an im Kino gezeigt, so heute 19.00 im Thalia Arthouse in Potsdam. Ansonsten ist der Griff zur DVD zu empfehlen.

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Roger Melis

Jürgen in am 9. März 2010, 08:13   12 Kommentare »

Im Postfuhramt läuft seit dem 6. März eine Ausstellung über den ostdeutschen Fotografen Roger Melis. Er wurde 1940 in Berlin geboren, wuchs im Haushalt des Dichters Peter Huchel auf und lebte ab 1952 in Wilhelmshorst bei Potsdam. Dem Ausstellungsbegleittext kann man auch entnehmen, daß Melis 1969 zusammen mit Arno Fischer, Sibylle Bergemann und anderen die Fotogruppe “Direkt” gründete. In der Zeit 1981-89 hatte er, aufgrund eines GEO-Beitrages, Auftragssperre für die DDR-Presse, lehrte aber weiter bis 1990 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Damit sind die vielleicht wichtigsten Rahmendaten für seine Arbeit genannt.

Die Ausstellung ist, wenn man so will, dreigeteilt: Fotos aus dem DDR-Alltag, Porträtfotografien deutsch-deutscher Kulturprominenz und die Arbeiten aus dem Ausland. Die Alltagsfotografien haben mir dabei am besten gefallen. Melis hat in Berlin, aber auch in der ostdeutschen Provinz fotografiert, so in Mecklenburg, der Uckermark, Sachsen und im Spreewald.

Seine Arbeiten – alles schwarz/weiß – aus dem Alltagsleben in der DDR, ob aus Berlin – Prenzlauer Berg (z.B. Kohlenträger), aus Mitte (Ackerstraße), ob aus Dresden – beeindruckend in seiner Aussagewucht: Frauenkirche/Dresden, 1966 – sind wahrhaftig, unspektakulär, teilweise archaisch. Seine Fotos – leider zu selten mit einer Prise Humor – sind liebevoll beobachteter Alltag und Zeitgeschichte zugleich. Meine Lieblingsfotos sind hier versammelt, u.a.:

  • Kinderwagen vor dem Schaufenster

Roger Melis: “Meine wichtigste Aufgabe habe ich immer darin gesehen, eindringliche Bilder von Menschen zu schaffen, ihnen dabei aber nicht die Seele zu rauben, sondern mich ihnen behutsam mit der Ehrfurcht vor dem Individuum zu nähern, die jedem gebührt”. Melis ist im Herbst 2009 verstorben.

Ein Manko der Aussstellung besteht darin, dass die kurzen Begleittexte zu den Fotos nahe dem Fußboden angebracht wurden, eine wirklich untaugliche Idee.
Die Ausstellung läuft bis zum 2. Mai 2010. Eintritt: 8,- Euro.

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06.03.2010

Emil aus Uganda

Jürgen in am 6. März 2010, 12:56   Kommentar schreiben »

Was hat Kästners “Emil und die Detektive” mit Afrika zu tun? Auf den ersten Blick nichts. Dennoch hat Regisseur Atif Hussein diese Verbindung geschaffen und das Ergebnis gestern abend in der Schaubude an der Greifswalder Straße dem Berliner Publikum vorgestellt. Im Stück wird auf originelle Weise der Weg des kleinen Emil in der großen Stadt Berlin und die Jagd nach dem Dieb nacherzählt und gespielt.

Tobias Schulze – der alle Hauptfiguren spricht (seine Großmutter und der Professor sind besonders einprägsam, wie lustig) – und seine afrikanischen Kollegen spielen, singen, musizieren, malen und tanzen sich in die Herzen der jungen und älteren Zuschauer. Die Tanzeinlagen schließlich entfachen im Publikum Jubelstürme und runden diesen famosen Abend ab.

Das Stück läuft in Berlin nur noch heute abend.

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04.03.2010

Schapka und Tschechow, Teil 1

Jürgen in am 4. März 2010, 17:55   Kommentar schreiben »

Meine Bekanntschaft mit dem großen, fernen Land im Osten begann so etwa 1956-58. In Prenzlau gab es eine große Kaserne, in der bis 1945 eine Wehrmachtseinheit untergebracht war und die nach der Befreiung durch die Russen übernommen wurde. Die Soldaten kamen nahezu täglich mit ihren LKW’s, die, wer weiß womit, betankt wurden und deren Abgase entsprechend stanken, in das, durch den Krieg, noch teilweise zerstörte Stadtzentrum, klopften in den zahlreichen Ruinen die Ziegelsteine ab und transportierten sie an den Rand der Stadt, um dort Schweineställe zu bauen. Die Soldaten – sie sahen meist selbst noch wie große Jungen aus – in ihren zerwaschenen, gelbgrünen Uniformen und ihren schiefen Käppis schenkten uns Abzeichen, wenn wir danach fragten. Die Offiziere trugen Schapka.

In der fünften Klasse bekamen wir Russischunterricht. Mit meinem ersten Satz “Menja sawut Jurgen” kam ein kleiner Hauch von Internationalität auf. Russisch blieb bis zum Abitur eines meiner Lieblingsfächer, vielleicht weil es die Sehnsucht nach der Fremde etwas fütterte. (Englisch bekamen wir erst in der 9. Klasse). Als 1968, ich war noch Schüler, die Warschauer Vertragsstaaten in die CSSR einmarschierten, bekam mein Bild von den Russen einen Knacks.

Während meines Studiums in Berlin-Karlshorst lernte ich erstmals einen wirklich näher kennen. Nikolaj war bescheiden, hilfsbereit, freundlich, mit einem Wort: Ein guter Mensch. Wenn ich ihn fragte, wie es ihm in Berlin gefalle, meinte er immer (mit vor Heimweh verschwommenen Augen): GDR gutt. Andererseits war er für einen Trunk nur mäßig zu begeistern, traute sich z.B. aber nach einem Schwimmhallenbesuch mit pitschnassen Haaren an die eiskalte Januarluft und zeigte dabei einen Fatalismus, den ich erst viel später bei Arabern wiedertraf.

Die Freundschaft mit dem “Land des Roten Oktober”, wie man das in der DDR manchmal im Zeitungsdeutsch bezeichnete, äußerte sich darin, daß man als Normalbürger, abgesehen von Briefverbindungen auf Schulebene, eigentlich kaum Kontakt mit Russen hatte. Private Urlaubsreisen dorthin waren – außerhalb des Reisebüros Jugendtourist (Alexanderplatz) – so gut wie unmöglich. Zum “Ausgleich” konnte man Mitglied der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft werden, endlos Beitragsmarken kleben und einmal pro Jahr in die – gut besuchte – Teestube im Haus der DSF neben dem Maxim-Gorki-Theater einreiten. (Die Teestube – Tadschikische – gibt’s heute noch.)

Als ich 1980 mit einer Jugendgruppe nach Leningrad reiste, war ich von der Eremitage und vom Sommerschloss Zar Peter des Ersten Peterhof ungeheuer beeindruckt. Andererseits war die Versorgungssituation für die Menschen kompliziert. Was mich aber sehr erstaunte: Frauen verrichteten dort schwere körperliche Arbeiten z. B. im Straßenbau. Fortsetzung folgt.

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Donnerstag, den 4. März 2010

Jürgen in am 4. März 2010, 09:43   3 Kommentare »

Während Deutschlands Fußballfans der gestrigen, verdienten Niederlage im Spiel gegen Argentinien nachtrauern, beschäftigt sich Berlin jeden Tag neu mit seinen Malaisen und kleinen Siegen. Am

26.02.2010

Schwanenmädchen

Jürgen in am 26. Februar 2010, 18:36   Kommentare

Werbung ist in unserem Leben allgegenwärtig. Ob man will oder nicht, verführt sie unsere Nasen, klingt manchmal in den Ohren oder fällt uns ins Auge. Hin und wieder erzeugt so ein Spot oder ein Foto auch Assoziationen, die, so jedenfalls die Experten aus diesem Metier, ja auch beabsichtigt sind.

In einigen U-Bahnhöfen Berlins, darunter Oranienburger Tor, erscheinen uns zur Zeit auf einem Werbefoto größeren Ausmaßes junge, elfengleiche Frauen und werben für Textilien der Marke SONIA RYKIEL und gleichzeitig für einen schwedischen Textilhandelskonzern. Schaut man sich diese Frauen genauer an, so fallen nicht nur ihre äußerst ebenmäßigen, ja makellosen, zarten Gesichter mit den sehr schmalen Lippen, sondern auch – sicher nicht ungewöhnlich für Models – ihre sehr schlanken Körper und ihre feinen, zur domestizierten Löwenmähne hochgestylten, Frisuren auf.

Die jungen Frauen erinnern mich jedoch, trotz neuzeitlicher(?) Frisur und modisch-farbiger Kleidung, gerade wegen dieser ebenmäßigen und unschuldigen Gesichter, an die engelgleichen Wesen auf einem alten Gemäldeschinken, wie er z. B. mal im Schlafzimmer meiner Großeltern hing. Handelnde Figuren auf diesem Bild waren, neben den langhaarigen Jungfrauen, ein paar herumschwimmende Schwäne, die einen Nachen zogen. Das Geschehen spielte sich auf einer düster-romantisch wirkenden Insel ab, die vom Mond beschienen wurde. Heute würde man sagen: Kitsch pur.

Vielleicht liege ich mit dieser Assoziation zu den Schwanenmädchen abseitig aller gewünschten Überlegungen und Absichten der Textil-Marketingstrategen. Aber ich gehöre ja auch nicht zur Zielgruppe für diese Werbung.

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25.02.2010

Donnerstag, den 25. Februar 2010

Jürgen in am 25. Februar 2010, 08:20   2 Kommentare »

Das Leben ist nicht schwarz/weiß, sondern bunt, manchmal grau. Das schlägt sich auch, allerdings nicht immer, in den Medien wieder. Beginnen wir mit den guten Nachrichten: Alle wollen nach

24.02.2010

Treberhilfe Berlin, Teil 1

Jürgen in am 24. Februar 2010, 08:40   76 Kommentare »

Am 18.2.2010 hatte ich in den Schlagzeilen über den Maserati-fahrenden Chef der Berliner Treberhilfe mit dem Hinweis geschrieben, noch einmal auf dieses Thema zurückzukommen.
In den vergangenen Tagen hat sich diesbezüglich einiges bewegt, aber das ist wohl nur der Anfang. Während sich Oliver Bilger am frühen 23.2.10 in der Süddeutschen Zeitung noch über die juristische Konstruktion der gemeinnützigen Gesellschaft Treberhilfe wundert und an anderer Stelle deren Chef Harald Ehlert seinen Dienstwagen abgeben will und die Idee(?!) äußert, das Auto solle nun Touristen gegen Bezahlung zu Projekten der Treberhilfe chauffieren, weiß diese Quelle bereits sicher, daß der “Stein des Anstosses” verkauft wird. Bei diesem Thema scheint es aber noch ganz andere Fragen zu geben. Folgende wären aus meiner Sicht u.a. zu klären:

  • Gesellschafterstruktur
  • Kontrolle des Vorstandes
  • Arbeitsweise der Gesellschaft
  • Verwendung des Geldes (Treberhilfe erhielt 2009 ca. 15 Mio € Zuschüsse vom Senat und den Bezirken)
  • Bezahlung der Mitarbeiter
  • Wie errechnet sich eigentlich der von der Treberhilfe genannte Social Profit?

Und nochmal zur Erinnerung zum Ausgangspunkt zurück: Die Treberhilfe ist 1988 als Organisation zur Unterstützung insbesonderer junger Obdachloser gegründet worden.

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21.02.2010

Ein Desaster?

Jürgen in am 21. Februar 2010, 11:45   6 Kommentare »

Die Berlinale ist im Ziel. Die Kritik schreibt sich bereits warm für die Abschlussbeurteilungen und Wertungen.
Den Goldenen Bären gewann der türkische Film “Bal”.

Hier noch ein Nachwort zu dem deutschen Beitrag “Jud Süß – Film ohne Gewissen” der von den Kritikern der großen Blätter total verrissen wurde. Manche sprachen gar von einem Desaster. Ich habe mir den Film, der die Geschichte der Entstehung des Machwerkes “Jud Süß” von Veit Harlan (1940 Uraufführung) erzählt, am Freitag abend im Friedrichstadtpalast (ausverkauft) dennoch angesehen. Meine Kurzkritik:

Inhalt: Der Film spielt im Nazideutschland und zeigt das Verhältnis von Macht und Kunst sowie die Verführbarkeit von Menschen. Vom Thema her ist ein Vergleich mit Szabo’s “Mephisto” möglich.

Schauspieler: Die Hauptrolle, den Schauspieler Marian, wird von Tobias Moretti gespielt. Moritz Bleibtreu – und das ist der Clou in diesem Film – stellt Joseph Goebbels als “rheinische Frohnatur” mit tiefschwarzer Seele dar.

Geschichtstreue: Ist nicht in jedem Detail gegeben, aber muß ein künstlerisches Werk dies in jedem Fall sein?

Nazis: Nahezu alle im Film vorkommenden Nazigestalten werden lediglich als Abziehbilder gespielt.

Was ist gelungen?: Tobias Moretti als frauenverführender, von der Macht und vom Ruhm angeekelter, aber ihr doch verfallener Schauspieler Marian. Und: Die Filmeinspiele im Film.

Absurdeste Szene: Der Schauspieler Marian erfüllt der abstrusen Gattin des abwesenden SS-Offiziers während eines Bombenangriffs, bei geöffnetem Fenster und brennendem Berliner Dom, einen Dienst.

Sollte man sich den Film ansehen?: Ja. Und danach nochmal “Mephisto” anschauen.

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18.02.2010

Er naht

Jürgen in am 18. Februar 2010, 17:39   Kommentare

Der Winter wird wohl in Bälde seinen Mantel an der Jahresgarderobe abgeben. Einlösung des Aluchips aber dann erst wieder im November.

Das Berliner Vogelsinfonieorchester bringt sich in Schwung. Die durch den kalten Winter eingefrorenen Stimmen erzeugen wieder die arteigenen Melodien aus dem bekannten Repertoire. Selbst das Gekäcker der Elstern, die Trolle unter den Vögeln, klingt heut ganz kommod.

Die Sonne schaut blass aus dem lömerig, graublauen Himmel. Milde Luft, gepaart mit Feuchtigkeit, schlägt sich auf der Haut nieder. Frisch eingetroffene Plusgrade sorgen bei den Menschen für angenehmere Stimmung. Das erleichtert ihnen das Passieren nun pfützenbelegter Bürgersteige und das Achtgeben auf abgetaute Schneebretter, die von den Dächern herunterkrachen. Dort, wo noch unberührter Schnee liegt, läuft man wie auf zusammengepresster, feuchter Watte. Jeder Schritt wird von einem angenehmen Knarzlaut begleitet.

Auf einst vereisten Nebenstraßen, die jetzt von wassergefüllten Spurrinnen durchzogen sind, erhalten für Wochen abgestellte Autos demnächst wieder menschlichen Besuch und frisches Öl. Noch vor Tagen eingeschneite Fahrräder zeigen wieder ihre ursprüngliche Farbe vor.

Der Großstadtmensch riecht besseres Wetter, spürt eine größere Gelenkigkeit im Körper und beschleunigt – obwohl nicht notwendig – den Schritt. Entstandene Pfützen verführen Steppkes zu Tretspielen. Die daneben laufende Mutti erträgt das heute mit gelöstem Gesicht. Heute.

Denn, er naht. Der Frühling.

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Donnerstag, den 18. Februar 2010

Jürgen in am 18. Februar 2010, 08:52   18 Kommentare »

Der Vorfrühling liegt in der Luft und bringt die Vögel zum Zwitschern. Was flöten bzw. krächzen uns dagegen heute die Berliner Blätter: Ein zweiter Berliner stirbt aufgrund eines Sturzes

16.02.2010

Second Life?

Jürgen in am 16. Februar 2010, 16:40   40 Kommentare »

Ein Bekannter, wohnhaft in einem Dorf, meckert gelegentlich über einen seiner Enkel, weil der ihm zu viel vor dem Computer sitzt. Der spielt nicht Fußball, geht nicht in den Wald, interessiert sich scheinbar für nichts anderes. Bleichgesichtig, wie er ist, die Zeit dabei vergessend, verbringt er den Hauptteil seiner Zeit vor dem PC-Bildschirm.

Der 1981 in Berlin gegründete Chaos Computer Club, mit 34,5 Mio Ergebnissen bei Google übrigens stärker vertreten als jeder Aufruf im Zusammenhang mit z. B. “Deutschland” oder “Frieden”, hat sich den Vereinszweck gesetzt, neue technische Entwicklungen für Bildung/Volksbildung zu unterstützen. Ob sich der Club auch schon mal mit der Frage beschäftigt hat, “wieviel” Computer oder Internet – außerhalb der reinen Informationserfassung – der Mensch überhaupt verträgt?

Mindestens einmal pro Woche erreicht mich eine E-Mail eines Internet-Freundeskreises, neudeutsch verallgemeinernd Social Network, um mir die Frage zu stellen, ob ich nicht Kontakt mit meinem Klassenkameraden Roland aufnehmen will, oder nicht ein Foto einsenden möchte. Mit Roland z. B. will ich keinen Kontakt aufnehmen, weil ich den bereits seit Jahren habe. Das weiß aber mein Netzwerk, bei dem ich mich mal lediglich mit meinem Namen und dem Abitur-Jahr gemeldet hatte, nicht, weil es noch gar nicht so lange existiert.

Von diesen Netzwerken gibt es aber eine Vielzahl und sie haben sich alle das hehre Ziel gesetzt, Plattform für Kontakte von Menschen untereinander zu sein. Ich habe aber den Eindruck, die wollen vor allem eins: Daten. Nicht umsonst bekommt man regelmäßig Post. Und um die endlosen Datenströme zu beherrschen, braucht man wieder Instrumentarien und neue Systeme. Und so soll der Mensch, wenn es nach den Medien- und Internetgiganten geht, möglichst selbst nur noch Medium und Benutzeroberfläche sein, auf das der Browser, das Handy oder der i-pod niemals ruht.

Welche Schwierigkeiten und Störungen diese Netzwerke dem Menschen aber auch bringen können, wird hier mal betrachtet. Eine weitere Untersuchung, die sich mit dem Thema kritisch auseinandersetzt, ist diese. Was wird von diesen Plattformen angestrebt? Eine Digitalisierung der menschlichen Beziehungen? Was soll z. B. dieser Zirkus mit den “virtuellen Freunden”? Greifen diese social networks die in der Gesellschaft vorhandenen Probleme bezüglich der Anbahnung von Partnerbeziehungen oder Bindungsfähigkeit auf oder verstärken sie diese nicht noch zusätzlich? Die genannten Quellen, aber auch Informationen im Alltag deuten darauf hin, daß durch die übermäßige Teilnahme und den Konsum des Internets (als eine Art Sozialersatz), eine seelische und gefühlsmäßige Verflachung und Verarmung menschlicher Beziehungen eintreten kann. Was ist eine Internetgemeinde, wo jeder über jeden etwas – ausgewähltes – lesen kann, überhaupt wert? Soll die dokumentierte Oberflächlichkeit eines Netzwerkes, die Ansammlung von medialen Lebensläufen, zum Maßstab für das reale Leben werden?

Die neueste Ausgabe des “DAS MAGAZIN” bringt ein Interview mit Sascha Lobo, in dem er sich u.a. über Unterschiede von “medialer Persönlichkeit” und “privater Persönlichkeit” äußert. Möglicherweise ist so ein Blog wie das HSB eine überschaubare Angelegenheit, obwohl man auch nicht immer weiß, inwieweit Meinungen, die geäußert werden, nun tatsächlich “echt” sind oder nicht einem zweiten Leben entstammen?

Jeder kann in so ein Netzwerk eintreten oder auch nicht. Was mich betrifft: Ich habe kein Interesse an “medialen Persönlichkeiten”, sondern ausschließlich an realen Menschen, ihrem Leben und ihren Meinungen.

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11.02.2010

Donnerstag, den 11. Februar 2010

Jürgen in am 11. Februar 2010, 08:52   1 Kommentar »

Der Blick aus dem Fenster offenbart uns das ewig gleiche Bild: kalte Winterlandschaft und vereiste Bürgersteige. Die Durchsicht der Tagesthemen ergibt ein etwas breiteres Spektrum: Die

09.02.2010

Eva Strittmatter

Jürgen in am 9. Februar 2010, 06:38   9 Kommentare »

Eine der bedeutendsten Lyrikerinnen der DDR feierte gestern ihren 80. Geburtstag. Aus ihrem Gedichtband “Ich mach ein Lied aus Stille”- Edition Neue Texte, Aufbau-Verlag:

Freiheit

Ich kann dich lieben oder hassen-
Ganz wie du willst. (Kann dich auch lassen.)
Und du kannst schweigen oder sprechen.
Ganz wie du willst. Daran zerbrechen
Werd ich nicht mehr. (Ich kann auch gehn.)
Ganz wie ich will, wird es geschehn.

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07.02.2010

Karl Siebrecht und Gustav Hackendahl

Jürgen in am 7. Februar 2010, 18:11   1 Kommentar »

Die beiden sind mir recht gut bekannt, ebenso wie Johannes Pinneberg und Otto Quangel. Es sind allesamt Helden aus den Romanen eines Schriftstellers, der wie kaum ein anderer, die Geschichten der “kleinen Leute” erzählen konnte und der, obwohl nicht hier geboren und aufgewachsen, auch die Stadt Berlin und seine Menschen immer wieder realistisch und liebevoll beschrieb: Hans Fallada.

Zu den faszinierendsten seiner Bücher gehört für mich “Ein Mann will nach oben”. Das Buch handelt in der Gegend um den damaligen Stettiner Bahnhof, der heute nicht mehr existiert. Sein Areal entlang der Invalidenstraße wird heute von den neuerrichteten Verwaltungsbauten der BAHN und dem Nordbahnhof beherrscht. Der Titel des Buches ist – aus heutiger Sicht und in jetzigem Sprachgebrauch – vielleicht etwas irreführend, denn es geht nicht um die Karriere eines jungen Mannes, sondern “nur” um sein Überleben in der großen Stadt. Der Held des Buches, Karl Siebrecht, kämpft sich durch den Alltag, fällt und steht immer wieder auf. Er trifft auf Menschen, die ihm weiterhelfen, aber auch auf Ganoven, Gier und Hartherzigkeit. Ein packendes, sehr gut zu lesendes Berlin-Buch.

Die Bücher Falladas sind vor 1945 im Rowohlt-Verlag erschienen. Nach 1945 wurden seine Werke sowohl bei Rowohlt (BRD), als auch im Aufbau (DDR), der im August 1945 gegründet wurde, verlegt. Der Aufbau-Verlag hat kürzlich sämtliche Rechte am Gesamtwerk von Hans Fallada erworben.

Aufbau plant nun die Herausgabe weiterer Werke aus Falladas Nachlaß sowie seiner Hauptwerke als e-book. Der Kutscher Gustav Hackendahl (“Der eiserne Gustav”), der Buchhalter Johannes Pinneberg aus seinem Welterfolg “Kleiner Mann, was nun” oder Otto Quangel aus “Jeder stirbt für sich allein” werden uns, den Lesern, also auch weiterhin als beeindruckende literarische Gestalten begleiten.

Übrigens: Der Besuch des Hans-Fallada-Archivs in Carwitz bei Feldberg lohnt sich zusätzlich wegen der wunderschönen Seenlandschaft in dieser Gegend.

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06.02.2010

Und das soll eine Großstadt sein?

Jürgen in am 6. Februar 2010, 17:32   38 Kommentare »

Ja, so reden sie manchmal, die Touristen. Heute schimpfte eine Gruppe deutschsprechender, auswärtiger Damen vor dem Friedrichstadtpalast, weil auf dem Bürgersteig nicht gestreut war. Warum auch. Reicht doch, wenn wir eine “be Berlin”-Kampagne haben, wozu dann noch die Bürgersteige rutschfrei machen?! Außerdem sollen Touristen doch froh sein, wenn sie aus ihrem Nest mal rauskommen und Berliner Luft schnuppern können. Hier dürfen sie was erleben und sehen auch mal einen prominenten Politiker oder Künstler vorübergleiten, der allerdings manchmal sauer ist, wenn ihn niemand erkennt. Den Berliner stören diese Leute ja nicht weiter, er guckt geradeaus, aber die Touristen fangen dann gleich an zu tuscheln. War das nicht der und der?

Letzte Woche beobachtete ich im Postamt Ecke Zinnowitzer Straße (Achtung: Der U-Bahnhof heißt seit einiger Zeit Naturkundemuseum) eine vielleicht 30-jährige Frau. Sie saß an einem der Kundenplätze und hatte einen Riesenkasten mit Briefen vor sich, die sie alle manuell und durch Einsatz ihrer Zunge mit Marken beklebte. Sie machte ein hochzufriedenes, eifriges Gesicht bei dieser Tätigkeit und alle naselang entfuhr ihr ein: “Aha” oder “Oh” oder “Mmm” oder sie nuschelte so etwas wie “…aufpassn…” usw. Vielleicht hat die Frau endlich einen neuen Job und das Versenden der Post gehört mit zu ihren Aufgaben.

Oder die neue Suppenküche in der Invalidenstraße: Als ich den Laden betrat, strahlten mich zwei schürzenbehangene Frauen an. Vielleicht war ich ihr erster Kunde an diesem Tag, vielleicht hatten sie auch gerade einen großen Auftrag zur Belieferung einer Firmenfeier mit exotischen Suppen erhalten, wer weiß. Jedenfalls gibt es diesen Laden noch nicht lange und ich wünschte den Frauen viele Kunden, denn von mir allein können sie ja nicht leben.

In Mitte eröffnen und schließen manche Läden so schnell, da kommt man nicht hinterher. Aber in Charlottenburg z.B., da halten die Geschäfte lange durch. Gibt aber auch Ausnahmen, wie z. B. Tilo Stöhr. Dessen Radio-Werbespruch vergangener Jahre hallt mir immer noch im Ohr: “Tilo Stöhr bietet mehr”. War doch was: Kurz, prägnant, knackig.

Manchmal kriegt man aber dann doch wieder das Grübeln. Heute hab ich im Friedrichstadt-Palast wegen Berlinale-Karten nachgefragt: Procedere wie im alten Rom. Karten gibt’s nur an dem Tag, wo der Film läuft. Keine Vorbestellungen!

Da kann ich nur sagen: Siehe Überschrift.

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01.02.2010

Quo vadis Berlin?

Jürgen in am 1. Februar 2010, 18:03   22 Kommentare »

Es ist mal wieder soweit. Der Kapitalismus muss einen Gang zurückschalten.

Während der US-Präsident sich mit Bankern auseinandersetzt, europäische Regierungen sich – genauer gesagt ihre Steuerzahler – bei der Bekämpfung der Wirtschaftskrise bis an die Grenzen der Belastbarkeit und auch auf Kosten kommender Generationen verschulden, trifft sich alljährlich in Davos die Politik- und Wirtschaftselite zum Gespräch über die Lage. Diesmal geht es nicht um Profitmaximierung und gegen “Sozialschmarotzer”, sondern um Regulierung und mehr soziale Verantwortung. Einige Banker klagen sogar, man möge doch jetzt mit der Schelte und den Schuldzuweisungen aufhören. Sie vergessen dabei, daß es wieder einmal das Finanzkapital war, was die Welt an den Rand der wirtschaftlichen Katastrophe brachte. Der Chef eines großen deutschen Konzerns sagte zu dieser Zyklik sinngemäß, daß es bei der nächsten großen Krise vorbei wäre, denn das Geld sei alle!

Die Herbstwahlen 2009 bescherten Deutschland eine schwarz/gelbe Regierung. Die Wähler wollten damit nicht (so nehme ich an!), daß die Kluft zwischen reich und arm in Deutschland weiter wächst bzw. sie haben die Losung, daß sich Arbeit wieder lohnen soll (für wen?) möglicherweise anders verstanden, als sich das jetzt abzuzeichnen beginnt. An dieser Stelle gleich mal ein Vorschlag: Weg mit der gerade eingeführten Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes für Hotels und dafür Wegfall des seit 1.1.2009 geltenden höheren Mehrwertsteuersatzes für Schulessen (Caterer)!

Berlin ist als Großstadt zwar ein Mikrokosmos für sich, zudem sich hier schon immer die Probleme Deutschlands in konzentrierter und komprimierter Form gezeigt haben und auch zukünftig zeigen werden. Aber die Situation in der deutschen Hauptstadt ist dennoch untrennbar und eng mit den oben skizzierten Veränderungen verbunden.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hat der Berliner Zeitung am Wochenende ein Interview gegeben, in dem zwar viel aus Wowereits Biografie zitiert, einiges zum Thema Integration, aber zu wenig konkretes über die anderen großen Probleme Berlins gesagt wird.
Hier, ausgehend von der Mai- Analyse, einige Bemerkungen zur aktuellen Lage. Beginnen wir mit der Arbeitslosenzahl: Obwohl der massive Einsatz von Kurzarbeit und der Abbau von Überstunden gegengesteuert haben liegt sie aktuell im Januar bei 245.000. Das bedeutet eine Quote von 14,5%, damit der vorletzte Platz unter allen Bundesländern und gegenüber 2008 nochmals eine Steigerung von 5% (gegenüber 1991 eine Erhöhung von 36%.)
Kurzarbeit bedeutet jedoch Einkommenseinbußen. Hinzu kommt, daß viele in prekäre Arbeitsverhältnisse gezwungen werden und neben ihrer Arbeit auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Lt. dieser Information braucht jeder fünfte Berliner Geld vom Staat. Berlin liegt – bei all dem kein Wunder – mit 16.800 € pro Einwohner und Jahr auch in der Kaufkraft unter den deutschen Städten und Kreisen im hinteren Bereich und 11 % unter dem Bundesdurchschnitt.
Beschäftigtenzahl: Die Zahl lag 2008 bei 1,638 Mio.
Dabei ist zu beachten, daß die Zahl der Nichtselbständigen stagniert, während die der – bei vielen gleichfalls mit prekären Einkommen – Selbständigen deutlich stieg.
Die Wirtschaftsstruktur Berlins hat sich seit Mai 2009 natürlich nicht gravierend verändert, allerdings ist die Zahl der Firmenneuansiedlungen in 2009 gegenüber 2008 deutlich zurückgegangen.
Schulden: Das Land Berlin hat mit Verabschiedung des neuen Haushaltes 2010/2011 Gesamtschulden von ca. 65 Mrd. €. Dafür sind jährliche Zinszahlungen von ca. 2,5 Mrd. € zu leisten. Berlin wird wohl, ohne Hilfe des Bundes, diese Schulden auf absehbare Zeit nicht abbauen können.
Die Liste der wirtschaftlichen Probleme Berlins – natürlich gäbe es auch einige positive Dinge zu vermelden – ließe sich fortsetzen. Ich weise aber nur noch kurz auf den politischen Aspekt hin. Die SPD erlitt bei den Septemberwahlen 2009 eine verheerende Niederlage in Berlin. Da die Linke aber gleichzeitig zulegen konnte, ist offensichtlich, daß die Berliner der SPD, die sich mit Agenda 2010 und Hartz IV ein bleibendes negatives Denkmal gesetzt hat, dies angekreidet haben.

Aktuell: Die Situation der letzten Wochen und Monate u.a. mit den Problemen S-Bahn, Tempelhof, Spreedreieck, Mitte-Bebauung, Charite-Diskussion, Autobrände, Schauspielschule um nur einige zu nennen, hat bei mir dazu geführt, daß ich diesem Senat und einigen Senatoren nicht mehr zutraue, Berlin wieder auf einen guten Weg zu führen. Lt. dieser, nicht mehr taufrischen, Umfrage geben lediglich noch 20% der Berliner der SPD ihr Vertrauen. Ich gestehe aber auch, daß ich in Berlin z.Zt. keine Partei sehe, die das Ruder herumreißen könnte, am allerwenigsten die CDU. Was könnte der Senat tun? Wieder ein wenig mehr Politik zum Nutzen des Landes und der Bürger machen. So könnte man z.B. alle Verträge, die das Land oder wichtige Landesunternehmen mit Drittpartnern abgeschlossen haben, überprüfen und ggfs. nachverhandeln, um Schaden vom Land abzuwenden. Das betrifft z.B. die Verträge mit:

  • der Bahn bzw. S-Bahn
  • den Wasserbetrieben
  • Investoren (hier Quelle) über Fördermittel in Höhe von 1,3 Mio €
  • Überprüfung der Wirtschaftsförderung und der Werbekampagne “Be Berlin”
  • Unternehmen im sozial geförderten Wohnungsbau
  • Überprüfung von Cross-border-Geschäften der BVG

Was aber aus meiner Sicht das wichtigste ist: Berlin dreht sich – unabhängig, welche Parteien gerade die Macht haben – zwar im Alltag auch immer von allein. Die Stadt ist – und bleibt hoffentlich noch lange – eine politische, kulturelle und ethnisch/religiöse Mischlandschaft. Dennoch und gerade deshalb braucht Berlin mit ihren 3,43 Mio Einwohnern einen Senat und Bezirkschefs, die einen und nicht, wie manchmal zu hören ist, trennen und polarisieren. Dabei ist, neben Visionen, aber auch die Lösung der oben beschriebenen Alltagsprobleme gefragt.

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29.01.2010

Karauschen

Jürgen in am 29. Januar 2010, 07:54   Kommentar schreiben »

Wer Appetit auf einen Meeresbewohner hat, kann einen Fischstand besuchen, den man in jeder größeren Berliner Kaufhalle findet. Die dort angebotene Auswahl ist unterschiedlich, aber aus einer Aquakultur kommen doch die meisten der Fische.

Zu den wichtigen Fragen der Menschheit gehört das Thema der natürlichen Ressourcen und ihrer Begrenztheit auf der Erde. Das betrifft Rohstoffe, die tatsächlich nur noch begrenzt verfügbar sind, aber auch nachwachsende. Inzwischen ist klar, daß die oben erwähnte Aquakultur zwar eine relativ neue und – bei oberflächlicher Betrachtung – möglicherweise auch rentable Möglichkeit ist, Nahrungsgüter zu produzieren, jedoch auch eine Vielzahl neuer Probleme aufwirft. Das zeigt sich in der Tatsache, daß für die unter solchen Bedingungen produzierte Menge an Fisch eine wesentlich höhere Quantität an Vorprodukten erforderlich ist. Ergo: Die Aquakultur verschärft das, durch die Überfischung der Meere, ohnehin bestehende Problem der Begrenztheit der Ressourcen und des Verschwindens der Arten weiter. Ein Beispiel für einen der “modernen” Aquakulturfische ist der Pangasius.

Die Problematik zu erkennen ist die eine Seite, ihr im täglichen Leben praktisch Rechnung zu tragen, die andere. Jenseits großer politischer und wirtschaftlicher Betrachtung und Diskussion kann der Einzelne im Alltag durchaus etwas tun. Jeder kennt Nahrungsmittel, die hier in der Region erzeugt werden und die mit einem relativ niedrigen Energieaufwand zum Verbraucher gelangen. Hinzu kommt der Geschmack, den viele aus der Kindheit und der Küche ihrer Mutter kennen oder durch eigenes Kochen erzeugen.

Ich hab die Karausche, ein Fisch der auch in sauerstoffarmen Teichen und Tümpeln leben kann, als Kind mit dem Senknetz gefischt. Heut gibt es sie, im Gegensatz z.B. zum Karpfen, im Laden allerdings nur noch selten. Dennoch: Die Binnenfischerei Peitz bei Cottbus oder Fischer an den südlich Berlins gelegenen Seen bieten ihn hin und wieder, ebenso wie Zander oder Barsch, an. Während man den Barsch mit viel Wurzelwerk kochen kann, empfehle ich die preisgünstige Karausche, gebraten in etwas Öl/Butter, zusammen mit Kartoffeln und Chicoree/Apfelsinensalat oder grünem Salat. Sie hat allerdings ein paar Gräten mehr. Und beachten: Beim Fischkauf unbedingt abschuppen lassen!

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24.01.2010

Berliner Qualitätswinter

Jürgen in am 24. Januar 2010, 17:20   16 Kommentare »

In Schnee und Eis erstarrt die Stadt,
die Sonne kämpft sich durch das Wolkengrau.
Wohl dem, der eine warme Wohnung hat
und jemand, der ihn – notfalls – wärmt. Genau!

Der Schnee verharscht. Es glitzert jeder Steg.
Die Hagebutten hängen tief gefroren.
Der Mensch geht trotzdem raus – als ein Beleg:
Er gibt den Kampf noch nicht verloren.

Der Steig trägt Split als schwarze Sprenkel-
auf and’ren Wegen rutscht man unentwegt.
Jetzt hilft z.B. das Prinzip vom Henkel:
Hak Dich nur ein, bevor es abwärts geht.

So wie der Yeti staunend träf auf Kinder,
so seh’n Berliner auf den Haufen Schnee.
Für Menschen ist die klare Luft gesünder.
Dem Gartenungeziefer tut die Kälte weh.

Hörst Du am Morgen auch das Quietschen, Nageln?
Das Auto will nicht los nach kalter Nacht.
Du musst ihm diese Absicht wohl verhageln
und startest, kratzt und schiebst, bis es geschafft.

Die U-Bahn fährt, die BVG lässt sich nicht lumpen.
Die S-Bahn…nun darüber will ich schweigen.
Der Mensch kann sich kein and’res Wetter pumpen.
Er hat nur dieses und dem muss er’s zeigen!

Die Sonne strahlt, dann ist die Stimmung spitze.
Frieren auch E-Mails ein? Sind Spams dabei?
Trägt unser aller Internet jetzt eine Mütze?
Ab wann hat so ein Blog denn kältefrei?

Schneemänner en gros – ganz ungelogen,
gebaut im Winter zweitausendundzehn
finden Berliner Archäologen
zweihundert Jahre später – Du wirst seh’n.

Ja, dieser Winter bietet Qualität.
Denk mal an ihn, wenn Du im Sommer schwitzt.
Wir sperr’n den weißen Herrn als Rarität
in’s Märkische Museum, wo er – wartend – sitzt.

Die Amsel singt, man sollte es nicht glauben.
Der Schornstein bläst die Wolken in den Äther.
Der Winter wird uns nicht die Hoffnung rauben.
Der Frühling – südwärts abgereist – kommt später!

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21.01.2010

Das weiße Band

Jürgen in am 21. Januar 2010, 21:00   3 Kommentare »

Der Film “Das weiße Band” läuft bereits seit einigen Wochen in den Berliner Kinos. Leider bin aus zeitlichen Gründen erst jetzt dazu gekommen, ihn mir anzusehen. Mein Urteil: Ein Kunstwerk!

Die Handlung spielt in einem norddeutschen Dorf in den Jahren unmittelbar vor dem ersten Weltkrieg. Hauptfiguren in dieser beinahe archaischen Umgebung sind ein überaus sitten- und glaubensstrenger evangelischer Pastor mitsamt seiner großen Familie, ein Dorfarzt, dem die Frau gestorben ist und der nun mit der Hebamme, die ihm das Haus besorgt, zusammenlebt, ein Baron, der als Gutsbesitzer Herr über alles und jeden ist und ein junger Lehrer, der versucht in der dörflichen Mischung aus Dumpfheit, Elend, Neid, Intoleranz, Gnadenlosigkeit und sehr bescheidenen Freuden zu bestehen.

Der Film von Michael Haneke bietet eine Reihe hochkarätiger, schauspielerischer Leistungen, eine ruhige und sorgfältige Kamera und einen Erzähler, der den Zuschauern den Ablauf des Geschehens mit einer einfachen und klaren Sprache ergänzt und verbindet dies alles zu einem künstlerischen Ereignis, wie man es nur selten auf der Leinwand erleben kann. Der Streifen – in schwarz/weiß gedreht – ist spannender als ein Kriminalfilm und er ist in vielen Einstellungen präzise wie ein Kammerspiel. Insbesondere dann, wenn die Kamera dicht am Schauspieler agiert, gelingen beeindruckende Szenen, wie zwischen Dorfarzt und seiner Haushälterin (Hebamme) oder der Besuch des Lehrers bei den Eltern seiner Freundin.

Das wunderbarste an diesem Film ist jedoch das Spiel der Kinder, die hier in großer Zahl das familiäre, schulische und dörfliche Leben dieser Zeit nachempfindbar machen. Manche Szenen, wie das Verhör eines Mädchens durch die Polizei oder wie der “Herr Vater” von seinem jüngsten Sohn einen Vogel geschenkt bekommt, vergißt man nicht so schnell. Wer es auch schaffte, die Kinder (fünf bis sechzehn Jahre) zu diesem Spiel vor der Kamera zu inspirieren, dem ist etwas großes gelungen.

Der Streifen wird wahrscheinlich kein Massenpublikum erreichen – gestern sahen ihn im Cinemaxx am Potsdamer Platz 50-60 Zuschauer. Aber: Dieser Film ist ein wohltuender Gegensatz zu dem Müll, der uns beinahe täglich in diversen Medien vor die Augen kommt.

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16.01.2010

Hungrige Gäste

Jürgen in am 16. Januar 2010, 11:03   1 Kommentar »

In der letzten noch verbliebenen Lücke in der Häuserfront dieser Mitte-Nebenstraße wachsen zwei Ebereschen. Ihre lachsroten Beeren leuchten weithin. In der vergangenen Woche hat sich mehrmals am Tag ein Schwarm Vögel daran gütlich getan. Mit etwas Mühe – und unter Nutzung des seit Jahren kaum gebrauchten, im Schrank beinahe vergessenen Fernglases – gelang es mir, diese Vogelart zu identifizieren: Drosseln. Und wenn ich das gesprenkelte Brustgefieder und den rostroten Farbeinschlag richtig erkannt habe, waren es Rotdrosseln. Sie sind zeitweise Wintergäste in Mitteleuropa.

Immer und immer wieder flog der Schwarm die Ebereschen (Vogelbeere) an und verschwand wieder, sobald ein durchfahrendes oder startendes Auto die Mahlzeit störte. Nach vier Tagen sind die Bäume nun beinahe abgeerntet. Der Hunger der Gäste war groß, aber ein paar Beeren sind dennoch übriggeblieben.

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14.01.2010

Dein ist mein ganzes Herz

Jürgen in am 14. Januar 2010, 09:12   3 Kommentare »

Zunächst könnten einem bei diesem Thema diese beiden Schlager in den Sinn kommen. Aber hier handelt es sich um einen Hit ganz anderer Art.

Die Firma Berlin Heart GmbH wurde 1996 gegründet und ist Entwickler und Hersteller von mechanischen Herzunterstützungssystemen. Herr Dr. Thamasett, Geschäftsführer, erläutert mir im Gespräch kurz die Situation im deutschen Gesundheitswesen sowie speziell in der Medizintechnik und verweist auf die Produkte seines Unternehmens, die er als sehr emotional bezeichnet. Bei den beiden Systemen “INCOR” und “EXCOR” – beide Erzeugnisse bzw. sensible Teilkomponenten werden in Berlin unter Reinraumbedingungen hergestellt – handelt es sich um Geräte auf Basis einer Pumpe, welche die Funktion des kranken Herzens unterstützen, jedoch das Organ nicht ersetzen können. Dennoch kann ein Patient, wartend auf eine Herztransplantation, mit diesem unterstützenden System seine Lebensqualität wieder deutlich verbessern bzw. die Zeit, bis ein Herz für eine Transplantation zur Verfügung steht, überbrücken. Die 500. Implantation des Systems “INCOR” wurde, laut “DHZB AKTUELL” im Oktober 2009 von Herrn Prof. Hetzer im DHZB durchgeführt.

In der “DHZB AKTUELL” vom November 2009 berichtete Prof. Hetzer ebenfalls, daß in den 90-er Jahren und vor Inkrafttreten des Transplantationsgesetzes mehr als doppelt so viele Herzen und Lungen als Spenderorgane zur Verfügung standen. Dr. Thamasett bestätigte, dass die Anzahl der Spender sinke. Offensichtlich gibt es in der Bevölkerung zu diesem Thema noch eine Reihe wichtiger Fragen und Vorbehalte, die bisher nicht ausreichend geklärt werden konnten.

Berlin-Heart wurde 2006 durch die Syscore GmbH übernommen, die an einem langfristig angelegten Firmenerfolg interessiert ist. Es ist gerade für Berlin – mit seiner in den letzten 30 Jahren gravierend veränderten Wirtschaftsstruktur – ein Weg für die Zukunft, wenn solche mittelständigen Firmen wie Berlin-Heart ihren Weg gehen!

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07.01.2010

Der Komponist

Jürgen in am 7. Januar 2010, 18:08   7 Kommentare »

Franz Bartzsch ist tot. Sein musikalisches Schaffen war vielfältig. Bekannt wurden seine Kompositionen insbesondere durch die Interpretationen von Veronika Fischer. Er schrieb Lieder, die … “im deutschen Osten jedes Kind mitsingen konnte”…(Birgit Walter).

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06.01.2010

Einmal Krementschug, hin und zurück

Jürgen in am 6. Januar 2010, 16:59   27 Kommentare »

Berlin erlebt (endlich) mal wieder einen ordentlichen Winter, der allerdings für die Menschen und die Wirtschaft eine stabile Energieversorgung erfordert. Gute Gelegenheit, an ein fast vergessenes Kapitel der ostdeutschen und jetzt deutschen Geschichte zu erinnern: Die Erdöltrasse Druschba.

In den Sommermonaten des Jahres 1977 machte sich eine Gruppe Studenten, darunter auch wir, von Schönefeld mit dem Flugzeug auf nach Kiew, Hauptstadt der Ukraine, damals noch Sowjetrepublik innerhalb der UdSSR. Wir fuhren, sozusagen als Jugendbrigade, für sechs Wochen – in den Semesterferien – zum Arbeiten an die Druschba-Trasse. Der Einsatz war freiwillig, versprach Abenteuer, aber auch sehr gute Bezahlung. Unser Standort war Krementschug am Dnjepr und wir wurden im Wohnungsbau eingesetzt. Sechs-Tage-Woche und Zehn-Stunden-Tag im Dreischichtsystem.

Die DDR war auf Rohstoffimporte, insbesondere Öl und Gas aus der UdSSR angewiesen und hatte, im Rahmen eines RGW-Beschlusses, die Aufgabe übernommen, mit eigenen Mitteln und Personal sowie auf eigene Kosten den 550 km langen Rohrleitungsabschnitt von Krementschug nach Bar zu bauen. Das heißt: Die Rohrleitungen wurden verlegt, mit allem, was dazu gehört. Die Verlege- und Transporttechnik mußte teilweise gegen Valuta in Westeuropa und Japan eingekauft werden. Alles sonstige an Material und Technik, bis hin zur Verpflegung wurde aus der DDR in die Ukraine geschafft. Die UdSSR bezahlte dann mit Erdgas bzw. -öllieferungen.

Wir bekamen als Studenten bei dem o.g. Arbeitsrhythmus wenig vom Land zu sehen, bis auf ein, zwei Ausflüge nach Kiew und Charkow und ab und zu mal Baden im Dnjepr. Bei den Einheimischen waren wir beliebt, vor allem die blonden Jungs bei den jungen Ukrainerinnen. Als sehr negativ empfand ich den ständigen Alkoholkonsum – die Studenten waren in die Brigaden eingegliedert – nach der Arbeitszeit.

Die Erdölleitung wurde letztlich bis nach Schwedt/Oder ins Petrolchemische Kombinat, heute PCK verlängert. Durch den Einigungsvertrag BRD-DDR hat das neue Deutschland diese Öl- bzw. Gaslieferungen und die damit verbundene Versorgungssicherheit “geerbt”. Das Rohöl wird auch heute in Schwedt veredelt und dann weitergeliefert u.a. per Pipeline in das Tanklager Seefeld bei Berlin. Die Energieversorgung der Hauptstadt und ganz Deutschlands (ca. 25% des verbrauchten Öls) wäre heute ohne diese Trasse kaum denkbar!

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04.01.2010

Partie Schach gefällig?

Jürgen in am 4. Januar 2010, 15:52   52 Kommentare »

Neues Jahr, neues Spiel, neues Glück, neue Ideen. Das HSB – in Person des Autors – bietet eine Schachpartie mit einem Leser an.

Während sich bei einer herkömmlichen Spielweise die Gegner gegenübersitzen oder – wie mal beim Fernschach üblich – Züge per Post austauschen, erfolgt dies Spiel hier mit Brett neben dem PC und per Zugfolge zu diesem Beitrag über die Kommentare. Es besteht weiterhin die Möglichkeit, daß andere, interessierte Leser das Spiel verfolgen und sofort – das ist bei herkömmlicher Spielweise am Brett nicht üblich – ihre Bemerkungen zum Spiel machen (hier mittels der Kommentarfunktion) und auch Züge bzw. Zugfolgen vorschlagen können. Beide Spieler entscheiden allerdings selbst, ob sie diese Kommentare/Vorschläge berücksichtigen und welchen Zug sie auswählen.

Die anderen Regeln wären wie folgt:
1. Ich spiele mit Weiß. Der Gegenspieler sollte sich bis 9. Januar melden.
2. Gespielt wird bis zur Entscheidung. Sollte das Interesse groß sein oder einer der beiden Spieler wünscht Revanche, findet eine zweite Partie statt. Dann spielt der Leser mit den weißen Figuren.
3. Spielbeginn 11.1.10. Jeder Spieler hat pro Zug/Gegenzug eine Woche Zeit.
4. Um den Unterhaltungscharakter in den Mittelpunkt zu stellen, sollte der Leser ein bißchen Ahnung vom Spiel haben, aber kein Wettkampfspieler oder gar Profi sein.

PS: Da ich nicht weiß, wieviel schachinteressierte Leser wir überhaupt haben, ist dies als ein Versuch anzusehen. Sollte sich bis zu dem in 1. genannten Termin niemand gemeldet haben, stampfe ich die Idee wieder ein.

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