Sebastian in Kultur am 14. Juni 2010, 16:55 8 Kommentare »
Dem ein oder der anderen Leser/in ist die Verbundenheit dieses kleinen Weblogs mit dem Weddinger Prime Time Theater bekannt. In der Vergangenheit wurde über den Charme, die Stücke und die tolle Entwicklung dieses so genannten Off-Theaters hier berichtet.
Wie die taz schon vorletzte Woche gemeldet hat, ist das Prime Time Theater von der Liste der förderungswürdigen Spielstätten geflogen. Dies bedeutet den Wegfall der Basisförderung von etwa 35.000 EUR Klar, es ist immer einfach zu sagen, es muss überall gespart werden. Genauso einfach ist es, zu sagen, “nur bei mir nicht”.
Dennoch lohnt sich bei allem Eigennutz (weil man dort gerne hingeht) ein genauerer Blick. Über 90% Auslastung, 50.000 Besucher im letzten Jahr. Das ganze im Kiez verwurzelt mit einem vielschichtiges Publikum. Die ersten Jahre hat das kleine Team mit viel Fleiß und Schweiß etwas hochgezogen, was es eigentlich in Berlin nicht geben dürfte: Erfolgreiche Kulturarbeit, die sich im Wesentlichen selbst trägt.
Und genau darauf geht jetzt auch das Schreiben des Bezirksbürgermeisters von Mitte, Christian Hanke, an die Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten (Staatssekretär Schmitz) ein, das dem Autor vorliegt.
Diese Entscheidung ist mir unverständlich, und ich bitte darum, sie nochmals zu überprüfen oder nach einer anderen Lösung zu suchen.
Weiter heißt es:
Die Basisförderung ermöglicht es dem Theater, nicht nur auf Knaller wie die Soap zu setzen, sondern auch kommerziell riskante Projekte in Angriff zu nehmen, z.B. verstärkt Stücke von/für die zahlreichen Migranten in Mitte und anderswo in den Spielplan aufzunehmen. Ohne diese Förderung müssen die Kartenpreise erhöht werden, was wiederum ausschließlich die sozialen Schichten trifft, für die ein Theaterbesuch ohnehin schon ein seltener Luxus ist.
Bleibt zu hoffen, das noch Bewegung in die Sache kommt.