01.06.2008
18.04.2008
Der Gernsehclub: Denn sie lieben, was sie tun
Sven in Kultur am 18. April 2008, 05:02 1 Kommentar »
Interessiert die im Fernsehen überhaupt ihr Publikum? Und interessiert sie ihr schrilles, oft zur animierten Zimmerbeleuchtung geratenes Medium, in dem sie so omnipräsent sind, interessiert es sie über die Gagen hinaus?
Interessiert sich die teutonische TV-Prominenz für die Berliner jenseits von roten Teppichen oder als Claqueure in den Studios von Adlershof? Und wie! Einige von ihnen sogar so sehr, dass sie jetzt einen Gang zurückschalten und in einem Berliner Club das Fernsehen “wie früher” fördern wollen. Früher, als man sich rituell mit Getränken und Knabberzeugs wie der legendären “Telebar” eines großen Kölner Schokoladenherstellers vor “den Geräten” versammelte um eine ganz bestimmte Sendung zu sehen. Von vorne bis hinten.
In Berlin wollen jetzt TV-Stars genau so mit ihren Zuschauern fernsehen. Zusammen und im kleinen Kreis. Um das möglich zu machen gründete das Management von TV-Prominenz wie Oliver Kalkofe oder Oliver Welke mit vielen TV-Protagonisten in der Hauptstadt den “Gernsehclub”.
16.03.2008
Calling All Stations
Sven in Stadtnotizen am 16. März 2008, 16:14 7 Kommentare »
12.03.2008
26.02.2008
Hust, keuch.
Sven in Stadtnotizen am 26. Februar 2008, 19:12 22 Kommentare »
Teilzeitberliner Joe Jackson, der gerade in der Hauptstadt sein neues Album aufgenommen und vorgestellt hat, hebt das Thema „Rauchen“ in die Hauptnavigation seiner offiziellen Website:
Das allein wirkt schon irgendwie absurd, macht aber insofern Sinn, als sich da im Grunde ein Mensch mit wachem Geist gegen freiwillige Bevormundung im großen Zusammenhang aufregt:
All the evidence suggests that health authorities and their pharmaceutical allies are establishing a supra-national nanny state which will increasingly dictate our lifestyles whether we like it or not.
We are constantly in search of scapegoats and panaceas, and seem to see life as a rather desperate game, to be played very hard, with whoever lives the longest being the winner. The trouble is that we’re forgetting how to enjoy playing.
It gives me the creeps.
(Aus: Joe Jackson: “Smoke, Lies And The Nanny State”, 2007.)
25.02.2008
Tierisch recht schreiben
Sven in Stadtnotizen am 25. Februar 2008, 17:58 11 Kommentare »

Ich versuch’s mal so zu sehen: sie versuchen eine besonders schöne Form des Genitivs vor dem Aussterben zu retten.
[Quelle: Wurfsendung des Berliner Zoos.]
09.01.2008
Äh, Berlin?…
Sven in Kultur am 9. Januar 2008, 06:44 Leserbriefe
Hier fragte ich mich immer: Was soll nur der bekloppte eierkohlenartige Bindestrich zwischen dem AIR und dem BERLIN?

Aber prima: so hatte ich immer was zu grübeln in der Zeit zwischen Check-in und Abflug. Und das lenkte mich von dem komischen Gedingse aus drei langen Balken links daneben ab (was soll ein Eishockeyschläger im Logo einer Fluggesellschaft?). Was ich schön fand, war die (zwar leider als Condensed besetzte) wenn auch im Look etwas unausgegorene aber immerhin serifenlose rote Fettschrift. So was macht sich gut auf Flugzeugen. Wegen der serifenlosen Fettschrift war es ja schon schade gewesen, dass die Swissair pleite ging. Aber die Nachfolgegesellschaft Swiss hat ja weitergemacht mit schönen roten fetten serifenlosen Lettern. Naja, so saß ich auf Flughäfen, meditierte über den eiförmigen Deppentrennstrich und hoffte auf einen CI-Relaunch von Air Berlin.
12.10.2007
Road To Hell
Sven in Kultur am 12. Oktober 2007, 05:04 Kommentar schreiben »
After all this time, through the rain and tears
After all this time, after all these years
I’m only loving you again"
(Chris Rea)
Flashbacks. Schnappschüsse der Seele. Gerade folgender: 1985 mit 21 in Westberlin im Cafézelt von Irene Moessingers Tempodrom gesessen und Kaffee getrunken, als Kaffee noch Kaffee war und nicht Latte Macchiato (ich gäb’ was drum, hätte ich damals schon eine Latte gehabt, es wäre perfekt gewesen). Damals, als das Tempodrom noch nicht Beton sondern ein Zelt war, mit Blick auf den Reichstag. Ich stellte den Walkman aus, denn aus den Lautsprechern perlte Chris Rea und das Personal dauerlächelte. Ein leichter Wind blies, die Zeltplanen blähten sich, ihr Flattern klang wie ein sich aufbäumendes Pferd im vollen Zaumzeug, und die Zukunft roch gut.
Helmut Kohl verjagte das Zelt, in dem er ein Sicherheitsrisiko für sein betonstrotzendes Kanzleramt sah, von seinem angestammten Platz. Herr Gerkan – der Hauptbahnhofarchitekt, der von Herrn Mehdorn verjagt wurde – entwarf das Tempodrom am Anhalter Bahnhof neu. In Beton. Frau Moessinger ging zur Neuselbstfindung ins Kloster und mein Walkman verrottet auf irgendeiner Müllkippe. Ich wohne in Berlin Friedrichshain und aus meinem iTunes perlt über die Surround-Anlage Chris Rea.
Die Zukunft riecht.
„Schauen wir nicht zurück im Zorn“, postulierte vor Jahren die Kabarettistin Lore Lorentz, „schauen wir nach vorn – im Zorn.“ Unterschreibe ich so, bis auf den Zorn. Den muss man ablegen vor dem nächsten Schritt vorwärts. Sonst gibt’s kein Dauerlächeln.
2007. Ich wohne wieder in Berlin.
I’m only loving you again.
14.06.2007
Berliner Folklore
Sven in Kultur am 14. Juni 2007, 04:53 34 Kommentare »
In Berlin Friedrichshain an der romantischen Karl-Marx-Allee sind Ordnungswidrigkeiten Folklore. Jedenfalls, wenn es nach dem lokalen Polizeirevier geht. Die diensthabenden Streifenpolizisten beehrten den Autor dieses Artikels aus Anlass einer Ruhestörungsmeldung vor zwei Tagen noch nachts um drei in seiner Wohnung und erklärten ihm, nächtliche Ruhestörungen gehörten zu den (ich zitiere wörtlich) „üblichen Aktionen des Friedrichshainer Packs“ und dagegen könne man gar nichts machen. Das sei eben Berlin.
Die freundlichen Beamten legten es dem Autor nahe, umzuziehen. Schwertrunkene Ruhestörung rund um die Uhr, öffentliches Urinieren und das Mitführen dauerkläffender großer Hunde – in Berlin Ost keine Ordnungswidrigkeit, sondern Lokalkolorit. Die Streifenpolizistin schaute den Autor im Gehen von oben herab an und sagte: „Ich wohne hier doch auch nicht. Sie aber ziehen hier aus ganz Deutschland hin, weil Sie einen aufregenden Kiez wollten – das ist er.“
Na, danke, Freunde und Helfer. Ich zahle 1000 Euro Miete im Monat. Und von meinen Steuern bezahle ich Euch, Eure Arbeit und Eure Wohnung, die nicht hier ist. Ich habe das Gefühl, ihr habt die Managerkrankheit: ihr macht Euer Problem zu meinem. Wenn ich meinen Job nicht gut mache, bekomme ich keinen Anschlussjob. Aber ich bin ja auch nicht verbeamtet.
26.05.2007
Berlin kennenlernen mit Flickr
Sven in Kultur am 26. Mai 2007, 00:05 2 Kommentare »

Na, super! Da verlegt ein Tourist aus Kanada qua Flickr-Album die Nuttenbrosche Weltzeituhr und den Fernsehturm am Alex auf einen Friedhof in Ostberlin, vergibt als Suchwort „Berlin Wall“ und verbietet dann das bearbeiten der Suchworte, und die Ortskorrektur auf der Karte von Flickr ist nicht möglich. Das, Herr Flicker, ist überhaupt nicht zwonull, das ist bestenfalls anderthalb, auf keinen Fall ist das Gamma – höchstens mächtig verstrahlt!
Demnächst stehen japanische und amerikanische Touristen auf den Familiengräbern der Friedhöfe Friedrichshain und beklagen die wider Erwarten schlechte Aussicht und dass es keinen Ausschank gibt während andere über die Friedhofsmauer in den Hof der Kindertagesstätte in der angrenzenden Auerstraße klettern, um die Selbstschussanlagen zu fotografieren. Weiter mit Musik!
31.08.2006
Retter Bier
Sven in Stadtnotizen am 31. August 2006, 17:14 14 Kommentare »

Kleck, teck, deleck… So etwa klingt es, wenn Kronkorken auf das Trottoir fallen. Vor allen Läden im Berliner Osten, das scheint Standard zu sein, steht Tag und Nacht ein obligatorisches spiegeltrinkendes, glasig vor sich hinstarrendes Dreimännergrüppchen mit Bierflaschen. Die tauschen auch manchmal Worte und Sätze und klingen dann wie die millionste Wiederholung der Frozzeleien von Waldorf und Stadler aus der Muppet Show: “Aabait? Ick will keene Aabait, ick will Jeld.” – „Hahaha“ – „Hohoho.“ – „Allet Schaiße, deine Elli, wa!“ – „Ja, kennwa, kennwa. Hörma auf.“ Männer in Ostberlin machen außerdem gerne Nordic Walking in der postsozialistischen Depressionsvariante mit Bierflasche statt mit Stöcken in festem Griff; Ja, ich möchte sagen: Männer ohne Bierflaschen in der Hand fallen im Berliner Straßenbild auf, wie Frauen in türkischen Teestuben.
Die lokalen Einzelhändler bedienen den Trend: nahezu jeder bietet auch Bier an: „Thai Grill: Knusprige Ente 1 Euro, Flaschenbier 35 Cent“, „Bäckerei: Schrippen 15 Cent, Flaschenbier 30 Cent“, „T-Punkt: Handy 50 Cent, Flaschenbier 10 Cent (ohne Vertrag, mit Vertrag ein Kasten umsonst. Mit Pfand)“. Man sieht die Berliner Einzelhändler förmlich morgens die schlafverkrusteten Augen aus ihren Läden strecken, um zu sehen wie viel der Nachbar für die Flasche Hopfenplörre nimmt, um dann wie ein Tankstellenpächter auf dem eigenen Aushang einen Cent runter zu gehen.
Und dann kommen sie wieder, die dauertrunkenen Dreiergrüppchen. Angewankt kommen sie wie die Tanantino-Version der Bewohner des „Tals der lebenden Toten“. Dann stellen sie sich wieder für den ganzen Tag an die kippeligen Bistrottische, trinken Bier und rauchen Kette und pissen ungeniert zu jeder Tages- und Nachtzeit an Stromkästen und Alleebäume. „Und warten darauf, dass sie tot umfallen“ denke ich in ganz schwarzen Momenten und auch weil mir das Konzept der völligen Verzagtheit fremd ist. Wenn man keinen Funken Selbstachtung mehr hat, und wenn man vor allem überhaupt nichts mehr will, wenn selbst ein Gummibaum schlagfertiger ist als man selbst, dann, so dachte ich immer, dann stirbt man, und dass das so ist, wird ein Labsal sein. Seit ich in Berlin wohne, weiß ich, dass es leider nicht so ist. Wenn man überhaupt nichts mehr will, steht man noch jahrelang den ganzen Tag und die halbe Nacht mit glasigem Blick spiegeltrinkend und kettenrauchend an kippeligen Bistrottischen vor irgendwelchen Läden. Das Gefühl das sich einstellt, wenn ich die Flaschenzombies sehe, kann mir vor Beklemmung die Kehle zuschnüren. So sehr, dass ich das ganz dringende Bedürfnis verspüre, ein Bier zu trinken. Kleck, teck, deleck…
26.08.2006
02.08.2006
Berlin Flashback
Sven in Aufnahmen am 2. August 2006, 04:09 4 Kommentare »

Der ganze alte Scheiß. Pigbag. Carmel, Sade, Matt Bianco, Miles Davis „Tutu“ und Chris Rea. Der Geruch von nassem Asphalt in einem Kreuzberg, das an der Oberbaumbrücke aufhörte. Sommer ’85 mit Dollar Brand und „Ntsikana’s Bell“, der kultigen Wiederauflage von Billy Wilders „Eins, zwei drei“, Percy Adlons „Zuckerbaby“, dem „Himmel über Berlin“ und dem Geheimtipp Jim Jarmusch mit „Stranger than Paradise“. Die Philharmonie steht noch an der Mauer, die Esplanade wird noch nicht vom SONY-Center erdrückt und das Tempodrom am Reichstagsufer ist ein Zelt. Das war, als ich Mitte zwanzig war. „Mitte“ war das Kottbusser Tor, Bloglesungen waren die Programmkinos mit Filmemachern unter der Woche und Kleinkunst am Wochenende. Billigflug hieß Interrail und hinter’m Zoo und in Helmstedt gab’s einen Halt und DDR-Stempel in den Pass. Der ganze alte Scheiß eben.
Die Musik ist noch da, die Leute sind alle weg – wie das so geht, wenn man Freundschaften nicht pflegt und die Twen-Launen einen die Taue gründlich kappen ließ. Ich bin sicher, wir sind viele, die mit ihren Best-Of-The-(beliebiges Jahrzehnt eintragen)-Mixtapes am Ende ganz alleine bleiben … und Gedanken denken, die sich heute kryptisch anhören, so wie „Monk ist jetzt auch schon 24 Jahre tot“, und die Leute sagen: „Wieso, die Serie läuft doch noch?“ und die Anlage spielt Joe Jacksons Version von „Round Midnight“ vom 1984er Album „That’s the way I feel now“.
Ich wohne wieder in Berlin und meine Nachbarn erzählen von der Zeit, als der Friedrichshain an der Oberbaumbrücke aufhörte. Niemand wird je dasselbe Mixtape haben. Aber glücklich schätze sich einjeder, der jemanden kennt, der eins hat. Er weiß, wie es ist Musik und Erinnerungen zu haben, die man niemand anderem erklären kann.
18.07.2006
10.07.2006
06.07.2006
17.04.2006
Hechel, hechel
Sven in Kultur am 17. April 2006, 15:39 20 Kommentare »

Der Spaziergang als Selbstzweck scheint dem Berliner peinlich zu sein: So kann er nicht in den Park gehen, ohne Hunde oder schreiende Säuglinge auszuführen – wobei (wie der Herr so’s G’scherr) der Hund im Park auch nicht einfach nur herumtollt, sondern zum Behufe des Kotens ausgeführt wird.
Auch wenn der Berliner keinen schreienden Säugling oder einen kotnötigen Hund zur Hand hat, weiß er den Selbstzweck zu bezwingen: so hat er für diesen Fall doch immer noch Rollerblades im Schrank oder er geht und joggt. Selbst Nordic Walking auf Hartz-Vier-Basis läßt sich beobachten: man macht dieselben ulkigen Armbewegungen wie beim Nordic Walking, allerdings ohne die teuren Stöcke.
Im Volkspark Friedrichshain gibt es jetzt eingezäunte Areale für Menschen mit Hunden. Wo ist die Bürgerinitiative, die sich kümmert um eingezäunte Areale für Menschen mit schreienden Säuglingen und einen kleinen, hinter Sichtschutz versteckten Rundparcours für die Jogger, Skater und Walker? Es muss doch möglich sein, die Sinnlosikeit des Seins in Frieden und ohne Übersprunghandlungen zu genießen.
21.03.2006
Wie man in Berlin mit schönen Dingen Karriere macht
Sven in Kultur am 21. März 2006, 04:20 13 Kommentare »
19.03.2006
Mozart am Trapez
Sven in Kultur am 19. März 2006, 00:24 Kommentar schreiben »

“Mozart am Trapez”, WINTERGARTEN Berlin (bis 22. April 2006)
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