13.09.2009
Primetimetheater - Die Umgezogenen
Ute in Kultur am 13. September 2009, 23:21 2 Kommentare »
Spontan ins Primetimetheater? Bis vor einigen Monaten ein aussichtsloses Unterfangen. Immer ausgebucht und auf Wartelistenspiele an kostbaren Wochenendabenden hatte ich keine Nerven, gut, auch keine Zeit.
Aber jetzt! Jetzt ist alles anders, im neuen Theater um die Ecke, das allerdings nicht mehr von Rolf Eden vermietet wird. Seit Mai 240 statt 140 Plätze, großes Foyer, alles ebenerdig und eine so funktionsfähige Klimaanlage, dass ich den obligatorischen Reservierungsschal mir später um den Hals wickeln konnte.
08.02.2009
Roter Koffer
Ute in Stadtnotizen am 8. Februar 2009, 11:29 3 Kommentare »
Samstagabend, Liegnitzer Straße. Halt in zweiter Reihe, nur eben zum Zeitungkaufen. Gasleuchtenschummer. Am Rande der Wahrnehmung jene Frau mit modischen, orangeroten Wildlederfellstiefeln hundert Meter vor mir, zwei kleine Kinder springen ihr um die Beine. Ausladen von Gepäck. Die Winterferien gehen wohl zu Ende. registriert eine hintere Gehirnwindung.
Zeitung gekauft, rein ins Auto, Anfahren. Was ist das da auf dem Kopfsteinpflaster? Feuerlöscher? Kuriertasche? Das andere Auto biegt gerade gemach um die Straßenecke. Meines stoppt. Ein Koffer, roter Koffer vor meinen Scheinwerfern. Größere Kindergröße oder fürs Beiwerk. Anrufen. Karte mit Telefonnummer finden. Oder Anhänger. befiehlt das wohlerzogene Hirn. Aber nichts hängt dran, nichts steckt vorne drin.
Klingeln beim Tierarzt nebenan. Ist eine Inspektion im Licht möglich? Die Dottora, die im Kiez viel gewohnt ist, lässt mich mit meinem Ansinnen ungerührt ins Wartezimmer ein. Ein Bündel Schmutzwäsche in ein buntes Bettuch eingeschlagen. Meine Finger greifen nicht bis unten durch. Wenn ein totes Baby drinsteckt? poppt das Gothic-Fenster auf. Aber keine Boulevard-Phantasie wird Wirklichkeit.
Ein roter Koffer ist ein roter Koffer. Nur mit Schmutzwäsche drin. Der kommt jetzt auf den Bürgersteig, neben den Baum vor der Praxis. In spätestens einer Stunde sollte ihn jemand vermissen.
12.01.2009
Businessclass nach Down-Under
Ute in Kultur am 12. Januar 2009, 11:42 Kommentar schreiben »
Ist schon okay, wir buchen ja den Flug. Aber bitte, schneidet dafür den Film kürzer! Gute Güte, wie viele Millionen muss die australische Tourismusvereinigung in Australia geschaufelt haben. Reisen immer noch so wenige Menschen ins Outback? Zwei Stunden 46 Minuten Breitwand-Schmonzette ohne Pinkelpause.
Australia. Was uns Baz Luhrmann also schon immer mal über die Schönheit des Outback, das Wahrhaftige und Gute der Aborigines, die Kraft der Liebe, Intrigen, Hass, Bigotterie und Krieg erzählen wollte. Also über alles. Aber in so was von über-auserzählt, dass auch der letzte Blindo beispielsweise sehen muss, hey, die vier dunklen Reiter sind die Bösewichte!
Und wer triefte und sabberte nicht beim Anblick des workoutgestählten Körpers von Hugh Jackman, auch wenn sie nicht Nicole Kidman oder Sarah Ashley heißt? Traut Baz Luhrmann dem Gehalt seiner Geschichte nicht? Und traut er seinen Zuschauern nicht zu, dass sie die Geschichte auch in ihren eigenen Köpfen sehen? Oder wollte er einfach nur mal richtig auf den Sack hauen und demonstrieren: Wenn ich die Kidman schon mal habe, dann zeige ich sie auch fast drei Stunden!
31.08.2008
Maskottchen abends
Ute in Aufnahmen am 31. August 2008, 13:28 Kommentare
Maskottchen tags
Ute in Aufnahmen am 31. August 2008, 13:27 Kommentare
11.08.2008
GWSW, tiefgekühlt
Ute in Kultur am 11. August 2008, 20:59 6 Kommentare »
Dass ich bei unseren Freunden von GWSW mal frieren würde, hätte ich mir anno 2004 als unsere Fan-der-ersten-Stunde-Karriere mit heißem Kopf und heißer Raumluft an der Osloer Straße begann, auch nicht träumen lassen. Aber nun gibt es Naturland-Bületten, neue hölzerne Kirchenbanksitzreihen und eben, seit kürzestem, eine Kalimaanlage! Kulturbegleiterin und ich kuschelten uns in unsere Reservierungsjacken, ja, denn eines hat sich allen Neuerungen und dem stilkonformen Umzug an die Müllerstraße gegenüber vom Arbeitsamt Wedding zum Trotz nie geändert: die drangvolle Enge, die einem in jeder ausverkauften Vorstellung die Schulter jedes, aber auch jedes Sitznachbarn kennen lernen lässt.
Aber, was wollte ich doch gleich sagen? Eine Sommanachtstaraum kam als wilder Szenenmisch aus vermutlich allen Good-Old-Willie-Stücken daher. Lysa und Hermi, Demi und Helena, eine schwäbelnde Thisbe, eine sprechende Mauer, die den Löwen eurythmisch tanzen kann, die Königin Happy Hippo… Es wurde rasant am Bildungsbürgersteinbruch geklopft und ich habe nur noch auf Othello als prenzlwichsenden Du, das blitzt mich total-Deutschländer mit Migrationshintergrund gewartet.
04.08.2008
Air-Art
Ute in Kultur am 4. August 2008, 08:03 Kommentar schreiben »
WWWWWWWWWUURRRRRRRRRRRRRRRRR! Am Ende der Hiroshi Sugimoto-Ausstellung erwartet einen rechterhand eine Klanginstallation, die mit unwetterartigem Getöse alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Das Tollste ist – es handelt sich um interaktive Kunst und man darf da in der Neuen Nationalgalerie sogar mitspielen und selbst Getöse erzeugen!
An der Wand hängt ein von außen unspektakulärer, grauer Apparat mit gelber Kante. Im Querschnitt ist eine birnenförmige Aussparung zu erkennen, magisch zieht es meine rechte Hand wie die hereinrasende U-Bahn einem an der Bahnsteigkante herein. Vorsichtig, zentimeterweise, denn die Kombination aus Höhle und Getöse meldet Furcht: Ist die Hand gleich ab? Wird sie von bösen Zähnen im Inneren abgefressen? Uterus- und Verschlungenheitsphantasien, Kastrationsängste, alles, was an lose herumflatternden Begriffsschnipseln vom Herrn Freud in meinem Hirn vorhanden ist, klumpt sich zu einem gehörigen Ballen Furcht zusammen.
03.08.2008
Rupprecht Geiger
Ute in Kultur am 3. August 2008, 09:41 Kommentar schreiben »
Wie fandest du denn die Rupprecht-Geiger-Ausstellung? Umzingelt von mindestens vier echten, ausgebildeten und aktiven Malern rappelte ich mich am Ende eines langen, heißen, schwülen Tages zusammen und sah mich sogar imstande diese Frage semiprofessionell zu beantworten. Semi, sehr semi sogar, was Kenntnis und Einordnung des Künstlers in einen kunsthistorischen Kontext und seine Bedeutung für die Malerei der Gegenwart bedeuten. Dafür also die Maler-Combo um mich herum. Professionell, was den Ausdruck angeht. Gelernt ist eben gelernt, womit verdiene ich schließlich mein Geld?
Um es kurz zu machen: Bunt. Farbig. Schreiend zum Teil. Und genauso großartig wie damals, als ich vor 15, 20 Jahren die ersten neongrellen Farbflächenbilder von Rupprecht Geiger in der Kunsthalle Mannheim erlebte. Aber auch genauso anstrengend, denn diese harmlos tuenden Farbflächen mit ihren schlichten geometrischen Formen sind gleichermaßen ein Eintauchen ins Licht, in die Leuchtkraft der Farbe, wie auf Dauer eine herbe Attacke fürs Auge. Sie sind in ihrer über-strahlenden Farbigkeit richtig anstrengend. So viel Farbe, die belebt, kann auch richtig enervierend sein. Fasziniert bin ich heute wie damals.
02.08.2008
Donnerwetter
Ute in Stadtnotizen am 2. August 2008, 11:53 Kommentar schreiben »
Großartiges Spektakel gestern Abend am Savignyplatz – erst Blitzkulisse rechts, dann links. Links angekommen allerdings mit ebenso großartigem Regenguss. Unter der Markise ließ sich’s gut und trocken von oben beobachten. Festgestellt: Regentropfen können bis auf Kniehöhe springen, selbst im Trockenen. Wie die das unterm Tisch wohl machen?
31.07.2008
Liebermann-Villa mit Birkenmode
Ute in Kultur am 31. Juli 2008, 17:30 2 Kommentare »
Zeit für den jährlichen Besuch in blühenden Gemälden! Diese versprechen schließlich auch dem Idylle und Kultur suchenden Ausflüger Besinnung, Bildung und Schatten. Und damit gibt’s auch für die unausweichlichen Bilder, die die Weltöffentlichkeit jährlich davon und von mir hinnehmen muss. Aber sind wir nicht sowieso alle bekennende Floralblogger?
Im oberen Stock der Liebermann-Villa ist derzeit eine Ausstellung mit und zu den Birkenweg-Bildern von Max Liebermann und Kollegen zu sehen. Die Birke in der Geschichte der modernen Malerei sozusagen. Wussten Sie schon, dass es zu Beginn des Jahrhunderts eine regelrechte Birkenmode gab? Sehr schön auch das wandhohe Gemälde mit den lebhaft schwebenden, grünen Blättern, passend zur Saison, Sommer, von Kurt Hagemeister. Wieder was gelernt. Achtung, bei den derzeitigen Temperaturen empfiehlt sich übrigens das Mitführen eines Fächers, damit man in den farbenschonend gedimmten und geschlossenen Räumen des Obergeschosses nicht kollabiert.
Wer lieber auf den Birkenweg in vivo von der Terrasse aus blickt, sollte sich die leckeren Torten im Café Max, das von Mutter Fourage bebacken wird, nicht entgehen lassen. Schatten spendet übrigens auch das Holzrondell-Häuschen an der Kante vom Wannsee oder eine Banke am Wegesrand. Das Strandbad Wannsee tönt in angemessener Sommerstärke über den ganzen See und dekoriert das Ausflugsvergnügen.
Wer dann noch mehr Seeblick und Park haben möchte, flaniert zur Gedenkstätte Haus der Wannseekonferenz ein paar Häuser weiter. Für die – sehr sehenswerte – Ausstellung braucht’s allerdings ein starkes Nervenkostüm; der denkmalgeschützte Garten der ehemaligen Villa Marlier dagegen ist unkompliziert während der Öffnungszeiten der Gedenkstätte zugänglich.
24.07.2008
Reisenotizen
Ute in Stadtnotizen am 24. Juli 2008, 20:41 2 Kommentare »
Ick mach doch nicht den Obama. So weit käme das ja noch, mich mit den Millionen um die Siegessäule zu scharen, wo ich das doch viel bequemer im Fernsehen haben kann. Gekühltes Grapefruit-Mädchenschlabberbier dazu. Es ist Sommer, ich trinke mein jährliches Bier und lege die Füße auf den Tisch.
Wie schön ruhig ist SO 36! Isch bin Türkei. Und alle anderen geben die Toskanafraktion. Leise ist’s selbst im Hinterhof. Nur der häusliche Nachbar kocht gerade nicht beruflich, frönt seiner mittäglichen Leidenschaft für schlimme Hartmetallmusik ohne Kopfhörer. Wummert mir die Bude voll, bis die Gardinenstangen vibrieren. Na, so lang er nicht wieder mit nichts anderem als Tigertanga oben an der Flurreling steht und meine Besucherinnen erschreckt, soll’s mir recht sein. Dagegen ist Hartmetallmusik harmlos.
22.07.2008
Die Riess. Der Tobias.
Ute in Kultur am 22. Juli 2008, 19:01 Kommentar schreiben »
Es muss ein Bubikopf werden. In den zwanziger Jahren waren die Frauen überhaupt viel eleganter gekleidet. Das kommt also dabei heraus, wenn Fotofreundin und ich gemeinsam Ausstellungen besuchen. Und die Erkenntnis: Die Riess lebte in einer Welt, die ausschließlich von Schriftstellern, Malern, Boxern und Galeristen bevölkert war. Ärzte, Juristen, Unternehmer und vor allem andere Fotografen kamen darin nicht vor.
Szenenwechsel von den 20er-Bohème-Jahren in die 50er und 60er. Herbert Tobias, heftig bestritten vom zielgruppenspezifischen Freund, dass das Ausstellungsplakat einer zielgruppenspezifischen Ästhetik folge. Alles Lüge, das, natürlich.
31.05.2008
Immer noch Oper in der U-Bahn
Ute in Kultur am 31. Mai 2008, 16:10 1 Kommentar »
Kürzlich war ich bei der Oper in der U-Bahn. Feldforschung im beruflichen Wie machen die Marketing-Kollegen das da?-Modus, aber auch schlichtes Anonymvergnügen mit einer so populären Oper wie der Zauberflöte, von der selbst ich Opernlaie den Plot kenne.
Ja, das war schon ein schönes Event, anders als höchstgedrechselte Hochkultur, mit guten Gimmicks, die aber keine inszenatorischen Mätzchen vom Herrn Hagel waren. Es rappelte der bissige U-Bahn-Waggon auf dem real existierenden Gleis in den Schultes-Franck-Bahnhof, Jan Plewka krächzte fein daneben den Papageno in Punkerklamotte, seine Papagena schlich als Tütenweib mit Einkaufswagen durch die Kulisse, bevor sie sich zum hübschen Punkerweibchen mausern durfte. Die drei Begleiterinnen der Königin der Nacht im adretten Pan-Am-Stewardessen-Look, unverstärkt, so wie die meisten der Sängerinnen und Sänger. Könnte ich übrigens bitte zum nächsten Anlass so ein Ich-spieß-dich-auf-Kragen von Konplott wie die Königin der Nacht bekommen?
07.04.2008
Unter Stalinorgeln
Ute in Stadtnotizen am 7. April 2008, 08:47 Kommentar schreiben »
Wie praktisch, wenn die Freunde neben historischen Orten wohnen. Deshalb kürzlich unter dem Motto Lerne deine Heimat kennen ein Stadtspaziergang in Karlshorst.
Der führt einem unweigerlich an der Trabrennbahn, aber auch am Deutsch-Russischen Museum vorbei. Das Wetter war allerdings zu schön, um sich ernsthaften Themen im Inneren des ehemaligen Offizierskasinos zu widmen.
Am 8. Mai 1945 wurde dort die bedingungslose Kapitulation des nationalsozialistischen Deutschlands ratifiziert und der 2. Weltkrieg beendet, am 10. Mai 1995 das Museum eröffnet. Wir begnügten uns vorerst mit einem Blick auf Panzer, Geschützfahrzeuge und Stalinorgeln (im Bild rechts) im Park. Ein Besuch im Inneren dann ein anderes Mal, na ja, zum Beispiel an einem grauen Novembertag.
29.03.2008
Ausgerechnet - Neukölln
Ute in Stadtnotizen am 29. März 2008, 10:50 Kommentar schreiben »
Neukölln. Kaum bin ich mal drei Wochen am Stück nicht in Berlin, schieben sich die trendigen, die szenigen, angesagtesten Viertel der Stadt an meine Haustür heran. Die kleine ökolandwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft ist von der Pannierstraße in die Reichenberger umgezogen. Vergrößert sich zu einem echten Supermarkt und hat idealerweise auch gleich die lahmtrinigen Bedienerinnen (hoffentlich) abgeschafft. Neukölln goes Kreuzberg.
Hey, und dann den abschließenden Latte im voll neuen, angesagten, hippen Szenebezirk trinken. Dass das Rudimarie am Weichselplatz aufgemacht hat, ist nur zu begrüßen. Sonne, guter Milchkaffee, spazierstrategisch günstig gelegen, wenn man eine Runde um Kanal und Lohmühleninsel gedreht hat, das kann dahinten wirklich überhaupt nicht schaden. Spielplatz im Plural vor der Tür, so dass auch die angeschlossenen Kinder gut untergebracht sind. Jawohl, ich sage euch, es ist gut so, dass Neukölln trendig, szenig, angesagt wird, das kann ich nur begrüßen. Die Qualitätsmarke Rütli ist ja auch nur zwei Straßenecken entfernt.
17.02.2008
Gerade gehängt
Ute in Ausflug am 17. Februar 2008, 12:00 4 Kommentare »
Der Ausflugstipp zu den Fotos der Berliner Fotografin Andrea Brehme im Frankfurtoderaner Kleist Forum, der ja auch einige HSB-Leser interessiert hat, wird jetzt virtuell durch die Fotodokumentation der Ausstellungseröffnung ergänzt. Dort reinschauen oder bis zum 1. März doch noch nach FFO fahren!
10.02.2008
FFO. Sicherheit und Überwachung im Bild
Ute in Ausflug am 10. Februar 2008, 19:58 Kommentar schreiben »
Auf nach Frankfurt (Oder), werte Freunde der Fotografie! Level Orange und 2.4 Gigahertz sind jetzt nicht nur online zu sehen. Zeitgleich mit der ganz non-virtuellen Eröffnung von Andrea Brehmes Ausstellung am Freitagabend im Kleist Forum haben Andrea und Susanne Wolkenhauer ihre gemeinsame Website tulipphoto.de hochgeschaltet. Es war mir also eine ganz besondere Freude, das lange, lange geplante Baby der kleinen Weltöffentlichkeit bei der Eröffnung mitpräsentieren zu dürfen.
21.01.2008
Mozart zum Frühstück
Ute in Schlagzeilen am 21. Januar 2008, 08:57 6 Kommentare »
…ist für mich als Morgenmuffel schon eine echte Herausforderung. Da ich seit Jahresbeginn jedoch meinen durchgängigen Nachtschlaf weitestgehend zurückerhalten habe, stellt der sonntägliche Zieleinlauf im Konzerthaus um 10.15 Uhr kein größeres Hindernis mehr dar. Der Morgenkaffee wurde sicherheitshalber dennoch in der heimischen Küche genommen und auch auf die kleinen, aufgebackenen Abreiß-Croissants möchte ich mich nicht gänzlich verlassen.
Dennoch ein schöner Gimmick – Milchkaffee und Croissant sind beim Kartenkauf inklusive und wo der Berliner das Attribut umsonst wittert, setzt er sich flugs in Bewegung, um seinen Vorteil in langen Schlangen und unter Bodycheck-Bedingungen wahrzunehmen. Ich war also in privater Mission wie mit beruflicher Neugier (neue Formate! andere Kunden!) unterwegs, und ließ es mir nicht nehmen, Serenade, Sinfonie und Klavierkonzert, pianiert von Rudolf Buchbinder bei Mozart zum Frühstück im Konzerthaus am Gendarmenmarkt einzunehmen.
21.10.2007
Gluck in Grün
Ute in Schlagzeilen am 21. Oktober 2007, 12:12 Kommentar schreiben »
Gluck. Gluck. Gluck. Den Spruch hätt ich auch gern erfunden. Hab ich aber nicht und habe mir stattdessen dessen Orfeo im Konzerthaus angehört. Angeschaut. Halbszenisches Konzert. Konzerthausorchester. Aha. Neue Form. So sprach die Musikkennerin.
12.07.2007
Kulturforum, ganz intim
Ute in Aufnahmen am 12. Juli 2007, 10:06 Kommentar schreiben »
Dienstagsschlange bei den Neue-Nationalgalerie-Franzosen führte zum Besuch im Kulturforum. Jawohl, allein mit Rembrandt und Caravaggio in der Gemäldegalerie, gemütliches Aussitzen in polnischer Design- Sitzgruppe im “Kunstgewerbemuseum” und Zwiesprache mit japanischer Plakatkunst in der Kunstbibliothek – eh voilà!
Mein Ausstellungsfavorit: Die Schinkel-Rahmen- Ausstellung in der Studiensammlung der Gemäldegalerie. Ein leerer, übermannshoher Goldrahmen in der Eingangshalle macht Lust, gleich nach links unten abzubiegen. Verschüttetes Halbwissen kann beim Blick auf die schönsten roten Museumswände Berlins aufgefrischt werden. Der rastlose Schinkel, der in seinen 60 Lebensjahren eigentlich alles rund um Gebäude, Stadtmöbel, Inneneinrichtung und Museen entworfen hat, ist bei der Rahmengestaltung für das Alte Museum natürlich nicht untätig geblieben.
08.07.2007
Potsdamer Kanalsprint
Ute in Ausflug am 8. Juli 2007, 10:49 Kommentar schreiben »
Der Potsdamer an sich kann übers Wasser laufen? Sehen wir am Stadtkanal Startrampen für den Jesus-Walk-Alike-Contest? Tja, Fragen über Fragen, die sich der Touristin im südlichen Nachbarstädtchen stellten. Gestern mussten wir jedenfalls ständig einen Flucht-Sprint vor den Fluten von oben veranstalten.
Aber nein, hallo, unterm Blubberprovider-Logo und mit großem medialem Getöse werden Birgit Fischer und Co. heute Nachmittag beim Potsdamer Kanalsprint zeigen, wie sie die gefühlten 100 Meter vom einen Ende der Stadtkanalstrecke zum anderen möglichst fix bewältigen. Wieder was gelernt (oder als Dummie geoutet, falls Frau Fischer doch nicht mehr aktiv sein sollte) und nichts wie ab 14 Uhr den rbb eingeschaltet.
Auf der Funkhaus-Seite steht’s geschrieben: Austragungsort der Rennen ist der fast 300 Jahre alte, 170 Meter lange Potsdamer Stadtkanal, der eigens für den sportlichen Zweck geflutet wird. Und das Ganze ist ein Stelldichein der Crème der deutschen Kanuten. Na denn! Dann wünsche ich doch: Immer eine Handbreit Wasser unterm Paddel!
07.07.2007
Im Weißen Rössl am Müggelsee
Ute in Kultur am 7. Juli 2007, 11:14 1 Kommentar »
Eigentlich hat uns der geschätzte Mit-Autor Matthias nur wegen seiner Lieblingskulisse aus Alpenpanoramen und röhrenden Hirschen ins Weiße Rössl vom Stadttheater Cöpenick mitgenommen. Bald wird bestimmt eine Heimorgel in seinen häuslichen Weddinger Sozialpalast Einzug halten und allein die wollte er uns vorführen.
Wahrscheinlich haben wir dann ähnliche Gesangskünste wie im Weißen Rössl am Müggelsee zu erwarten – immer ein bisschen Salzkammergut unter der Dusche und Was kann der Vladislav denn nur dafür, dass er so schön ist? vor der Wanduhr, Die ganze Welt ist himmelblau auf dem Fußboden…
Leider steht zu vermuten, dass Matthias’ Sanges- und Schauspielkünste besser sind als die der Cöpenicker Truppe. Was sehr schade ist, denn eigentlich sollte hier eine Besuchsempfehlung an Stelle einer Warnung vor einem Ausflug zu den Terrassen des Friedrichshagener Bürgerbräu stehen. Doch so gilt es, die schmerzvolle Zeile des Oberkellners Leopold ernsthaft zu berücksichtigen: Zu’schaun kann i net!
Leuchten mit Gas
Ute in berichtet am 7. Juli 2007, 09:56 38 Kommentare »
Das sieht man auch nur selten – eine offene Haube an der Gaslaterne und einen Mechaniker in Aktion. Nummer 42 am Görlitzer Park hatte jedenfalls Malessen am Zündkabel, da musste der Fachmann ran. 44.000 Gaslaternen gibt es noch in Berlin, sie verbreiten ihren rötlichen Schummer und das macht sich am Park ganz besonders hübsch. Gute Qualität, da sieht man uns nicht so oft beim Reparieren, ist der Mann auf der Leiter stolz auf sein Arbeitsobjekt.
05.07.2007
Senefelderplatz
Ute in Ausflug am 5. Juli 2007, 09:24 5 Kommentare »
Ihm wird pro Saison mindestens einmal der Arm abgerissen. Mitsamt Spiegel. Aber was hat das alles zu bedeuten? Putti mit abgebrochenen Arm, aber dafür immer ohne Graffiti. Alois Senefelder in Spiegelschrift? Wurde dem Erfinder des Handspiegels am gleichnamigen Platz mit U-Bahn-Station ein Denkmal gesetzt?
Und überhaupt – wer hat dieses Monument jemals im Vorbeifahren wahrgenommen? Das liegt sicher nicht nur daran, dass die Hecke auf der Platzspitze davor über Gebühr in die Höhe geschossen und die Sichtachse auf das Denkmal versperrt ist.
Diese Stelle sah vor einem Jahrhundert ganz anders aus – hohe Bürgershäuser, in unmittelbarer Nachbarschaft der Brauereien des Prenzlauer Bergs. Vorgärten davor, langsam verschwindend, denn die Laden-Geschäfte in den Erdgeschossen an den sich zu Geschäftsstraßen wandelnden Ausfallstraßen verlangten nach unblockiertem Blick auf die Auslagen. So mussten Vorgärten abgeschafft werden, sobald das Window-Shopping Einzug hielt.
15.06.2007
Jägerschnitzel
Ute in Ausflug am 15. Juni 2007, 09:42 23 Kommentare »
Auf der Mittagskarte im Restaurant in der der Außenstelle Frankfurt (Oder): Jägerschnitzel mit Tomatensauce auf Tagliatelle. Wie geht das? Geschmacksverirrung? Champignonsauce plus Tomatenguss? Und dann noch auf Pasta?
Nachfrage bei der Kellnerin, was das sei. “Na, Jägerschnitzel mit Tomatensauce.” “Wie? Jägerschnitzel mit Tomatensauce?” Essbegleitung und ich mit leerem Gesichtsausdruck.