Auf zum 1. Mai

Das wird heute eher sportlich verstanden, bleibt trotzdem ein Appell: “Hintern hoch!”
Am Alexanderplatz kann man noch tätig werden bei der Aktion #AnythingtoSay – auf den Stuhl steigen und Meinung sagen zu Kapitalismus, Überwachung, Pressefreiheit und so. Neben Snowden, Assange und Manning. Eine Aktion des Künstlers Davide Dormino

Unterstützt von “Reporter ohne Grenzen” mit Ströbele und Sarah Harrison. Soviel zum Abschnitt “politische Protestaktion” des Tages.

Etwas mehr Bewegung war gewünscht, also auf zum Myfest nach Kreuzberg. Einmal die Oranienstraße runter, so früh ist die Drängelei noch erträglich. Moritzplatz aussteigen, am Prinzessinnengarten ist noch nichts los.

Am Oranienplatz bemeckert die Polizei eine Straßenbemalung gegen Gentrifizierung, Carolin Emcke steht dabei beobachtet kritisch. Sonst findet Politik eher am Rande statt, so früh am Nachmittag. Ich finde noch einen Aufkleber, “Berlin gegen Nazis”, immerhin.

Dafür ist viel zu konsumieren,  Ethnofood, erste vegane Stände werden gesichtet. Wie erwartet, ist Bier, Bowle und Caipi ganz leicht zu bekommen, einen Milchkaffee sucht man eine Weile. In einem winzigen türkischen Café klappt es schließlich.

Für die Musik – live auf Bühnen und vom Pult – gilt heute das Motto: Wie langsam kann der Rythmus sein, dass es trotzdem noch als Reggae erkannt wird? An der Ecke Skalitzer Straße dann doch noch Ska und Punk mit Publikum, dessen politische Ambition sich vielleicht noch im Lauf des Tages entwickeln wird.

Weiter über die Straße. Der Görlitzer Park muss besichtigt werden. Wie schlimm ist es denn mit diesen – ähm – Händlern?  Also hier sind: viele Eltern mit Kindern, Paare, Freundesgruppen, Einzelwanderer, Ältere und – ja- einzelne Menschen, die vielleicht Flüchtlinge sind. Aber wo ist das Problem?

Nur die Ruhe im Görlitzer Park | Foto: lindalink
Nur die Ruhe im Görlitzer Park | Foto: lindalink

Schlossbeschriftung

Diesem auffälligen Betonneubau im Stadtzentrum wird eines Tages eine Fassade aufgeklebt werden, Erinnerung an ein abgerissenes preußisches Schloss ist dabei beabsichtigt. Noch ist nicht klar, wieviele Fassadenteile überhaupt finanzierbar sind, die Absicht aber ist immerhin vorhanden.

Humboldt-Forum
Humboldt-Forum, Baustelle, Foto: linda link

Um die wissenshungrigen Besucher der Stadt über den Sinn des Gebäudes aufzuklären, wäre die altpreußische Tradition der Schlossbeschriftung empfehlenswert. Potsdam ist an diesem Punkt der Hauptstadt meilenweit voraus. Dort orientiert man sich am historischen Vorbild.

Sanssouci
Sans, souci. Foto: Suse, wikimedia, CC

Sans, souci.  Also ein Sorglos-Gebäude. Es sollte hier keine Probleme geben, auch wenn es nur der Wunsch des Hausherrn war.  Der neue Landtag an der Stelle des Potsdamer Stadtschlosses ist lange vor dem Berliner Schlossnachbau-Versuch fertig geworden. Die Fassade enthält – ganz selbstverständlich – den Hinweis, dass hier kein Schloss steht:

Ceci n'est pas un chateau, Brandenburger Landtag, Foto: linda link
Ceci n’est pas un chateau, Brandenburger Landtag, Foto: linda link

Zugegeben, sich an einem René Magritte-Zitat zu bedienen, ist nicht so originell. Aber für Politiker “auf  Landesebene” zeugt es doch von selbstironischer Distanz zu ihrem Umfeld.

Wie könnte Berlin das noch toppen? Der frühere “Palast der Republik” bekam kurz vor seinem Abriss die Beschriftung “Zweifel”.

Palast der Republik
Beschriftung am “Palast der Republik”, Foto: linda link

Vielleicht könnte die neue “Schloss”-Beschriftung daran anknüpfen und mit dem neugewonnen städtischen Selbstbewusstsein verkünden:

“Nein. Keine Zweifel.”

Sportliches Moabit

OLYMPUS DIGITAL CAMERADas Ziel am letzten Sonntag hieß Moabit, Lehrter Straße. Ich suche das Poststadion. Fahre zunächst daran vorbei. Ich parke etwas abseits. Vorbei an den Gebäuden des früheren Gefängnisses, in dem auch mal das Amtsgericht Tiergarten residierte, erreiche ich die Zufahrt zum Stadion, wo noch die alten Kassenhäuschen stehen und langsam verfallen. Dieser Teil der Anlage lässt die frühere Bedeutung des Stadions erahnen. Es sind 8 Eingänge zu beiden Seiten des Tores. Hier wurden Tausende von Besuchern erwartet. Für das heutige Ereignis, dem Regionalligaspiel zwischen Berliner AK 07 und VFC Plauen, genügt ein einziges Kassenhäuschen. Auf meinem Weg dorthin schaue ich auf die Rückseite der ehemaligen Justizgebäudes und eine hohe Betonmauer von rostigem Stacheldraht gekrönt.

Als ich auf dem Weg zum Stadion kurz innehalte, spricht mich ein älterer Herr an: „Kann ich Ihnen weiterhelfen?“ Ich verneine. Er folgt meinem Blick auf die Mauer und sagt: „Das sieht schon recht martialisch aus.“ Da kann ich nur zustimmen. „Da sollen demnächst Eigentumswohnungen hinkommen. Dann sieht es bestimmt besser aus.“, ergänzt er, und erklärt weiter, das Stadion wäre vor einigen Jahren wachgeküsst worden. Vorher wäre alles völlig zugewachsen und verwildert gewesen. Vom letzten Höhepunkt des Stadions, als 1987 beim Oberligaspiel von Hertha gegen Türkiyemspor fast 12.000 Zuschauer Eintritt bezahlt hatten, scheint er nichts zu wissen.

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Sportliches Lichterfelde

Bei sommerlichem Wetter mache ich mich auf nach Lichterfelde. Dorthin, wo Berlin noch Dorf ist: mit schmalen Kopfsteinpflaster-Straßen und vielen schön anzusehenden kleinen Villen. Mein Ziel ist das Stadion Lichterfelde, in dem Viktoria 1889 seine Heimspiele austrägt. Zu Gast ist Budissa Bautzen. Warum will sich der olle Neuköllner so etwas antun? Antwort: Er mag Fußball und will wissen, wie so ein Spiel der vierthöchsten Klasse ist. Mit acht Euronen für einen Stehplatz darf er dabei sein. Es ist irgendwie liebenswert, wie hier versucht wird, den Hochpreis-Sport zu imitieren. Es gibt einen VIP-Eingang und mein Beutel mit Buch und Brillenetui wird beim Einlass sorgfältig inspiziert. Ich darf ohne Beanstandung rein. Ungefähr 500 Leute haben sich eingefunden, um 90 Minuten Männersport zu erleben. Traditonsgemäß verköstigt man sich mit Bratwurst vom Grill. Die ist lecker. Nur das Brötchen ist pappig. Aber immer noch besser als das teure Zeug im Olympiastadion. Das Spiel selbst entspricht meinen Erwartungen. Die sind nicht hoch. Hier wird fußballerische Hausmannskost geboten. Einzig auffällige Figur ist der Torhüter von Budissa, der alles, was als hohe Flanke in die Nähe seines Tores kommt, gekonnt herunterpflückt. Er sorgt auch für einen guten Lacher, als er, nach einer Ermahnung durch den Schiedsrichter, zu einem der Linienrichter hingeht und sagt: „Spiele ich nicht auf Zeit, mache ich erst ab fünfzigste Minute.“ Die Viktorianer mühen sich redlich, einen Treffer zu erzielen. Doch das will ihnen heute nicht gelingen. So feiern die angereisten Fans aus Sachsen ihr Eins zu Null: „Auswärtssieg! Auswärtssieg!“ Niedlich ist die kleine Pressekonferenz nach dem Spiel. Dabei erreichen die Floskeln der Trainer fast Erstliga-Niveau. Wer überprüfen will, wie sich Viktoria im Spiel gegen einen Bundesligisten schlägt, hat dazu am kommenden Sonnabend um 20:30 Uhr im Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion Gelegenheit. Dann trifft man auf Eintracht Frankfurt.

Spinner-Tanz

Wieder einmal hatte der schon legendär zu nennende Motorrad-Treff “Spinner-Brücke” im Südwesten der Stadt zum Tanz in den Mai und zum offziellen Start in die Motorradsaison geladen. Mehrere tausend Motorradfahrerinnen und -fahrer aus Berlin und Brandenburg nahmen die Einladung an den letzten beiden Tagen gerne an.

Spinner-Brücke

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Fänger im Stadion

Lacrossespieler vor dem Tor
Gespannte Erwartung vor dem Tor – Foto: h|b

Wenn erwachsene Männer mit Ellenbogenschützern und Helmen über den Sportplatz rennen, dabei mit langen Stangen herumfuchteln, an deren Ende ein kleines Netz befestigt ist mit dem sie versuchen einen kleinen Ball zu fangen und weiterzugeben, dann befinden wir uns bei einer Sportart mit dem Namen “Lacrosse”. Diese Sportart ist, wie inzwischen viele andere auch, ein Export aus den USA. Aber anders als z.B. beim Football, geht die Geschichte von Lacrosse weiter zurück in die Vergangenheit. Den Ursprung hat es bei den amerikanischen Ureinwohnern der Ostküste und der “Großen Seen”. Neben Eishockey ist es auch kanadischer Nationalsport. Seinen Namen verdankt “Lacrosse” übrigens den Beobachtungen eines französischen Jesuitenmissionars im 17. Jahrhundert, den die Schläger an einen Bischofsstab erinnerten. Daher gab er dem Spiel den Namen “La Crosse”, dem französischen Namen für Bischofsstab. Im Original hiess das Spiel “Baggataway” oder “Tewaraathon” und diente unter anderem zur Teambildung und Kriegsvorbereitung. Mehr zu Lacrosse findet ihr bei Wikipedia.
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Wettervorhersage

Vorgarten
Unbestechliche Wetterstation irgendwo in Berlin – Foto: h|b

Um mal zu checken ob der Winter in Berlin jetzt wirklich vorbei ist, bin ich heute mal für euch rausgefahren um das zu kontrollieren. Über diesen schönen und unbestechlichen “Wetterstein” kann man das Wetter nämlich genaustens bestimmen. Ist der Stein nass, dann regnet es, steht auf der Anleitung, isser trocken – so wie heute – dann ist schönes Wetter, sieht man ihn nicht, ist Nebel und wenn er weg ist, isser geklaut. Sehr praktisch und der Stein hat immer Recht, also wenn er da ist. Auch wenn das ganze Ensemble eher nach einem bayrischen Luftkurort aussieht, befindet es sich doch in einer Berliner Fußgängerzone. Alle Stühle und Tische waren heute Mittag übrigens gut besetzt und die Sonnenhungrigen ließen es sich bei Eis, Bier und Schnitzel sichtlich gut gehn. So, jetzt müsst ihr nur noch rausbekommen, wo dieser Wetterstein hängt, dann wisst ihr auch, wohin ihr  mal einen Sonntagsausflug machen könntet.