Winterabend
Harald (HSB) in Aufnahmen, bei Nacht ~ 29. Januar 2012 ~ 17:39 Uhr ~ 18 Kommentare

Sonnenuntergang am Weissensee in Berlin - Foto: h|b

Sonnenuntergang am Weissensee in Berlin - Foto: h|b
Lichter und Lärm am Himmel und Pulverdampf in den Straßen von Berlin. Ein frohes Neues allerseits!
Heute vor genau 10 Jahren bereitete ich mich in Berlin auf Silvester am Brandenburger Tor vor, übrigens das erste und letzte Mal. Im Sommer 2001 waren wir endgültig hierher umgezogen und nun wollten wir wenigstens mal wissen, wie sich das so anfühlt, so mitten zwischen zehntausenden von Menschen am Brandenburger Tor. Um Zwölf sollte dort das neue Jahr beginnen, soweit nichts Neues, passiert ja dauernd, aber etwas war diesmal doch anders. Etwas, dessen Tragweite ich noch gar nicht so genau abschätzen konnte. Es war diesmal ein wenig … aufregend. weiterlesen »
Berlin brummelt sich dem Fest der Liebe entgegen. Selbst in kirchlichen Einrichten leuchten heute bunte Lichteffekte – wie in Weihnachtswerbespots global agierender Getränkehersteller. Überall laufen Menschen mit verzweifeltem Bemühen, tatsächliches oder vorgestelltes Alleinsein zu verhindern. Man müsse jetzt zusammenkommen, ruft einer auf dem Alexanderplatz. Occupy your Mind. Das Fest der Liebe ist da. Wollen wir uns dieses Liebe zusammen etwas genauer ansehen? Nein, nein, das ist kein unmoralisches Angebot. Aber ein Blick in die Gesichter der Menschen um uns herum, erzählt mehr von der Liebe, als wir vielleicht wissen (wollen). weiterlesen »
Silvester in Berlin ist eine Katastrophe! Das finde ich zumindest, immer noch. Obwohl ich das ja jetzt schon häufiger durchgemacht habe, einmal bin ich sogar nachts durch Kreuzberger Straßen gezogen. Fürchterlich! Berlin ist zum Jahreswechsel einfach nur laut und lärmig und gegen zwölf hüllen sich die Straßenschluchten endgültig in einen Pulvernebel, der sich in den nächsten Tagen nicht mehr verzieht.
Es gibt wirklich Schöneres. Jedes Jahr denke ich darüber nach, die Stadt kurz nach Weihnachten fluchtartig zu verlassen. Etwas, was mir sonst nicht so schnell in den Sinn kommt. Am liebsten würde ich nach England flüchten, wo es am New Year’s Eve Knaller und Böller überhaupt nicht gibt. Einmal habe ich das erlebt, vor Jahren. Und Vollmond war da auch noch. Ein Traum! Doch auch in diesem Jahr wird das wohl wieder einmal nicht klappen. Obwohl: Vielleicht gibt es ja schöne, ruhige, stille Gegenden irgendwo in Brandenburg?
Für die, die in Berlin bleiben müssen der wollen, hat der langediente HSB-Leser waldnase auf seinem Blog ein paar Ideen zusammengestellt. Und auch hier sammeln wir in den Kommentaren gerne Tipps und Anregungen zur konstruktiven Gestaltung dieser ersten Nacht des Jahres.
Also: Weihnachten ist nicht alles, jetzt schon an die schrecklich unbesinnliche Zeit danach denken!
An manchen Tagen gibt es eine merkwürdige Anhäufung von Wörtern, die man sonst selten hört oder liest. Und dann gehen sie einem nicht mehr aus dem Kopf.
Wuppertal ist so ein Wort. Wuppertal ist mir in den letzten 24 Stunden dauernd in Berlin begegnet.
Erst im RBB Radio, wo der Moderator in einem Bericht über Parkgebühren erzählte, dass er aus dieser Stadt in dem engen Tal sei und nie mehr dahin zurück wolle, auch wenn dort parken viel günstiger als in Berlin sei.
Dann im Bio-Laden an der Ecke, wo ich nach meiner derzeitigen Lieblingschokolade (Bio-Vollmilch mit Kristallsalz) fragte, die nicht am ihrem Platz lag. “Ich muss mal in Wuppertal anrufen,” sagte die Verkäuferin mir, da sitzt nämlich die GEPA (Faire Handelsgesellschaft), und ich dachte mir noch, merkwürdig, dass eine Firma mit einem so tollen Geschäftsmodell ausgerechnet aus so einer Stadt wie Wuppertal kommt.
Und dann fiel mir Pina Bausch ein, die unvergleichliche Choreografin, die ihr Hauptlebenswerk in Wuppertal vollbrachte und der Stadt aus den Schatten der erdig-taligen, muffigen, hässlichen Klischees teilweise befreite und ihr zu kulturellem Weltruhm verhalf.
Es zog sich wie eine Kette weiter: In der U-Bahn fragten mich Touristen, wie sie vom Alexanderplatz zur Siegessäule kämen. Ich antwortete, und sie sagten mir schließlich, dass sie aus dem schönen Wuppertal mit dem vielen Grün kämen und fragten mich, ob ich die Schwebebahn kenne.
Irgendwie hatte ich da schon einen kleinen Wuppertal-Gau im Kopf, ein Chor sang ständig “Wuppertal” in Variationen in meinem Kopf.
Und dann stieß ich auch noch auf eine Pressemeldung, die Wuppertal als neue Neonazi-Hochburg bezeichnete.
Als wenn das nicht genug sei, sagte dann noch jemand laut am Telefon, wieder in der U-Bahn: “Da kannst du ja über die Wupper gehen, Alter!” (Dieser Spruch stammt aus der Wuppertaler Historie!) Und das mit Berliner Akzent!
Ich fand, das war deutlich zu viel Wuppertal in Berlin.
Sorry, Susanne, ich kann nix dafür. Aber du ja auch nicht! (Unsere Blog-Betreiberin stammt auch aus Wuppertal.)
I was really wuppertalized. And I was not amused.
Viele Menschen arbeiten beim Umbau des Ostkreuzes in Berlin-Friedrichshain/Lichtenberg, Tag und Nacht. Viele Männer und Frauen schieben ihre Schichten dort, bei Sturm, Regen, Schnee und Frost. Es ist zugig. Und doch entsteht, langsam, in Millionen von Arbeitsschritten, ein neuer moderner Umsteigebahnhof, ein Knotenpunkt. Ergänzt mit einer 6spurigen Autobahn, die den Bahnhof unterirdisch kreuzen wird (A100 bis Frankfurter Tor, 18. Bauabschnitt). 2016 soll der Bahnhof Ostkreuz fertig sein.
Hier eine Baustelle in Alt-Stralau an der Ringbahntrasse, nahe dem alten Wasserturm.
Der aus Perleberg stammende Stefan Reisener, jetzt in Berlin wohnend, hat als Gast-Fotograf das Bild gemacht. Weitere Bilder des jungen Fotografen auf seinem Blog.
Schienen
Kalte Luft, die Augen schneiden
treffen auf Farben, sie tränen dabei.
In die Nacht, hinaus in das Dunkle
möcht’ nicht wissen, wohin Du fährst.
Sie lassen dich gleiten, ihr Ziel scheint unendlich
doch Weichen, gestellt, bestimmen den Weg.
Du fragst nicht wohin, dir ist nur kalt
die Farben tauchen, das Fremde kommt bald.
Ein eher unschönes Beispiel, wie die Sicherheitsdienste, hier der BVG, statt Kunden zu schützen sie eher verschrecken.
Kurz vor Mitternacht in der M10, Haltestelle Straßmannstraße, ich sitze im Zug Richtung Nordbahnhof. Sechs Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes GOS steigen in GSG9-ähnlichen, überdicken Uniformen ein, wahrscheinlich mit dreifach-schusssicherer Weste, ca. 1,20m Kreuz-Verstärkung und martialischen Stiefeln. Die Männer, alle über 1,85m groß, wahrscheinlich Muckibuden-Abhängige. (Jaja, ich weiß, man muss ja körperlich fit für so einen Job sein, geistige Fitness würde aber auch extrem helfen).
Kaum in die recht gut besetzte Bahn eingetreten, stürmen zwei der schweren, großen Männer direkt auf eine Gruppe junger Leute in der Mitte der Bahn zu, die Flaschen in der Hand haben, und blöken sie laut an: “Mit Bierflasche raus hier, sofort!” Die Bahn fuhr aber gerade an, und so kommen zwei der anderen Sicherheitskräfte vom vorderen Teil der Bahn angelaufen und bauen sich vor einer kleinen, zierlichen Frau auf, die einfach nur laut gesagt hat: “Laut Beförderungsbedingungen ist es in Berlin NICHT verboten, während der Fahrt Bier zu trinken.” Der eine GOS-Mitarbeiter fährt sie an: “Wir bestimmen hier” und will ihr die Flasche (alkoholfreie) Mate-Cola aus der Hand nehmen, doch dann mische ich mich ein und sage zu dem Mann: “1. Die junge Frau hat kein alkoholischen Getränk. 2. Ich kenne die Beförderungsbedingungen auch, Alkohol ist nicht verboten! Und 3., wie sich hier benehmen, das ist Nötigung.” Der eine Mitarbeiter fasst mich daraufhin hart am Arm an, dann mischt sich ein weiterer Fahrgast ein und packt den Sicherheitsmann am Arm, der mich festhält. Der junge Fahrgast ist ca. 2m groß und ebenfalls kräftig. Es gibt wenige Augenblicke von Machtchecken, Aggressionspotentialseinschätzung und Risiken, das ist spürbar. Der junge Mann schaut mich fragend an, ich mache eine verneinende Geste, und er lässt den GOS-Mann los, der sofort seinen Griff beendet. Das geschieht in wenigen Augenblicken.
Im mittleren Teil des Wagen haben andere Mitarbeiter der Sicherheitsfirma bereits die Fahrgäste herausexpedieren wollen, die die Bierflaschen in der Hand haben, doch die jungen Leute stellen einfach die Flaschen auf den Bahnsteig an der Haltestelle, an der wir gerade halten. Allgemeines Gelächter in der Umgebung. Die Bahn fährt weiter, doch im vorderen Teil des Zuges ist noch lautes, aggressives Argumentieren zwischen Fahrgästen und GOS-Männern zu hören, und schließlich brüllt der Einsatzleiter: “Raus hier” zu seinen Leuten, als die Bahn an der nächsten Haltestelle anhält. Sofort wechselt die Stimmung wieder, als die Sicherheitskräfte aussteigen, und die Fahrgäste unterhalten sich miteinander über den Einsatz.
Was für Schlüsse kann man daraus ziehen? Bitte umblättern!