Kultur

49 Musikalische Schweigeminuten

Die Berliner Zeitungen schweigen. Dabei ist in der Nacht zum Mittwoch ein großartiger Musiker gestorben:  Johnny Winter! Die FAZ und die Zeit machen es besser. Wo beide Zeitungen abschreiben, denn die Artikel sind fast identisch, weiß ich nicht. In Gedenken an ihn werde ich mir jetzt Second Winter auflegen. Das einzige, mir bekannte Doppel-Album auf dem nur drei Seiten bespielt wurden. Der Link verweist auf die englische Wikipedia; ein deutscher Eintrag existiert nicht.

Gee Vero – The Art of INCLUSION noch bis zum 27. Juni im Kleisthaus

von Ina Müller-Schmoß

Hinweisen möchte ich auf eine wirklich sehenswerte Ausstellung der Künstlerin Gee Vero. Das Besondere: Gee Vero verknüpft Kunst und Inklusion. Für einen ersten Vorgeschmack möge man sich die kleine Foto-Dokumentation der Vernissage anschauen.

Kunst ist in der Lage, Inklusion auf allen Ebenen unmittelbar sichtbar zu machen. The ART of INCLUSION ist mein Angebot als autistische Künstlerin – eine von 67 Millionen Autist/innen – an die Gesellschaft, sich der Herausforderung des Mitmensch-Seins mit autistischen Menschen zustellen. Es ist eine Einladung an einem Gemeinschaftswerk teilzuhaben und sich auf mich und meine Kunst einzulassen. Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wissenschaft werden eingeladen, gemeinsam mit mir der Inklusion, im Sinne des lateinischen Ursprungs des Einschlusses und der Dazugehörigkeit, einen Schritt entgegen zu gehen. Ein Blatt Aquarellpapier wird zum Ort der Begegnung. Zwei Bilder werden ein Gemeinsames. Die unterschiedlichen Ergebnisse zeigen, wovon die Gesellschaft noch weit entfernt ist: Toleranz, Akzeptanz und Inklusion autistischer Menschen ist keine Illusion.

The Art of Inclusion ist noch bis zum 27. Juni 2014 im Kleisthaus, Mauerstraße 53, 10117 Berlin zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Montag – Freitag 10.00 – 18.00 Uhr.

Bei einem Treffen im Mai mit Gee hatte ich Gelegenheit, ihr ein paar Frage zu stellen. Hier das Interview:

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Fahne hissen – hoffentlich hilfts

Regenbogenfahne am Charlottenburger Rathaus

Regenbogenfahne am Charlottenburger Rathaus

Charlottenburg hat damit angefangen, heute werden in allen Berliner Bezirken Regenbogenfahnen aufgezogen, hier von Bürgermeister Naumann und dem Voritzenden des LSVD Steinert – als Auftakt zum Lesbisch-schwulen Stadtfest.

Wenn ein CDU-Bürgermeister aus dem Westerwald ernsthaft den § 175 (Strafbarkeit von Homosexualität) wieder einführen möchte, kann man sich noch an den Kopf fassen. Wenn die Berliner Mahnmale für homosexuelle KZ-Opfer demoliert werden und wenn generell eine Abkehr von Toleranz gegenüber anderen Lebensweisen zu beobachten ist, beginnt man, über deutliche solidarische Zeichen nachzudenken.

Am Wochenende ist aber zunächst Riesenparty in Schöneberg angesagt, das schwul-lesbische Stadtfest beginnt. Ob sich die Gay-Pride-Week wieder mehr mit politischen Statements aufladen kann, wird sich noch zeigen.

Konzerte in grün

Freunde von Open Air-Konzerten haben die location gewiss im Blick: Jetzt läuft sie wieder, die Saison der Sommerkonzerte im Botanischen Garten.

Konzerte in grün

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Wolkenfest – nicht nur beim Wetter

Passend zum aktuellen Wettermix aus Sonne, Wolken und Regen findet am Freitag, den 16. Mai ab 19 Uhr im Friedrichshainer Atelier Terra eine Vernissage mit dem Titel „Wolkenfest“ statt.

“Ich bin… bunt”

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Berliner Identitäten – Zwischen Graswurzel und Elfenbein

In Berlin zu wohnen ist mir mittlerweile manchmal nicht viel anders, als in irgendeiner Kleinstadt zu sein. Wenn zu viel ansteht, beruflich oder privat, dann sehe ich nur wenige, ausgewählte Menschen und nehme über das Internet hinaus am kulturellen Leben nicht teil.

Dann wieder kommen Wochen, wie die letzte Woche eine war. Erst zur re:publica, dem wilden Treffen diverser Internetmenschen mit den unterschiedlichsten Internetthemen auf dem Herzen, den Lippen und Podien. Seit Jahren bereits eine feste Größe, um deretwillen ich froh bin, in Berlin zu sein. Anreise und Aufenthalt extra für diesen Event könnte und würde ich mir, wie manche andere auch, wie ich von vielen Seiten höre, wohl nicht erlauben.

rp14So aber radle ich los, bin ich zwanzig Minuten dort, um ganz real zwischen tausenden von Menschen umherzulaufen, um in Talks und Workshops einzutauchen, hinaus- und wieder hineinzuschwimmen in Begegnungen, in Wiedersehen und immer wieder auch in frisches persönliches Kennenlernen. So geht das. So sieht es aus, für mich. Und für andere mag es dort ganz anders zugehen. Das ist sehr erfreulich, sehr belebend.

Am Donnerstag dann stand ein ganz anderes Kaliber auf dem Programm, die Europäische Schriftstellerkonferenz 2014 mit dem beinah erschreckenden Untertitel TraumWirklichkeit. So recht wusste ich zunächst nicht, wo ich dort gelandet bin. Und wie überhaupt, wie konnte das passieren. Unmittelbar nach der Betonbodenschlurferei, der Graswurzelei im Stadion in diesem Elfenbeinatrium der Deutschen Bank zu landen, plötzlich zwischen Bundesaußenminister samt entsprechendem Presseauflauf und Autorenprominenz, sofern es das gibt, zu sitzen. (By the way: Es waren durchaus auch Schriftstellerinnen und Autorinnen anwesend.)

Eine andere Welt.
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JETZT LIVE: Daniel Barenboim Europakonzert

Falls noch jemand wissen will, wofür Twitter eigentlich gut sein soll. Für solche wichtigen Informationen natürlich. Gerade noch rechtzeitig.

Stolpersteine in Berlin

Sie sind überall in Berlin, und es ist so gut wie unmöglich, nicht irgendwann über sie zu stolpern. Denn dazu sind sie schließlich da, diese kleinen Denkmäler auf Gehweglevel: die Stolpersteine.

Zwei "Stolpersteine" in der Gubener Strasse in Friedrichshain

Zwei “Stolpersteine” in der Gubener Strasse in Friedrichshain – Foto: h|b

Meist stößt man zufällig auf sie, tritt fast hin, tritt dann daneben und schaut. Liest die knappe Botschaft. Was von einem Menschen bleibt. Wie wenig mitunter.

Wer gezielt danach suchen möchte, kann in einem Wiki nachsehen, wo die Berliner Stolpersteine verzeichnet sind. Auf der Hamburger Stolpersteinseite habe ich übrigens eine Putzanleitung gefunden. Keine schlechte Idee, wo doch gerade der Frühling beginnt.

Der Medizinmann im Bikini

Die vergangenen Weihnachtsfeiertage trafen mit der Premiere des Kinofilms “Der Medicus” zusammen. Dieser seit einiger Zeit angekündigte Film wurde in dem erst vor wenigen Wochen nach umfangreichen Umbaumaßnahmen wiedereröffneten Zoo-Palast” erstaufgeführt.

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Schreiben, Lesen und Kämpfen

So etwas passiert, wenn alte Internetesel wie ich sich vergoogeln. Eigentlich wollte ich gestern Mittag nur etwas über einen mir bislang unbekannten Schriftsteller herausbekommen, von dem ich kurz zuvor ein kleines bisschen Quatsch über #aufschrei gelesen hatte. Dabei übersah ich, dass Google artig, wie zuvor aus anderem Grund vorgegeben, lediglich die News auswarf. Genau gesagt, ganze zwei News. Eine davon enthielt die Information auf die aktuellen Berliner Festivitäten zum 150-jährigen Bestehen der SPD sowie einen Hinweis auf eine Lesung aus dem Band „Schriftsteller gratulieren der SPD zum 150. Geburtstag“. Eine mittelmächtig gruselige Vorstellung.

Rote Erde! Foto: HSBengl

Rote Erde! Foto: HSBengl

Als tiefe Verehrerin des Prinzips Zufall und darüber hinaus nicht unbedingt feige, was literarischen Grusel angeht, befinde ich mich kurz danach unvermittelt mitten auf einem mit rotem Teppich unterlegten Deutschlandfest. Kann passieren. Und die SPD ist womöglich ja auch gar nicht so verkehrt, zumal ich als Ruhrpottgöre einen nicht unerheblichen persönlichen Bezug zur ihr haben könnte. Das rede ich mir fleißig ein, als ich zwischen den Bühnen hin- und herwandere, sämtliche Unterschriftslisten mehr oder weniger höflich abwehre, die mir eifrig vorgehalten werden, und zuletzt bei den poetischen Appellen von Konstantin Wecker hängenbleibe. (Beinah hätte ich Hannes Wader geschrieben, aber so alt ist die Liebe dann doch noch nicht.) Wut und Zärtlichkeit, jaja. Wie in den 80ern.

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Urban Ballads

Ausstellungsplakat

Urban Ballads – Fotografien von Jürgen Bürgin – Vernissage – Foto: h|b

Im Sommer sprießen in Berlin wieder allerlei Fotoausstellungen hinaus in die Stadt. Da ist zum Einen das große “Browse Foto-Festival“, mit Ausstellungen in Galerien, Cafes, Restaurants und Hotels, zum Anderen kann man zum Beispiel im Willy Brandt Haus die eindrucksvollen Bilder des “World Press Photo Awards” auf sich wirken lassen. Wer es mehr kiezbezogen mag, dem empfehle ich den Besuch der kleinen, aber feinen Fotogalerie Friedrichshain am Helsingforser Platz. Dort stellt Jürgen Bürgin sein “Urban Ballads” aus, seine “Geschichten aus der Großstadt”.

Fotoausstellung

Urban Ballads – Fotografien von Jürgen Bürgin – Vernissage – Foto: h|b

Und nicht nur aus einer, sondern gleich aus mehreren. Ob Tokio, Shanghai, New York, aber auch Berlin, zu sehen sind Bilder von Menschen in ihrem urbanen Umfeld. Da fast jedes der Bilder auch einem Film entsprungen sein könnte, bleibt es dem Betrachter überlassen, sich seine eigenen Geschichten zu spinnen. Das kommt nicht von ungefähr, ist doch Jürgen Bürgin Filmpromoter und so von Berufswegen ein fleissiger Cineast. Wer sich in der Welt des Films gut auskennt, wird sicher einige Parallelen entdecken. Die überwiegend großformatigen Bilder sind in der Fotogalerie Friedrichshain noch bis zum 02. August zu sehen und wer Zeit hat und gut gemachte Streetfotografie – im Stile eines Henri Cartier-Bresson – mag, dem ist ein Besuch auf jeden Fall zu empfehlen.

Der Fotograf Jürgen Bürgin

Urban Ballads – Fotografien von Jürgen Bürgin – Vernissage – Foto: h|b

Queeres Berlin im Sommer 2013: Dyke* March, CSDs und QueerTango-Festival

Am letzten Wochenende fand das Lesbisch-schwule Stadtfest um den Nollendorfplatz statt. Bekannt ist diese queere Institution, die es bereits seit 1993 gibt, auch als Motzstraßenfest. Ich selbst sage ja seit einiger Zeit eher Motzmesse dazu, was möglicherweise ein klein wenig gemein ist. Die Live-Musik dort höre ich dennoch ganz gern, deshalb war ich tatsächlich, nach ein paar Jahren Abstinenz, diesmal wieder kurz vor Ort. Und zwar deshalb:

Am kommenden Wochenende finden dann die CSDs statt, der „große CSD“ und natürlich auch der „kleine CSD“. Hervorragend zusammengefasst werden beide im Terminkalender von xhain.info. Und morgen schon marschieren die Dyke*s für mehr Sichtbarkeit durch Berlin, zum ersten Mal, soweit ich weiß. Keine schlechte Idee!

Diese Marschiererei ist allerdings nicht (mehr) so mein Ding, neuerdings bin ich mehr fürs Tanzen. Das geht im kommenden Monat los, beim QueerTango-Festival mit höchst internationaler Beteiligung, das in diesem Jahr zum 3. Mal stattfindet. So sah es dort im letzten Jahr aus:

Sommeranfang mit Musique

Am kommenden Freitag, den 21. Juni, dem längsten Tag des Jahres, findet in Berlin, wie mittlerweile seit neunzehn Jahren schon, die Fête de la Musique statt. Was das ist? Kurz gesagt: Musik für umsonst, verteilt in der ganzen Stadt. Viel, viel mehr kann man auf der Webseite des Musikfestes nachlesen. Oder einfach schnell mal dieses Video anschauen:

Ach: Und eine App gibt es natürlich auch. Werd ich gleich mal ausprobieren.