Es ist eine Invasion!

Auf dem Urban Spree Gelände in der Revaler Straße hat sie sich ausgebreitet, die Comicinvasion Berlin.  Auf Tischen, Stühlen, Decken, auf dem Boden, sitzend, stehend, liegend wird hier gezeichnet, geschrieben oder einfach fertig gedrucktes angepriesen und verkauft. Comics, natürlich.

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Schon bekannte Verlage sind da – Reprodukt kündigt eine Neuauflage von Fritz the cat an! – ebenso Independant Verlage, extra für die Comicinvasion gegründet, oder zeichnende Einzelkämpfer. Ausdrücklich auch Zeichnerinnen, um vier gibts einen Heldinnen-Workshop.  Anwesend ist hier Berlins einziger Comicladen, nach dem der §118 des Ordnungswidrigkeitsgesetzes benannt wurde, der “Grobe Unfug”. Hier bieten einige Zeichner an, Comicfiguren aus euch zu machen, gegen angemessenen Bezahlung, versteht sich. Irgendwo wird Miraculix Zaubertrank angeboten, nun, wer sich traut …

Heute ist letzte Gelegenheit, schauen, kaufen, selberzeichnen.

Literaturlegende Berlin

Berlin und die Literatur, das ist ein Ding für sich. Als ich vor über zehn Jahren hierherkam, war ich gespannt auf die vielgerühmten Möglichkeiten, die Lesebühnen und Poetry Slams, all das. Außerdem die vielen Verlage, darunter mein Verlag, die Agenturen natürlich und all die lebenden Literaten, die man unterwegs irgendwo trifft. Toll! Und dann?

Das Ding mit der Berliner Literatur liegt schräg und bleibt schräg, von wo aus man es auch betrachtet. Wuppertal oder Neukölln, Provinz oder Weltkreativdrecksstadt Berlin, das ist ziemlich egal.

Insgesamt war ich auf keiner einzigen Slam-Veranstaltung, aber das war klar. Ich mochte das nie, diesen inszenierten Wettbewerb. Ich war aber auch nur zwei- oder dreimal als Zuhörerin bei Lesebühnen und ein einziges Mal stand ich als Gast auf der Bühne. Das war eine tolle Erfahrung, aber das war’s dann auch. Ich eigne mich nur wenig als Gagschreiberin. Punkt! So ähnlich sieht das auch Sarah Schmidt, eine Lesebühnenlegende, wie ich heute lesen durfte.

Das Schönste waren sicherlich die Bloglesungen, die es vor ein paar Jahren immer wieder Mal gab. Denen trauere ich ein wenig nach. Da war ich gerne, egal in welcher Position. Aber damit war es dann, spätestens mit der ersten Twitterlesung, auch vorbei. Schade eigentlich.

Berliner Kunst nach 1945

Vor 70 Jahren: Schon sehr bald nach Kriegsende begannen in den Berliner Westsektoren die städtischen Kunst- und Volksbildungsämter mit der Unterstützung Berliner Künstler, vor allem derjenigen, die nicht im Dienste der Nationalsozialisten gearbeitet haben. Ankauf von Bildern gehörte dazu ebenso wie die Bereitstellung von Ausstellungsräumen. In der Kommunalen Galerie Wilmersdorf wird zur Zeit eine Auswahl aus dieser erstaunlichen Sammlung des Bezirks gezeigt.

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Eckhart Gillen zeigt “Berlin am Meer” von Werner Heldt

Viele der Bilder handeln vom Wunsch nach Neuanfang, nach Farbigkeit und neuer Formensprache. Angesichts der Berliner Trümmerlandschaft sagte Werner Heldt: “Unter dem Asphaltpflaster Berlins ist überall der Sand unserer Mark. Und es war früher einmal Meeresboden.”
Gerda Rotermund zeigt in ihren Arbeiten die Leidenswege von Flüchtlingen,  Alexander Camaro präsentiert die Aufzeichnungen eines Geheimagenten. Mit Werner Laabs und Heinz Trökes werden zwei Künstler ausgestellt, die mit zu den ersten Künstlern der Galerie Rosen gehörten.
In seinem Eröffnungsvortrag beschrieb der Kunsthistoriker Eckhart Gillen auch  Auseinandersetzungen mit den Vertretern der sozialistischen Kunst und Abwerbeversuchen der “Ostzone”, die Künstler mit freien Wohnungen und Ateliers in ein Künstlerdorf locken wollte: der “kalte Krieg” machte vor der Kunst nicht halt.

Kommunale Galerie
Hohenzollerndamm 176
10713 Berlin
www.kommunalegalerie-berlin.de

Fotos im Amerikahaus

In ein Gebäude mit mit kurzer, aber heftiger Geschichte zu ziehen, ist auch für eine Fotogalerie mit Ambition eine Herausforderung.  Kein Wunder, dass eine Riesenschlange am Bahnhof Zoo auf die Eröffnung der C|O Galerie wartete.

Andrang an der co Galerie

Einem Fotografen, der zur Zeit der Entstehung des Gebäudes in Berlin gelebt hat, wird in der Eröffnungsausstellung gehuldigt: “Will McBride – Ich war verliebt in diese Stadt. Fotografien 1956-1963″.

Will McBride - Fotoausstellung

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Spazieren in Berlin

Weil mich die Geschichte Berlins immer interessiert, habe ich mir das Buch Spazieren in Berlin von Franz Hessel bei der Landesbibliothek, der früheren Amerika-Gedenkbibliothek, ausgeliehen. Es ist die Erstausgabe aus dem Jahr 1929. Auf knapp 300 Seiten schildert der Autor in lockerem Ton seine Eindrücke und Erlebnisse beim Schlendern durch die Stadt. Es gibt einige Passagen, die mich beim Lesen verharren lassen.

»Der künftige Potsdamer Platz wird von zwölfgeschossigen Hochhäusern umgeben sein.«

Später, im Kapitel über den Landwehrkanal, heißt es:

»Die Kottbuserstraße führt uns zurück an den Kanal, und wir kommen in die Budenstadt eines Marktes, der das ganze Maybacher Ufer bedeckt.«

Der Zeitsprung gelingt mühelos, als wären keine 85 Jahre vergangen. Er schildert Angebote, die auch heute noch zu haben sein könnten. Eine wunderbare Entdeckung!

Umsonst und draußen

Spree, Sonnenuntergang, Musik, was braucht es mehr - Foto: h|b
Spree, Sonnenuntergang, Musik, was braucht es mehr – Foto: h|b

Im Rahmen der “Berlin Music Week” finden entlang der Mühlenstraße heute und morgen viele Liveauftritte junger Künstler statt. Hauptstage ist am O2 Anleger. Wer Lust hat Newcomerbands zu hören und den Sommer melodisch bei einem schönen Sonnenuntergang ausklingen zu lassen, kann das morgen noch zwischen 15 und 20 Uhr im Rahmen des “First we take the streets” Festivals.

49 Musikalische Schweigeminuten

Die Berliner Zeitungen schweigen. Dabei ist in der Nacht zum Mittwoch ein großartiger Musiker gestorben:  Johnny Winter! Die FAZ und die Zeit machen es besser. Wo beide Zeitungen abschreiben, denn die Artikel sind fast identisch, weiß ich nicht. In Gedenken an ihn werde ich mir jetzt Second Winter auflegen. Das einzige, mir bekannte Doppel-Album auf dem nur drei Seiten bespielt wurden. Der Link verweist auf die englische Wikipedia; ein deutscher Eintrag existiert nicht.

Gee Vero – The Art of INCLUSION noch bis zum 27. Juni im Kleisthaus

von Ina Müller-Schmoß

Hinweisen möchte ich auf eine wirklich sehenswerte Ausstellung der Künstlerin Gee Vero. Das Besondere: Gee Vero verknüpft Kunst und Inklusion. Für einen ersten Vorgeschmack möge man sich die kleine Foto-Dokumentation der Vernissage anschauen.

Kunst ist in der Lage, Inklusion auf allen Ebenen unmittelbar sichtbar zu machen. The ART of INCLUSION ist mein Angebot als autistische Künstlerin – eine von 67 Millionen Autist/innen – an die Gesellschaft, sich der Herausforderung des Mitmensch-Seins mit autistischen Menschen zustellen. Es ist eine Einladung an einem Gemeinschaftswerk teilzuhaben und sich auf mich und meine Kunst einzulassen. Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wissenschaft werden eingeladen, gemeinsam mit mir der Inklusion, im Sinne des lateinischen Ursprungs des Einschlusses und der Dazugehörigkeit, einen Schritt entgegen zu gehen. Ein Blatt Aquarellpapier wird zum Ort der Begegnung. Zwei Bilder werden ein Gemeinsames. Die unterschiedlichen Ergebnisse zeigen, wovon die Gesellschaft noch weit entfernt ist: Toleranz, Akzeptanz und Inklusion autistischer Menschen ist keine Illusion.

The Art of Inclusion ist noch bis zum 27. Juni 2014 im Kleisthaus, Mauerstraße 53, 10117 Berlin zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Montag – Freitag 10.00 – 18.00 Uhr.

Bei einem Treffen im Mai mit Gee hatte ich Gelegenheit, ihr ein paar Frage zu stellen. Hier das Interview:

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