26.12.2009

Zugezogene, der die das

Beate in am 26. Dezember 2009, 10:41   15 Kommentare »

Es ist eine Hassliebe, wie sie im Buche steht. Denn eine Stadt wie Berlin kann nicht mit und nicht ohne sie. Auch die Berliner selbst sind ob ihrer Existenz und Zunahme mancherorts gespalten. Sie sind es, die das “Multi” zum “Kulti” bringen. Sie sind es, die Farbe, Exotik und kulturelle Vielfalt in den Moloch der Hauptstadt zaubern. Sie sind es, die Geld, Arbeit und Leben importieren. Und doch polarisieren sie vor allem beim Berliner Urvolk wie kaum ein anderer Stein des Anstoßes: Ja, die Zugezogenen haben’s nicht leicht in ihrem Dasein. Sie werden geliebt – und gehasst.

Es sind ja nicht nur die Plakate, die Bayern, Rheinländern und Schwaben “gute Heimfahrt” entgegentröten und die Schwemme der Zugezogenen verteufeln. Oder die den revolutionsschwangeren Spruch “Wir sind ein Volk” um das “Und Ihr seid ein anderes” ergänzen und damit Zugezogene meinen. Es sind auch handgemalte “Schwaben raus!”-Sprüche an Häuserwänden. Es ist das Naserümpfen über den x-ten Biomarkt. Und irgendwie auch die Tatsache, dass der gute alte Berliner Dialekt gerade in den Bezirken verschwindet, in denen er früher der Lebenssaft seiner Bewohner war.

Besonders gut sind all diese Phänomene im vielzitierten Prenzlauer Berg zu beobachten. Fragt man alteingesessene Ur-Berliner, rollen die mit den Augen. Da zögen die ‘68er-Kinder in Scharen in die überteuerten Dielen-und-hohe-Decken-Altbauten und suchten einen Geist, den sie doch selbst durch ihre Anwesenheit vertrieben. Da raunten sie hinter vorgehaltener Hand verschwörerisch und erzählten sich von abenteuerlichen revolutionären Arbeiterspelunken in Kellergewölben – die es nie gab. Und da vermuten sie hier, gerade hier den Geist des guten alten Berlin – der doch längst verflogen ist. Verflogen mit dem Geruch von Dinkelkeksen, Kölsch und Leberkäs.
Deutlich wird das wahre Ausmaß der Zugezogenen vor allem jetzt in den Weihnachtstagen. Der halbe “P-Berg” ist plötzlich voller freier Parkplätze. Komplette Häuser bleiben dunkel, weil niemand da ist. Ein Phänomen, das man nur dann beobachten kann, wenn’s auf Familienbesuch in die Heimat geht.

Und doch kann man nicht umhin, die große Welle der Neu-Berliner willkommen zu heißen, sie irgendwie zu mögen – sind sie es doch, die der Stadt ständig den Spiegel vorhalten. Sie pieken in Wespennester und provozieren zu Diskussion und Eigenkritik. Sie bereichern Küche, Bett und WG-Feier. Sie beleben Straßen, füllen Cafés, malen Stuckwände bunt an und importieren kuriose Bier- und Wurstsorten. Und feiern kann man mit ihnen auch.

Also, Berlin, sieh Deinem Schicksal ins Auge – die Gentrifizierung rund um Kolle, Mainzer und Samariterviertel ist eh durch. Die einst hustende Berliner Arbeiterlunge atmet jetzt den Duft der großen weiten Welt. Und die beginnt nun mal nicht erst außerhalb der deutschen Grenzen. Tolerant ist, wer nicht nur ausländer- sondern auch inländerfreundlich ist.
Ein lebendiges, buntes neues Jahr wünsch ick Dir, Berlin!

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25.12.2009

Yorckstraße, die

Jürgen in am 25. Dezember 2009, 17:09   23 Kommentare »

Gibt es Deutsche, die mit Ihren Ansichten, vor allem aber mit ihren Taten, Vorbild für andere sind? Sicher. Gibt es auch Militärs aus der deutschen Geschichte, auf die man stolz sein könnte? Ja, es gibt sie. General Yorck von Wartenberg, der Namensgeber für unsere heutige Straße, war einer von ihnen.

Yorck bewies vor allem mit der “Konvention von Tauroggen” Mut und Standhaftigkeit in einer Situation, wo andere den bequemeren Weg gegangen wären oder versagt hätten. Beethoven hat ihm 1813 seinen berühmten Yorkschen Marsch gewidmet, hier in einer weniger martialischen Variante.

Die Yorckstraße in Kreuzberg, als Verbindung von Mehringdamm und Potsdamer Straße, ist, wie so viele Berliner Straßen, keine Schönheit und doch einen Besuch wert. Straßenprägend die St. Bonifatius-Kirche, ein hochaufragender Klinkerbau, um diese Jahreszeit innen bei Tageslicht allerdings sehr düster. Die Straße weist einige beeindruckende Häuser, wie der Nr. 60 im Neorenaissancestil und der Nr. 83 (Riehmers Hofgarten- erbaut in den Gründerjahren), auf. Letzteres mit einem der prächtigsten und großzügigsten “Hinterhöfe”, die ich in Berlin kenne.

Das Hauptmerkmal unserer heutigen Straße sind jedoch die Yorckbrücken, die, inzwischen unter Denkmalschutz stehend und strotzend vor Rost, die Straße überspannen. Eine Erhaltung und Sanierung ist geplant und auch dringend erforderlich. Erwähnenswert sind auch die beiden alten S-Bahnhöfe und der U-Bahnhof, die in einem Radius von nur 300 m zu finden sind. Vielleicht denkt man bei einer Sanierung der Brücken auch an die Losung, die auf einer von ihnen seit Jahren den Verkehrsteilnehmern, die sich von Schöneberg kommend Richtung Kreuzberg bewegen, schon von weitem in’s Auge springt:” Keine Rinderzucht auf Regenwaldböden! Boykottiert Mc Burger!!”

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24.12.2009

X-Akten, die

Linda in am 24. Dezember 2009, 08:21   Kommentar schreiben »

Es war im Jahr 1992. Ich war gerade zum ersten Mal Bezirksverordnete geworden, als ich mich einer Stasi-Überprüfung unterziehen musste. Die Stasi-Akten aus der Normannenstraße waren gerettet worden und das Berliner Abgeordnetenhaus hatte vorsorglich für alle Berliner Mandatsträger einen Datenabgleich beschlossen. Und das galt auch für Westberliner.
Spannend fand ich das, weil mir einmal am Grenzübergang Friedrichstraße aus politischen Gründen die Einreise verweigert wurde. Ich wollte eine DDR-Jugendfeier besuchen. Vorbereitet war eine kleine Protestaktion am Alexanderplatz, mit einer Studentenorganisation der FU-Germanisten. “Sie sind hier nicht erwünscht”, war die lapidare Begründung für meine Zurückweisung. Seltsam war nur, dass Studenten anderer Fachbereich einreisen konnten, jedoch kein Germanist.
Später stellte sich heraus, dass ein älterer Germanistikstudent, der im Zusammenhang mit der Biermann-Ausweisung aus der DDR ausreisen durfte, ein Stasi-Spitzel war. Also müsste eigentlich irgendwas über mich bei denen notiert gewesen sein, denn auch in der Folgezeit wurde ich immer mindestens eine Stunde bei meiner Einreise nach Ostberlin festgehalten.
Das erzählte ich unserem Fraktionsgeschäftsführer, der für unsere Fraktion einen institutionellen Antrag auf Auskunft über unsere Stasiakteneinträge gestellt hat. So. Und mehr erzähle ich euch nicht, denn es gibt zwar keine Stasi mehr, dafür aber einen an Informationen aller Art immer noch hochinteressierten Verfassungsschutz.
Es geschah monatelang gar nichts. Nach über einem Jahr bekam die Fraktion eine pauschale Mitteilung über die namentlich benannten Bezirksverordneten, die meisten hatten den Vermerk: nichts Relevantes gefunden. Ich fragte wieder unseren Geschäftsführer: Das kann doch nicht sein? Warum erfahre ich nicht einmal, ob überhaupt eine Akte über mich exisitiert? “Die haben nur festgestellt, dass du nicht für die Stasi gearbeitet hast. Du kannst noch einmal einen Privatantrag stellen, das dauert aber mindestens zwei Jahre, bis deine Anfrage beantwortet wird. Wenn du einen Professor findest, der über das Thema forscht, dann könnte es schneller gehen. Sei nicht enttäuscht: Wahrscheinlich haben sie keine Akte über dich!”
Ich war jetzt wirklich enttäuscht, aber nicht so sehr über meinen nicht vorhandenen Fall, sondern über den eigenartigen Status der Akten als offiziell öffentliches historisches Aktenarchiv, dass sich aber bei genauerem Hinsehen als ausgesprochen zugeknöpft erwiesen hat. Laut Stasi-Unterlagengesetz darf ich zwar als Privatfrau Kenntniss meiner eigenen Akteneinträge verlangen, keineswegs aber über die von, beispielsweise, Helmut Kohl oder Angela Kasner. Stattdessen wird aber psychologische Betreuung angeboten. Vielleicht sollte ich die in Anspruch nehmen, denn die Enttäuschungen gehen noch weiter.
Da ist z.B. der Umstand, dass man für Daten, deren Erhebung schon einmal von der ostdeutschen und russischen Arbeiterklasse bezahlt worden ist, noch einmal zahlen muss – für eine schriftliche Mitteilung ebenso wie für die eigene Einsichtnahme. Nun ist das Ende der Kette der Enttäuschungen noch immer nicht erreicht: Die Akten, die man einsehen darf, müssen von der Stasi-Unterlagen-Behörde “vorbereitet” werden. Mit anderen Worten: Stellen, die andere Personen betreffen, werden geschwärzt.
Tja. X-Akten eben. Davon haben wir in Berlin noch mehr – man denke nur an die Geheimverträge, die zum Verkauf der Wasserwerke abgeschlossen wurden, oder die Public-Private-Partnership-Verträge, die die BVG unterzeichnet hat, damit sie ihre Busse auch fahren darf. Öffentliche Einsichtnahme ausdrücklich nicht erwünscht! Aber da müsste ich ein ganz anderes Fass aufmachen …

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23.12.2009

Wasserfall, Der

Bernd in am 23. Dezember 2009, 10:00   4 Kommentare »

»Paris ― wat is denn det für ne Stadt! Da jibts ja nich mah nen Wasserfall. « So könnte ― frei nach Tucholsky ― das Urteil eines Berliners über Paris oder eine andere Metropole lauten. Und in den meisten Fällen behielte er Recht.

Der besagte Wasserfall befindet sich nicht nur in, sondern auch auf dem Kreuzberg. Er entstand durch die Anregung eines gewissen Herrn Friedel , der 1884 eine Schrift mit dem schönen Titel »Erläuterungen betreffend die Herstellung des Parks auf dem Kreuzberg« veröffentlichte. Es dauerte dann noch 4 Jahre, bis mit den Arbeiten begonnen wurde.
Hermann Mächtig hieß der Mann, unter dessen Regie die Anlage verwirklicht wurde. Es muss eine Zeit des Aufbruchs gewesen sein, in der man genügend Geld im Etat fand, um die zahlreichen grünen Oasen Berlins zu schaffen und zu gestalten. 2,8 Millionen Mark wurden in den Victoriapark, den niemand so nennt, investiert. Bei einem Umrechnungsfaktor von rund 1 zu 10 entspricht das 28 Millionen Euro. Man stelle sich den Aufschrei vor, wenn heute ein Stadtrat vorschlagen würde, den gleichen Betrag für einen Park auszugeben. Da sei Herr Nußbaum vor.

Bekommen haben die Berliner jedenfalls einen veritablen Wasserfall, dessen Vorbild im Riesengebirge zu finden ist. Weil auf der kleinen Anhöhe keine natürliche Quelle zur Verfügung steht, müssen 13.000 Liter Wasser pro Minute hinauf gepumpt werden. Es gab schon oft Zeiten, in denen die Mittel fürs Wasser fehlten. Zum Glück fanden sich immer wieder Geldgeber, die dafür sorgten, dass die Trockenperioden nicht allzu lange dauerten. Schließlich ist das Foto vom Kreuzberg mit sprudelndem Wasserfall eine Ikone, die auf unzähligen Postkarten Verbreitung in alle Welt gefunden hat.

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22.12.2009

Volksentscheid, der

Jürgen in am 22. Dezember 2009, 21:46   Kommentar schreiben »

Nach einer Verfassungsänderung im Jahr 2006 erhalten in Berlin Volksbegehren und Volksentscheide einen anderen Stellenwert. Die Möglichkeiten basisdemokratischer Entscheidungen haben sich damit erweitert.

In den zurückliegenden zwei Jahren kam es zu zwei Volksentscheiden: Erstens der für den Erhalt des Flughafens Tempelhof und zweitens der für die Einführung eines Wahlpflichtfaches Religion an den Berliner Schulen. Beide Volksentscheide sind bekanntlich gescheitert. Die Wahlbeteiligung lag bei 29,2% bzw. 34,3%. Waren die Themen bzw. der Gegenstand der Abstimmungen also für die Berliner nicht wichtig genug oder gab es andere Gründe für das Scheitern? Die Ergebnisse und Hintergründe sind seinerzeit ausführlich dargestellt worden.

Sind diese Volksbegehren bzw. -entscheide also für die politische Willensbildung der Bevölkerung Berlins und evtl. Veränderungen in der Stadtpolitik nun dennoch von Nutzen oder nicht? Ich denke ja.

Das Volksbegehren für die bessere personelle bzw. finanzielle Ausstattung der Berliner Kitas war ein voller Erfolg. Zudem handelt es sich um ein wichtiges Thema. Ein weiteres Begehren zur Offenlegung der Verträge des Landes Berlin mit den Wasserbetrieben läuft. Auch das ist ein wichtiges Thema, denn die Berliner zahlen mit das höchste Wassergeld in deutschen Großstädten (Berliner Morgenpost 10.06.08: Berlin – 5,09, Köln – 3,15, München – 3,21, Hamburg – 4,15. Mischpreise. Alle Angaben in €/m3)

Es ist so: Wenn sich die Politik nicht bewegt, dann muss es der Bürger tun. Die Möglichkeiten sind dafür gegeben.

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21.12.2009

Unter den Linden, der Boulevard

Jürgen in am 21. Dezember 2009, 08:10   Kommentar schreiben »

Natürlich ist Unter den Linden mehr als nur eine breite Hauptstraße, ein Boulevard, geschichtsträchtig und besungen. Die Straße ist seit 200 Jahren die politische und kulturelle Hauptschlagader Berlins. Hier nahmen diverse Kurfürsten, Könige und Kaiser ihre Paraden ab, hier zog Napoleon mit seinen siegreichen Franzosen entlang, nachdem sie den preußischen Generälen 1806 das Laufen beigebracht hatten. Die Nazis verbrannten 1933 auf dem jetzigen Bebelplatz Bücher besserer Deutscher und marschierten am Hotel Adlon vorbei, aus dem manch einer der intelligenteren Deutschen vom Balkon aus zusah, durch das Brandenburger Tor. Im Jahr 1945 gab es dort keine Linden und auch keine Häuser mehr. Weitere 16 Jahre später war Berlin die geteilte Stadt unter einem Himmel.

Unter den Linden ist in den letzten Jahrzehnten friedfertiger, in besonderem Umfang seit 1990 auch wieder internationaler und normaler geworden, ebenso wie vergleichbare andere, europäische Prachtmeilen, touristenaffin und daher zu allen Jahreszeiten ein Ort mit hoher Besucherfrequenz. Das bedeutet nicht, daß die Stadt Berlin dieser Straße einen Sonderstatus einräumt. Eher im Gegenteil. Auch hier wird, teilweise lange und chaotisch, gebaut und es scheint zum Beispiel niemanden – außer ein paar unwichtigen Mittebewohnern – zu stören, daß der Abschnitt der Wilhelmstraße, in der sich die Britische Botschaft befindet, seit Jahren mit Pollern abgesperrt und für Autos nicht mehr befahrbar ist. Das gilt selbst für die US-Botschaft nicht, an der man ja vorbeifahren kann.

Natürlich gibt es immer bestimmte Höhepunkte im Jahr, wo man den Linden eine besondere Veranstaltung verpasst oder ein spezielles Aussehen verleiht. Wie jetzt auch in der Weihnachtszeit. Die jetzt unweit der Lindenoper bzw. der Kommode installierten gewaltigen Werbetafeln von Kaffeekonzernen und einer globalen Brausefirma (an der Humboldt-Box) stellen einen besonderen Grad der Verschandelung dieser Straße dar. Für mich ergibt sich die Frage, wie man so etwas genehmigen kann oder vernebelt der Kommerz den Stadtbezirks- bzw. Senatsstellen schon die Sinne?!

Die Gebrüder Humboldt, jedes Jahr in der Wintersaison werden deren denkmalene Abbilder vor “ihrer” Universität eingehaust, brauchen sich dieses Grauen also nicht mit anzusehen. Die Glücklichen!

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20.12.2009

Tierliebe, die

Jürgen in am 20. Dezember 2009, 08:46   7 Kommentare »

“Seitdem ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere”. Dies Wort wird dem Philosophen Schopenhauer zugeschrieben. Es könnte aber – märchenhaft – auch ebenso von einer Gans stammen, die zum Beispiel auf der Domäne Dahlem ihrem Ende als Weinachtsbraten in einer hungrigen Menschenfamilie nichtsahnend entgegenschnattert.

Bekannt ist die Liebe des Großstädters im allgemeinen und des Berliners im besonderen zu seinen Tieren. Hunderttausende von Hunden, Katzen, Kanarienvögeln, Wellensittichen, Hamstern, Kaninchen, Schildkröten und anderem mehr gehören in der Großstadt als Mitbewohner zu Single- oder Familienhaushalten und dienen entweder als Spielkamerad, Einsamkeitsverscheucher, Naturvertreter oder Eiweißquelle. Strömen die Hauptstädter in den Tierpark oder Zoo, suchen sie wenigstens für ein paar Stunden das verlorene Naturparadies wieder, welches der Mensch durch eigenes Tun in großen Teilen entzaubert bzw. bereits vernichtet hat.

Mit den Tieren der Kategorie zwei verläuft das Miteinander nicht ganz so harmonisch. Hierzu zählen die in den Vorgärten der Außenbezirke herumwühlenden Wildschweine, die allgegenwärtigen Krähen, ständig unterwegs zwischen Schlafplätzen in der Innenstadt und den Deponien am Stadtrand, die inzwischen bis ins Zentrum vorstoßenden Füchse und Waschbären und natürlich die unzähligen Tauben und Ratten in Berlin. Diesen Lebewesen, die nichts anderes gemacht haben, als dem Menschen zu folgen, von seinen Zivilisationsabfällen und seinen manchmal verschwenderischen Neigungen lebend, bringt der Stadtbewohner deutlich weniger Sympathie entgegen, manchmal sogar Abscheu.

Abseits der Liebe hat das Tier und seine Nutzung bereits in der preußischen Staatspolitik und in der Stadtpolitik Berlins immer eine Rolle gespielt. Dafür stehen als Beispiele in der Gegenwart die Rolle der Veterinärmedizin an der Humboldt-Universität und Freien Universität (Fusion 1992) sowie die Existenz des Institutes für Zoo- und Wildtierforschung in Lichtenberg.

Aber nicht vergessen: Das Wappentier Berlins ist der Bär, den es hier in freier Wildbahn nicht mehr gibt. Und so kommt der Weißfellvariante in Gestalt des Fast-Ehrenbürgers Knut und seinem Liebesleben eine besondere Aufgabe zu!

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19.12.2009

Speckgürtel, der Berliner

Linda in am 19. Dezember 2009, 11:07   7 Kommentare »

Eines Abends passierte es: eine befreundete Familie verkündete bei einer Party, dass sie aufs Land zieht. In den Norden. In die Nähe von Oranienburg. Und dass es eine suuuper günstige Gelegenheit ist, eine sehr schicke geräumige Doppelhaushälfte, sogar mit kleinem Garten, aber das geht schon klar, denn man will sich ja auch nicht mit zuviel Gartenarbeit belasten. Die zwei Kinder waren zu der Zeit 10 und 12, genau das Alter, wo sie schon mal laute Musik hören wollten und überhaupt. Im eigenen Haus hat man einfach mehr Freiheiten. Mehr Platz. Und auf dem Land sind die Preise günstiger, die Luft ist besser, das Wasser - ach, es gibt eigentlich nur Vorteile.

Tja, liebe Partygäste. Lasst uns den harten Tatsachen ins Auge sehen: Die städtische Freundespopulation dünnt immer mehr aus. Der Drang aufs Land erfasst sogar überzeugte Berufsberliner! Wir sprechen vom berüchtigten Urban Sprawl – von der Umzieherei in den hauptstädtischen Speckgürtel. Ein “Speckgürtel” ist es vor allem deshalb, weil betuchtere Stadtbewohner (und Steuerzahler) zum Wohnen in das nahegelege Umland abwandern. In der Stadt arbeiten sie in ihren gutbezahlten Jobs und abends fahren sie mit dem Auto zurück, weil auf dem Land kaum ernstzunehmende öffentliche Verkehrsmittel zur Verfügung stehen.

Mittlerweile sind die Kinder der Familie 14 und 16. Wenn man sie fragt, hören sich Ihre Geschichten ganz anders an. In dieser neugeschaffenen Häusersiedlung – ein wenig abseits vom alten ostdeutschen Dorf – wohnen nur zugezogene Ex-Berliner und Ex-Wessies. Hier ist nichts los! Wenn man nach Berlin möchte, muss man 25 Minuten mit dem Fahrrad zur nächsten S-Bahnstation fahren oder 10 Minuten zu Fuß zur nächsten Bushaltestelle, der Bus fährt nur alle 2 Stunden. Aber im Winter wird es schon früh dunkel und man traut sich nicht mehr allein auf die Straße. Oder man bittet die Eltern um eine Mitfahrt mit der Familienkutsche. Und diskutiert mit denen erstmal aus, ob die Party oder Verabredung wirklich so notwendig ist.

Unter den Umständen wundert sich niemand mehr über das Phänomen der Rückwanderer. Vielleicht kommen unsere jungen Dörfler eines Tages wieder nach Berlin zurück...

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18.12.2009

Robbe, die

Steffka in am 18. Dezember 2009, 07:57   12 Kommentare »

Die Robbe ist ein eher eckiges Wesen, das vorrangig im Berliner Raum vorkommt, in den letzten Jahren aber vereinzelt auch in anderen Bundesländern gesichtet wurde. Aber nein, es handelt sich bei der Robbe nicht um das neue Lieblingstier der Berliner, das den Eisbären verdrängen wird, sondern in der Regel um einen ganz profanen Pritschenwagen. Als typisches Berliner Fortbewegungsmittel vereint die Robbe erfolgreiche Schnäppchenjagd mit dem Lebensgefühl der Beweglichkeit innerhalb der Stadt. Denn erst mit der Robbe macht das exzessive Umziehen zwischen den Stadtbezirken so richtig Spaß und kostet fast nix, vor allem wenn man auch als voll verdienender Mittvierziger noch seine Freunde fragt, ob sie helfen können.

Das Unternehmen Robben & Wientjes von dem sich “Robbe” ableitet, ist sozusagen das IKEA des Lastwagenverleihs und bringt als lokales Urgestein natürlich auch ein entsprechendes Flair rüber. (auch verbinden sich Robbe und Ikea oft zu einem unschlagbaren Team). Sobald man die Filiale betritt, weiß man: hier wird das Geschäft nicht zu ernst genommen und rechnet fast damit, noch einen Currywurststand im Bistrobereich zu entdecken. Rauchende Mitarbeiter sitzen vor dicken Auftragsbüchern und managen die Herausgabe bzw. das wieder Einsammeln der zahlreichen blau-weißen LKWs an die vielen Studenten, die glücklicherweise alle schon so lange in der Hauptstadt wohnen, dass es nicht zu einem clash of cultures kommt.

Über den Erfolg des Unternehmens (inzwischen vier Filialen) lässt sich nur vermuten: Ich denke eine gewisse Unkompliziertheit, sowie die optimale Größe der Standardpritsche (es geht eben immer alles genau rein) und das wirklich durchdachte Preismodell haben ihren Teil dazu beigetragen. Und auch zum Firmennamen lässt sich nur spekulieren, hier vermute ich folgendes: ein junger Tierpfleger, von seinen Freunden nur „Robbe“ genannt, hat sich die holländische LKW-Fahrerin, Antje Wientjes, geangelt und weil er keinen Bock mehr hatte immer auf sie zu warten, haben sie ihren LKW günstig vermietet und schon war die Idee geboren. Mit ersten neuen Ideen der Robbennutzung zur Fete de la Musique als Kleinbühne und anderen Anlässen zeigen einige Berliner inzwischen nun auch den Weg zum kreativen Robbenmissbrauch auf. Der einzige Nachteil, den ich sehe, liegt in der Gefahr, dass man seine gerade gewonnenen Freunde außerhalb Berlins verschrecken könnte, wenn man sich eine „Robbe mieten“ will.

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17.12.2009

Quadriga, die

Susanne in am 17. Dezember 2009, 16:51   Kommentar schreiben »

Quadriga, die; 1793 aufgestellt, Skulptur von Johann Gottfried Schadow, steht auf dem Brandenburger Tor

Stolz steht Viktoria in ihrem Streitwagen, der von vier nicht minder stolzen Pferden gezogen wird. Über ihr der Siegeskranz, wie ein Heiligenschein. Darauf der Adler, natürlich, was sonst. Viktoria, die Siegesgöttin, schaut auf den Pariser Platz hinunter, das kurze Prachtstraßenstück Unter den Linden entlang, bis dahin vielleicht, wo zurzeit weder ein Palast noch ein Schloss steht.

Viel erlebt hat sie und weit gereist ist sie auch, die sechs Meter hohe Stulptur aus Kupfer. Verschiedene Kriege spielen dabei eine Rolle, wie es sich für ein Schlachtgespann gehört. Napoleon entführte die Quadriga 1806 nach Paris, von wo sie jedoch bereits 1814 siegreich zurückkehrte. Den ersten Weltkrieg hat sie offensichtlich gut überstanden, im zweiten wurde sie dann allerdings fast vollständig zerstört. Dementsprechend tront heute eine komplette Rekonstrution auf dem ebenfalls sauber restaurierten Brandenburger Tor. Lediglich ein einziger Pferdekopf ist noch im Original erhalten, dieser ist im Märkischen Museum zu sehen.

Unvergessen bleibt natürlich die Zeit im Niemandsland, mehr oder weniger zufällig zwischen Ost und West geraten wird die Quadriga, zusammen mit ihrem Sockel, zu einem Symbol des kalten Krieges. Fast dreißig Jahre stand die Siegerin einsam und unerreichbar da und befand sich doch im Blickfeld der ganzen Welt. Damals übrigens ohne Adler, und auch das zwischenzeitlich ergänzte Eiserne Kreuz verschwand im real existierenden Sozialismus spurlos.

Doch auch Friedens- und Freundenfeiern haben ihren Preis. Die Öffnung des Brandenburger Tores am 22. Dezember 1989 und vor allem die große Silvesterparty 1989/90 haben der Quadriga schwer zu schaffen gemacht. Die Siegesgöttin und ihr Gefährt wurden so stark beschädigt, dass sie zwei Jahre später erneut restauriert werden mussten. Das Ergebnis – jetzt wieder mit Adler – ist heute mitten in Berlin zu bewundern.

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16.12.2009

Party, die Berliner

Michael in am 16. Dezember 2009, 10:45   1 Kommentar »

Gerne wird über unseren Regierenden, den Klaus Wowereit, gesagt, er sei ein Party-König. Meist ist das wohl abwertend gemeint, "der schafft damit doch keine Arbeitsplätze" oder "Hauptsache, der hat sein Vergnügen und wir die Arbeit".

Aber, es gibt sie, diese Menschen, die Vergnügen bei ihrer Arbeit haben und trotzdem oder besser gerade dadurch erfolgreich etwas schaffen. Und das hat er. Neuhochdeutsch ausgedrückt hat er vielleicht auch nur den Vibe, die Schwingung aufgegriffen und das Beste aus dem gemacht, was Berlin gerne zelebriert: feiern!

Die Clubszene: legendär! Früher zum Beispiel der Tresor, den es auch heute noch gibt nach diversen Ortswechseln, das alte Ostgut (heute ein Musik- und DJ-Label), als Nachfolger das Berghain, das schwule Laboratory, oder der Verein zur Förderung der hedonistischen Kultur, der Kit-Kat Club, Maria am Ufer, die vielen anderen Locations: da passiert etwas, was bewegt. Nicht nur die Beine, sondern auch im Kopf. Tanzen, Flirten, Sex. Tourismus, Vergnügungszone in einer grauen, harten Arbeitswelt, da bietet Berlin in einem wild gemischten, internationalem Ensemble von Machern, Usern und Groupies ein Potpourrie der Abwechslung für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel.

Klassisch Party machen: auch das gibt es hier noch, wie in meiner Studentenzeit, als wäre die Zeit stehengeblieben. WG’s, die Bottle-Parties veranstalten, die Raucher drängen sich auf dem kleinen Balkon zur Straße, aus scheppernden Boxen klingt irgendwelche Party-Musik, und ein fröhliches Gebrabbel unterhält auch die Nachbarn und die Umgebung. Schnell wird um zwei Uhr nachts noch der etwas knapp eingekaufte Getränkebestand im Kiosk aufgestockt (und natürlich weil zu wenige etwas mitgebracht haben). Auch das ist Party, live, in Berlin.

Oder etwas Ältere, denen man im Hausflur mit einer Schüssel selbstgemachtem Kartoffel- oder Nudelsalat begegnet, auf dem Weg zu einer etwas weniger ausgelassenenen, aber nicht minder lustigen Party. Wie früher: der dann entweder viel zu fettig-mayonnaisig schmeckende Salat oder mit der Note ungewürzt-langweilig. Aber trotzdem immer weggeht.

Draußen, in den Clubs: manchmal, morgens gegen 3 Uhr bin ich nach Hause gegangen, vielleicht, weil ich schon in die Jahre gekommen bin. Oder weil ich am nächsten Tag arbeiten musste, fast entschuldigend sagt man das dann. In Berlin kann sich auch (noch gelegentlich) jeder mal richtig abfeiern leisten, der nicht viel Geld hat. In London ist das unmöglich.

Ein anderes Mal begegnen sie mir: gepiercte, tätowierte Frauen/Männer, aufgetakelt (oft interessant und mit Geschmack), die aussehen, als würden sie gerade von einer Clubnacht kommen oder gleich dort hingehen, aufwändig dekoriert. Keck das runde Bäuchlein unter dem Top hervorlugend, oder bei den Kerlen ein Mittelstreifen Körperbehaarung plus einem weiteren Piercing. Das kann hier in der Stadt in einer Arztpraxis, in einer Bäckerei oder einer Autowerkstatt sein.

Jedenfalls beschäftigen die Parties auch jede Menge Leute. Kellner, Barmixer, Caterer, Türsteher, Geldzähler, Ämter, Lebensmittel- und Getränkebranche. Und tragen so auch zu einem Stück Lebensqualität in der Hauptstadt bei, was dann wieder bei Firmen attraktiv ist, die sich hier ansiedeln. In Kombination mit den anderen Vorzügen der Stadt selbstverständlich.

Das eine Party Stadt auch ganz schön müde machen kann, weiß ja jeder, und das gibt sich auch wieder! ;-)

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15.12.2009

Osten, der

Michael in am 15. Dezember 2009, 01:14   26 Kommentare »

Der Osten: im Land der aufgehenden Sonne leben (okay, fast), oder in blühenden Landschaften, oder den Aufschwung miterleben. Im Land der abgewickelten Abwicklung leben, wo Frauen davonlaufen in den tiefen Westen, um Arbeit, Zeit und Liebe zu gewinnen. Wo junge Männer gelangweilt, arbeitslos und aggressiv abhängen auf tiefergelegten, im Westen ausrangierten Altwagen. Statistik, Klischee und Wirklichkeit überlappen sich hier deutlich.

“Ihr habt es aber nett hier” sagte 2003 ein in Westberlin gebürtiger Freund von mir, als ich gerade in den Osten, nach Friedrichshain gezogen war. Er war vorher noch nie östlicher als Alexanderplatz gereist, ein Staatsbeamter des Westens. “Wat soll ick’n hier, einkoofen kann ick bessa drüben” war sein erster Kommentar. Essen gehen wollte er hier auch nicht, “sozialistischen Fraß für 20€ braucht keena”, sein zweiter Kommentar. Ich kommentierte gar nicht: zwecklos.

Hinter dem Alexanderplatz ist doch nur noch Platte, wo der gemeine Ossi wohnt. Sagen immer noch viele. Am Rande der Tundra sozusagen. Da, wo viele Frauen arbeiten und ein entspannteres Verhältnis zur Sexualität haben, mit Kindern besser klar kommen, besser miteinander erziehen können und weniger Depressionen haben. Sage ich, so erlebe ich meine Ost Freunde.

Dass die Platte im Märkischen Viertel auch nicht anders ist, interessiert dann erst mal nicht. Dass die östlichen Stadtteile viel liebevoller saniert sind, das der ganze Osten trotz arger Einschnitte (Arbeitsplätze, soziale Einrichtungen) zumeist hübsch aussieht, vielen Nischensuchern gute Startpositionen für die Zukunft bietet und architektonische und touristische Kleinode beherbergt, wissen auch noch nicht so viele. Oder halten es für potemkinsche Dörfer.

Viel besser auf die ungewisse Zukunft vorbereitet ist der Ostler auch: wegen größerer, schon jung gelernter Flexibilität, Improvisationsfähigkeit.

Der Osten, ein Stück unbekanntes Deutschland für viele Wessies. Für mich, zwar auch aus dem Westen, aber dem tiefen, linksrheinischen Westen, wo Deutschland auch schon immer anders tickte, ist der Osten ein Stück lebendige Geschichte, ein erhaltenes Zeitfenster der langsamer, anders gedrehten Geschichte, zurückgeschenkte architektonische, landschaftliche Kultur, menschlich ein Zwitter aus einer seltsam-geheimnisvollen Fremde, die doch auch wieder bekannt, liebenswert, persönlich, vertraut wirkt.

Und besser als sein Ruf: wirtschaftlich von einigen Dauerleidern in den Medien übermaßen niedergeheult, klappt es mittlerweile besser mit der Wirtschaft, ausländische Fachleute prognostizieren, das der Osten für die Zukunft besser gewappnet ist. Prenzlauer Berg, Mitte, Friedrichshain. Ostsee. Dresden. Teile von Brandenburg. Der Norden der Republik ist schon ärmer als der Osten.

Das einzige, womit ich mich NIEMALS werde anfreunden können, ist war die alte Ost-Küche, zwischen Soljanka, die jedesmal anders schmeckt, Nudeln mit Ketchup und Jagd Wurst in der öligen Pfanne gebraten. Schweinebraten mit Mehlkartoffeln (stauben, Vorsicht beim einatmen), die pro Person mit einem Liter brauner Soße aus der Tüte ertränkt wurden und Bockwurst mit Kartoffelsalat (plus Konservierungsstoffe) aus dem Eimer. Mal exemplarisch festgehalten.

Ansonsten: ich bin froh, dass es den Osten gibt. In der BRD wurde es eh langweilig, die 80er waren schon überschrillt, West-Berlin drohte an narzistischer Nabelschau, Korruption und psychischem Mauerkoller zu ersticken und in liebgewordene, großstädtisch anmutende, im Herzen aber in provinzielle Kleinbürgerei zu verfallen.

Ich bin froh, dass es die langen Diskussionen über Ost und West gibt, denn das ist gelebte Demokratie. Und ich bin froh, dass dieses zerissene und doch wunderbare Land um viele schöne Städte, Landschaften, liebe, fleißige und kluge Menschen, die ANDERS sind (sic!), gewachsen ist.

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14.12.2009

Nofretete, die Königin

Jürgen in am 14. Dezember 2009, 09:00   14 Kommentare »

Berlin hat in seiner Geschichte erst eine Regierende (amtierende) Bürgermeisterin vorzuweisen, aber dafür immer mal wieder eine Königin. Die inoffiziell amtierende ist eine Frau mit Migrationshintergrund, stammt aus Ägypten und hört auf den in Berlin doch eher seltenen Namen Nofretete. Gehört die Schöne den Berlinern oder den Ägyptern? Generaldirektor Eissenhauer betont, daß bei den damaligen Ausgrabungen und der Fundteilung alles korrekt abgelaufen sei. In dieser Frage scheint mir aber noch sehr viel diplomatisches Geschick und einiges darüber hinaus erforderlich zu sein.

Nofretete war die Gattin des ägyptischen Pharaos Echnaton, der die für damalige Verhältnisse revolutionäre Idee hatte, den Vielgötterglauben zu beenden und nur den einen “wahren” Gott in den Mittelpunkt des religiösen Lebens zu stellen: Aton, den Sonnengott. Dies war also, lange vor dem Christentum, wahrscheinlich die erste monotheistische Religion in der Menschheitsgeschichte. Echnaton ließ damals eine neue Hauptstadt im Gebiet von Amarna bauen. Heute wird dort durch Archäologen gegraben – eine touristische Erschließung dieses Gebietes ist gegenwärtig nicht gegeben.

Zurück nach Berlin. Neben der einen, ungekrönten Königin hat die Hauptstadt eine Reihe von Unterköniginnen vorzuweisen, die in Politik, Wirtschaft, Mode und Medien zum Wohle der Stadt wirken. Soviel Touristen wie die Schöne von der Museumsinsel werden sie aber mit Sicherheit nie in die Hauptstadt locken.

Ich gebe zu: Für mein Schönheitsideal hat Nofretete einen etwas zu langen Hals. Aber ich soll sie ja nicht lieben, sondern nur bewundern, was ich als Berliner auch gerne mache. Noch höher in meiner Achtung steht allerdings ihr längst verblichener Ehemann Echnaton. Der hatte neben seiner – gewiss nicht anspruchslosen – Gattin auch noch sechs Töchter zu Hause, die ihn auf Trab gehalten haben. Da kann ich wirklich nur den Hut ziehen!

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13.12.2009

Menüweiß, ein

Günter in am 13. Dezember 2009, 00:00   5 Kommentare »

Menüweiß ist eine gastronomische Zusammenstellung auf Basis einer Currywurst, das ausschließlich mit unbestimmten Artikel genannt wird. Es handelt sich dabei um eine in der Regel auf einem Pappteller servierte Currywurst mit Pommes Frites und Majonaise, wie sie in “Konnopke’s Imbiß” im Berliner Bezirk Pankow angeboten wird.*

Ein einfaches “Menü” ist im Fachjargon der Imbiss-Beschäftigten eine Currywurst mit Pommes frites. Den Namen “Menüweiß” erhält die Kombination durch Hinzufügen der Majonaise.

Die Herstellung eines Menüweiß erfolgt nach einem exakt austarierten Prinzip:

  1. Der oder die Beschäftigte an der Kasse bittet den aktuellen Kunden, der gewöhnlich einige Minuten in einer Warteschlange verbracht hat, um Nennung seiner Bestellung.
  2. Bestellt der Kunde eine “Currywurst mit Pommes und Majo”, gibt der/die Kassierer/in die Bestellung mit den Worten “Ein Menüweiß” weiter an den/die nebenstehende/n Kollegen/Kollegin.
  3. Während der Kunde abkassiert wird (inzwischen sind wir bei 3,30 Euro gelandet), wird eine Wurst (ohne Darm) durch ein Gerät mit Klingen gepresst, wobei die Wurst in mundgerechte Stücke zerteilt wird. Darüber wird eine Currysoße gegossen – daneben werden die Pommes Frites platziert, auf die rote Soße wird Currypulver gestreut.
  4. Schließlich greift der/die Kassierer/in unter den Tresen, greift dort eine Flasche und verteilt eine Portion Majonaise auf den Pommes Frites.

Erfahrene Currywurst-Esser geben ihre Bestellung bereits von vornherein mit dem Begriff “Menüweiß” an. Die Wiederholung durch den/die Kassierer/in findet trotzdem statt.

* Keine Schleichwerbung – der Begriff ist nur von dort überlieferert (soll heißen: woanders hab ich ihn noch nicht gehört).

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12.12.2009

Latte, die oder der

Sebastian in am 12. Dezember 2009, 09:00   8 Kommentare »

Latte, die oder der, ugs. für ein bekanntes Getränk.

Kaffeetechnisch haben viele ja ein beflecktes Brett vorm Kopf. “Eine Latte bitte!” oder “Ich nehme einen Caramell-Soja-Weihnachtsstern-Anis-Zimtlatschenkiefer-Hastenichtgesehen-Macchiato”. Pipigesöff nenne ich das ursprünglich für Kinder entwickelte Getränk, das im wesentlichen aus warmer Milch und ein paar macchia Espresso besteht.

Dass die durch Dichteunterschiede zustande kommende Schichtung von Milch und Espresso symbolisch ist, für eine soziale Absetzung, wäre vielleicht etwas weit hergeholt. Aber immerhin haben Prenzlauer Berg, Mitte und Friedrichshain Eingang in den Eintrag auf Wikipedia gefunden. Wie singt Jan Delay so schön: “Und so ergattert sich ein jeder einen Sitz auf der großen Milchkaffee-Rampe ins Nichts” (aus dem Song “Showgeschäft”).

Ernst beiseite, über Geschmack lässt sich ja nicht sinnvoll streiten. Über Grammatik dagegen schon. Deshalb müssen wir noch klären, ob es der oder die Latte heißt.

Dem Duden zufolge ist sowohl „der Latte macchiato“ als auch „die Latte macchiato“ richtig. Das Genus des italienischen Wortes latte ist jedoch männlich (il latte „der Latte“).

(Wikipedia oder in der Duden-Suche)

Ist jedoch egal, denn verstanden wird die Bestellung in jedem Fall. Unverständnis erzeugt eher die Frage nach einer Tasse Kaffee. Zumindest in bestimmten Gegenden dieser Stadt. Jetzt fange ich schon wieder an… ich geh mir besser mal ‘nen double shot to go holen. Ciao!

PS: Mit Nana Holthaus-Vehse hat nach zuletzt drei männlichen Preisträgern wieder mal eine Frau die Deutsche Barista-Meisterschaft 2009 gewonnen.

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11.12.2009

Kreuzkölln, (das)

Susanne in am 11. Dezember 2009, 08:05   15 Kommentare »

Kreuzkölln, (das); Artikel eher ungebräuchlich; ugs. für den äußersten Norden von Neukölln, an Kreuzberg angrenzend

Eines gleich vorweg: “Kreuzkölln” gibt es nicht! Darauf bestehe ich als Anwohnerin des besagten Kiezes, als Neuköllnerin. “Kreuzkölln” ist eine Erfindung von Stadtschreiberlingen. Print natürlich, Zitty vermutlich. Oder die anderen üblichen Verdächtigen.

Vor ziemlich genau zwei Jahren erschien einer der ersten Artikel über das Phänomen “Kreuzkölln”. Obschon dort keinesfalls von einem Hype die Rede ist und auch das vermaledeite Unwort “Kreuzkölln” noch nicht gedruckt erscheint, ist doch schon eine gewisse Tendenz zu spüren. Sogar von “Pioniergeist” ist die Rede. Und tatsächlich, nur wenige Monate später, im März 2008, ist das Ding geboren. “Kreuzkölln” wie es rockt und schockt. Und der “Hype” ist jetzt auch mit von der Partie. (Bitte selber suchen, steht irgendwo im Text. ;-)

Das war’s eigentlich schon. Mehr gibt es zu “Kreuzkölln” nicht zu sagen, schließlich existiert es darüber hinaus schlicht und einfach nicht. “Kreuzkölln” ist nur ein Wort, ein dummes, für ein paar sehr lebendige Straßenzüge im äußersten Norden von Neukölln. Für Strukturwandel und beginnende Gentrifizierung vielleicht. Erste Ansätze werden durchaus schon kontrovers diskutiert. Doch Neukölln ist bodenständig und wird es auch bleiben. Da bin ich sicher.

Zum Abschluss noch ein paar Fakten zum Thema “Neukölln”?

Der billige Wohnraum lockt viele sozial benachteiligte Menschen in den Bezirk. Fakt ist, dass fast jeder vierte Neuköllner arbeitslos ist, das monatliche Nettoeinkommen im Schnitt zwischen 700 und 800 Euro liegt und rund 70 Prozent der Kinder keinen oder nur einen Hauptschulabschluss schaffen (Stand 2008).

So klipp und klar ist es auf der Neukölln-Seite eines Online Stadtmagazins nachzulesen. Die “Bronx von Berlin”! Naja, auch nicht gerade neu, der Vergleich. Und in der echten Bronx in New York hat sich so einiges getan in den letzten Jahren. Das sollte man nicht vergessen.

“Kreuzkölln” wird von dem besagten Stadtmagazin aber auch noch separat behandelt. “Modekiez”, heißt es da. Okay, immerhin mit einem Fragezeichen versehen. So geht das in Ordnung.

Zur Zeit sieht es noch gut aus: Retro statt Neon, Künstler, die günstige Mieten nutzen, um neue Ideen auszutesten, und eine friedliche Koexistenz der Zugezogenen mit Futschi-Kneipe und Änderungsschneiderei lassen hoffen. Doch es gibt auch negative Anzeichen. Die Mieten steigen mit dem Beliebtheitsgrad, so dass zahlungsschwache Kreative bald das Nachsehen haben könnten. Das wäre der Anfang vom Ende: Die bunte Szene geht, die Etablierten ziehen nach, Kreuzkölln kann sich in “Mittekölln” umtaufen.

MITTEKÖLLN? HILFE!!!

Dafür entlastet mich der letzte Satz dann wieder ungemein. Überhaupt ist er ganz nach meinem Geschmack, bringt er doch so ziemlich alles auf den Punkt, was es zu “Kreuzkölln” zu vermitteln gibt:

Wer ganz mutig ist, geht danach immer weiter geradeaus: Ganz oben, an der Karl-Marx-Straße, beginnt das wahre Neukölln.

Siehe auch: Kreuzkölln, der Film.

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10.12.2009

Jute, ditt

Susanne in am 10. Dezember 2009, 08:56   8 Kommentare »

Jute, ditt; auch Jute, det; ugs. für “Das Gute”; impliziert die positive Berliner Grundhaltung

Keine Angst, nein, bitte nicht! Ich werde jetzt auf keinen Fall in einen Dialekt verfallen, der mir – im Gegensatz zu unserer gestrigen Bloxikon-Autorin – nicht in die Wiege gelegt ist. Das gibt nur Ärger, ich weiß. Ich bin schließlich im Pott geboren und da heißt es natürlich: Dat Jute! Nicht überall, aber doch in der einen oder anderen Ecke. Mein Opa zumindest, der hatte das drauf. Dat Jute im Lebn is immer bei wen anders. Alles klar? Ich für meinen Teil werde wohl auch bei dieser tiefen Einsicht Phrasierung bleiben, zumindest offiziell. Besser ist besser.

Aber nun zum Thema: Das Gute an Berlin ist, dass am Ende immer alles doch noch irgendwie ganz gut wird. Und sowieso von vornherein eigentlich schon immer gut war, per se sozusagen. Trotz des ach so häufig bemäkelten Berliner Gemeckers allerorten. Oder vielleicht gerade deshalb.

Oder anders gesagt: Berlin an sich ist grundsätzlich positiv eingestellt. Ganz anders als im Ruhrgebiet. Ich mag mich da täuschen, ich bin natürlich befangen. Bei dieser Einschätzung kann es sich ebenso gut um einen persönlichen Geburtsfehler handeln, quasi eine exilierten Ruhrpöttern innewohnende Wahrnehmungstäuschung. Die berühmte Hassliebe der Heimat gegenüber.

An der von mir bereits vielfach festgestellten Berliner Grundhaltung zutiefst positiver Natur dagegen gibt es nichts zu meckern. Das ist einfach so, unverkennbar. Und dazu lässt sich schlicht und einfach nichts weiter sagen. Außer Allet Jute vielleicht.

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09.12.2009

Ick bzw. Icke, ditt

Steffka in am 9. Dezember 2009, 00:21   10 Kommentare »

„Mit Icke oder Ick beschreibt sich ein menschliches Subjekt im Berliner Dialekt selbst.“ würde ein hochrangiger Sprachprofessor eventuell fabulieren, dabei ist Ick ganz einfach ein ganz besonders tolles Ich, das meist auf ein prima Menschenkind verweist. Wer „Ick“ sagt, der sagt auch „Meene“, wenn es um seinen Besitztum geht und „Weeßte?“ wenn er gerade etwas erklärt. Hinter „Ick“ stecken oftmals echte Berliner, denn nur wenigen gelingt es, die Herkunft glaubwürdig vorzutäuschen. Gerade von den Medien werden Täuschungen hart geahndet, so musste sich „Icke“ aus der Band Icke & Er besonders oft rechtfertigen, weil man hinter ihm einen Hamburger vermutete.

Wer Icke sagt, der muss allerdings auch „Ditte, kieke mal, Oogn, Fleesch und Beene“ sagen. Und damit muss er voll zu dieser Stadt stehen, in all ihren schönen und wahnsinnigen Ausprägungen. Mit ihren vielen Ickes, die alle ihren eigenen Kopf haben und nur manchmal nicht wissen wo. Zwar ist der Autor des folgenden Kinderreims unbekannt, dass er aber ein Berliner war, ist unbestritten:

Ick sitz am Tisch und esse Klops.
Uff eenmal kloppt’s.
Ick sitze, kieke, wundre mir,
uff eenmal jeht se uff de Tür.
Nanu denk ick, ick denk nanu!
Jetzt is se uff erst war sie zu.
ick jehe raus und kieke.
Und wer steht draußen?
Icke.

Am Icke offenbart sich der Berliner in der Außenwelt am ehesten, kein Wunder, dass es dieser wunderbare Begriff auch in die Namen von kleinen sympathischen Unternehmen und Vereinen sowie in die Konzepte zweifelhafter Großkampagnen geschafft hat. Und weil “Icke” es auch auf Platz eins beim Wettbewerb “Berlin in einem Wort” im Gedankenpflugblog geschafft hat, kommen wir ihm mit dem Adventskalenderpost zuvor. Haha.

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08.12.2009

Hackescher Markt, der

Steffka in am 8. Dezember 2009, 08:01   2 Kommentare »

Kürzlich ist mir der Geist von August Endell begegnet und zwar direkt am Hackeschen Markt. Er war irritiert, wieviel Action an der Kreuzung herrscht und dass alles noch hektischer ist, als zu seiner Zeit. Und da habe ich ihn auf einen Streifzug eingeladen, durch die von ihm mitgestalteten Hackeschen Höfe und rundherum und ihn dabei in einen Dialog zur Schönheit der Stadt verwickelt. Hier ein Ausschnitt aus dem inoffiziellen und rekonstruierten Protokoll unseres ursprünglich dreistündigen Gesprächs:

Ich: Na, August, ist ein bisschen anders alles als zu Deiner Zeit oder? Aber guck, wie hübsch Deine Fassade wieder glänzt, die Kacheln fangen wieder das Licht der Stadt ein, so wie Du es Dir immer gewünscht hast.

August: Das ist schön anzusehen, aber warum bleiben die Leute immer mitten auf der Straße stehen? Und warum riecht es so nach Seife und Kaffeebohnen? Man kann sich gar nicht kontemplativ in mein Werk versenken.

Ich: Das sind Touristen, die machen das hier immer so. Und der Geruch kommt aus dem Seifenladen „Lush“ und der Rösterei „Coffee Mamas“ da drüben. Ist ja auch ein wenig eng alles. Aber schau, hier gibt es ein Varieté, ein Kino, eine Galerie, Restaurants und tolle Läden. Die Höfe florieren und hier steppt sozusagen der Bär, wie wir das heute sagen würden. Donnerstags ist Markt gegenüber!

August: Früher, meine Dame, da war hier auch schon einiges los! Also vor dem Krieg. Und dann in der DDR nicht so, aber dann wieder. Die Expressionisten haben hier eine Vereinigung gegründet. Und dann wurden Juden versteckt in der Blindenwerkstatt Otto Weidt. Und außerdem wurde hier noch richtig produziert. Die Russen haben das alles ein wenig runterkommen lassen. Ein Glück haben die Mieter die Fassade gerettet. Das erklären Sie doch den Touristen oder?

Ich: Mhm, da gibt es bestimmt Führungen, sehen Sie ja, wie viele Reisegruppen hier herumspringen. Viele Berliner wissen es aber nicht mal. (ich halte ihn davon ab, einer Gruppenführerin rabiat am Ärmel zu zupfen und schleuse ihn schnell in den Nebenhof) Aber wo wir hier schon im Nebenhof stehen. Haben Sie einen Euro? Also haben Geister überhaupt Geld?

August: Was heißt denn hier Geist, bitte? Und natürlich habe ich einen Euro, ich bin doch nicht von gestern. Hier soll ich den reinstecken? (Die Maschine der ehemals im Tacheles ansässigen Metallschweißer und Bastler Dead Chickens bewegt sich.) Oh, beeindruckend, das ist ja wie die Fortsetzung des expressionistischen Gedankens mit anderen Mitteln. Und überall Kunst!

Ich (versuche mich auf sein Niveau einzulassen): Es ist auch Geschichte. Die moderne Geschichte Berlins kumuliert irgendwie am Hackeschen Markt, finde ich. Oder was meinen Sie? Wir könnten darauf einen Drink nehmen im Eschloraque Rümschrümp. Ist alles ein wenig dreckig, aber..

August: Danke in meinem Zustand trinke ich nicht. Und verwechseln Sie Dreck nicht mit Poesie! Denn das ist das Erstaunliche, daß die große Stadt trotz aller häßlichen Gebäude, trotz des Lärms, trotz allem, was man an ihr tadeln kann, dem, der sehen will, ein Wunder ist an Schönheit und Poesie. (Anmerkung des Autors: er würde sich wahrscheinlich nicht erinnern, aber genau das hat August schonmal aufgeschrieben, nämlich in seiner Abhandlung „Die Schönheit der großen Stadt“ von 1908)

Ich: Das hast Du schön gesagt August! Eine Brezel auf den Hackeschen Markt!

Wir nehmen dem Brezelmann am Eingang zwei Stück ab und begeben uns daran knabbernd zum Weihnachtsmarkt in der Sophienstraße. Ich versuche ihm zu erklären, dass man heute alle Informationen im Internet findet.

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07.12.2009

Grillen, das

Günter in am 7. Dezember 2009, 02:00   6 Kommentare »

Grillen war eines der häufigsten Motive der deutschsprachigen Literatur des 21. Jahrhunderts. Ursprünglich nur vereinzelt in Presseerzeugnissen und in Büchern des Literaten und späteren Regierenden Bürgermeisters Berlins, Wladimir Kaminer, behandelt, wurde es in den folgenden Jahrzehnten zu einem Erklärungsmuster sämtlicher gesellschaftlicher Konflikte überhöht. Selbst renommierte Autoren widmeten sich dem Grillen, so verfasste Günter Grass das Drama “Die Rostlümmel”.

Die Grill-Problematik wurde Anfang des 21. Jahrhunderts durch Kaminers Warnruf “Zwei Bratwürste laufen durch die Wohnung” enttabuisiert. Kaminer, der damals in der Gleimstraße im Stadtteil Prenzlauer Berg lebte, beschrieb damit die geruchlichen Belastungen, denen er aufgrund seiner im Freien spielenden Kinder den ganzen Sommer über ausgesetzt war. Die Kinder mussten sich demnach nur aus dem Haus begeben und wurden dabei augenblicklich von Bratwurst-Schwaden umhüllt, die vom benachbarten Falkplatz herüberzogen. Wenig später setzten Anwohner ein Grillverbot in dem Park durch. 2013 stellte sich allerdings heraus, dass die Verbotsinitiative von einer Baugesellschaft ausging, die den Platz wenig später erworben hatte, um dort Eigentums-Lofts zu bauen. Durch die frühe Entgrillisierung war mögliches Protestpotential frühzeitig entschärft worden.

Mit einem Dossier in der Wochenzeitung “Die Zeit” (die Mitte des Jahrhunderts im “Freitag” aufging), wurde das Thema 2009 auf eine neue Ebene gehoben. ‘Die Affäre Hammelbein’ handelte nicht mehr nur vom Ärger der Anwohner, sondern stellte angesichts des hohen Müllaufkommens im Berliner Tiergarten als Phänomen gesellschaftlicher Spaltung und mangelnder Integration dar. In dem Text spielte aufgrund des gemeinsamen Ortes (jedoch ohne nachvollziehbaren inhaltlichen Zusammenhang) auch der sogenannte “Tuntengrill” eine Rolle.

Im Tiergarten kam es in der Folgezeit vermehrt zu saisonalen Einzäunungen – und schließlich zum Bau eines Betonwalls um den Park. Ein- und Ausreisen waren dann nur noch nach Erhalt eines Visums möglich – die Erteilung war jedoch restriktiv geregelt. Das Areal wurde in den ersten Jahren nur noch aus der Luft versorgt, was die Grillaktivitäten schließlich erlahmen ließ.

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Grillen, das Berliner

Michael in am 7. Dezember 2009, 01:14   Kommentar schreiben »

Grillen ist eine Lieblingsbeschäftigung der Berliner – zu fast jeder Jahreszeit. Die Grill-Hauptstadt eben. Interessanterweise ist dies ein Hobby, bei dem die Integration von Zugezogenen, Migranten, Deutschen mit Migrationshintergrund und nativ geborenen Berlinern absolut gelungen ist. In acht von zehn Fällen steht übrigens ein Mann am Feuer und die Frau macht die Vorbereitung, Salate, Saucen, Brot etc., auch das ist ein interkulturelles Phänomen.

Da nicht jeder Nachbar Lust auf Grillgeruch hat (in einem Berliner Innenhof können auch schon mal 30 Parteien ein Fenster zum Hof haben) oder gar ein Balkon fehlt, gehen manche dem Vergnügen selten nach – oder freuen sich auf eine gemeinsame Party im Park.

Dort werden dann gemeinsam Unmengen von Fleisch samt Beilagen je nach regionaler Herkunft mit unterschiedlichen Fleischsorten und Würzzubereitungen verschlungen, bevorzugt an nicht dafür vorgesehenen Plätzen, die dann am Abend wie eine Müllhalde aussehen, weil der gemeine Griller – unabhängig von seiner ethnischen und sozialen Herkunft – so saturiert ist, dass er nicht mehr die Kraft aufwendet, seinen Müll mitzunehmen.

Öffentliche Grillplätze gibt es zwar auch, aber die sind meist für brave 2-Kinder-Familien, wie mir ein Nachbar (echter Berliner) kürzlich bei einem fachmännischen Vortrag über das Grillen erklärte. Sprich: diese Plätze sind langweilig. Manche sind dennoch schön gelegen, wie der auf der Halbinsel Stralau (Friedrichshain) – eine aktuelle Liste der öffentlichen Grillplätze nach Bezirk gibt der Senat jedes Jahr heraus. Auch die Boulevard-Presse schreibt im Frühling immer wieder über die beliebtesten Orte für die fleischigen Brutzeleien Sehr schön: auch die No-N0’s werden mit Piktogrammen auf einer anderen Seite der Senatsverwaltung aufgeführt. Aber ich glaube, die hat noch keiner gelesen…

Grillen ist eine gemeinsame Beschäftigung, der Berliner ja auch an sich gesellig. So liegt es nahe, mit Familie (häufigste Kombination) oder mit Freunden (bei den jüngeren Berlinern beliebter) einen gemütlichen Platz auszusuchen und sich dem gemeinschaftlichen Verzehr von Grillgut hinzugeben – selbstverständlich mit viel Leidenschaft. Zumeist wird dann viel dabei geredet, gefachsimpelt und getrunken, sodass es dann mit fortgeschrittener Zeit eher mal Trockenfleisch (oder Fisch) als Saftiges gibt. Macht nichts! Letztendlich ist es – gutes Wetter und liebe Gesellschaft vorausgesetzt – immer ein schönes Erlebnis, und viele Duftschwaden wecken den Appetit immer wieder neu.

Leider bleibt dann, wie schon erwähnt – viel Müll liegen. Im Dunkeln beim Aufbruch und mit vollem Bauch sieht man ja nicht mehr so gut. Allerdings kostet der liegengebliebene Müll etwas: allein im Tiergarten fallen pro Wochenende 15000€ Reinigungskosten an. Die Berliner Politik mischte sich wortstark ein – mit bisher vielen Stilblüten und wenig Erfog.

Die CDU wollte im vergangenen Jahr auch mal eine Grillsteuer von 5€ einbringen. Oder ab 30 Grad im Schatten wegen Waldbrandgefahr das Grillen verbieten. Gescheitert! Auch die vorgeschlagene Grillpolizei mit möglichst stämmigen Männern ist bisher noch nicht Wirklichkeit. Und der Pressetermin mit einem Tross Journalisten, die ausgesuchten Ordnungsamt-Mitarbeitern folgten, um eine „Live-Verwarnung“ zu erleben, blieb bisher auch einmalig. Und hatte eher eine geringe Abschreckung.

Ganz böse titelte die Süddeutsche Zeitung über das Berliner Volksvergnügen: in Berlin-Schmiergarten, so der Titel, würde es so zugehen: morgens stolpern die Jogger über abgenagte Knochen, Getränkedosen, verglimmte Holzkohle und Chipstüten. Auch herrenlose Einkaufswagen oder alte Matratzen bleiben liegen, auf denen es sich die grillseligen Großstädter zuvor bequem gemacht haben.

Ich jedenfalls habe durch das Schreiben über das Grillen richtig Appetit auf leckeres, saftiges Grillgut in gemütlicher Runde bekommen und freue mich auf den Frühling. Allerdings muss ich bei diesem Thema einer Sache leider zustimmen: der zunehmend verantwortungslose Umgang mit dem öffentlichen Raum führt dazu, das es schon Mühe macht, einen sauberen Platz vorzufinden und man sich schon fast spießig vorkommt, den eigenen Müll am Abend wieder mitzunehmen. Und das ist eher traurig.

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06.12.2009

Flughafenproblematik, die

Günter in am 6. Dezember 2009, 00:00   6 Kommentare »

Flughafenproblematik (oft abgekürzt als THF, TXL oder SXF) ist eine Computerspielserie, die Action-, Beat’em-up- und Ego-Shooter-Elemente enthält. Alle Teile der Reihe spielen in Berlin und weisen eine vergleichbare Handlung auf, bei der die Spieler die meist männlichen Protagonisten dazu bringen müssen, wahlweise Flughäfen bauen oder schließen zu lassen – oder eine Schließung zu verhindern. Ziel des Spiels ist eine möglichst weitreichende Spaltung der Großstadtgesellschaft.

Im ersten Teil “Gröflaz”, der in den Jahren 1933 bis 1945 spielt, muss der Spieler die Erweiterung eines bestehenden Flughafens planen. Die Pläne müssen dabei gezielt so größenwahnsinnig angelegt werden, dass eine Fertigstellung über Jahre hinweg nicht erreicht werden kann. Bei diesem Ziel kommt dem Spieler ein Nebenauftrag entgegen, gemäß dem er einen aussichtslosen Weltkrieg beginnen muss. Wenn es dem Spieler schließlich gelingt, dass aufgrund von Bombardements der zivile Luftverkehr gänzlich eingestellt werden muss, hat er sein Ziel erreicht.

Im zweiten Teil “THF reloaded” hat der Spieler die Aufgabe, einen 63 Jahre später stattfindenden Volksentscheid über den Fortbestand des aus “Gröflaz” bekannten Flughafens so zu steuern, dass keine Partei gewinnt oder verliert. Dies gelingt ihm nur, wenn er es schafft, die Zahl der Abstimmungsteilnehmer so gering zu halten, dass ein festgelegtes Quorum verfehlt wird, jedoch gleichzeitig unter den Abstimmungsbeteiligten eine Mehrheit für den Fortbestand stimmt. Der Spieler muss dabei möglichst geschickt Keile zwischen Wirtschaft und Nostalgiker auf der einen und Flughafengegner auf der anderen Seite treiben. Dem Erreichen des Spielziels kommt eine hohe Gleichgültigkeit in der Bevölkerung entgegen. Nebenauftrag ist diesmal, den Fraktionsführer der größten Oppositionspartei ins Abseits zu manövrieren. Dabei kann das widersprüchliche Verhalten von dessen Partei, die Jahre zuvor der Schließung zugestimmt hat, beim Erreichen des Auftrags nützlich sein.

Der dritte Teil “TXLove” wurde noch nicht veröffentlicht, soll aber nach Auskunft der Herstellerfirma vom Kampf um einen ebenfalls zur Schließung bestimmten Flughafen handeln. Dabei soll zugleich die Fertigstellung des letzten verbleibenden Flughafens durch gezielte Eingriffe verteuert und sabotiert werden, sodass eine möglichst lange Bauzeit entsteht und die Regierungsparteien desavouiert werden.

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05.12.2009

Elektro, der

Steffka in am 5. Dezember 2009, 09:49   5 Kommentare »

In Berlin wurde schon immer gerne getanzt und das Amüsement großgeschrieben. Dabei ist der Elektro heute das, was Swing in den 20er Jahren war. Eine ganze Subkultur ist rund um diese Musik entstanden, mit zahlreichen Menschen, die sie lieben, pflegen und leben. Und Berlin bietet für diesen Lebensstil den richtigen (Tanz-)Boden und ausreichend Nischen, um sich vor dem endgültigen Erwachsenwerden zu drücken. Und es ist nicht nur das inzwischen in jedem Reiseführer vermerkte Berghain, das die Touristen und Bewohner anzieht, sondern eine derart florierende Clubszene, dass einige DJs in einer Nacht in drei Locations auflegen und niemand von allen Partys weiß.

Eine genaue Definition von Elektro gibt es nicht – Unwissende könnten es versehentlich als Abkürzung für elektronische Musik im Generellen verstehen, was vielen Partygängern allerdings die Tränen in die Augen treiben würde – denn zwischen Techno, House, Elektro, Drum’n‘Bass und allen weiteren Spielarten gibt es eklatante Unterschiede. Elektro ist letztlich immer das, was die Szene definiert und diese definiert es vor allem als Lebensgefühl, das sich unter anderem auch durch extravagante Outfits, riesige Netzwerke, surreale Veranstaltungsorte mit liebevoller Deko, die Offenheit für musikalische Experimente und nicht zuletzt einen erheblichen Drogenkonsum auszeichnet.

Elektro das symbolisiert für viele Berlin – ein nächtlicher Abenteuerspielplatz auf dem mal eben hunderte Kilo Konfetti verschüttet werden, eine riesige Diskokugel die ersten Sonnenstrahlen des Sonntags auffängt, während sich einige Menschen zu Hause frisch machen, um die AfterHour und ihren ganz persönlichen Lieblings-DJ mitzunehmen. Viele schlafen am Wochenende gar nicht: es ist problemlos möglich, sich über 72 Stunden von Party zu Party zu hangeln: Villa, Ritter Butzke, Wilde Renate, ZMF, Club der Visionäre, Berghain, Watergate, Maria und Ballhaus Ost oder Bar 25. Die Online-Community der Szene trägt den schönen Namen Restrealität – soviel Realität wie eben übrig bleibt, wenn man mit vielen Menschen zwei Tage lang zu elektronischen Beats auf und ab gehüpft ist. Für Einsteiger: der Film Berlin Calling .

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04.12.2009

Diele abgezogene, die

Sebastian in am 4. Dezember 2009, 09:06   18 Kommentare »

Diele abgezogene, die

Fragt man den gemeinen Berliner Wohnungsdealer nach einer Altbauwohnung mit Ochsenblut verdreht er vermutlich die Augen. Kann er doch zahlreiche Wohnungen anbieten, wo der natürliche Holzfarbton durch Abschleifen der Bodenbretter wieder hervorgebracht wurde, aber nur wenige, bei denen das Rot oder gar ein Grün dominiert.

Die Nachfrage nach Altbauwohnungen in denen dans Op De Deel möglich ist, scheint ungebrochen. Ein Preisaufschlag für einen gut erhaltenen Holzboden wird bei den Vermietungen als selbstverständlich hingenommen. Galten Bretterböden lange als billiger Laufflächen, kann man die “Abgezogene” heute als fußbodengewordene Gentrifizierung bezeichnen. Damit hat der Dielenboden schon den zweiten bedeutungsbezogenen Qualitätssprung vollbracht, wurde doch aus der bäuerlichen Tenne in der bürgerlichen Zeit die Wohnstube.

Aber das Bretterparadies schafft natürlich auch handwerkliche Arbeitsplätze. Oder gibt es einen Berliner Stadtteil ohne Dienstleister zum Verlegen und Abschleifen?

Hinweis für die kalte Jahreszeit: In einer Eisdiele kann man nicht Schlittschuh laufen!

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03.12.2009

Cafe Moskau, das

Jürgen in am 3. Dezember 2009, 09:10   7 Kommentare »

Das Restaurant/Cafe in der Karl-Marx-Allee war eines der beliebtesten gastronomischen Einrichtungen Ostberlins. Das Essen war hervorragend, das Publikum “sehr gemischt” und man konnte sich – vielleicht gerade deshalb – gut amüsieren. Inzwischen gibt es mit Nicolas Berggruen einen neuen Eigentümer, der dieses Haus vis a vis des Kino International und der einst sehr beliebten Mocca-Milch-Eisbar (heute Albert’s) nicht nur sorgfältig saniert und restauriert hat, sondern mit neuem Leben erfüllen will.

Das Restaurant Cafe Moskwa ist ohne die Geschichte der Karl-Marx-Allee (davor Stalinallee, davor Große Frankfurter Straße), die heute unter Denkmalschutz steht, nicht denkbar. Ein großes Architektenkollektiv, aus dem später Hermann Henselmann als führender Kopf herausragte, hatte in der frühen DDR den Auftrag zur Planung dieser Straße und der anliegenden Bauten erhalten. Dabei wurde ein Baustil der 50-er Jahre in der Sowjetunion, später als Stalinscher “Zuckerbäckerstil” bezeichnet, prägend für einen Teil der Häuser in dieser breiten Allee. Übrigens: Die hier entstandenen neuen Wohnungen waren aufgrund ihrer Großzügigkeit und des Komforts damals, auch heute wieder, heiß begehrt.
Das Cafe Moskau und das bereits oben genannte Kino wurden später gebaut und verkörperten bereits die Neue Moderne der 60-er Jahre.

Zwei persönliche Anmerkungen: Seit 1981 wurde in Ostberlin jährlich der Friedenslauf durchgeführt, der 1985 mit einer Rekordbeteiligung von ca. 60000 seinen Höhepunkt fand. Dieser Lauf – ich war 1984 auf der 20 km Distanz dabei – führte am Cafe Moskau vorbei. Es war für mich ein großes Erlebnis. (Der Friedenslauf ist übrigens 1990 mit dem seit 1984 in Westberlin existierenden SCC-Halbmarathon zum jetzigen Berliner Halbmarathon verschmolzen.)

Und schließlich: Über die wirtschaftliche Situation im Frühjahr 1990 in der DDR habe ich in den “Splittern” schon einige Bemerkungen gemacht. Ich hatte mich im Spätfrühjahr bei meinen Kunden in Westdeutschland bereits schriftlich verabschiedet. Einer der langjährigsten und besten Geschäftspartner besuchte mich aber Anfang Juli 1990 in Berlin und ich lud ihn ins Cafe Moskau ein. Wir verbrachten dort, erstmals waren unsere Frauen dabei, einen sehr schönen Abend, an dem wir – bei sowjetischen Krimsekt – nicht nur die Weltgeschichte und die deutsch-deutschen Beziehungen im Schweinsgalopp “abarbeiteten”, sondern erstmals auch über private Dinge sprachen.

Als wir uns beim Abschied die Hand gaben, kamen wir uns, obwohl noch junge Männer, wie zwei alte, abgekämpfte Samurai vor, die ihren Auftrag erfüllt und nun nichts mehr zu tun hatten.

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