10.03.2010
Kulturelles Triple
Harald in Kultur am 10. März 2010, 18:00 Kommentar schreiben »
Wenn man seiner Stimme mit geschlossenen Augen zuhört, fühlt man sich unvermittelt in eine Szene aus “Oceans Eleven”, oder aktuell in “Männer, die auf Ziegen starren” versetzt. Die sanfte Stimme von George Clooney umschmeichelt die Ohren der Zuhörer. Er kann aber auch fest und stark klingen, wie Jonathan Frakes als Commander Riker aus “Raumschiff Enterprise”, oder pathetisch wie Bill Pullmann bei seiner Ansprache in “Independence Day”.
09.03.2010
Der Trick-ser
Jürgen in Kultur am 9. März 2010, 18:52 2 Kommentare »
Die Tschechen können gute Märchenfilme machen. Das drückt sich z. B. darin aus, daß “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” seit Jahren ein gern gesehener Dauerbrenner in festtäglichen Fernsehprogrammen geworden ist.
Hier soll aber an den Kinder- und Trickfilmregisseur Karel Zeman erinnert werden, der (noch bis 11.3.10) in einer kleinen, s e h r bescheidenen Ausstellung in der Botschaft der Tschechischen Republik in der Wilhelmstraße geehrt wird. Zu sehen sind u.a. Fotos zu seinen beiden berühmtesten Filmen: “Reise in die Urzeit” (1955) und “Die Erfindung des Verderbens” (1958). Beide Filme, die zu damaliger Zeit als Trickspielfilme eine Sensation waren, entstanden nach Inspiration durch die Bücher Jules Vernes.
Natürlich ist ein Vergleich mit heutigen computergestützten Trickfilmen, wie etwa dem jüngst an den Oscars vorbeigeschrammten “Avatar”, kaum möglich, dennoch werden sich viele Leser an die Faszination beider Zeman-Filme erinnern.
“Die Erfindung des Verderbens” wird auch heute ab und an im Kino gezeigt, so heute 19.00 im Thalia Arthouse in Potsdam. Ansonsten ist der Griff zur DVD zu empfehlen.
Roger Melis
Jürgen in Kultur am 9. März 2010, 08:13 12 Kommentare »
Im Postfuhramt läuft seit dem 6. März eine Ausstellung über den ostdeutschen Fotografen Roger Melis. Er wurde 1940 in Berlin geboren, wuchs im Haushalt des Dichters Peter Huchel auf und lebte ab 1952 in Wilhelmshorst bei Potsdam. Dem Ausstellungsbegleittext kann man auch entnehmen, daß Melis 1969 zusammen mit Arno Fischer, Sibylle Bergemann und anderen die Fotogruppe “Direkt” gründete. In der Zeit 1981-89 hatte er, aufgrund eines GEO-Beitrages, Auftragssperre für die DDR-Presse, lehrte aber weiter bis 1990 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Damit sind die vielleicht wichtigsten Rahmendaten für seine Arbeit genannt.
Die Ausstellung ist, wenn man so will, dreigeteilt: Fotos aus dem DDR-Alltag, Porträtfotografien deutsch-deutscher Kulturprominenz und die Arbeiten aus dem Ausland. Die Alltagsfotografien haben mir dabei am besten gefallen. Melis hat in Berlin, aber auch in der ostdeutschen Provinz fotografiert, so in Mecklenburg, der Uckermark, Sachsen und im Spreewald.
Seine Arbeiten – alles schwarz/weiß – aus dem Alltagsleben in der DDR, ob aus Berlin – Prenzlauer Berg (z.B. Kohlenträger), aus Mitte (Ackerstraße), ob aus Dresden – beeindruckend in seiner Aussagewucht: Frauenkirche/Dresden, 1966 – sind wahrhaftig, unspektakulär, teilweise archaisch. Seine Fotos – leider zu selten mit einer Prise Humor – sind liebevoll beobachteter Alltag und Zeitgeschichte zugleich. Meine Lieblingsfotos sind hier versammelt, u.a.:
- Kinderwagen vor dem Schaufenster
Roger Melis: “Meine wichtigste Aufgabe habe ich immer darin gesehen, eindringliche Bilder von Menschen zu schaffen, ihnen dabei aber nicht die Seele zu rauben, sondern mich ihnen behutsam mit der Ehrfurcht vor dem Individuum zu nähern, die jedem gebührt”. Melis ist im Herbst 2009 verstorben.
Ein Manko der Aussstellung besteht darin, dass die kurzen Begleittexte zu den Fotos nahe dem Fußboden angebracht wurden, eine wirklich untaugliche Idee.
Die Ausstellung läuft bis zum 2. Mai 2010. Eintritt: 8,- Euro.
06.03.2010
Emil aus Uganda
Jürgen in Kultur am 6. März 2010, 12:56 Kommentar schreiben »
Was hat Kästners “Emil und die Detektive” mit Afrika zu tun? Auf den ersten Blick nichts. Dennoch hat Regisseur Atif Hussein diese Verbindung geschaffen und das Ergebnis gestern abend in der Schaubude an der Greifswalder Straße dem Berliner Publikum vorgestellt. Im Stück wird auf originelle Weise der Weg des kleinen Emil in der großen Stadt Berlin und die Jagd nach dem Dieb nacherzählt und gespielt.
Tobias Schulze – der alle Hauptfiguren spricht (seine Großmutter und der Professor sind besonders einprägsam, wie lustig) – und seine afrikanischen Kollegen spielen, singen, musizieren, malen und tanzen sich in die Herzen der jungen und älteren Zuschauer. Die Tanzeinlagen schließlich entfachen im Publikum Jubelstürme und runden diesen famosen Abend ab.
Das Stück läuft in Berlin nur noch heute abend.
28.02.2010
Ist Suhrkamp angekommen?
Susanne in Kultur am 28. Februar 2010, 18:35 26 Kommentare »
Suhrkamp in Berlin, wir haben im HSB verschiedene Andeutungen zu diesem Thema gemacht. Angefangen mit der durchaus berechtigten Frage, ob das mit dem Wechsel denn wirklich wahr sein kann, bis hin zu ersten Indizien, dass der Umzug inzwischen womöglich vollzogen sein könnte.
Darüber hinaus gibt es im Haus Suhrkamp offensichtlich seit Ende letzten Jahres die Taschenbuchreihe suhrkamp nova, in der deutsche Erstausgaben und auch Übersetzungen exklusiv veröffentlicht werden. Darunter einige hübsche “Berlintitel” wie zum Beispiel die unheimlichen Geschichten, unter anderem aus Friedrichshain, wo doch tatsächlich teure, schöne Autos von einem Gespenst in Brand gesteckt werden.
Außerdem das Romandebut der Bloggerin Liz (Elisabeth Rank) mit dem eher nichtssagenden Titel Und im Zweifel für dich selbst. Dieser Titel erschließt sich mir überhaupt nicht, vielleicht kann mir den mal wer erklären. Aber ich habe das Buch gelesen und im Common Reader insgesamt für ausgesprochen lesenswert befunden.
26.02.2010
Buchkreuzung
Harald in Kultur am 26. Februar 2010, 16:16 5 Kommentare »
Lexi, der Kumpel von Spencer, hätte seine helle Freude wenn er im Prenzlauer-Berg, direkt vor dem Cafe Anna , auf dieses ganz spezielle “Baumhaus” treffen würde. Ein Baumhaus, wo jeder der hier vorbeikommt, Bücher entnehmen kann, aber – das sollte selbstverständlich sein – auch wieder mit eigener Literatur befüllen sollte.
Eis und Kino: 1 Tag am Boxi zu gewinnen
Susanne in Kultur am 26. Februar 2010, 11:47 Kommentar schreiben »
Das Modersohn-Magazin verlost einen Tag am Boxhagener Platz, bestehend aus zwei Freikarten für den Film “Boxhagener Platz” und zwei Gutscheinen für den Eisbärliner. Dort stehen neben Eis auch Suppen, Kuchen und Getränke zur Wahl.
Die weiteren Konditionen bitte direkt im MoMag nachlesen, Einsendeschluss ist der 3. März. Und am 4. März geht es dann (vielleicht) schon zum Boxi.
24.02.2010
Der Boxhagener Platz der 60er Jahre als Kinofilm
Thomas in Kultur am 24. Februar 2010, 12:12 6 Kommentare »
Der Boxi ist eindeutig der Mittelpunkt des heutigen Friedrichshains. Auf dem Platz treffen sich Punks und Penner, Touristen, Eltern, Kohlelieferanten, Studenten und Dozenten. Und ab und an sieht man in diesem Bezirk auch noch Menschen über 70 hinter ihren geklöppelten Gardinen im Parterre sitzen. Sie haben ihn wahrscheinlich noch erlebt, den alten Boxhagener Platz, so wie ihn auch der Film-Regisseur Matti Geschonneck als Kind gesehen hat, als es noch nach Pferdemist statt Hundescheiße roch. Geschonneck sagt: „Als ich da lebte, lieferten noch Brauereipferdefuhrwerke den Kneipen die Bierfässer.” Diese Welt will Geschonneck mit seinem Film Boxhagener Platz wieder lebendig machen.
21.02.2010
Ein Desaster?
Jürgen in Kultur am 21. Februar 2010, 11:45 6 Kommentare »
Die Berlinale ist im Ziel. Die Kritik schreibt sich bereits warm für die Abschlussbeurteilungen und Wertungen.
Den Goldenen Bären gewann der türkische Film “Bal”.
Hier noch ein Nachwort zu dem deutschen Beitrag “Jud Süß – Film ohne Gewissen” der von den Kritikern der großen Blätter total verrissen wurde. Manche sprachen gar von einem Desaster. Ich habe mir den Film, der die Geschichte der Entstehung des Machwerkes “Jud Süß” von Veit Harlan (1940 Uraufführung) erzählt, am Freitag abend im Friedrichstadtpalast (ausverkauft) dennoch angesehen. Meine Kurzkritik:
Inhalt: Der Film spielt im Nazideutschland und zeigt das Verhältnis von Macht und Kunst sowie die Verführbarkeit von Menschen. Vom Thema her ist ein Vergleich mit Szabo’s “Mephisto” möglich.
Schauspieler: Die Hauptrolle, den Schauspieler Marian, wird von Tobias Moretti gespielt. Moritz Bleibtreu – und das ist der Clou in diesem Film – stellt Joseph Goebbels als “rheinische Frohnatur” mit tiefschwarzer Seele dar.
Geschichtstreue: Ist nicht in jedem Detail gegeben, aber muß ein künstlerisches Werk dies in jedem Fall sein?
Nazis: Nahezu alle im Film vorkommenden Nazigestalten werden lediglich als Abziehbilder gespielt.
Was ist gelungen?: Tobias Moretti als frauenverführender, von der Macht und vom Ruhm angeekelter, aber ihr doch verfallener Schauspieler Marian. Und: Die Filmeinspiele im Film.
Absurdeste Szene: Der Schauspieler Marian erfüllt der abstrusen Gattin des abwesenden SS-Offiziers während eines Bombenangriffs, bei geöffnetem Fenster und brennendem Berliner Dom, einen Dienst.
Sollte man sich den Film ansehen?: Ja. Und danach nochmal “Mephisto” anschauen.
20.02.2010
TV-Tipp: Berlin - Ecke Schönhauser
Susanne in Kultur am 20. Februar 2010, 18:24 5 Kommentare »
Heute Abend, 22.30 Uhr im rbb: Berlin – Ecke Schönhauser. In gewisser Weise ein Stück altes Berlin, dennoch mit Wiedererkennungswert. Sollte man unbedingt kennen.
Der Film wird übrigens im Rahmen eines Fernsehabends rund um Wolfgang Kohlhaase gezeigt. Das Programm drumherum verspricht also ebenfalls interessant und informativ zu sein. Dazu gehört unter anderem ein Porträt des Drehbuchautors.
17.02.2010
Reisen in die Urbanität
Steffka in Kultur am 17. Februar 2010, 18:39 2 Kommentare »
Nicht dass es die Berliner nötig hätten, sich darüber zu informieren, was das Wort Großstadt bedeutet, aber hin und wieder lohnt es sich, den Blick dafür zu weiten. In einer grandiosen Ausstellung, in der die Nähe zum Gezeigten wunderbar mit einer ausreichenden Menge an Informationsgehalt verknüpft ist, können die Berliner noch bis Ende Februar nach Mumbai, Carracas, Nairobi und Jakarta reisen. Jonas Bendiksen lädt uns in die Welt der Menschen in den Slums, Favelas und Shantytowns dieser Welt ein und fast möchten wir noch ein bißchen länger in ihren Wohnorten verweilen, um mit ihnen zu plauschen. Fotografie in 3D mit Geräuschen wirkt eben doch fast wie das echte Leben. Noch bis zum 28. Februar im Postfuhramt C/O Oranienburger Straße.
09.02.2010
David & Luis live im Bateau Ivre.
Martin in Kultur am 9. Februar 2010, 10:06 2 Kommentare »
Gestern abend saß ich im Bateau Ivre an der Oranienstraße beim Abendessen (Tapas), hereinkamen David und Luis (von den “Rathaus Ramblers”) und spielten drei Songs, auf Gitarre und Saxophon. Schön war das.
Eva Strittmatter
Jürgen in Kultur am 9. Februar 2010, 06:38 9 Kommentare »
Eine der bedeutendsten Lyrikerinnen der DDR feierte gestern ihren 80. Geburtstag. Aus ihrem Gedichtband “Ich mach ein Lied aus Stille”- Edition Neue Texte, Aufbau-Verlag:
Freiheit
Ich kann dich lieben oder hassen-
Ganz wie du willst. (Kann dich auch lassen.)
Und du kannst schweigen oder sprechen.
Ganz wie du willst. Daran zerbrechen
Werd ich nicht mehr. (Ich kann auch gehn.)
Ganz wie ich will, wird es geschehn.
07.02.2010
Karl Siebrecht und Gustav Hackendahl
Jürgen in Kultur am 7. Februar 2010, 18:11 1 Kommentar »
Die beiden sind mir recht gut bekannt, ebenso wie Johannes Pinneberg und Otto Quangel. Es sind allesamt Helden aus den Romanen eines Schriftstellers, der wie kaum ein anderer, die Geschichten der “kleinen Leute” erzählen konnte und der, obwohl nicht hier geboren und aufgewachsen, auch die Stadt Berlin und seine Menschen immer wieder realistisch und liebevoll beschrieb: Hans Fallada.
Zu den faszinierendsten seiner Bücher gehört für mich “Ein Mann will nach oben”. Das Buch handelt in der Gegend um den damaligen Stettiner Bahnhof, der heute nicht mehr existiert. Sein Areal entlang der Invalidenstraße wird heute von den neuerrichteten Verwaltungsbauten der BAHN und dem Nordbahnhof beherrscht. Der Titel des Buches ist – aus heutiger Sicht und in jetzigem Sprachgebrauch – vielleicht etwas irreführend, denn es geht nicht um die Karriere eines jungen Mannes, sondern “nur” um sein Überleben in der großen Stadt. Der Held des Buches, Karl Siebrecht, kämpft sich durch den Alltag, fällt und steht immer wieder auf. Er trifft auf Menschen, die ihm weiterhelfen, aber auch auf Ganoven, Gier und Hartherzigkeit. Ein packendes, sehr gut zu lesendes Berlin-Buch.
Die Bücher Falladas sind vor 1945 im Rowohlt-Verlag erschienen. Nach 1945 wurden seine Werke sowohl bei Rowohlt (BRD), als auch im Aufbau (DDR), der im August 1945 gegründet wurde, verlegt. Der Aufbau-Verlag hat kürzlich sämtliche Rechte am Gesamtwerk von Hans Fallada erworben.
Aufbau plant nun die Herausgabe weiterer Werke aus Falladas Nachlaß sowie seiner Hauptwerke als e-book. Der Kutscher Gustav Hackendahl (“Der eiserne Gustav”), der Buchhalter Johannes Pinneberg aus seinem Welterfolg “Kleiner Mann, was nun” oder Otto Quangel aus “Jeder stirbt für sich allein” werden uns, den Lesern, also auch weiterhin als beeindruckende literarische Gestalten begleiten.
Übrigens: Der Besuch des Hans-Fallada-Archivs in Carwitz bei Feldberg lohnt sich zusätzlich wegen der wunderschönen Seenlandschaft in dieser Gegend.
04.02.2010
Das Kreuz mit der Kirche...
Michael in Kultur am 4. Februar 2010, 18:30 76 Kommentare »
Das Bild “Mit den Füßen zuerst” aus dem sehr differenzierten Schaffen von Martin Kippenberger (1953-1997) ist derzeit im Hamburger Bahnhof in der Ausstellung Die Kunst ist super mit mehreren anderen Werken von ihm zu sehen.
Kippenberger, der in Berlin u.a. Geschäftsführer (ab 1978) des Kreuzberger Clubs SO36 war, wohnte, von Dortmund kommend, u.a. in Berlin, Paris und Wien und hat aktiv in der Kunstszene dieser Städte mitgewirkt.
Mir erschien Kippenbergers Werk, der an der Demontage des traditionellen Kunstbegriffs arbeitete und gern Provokation und Spott einsetzte, gerade im Hinblick auf die aktuelle Diskussion um Pädophilie, die katholische Kirche, Papst Benedikts missionarischem Eifer gegen Schwule vor seiner Großbritannien-Reise und die kommende Osterzeit sehr passend. Vielleicht blasphemisch, vielleicht aber auch eine Überhöhung des Kreuzigungsaktes, eines aufgeblasenen Kirchenapparates durch skuril-metaphorische Plastizität.
02.02.2010
Haiti-Benefizveranstaltung für Jacmel: direkter Draht zu den Empfängern
Martin in Kultur am 2. Februar 2010, 15:17 10 Kommentare »
Viele kennen vermutlich folgendes Problem: Man spendet einen Betrag an eine Hilfsorganisation, um irgendwo in der Welt die Not zu lindern. Ein paar Wochen später erhält man als Antwort ein Massenmailing, welches sich – sehr anonym – dafür bedankt, dass mit dem gespendeten Geld nun noch viel mehr Werbung für den guten Zweck gemacht werden kann … Wer von dieser Art “Quittung” die Nase voll hat, aber gern etwas gegen die Not in Haiti tun würde, für den hätte ich einen Hinweis auf eine Aktion an diesem Wochenende.
Rose-Anne Clermont stammt aus Haiti, ist in den USA aufgewachsen und lebt als Journalistin in Berlin. Ihre Eltern haben als Ärzte in den USA gearbeitet und sind anschließend nach Haiti zurückgekehrt, wo sie eine Stiftung aufgebaut haben und heute in Jacmel ein Kinderheim betreiben. Bei dem verheerenden Erdbeeben ist das Kinderheim schwer beschädigt worden – so sehr, dass die Kinder nun in Zelten im Freien schlafen müssen. Die Situation ist sehr angespannt, denn durch das große Unglück sind heute weitaus mehr Kinder ohne Obdach, und das Waisenhaus braucht daher dringend den Platz und die Möglichkeiten, den Kindern zu helfen.
Daher haben sich jetzt Freunde und Bekannte von Rose-Anne zusammengetan und für den kommenden Sonntag, 7.2., eine Benefiz-Gala im Kino Babylon (Rosa Luxemburg Str. 30, Berlin-Mitte) organisiert. Um 17 Uhr geht es los, diverse Promis sind dabei – unter anderem Gayle Tufts und Maybrit Illner. Die 25 EUR, die man an der Abendkasse bezahlen muss, gehen direkt an die Jacques A. Clermont Memorial Foundation – also an die Einrichtung, die das Waisenhaus betreibt. Und damit werden dann keine Broschüren gedruckt, sondern es werden dringend benötigte Dinge gekauft, um das Leben der Kinder vor Ort erträglicher zu machen.
Die Leser des Hauptstadtblog sind herzlich eingeladen, doch auch zu der Veranstaltung zu kommen, oder aber das Waisenhaus direkt zu unterstützen. (Spendeninfos in der rechten Spalte auf Rose-Annes Blog).
(Der vollen Transparenz halber: ich kenne Rose-Anne persönlich, und ich bin überzeugt, dass internationale Hilfe gerade in Zeiten des Internet idealerweise direkt an die Empfänger gehen sollte.)
01.02.2010
Street Art: Aerosol Fumes in der Neurotitan Gallery
Michael in Kultur am 1. Februar 2010, 15:02 5 Kommentare »
Street-Art Auslese der Berliner Szene
Immer noch eine Oase des Nachwende-Kulturturrauschs, alternativ, unangepasst, und ungemein viril: das Haus Schwarzenberg der Rosenthaler Straße in Mitte. Dort ist auch Neurotitan Shop & Gallery beheimatet. Neben der hervorragenden und themenspezifischen Auswahl an Kunstbüchern (Street/ UrbanArt) gibt es auch eine Galerie, die regelmäßig aktuelle Berliner Künstler aus der Szene vorstellt.
Aerosol Fumes heißt die aktuelle Ausstellung in der Neurotitan Gallery, die noch bis zum 6. Februar zu sehen ist. BOHOMAZ, CZARNOBYL, EMESS, EVOL und PISA73 , fünf in der Hauptstadt lebende Künstler, die in unterschiedlicher Art und Weise den Stil der Berliner Graffiti-Szene, genauer hier: der Stencil-Art, prägen.
29.01.2010
29. Januar: Vaterlandsverein und Im Westen nichts Neues
Michael in Kultur am 29. Januar 2010, 22:08 1 Kommentar »
Für Pressefreiheit: Der Preß- und Vaterlandsverein von 1832
Ein wichtiges Datum in der Geschichte der deutschen Pressefreiheit (und der sich daraus entwickelnden deutschen Geschichte): am 29. Januar 1832 wird der deutsche Preß- und Vaterlandsverein gegründet. Nicht in Berlin. Aber mit großen Auswirkungen auf die preußische Hauptstadt. Im rheinpfälzischen Zweibrücken keimte die neue Opposition und hatte rasch 5000 Mitglieder. In der Rheinpfalz gab es zu dieser Zeit, durch französische Prägung und Unmut gegen die bajuwarischen Steuereintreiber und Zensoren begünstigt, Bestrebungen, das aufklärerische Gedankengut in die freie bürgerliche Presse einfließen zu lassen, und zwar unzensiert. Das Metternich-Regime hatte die meisten Zeitungen “auf Linie” gebracht, doch eine schnell wachsende Opposition von Intellektuellen war es müde, sich bevormunden zu lassen von publizierten Einheitsmeinungen.
Zur Unterstützung der oppositionellen Presse zahlte der Verein Gelder an politische Schriftsteller, die sich in ihren Werken gegen das Metternich-Regime wendeten. Fürst Klemens Wenzel Lothar Graf von Metternich war einer der maßgeblichen und prägenden Politiker der Restaurationszeit und stand für das monarchische Prinzip. Folglich bekämpfte er die nationalen und liberalen Bewegungen – das dualistische Prinzip des Deutschen Bundes kam früh an seine Grenzen (sowohl Preußen als auch Österreich wollten letztendlich die Vorherrschaft über die deutschen Kleinstaaten und waren gegen eine nationalstaatliche Einheit).
Die Opposition gegen die Restauration: Intellektuelle, Bürger und Arbeiter
Aus der Auflehnung gegen das Metternich-Regime des deutschen Bundes konstituierte sich eine politische Bewegung, die als Vormärz bezeichnet wird, da sie im März 1848 zur Paulskirchenrevolution führte. Zum einen gab es dort eine Schicht von aufgeklärten Intellektuellen und Bürgerlichen, zum anderen entstand eine eigene Kaste von Arbeitern und ihren Vertretern. Die prägende Grundidee war die Errichtung eines besseren, politisch geeinten deutschen Staats (=eines Nationalstaats).
Die freie Presse war auch ein wesentlicher Bestandteil beim Aufruf zum Hambacher Fest 1832, bei der Märzrevolution 1848 und prägte auch Marx und Engels, die in dieser Zeit ihre ersten Schriften veröffentlichten.
Erich Maria Remarques Buch “Im Westen nichts Neues” heute vor 81 Jahren als Buch in Berlin veröffentlicht
Auch ein Kapitel in der Pressefreiheit ist die Weimarer Republik. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei dem heute vor 81 Jahren in der Weimarer Republik veröffentlichten Roman Im Westen nichts Neues des Berliner Schriftstellers Erich Maria Remarque. Zuerst erschien die Kriegsgeschichte, in dem Remarque im Intro schreibt: „Dieses Buch soll weder eine Anklage noch ein Bekenntnis sein. Es soll nur den Versuch machen, über eine Generation zu berichten, die vom Kriege zerstört wurde – auch wenn sie seinen Granaten entkam“, als Fortsetzungsroman in der Berliner Vossischen Zeitung, danach wurde es als gebundenes Buch beim 1919 gegründeten und zur Ullstein-Familie gehörenden Propyläen Verlag am 29. Januar 1929 herausgegeben. Das Buch, in über 50 Sprachen übersetzt und rund 20 Millionen mal weltweit verkauft, wurde 2x erfolgreich von Amerikanern verfilmt, von den Nationalsozialisten mehrfach zensiert und schließlich indiziert, ebenso wie der Film. Remarque, der sein Buch selbst “unpolitisch” fand, hat in einem Interview mit dem Berliner Theaterkritiker Friedrich Luft über 30 Jahre später gesagt “Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg, bis ich herausfand, daß es welche gibt, die dafür sind, besonders die, die nicht hingehen müssen”.
Sowohl der Preß- und Vaterlandsverein als auch Remarques Werk haben bis heute Auswirkungen auf die Presse und Literatur. Die Aktualität erscheint mir sogar sehr groß – ich habe als junger Mann, tief beeindruckt vom Roman und auch Salingers (gestern verstorben) Roman Fänger im Roggen den Wehrdienst erfolgreich verweigert.
Sowohl der Vaterlandsverein wie auch die Vossische Zeitung waren wichtige Instrumente zum Erhalt der Freiheit der Gedanken im Sinne einer Vielfalt.
21.01.2010
Das weiße Band
Jürgen in Kultur am 21. Januar 2010, 21:00 3 Kommentare »
Der Film “Das weiße Band” läuft bereits seit einigen Wochen in den Berliner Kinos. Leider bin aus zeitlichen Gründen erst jetzt dazu gekommen, ihn mir anzusehen. Mein Urteil: Ein Kunstwerk!
Die Handlung spielt in einem norddeutschen Dorf in den Jahren unmittelbar vor dem ersten Weltkrieg. Hauptfiguren in dieser beinahe archaischen Umgebung sind ein überaus sitten- und glaubensstrenger evangelischer Pastor mitsamt seiner großen Familie, ein Dorfarzt, dem die Frau gestorben ist und der nun mit der Hebamme, die ihm das Haus besorgt, zusammenlebt, ein Baron, der als Gutsbesitzer Herr über alles und jeden ist und ein junger Lehrer, der versucht in der dörflichen Mischung aus Dumpfheit, Elend, Neid, Intoleranz, Gnadenlosigkeit und sehr bescheidenen Freuden zu bestehen.
Der Film von Michael Haneke bietet eine Reihe hochkarätiger, schauspielerischer Leistungen, eine ruhige und sorgfältige Kamera und einen Erzähler, der den Zuschauern den Ablauf des Geschehens mit einer einfachen und klaren Sprache ergänzt und verbindet dies alles zu einem künstlerischen Ereignis, wie man es nur selten auf der Leinwand erleben kann. Der Streifen – in schwarz/weiß gedreht – ist spannender als ein Kriminalfilm und er ist in vielen Einstellungen präzise wie ein Kammerspiel. Insbesondere dann, wenn die Kamera dicht am Schauspieler agiert, gelingen beeindruckende Szenen, wie zwischen Dorfarzt und seiner Haushälterin (Hebamme) oder der Besuch des Lehrers bei den Eltern seiner Freundin.
Das wunderbarste an diesem Film ist jedoch das Spiel der Kinder, die hier in großer Zahl das familiäre, schulische und dörfliche Leben dieser Zeit nachempfindbar machen. Manche Szenen, wie das Verhör eines Mädchens durch die Polizei oder wie der “Herr Vater” von seinem jüngsten Sohn einen Vogel geschenkt bekommt, vergißt man nicht so schnell. Wer es auch schaffte, die Kinder (fünf bis sechzehn Jahre) zu diesem Spiel vor der Kamera zu inspirieren, dem ist etwas großes gelungen.
Der Streifen wird wahrscheinlich kein Massenpublikum erreichen – gestern sahen ihn im Cinemaxx am Potsdamer Platz 50-60 Zuschauer. Aber: Dieser Film ist ein wohltuender Gegensatz zu dem Müll, der uns beinahe täglich in diversen Medien vor die Augen kommt.
20.01.2010
Eleganz hat überhaupt nichts mit Mode zu tun - Karl Lagerfeld
Harald in Kultur am 20. Januar 2010, 08:12 4 Kommentare »
12.500 Meter Edelstahlrohr, 30 Tonnen Stahl, 20.000 Schrauben, Muttern und Unterlegscheiben sowie 5.000 Quadratmeter Kunststoffplane mit Luftkissenmembran bestimmen das Ambiente der Modebesucher. Bereits zum zweiten Mal belegt die Bread&Butter im Rahmen der Fashion Week Berlin die Hangars im Tempelhofer Flughafen. Diesmal winterfest.
Gestern mittag bewiesen die ersten Twittermeldungen über merkwürdige Sichtungen von irren und völlig bekloppt gekleideten Typen in Mitte, dass Berlin für die nächsten vier Tage wieder die Hauptstadt der Mode sein wird. Unendliche Modenschauen, mit magersüchtigen Models, zeigen aktuelle Designs in der Konfektionsgröße 34. Hat die Brigitte eigentlich einen eigenen Catwalk für ihre “Nichtmodels”?.
Auch der Bebelplatz ist wieder eingespannt – dort residiert die Mercedes-Benz Fashion Week – auch wenn Politiker aller Couleur darauf drängen, diesen geschichtsträchtigen Platz grundsätzlich freizuhalten. Immerhin ist wohl diesmal das Denkmal des Künstler Micha Ullman frei zugänglich.
Curry36 versucht mit witziger Werbung in ganz Berlin den Magersüchtigen – und natürlich auch allen anderen Besuchern – den Besuch ihrer Bude schmackhaft zu machen: “Für alle die von Bread&Butter allein nicht satt werden … Curry36”. Wohl bekomms.
15.01.2010
Der Wedding wird Blog
Susanne in Kultur am 15. Januar 2010, 23:03 2 Kommentare »
Der Wedding, das jährlich erscheinende Magazin für Alltagkultur, hat seinen Onlineauftritt geputzt und kommt jetzt als Blog daher. Das ist sicher keine schlechte Idee. Gerade einmal vier Wochen alt und fünf Beiträge stark, bleibt allerdings abzuwarten, wie sich das Projekt entwickeln wird. Versprochen sind Geschichten, die vor der Haustür passieren oder in entlegenen Hinterhöfen, im Kneipenmilieu oder in der Pommesbude. Dabei soll der Blick auf das Kleine im Großen gerichtet sein. Das sind große Worte. Da bin ich mal gespannt.
Vielleicht passiert im Blog derzeit noch nicht allzuviel, weil gerade heftig an der nächsten Printausgabe gearbeitet wird. Fest steht nämlich, dass das nächste Heft, die Nummer 3, in Kürze erscheinen wird.
07.01.2010
Der Komponist
Jürgen in Kultur am 7. Januar 2010, 18:08 7 Kommentare »
Franz Bartzsch ist tot. Sein musikalisches Schaffen war vielfältig. Bekannt wurden seine Kompositionen insbesondere durch die Interpretationen von Veronika Fischer. Er schrieb Lieder, die … “im deutschen Osten jedes Kind mitsingen konnte”…(Birgit Walter).
05.01.2010
Hannemann liest auf der Spreeblick-Lesebühne
Sebastian in Kultur am 5. Januar 2010, 17:33 Kommentar schreiben »
Die Kollegen von Spreeblick haben eine gewisse Tradition vorzulesen bzw. vorlesen zu lassen. Und so präsentieren sie seit einer Weile auch die Lesebühne “Read on my dear”. Am morgigen Mittwoch, 6. Januar 2010 gibt sich Uli Hannemann (“Neulich in Neukölln”) auf eben dieser Bühne die lesende Ehre. Weitere Details bei Spreeblick.
Darauf verweisen wir gern, denn wir haben hier an anderer Stelle schon mal über eine Lesung von Uli Hannemann berichtet. Im Karstadt am Herrmannplatz.
04.01.2010
Partie Schach gefällig?
Jürgen in Kultur am 4. Januar 2010, 15:52 52 Kommentare »
Neues Jahr, neues Spiel, neues Glück, neue Ideen. Das HSB – in Person des Autors – bietet eine Schachpartie mit einem Leser an.
Während sich bei einer herkömmlichen Spielweise die Gegner gegenübersitzen oder – wie mal beim Fernschach üblich – Züge per Post austauschen, erfolgt dies Spiel hier mit Brett neben dem PC und per Zugfolge zu diesem Beitrag über die Kommentare. Es besteht weiterhin die Möglichkeit, daß andere, interessierte Leser das Spiel verfolgen und sofort – das ist bei herkömmlicher Spielweise am Brett nicht üblich – ihre Bemerkungen zum Spiel machen (hier mittels der Kommentarfunktion) und auch Züge bzw. Zugfolgen vorschlagen können. Beide Spieler entscheiden allerdings selbst, ob sie diese Kommentare/Vorschläge berücksichtigen und welchen Zug sie auswählen.
Die anderen Regeln wären wie folgt:
1. Ich spiele mit Weiß. Der Gegenspieler sollte sich bis 9. Januar melden.
2. Gespielt wird bis zur Entscheidung. Sollte das Interesse groß sein oder einer der beiden Spieler wünscht Revanche, findet eine zweite Partie statt. Dann spielt der Leser mit den weißen Figuren.
3. Spielbeginn 11.1.10. Jeder Spieler hat pro Zug/Gegenzug eine Woche Zeit.
4. Um den Unterhaltungscharakter in den Mittelpunkt zu stellen, sollte der Leser ein bißchen Ahnung vom Spiel haben, aber kein Wettkampfspieler oder gar Profi sein.
PS: Da ich nicht weiß, wieviel schachinteressierte Leser wir überhaupt haben, ist dies als ein Versuch anzusehen. Sollte sich bis zu dem in 1. genannten Termin niemand gemeldet haben, stampfe ich die Idee wieder ein.
27.12.2009
Kleiner Mann trägt Hirnsattel
Susanne in Kultur am 27. Dezember 2009, 08:30 2 Kommentare »
Schönes Buch. Viele tolle Bilder, vorwiegend in Pink gehalten. Wie auch die Überschriften. die sind alle klein geschrieben. das mache ich auch, sogar durchgehend. also nicht nur die überschriften. ich habe damit keine probleme.
Das Buch ist nicht aus Papier. Man blättert Karton, Seite für Seite. Postkartentauglich, so dick. Das gefällt mir überhaupt nicht. Da kann man sich nicht mal vernünftig dran scheiden. Aber Text steht drauf, natürlich. Ganz normaler Text, mit großen und mit kleinen Buchstaben. Wie es sich gehört. Das ist beinah enttäuschend.
Es geht um Geld und Gedichte. Glaube ich. Und um die Hirnschlampe in uns allen. Das graue Ding, mit dem wir leben und arbeiten. Auch um Vögel und Frösche und Hunde. Fische kommen diesmal aber nicht vor. Oder habe ich da was überlesen? Es geht auch noch um vieles mehr. Fetzen, Brocken, kleine Häufchen. Sinnfreie Geschichten, an denen man sich erfreuen kann. Verdrehtes Zeug. Und ziemlich am Ende steht noch ein richtig guter Satz:
Es gibt kein schöneres Gefühl, als so ganz und gar bei sich zu sein.
Genau so steht es da. Das “so” hätte ich vielleicht weggelassen. Dann wäre es ingesamt klarer. Noch klarer. Aber es stört ja auch nicht, dieses “so”. Genau wie das “ja” jetzt, hier. Macht ja nix. Ist alles nicht weiter schlimm.
Gegen Ende geht es auf einmal ganz direkt um Kreativität und Kreative und um die Gefangenschaft als Miethirn. Klingt ein bisschen nach Lobo. Außerdem ist von Selbstbefreiung und der wahren Bestimmung die Rede. Im Leben? Im Job? Im Hirn? Keine Ahnung. Entdecke die Möglichkeiten. Wie in diesem blaugelben Möbelhaus. Unser täglich Billy gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld. Also doch nicht Lobo, eindeutig nicht. Sondern Volker Remy.
Und wer ist jetzt Volker Remy? Kein Gesicht auf jeden Fall. Aber eine eigenartige Marke. Vielleicht.
Volker Remy, Der Imperator im Damensattel – Dein täglicher Triumph, Graco Verlag, 14,98 €