23.02.2010

Currywurst: der Berliner Heimat-Hunger

Michael in am 23. Februar 2010, 14:28   43 Kommentare »

Ich sitze müde im Zug.

Die Fähre, mit der ich über Nacht aus Norwegen kam, hatte Verspätung. Ausnahmsweise war die Deutsche Bundesbahn pünktlich mit dem Zug nach Berlin: Eile war angesagt, um nicht eine Stunde im zugigen Bahnhof warten zu müssen.

Ich habe Hunger.

Das skandinavische Buffet auf dem Schiff war mit 45€ p.P. (ohne Getränke, Bier 5€ 20cl, Wein 9€ 20cl) doch etwas teuer.

Mein Magen knurrt.

Ich sitze im Großraumwagen an einem Vierertisch. Mein Gegenüber, ein in den Endzwanzigern tätowierter Bursche mit Nasenring, hört mein Magenknurren. “Ick hab’ ooch Hunga!” berlinert er mir entgegen und grinst. Die ersten Berliner Laute seit Wochen.

Die gut gekleidete ältere Dame neben mir, deren tonnenschweren Koffer ich auf die Ablage gehievt habe, nickt, guckt dabei den Burschen so an, als ob sie noch nicht wüsste, ob sie ihn eher auf “solche-Typen-wie-Du sind-doch-alle-Hausbesetzer” oder auf “tolerante-weltoffene-Omi-mit-rebellierendem-Enkel” taxieren sollte.

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16.02.2010

Second Life?

Jürgen in am 16. Februar 2010, 16:40   40 Kommentare »

Ein Bekannter, wohnhaft in einem Dorf, meckert gelegentlich über einen seiner Enkel, weil der ihm zu viel vor dem Computer sitzt. Der spielt nicht Fußball, geht nicht in den Wald, interessiert sich scheinbar für nichts anderes. Bleichgesichtig, wie er ist, die Zeit dabei vergessend, verbringt er den Hauptteil seiner Zeit vor dem PC-Bildschirm.

Der 1981 in Berlin gegründete Chaos Computer Club, mit 34,5 Mio Ergebnissen bei Google übrigens stärker vertreten als jeder Aufruf im Zusammenhang mit z. B. “Deutschland” oder “Frieden”, hat sich den Vereinszweck gesetzt, neue technische Entwicklungen für Bildung/Volksbildung zu unterstützen. Ob sich der Club auch schon mal mit der Frage beschäftigt hat, “wieviel” Computer oder Internet – außerhalb der reinen Informationserfassung – der Mensch überhaupt verträgt?

Mindestens einmal pro Woche erreicht mich eine E-Mail eines Internet-Freundeskreises, neudeutsch verallgemeinernd Social Network, um mir die Frage zu stellen, ob ich nicht Kontakt mit meinem Klassenkameraden Roland aufnehmen will, oder nicht ein Foto einsenden möchte. Mit Roland z. B. will ich keinen Kontakt aufnehmen, weil ich den bereits seit Jahren habe. Das weiß aber mein Netzwerk, bei dem ich mich mal lediglich mit meinem Namen und dem Abitur-Jahr gemeldet hatte, nicht, weil es noch gar nicht so lange existiert.

Von diesen Netzwerken gibt es aber eine Vielzahl und sie haben sich alle das hehre Ziel gesetzt, Plattform für Kontakte von Menschen untereinander zu sein. Ich habe aber den Eindruck, die wollen vor allem eins: Daten. Nicht umsonst bekommt man regelmäßig Post. Und um die endlosen Datenströme zu beherrschen, braucht man wieder Instrumentarien und neue Systeme. Und so soll der Mensch, wenn es nach den Medien- und Internetgiganten geht, möglichst selbst nur noch Medium und Benutzeroberfläche sein, auf das der Browser, das Handy oder der i-pod niemals ruht.

Welche Schwierigkeiten und Störungen diese Netzwerke dem Menschen aber auch bringen können, wird hier mal betrachtet. Eine weitere Untersuchung, die sich mit dem Thema kritisch auseinandersetzt, ist diese. Was wird von diesen Plattformen angestrebt? Eine Digitalisierung der menschlichen Beziehungen? Was soll z. B. dieser Zirkus mit den “virtuellen Freunden”? Greifen diese social networks die in der Gesellschaft vorhandenen Probleme bezüglich der Anbahnung von Partnerbeziehungen oder Bindungsfähigkeit auf oder verstärken sie diese nicht noch zusätzlich? Die genannten Quellen, aber auch Informationen im Alltag deuten darauf hin, daß durch die übermäßige Teilnahme und den Konsum des Internets (als eine Art Sozialersatz), eine seelische und gefühlsmäßige Verflachung und Verarmung menschlicher Beziehungen eintreten kann. Was ist eine Internetgemeinde, wo jeder über jeden etwas – ausgewähltes – lesen kann, überhaupt wert? Soll die dokumentierte Oberflächlichkeit eines Netzwerkes, die Ansammlung von medialen Lebensläufen, zum Maßstab für das reale Leben werden?

Die neueste Ausgabe des “DAS MAGAZIN” bringt ein Interview mit Sascha Lobo, in dem er sich u.a. über Unterschiede von “medialer Persönlichkeit” und “privater Persönlichkeit” äußert. Möglicherweise ist so ein Blog wie das HSB eine überschaubare Angelegenheit, obwohl man auch nicht immer weiß, inwieweit Meinungen, die geäußert werden, nun tatsächlich “echt” sind oder nicht einem zweiten Leben entstammen?

Jeder kann in so ein Netzwerk eintreten oder auch nicht. Was mich betrifft: Ich habe kein Interesse an “medialen Persönlichkeiten”, sondern ausschließlich an realen Menschen, ihrem Leben und ihren Meinungen.

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10.02.2010

Bei mangelhaft gestreuten Bürgersteigen auf der Straße gehen?

Linda in am 10. Februar 2010, 14:38   52 Kommentare »

In den Abendnachrichten wurde einmal behauptet, dass das in Ausnahmefällen möglich ist. Ich wollte gestern Abend über die Schlossbrücke Richtung Mierendorffplatz gehen, es war so glatt, dass ich ausnahmsweise die Straße begehen wollte. Die Brücke ist einigermaßen beleuchtet und ich habe auch extra mein weißes Schultertuch herausgehängt. Die Autofahrer haben mir sehr verständnisvoll Platz gemacht. Dann hielt ein Polizeiwagen, es ergab sich folgender Dialog:

  • Bitte benutzen Sie den Gehweg, Sie dürfen hier nicht gehen!
  • Es ist zu glatt, ich rutsche dort ständig aus!
  • Spielt keine Rolle, Sie sind verpflichtet, den Gehweg zu benutzen.
  • Wenn ich mich verletze schicke der Charlottenburger Polizei die Krankenhausrechnung!
  • Das können Sie gerne tun – aber aber lt. Straßenverkehrsordnung dürfen Sie hier nicht gehen!
  • In den Nachrichten wurde gesagt, dass es in Ausnahmefällen wie diesen erlaubt ist!
  • Nein. Hier nicht!
  • Das finde ich aber ***** – ich werde das in mein Blog schreiben!
  • Tun Sie das – aber hier …. usw.

Was hiermit geschehen ist.

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06.02.2010

Und das soll eine Großstadt sein?

Jürgen in am 6. Februar 2010, 17:32   38 Kommentare »

Ja, so reden sie manchmal, die Touristen. Heute schimpfte eine Gruppe deutschsprechender, auswärtiger Damen vor dem Friedrichstadtpalast, weil auf dem Bürgersteig nicht gestreut war. Warum auch. Reicht doch, wenn wir eine “be Berlin”-Kampagne haben, wozu dann noch die Bürgersteige rutschfrei machen?! Außerdem sollen Touristen doch froh sein, wenn sie aus ihrem Nest mal rauskommen und Berliner Luft schnuppern können. Hier dürfen sie was erleben und sehen auch mal einen prominenten Politiker oder Künstler vorübergleiten, der allerdings manchmal sauer ist, wenn ihn niemand erkennt. Den Berliner stören diese Leute ja nicht weiter, er guckt geradeaus, aber die Touristen fangen dann gleich an zu tuscheln. War das nicht der und der?

Letzte Woche beobachtete ich im Postamt Ecke Zinnowitzer Straße (Achtung: Der U-Bahnhof heißt seit einiger Zeit Naturkundemuseum) eine vielleicht 30-jährige Frau. Sie saß an einem der Kundenplätze und hatte einen Riesenkasten mit Briefen vor sich, die sie alle manuell und durch Einsatz ihrer Zunge mit Marken beklebte. Sie machte ein hochzufriedenes, eifriges Gesicht bei dieser Tätigkeit und alle naselang entfuhr ihr ein: “Aha” oder “Oh” oder “Mmm” oder sie nuschelte so etwas wie “…aufpassn…” usw. Vielleicht hat die Frau endlich einen neuen Job und das Versenden der Post gehört mit zu ihren Aufgaben.

Oder die neue Suppenküche in der Invalidenstraße: Als ich den Laden betrat, strahlten mich zwei schürzenbehangene Frauen an. Vielleicht war ich ihr erster Kunde an diesem Tag, vielleicht hatten sie auch gerade einen großen Auftrag zur Belieferung einer Firmenfeier mit exotischen Suppen erhalten, wer weiß. Jedenfalls gibt es diesen Laden noch nicht lange und ich wünschte den Frauen viele Kunden, denn von mir allein können sie ja nicht leben.

In Mitte eröffnen und schließen manche Läden so schnell, da kommt man nicht hinterher. Aber in Charlottenburg z.B., da halten die Geschäfte lange durch. Gibt aber auch Ausnahmen, wie z. B. Tilo Stöhr. Dessen Radio-Werbespruch vergangener Jahre hallt mir immer noch im Ohr: “Tilo Stöhr bietet mehr”. War doch was: Kurz, prägnant, knackig.

Manchmal kriegt man aber dann doch wieder das Grübeln. Heute hab ich im Friedrichstadt-Palast wegen Berlinale-Karten nachgefragt: Procedere wie im alten Rom. Karten gibt’s nur an dem Tag, wo der Film läuft. Keine Vorbestellungen!

Da kann ich nur sagen: Siehe Überschrift.

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01.02.2010

Quo vadis Berlin?

Jürgen in am 1. Februar 2010, 18:03   22 Kommentare »

Es ist mal wieder soweit. Der Kapitalismus muss einen Gang zurückschalten.

Während der US-Präsident sich mit Bankern auseinandersetzt, europäische Regierungen sich – genauer gesagt ihre Steuerzahler – bei der Bekämpfung der Wirtschaftskrise bis an die Grenzen der Belastbarkeit und auch auf Kosten kommender Generationen verschulden, trifft sich alljährlich in Davos die Politik- und Wirtschaftselite zum Gespräch über die Lage. Diesmal geht es nicht um Profitmaximierung und gegen “Sozialschmarotzer”, sondern um Regulierung und mehr soziale Verantwortung. Einige Banker klagen sogar, man möge doch jetzt mit der Schelte und den Schuldzuweisungen aufhören. Sie vergessen dabei, daß es wieder einmal das Finanzkapital war, was die Welt an den Rand der wirtschaftlichen Katastrophe brachte. Der Chef eines großen deutschen Konzerns sagte zu dieser Zyklik sinngemäß, daß es bei der nächsten großen Krise vorbei wäre, denn das Geld sei alle!

Die Herbstwahlen 2009 bescherten Deutschland eine schwarz/gelbe Regierung. Die Wähler wollten damit nicht (so nehme ich an!), daß die Kluft zwischen reich und arm in Deutschland weiter wächst bzw. sie haben die Losung, daß sich Arbeit wieder lohnen soll (für wen?) möglicherweise anders verstanden, als sich das jetzt abzuzeichnen beginnt. An dieser Stelle gleich mal ein Vorschlag: Weg mit der gerade eingeführten Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes für Hotels und dafür Wegfall des seit 1.1.2009 geltenden höheren Mehrwertsteuersatzes für Schulessen (Caterer)!

Berlin ist als Großstadt zwar ein Mikrokosmos für sich, zudem sich hier schon immer die Probleme Deutschlands in konzentrierter und komprimierter Form gezeigt haben und auch zukünftig zeigen werden. Aber die Situation in der deutschen Hauptstadt ist dennoch untrennbar und eng mit den oben skizzierten Veränderungen verbunden.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hat der Berliner Zeitung am Wochenende ein Interview gegeben, in dem zwar viel aus Wowereits Biografie zitiert, einiges zum Thema Integration, aber zu wenig konkretes über die anderen großen Probleme Berlins gesagt wird.
Hier, ausgehend von der Mai- Analyse, einige Bemerkungen zur aktuellen Lage. Beginnen wir mit der Arbeitslosenzahl: Obwohl der massive Einsatz von Kurzarbeit und der Abbau von Überstunden gegengesteuert haben liegt sie aktuell im Januar bei 245.000. Das bedeutet eine Quote von 14,5%, damit der vorletzte Platz unter allen Bundesländern und gegenüber 2008 nochmals eine Steigerung von 5% (gegenüber 1991 eine Erhöhung von 36%.)
Kurzarbeit bedeutet jedoch Einkommenseinbußen. Hinzu kommt, daß viele in prekäre Arbeitsverhältnisse gezwungen werden und neben ihrer Arbeit auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Lt. dieser Information braucht jeder fünfte Berliner Geld vom Staat. Berlin liegt – bei all dem kein Wunder – mit 16.800 € pro Einwohner und Jahr auch in der Kaufkraft unter den deutschen Städten und Kreisen im hinteren Bereich und 11 % unter dem Bundesdurchschnitt.
Beschäftigtenzahl: Die Zahl lag 2008 bei 1,638 Mio.
Dabei ist zu beachten, daß die Zahl der Nichtselbständigen stagniert, während die der – bei vielen gleichfalls mit prekären Einkommen – Selbständigen deutlich stieg.
Die Wirtschaftsstruktur Berlins hat sich seit Mai 2009 natürlich nicht gravierend verändert, allerdings ist die Zahl der Firmenneuansiedlungen in 2009 gegenüber 2008 deutlich zurückgegangen.
Schulden: Das Land Berlin hat mit Verabschiedung des neuen Haushaltes 2010/2011 Gesamtschulden von ca. 65 Mrd. €. Dafür sind jährliche Zinszahlungen von ca. 2,5 Mrd. € zu leisten. Berlin wird wohl, ohne Hilfe des Bundes, diese Schulden auf absehbare Zeit nicht abbauen können.
Die Liste der wirtschaftlichen Probleme Berlins – natürlich gäbe es auch einige positive Dinge zu vermelden – ließe sich fortsetzen. Ich weise aber nur noch kurz auf den politischen Aspekt hin. Die SPD erlitt bei den Septemberwahlen 2009 eine verheerende Niederlage in Berlin. Da die Linke aber gleichzeitig zulegen konnte, ist offensichtlich, daß die Berliner der SPD, die sich mit Agenda 2010 und Hartz IV ein bleibendes negatives Denkmal gesetzt hat, dies angekreidet haben.

Aktuell: Die Situation der letzten Wochen und Monate u.a. mit den Problemen S-Bahn, Tempelhof, Spreedreieck, Mitte-Bebauung, Charite-Diskussion, Autobrände, Schauspielschule um nur einige zu nennen, hat bei mir dazu geführt, daß ich diesem Senat und einigen Senatoren nicht mehr zutraue, Berlin wieder auf einen guten Weg zu führen. Lt. dieser, nicht mehr taufrischen, Umfrage geben lediglich noch 20% der Berliner der SPD ihr Vertrauen. Ich gestehe aber auch, daß ich in Berlin z.Zt. keine Partei sehe, die das Ruder herumreißen könnte, am allerwenigsten die CDU. Was könnte der Senat tun? Wieder ein wenig mehr Politik zum Nutzen des Landes und der Bürger machen. So könnte man z.B. alle Verträge, die das Land oder wichtige Landesunternehmen mit Drittpartnern abgeschlossen haben, überprüfen und ggfs. nachverhandeln, um Schaden vom Land abzuwenden. Das betrifft z.B. die Verträge mit:

  • der Bahn bzw. S-Bahn
  • den Wasserbetrieben
  • Investoren (hier Quelle) über Fördermittel in Höhe von 1,3 Mio €
  • Überprüfung der Wirtschaftsförderung und der Werbekampagne “Be Berlin”
  • Unternehmen im sozial geförderten Wohnungsbau
  • Überprüfung von Cross-border-Geschäften der BVG

Was aber aus meiner Sicht das wichtigste ist: Berlin dreht sich – unabhängig, welche Parteien gerade die Macht haben – zwar im Alltag auch immer von allein. Die Stadt ist – und bleibt hoffentlich noch lange – eine politische, kulturelle und ethnisch/religiöse Mischlandschaft. Dennoch und gerade deshalb braucht Berlin mit ihren 3,43 Mio Einwohnern einen Senat und Bezirkschefs, die einen und nicht, wie manchmal zu hören ist, trennen und polarisieren. Dabei ist, neben Visionen, aber auch die Lösung der oben beschriebenen Alltagsprobleme gefragt.

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24.01.2010

Berliner Qualitätswinter

Jürgen in am 24. Januar 2010, 17:20   16 Kommentare »

In Schnee und Eis erstarrt die Stadt,
die Sonne kämpft sich durch das Wolkengrau.
Wohl dem, der eine warme Wohnung hat
und jemand, der ihn – notfalls – wärmt. Genau!

Der Schnee verharscht. Es glitzert jeder Steg.
Die Hagebutten hängen tief gefroren.
Der Mensch geht trotzdem raus – als ein Beleg:
Er gibt den Kampf noch nicht verloren.

Der Steig trägt Split als schwarze Sprenkel-
auf and’ren Wegen rutscht man unentwegt.
Jetzt hilft z.B. das Prinzip vom Henkel:
Hak Dich nur ein, bevor es abwärts geht.

So wie der Yeti staunend träf auf Kinder,
so seh’n Berliner auf den Haufen Schnee.
Für Menschen ist die klare Luft gesünder.
Dem Gartenungeziefer tut die Kälte weh.

Hörst Du am Morgen auch das Quietschen, Nageln?
Das Auto will nicht los nach kalter Nacht.
Du musst ihm diese Absicht wohl verhageln
und startest, kratzt und schiebst, bis es geschafft.

Die U-Bahn fährt, die BVG lässt sich nicht lumpen.
Die S-Bahn…nun darüber will ich schweigen.
Der Mensch kann sich kein and’res Wetter pumpen.
Er hat nur dieses und dem muss er’s zeigen!

Die Sonne strahlt, dann ist die Stimmung spitze.
Frieren auch E-Mails ein? Sind Spams dabei?
Trägt unser aller Internet jetzt eine Mütze?
Ab wann hat so ein Blog denn kältefrei?

Schneemänner en gros – ganz ungelogen,
gebaut im Winter zweitausendundzehn
finden Berliner Archäologen
zweihundert Jahre später – Du wirst seh’n.

Ja, dieser Winter bietet Qualität.
Denk mal an ihn, wenn Du im Sommer schwitzt.
Wir sperr’n den weißen Herrn als Rarität
in’s Märkische Museum, wo er – wartend – sitzt.

Die Amsel singt, man sollte es nicht glauben.
Der Schornstein bläst die Wolken in den Äther.
Der Winter wird uns nicht die Hoffnung rauben.
Der Frühling – südwärts abgereist – kommt später!

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30.12.2009

Zum Ende

Jürgen in am 30. Dezember 2009, 15:43   9 Kommentare »

Nicht nur in meinem engsten Familienkreis, auch in unserem, sich ständig neu erfindenden, Berlin haben sich viele Sachsen “verquerlt”. Daher zum Ende des Jahres, verbunden mit besten Wünschen für alle Leser, ein Kleinod von Lene Voigt, sächsische Heimatdichterin, entnommen aus: Lene Voigt “Nu grade”- Herausgeber Wolfgang U. Schütte, Connewitzer Verlagsbuchhandlung Leipzig 1995.

Beschauliche Bilanz

Neijahr hatt’ch mer mal vorgenomm,
de Daache alle, wiese gomm,
zu gondrolliern druff, obse nich
ne gleene Freide hamm fier mich.

Un wärklich, änne Gleenichgeit
zum Frein gab’s bei mir jederzeit.
In mein Galänder malte ich
drum unter jeden Daach ä Schtrich.

Un wie nu’s Jahr zu Ende war,
da zählt ich deitlich, zählt ich glar
dreihundertfimfunsächzich Freiden.
(Dadsächlich, ich bin zu beneiden.)

(Mir Sachsen, Bd. 2, 1928)

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28.12.2009

U-Bahnhofschütteln

Susanne in am 28. Dezember 2009, 17:30   14 Kommentare »

z. B. Möhringdamm und Meckernbrücke

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10.12.2009

Ich bin ein Kopenhagener

Jürgen in am 10. Dezember 2009, 21:03   6 Kommentare »

In der dänischen Metropole tagt die Klimakonferenz, notwendig durch den immer höheren Energieverbrauch der Menschen. Hier der etwas andere Blick auf dieses Thema.

Der Mann ist von Natur aus eine anspruchslose Spezies. Er ist von der Evolution auserkoren, aus wenig viel zu machen und dabei noch gute Laune zu versprühen. Klappte es beim Homo neanderthalensis mal nicht mit der Mammutjagd, wurde wenigstens ein kleines Murmeltier erlegt, damit der Weg nicht ganz umsonst war. Der Gattin fiel dann das Fell für den kleinen Kragen zu, den Jungen und Alten das Fleisch und für den Mann blieb die gebratene Pfote oder der gekochte Schädel. Was will man mehr?

Es kann ja sein, dass Dirk dieser Tage bei Grit im Cafe St. Oberholz am Rosenthaler Platz, also dort, wo sich immer noch die “Digitale Boheme” trifft, mit seinem kostenlosen Software-Update am Laptop und seinen winzigen, aber bitpotenten USB-Sticks mächtigen Eindruck schindet, was von seiner Seite auch beabsichtigt ist. Aber: Er bringt ihr außerdem noch bei, wie Mann mit wenig Aufwand viel erreicht.

Meinen ersten Computer habe ich mir im Jahr 2000 gekauft, den nächsten dann acht Jahre später. Die neue Software von Bill G. und Steve B. lass ich einfach links liegen, weil die alte noch gut funktioniert. Damit bin ich schon ein Konsumverweigerer, aber sowas wird in Kopenhagen gesucht.
Mein Fahrradkauf – eine italienische Marke mit Stahlrahmen und trotzdem extrem leicht – rührt bereits aus dem Jahr 1992. Fahrradhändler, die ich ab und an wegen eines Ventils oder Schlauches beehre, sehen mich lieber gehen als kommen, denn an meinem Velo geht nichts kaputt. Selbstredend brauch ich auch kein neues, wobei, fast überflüssig zu erwähnen, dieser Typ auch nicht mehr im Sortiment ist.

In einem x-beliebigen Berliner Kaufhaus fallen einem sofort die alleingelassenen Männer auf. Sie sitzen zeitunglesend im Sessel oder warten in einer Ecke – den Blick wechselnd in alle Richtungen der Windrose drehend – auf eine Erscheinung, nämlich die ihrer neu eingekleideten Frau. Männer produzieren auch hier nichts unnützes, sind sozial tätig und verbrauchen wenig Energie. Was benötigen sie selbst? Alle sechs Monate mal’n paar Socken oder Hosen. Oder so.

Der Berliner Mann hat geringe Ansprüche, die auch teilweise im ideellen Bereich liegen, die ihm aber gegenwärtig zumeist versagt bleiben: Ein Sieg von Hertha zum Beispiel.
So bleibt als letzter Gang der abendliche Wasch s a l o n – gilt wirklich nomen est omen? – wo Mann unter seinesgleichen dem Feierabend entgegenschweigt. Was dem Altberliner sein Angelkahn im Grünen war, ist dem Großstädter der unregelmäßige Chor der Waschmaschinen – wozu muß denn auch jeder eine eigene besitzen? Beide Biotope sind unter zivilisatorischen und energetischen Gründen nicht hoch genug zu schätzen.

Am Mann liegt es nicht, wenn die Polkappen schmelzen und in Berlin bald Zitronen blühen, er ist bescheiden.

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05.12.2009

Halali

Jürgen in am 5. Dezember 2009, 16:39   45 Kommentare »

Wie bei einer Jagd: Die ständigen Aufbauscher und Aufblaser rufen zum Jahresendspurt!

Wenn ich morgens das Radio einschalte, tönen mir Nachrichten aus der “Verkehrsmanagementzentrale” in die Ohren, Verkehrsnachrichten hätte man’s auch schlicht nennen können. In einer Nachbarstraße wurde ein ca. 100 Jahre altes Haus saniert, u.a. mit einem verzinkten Dach gekrönt, das bereits nach einem Jahr häßlich schwarzschraffiert aussehen wird. Das hindert die Verkäufer aber nicht daran, das Haus kurzerhand in “Palais” umzubenennen und die Wohnungen zu Hochpreisen anzubieten. Aber sicher findet sich ja bis Silvester noch ein Kapitalanleger, der meint, das sei doch, verglichen mit München oder Hamburg, ein Schnäppchen.

Die Fernsehsender rüsten ebenfalls zum Jahresrückblick. Das Ziel einer hohen Einschaltquote fest im Blick, werden menschliche Schicksale und ihre Protagonisten bzw. deren Hinterbliebene öffentlich, aber “sachlich”, seziert (Fiktive Frage: Wie fühlen Sie sich als der einzige Überlebende dieses Flugzeugabsturzes?) und dem, freiwillig vor dem Fernsehapparat sitzenden, Zuschauer herz- und hirngerecht serviert. Aber: Wie lautete schon das Motto der früheren DEFA-Wochenschau: “Sie sehen selbst, Sie hören selbst, urteilen Sie selbst.”

Ganz und gar nicht ironisch gemeint, bringe ich hier meinen überragenden, kulturellen Höhepunkt des Jahres nochmal in’s Gespräch: Das Konzert am 12. Juni von Peter Fox in der Wuhlheide. Siehe auch heute ARD 00:40 Mitschnitt vom 13. Juni.

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25.11.2009

DGB schlägt zurück?

Jürgen in am 25. November 2009, 07:59   8 Kommentare »

Aus der Berliner Zeitung 25.11.09, Seite 10:
“Ungewohntes Lob für Gewerkschaften: Richtig wohl schien sich der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, auf dem Arbeitgebertag gestern im Berliner Maritim-Hotel zunächst nicht zu fühlen. Umringt von Unternehmern wartete er mit ernster M i n e und verschränkten Armen auf die Ausführungen des politischen Gegners.”…

(Hervorhebung durch den Autor)

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23.11.2009

Koscher *

Jürgen in am 23. November 2009, 19:59   Kommentar schreiben »

Ich habe das Wort lange nicht mehr gehört. Heute war es nun soweit:
Kurz vor Feierabend in einer Bäckerei in Mitte. Eine Frau mittleren Alters sitzt auf dem Ladenhocker, trinkt einen Kaffee und telefoniert.
“Also, ick hab jetzt den Vatrach jekündicht. Det is mir alles zu teuer und darum such ick mir’n neuen Anbieter”. Sie hört zu, was ihr Gesprächspartner zu sagen hat. Es geht aber dann nahtlos in ein anderes Thema über, denn die nächste Frage bezieht sich auf einen Bekannten, der offenbar krank ist.
“Nee, mit den hab ick vorhin gerade telefoniert. Der is noch zu Hause. So richtich koscher is der noch nich.”

Übrigens wurde das Wort “koscher” jüngst auch noch in etwas anderer Auslegung verwendet.

*Plädoyer für einen Kränkelnden – 8.4.2009.

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12.11.2009

Meine Ost-West-Splitter

Jürgen in am 12. November 2009, 18:48   Kommentare

Meine Mutter stammt von der Nordsee und so bin ich als Kind 1959 mit meinen Eltern nach Cuxhaven gefahren. Aus der Wunderwelt des Spielzeugs habe ich mir Cowboys und Indianer mit nach Hause genommen. Diese wurden mir dann z.T. auf dem Spielplatz geklaut. So endete für mich die erste Konfrontation beider Wirtschaftssysteme.

Einige Jahre später – ich war inzwischen Schüler an der EOS (heute Gymnasium) – schwappte gerade das für mich phantastische “Hey Jude” der Beatles zu uns herüber. Eine Mitschülerin hatte sich den Titel auf die Federtasche gekritzelt und wurde dafür von unserem Mathelehrer, der natürlich keine Ahnung von den Beatles hatte, abgekanzelt, weil er dachte, sie hätte was gegen Juden.

Das Schulsystem der DDR war, von einigen ideologischen Überspitzungen abgesehen, insgesamt sehr gut. Hauptfächer z.B. einfach “abzuwählen”, wie das heute geht, war nicht möglich. Ziel war eine gute polytechnische Allgemeinbildung. In der 11. Klasse bekamen wir – allerdings nur für ein Jahr – nicht nur das wunderbare Fach Astronomie dazu, sondern auch einen DDR-Meister im Boxen als Sportlehrer an die Schule. Der führte den Faustkampf wenig später in den Unterricht ein. Ich war reichlich unsportlich und relativ schmächtig, kam aber mit diesem neuen Sport überraschenderweise gut zurecht. Ergebnis war, daß ich wenig auf den Ballon bekam, austeilen lernte und damit meine Sport-Zwei für das Abi rettete.

Nach dem Abi mußten von den Jungs meines Jahrgangs nur vier zur NVA (Grundwehrdienst) – darunter ich, die anderen konnten alle gleich studieren. Das habe ich dann nach der Armee auch gemacht – Außenhandel in Berlin – was nicht einfach zu kriegen war, da auf einen Studienplatz fünf Bewerber kamen. Ich hab dort mein Mädchen kennengelernt und wir wohnten, zusammen mit unserer Tochter, die im 2. Studienjahr geboren wurde, für 10,- Mark Miete/Monat in einem sogenannten Ehepaar-Zimmer des Internats. Wir mußten uns anstrengen (Verlängerung gab es nur im begründeten Ausnahmefall), aber nach 4 1/2 Jahren hatten wir das Diplom in der Tasche.

1978 hab ich dann in einem AHB (Außenhandelsbetrieb) für 900,- Mark brutto angefangen. Fünf Jahre später war ich zum ersten Mal im Ausland (Messe Teheran). Im gleichen Jahr begann ich zu laufen und absolvierte meinen ersten Marathon auf dem Thüringer Rennsteig, ein damals wie heute legendärer Lauf.

Für unsere erste Berliner Wohnung (Hinterhof, Erdgeschoß, mit Berliner Zimmer – 8,20 m lang, 3,60 m hoch, e i n Fenster zum Hinterhof) hatten wir 45,- Mark Miete zu zahlen und haben dort fünf Jahre gewohnt. Heinrich Zille hat mal gesagt, mit einer Wohnung kann man einen Menschen erschlagen, genau wie mit einer Axt. Bei uns war’s kurz davor.

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07.11.2009

Ausnahmezustand in Berlin

Michael in am 7. November 2009, 20:15   21 Kommentare »

Wer heute mit den Touristenbuslinien 100 oder 200 der BVG gefahren ist, bekam dort eine längere Gratis-Zugabe von der berühmt-berüchtigten Berliner Schnauze.

Wir sind am Nachmittag mit ausländischen Freunden in der Stadt unterwegs gewesen. Natürlich wollte unser Besuch zum Brandenburger Tor und die Dominosteine anschauen. Der 200er Doppeldeckerbus der BVG war völlig überfüllt (wie alle anderen auch), hielt nur an jeder zweiten Haltestelle. Der Busfahrer, waschechter Berliner, offensichtlich “juut jelaunt”, durch die Lautsprecheranlage: “Die Flitzpiepe an der mittleren Tür macht mal den Türbereich frei. Haste Schuhjrösse 48? Oder soll´n wa bis zum Mauerfall hier stehenbleiben???”

Gedrängel, Geschiebe im Bus, keiner weiß genau, was gemeint ist, aber man bewegt sich. Vor und zurück. Ist ja zu voll, um sich irgendwohin zu schieben.

“Ick seh allet” tönt der Fahrer nach ein paar hundert Metern Fahrt erneut durch die Lautsprecheranlage. “Die junge Frau da im Oberdeck soll mal hübsch ihre Hüften nach unten schwingen, oben sind nur Sitzplätze erlaubt! Aba dalli! Ick fahr sonst nich’ weiter!”. Wir warten gefühlte Ewigkeiten im stickigen Bus, bis jemand der Frau erklärt hat, worum es geht und sie die Treppe herunterkommt.

An der Haltestelle Lustgarten entschließt sich der Fahrer zu folgender Durchsage: “Ausnahmezustand, Leute, Ausnahmezustand! Ihr dürft heute mal bei mir hinten und in der Mitte einsteigen!” Ungefähr 80% der Fahrgäste im Bus schaut sich fragend ob der sehr lautstarken Durchsage an, ich schätze mal, außer ein paar älteren Berlinern und uns sind ausschließlich ausländische Touristen aus der ganzen Welt im Bus. Gerade will ich einer spanischen, offensichtlich besorgten Touristin übersetzen, was der Buschauffeur sagte, als dieser erneut seine Stimme schwang: “Aba nich das mir eener nach vorne drängelt und dann fragt was denn ein Fahrschein kostet, verstanden? Ein bißchen Luft brauch’ ick noch hier vorne!”

“Ausnahmezustand in Berlin” brüllt er dann nochmals mit belustigter Stimme, um dann endlich mal Gas zu geben und Strecke zu machen.

Ist Berlin nicht immer irgendwo oder irgendwie im Ausnahmezustand?

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18.10.2009

Kalaschnikow

Jürgen in am 18. Oktober 2009, 12:35   16 Kommentare »

Wie bekannt, ist der HSB nicht kommerziell und die Autoren schreiben in ihrer Freizeit. Aus der Sicht des Autors gibt es drei Möglichkeiten über einen Gegenstand zu schreiben: Erstens: Als sachliche Information. Zweitens: Mit der eigenen Sichtweise verbunden. Manchmal stößt man aber auch – drittens – auf Themen, bei denen man selbst zunächst etwas ratlos ist. Dies hier ist so ein Fall: In einem Berliner Backshop sah ich ein Werbeplakat für Kalaschnikow-Energy-Drink. Da gibt es auch eine Internetseite, der man einige Informationen über dieses Getränk entnehmen kann. Aber wie ist man auf diesen Namen gekommen?

Der Name Kalaschnikow ist mir zunächst bekannt für eine Waffe, nämlich die 1947 in der Sowjetunion von eben jenem Kalaschnikow entwickelte Maschinenpistole. Die gibt es immer noch und sie ist weltweit im Einsatz. Ich hab sie selbst schon in der Hand gehabt und während meines Grundwehrdienstes damit geschossen.

Was denkt sich also eine Firma, wenn sie einem ihrer Produkte diesen Namen gibt? Hier ist die Antwort: Herr Marcel Dietz, Marketing-Director der Firma ITEX AG/KALASCHNIKOW ENERGY aus der Schweiz schrieb mir dazu:
“Ich nehme Bezug auf ihre Email und beantworte Ihnen kurz was wir mit dem Namen KALASCHNIKOW ausdrücken wollen.
1. Es ist kein Fantasiename, insofern muß er von unserer Zielgruppe im Vorfeld nicht gelernt werden
2. Er ist “powefull” und das ist ein wichtiger Bestandteil im Rahmen einer Energydrink-Markenkommunikation
3. Er ist russisch, und was ist das Lieblingsmixgetränk für lange Abende? Also eine perfekte Harmonie im Glas!
Insgesamt ist KALASCHNIKOW-ENERGY also der “Russische Power-Schuss!”

Ich habe das Getränk bisher nicht probiert, wünsche der Firma dennoch alles Gute mit ihrem Produkt.

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15.10.2009

Geld oder Liebe

Jürgen in am 15. Oktober 2009, 18:22   17 Kommentare »

Bisher war ich zu keiner Veranstaltung in der O2-Halle. Am 19. Oktober spielen nun aber Fleetwood Mac. Und da kann man ja mal schwach werden. Also flugs in einer Ticket-Verkaufsstelle angerufen, wie teuer die Karten wohl sind: “93,50 €” meint der Verkäufer. Donnerlittchen, das ist nicht billig! – denkt der potentielle Käufer. (In andere, bereits in die Weltgeschichte entschwundene Währungen will ich das gar nicht erst umrechnen, um mir Übelkeit zu ersparen.) “Also wenn Sie vernünftig sehen wollen, dann zu diesem Preis. Es gibt natürlich auch günstigere Karten, aber da sehen Sie nichts, Sie kennen doch die O2-Halle”. Schweigen meinerseits. Wie teuer denn die günstigeren wären? “Na, so um die 70 €, aber” – so der Telefonverkäufer – “wenn Sie die kaufen, dann lieber gleich zu Hause bleiben, DVD und Flasche Schnaps kaufen und ab aufs Sofa”.

Ist der Mann ehrlich oder will er erst die teuren Karten an den Mann bringen? Wofür entscheide ich mich, Geld oder Liebe?

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07.10.2009

Einer geht noch

Jürgen in am 7. Oktober 2009, 17:49   1 Kommentar »

Dieser Tag soll nicht verstreichen, ohne an den 60. Jahrestag der DDR zu erinnern, den man theoretisch heute hätte begehen können, wenn die Geschichte anders verlaufen wäre. Ich möchte hier und heute keine ernsthafte Diskussion zu diesem Thema entfachen, sondern nur mal auf eine wenig beachtete Tatsache hinweisen. In der DDR gab es eine hoch entwickelte Kultur des politischen Witzes in all seinen Schattierungen. Die Qualität dieser Witze speiste sich natürlich aus der Realität. So war es ja, insbesondere zu politischen Anlässen wie dem 1. Mai, üblich, alle möglichen Gebäude mit Transparenten und Losungen zu schmücken.
In diesem Zusammenhang wurde dann – einer der für mich schönsten politischen Witze, weil sich hier die politische Komponente mit dem schwarzen Humor traf – erzählt, daß an einer Friedhofsmauer für die ab und zu vorbeigehenden Dorfbewohner zwecks Teilnahme am Umzug die Losung angebracht war: Alles heraus zum 1. Mai!

Heute haben wir statt der Witze das politische Kabarett, was teilweise hohe Qualität hat, aber teilweise auch von der Realität und den Akteuren in Politik und Wirtschaft glatt in den Schatten gestellt wird.

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23.09.2009

Bin heute 'n bisschen spät dran...

Steffka in am 23. September 2009, 17:32   Kommentar schreiben »

sagt der etwa 40 Jährige mit einer Pflanze in einer Plastetüte in der Hand zu dem vor Kaisers stehenden Straßenfeger-Verkäufer ziemlich um genau 10.30 Uhr. “Och, ditt jeeht doch noch”, grüßt dieser zurück. In meiner Branche hätte er recht. Ich frage mich, was ein “zu spät” für ihn bedeutet.

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21.09.2009

Ein Wort für Berlin geht in die zweite Runde

Susanne in am 21. September 2009, 20:06   2 Kommentare »

Vor zirka zwei Monaten hat unser Leser Matthias Pleye seine Suche nach dem Wort für Berlin gestartet. Wir hatten natürlich gleich darüber berichtet. Nun teilt Matthias mit, dass inzwischen zur Abstimmung geschritten werden kann.

Ob es noch eine dritte Runde gibt? Nein, im Dezember wird dann wohl das Siegerwort verkündet.

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20.09.2009

Die Rose vom Wörthersee

Jürgen in am 20. September 2009, 12:52   16 Kommentare »

Ich wußte es. Irgendwann schlägt das Imperium zurück. Wer an diesem Wochenende durch Berlin streift, kann es entdecken und hören. Furchtbar läßt der bayrische Löwe sein Gebrüll in der Hauptstadt erschallen: Die Ableger des Oktoberfestes haben Berlin erreicht. Das ist aber erst der Anfang. So konnte man z.B. vorgestern im Restaurant Maximilians in der Friedrichstraße 185-190 bei Verzehr von Schweinshax’n und Obazda auch ein Volksmusik-Trio hören, welches das anwesende Publikum in der knüppeldick vollen Lokation, darunter ein großer Tisch Japaner, offensichtlich erfreute. Was bei den Japanern, die ja bereits bei Einreise nach Deutschland mit dem Neuschwanstein-Virus infiziert sind, nicht verwundert, aber es waren auch genügend Einheimische anwesend. Also nichts gegen das Essen und das Bier, aber diese Musik und die Lederhosen?!

Jedes Jahr im Herbst erreicht uns – neben ganzjähriger Präsenz von bayrischer Küche und Kultur in Berlin – aufgrund einer vor hunderten von Jahren entstandenen scheinbaren Lücke im Berliner Kultur- und Lebensmittelsortiment, das besondere bayrische Angebot, Oktoberfest genannt. Das wird dann hier auch meist zünftig eröffnet, manchmal auch durch den Regierenden Bürgermeister selbst. Man weiß es nicht, aber vielleicht mag er das ja auch wirklich lieber, als Schulen in Neukölln zu besuchen.

Diese volkstümliche Musik hinterläßt, wenn ich mal unfreiwillig mit ihr konfrontiert werde, bei mir weiter keinen Schaden, außer daß sich die Nackenhaare sträuben und sich die Schnürsenkel der Schuhe von allein öffnen. Ich will aber jetzt nicht weiter lästern, denn ich habe in meiner Familie auch einen Bayern. Kann ja sein, der liest das hier und verschafft mir zum Beispiel eine Mitgliedschaft im 1876 gegründeten Verein der Bayern in Berlin, oder er nimmt mich mit auf so ein Dudelkonzert, um z. B. die bezaubernde “Rose vom Wörthersee” kennenzulernen. Das letztere wäre dann allerdings die Höchststrafe.

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17.09.2009

Sorbst oder Hemmer

Jürgen in am 17. September 2009, 17:10   1 Kommentar »

Der Herbst ist da, denn morgens ist es kühl.
Tags scheint die Sonne, also ist noch Sommer.
(Und deshalb hab ich so ein Mischgefühl)
Das Wetter ist tatsächlich ein Dilemma.
Wie heißt die Jahreszeit? Sorbst oder Hemmer!

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29.08.2009

Tagesschwankungen eines Berliners

Jürgen in am 29. August 2009, 12:30   Kommentar schreiben »

Nun ist es wirklich lange heiß gewesen.
Heut früh ist es mal kalt. Da freut man sich.
Doch abends kann ich schon die Frage lesen:
Bleibt jetzt der kühle Wind? Wie fürchterlich!

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15.08.2009

Verkaufsgespräch Berlinerin:Touristen 1:0

Michael in am 15. August 2009, 14:19   3 Kommentare »

An einem Fahrkartenschalter einer Reederei, heute morgen um 9 Uhr, eine Gastronomie (geöffnet) ist gleich nebenan.

Touristen stehen vor dem Schalter, kaufen ihre Tickets für die Spreefahrten.

Ein Paar in den späten 50ern ist dran, wendet sich mit seinem Wunsch an die junge Berlinerin hinter dem Schalter.

“Frollein, haben Sie wat zu essen?” fragt der Tourist, offensichtlich Rheinländer, seine Frau fügt hinzu “Ja, wat leckeres!”.

Die Ticketverkäuferin: “Seh’ ICK so aus?”

“Ja wie sollense den aussehn, junge Frau?” antwortet der Tourist etwas überrascht.

“Juut natürlich! Aber nich verhungert.”

“Hab’n Se denn wat zu essen oder nit?” fragt der Rheinländer.

“Icke? N´halbet Pfund Butta, Brot, Käse von Bolle, eene Bulette, selbsjebraten. Reicht dit?”

“Nur noch eine Frikadelle?” der Rheinländer blickt seine Frau an, die nickt. “Isch nehm dann die eine Frikadelle mit Brötschen un Senf dazu”.

“Na, die Bulette und dit andere hab ick zu Hause, Schrippen koof ick imma frisch, dit schlepp ick doch nich mit auf Arbeit, hab hier schon jenug zu stehen” antwortet die Verkäuferin mit etwas angenervter Stimme und erhöhter Laufstärke.

“Und was verkaufen Sie denn hier?”

“Könn’se lesen? Wat steht’n da: S-C-H-I-F-F-S-T-O-U-R-E-N” buchstabiert sie laut und deutlich, “und ob ick was zu essen brauch, jeht sie gar nüscht an!”

Das Touristenpaar schaut sich betroffen an, die wartenden Leute dahinter werden unruhig.

“Welche Tour denn nun, ick steh hier nich n’janzen Tag rum für zwee Karten mit Seniorenrabatt” wirft die Verkäuferin noch ein.

“Also Tour 2 dann 2x, wir sind noch keine Rentner”.

“Jeht doch. Un Schrippen jibbt´s da ooch auf´m Schiff. Macht 28€, die Extraberatung einjeschlossen, und nu macht hinne”.

Iss dit Balin? Ja, dit iss Balin.

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11.08.2009

Sorex araneus

Jürgen in am 11. August 2009, 21:45   8 Kommentare »

Auf dem Waldweg im Brandenburgischen lag sie, die vielleicht vier Zentimeter lange Waldspitzmaus-lateinisch Sorex araneus. Um den riesigen, toten Beutekörper krabbelten viele Rote Waldameisen (Formica rufa) und versuchten erfolglos, kleinste Teilchen aus dem Fell abzubeißen. Die Ameisen rutschten immer wieder auf dem glatten Fell ab und fielen auf den Waldboden. Erst durch das halbgeöffnete Maul der Maus und deren After gelang es ihnen in das tote Tier einzudringen und den im Tierreich üblichen und sogar notwendigen Verwertungsprozess einzuleiten.

Dennoch erinnerte mich der Vorgang an bestimmte Medien, die manchmal ähnlich mit ihrer journalistischen Beute umgehen. Nur handelt es sich im letztgenannten Fall um Menschen, zumeist um noch Lebende!

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06.08.2009

Blaubeersommerfabel"*"

Jürgen in am 6. August 2009, 17:46   5 Kommentare »

Was lernt der Mensch bei`m Blaubeerpflücken?
Zunächst einmal muß er sich bücken!
Muß wenigstens zwei Stunden suchen
für einen guten Blaubeerkuchen.

Ganz oben sind die kleinen, hellen,
die sollen uns den Weg verstellen
hin zu den dunklen, großen, schönen
Blaubeeren, die uns dann versöhnen.

Erkenntnis Nummer zwei kommt später:
Die Beere ist nur ein Vertreter.
Ein Gleichnis für das Menschenleben
hat uns hier die Natur gegeben.

Bemerkt werden die lauten Leute!
Das Grelle ist vornan – bis heute.
Versteckte Klasse kann beglücken
nur selten – wie beim Blaubeerpflücken.

“*” Für alle, die sich bemühen, bei denen es im Moment aber nicht so läuft, die Stress mit ihrem Chef haben, von ihren Kollegen gemobbt werden oder die bei einem Vorstellungsgespräch sich nicht “optimal” präsentieren konnten.

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