26.08.2010

Na siehste ...

Jürgen in am 26. August 2010, 19:39   5 Kommentare »

“Wenn es darum geht, eine Partnerin zu gewinnen, nützt alle Größe und Körperkraft nichts […] Beliebt sind weder aggressive Draufgänger noch anhängliche Kletten […] Die erfolgreichsten […] sind vielmehr freundliche Männchen, die sich immer wieder mit kleinen Gunstbeweisen um eine langfristige, gute Beziehung zum anderen Geschlecht bemühen […]”

Aus der Berliner Zeitung vom 25.8.10 und einem Artikel der geschätzten Kerstin Viering über (u.a.) das Liebesleben der Hyänen. (Basis sind langjährige Forschungen des in Berlin-Friedrichsfelde ansässigen Instituts für Zoo- und Wildtierforschung.)

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24.08.2010

Beim Tabakwaren-Händler

Bernd in am 24. August 2010, 07:09   6 Kommentare »

„Guten Tag! Eine Packung XYZ-Blättchen bitte!“
„Da habe ich leider nur noch die kleine Packung.“
„Ist in Ordnung. Nehme ich. Was macht das bitte?“
„50 Cent.“
„Das ist ja noch richtig preiswert.“
„Soll ick’s teurer machen?“

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27.07.2010

Akropolis adieu

Jürgen in am 27. Juli 2010, 20:32   Kommentar schreiben »

Die Berliner Verkehrsbetriebe sorgen sich zweifellos um ihre Mitarbeiter. Im Zuge der Schaffung guter Arbeits- und Pausenbedingungen für das Personal wurde am Endpunkt der Tram-Linie M10, die momentan noch am Nordbahnhof beginnt bzw. endet, ein Toilettenhäuschen errichtet. Das besondere an diesem Häuschen besteht darin, daß die kleine Blechkabine mit dem Bild eines römischen oder griechischen Säulentempels lackiert wurde, möglicherweise soll es sogar die Akropolis darstellen. Vielleicht entspringt diese Idee einem kulturpolitischen Konzept der BVG mit dem Ziel der Aufmunterung heraneilender Fahrgäste, also der Kunden, sowie des eigenen Personals: Strebt der Fahrer dem Häuschen zu, muss er unwillkürlich an seinen letzten oder bevorstehenden Mittelmeer-Urlaub denken, was die Arbeitsfreude erhöht und die Rückkehr auf den Fahrersitz der Straßenbahn erleichtert.

Nur lange verweilen kann er auf diesem Örtchen nicht. Ein Straßenbahnfahrer vertraute mir an, man könne es jetzt drinnen vor Hitze und Stickigkeit kaum aushalten. Nun, man müßte also das oben erwähnte Konzept noch etwas überarbeiten.

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21.07.2010

Geben und nehmen

Jürgen in am 21. Juli 2010, 17:17   6 Kommentare »

Die Berliner Polizei mit ihren neuen, schmucken, blauen Uniformen ist pfiffig, hat den Blick für die richtige Situation und stellt das immer mal wieder unter Beweis. Heut früh wurden in der Torstraße in Mitte Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt. Alles was sich aus Richtung Rosenthaler Platz in westlicher Richtung bewegte, wurde entsprechenden Messungen unterzogen. Verkehrssünder wurden rechts in die kleine Novalisstraße hineingewunken. Da diese Straße von in zweiter Reihe parkenden PKW’s und Lieferfahrzeugen um diese Zeit sehr gut belegt ist, sorgte der durch die Polizei organisierte zusätzliche Fahr- und Haltebetrieb für ein Verkehrsdurcheinander. Schließlich war eine Spur der Novalisstraße durch die Polizei blockiert, die andere mussten sich ein- u n d ausfahrende Fahrzeuge teilen. Offensichtlich fiel der Polizei selbst die ungünstige Standortwahl auf, denn die Kontrolle war kurz danach schon wieder beendet.

Das man nicht nur geben, sondern auch mal nehmen kann, beweisen fünf Berliner mit der Idee, die einheimische Natur abzuernten. Wer Kirschen, Äpfel, Brombeeren, Haselnüsse u.a. Früchte in Parks und anderswo sammeln möchte, kann sich bei Freies Obst für freie Bürger informieren.

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20.07.2010

Zur Lage der Nation

Claudia in am 20. Juli 2010, 07:42   6 Kommentare »

Der Mann schlendert mit Anzug und Aktenkoffer über den S-Bahnhof Westkreuz und verkündet gelassen laut:

„Kauft Euch Kämme!
Es kommen lausige Zeiten auf uns zu!“

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15.07.2010

Asphalt-Poesie

Claudia in am 15. Juli 2010, 10:18   Kommentar schreiben »

Den Abend das Rad durch die Stadt geschoben, Berliner Sommerabend genießen. Karl-Marx-Straße auf der Höhe Fuldastraße biegt das Mädel, auch ihr Rad in der abendlichen Resthitze nicht anstrengend, um die Ecke und erklärt ihrem Gesprächspartner:

„Nein, Neukölln hat schon sehr schöne Ecken.
Aber nicht überall.“

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12.07.2010

Fundstücke - Aus der Traum

Harald in am 12. Juli 2010, 10:00   Kommentar schreiben »

Gefunden in der Blogroll des HSBSchnipselfriedhof – Klasse und durchaus passend für manche HSB Diskussionen und zum Ende der WM 2010.

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10.06.2010

Man joggt

Jürgen in am 10. Juni 2010, 12:46   11 Kommentare »

Die Wasserflasche ist sehr groß,
mit der Frau hier im Park erscheint.
Nun trabt sie leicht und lässig los,
(Sonne verbessert auch den Teint).

D e r dort ist selbst beim Lauf mobil:
Sein Handy schreit, da bleibt er steh’n.
Drei Runden absolviert – nicht viel.
Doch braucht ihn wer, drum muß Mann geh’n.

Ipod schlägt Puls, Gedanken ruh’n,
Kopf hört Musik, Körper schwebt fort.
Modern! Gleichzeitig alles tun.
Schau her, mein Freund, ich treib auch Sport.

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08.06.2010

Er geht

Jürgen in am 8. Juni 2010, 20:51   17 Kommentare »

Oberstleutnant Sanftleben tritt zurück. Zumindest im Medium Fernsehen wird er noch seltener als bisher zu sehen sein. Mit ihm verläßt auch der Rentner Dombrowski das helle Studiolicht. Fortan wird ihn die Einschaltquote nicht mehr tangieren.

Aber Georg Schramm, der hinter all diesen Figuren steckt, wird dem Zuschauer fehlen. Sein Kabarettistentum ist von seltener Schärfe und Qualität. Dombrowski, die Figur mit dem Gesicht und dem Image eines ewig unzufriedenen, weil erfolglosen, Versicherungsvertreters und Sanftleben, der forsche Militär, der das Wort Kollateralschaden mit bellendem Lachen bedenkenlos an jedem Sonntagnachmittagskaffeetisch fallenlassen würde – beide schleudern sie dem deutschen Zuschauer, also uns, insbesondere aber einer besonders fehlentwickelten Spezies, dem Politiker, ihre Wahrheiten ins Gesicht und an die Nieren.

Georg Schramm ist für mich der beste politische Kabarettist Deutschlands. Hier einer seiner legendären Auftritte, wenn auch schon einige Jahre her.

Heute abend tritt Georg Schramm zum letzten Mal in “Neues aus der Anstalt” (ZDF, 22.15) als Patientensprecher Dombrowski auf. Fortan wird er wieder mehr mit seinen Soloprogrammen auf der Bühne stehen.

Georg Schramm, seinen Figuren und hier stellvertretend dem Oberstleutnant Sanftleben kann ich nur zurufen: Danke. Wegtreten und weitermachen!

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04.06.2010

Eierköppe, lahme Enten und Fußballhelden

Jürgen in am 4. Juni 2010, 06:59   8 Kommentare »

Meine aktive fußballerische Laufbahn ist sehr übersichtlich. Als Junge spielte ich mal für ein knappes Jahr bei Dynamo Prenzlau als Verteidiger, wurde aber schnell aussortiert, weil meine Fähigkeit und Bereitschaft, das Bein stehen zu lassen, wenn ein fremdes auf mich zukam, wenig ausgeprägt war. So mutierte ich zunächst zum Zuschauer, was einerseits die Lungen kräftigt, andererseits den Wortschatz in gewisser Weise erweitert. Als ich dann als Student dem Ball mal wieder nachjagde, stürzte ich auf einem Schotterplatz, was dazu führte, dass ich fortan nicht nur zwei Augen hatte, sondern noch zwei zusätzliche im Knie.

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21.05.2010

Being Tourist

Harald in am 21. Mai 2010, 14:14   9 Kommentare »

Beliebte Sportart in Berlin, kann an vielen Orten ausgeübt werden. Braucht weder spezielle Ausbildung noch gute Kondition - Foto: h|b

Als wir vor ein paar Tagen auf Sightseeing in Kopenhagen waren, kam ich mir endlich auch mal vor wie die Spezies Mensch hier in Berlin, die grundsätzlich spontan an Rolltreppenaufgängen anhält, den Falck Falk studiert, um sich erst mal zu orientieren, auch gerne als Menschenpulk. Dasselbe Verhalten dann beim Aussteigen aus der S-Bahn, raus auf den Bahnsteig, rumms, stehenbleiben. Aber in einer mir fremden Stadt ist es halt so. Also freuen wir uns auf die scheinbar ungebrochene Attraktivität von Berlin und wenn wir mal genervt sind, dann verfahren wir höchstens so, wie es uns das Graffito zeigt.

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27.04.2010

Herzenssache

Harald in am 27. April 2010, 19:19   3 Kommentare »

Abreißen, ausfüllen und bei sich tragen. Organspende leicht gemacht - Foto: h|b

Dein ist mein ganzes Herz, ich hüte dich wie meinen Augapfel, ich leihe dir mein Ohr, ich würde den rechten Arm dafür geben …. Was wenn es tatsächlich so weit käme? Einmal bei rot zum falschen Zeitpunkt über die Ampel gegangen, und alle Teile sind auf einmal nutzlos. Was passiert dann? Unter die Erde zum Vermodern? Dem Feuergott preisgegeben? Welch Verschwendung.

Warum nur Flaschenrecycling und nicht was ungleich Wertvolleres, was noch dazu anderen Menschen helfen würde. Wieder zu sehen. Wieder Luft zu bekommen. Wieder an morgen zu glauben. Wer sich traut, kann sich am Potsdamer Platz im vorbeigehen den kleinen Ausweis mitnehmen, Datum und Unterschrift drauf und schon kann im Fall der Fälle, den niemand herbeiwünscht, anderen geholfen werden. Es ist nur ein kleiner Schritt und er kostet nicht mal was. Außer ein wenig Mut, aber eigentlich nicht mal den.

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20.04.2010

Die ertragreiche Luftnummer

Jürgen in am 20. April 2010, 16:16   35 Kommentare »

Liebe Mitbürger und baldige Leidensgenossen in Prenzlauer Berg,

Euch steht im Herbst eine Veränderung bevor, gegen die der jetzige isländische Vulkanausbruch mit seinen Asche-Gesandten, der Osterbesuch Eurer Verwandtschaft aus Schwetzingen, Rheda-Wiedenbrück oder Brandenburg bzw. der überaus lebhafte, kürzliche Kindergeburtstag zu vernachlässigende Marginalien sind, denn: Prenzlauer Berg wird Parkzone!

Eure, wie überall in Berlin, kluge Bezirksverwaltung will ab Oktober die Parkraumbewirtschaftung einführen, daß heißt auf Prenzlauer Berg ausdehnen, was bedeutet, dass Ihr und Euer auswärtiger Besuch eine Jahresvignette bzw. einen Parkschein kaufen müßt, um im Wohngebiet parken zu können. In Vorbereitung dieses Vorhabens werden Euch wissende Mitarbeiter aus dem Bezirksamt bzw. beauftragte Gutachter den Sinn und die großen Vorteile dieser Aktion erläutern. Dazu wird es sicher Einwohnerversammlungen geben, auf denen viele erregte Worte von Mensch zu Mensch fliegen werden. Nur eines wird sich mit der Einführung dieser Parkraumbewirtschaftung nicht entscheidend ändern: Ihr werdet fast genau so lange nach einem Parkplatz suchen, wie bisher. Aber Ihr habt dann dafür bezahlt.

Den Berliner Bezirksverwaltungen ist mit der Idee der Parkraumbewirtschaftung die Quadratur des Kreises bzw. die Züchtung der eierlegenden Wollmilchsau gelungen. Man kassiert für die Jahresvignette, beschäftigt Mitarbeiter (also sich selbst) mit deren Abarbeitung und wird dann nach Inkrafttreten regelmäßig Politessen durch’s Wohngebiet schicken, die bei Nichtvignettenbesitzern abkassieren. Eine wundervolle Idee.

Liebe Prenzelberger, wenn es Euch mit Hilfe der vor Ort wohnenden Anwälte oder einiger Prominenter n i c h t gelingen sollte, dieses Unheil abzuwenden, bleibt, wenn Ihr so nicht weiterleben wollt, nur ein Weg: Emigriert vor die Tore der Stadt. So wie sich manchmal ein Bienenvolk teilt, so könnte auch ein Teil der Einwohner gen Norden ziehen und die alten Rieselfelder bebauen. Das wäre eine Pionierleistung ersten Ranges! Dort könnt Ihr viele Energiesparhäuser und Parks mit Kinderspielplätzen errichten lassen. Ihr habt dann zwar keinen Kollwitzplatz mehr, aber dafür einen “Platz der Emigranten”. Entscheidend ist: Ihr habt dort auch keine Parkraumbewirtschaftung, jedenfalls nicht so bald…

Euer mitfühlender, weil in einer solchen Parkraumbewirtschaftung lebender, Autor aus der Rosenthaler Vorstadt in Mitte. Kopf hoch!

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16.04.2010

Unjeheuerlich

Jürgen in am 16. April 2010, 06:36   Kommentare

Stell er sich vor: Da hat doch so ein Kerl an der Ecke Glinka/Mohrenstraße das Namensschild der letztgenannten in Möhrenstraße verwandelt. Seine Majestät, Friedrich-Wilhelm, hat doch extra wegen seiner Musiker Straße so benennen lassen. Jlatte Subordination. Missachtung eines königlichen Befehls. Majestätsbeleidijung!
Kerle von heute ohne Jewissen und Anstand. Schlimmste ist, das auch noch preußische Jeneralität am Zietenplatz Anblick ertragen muss.

Potztausend, schäm er sich, der Schmierfink!

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14.04.2010

So kann es bleiben

Jürgen in am 14. April 2010, 17:18   20 Kommentare »

Berlin, du Stadt der Parks. Grüne Lungen für uns und gegen Gase, Staub und Dreck. Unbezahlbare Oasen für Familien, Kinder, Liebespaare, Alte, die sich nach dem langen Winter endlich wieder mal raus trauen. Liegewiesen für jung und alt: Hippies, Penner, Banker, Arbeitslose und Burnout-Kandidaten. Verkäuferinnen, Träumer, Muskelpakete, Schläfer, Leser, Artisten, Franzosen, Dänen, Türken, Araber, Berliner, manch einen, der sowieso wieder geht, Finnen, Polen und Leute aus Spandau. Pikierte Muttis aus dem Sauerland, besorgte Väter aus Hamburg (beide besuchsweise), Lesben, Schwule, Heteros, Weltverbesserer, Ignoranten und Kaputte, Laptopnutzer, Vortragsgurus, Badminton-Spieler und Keule aus Weißensee. Party- und Grillflächen für bevorstehende, wohlschmeckende Mahlzeiten im Grünen, die doch auch unsere Natursehnsüchte nähren und an frühe Jagdrituale erinnern: Bratwürste, Hähnchenkeulen, Entenbrüste, Hammelkoteletts, Rot- und Weißwein, Bier, Schorle, Bowle und Weisse mit Schuss, Kekse und Schokolade werden gemeinsam zubereitet und verzehrt.

Die Parks dieser Stadt, groß und klein, bekannt oder abseits der großen Menschenströme. Hier nur stellvertretend der Friedrichshain mit seinen beiden Bunkerbergen. Wie sang die unvergessene Tamara Danz über den Mont Klamott:

dort hängen wir zum weekend, die lungen in den wind, bis ihre schlappen flügel richtig durchgelüftet sind

Oben, auf dem kleinen Bunkerberg befindet sich ein Grillplatz, jetzt grün und sauber. So soll es bleiben, auch in allen anderen Parks dieser Stadt:

Berliner, werft Euren Dreck in die Abfallbehälter! Und wenn die überfüllt sind, dann nehmt die Essenreste und was Ihr sonst noch gern dort gelassen hättet, mit nach Hause. Lasst die Parks – wenn Ihr dort gesessen und gefeiert habt – ausruhen. Sie gehören zu unserer Stadt, wie Ihr. Sie sind unsere Refugien, unser Naturerlebnis und unsere Sauerstoffdusche. Im Frühling erliegen wir, gemeinsam mit anderen Lebewesen, jedesmal wieder ihrer frischen Versuchung. Und im Sommer, wenn wir nach später, warmer Nacht heimwärts ziehen, denken wir an die schönen Stunden im Grünen.

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03.04.2010

Österliche Ruhe

Jürgen in am 3. April 2010, 13:31   19 Kommentare »

Der gestrige Karfreitag zeichnete sich u.a. dadurch aus, daß die allermeisten Geschäfte an diesem Tag geschlossen hatten. Das traf jedoch auf den Edeka-Markt im Bahnhof Friedrichstraße nicht zu. Die mit blauen Shirts bekleideten Mitarbeiter dort (Werbespruch der Kette: “Wir lieben Lebensmittel” – Ich stell mir hier nur nebenbei die Frage, ob irgendjemand aus dieser Branche Lebensmittel hasst?) hatten alle Hände voll zu tun.

Dieser Markt ist keineswegs nur eine Möglichkeit für Reisende ihren Bedarf abzudecken oder für Berliner, die im Dreh wohnen, das eine oder andere vergessene fürs Wochenende noch zu besorgen. Auch für Flaschensammler jeder Couleur ist der Bahnhof ein Anziehungspunkt. Polnische Punker sorgten gestern mit Riesenbeuteln voller Flaschen für längere Wartezeit am Leergutrücknahmeautomaten, denn dieser war defekt. Während sich ein Edeka-Mann um die Instandsetzung bemühte, nahm ein anderer, sichtlich mißgelaunter, Kollege die Flaschen manuell an, was in dem ohnehin völlig überfüllten Markt zu weiteren Staus führte. Das neben dem Automaten hängende Schild mit der Aufschrift: “Nur Abnahme haushaltsüblicher Mengen” hat offensichtlich keine praktische Bedeutung.

Neben den Kassen, die alle besetzt waren und wo zügig, jedoch mit aufmerksamer Gelassenheit, daran gearbeitet wurde, die Menschenschlangen zu verkürzen, sind die Spirituosen in einer gesonderten Abteilung hinter Glas aufgebaut. Man kann diese Abteilung nur mit Hilfe eines Edeka-Mitarbeiters betreten, der jedesmal aufschließen muss. In der halben Stunde, die ich dort war, wollte keiner Schnaps kaufen, obwohl sich einige die Nase an der Glaswand platt drückten. Vielleicht ist den Kunden diese Variante einfach zu umständlich. “Es wird nicht mehr so viel geklaut”, meinte jedenfalls die Kassiererin.

Hat man diesen Markt schließlich verlassen, sucht man sie dann doch wieder, die österliche Ruhe.

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24.03.2010

Mutanten!

Jürgen in am 24. März 2010, 17:18   24 Kommentare »

Der lange Winter hat in der Berliner Tierwelt zu unterschiedlichen Konsequenzen geführt. Während ein Teil der Fische in kleineren Gewässern den Sauerstoffmangel mit ihrem Leben bezahlen musste, wird sich wohl ein anderer Teil, nämlich der überlebende, zu wahren Sauerstoffsparexperten entwickeln. Meine unlängst hier vorgestellte Karausche, nach der sonst kein Hahn kräht, gehört übrigens auch in diese Kategorie. Sie kann sich in den Schlamm einbuddeln und somit die O2-arme Zeit überstehen. Ein echter Krisengewinnler!

Auch unter den Landtieren, sprich Säugetieren, gibt es geheimnisvolle Entwicklungen. Die Maulwürfe z.B., aus dem Berliner Untergrund tatsächlich einige Überraschungen gewöhnt, sind durch die Kombination von Gas- und Fäkaliengeruch mit dem diesen Winter lange gefrorenen Boden in der Weise mutiert, daß sich bei einigen Exemplaren – und sie werden fortan das Rennen machen – die Schnauzen und Grabefüße derart verhärtet haben, daß sie sogar asphaltierte Straßenbeläge durchstoßen können, um ihre bekannten Hügel zu errichten. Ich sah in diesen Tagen in einigen Nebenstraßen der Rosenthaler Vorstadt die reichlich voluminösen Kegel akkurat aufgeschichtet und regelmäßig angeordnet.

Aber die BSR, durch unseren Regierenden Bürgermeister auf die Osterfestziellinie eingeschworen, hat sich blitzschnell auf die neue Situation eingestellt. Kaum ist so ein Haufen enstanden, kommen gleich zwei der orangenen Westen um die Ecke und schippen sie auf ihr Auto.

Wenn Mutationen im Tierreich solche, zuletzt beschriebenen, Folgen haben, dann bräuchten wir mehr davon!

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23.02.2010

Currywurst: der Berliner Heimat-Hunger

Michael in am 23. Februar 2010, 14:28   43 Kommentare »

Ich sitze müde im Zug.

Die Fähre, mit der ich über Nacht aus Norwegen kam, hatte Verspätung. Ausnahmsweise war die Deutsche Bundesbahn pünktlich mit dem Zug nach Berlin: Eile war angesagt, um nicht eine Stunde im zugigen Bahnhof warten zu müssen.

Ich habe Hunger.

Das skandinavische Buffet auf dem Schiff war mit 45€ p.P. (ohne Getränke, Bier 5€ 20cl, Wein 9€ 20cl) doch etwas teuer.

Mein Magen knurrt.

Ich sitze im Großraumwagen an einem Vierertisch. Mein Gegenüber, ein in den Endzwanzigern tätowierter Bursche mit Nasenring, hört mein Magenknurren. “Ick hab’ ooch Hunga!” berlinert er mir entgegen und grinst. Die ersten Berliner Laute seit Wochen.

Die gut gekleidete ältere Dame neben mir, deren tonnenschweren Koffer ich auf die Ablage gehievt habe, nickt, guckt dabei den Burschen so an, als ob sie noch nicht wüsste, ob sie ihn eher auf “solche-Typen-wie-Du sind-doch-alle-Hausbesetzer” oder auf “tolerante-weltoffene-Omi-mit-rebellierendem-Enkel” taxieren sollte.

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16.02.2010

Second Life?

Jürgen in am 16. Februar 2010, 16:40   42 Kommentare »

Ein Bekannter, wohnhaft in einem Dorf, meckert gelegentlich über einen seiner Enkel, weil der ihm zu viel vor dem Computer sitzt. Der spielt nicht Fußball, geht nicht in den Wald, interessiert sich scheinbar für nichts anderes. Bleichgesichtig, wie er ist, die Zeit dabei vergessend, verbringt er den Hauptteil seiner Zeit vor dem PC-Bildschirm.

Der 1981 in Berlin gegründete Chaos Computer Club, mit 34,5 Mio Ergebnissen bei Google übrigens stärker vertreten als jeder Aufruf im Zusammenhang mit z. B. “Deutschland” oder “Frieden”, hat sich den Vereinszweck gesetzt, neue technische Entwicklungen für Bildung/Volksbildung zu unterstützen. Ob sich der Club auch schon mal mit der Frage beschäftigt hat, “wieviel” Computer oder Internet – außerhalb der reinen Informationserfassung – der Mensch überhaupt verträgt?

Mindestens einmal pro Woche erreicht mich eine E-Mail eines Internet-Freundeskreises, neudeutsch verallgemeinernd Social Network, um mir die Frage zu stellen, ob ich nicht Kontakt mit meinem Klassenkameraden Roland aufnehmen will, oder nicht ein Foto einsenden möchte. Mit Roland z. B. will ich keinen Kontakt aufnehmen, weil ich den bereits seit Jahren habe. Das weiß aber mein Netzwerk, bei dem ich mich mal lediglich mit meinem Namen und dem Abitur-Jahr gemeldet hatte, nicht, weil es noch gar nicht so lange existiert.

Von diesen Netzwerken gibt es aber eine Vielzahl und sie haben sich alle das hehre Ziel gesetzt, Plattform für Kontakte von Menschen untereinander zu sein. Ich habe aber den Eindruck, die wollen vor allem eins: Daten. Nicht umsonst bekommt man regelmäßig Post. Und um die endlosen Datenströme zu beherrschen, braucht man wieder Instrumentarien und neue Systeme. Und so soll der Mensch, wenn es nach den Medien- und Internetgiganten geht, möglichst selbst nur noch Medium und Benutzeroberfläche sein, auf das der Browser, das Handy oder der i-pod niemals ruht.

Welche Schwierigkeiten und Störungen diese Netzwerke dem Menschen aber auch bringen können, wird hier mal betrachtet. Eine weitere Untersuchung, die sich mit dem Thema kritisch auseinandersetzt, ist diese. Was wird von diesen Plattformen angestrebt? Eine Digitalisierung der menschlichen Beziehungen? Was soll z. B. dieser Zirkus mit den “virtuellen Freunden”? Greifen diese social networks die in der Gesellschaft vorhandenen Probleme bezüglich der Anbahnung von Partnerbeziehungen oder Bindungsfähigkeit auf oder verstärken sie diese nicht noch zusätzlich? Die genannten Quellen, aber auch Informationen im Alltag deuten darauf hin, daß durch die übermäßige Teilnahme und den Konsum des Internets (als eine Art Sozialersatz), eine seelische und gefühlsmäßige Verflachung und Verarmung menschlicher Beziehungen eintreten kann. Was ist eine Internetgemeinde, wo jeder über jeden etwas – ausgewähltes – lesen kann, überhaupt wert? Soll die dokumentierte Oberflächlichkeit eines Netzwerkes, die Ansammlung von medialen Lebensläufen, zum Maßstab für das reale Leben werden?

Die neueste Ausgabe des “DAS MAGAZIN” bringt ein Interview mit Sascha Lobo, in dem er sich u.a. über Unterschiede von “medialer Persönlichkeit” und “privater Persönlichkeit” äußert. Möglicherweise ist so ein Blog wie das HSB eine überschaubare Angelegenheit, obwohl man auch nicht immer weiß, inwieweit Meinungen, die geäußert werden, nun tatsächlich “echt” sind oder nicht einem zweiten Leben entstammen?

Jeder kann in so ein Netzwerk eintreten oder auch nicht. Was mich betrifft: Ich habe kein Interesse an “medialen Persönlichkeiten”, sondern ausschließlich an realen Menschen, ihrem Leben und ihren Meinungen.

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10.02.2010

Bei mangelhaft gestreuten Bürgersteigen auf der Straße gehen?

Linda in am 10. Februar 2010, 14:38   52 Kommentare »

In den Abendnachrichten wurde einmal behauptet, dass das in Ausnahmefällen möglich ist. Ich wollte gestern Abend über die Schlossbrücke Richtung Mierendorffplatz gehen, es war so glatt, dass ich ausnahmsweise die Straße begehen wollte. Die Brücke ist einigermaßen beleuchtet und ich habe auch extra mein weißes Schultertuch herausgehängt. Die Autofahrer haben mir sehr verständnisvoll Platz gemacht. Dann hielt ein Polizeiwagen, es ergab sich folgender Dialog:

  • Bitte benutzen Sie den Gehweg, Sie dürfen hier nicht gehen!
  • Es ist zu glatt, ich rutsche dort ständig aus!
  • Spielt keine Rolle, Sie sind verpflichtet, den Gehweg zu benutzen.
  • Wenn ich mich verletze schicke der Charlottenburger Polizei die Krankenhausrechnung!
  • Das können Sie gerne tun – aber aber lt. Straßenverkehrsordnung dürfen Sie hier nicht gehen!
  • In den Nachrichten wurde gesagt, dass es in Ausnahmefällen wie diesen erlaubt ist!
  • Nein. Hier nicht!
  • Das finde ich aber ***** – ich werde das in mein Blog schreiben!
  • Tun Sie das – aber hier …. usw.

Was hiermit geschehen ist.

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06.02.2010

Und das soll eine Großstadt sein?

Jürgen in am 6. Februar 2010, 17:32   38 Kommentare »

Ja, so reden sie manchmal, die Touristen. Heute schimpfte eine Gruppe deutschsprechender, auswärtiger Damen vor dem Friedrichstadtpalast, weil auf dem Bürgersteig nicht gestreut war. Warum auch. Reicht doch, wenn wir eine “be Berlin”-Kampagne haben, wozu dann noch die Bürgersteige rutschfrei machen?! Außerdem sollen Touristen doch froh sein, wenn sie aus ihrem Nest mal rauskommen und Berliner Luft schnuppern können. Hier dürfen sie was erleben und sehen auch mal einen prominenten Politiker oder Künstler vorübergleiten, der allerdings manchmal sauer ist, wenn ihn niemand erkennt. Den Berliner stören diese Leute ja nicht weiter, er guckt geradeaus, aber die Touristen fangen dann gleich an zu tuscheln. War das nicht der und der?

Letzte Woche beobachtete ich im Postamt Ecke Zinnowitzer Straße (Achtung: Der U-Bahnhof heißt seit einiger Zeit Naturkundemuseum) eine vielleicht 30-jährige Frau. Sie saß an einem der Kundenplätze und hatte einen Riesenkasten mit Briefen vor sich, die sie alle manuell und durch Einsatz ihrer Zunge mit Marken beklebte. Sie machte ein hochzufriedenes, eifriges Gesicht bei dieser Tätigkeit und alle naselang entfuhr ihr ein: “Aha” oder “Oh” oder “Mmm” oder sie nuschelte so etwas wie “…aufpassn…” usw. Vielleicht hat die Frau endlich einen neuen Job und das Versenden der Post gehört mit zu ihren Aufgaben.

Oder die neue Suppenküche in der Invalidenstraße: Als ich den Laden betrat, strahlten mich zwei schürzenbehangene Frauen an. Vielleicht war ich ihr erster Kunde an diesem Tag, vielleicht hatten sie auch gerade einen großen Auftrag zur Belieferung einer Firmenfeier mit exotischen Suppen erhalten, wer weiß. Jedenfalls gibt es diesen Laden noch nicht lange und ich wünschte den Frauen viele Kunden, denn von mir allein können sie ja nicht leben.

In Mitte eröffnen und schließen manche Läden so schnell, da kommt man nicht hinterher. Aber in Charlottenburg z.B., da halten die Geschäfte lange durch. Gibt aber auch Ausnahmen, wie z. B. Tilo Stöhr. Dessen Radio-Werbespruch vergangener Jahre hallt mir immer noch im Ohr: “Tilo Stöhr bietet mehr”. War doch was: Kurz, prägnant, knackig.

Manchmal kriegt man aber dann doch wieder das Grübeln. Heute hab ich im Friedrichstadt-Palast wegen Berlinale-Karten nachgefragt: Procedere wie im alten Rom. Karten gibt’s nur an dem Tag, wo der Film läuft. Keine Vorbestellungen!

Da kann ich nur sagen: Siehe Überschrift.

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01.02.2010

Quo vadis Berlin?

Jürgen in am 1. Februar 2010, 18:03   22 Kommentare »

Es ist mal wieder soweit. Der Kapitalismus muss einen Gang zurückschalten.

Während der US-Präsident sich mit Bankern auseinandersetzt, europäische Regierungen sich – genauer gesagt ihre Steuerzahler – bei der Bekämpfung der Wirtschaftskrise bis an die Grenzen der Belastbarkeit und auch auf Kosten kommender Generationen verschulden, trifft sich alljährlich in Davos die Politik- und Wirtschaftselite zum Gespräch über die Lage. Diesmal geht es nicht um Profitmaximierung und gegen “Sozialschmarotzer”, sondern um Regulierung und mehr soziale Verantwortung. Einige Banker klagen sogar, man möge doch jetzt mit der Schelte und den Schuldzuweisungen aufhören. Sie vergessen dabei, daß es wieder einmal das Finanzkapital war, was die Welt an den Rand der wirtschaftlichen Katastrophe brachte. Der Chef eines großen deutschen Konzerns sagte zu dieser Zyklik sinngemäß, daß es bei der nächsten großen Krise vorbei wäre, denn das Geld sei alle!

Die Herbstwahlen 2009 bescherten Deutschland eine schwarz/gelbe Regierung. Die Wähler wollten damit nicht (so nehme ich an!), daß die Kluft zwischen reich und arm in Deutschland weiter wächst bzw. sie haben die Losung, daß sich Arbeit wieder lohnen soll (für wen?) möglicherweise anders verstanden, als sich das jetzt abzuzeichnen beginnt. An dieser Stelle gleich mal ein Vorschlag: Weg mit der gerade eingeführten Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes für Hotels und dafür Wegfall des seit 1.1.2009 geltenden höheren Mehrwertsteuersatzes für Schulessen (Caterer)!

Berlin ist als Großstadt zwar ein Mikrokosmos für sich, zudem sich hier schon immer die Probleme Deutschlands in konzentrierter und komprimierter Form gezeigt haben und auch zukünftig zeigen werden. Aber die Situation in der deutschen Hauptstadt ist dennoch untrennbar und eng mit den oben skizzierten Veränderungen verbunden.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hat der Berliner Zeitung am Wochenende ein Interview gegeben, in dem zwar viel aus Wowereits Biografie zitiert, einiges zum Thema Integration, aber zu wenig konkretes über die anderen großen Probleme Berlins gesagt wird.
Hier, ausgehend von der Mai- Analyse, einige Bemerkungen zur aktuellen Lage. Beginnen wir mit der Arbeitslosenzahl: Obwohl der massive Einsatz von Kurzarbeit und der Abbau von Überstunden gegengesteuert haben liegt sie aktuell im Januar bei 245.000. Das bedeutet eine Quote von 14,5%, damit der vorletzte Platz unter allen Bundesländern und gegenüber 2008 nochmals eine Steigerung von 5% (gegenüber 1991 eine Erhöhung von 36%.)
Kurzarbeit bedeutet jedoch Einkommenseinbußen. Hinzu kommt, daß viele in prekäre Arbeitsverhältnisse gezwungen werden und neben ihrer Arbeit auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Lt. dieser Information braucht jeder fünfte Berliner Geld vom Staat. Berlin liegt – bei all dem kein Wunder – mit 16.800 € pro Einwohner und Jahr auch in der Kaufkraft unter den deutschen Städten und Kreisen im hinteren Bereich und 11 % unter dem Bundesdurchschnitt.
Beschäftigtenzahl: Die Zahl lag 2008 bei 1,638 Mio.
Dabei ist zu beachten, daß die Zahl der Nichtselbständigen stagniert, während die der – bei vielen gleichfalls mit prekären Einkommen – Selbständigen deutlich stieg.
Die Wirtschaftsstruktur Berlins hat sich seit Mai 2009 natürlich nicht gravierend verändert, allerdings ist die Zahl der Firmenneuansiedlungen in 2009 gegenüber 2008 deutlich zurückgegangen.
Schulden: Das Land Berlin hat mit Verabschiedung des neuen Haushaltes 2010/2011 Gesamtschulden von ca. 65 Mrd. €. Dafür sind jährliche Zinszahlungen von ca. 2,5 Mrd. € zu leisten. Berlin wird wohl, ohne Hilfe des Bundes, diese Schulden auf absehbare Zeit nicht abbauen können.
Die Liste der wirtschaftlichen Probleme Berlins – natürlich gäbe es auch einige positive Dinge zu vermelden – ließe sich fortsetzen. Ich weise aber nur noch kurz auf den politischen Aspekt hin. Die SPD erlitt bei den Septemberwahlen 2009 eine verheerende Niederlage in Berlin. Da die Linke aber gleichzeitig zulegen konnte, ist offensichtlich, daß die Berliner der SPD, die sich mit Agenda 2010 und Hartz IV ein bleibendes negatives Denkmal gesetzt hat, dies angekreidet haben.

Aktuell: Die Situation der letzten Wochen und Monate u.a. mit den Problemen S-Bahn, Tempelhof, Spreedreieck, Mitte-Bebauung, Charite-Diskussion, Autobrände, Schauspielschule um nur einige zu nennen, hat bei mir dazu geführt, daß ich diesem Senat und einigen Senatoren nicht mehr zutraue, Berlin wieder auf einen guten Weg zu führen. Lt. dieser, nicht mehr taufrischen, Umfrage geben lediglich noch 20% der Berliner der SPD ihr Vertrauen. Ich gestehe aber auch, daß ich in Berlin z.Zt. keine Partei sehe, die das Ruder herumreißen könnte, am allerwenigsten die CDU. Was könnte der Senat tun? Wieder ein wenig mehr Politik zum Nutzen des Landes und der Bürger machen. So könnte man z.B. alle Verträge, die das Land oder wichtige Landesunternehmen mit Drittpartnern abgeschlossen haben, überprüfen und ggfs. nachverhandeln, um Schaden vom Land abzuwenden. Das betrifft z.B. die Verträge mit:

  • der Bahn bzw. S-Bahn
  • den Wasserbetrieben
  • Investoren (hier Quelle) über Fördermittel in Höhe von 1,3 Mio €
  • Überprüfung der Wirtschaftsförderung und der Werbekampagne “Be Berlin”
  • Unternehmen im sozial geförderten Wohnungsbau
  • Überprüfung von Cross-border-Geschäften der BVG

Was aber aus meiner Sicht das wichtigste ist: Berlin dreht sich – unabhängig, welche Parteien gerade die Macht haben – zwar im Alltag auch immer von allein. Die Stadt ist – und bleibt hoffentlich noch lange – eine politische, kulturelle und ethnisch/religiöse Mischlandschaft. Dennoch und gerade deshalb braucht Berlin mit ihren 3,43 Mio Einwohnern einen Senat und Bezirkschefs, die einen und nicht, wie manchmal zu hören ist, trennen und polarisieren. Dabei ist, neben Visionen, aber auch die Lösung der oben beschriebenen Alltagsprobleme gefragt.

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24.01.2010

Berliner Qualitätswinter

Jürgen in am 24. Januar 2010, 17:20   16 Kommentare »

In Schnee und Eis erstarrt die Stadt,
die Sonne kämpft sich durch das Wolkengrau.
Wohl dem, der eine warme Wohnung hat
und jemand, der ihn – notfalls – wärmt. Genau!

Der Schnee verharscht. Es glitzert jeder Steg.
Die Hagebutten hängen tief gefroren.
Der Mensch geht trotzdem raus – als ein Beleg:
Er gibt den Kampf noch nicht verloren.

Der Steig trägt Split als schwarze Sprenkel-
auf and’ren Wegen rutscht man unentwegt.
Jetzt hilft z.B. das Prinzip vom Henkel:
Hak Dich nur ein, bevor es abwärts geht.

So wie der Yeti staunend träf auf Kinder,
so seh’n Berliner auf den Haufen Schnee.
Für Menschen ist die klare Luft gesünder.
Dem Gartenungeziefer tut die Kälte weh.

Hörst Du am Morgen auch das Quietschen, Nageln?
Das Auto will nicht los nach kalter Nacht.
Du musst ihm diese Absicht wohl verhageln
und startest, kratzt und schiebst, bis es geschafft.

Die U-Bahn fährt, die BVG lässt sich nicht lumpen.
Die S-Bahn…nun darüber will ich schweigen.
Der Mensch kann sich kein and’res Wetter pumpen.
Er hat nur dieses und dem muss er’s zeigen!

Die Sonne strahlt, dann ist die Stimmung spitze.
Frieren auch E-Mails ein? Sind Spams dabei?
Trägt unser aller Internet jetzt eine Mütze?
Ab wann hat so ein Blog denn kältefrei?

Schneemänner en gros – ganz ungelogen,
gebaut im Winter zweitausendundzehn
finden Berliner Archäologen
zweihundert Jahre später – Du wirst seh’n.

Ja, dieser Winter bietet Qualität.
Denk mal an ihn, wenn Du im Sommer schwitzt.
Wir sperr’n den weißen Herrn als Rarität
in’s Märkische Museum, wo er – wartend – sitzt.

Die Amsel singt, man sollte es nicht glauben.
Der Schornstein bläst die Wolken in den Äther.
Der Winter wird uns nicht die Hoffnung rauben.
Der Frühling – südwärts abgereist – kommt später!

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30.12.2009

Zum Ende

Jürgen in am 30. Dezember 2009, 15:43   9 Kommentare »

Nicht nur in meinem engsten Familienkreis, auch in unserem, sich ständig neu erfindenden, Berlin haben sich viele Sachsen “verquerlt”. Daher zum Ende des Jahres, verbunden mit besten Wünschen für alle Leser, ein Kleinod von Lene Voigt, sächsische Heimatdichterin, entnommen aus: Lene Voigt “Nu grade”- Herausgeber Wolfgang U. Schütte, Connewitzer Verlagsbuchhandlung Leipzig 1995.

Beschauliche Bilanz

Neijahr hatt’ch mer mal vorgenomm,
de Daache alle, wiese gomm,
zu gondrolliern druff, obse nich
ne gleene Freide hamm fier mich.

Un wärklich, änne Gleenichgeit
zum Frein gab’s bei mir jederzeit.
In mein Galänder malte ich
drum unter jeden Daach ä Schtrich.

Un wie nu’s Jahr zu Ende war,
da zählt ich deitlich, zählt ich glar
dreihundertfimfunsächzich Freiden.
(Dadsächlich, ich bin zu beneiden.)

(Mir Sachsen, Bd. 2, 1928)

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28.12.2009

U-Bahnhofschütteln

Susanne in am 28. Dezember 2009, 17:30   14 Kommentare »

z. B. Möhringdamm und Meckernbrücke

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