02.09.2010

Kontrolleurwarnung via Twitter

Claudia in am 2. September 2010, 13:41   Kommentar schreiben »

Ublitzer nennt sich bisher einziges Frühwarnsystem für Kontrolleure der öffentlichen Verkehrsmittel in Berlin. Wer auf Twitter Ublitzer folgt, kann selbst Fahrgäste der BVG vor Kontrolleuren via Tweet mit Hashtag #ublitzer warnen, alternativ sich dort Hinweise hinsichtlich deren Vorkommen auf der Strecke abrufen.

Soweit so gut. Ublitzer geht momentan so dermaßen durch die Medien, dass der Dienst mittlerweile bekannt sein dürfte.

Spannend dabei finde ich eher den konstruktiven unaufgeregten Umgang der BVG mit dem Dienst. Die Pressesprecherin lässt verlauten, dass die BVG Ublitzer „toll“ fände. So gar so gut, dass man nun überlegt selber auf der Homepage einen ähnliche Service mit „Kontrolleure heute vor Ort“-Informationen anzubieten. Denn wer weiß, dass er eine hohe Chance hat auf seiner Strecke kontrolliert zu werden, wird sich lieber gleich ein Ticket kaufen …

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31.08.2010

Der Boden unter Berlin

Jürgen in am 31. August 2010, 18:08   3 Kommentare »

Zum schönen Thema “Himmel über Berlin” wird oft geschrieben oder fotografiert, über den Boden unter der Stadt schon eher selten, obwohl er doch – im wahrsten Sinne des Wortes – Fundament für das heutige und teilweise auch noch unentdeckter Teil der städtischen Vergangenheit ist.

In den vergangenen Jahren fiel er mir des öfteren an Baugruben und insbesondere an aufgerissenen Straßen auf: Der penetrante Mischgestank aus Gas und Fäkalien. Was für ein Mief dort manchmal aus dem Boden quoll! Das Erdreich ist voller Leitungen. Nicht alle sind in Bauunterlagen bzw. auf Zeichnungen eingetragen. Immer wieder liest man von Baggerfahrern, die eine Leitung beschädigt haben, deren Existenz nicht bekannt oder an einer anderen Stelle verzeichnet war. Manchmal ist freilich auch Unaufmerksamkeit im Spiel.

Der zweite Weltkrieg hat dafür gesorgt, dass im Berliner Erdreich noch immer Bomben zu finden sind, die – wenn man zu ihnen vorgedrungen ist – unschädlich gemacht werden müssen. Im nördlichen Umland, konkret Oranienburg, gibt es besonders viele dieser Funde. Es vergeht kaum ein Monat ohne Alarm, der meist Evakuierungen vieler Menschen nach sich zieht.

In der Torstraße in Mitte wurde das Gebäude rechts neben der Alten Seifenfabrik abgerissen. Gestern und heute war ein Bagger dabei – der Baggerfahrer bestätigte mir, dass vorher auf Bombenfunde mit Sonden (alle zwei Meter Einstich) geprüft wurde – sich in das Erdreich einzubuddeln. Dabei kam eine Menge Schrott in verschiedenster Form zum Vorschein. An beiden Tagen sah ich direkt auf der Baustelle einen Kleinlaster, der von einer Frau und einem Mann mit diesen Metallresten beladen wurde. Beide machten dies auf eigene Initiative und Rechnung, waren von der Firma des Baggerfahrers weder informiert, noch beauftragt. Wie Möwen oder Krähen, die auf einem Acker dem pflügenden Traktor folgen und sich die auftauchenden Würmer und Käfer schnappen, so folgte dieses Paar dem Bagger bei seiner Arbeit im Boden unter Berlin.

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30.08.2010

Kohlenkeller gesucht!

Claudia in am 30. August 2010, 09:00   11 Kommentare »

Gibt es eigentlich irgendwo in Berlin noch einen echten Kohlenkeller? Also ein Geschäft, das Kohle, Briketts sowie Kartoffeln und Zwiebeln im Souterain offeriert? Wenn ja, freue ich mich über die Nennung von Adressen!

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26.08.2010

Tempelhofer Feld fluten?

Claudia in am 26. August 2010, 11:04   21 Kommentare »

Martin Brosch(li), Dr. Sybe Rispens (re)

Diese beiden freundlichen Herren haben einen Hang zum Wasser. Martin Brosch und Dr. Sybe Izaak Rispens möchten den Seenotstand in Berlin beheben und schlagen vor, aus dem Tempelhofer Feld ein neues Wasserparadies zu gestalten. Mit Windrad-Leuchtturm. Sie sehen das bisherige Ergebnis des offiziellen Wettbewerbs für die Internationale Gartenbauaustellung 2017 kritisch. Denn alleine die Idee, das Feld rund herum auf 400.000 qm mit Wohn- und Geschäftsgebäuden zu bebauen, kann man mit einer Portion Zynismus werten bei einem geschätzten Bevölkerungsschwund in Berlin um 0,8% bis zum Jahr 2020.

Die neue 1,8 km weite Wasserlandschaft inmitten der City könnte dann so zum Beispiel aussehen:

Ideenpool Tempelhofer See, eine Idee zur Nutzung des Tempelhofer Feldes im Modell

Wer mehr über die Idee und zum Projekt lesen möchte, kann dies auf der Homepage Ideenpool Tempelhofer See tun. Und das Gelände in den einzelnen Projektbauphasen erleben. Oder als ideeler Unterstützer der Wasseridee mitmachen!

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22.08.2010

Drei Frauen

Jürgen in am 22. August 2010, 19:34   2 Kommentare »

Die Frau: Vielleicht 40-jährig, eher klein, von schlanker Gestalt, geschmackvoll, ja apart gekleidet, meist im Kostüm und mit eleganter Tasche. Jeden Morgen läuft sie durch diese Straße. Eine Dame mit Chic. Sie wird irgendein Büro ansteuern, um dort ihre Arbeit zu tun. Was mich an ihr beeindruckt, ja erstaunt, ist ihr stets gleicher Gesichtsausdruck. Ob es regnet, stürmt oder schneit, ob Baufirmen mit ihren Fahrzeugen teilweise die Bürgersteige blockieren und das Durchkommen für die Fussgänger erschweren. Egal. Stets liegt freudige Erwartung, Optimismus, ja Stolz auf ihrem Gesicht. Die Chic-Madame strahlt in den Morgen, als wolle sie sagen: Seht her! Ich bin froh auf der Welt zu sein und freue mich auf diesen Tag. Dieses Strahlen wirkt nicht aufgesetzt, es kommt scheinbar von innen.

Meist wirkt die Frau, wenn wir uns begegnen, leicht abwesend. Ihr schwarzes Haar – ich glaube, sie hilft mit Farbe nach – kontrastiert mit den oft rot geschminkten Lippen. Meist ist die Frau verstöpselt – sie hört Musik durch eine Schnur – wenn sie, manchmal mit Fahrrad, das Haus verlässt. Wir haben bisher nur wenige Worte miteinander gewechselt. Einmal fragte sie mich, wie man in den Hauskeller gelangt. Als ich ihr erklärte, daß alle Hausbewohner mit ihrem Wohnungsschlüssel zugleich auch in den Keller kommen, war sie sehr erstaunt. Einige Male habe ich sie mit einem Mann gesehen. Zu dieser Zeit umhüllte ein besonderer kosmetischer Duft ihre Gestalt. Mittlerweile ist sie wohl wieder solo und dieses Parfüm ist auch verflogen.

Die Familie besteht aus ihrem Mann, zwei bärengroßen Söhnen, einer davon ist behindert und dieser Frau. Sie ist von deutlich kleinerer, aber etwas gedrungener Gestalt und immer freundlich. Oft sehe ich sie mit schweren Einkaufstaschen behängt, für ihre Familie sorgend. Jeden Morgen kommt ein VW-Bus und holt einen ihrer Söhne ab, der wohl eine betreute Ausbildung macht. Sie steht dann immer an der Tordurchfahrt und verabschiedet ihn. Wenn der Junge mich sieht, kommt er stets und drückt mir die Hand. Ihr Mann, nicht ganz so kommunikativ, aber ebenso gedrungen wie seine Frau, ist ein etwas rauer, mürrischer Typ, der sich auch schon mal heftig mit Falschparkern anlegt. Letztens erzählte er mir nun, an Krücken humpelnd, dass er große gesundheitliche Probleme hat und vielleicht nicht mehr arbeiten kann. Die Frau wird wohl auch das noch durchstehen.

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21.08.2010

Jenny De la Torre

Claudia in am 21. August 2010, 11:41   2 Kommentare »

… arbeitet als Ärztin im Gesundheitszentrum für Obdachlosenhilfe. De la Torre gibt nicht nur ihre Arbeitskraft für Menschen in Berlin ohne Wohnsitz. Sie hat die Jenny De la Torre-Stiftung gegründet und mit Preis- und Spendengeldern in der Pflugstraße 12 in Berlin einen Ort geschaffen, wo die auf der Straße lebenden Menschen eine gesundheitliche Grundversorgung erhalten.

Die Zeit hat Jenny De la Torre einen ausführlichen Artikel „Ärztin der Ungeduschten“ gewidmet.

Wer spenden möchte, kann dies direkt online hier tun.

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18.08.2010

Fuckparade 2010

Claudia in am 18. August 2010, 10:26   8 Kommentare »

Seit 13 Jahren demonstriert die Fuckparade gegen die zunehmende Kommerzialisierung von Kultur und öffentlichem Raum in Berlin. Sie will auf den Abbau der Subkultur in dieser Stadt aufmerksam machen und wünscht von der Kulturpolitik aber auch Stadtentwicklung eine stärkere Berücksichtung von subkulturellen Minderheiten in dieser Stadt. Denn die ist es auch in einem hohen Maß, die Berlin für uns, für Besucher und Zugezogene enorm attraktiv macht.

Fuckparade 2010

Erstmals fand die Fuckparade (Fuck the Loveparade) 1997 als Gegendemonstration zur Loveparade unter dem Kurznamen „Hateparade“ statt.

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17.08.2010

Rieke und der Hermannplatz

Jürgen in am 17. August 2010, 18:12   22 Kommentare »

Wenn mein Opa mal ganz besonders guter Laune war, begann er, schunkelnderweise, seine eigene Version über Rieke zu singen, die so lautete:

*In Rixdorf ist Musike, Musike, Musike,
da tanzt die lahme Rieke … in Rixdorf bei Berlin*

Rixdorf feiert in diesem Jahr den 650. Geburtstag. Grund genug für einen Glückwunsch und einen Gang durch Neukölln. Mitte (alt) ist eher übersichtlich, aber überlaufen, scheinbar renommeegetränkt und tourismuskompatibel. Neukölln ist anders. Deshalb mal wieder über den Hermannplatz, die Karl-Marx-Straße hinunter, in das alte Herz des jetzigen Stadtbezirks: Nach Rixdorf.

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16.08.2010

Neukölln versteinert

Susanne in am 16. August 2010, 20:44   38 Kommentare »

Alltag in Neukölln. Wer in den Seitenstraßen unterwegs ist, gerne auch mit dem Rad, wie ich, fährt mitunter Slalom um die Hinterlassenschaften der Bevölkerung. Damit ist nicht nur die Scheiße gemeint, die von der Hundebevölkerung tagtäglich in Massen hergestellt und zur freien Verfügung hinterlegt wird. Es gibt auch jede Menge Müll. Abgewetzte Sessel und Sofas, alte Kühlschränke, restlos zerhackte Schrottcomputer und ausgediente Fernseher natürlich. Unzählige alte Röhrenbildschirme, die Dinger scheinen völlig aus der Mode zu sein. Deshalb landen sie derzeit zuhauf am Straßenrand, wo sie nun offensichtlich schon versteinern. Schlimm!

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Die Ambrosia-Scouts von Neukölln

Claudia in am 16. August 2010, 09:55   6 Kommentare »

haben es immerhin in die Financial Times geschafft. Und zwar auf drei Seiten …

Ach ja, Ambrosia-Funde im eigenen Bezirk bitte unbedingt hier melden!

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15.08.2010

Durchgentrifiziert

Ute in am 15. August 2010, 13:20   12 Kommentare »

Langsam sind wir durchgentrifiziert, hier in Kreuzberg 36. Es kacken immer mehr Rassehunde auf die Bürgersteige. Der ordinäre Berliner Köter, der am anderen Ende der Leine einen ärmeren, älteren Menschen hinter sich her führt, hat allmählich ausgedient. Denn der jugendliche, neuzeitliche Kreuzköllnberger hat keine Zeit für Hausgetier und entsprechende Verpflichtungen.

Waren es vor einem Jahr nur der hippe Tartenshop Koriat, dessen deutlich qualitätvolleren Kuchen als sonst in hiesigen Backshops üblich ich natürlich auch zu schätzen weiß, Mädchen-Lädchen mit Karomuster- und Frottee-Accessoires und Menschenansammlungen vor Quasi-Kneipen und Galerien, ist das Sprachengemisch nun das herausragende Merkmal. Nein, ich meine kein Türkisch oder Arabisch. Man spricht vorzugsweise Spanisch, Italienisch, Dänisch.

Ohne Zweifel stehen wir inzwischen in Reiseführern allerorten. Unser hippes Kreuzkölln müsste eigentlich signifikant dazu beitragen, die Jugendarbeitslosigkeitsquote in Spanien zu senken. Meiner Ansicht nach kann es in ganz Spanien keine jungen Spanier mehr geben, die sind nämlich alle seit ein, zwei Jahren hier.

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Engagierte Menschen

Claudia in am 15. August 2010, 11:05   1 Kommentar »

Bürgerliches Engagement oder auch Ehrenamt: Menschen engagieren sich für andere Menschen, arbeiten in einer Initiative, einem Projekt oder einem Verband mit und wirken aktiv mit an der Veränderung für eine bessere Gesellschaft und für bessere Lebensbedingungen von Mitbürgern.

In der Veröffentlichung einer Studie über ehrenamtliche Arbeit in Deutschland, die 2008 im Spiegel thematisiert wurde, kam Berlin nicht besonders gut weg. Der Anteil der Engagierten lag gemäß dieser Erhebung bei 18,7%, dies entsprach nur einem Fünftel aller Bürger, die sich ehrenamtlich mit und für andere Menschen engagierten – das war im Bundesvergleich Rang 16. Keine Luft mehr nach unten.

Damals schon stellte man aber bundesweit nach dem Rückzug des Sozialstaates eine deutliche Zunahme bei gemeinnütziger Arbeit fest, nur engagieren sich die Menschen heute weniger für etablierte Großorganisationen als für kleinere projektbezogene Initiativen vor Ort.

Klaus Wowereit zitiert indes in seiner Ansprache für die Aktion „Berlin, Dein Gesicht“ eine Umfrage des Marktforschungsinstituts forsa,

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08.08.2010

Die Stargader Straße

Claudia in am 8. August 2010, 15:31   5 Kommentare »

im Prenzlauer Berg strahlt seit heute erkannt ein bisschen.

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07.08.2010

Serie Berlin 2030 - Vision oder mathematisches Image-Kalkül?

Michael in am 7. August 2010, 17:38   4 Kommentare »

Der Tagesspiegel fängt ab morgen eine Serie an, die sich mit dem Thema “Berlin 2030” beschäftigt. Ich hatte eine Werbung hierfür über das Internet gehört und dachte erst einmal: Klingt spannend!

Aber dann kam der meine Neugier verändernde Satz hinterher: Die Studie basiert auf einer Studie (Statistik/Hochrechnung) der Berliner Bank. Wie war das noch mit Churchill und den Statistiken? Trau keiner, die Du nicht selbst gefälscht hast??

Nun will ich der Berliner Bank nicht zu nahe treten, aber das ist – nach den Erfahrungen, die wir Bürger mit den Banken in den vergangenen Jahren machen MUSSTEN – so, als wenn ich der katholischen Kirche in der Zeit der Reconquista einen Auftrag gegeben hätte, eine Studie über die Zukunft der katholischen Kirche unter Beibehaltung der bisherigen Strukturen gegeben hätte.

Das Ergebnis ist auch ohne Gotteskonsultation, Glaskugel, Orakel oder Studie leicht vorhersehbar.

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06.08.2010

Straßenkind

Claudia in am 6. August 2010, 11:31   3 Kommentare »

Terres des Hommes schätzt, dass in Deutschland mittlerweile bereits 9000 Kinder und jugendliche Erwachsene auf der Straße leben. Nana Heidhues hat sich auf die Suche nach obdachlosen Kindern in Berlin gemacht und wochenlang mit ihnen das Gespräch am Alexanderplatz gesucht. Ein Leben im Off – die Protokolle von neun Straßenkindern sind online bei der Freitag zu lesen.

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04.08.2010

Fang den Hut

Harald in am 4. August 2010, 12:00   2 Kommentare »

Riskante Geldanlage mit minimalen Erfolgsaussichten aber überragender Rendite - Foto: h|b

Ich hatte die Jäger nach den 50 € Scheinen lange nicht im Stadtbild gesehn. Sind ansonsten eher osteuropäische Clans in Berlin aktiv, waren es diesmal – nach der Klangfarbe zu urteilen – Italiener.

Das Prinzip hat sich seit je her nicht geändert. Der “Spieler” jongliert auf einem kleinen Teppich mit 3 Streichholzschachteln und einer kleinen Kugel die es für “Mitspieler” zu finden gilt. Um den “Spieler” stehen weitere Personen herum, die bereitwillig mit 50 € Scheinen in das Spiel einsteigen, da der “Spieler” etwas ungeschickt zu sein scheint und beim Schachtelnschieben immer die umwirft, unter der sich die Kugel befindet. Selbst ein Blinder hätte eine Chance zu gewinnen.

Doch leider sind die “Mitspieler” Teil des Spiels und dazu da, andere, Unbeteiligte anzulocken. Sind die dann erst mal gefunden, ist der “Spieler” plötzlich gar nicht mehr so ungeschickt und man könnte meinen, es gäbe gar keine Kugel mehr zu finden. Droht Gefahr durch Polizei, diffundiert die Bande geschickt in alle Richtungen unters Volk, um nach der Entwarnung sofort wieder dort weiterzumachen, wo sie aufgehört hat. Opfer gibt es übrigens genug, die Gier der Menschen nach dem schnellen Geld sorgt für ständigen Nachschub, auch wenn logisch gesehn, nur einer gewinnen kann.

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02.08.2010

Abschied II

Jürgen in am 2. August 2010, 16:44   121 Kommentare »

In diesem Monat wird hier im Dreh eine Kaufhalle schließen. Ich war selten dort einkaufen, dennoch gehört sie zu meinem Kiez, der sich immer glatter und teurer macht. Die Halle wird nun bald abgerissen. Anschließend werden hier Eigentumswohnungen entstehen, die wiederum von Leuten gekauft werden, deren PKW’s dann immer in der hauseigenen Garage übernachten dürfen.

Vor 1990 gehörte die Halle zur HO, danach folgten Tip, Plus und jetzt Netto. Die Namen kamen und gingen, das Sortiment eines Discounters blieb, nur die Firmenlogos und Verpackungen wechselten. Die größte Veränderung für die Kunden war, dass eines Tages Bio-Produkte in den Regalen auftauchten.
Die Außenwände des Gebäudes waren immer voller Graffiti, wohl zwei Generationen von Sprayern haben sich, über die Zeit, hier abgearbeitet. Seit Monaten ist Ebbe, denn die Eingangswand ist mit Plakaten komplett überklebt.

In der Halle selbst wurde der Bäckerstand bereits demontiert. Der, von Verkaufstresen und Regalen, befreite Raum lenkt den Blick neu auf sonst verdecktes, wie alte Waschbecken, Rohrleitungen und ein paar Spinnweben. Überall hängen Zettel, die jetzt niemand mehr liest. Die Änderungsschneiderei im Eingangsbereich ist leer gezogen, nur an der Glastür hängt noch ein DIN A4-Blatt: Neueröffnung am 1. Juli.

Im Verkaufsbereich sind einige Regale nur noch halb gefüllt, als ob die Schließung schon übermorgen wäre. Nur wenige Kunden kommen noch, laufen langsam und zögernd durch die Regalreihen, als wollten sie sich noch etwas Schönes zum Abschied aussuchen. An der Kasse macht – vertretungsweise, wie er mir sagt – ein Kollege aus der benachbarten Halle mechanisch seine Arbeit. Der Mann geht in Kürze in Vorruhestand. Auch der vietnamesische Zigarettenhändler draußen neben dem Eingang muß sich einen neuen Standort suchen.

Als ich die Kaufhalle verlasse, fällt mir das Fahndungsblatt in’s Auge: Die Polizei in Köln sucht einen Kriminellen, der seit dem 12.6.09 schon neun Netto-Filialen ausgeraubt hat. Der männliche Täter würde in den Abendstunden kommen, sich als Außendienstmitarbeiter ausgeben und mit diesem Trick in das Marktleiterbüro gelangen. Der Mann auf dem Foto sieht nicht so aus, als ob er eine abschiednehmende Halle verschonen würde. Aber hier gibt es nichts mehr zu holen.

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Entlaufen

Claudia in am 2. August 2010, 08:39   5 Kommentare »

Affe los | foto @claudiathomas

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29.07.2010

Post an die Post

Claudia in am 29. Juli 2010, 08:08   21 Kommentare »

Gestern wollte ich das internationalisierte deutsche Paketunternehmen in Anspruch nehmen und bewegte mich zum vertrauten Postschalter Hermannstraße Ecke Glasower Straße, wo ein Kollektiv von Papierwarenhandlung mit dem Unternehmen in gelb aufwartet.

Stille Post | foto ©claudiathomas

Wie mir der handgeschriebene Zettel erzählt, ist die Filiale hier seit dem 14.07.2010 Vergangenheit. Einem zweiten Zettel – im Gegensatz zur ersten Meldung maschinell verfasst – hoffe ich einen offiziellen Hinweis zu einem neuen Ersatzstandort, falls es einen gibt, zu entnehmen. Aber Pustekuchen:

Post an die Post | foto ©claudiathomas

(In der unteren Zeile steht: „Wir sind nur noch Opfer, aber keine Kunden mehr. Kundendienst ist ein Fremdwort geworden.)

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28.07.2010

Ohne Worte

Jürgen in am 28. Juli 2010, 16:29   22 Kommentare »

“…Zoologische Gärten in Australien starteten ein Erhaltungszuchtprogramm, in welches später auch Zoos aus Nordamerika einbezogen wurden. An dem Zuchtprogramm beteiligt sich in diesem Jahr auch der Tierpark Berlin. Er erhielt drei Männchen, zu gegebener Zeit soll auch ein Weibchen geholt werden.”

(Berliner Zeitung, 28.7.10, Seite 17, “Kostbarkeit mit Streifenschwanz”- Gelbfuß-Felsenkänguruhs)

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20.07.2010

Auf Spurensuche

Harald in am 20. Juli 2010, 12:00   16 Kommentare »

Auf den Spuren von Heinrich Schliemann - Foto: h|b

Was hier aussieht wie die Ausgrabungen von Troja, findet aktuell mitten in Berlin statt. Da der Schlossneubau noch ein wenig auf sich warten lässt, untersuchen Archäologen, die jüngere und ältere Geschichte Berlins, direkt gegenüber des ehemaligen Staatsratgebäudes.

Wer selbst mal dabei sein möchte, kann an Führungen durch die Grabungen am Schlossplatz, immer Freitags von 14:00-15:30 Uhr, teilnehmen. Treffpunkt am ehem. Staatsratsgebäude – heute ESMT, (Portal IV des Bln. Stadtschlosses), Schloßplatz 1, Berlin. Die Führung ist unentgeltlich. Festes Schuhwerk wird empfohlen!

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15.07.2010

Liebe Berliner Polizei,

Linda in am 15. Juli 2010, 15:48   Kommentare

keine Sorge: Ich bin eine entschiedene Anhängerin des staatlichen Gewaltmonopols. Der demokratisch organisierte Mensch braucht eben manchmal Unterstützung bei der Einhaltung oder Durchsetzung der Regeln, die für alle gelten sollen. Private Sicherheitsdienste erscheinen mir als Einstieg in eine Art Warlords-Innenpolitik.
Trotzdem, die Polizeigewerkschaft wird mir keine Ehrenmitgliedschaft anbieten.

Mich stört hier in Berlin in der letzten Zeit,

Überhaupt:
Wo bleibt die gleiche Augenhöhe bei Auseinandersetzungen zwischen Bürgern und Polizei? Im Gegensatz zu den USA sind die Bürger hierzulande aus guten Gründen nicht bewaffnet, die Polizei dagegen schon. Aber wie reagiert unsere Polizei?
Auffallend häufig panisch, trotz Waffenungleichheit,

Also bitte, zuerst verbal abrüsten, striktes Transparenzgebot und dann vielleicht einigen einen Berufswechsel empfehlen. In Abwandlung eines Bette-Davies-Spruchs:
“Being policemen is not for sissies!”

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Acht Männer um ein Loch, ratlos

Susanne in am 15. Juli 2010, 10:31   84 Kommentare »

Acht Männer und ein Loch in Neukölln, der nächtliche Stromausfall wird ausgegraben. [HSBengl]

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12.07.2010

Der Kirschbaum

Jürgen in am 12. Juli 2010, 19:30   Kommentare

Die Plansche an der Invalidenstraße in Mitte ist in diesen heißen Tagen zum Sammelpunkt türkischer und arabischer Familien aus dem nahen Wedding geworden. Auch am gestrigen Sonntag scharten sich die Großfamilien mit ihren zahlreichen Kindern um die Wasserfläche mit der bescheidenen Wasserfontäne. Während insbesondere die Mütter die Kinderwagen und ihr Picknickgepäck wie zu Wagenburgen formierten, sammelten sich Kinder und junge Frauen unterschiedlichen Alters im Innenraum, aßen, tranken oder alberten herum. Die konsumierende Gesellschaft schaffte es im Laufe des späten Nachmittags, dass die kleinen Müllberge um die Papierkörbe herum immer weiter anwuchsen. Einige Männer saßen den ganzen Nachmittag ein paar Meter weiter, nuckelten an ihren Wasserpfeifen oder spielten wortlos Karten. Andere gingen auch mal auf Einkaufstour und brachten Süßigkeiten oder Getränke mit, die sie an die Frauen verteilten.

Am nördlichen Rand des kleinen Parks steht ein Kirschbaum, der jetzt schöne, dunkelrote Früchte trägt. Das hatten die Kinder schnell herausgefunden. Hauptmatador bei der Ernte war jedoch ein vielleicht 30-jähriger Mann mit langem Hemd, Halbglatze, starkem Vollbart, sehr kräftiger Gestalt und zwei Krücken – der Riese hatte nur noch ein Bein. Zuerst versuchte er den im Baum kletternden Kindern Anweisungen zu geben und stieß ab und zu mit einer Krücke in Richtung der unteren Äste, ohne dass er dabei sein Gleichgewicht verlor. Die ganze Zeit stand seine kleine mit langem weinrot/schwarzem Kleid und Kopftuch bekleidete Frau bewundernd neben ihm, vielleicht auch um einzugreifen, wenn er das Gleichgewicht verlöre.

Dann, ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen, schwang sich der Mann wie Tarzan an die unteren Äste und kletterte weiter. Die Krücken hatte er seiner Frau überlassen. Sofort bildete sich eine große Menschentraube. Vor allem die Kinder lärmten und jauchzten vor Vergnügen. Als er vom Baum mit einer Handvoll Kirschen wieder herunterturnte, lachte er stolz und übergab sie seiner, ihn anstrahlenden, jungen Frau.

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07.07.2010

Mein Fußballkiez

Susanne in am 7. Juli 2010, 20:26   122 Kommentare »

So sieht es bei mir auf der Kreuzung aus. Die Menschen kommen von überall und bringen ihre Stühle und Barhocker mit. Sie hocken sich vor den Eckkiosk, wo der Betreiber eine Art Leinwandwagen selbst gebaut hat. Noch ein Paar Tische, Schirme und Bänke dazu. Das ist alles. Aber die reichen schon lange nicht mehr, denn es werden doppelt so viele Menschen sein, in einer Viertelstunde etwa.

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