29.01.2008
Wurstwoche-Nachlese
Helene in Ausflug am 29. Januar 2008, 12:21 3 Kommentare »
Nach der Grünen Woche ist vor der Grünen Woche… Eine Messe, auf der man viel lernen kann. Über Menschen, Nutztiere, rustikales Marketing und merkwürdige Gebräuche. Zum Beispiel bei der fetisch trachtentragenden Sadomaso Peitschenknaller-Gruppe: die haben statt Strümpfen nur Wadenstutzen (zum knackigeren Schuhplattlern) und als Peitschobjekt gern ein Dirndl in der Mitte sitzen.
In einer großen Halle werden unter ohrenbetäubender Kirmesmusik süße Lämmlein wundgestreichelt. Auf dem Schild stehen alle wesentlichen Infos zum Liebhaben: “Fleischschaf, große Rumpfbreite, asaisonale Brunst, leichtfuttrig, frohwüchsig, verstärkt auf Schlachtleistung gezüchtet”. Daneben können Kinder und angehende Biolehrer einer geduldigen Kuh den Hintern betatschen — und gegenüber hält ein Zehnjähriger mit dem Gewehr auf virtuelle Wildsauen.
Weiter gehts zur Home of the Henkelwurst. Deren Kampagne ein wurstgewordener Blowjob. Wurstbunnies lutschen Wurstzipfel. Gußeiserner Reklamehumor. Aber es werden auch ganz sachliche Fragen beantwortet: “An welche Biergläser passt die Henkelwurst?” — Stück übrigens ein Euro, wie alle Probehäppchen auf der Messe (außer Schlachtvieh streicheln). Nebenan scheppern die Kaierder Jagdhornbläser wacker gegen einen Shantychor. Und das Ueckermünder Maskottchen schafft es nicht allein von der Bühne herunter. Wir hätten gern einen Wodka “Kalaschnikoff”, doch die Russenhalle hat schon zu nach der Happy Hour. Wundgestreichelt. Nächstes Jahr wieder.
28.01.2008
In der Gruselbimmelbahn
Claudia in Stadtnotizen am 28. Januar 2008, 22:53 13 Kommentare »
Heute bin ich mal wieder U8 gefahren. Ihr wisst schon, die brutalste U-Bahnstrecke Berlins, ach, was schreib‘ ich, die gefährlichste U-Bahnlinie von ganz Deutschland. Tapfer wie ich bin (und wie es gewisse Anreisemodalitäten zu meiner Home Docking Station nicht anders zulassen) habe ich auch noch die finstere Route über den bösen Hermannplatz genommen.
Mensch, gefährlich war das wieder. Alleine schon die drei Minuten Wartezeit auf dem Bahnhof bis der Zug aus dem hohen gefährlichen Norden der Stadt kommen sollte, haben das Blut in den Adern gefrieren lassen. Der junge Mann z. B., der die illegal herumstehende Pfandflasche einfach so einsammelte, dabei soll man doch herrenlose Gegenstände der Aufsicht melden, könnte es sich um terroristisches Anschlagmaterial handeln.
09.01.2008
Äh, Berlin?…
Sven in Kultur am 9. Januar 2008, 06:44 Leserbriefe
Hier fragte ich mich immer: Was soll nur der bekloppte eierkohlenartige Bindestrich zwischen dem AIR und dem BERLIN?

Aber prima: so hatte ich immer was zu grübeln in der Zeit zwischen Check-in und Abflug. Und das lenkte mich von dem komischen Gedingse aus drei langen Balken links daneben ab (was soll ein Eishockeyschläger im Logo einer Fluggesellschaft?). Was ich schön fand, war die (zwar leider als Condensed besetzte) wenn auch im Look etwas unausgegorene aber immerhin serifenlose rote Fettschrift. So was macht sich gut auf Flugzeugen. Wegen der serifenlosen Fettschrift war es ja schon schade gewesen, dass die Swissair pleite ging. Aber die Nachfolgegesellschaft Swiss hat ja weitergemacht mit schönen roten fetten serifenlosen Lettern. Naja, so saß ich auf Flughäfen, meditierte über den eiförmigen Deppentrennstrich und hoffte auf einen CI-Relaunch von Air Berlin.
28.11.2007
«Control» auf dem 2. Berliner Independent Filmfestival
Claudia in Kultur am 28. November 2007, 12:05 4 Kommentare »
Ein Film ist ein guter Film, wenn ich ihn auch riechen kann. Subjektiv empfunden. Das passiert nicht so oft. Vorgestern war aber wieder Riechkino: «Control» funktioniert auch auf den anderen Sinnesebenen. Der erste Spielfilm von Anton Corbijn. Corbijn dürfte den Allermeisten bekannt sein als Künstlerfotograf, Haus- und Hoffotograf von U2, Art-Director von Depeche Mode, Stagedesigner von Herbert Grönemeyer, Videoregisseur von um die 80 Clips für illustres Musikvolk wie Front 242, Art of Noise, Danzig, Nick Cave … um nur einige zu nennen. Nun versuchte er sich in Zelluloid.
«Control» erzählt die viel zu kurze Lebensgeschichte von Ian Curtis, beginnend ab seinen späten Teenager-Jahren in Macclesfield, einer Kleinstadt südlich von Manchester, bis zu seinem Freitod mit nur 23 Jahren. In dieser kurzen Zeitspanne lagen eine Eheschließung, ein Baby, die Diagnose Epilepsie, eine zweite große Liebe, seine Arbeit mit Behinderten als Sozialarbeiter, seine Leidenschaft als Sänger und Songschreiber mit zwei veröffentlichten Alben (eines davon posthum), Touren durch Europa und die erste US-Tournee in direkter Aussicht von einer Band – und das macht Ian Curtis heute noch zum Mythos – namens Joy Division. Die läuteten damals eine neue Ära in der Musikgeschichte ein, die heute gerne als frühe Form des Punk bezeichnet wird. Auf ihrer einzigen Europatour spielten Joy Division ihr letztes Konzert am 21. Januar 1980 im Kant Kino hier in Berlin. Am 18. Mai 1980 war Ian Curtis tot.
08.11.2007
Hilfe für Burma auch in Berlin
Sebastian in Schnauze am 8. November 2007, 13:43 Leserbriefe
Die Ereignisse in Burma sind schon fast wieder aus dem medialen Blickfeld geraten. Wie immer bei solchen Konflikten, sind bilderlose Berichte nicht gut zu verkaufen. Das Hauptstadtblog hat Herrn Khin Maung Yin, den Vorsitzenden des Burma Projekt e.V. Berlin, getroffen.
Wenn er von seinem Heimatland erzählt, schwanken die Gesichtszüge des Herrn Yin von einem sanften Lächeln bis hin zu ernsten Stirnfalten. Aber immer leuchten die Augen engagiert. Herr Yin ist ein gefragter Mann in den letzten Wochen. Die Bilder der demonstrierenden Mönche und die brutale Reaktion des Militärregimes haben die Aufmerksamkeit auch auf ihn und seinen Verein gelenkt.
Demonstriert haben sie auch in Berlin – Anfang September, drei Tage hintereinander vor dem Reichstag. Aber kaum jemand hat davon Notiz genommen. Kein Wunder, sind es doch nur eine Handvoll Burmesen, vornehmlich ehemalige Studenten, die in der Hauptstadt leben. Aber davon lassen sie sich nicht entmutigen. „In Leipzig gibt es jetzt Mahnwachen für Burma, das müssen Sie sich mal vorstellen!“. Der von den legendären Montagsdemonstrationen zu DDR-Zeiten bekannte Pfarrer Christian Führer engagiert sich dafür. „Vielleicht gelingt das auch in Berlin. Wir planen noch für dieses Jahr, etwas Regelmäßiges hinzubekommen.“
Mit Freude kommentiert Herr Yin die einzelnen Bilder der kleine Fotoausstellung über Burma, die noch bis zum 30. November im ersten Stock der Landesbibliothek zu besichtigen ist. Neben der wichtigen Öffentlichkeitsarbeit hier in Deutschland geht es ihm und seinen Mitstreitern aber vor allem um die konkreten Projekte in Burma. Im Verein engagieren sich etwa 50 Menschen, über die Hälfte sind Deutsche. Sie organisieren konkrete Hilfe in überschaubaren Projekten. „Burma ist ein korruptes Land, deshalb übergeben wir die Spendengelder selber, ohne Zwischenstationen und meist offiziell in der deutschen Botschaft.“ Dazu fahren sie immer wieder in das südostasiatische Land – machen sich selbst ein Bild. Von den Schulen, die gebaut werden oder den Booten für die Fischer. In Burma selbst hat der Verein drei Ansprechpartner, die ständig bei den Projekten bleiben, um die Umsetzung zu betreuen.
Die Einreise in das Land ist für unliebsame Personen seit dem Militärputsch vor über 40 Jahren ständig mit Schwierigkeiten verbunden. „Ich durfte 20 Jahre lang nicht in meine Heimat einreisen.“ In den letzten Jahren hat Herr Yin glücklicherweise immer mal wieder ein Visum bekommen, aber angesichts seiner aktuellen politischen Aktivitäten wird sich das vermutlich wieder ändern.
Wie sehen die nächsten Vorhaben aus? „Derzeit planen wir den Mönchen, die zum Teil in ihre Elternhäuser zurückgekehrt sind oder sich im Untergrund versteckt halten, medizinische Hilfe, Nahrungsmittel und Kleidung zukommen zu lassen.“ Spenden sind hierfür natürlich gerne gesehen.
Welche Rolle spielt angesichts der zensierten Presse das Internet und Weblogs? „Die wenigen privaten Internetanschlüsse gehören den Privilegierten und Armeeangehörigen, da ist viel Netzaktivität nicht zu erwarten.“ Aber die neuesten Nachrichten und Bilder aus dem Land erreichen per E-Mail ihre Empfänger. Eine entscheidende Rolle für die Informationsbeschaffung der Menschen im Land übernimmt der Rundfunk – man hört Radio Free Asia. „Nicht zu vergessen die Satellitenschüsseln. Darüber kann man zum Beispiel Deutsche Welle empfangen.“ Und natürlich Democratic Voice of Burma, den Exilsender, der aus Oslo sendet.
Träumt Herr Yin davon, einen demokratischen Wandel in seiner Heimat zu erleben? Die internationalen Sanktionen helfen dabei aus seiner Sicht jedenfalls überhaupt nicht, weil die umliegenden Staaten wie China, Indien oder Thailand umso besser den Handel mit Burma diktieren können. „Nur wenn es gelingt mit den gemäßigten Teilen der Armee in einen Dialog zu kommen, könnte sich etwas ändern.“ Man kann es nur hoffen.
09.10.2007
Mord in Moabit – Kommissar Knorke ermittelt im Filmrausch Palast
Ulf in berichtet am 9. Oktober 2007, 11:19 6 Kommentare »
Wolfgang Schröter hat sich dieses Jahr gewaltig ins Zeug gelegt. Zunächst hat er den Handyfilm Wettbewerb 21MB Moabit! ins Leben gerufen, dann Geld für Poster und den Internet Auftritt aufgetrieben, dann Locations im Stadtteil dafür begeistert als Filmabwurfstellen zu fungieren, dann Seminare gehalten in denen man schneiden und komprimieren lernen konnte. Außerdem hat er Software aufgetrieben mit der jeder völlig legal und kostenlos Videos schneiden kann und das ganz in eine CD gepackt mit der auch der blödeste umgehen können müsste.
Trotz der vielen Mühe gab es dann nur eine Hand voll Einreichungen. Schade.
Nichtsdestotrotz ist es bald so weit. Am 27.10.2007 wird es eine Abschlussveranstaltung im Filmrausch Palast in der Lehrter Straße 35 geben. Die allerdings aus unbekannten Gründen nicht auf deren Webseite erscheint.
Meinen Beitrag gibt es hier und heute im Hauptstadtblog zu sehen. Wer hat bloß die vielen Mädchen mit den traurigen Augen gemeuchelt? Kommissar Knorke und Wachtmeister Sass tappen im Dunkeln.
15.09.2007
Muss ein Irrtum sein
Linda in Stadtnotizen am 15. September 2007, 17:32 11 Kommentare »
Der Tagesspiegel erklärt in in Einmütigkeit mit zitty den Sieger im “Kampf der Bezirke”. Und wer soll das sein? Charlottenburg. Dass ich nicht lache! Die Begründung stimmt zwar: “Die Mieten sind niedrig, das Viertel zeichnet sich durch Lässigkeit aus und über Hype können die Charlottenburger angeblich nur lachen.” Ha, ha, ha, ich lach’ jetzt auch mal und vermute hinter dieser angeblichen Umfrageaktion eine Intrige der Prenzlauer-Friedrichshainis, die damit eventuelle Investoreninteressen von sich weglocken wollen.
Wir Charlottenburger müssen energisch zur strategischen Gegenpropaganda schreiten. Hier ist doch nix los! Herr Investor: Gehn Se doch mal in ‘ne Charlottenburger Kneipe! Da sitzen ein paar alte Männer und höchstens ein alte Frau rum und trinken toskanischen Rotwein – wegen der blutdrucksenkenden Wirkung. Entweder nörgeln sie herum und ärgern sich, weil ’68 nun doch definitv vorbei ist. Oder – was noch schlimmer ist – sie sitzen ganz entspannt da und freuen sich, dass ’68 nach langen Nachwehen endlich vorbei ist und der ganze Stress nun auch noch wegfällt. Seien Sie ehrlich: das ist für hippe und schicke Klientel absolut nicht geeignet! Auch gibt es hier die gefürchteten Charlottenburger Bürgerinitiativen – also lieber woanders hinschauen!
12.09.2007
Spätkauf-Gefahr
Ian in Stadtnotizen am 12. September 2007, 00:38 26 Kommentare »
Am Alexanderplatz ist in letzter Zeit wirklich was los. Vor allem wenn ich gerade zufällig vorbeilaufe. Spät am gestrigen Abend merkte ich ungewöhnliche Fußgängerströme am Platz, denen ich neugierig nachgelaufen bin – und siehe da, eine spontane Großdemo gegen eines der wohl häßlichsten Strukturen, die seit der Wende errichtet wurde. Oder? Bei genauerem Hinsehen scheint es sich um die mitternächtliche Eröffnung des wohl größten MegaSauGeizBlödGeilMarktes diesseits des Saturns zu handeln.
Kurz vor Mitternacht hielte es die Polizei angesichts des Andrangs für notwendig, die Grunerstraße teilweise abzusperren. Ob es bereits Verletzte gegeben hat, weiss ich noch nicht. (Wer noch ein Schnäppchen erwischen will, sollte wahrscheinlich noch vorm Anbruch des Berufsverkehrs hinfahren – der Verkauf geht ohne Unterbrechung bis Mitternacht am Mittwoch weiter.)
21.08.2007
Aufruf zur Demo gegen Vorratsdatenspeicherung am 22.09.2007
Claudia in berichtet am 21. August 2007, 10:49 13 Kommentare »
Zur Demo in Berlin unter dem Motto «Freiheit statt Angst – Stoppt den Überwachungswahn!» ruft der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung (AK Vorrat) bundesweit auf.
Wir haben uns alle die letzten Monate in der Blogsphäre die Tastatur freigeredet über die Terror-Psychosen eines einzelnen Bundesinnenministers, unserer Bundesregierung und deren traumhafter Vorstellung einer «Datenbevorratung für alle Fälle». Viele Blogger haben bereits ihre Blogs mit Stasi 2.0-Ecken der AK Vorrat verschönert. Am 22. September 2007 kann jeder, der gerne weiterhin unbelauscht Telefonsex praktizieren will, seine elektronischen Liebesbriefe nur von seiner Liebsten als auch Geschäftsmails nur von dem Geschäftspartner gelesen wissen möchte, persönlich mit etwas Zeiteinsatz vor Ort (Bundesregierungs-Heimspiel) Flagge zeigen.
Berliner werden gebeten Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen.
19.08.2007
Meditative Ruhe im Geschichtspark am Hauptbahnhof
Linda in Ausflug am 19. August 2007, 18:11 5 Kommentare »
Eine wenig einladende Mauer begrüßt den Berlin-Besucher, der aus dem nördlichen Bahnhofsportal heraustritt. Auf der anderen Straßenseite liegt der neu eingerichtete Geschichtspark, entstanden auf dem Grundriss des ehemaligen Zellengefängnisses Moabit.
12.08.2007
Die "Ulbrichtkurve" wächst zu - die Gleimtunnel-Lücke nicht
Günter in Ausflug am 12. August 2007, 20:13 4 Kommentare »
Am morgigen Montag jährt sich der der Bau der Berliner Mauer zum 46. Mal – gute Gelegenheit, das ehemalige Grenzgebiet aus der Nähe anzusehen. Spaziert man etwa auf dem Mauerweg zwischen Bösebrücke (S-Bahnhof Bornholmer Straße) und Behmbrücke, sieht man noch recht viele Reste des “antifaschistischen Schutzwalls”, der einst die DDR-Bürger vor dem Westen beschützte. Allerdings: Sichtbar ist nur noch die sogenannte Hinterlandmauer, Teil der weiträumigen Sperranlagen in diesem Bereich.
Die eigentliche Mauer verlief mitten durch den S-Bahn-Graben, wo längst neue Schienen liegen (vielleicht könnte man den dortigen Verlauf irgendwie markieren – mit Farbe vielleicht?). Aber auch von der Hinterlandmauer sieht man an einigen Stellen immer weniger, da das wuchernde Grün große Teile verdeckt. Das lässt sich zum Beispiel erkennen, wenn man ein Bild des Vereins Historische S-Bahn von 2003 (das fünfte Foto) mit einer aktuellen Ansicht der früheren Ulbricht-Kurve vergleicht.
07.08.2007
Sonne parken
Sebastian in Kultur am 7. August 2007, 09:45 10 Kommentare »
Wenn ich nicht hier bin,
bin ich auf dem Sonnendeck…
Berlin ist eine Stadt der Zwischennutzung. Berlin ist eine Stadt der Strandbars. Insofern ist die temporäre Umwandlung eines Parkdecks mittels einiger Tonnen Sand, zahlreicher Liegestühle und weichen Sitzquadern sowie großen Sonnenschirmen zu einer urbanen Entspannungsfläche nur folgerichtig. Und der Blick vom Deck 5 des Parkhauses der Schönhauser Allee Arcaden entschädigt auch für den verbesserungswürdigen Service, der mit 4 Leuten hinter der Theke den zielgerichteten Ablauf noch üben muss. Und im Herbst, wenn sich niemand mehr in eine Strandbar verirrt und die Menschen wieder vermehrt mit dem Auto einkaufen fahren, wird der Sand vom Winde verweht sein.
30.07.2007
Sommer 2007 - Ein Rückblick
Ulf in berichtet am 30. Juli 2007, 12:16 12 Kommentare »
Es mag zu früh sein für einen Rückblick auf den Sommer 2007. Wenn wir aber alle an Weihnachten unter nadelnden Bäumen sitzen, uns die Geschenke überreichen, die wir uns eigentlich nicht mehr schenken wollten, werden wir uns beim Gedanken an den Sommer 2007 an etwa an folgendes erinnern …
23.07.2007
Last Night A DJ Saved My Ears?
Dani in Stadtnotizen am 23. Juli 2007, 20:46 3 Kommentare »
91 Prozent der Jugendlichen im Alter zwischen 10-19 Jahren sind über Gefahren durch zu laute Musik nicht informiert. Ich merke das auch ohne Umfrage. Man braucht sich dazu nur mal in die Berliner S-Bahn zu setzen und versteht den Songtext aus dem Player zwei Reihen weiter. Auch viele Besucher und selbst die Betreiber von Clubs, Diskotheken und Konzerten sind sich eher selten bewusst, welcher Gesundheitsgefährdung man wegen zu hoher Schallpegel ausgesetzt ist.
19.07.2007
Kräuterbutter ante portas
Rob in Stadtnotizen am 19. Juli 2007, 01:27 2 Kommentare »

Regelmäßig zum Sommer fängt Berlin an zu brennen: Die heimischen Balkone qualmen, die öffentlichen Parks rauchen und vor allem im Tiergarten kann man vor lauter Alufolienresten den Rasen nur noch vermuten. Sommerzeit ist Grillzeit. Das deutsche Volk wandelt sich zu einem Volk der Würgtätigen. Papi ist in dieser Zeit der Herr der Bratwurst und steht hinter seinem Grillcockpit. Nur er darf die Würste rollen und wenden, kein Fremder erhält hier eine Wendemöglichkeit.
Mutti (65 % aller deutschen Hausfrauen heißen mit Vornamen “Mutti”) steht im respektvollen und weiten Abstand, der sogenannten Bratwurstspritzbannmeile, dahinter und fragt wie in jedem Sommer: Hast Du auch die Kräuterbutter eingepackt? Immer wieder Hast Du auch die Kräuterbutter eingepackt? In den Sommermonaten beobachten wir stets diese Kräuterbutter-Renaissance. Container und Paletten von Kräuterbutter werden in die öffentlichen Parks verfrachtet, um die Berliner Hausfrau, sitzend auf Ihrer frisch gebügelten und gestärkten Blümchen-Picknickdecke, bei ihrem Grillvergnügen ruhig zu halten.
15.07.2007
Kampf auf dem Parkdeck
Claudia in berichtet am 15. Juli 2007, 19:13 3 Kommentare »
Das ist ein Projekt, das Spaß bringt. Berlin, die Stadt, die an so mancher Stelle mit mangelndem Parkraum für Fahrräder ringt, hat an anderen Orten dafür Parkraumleerstand. Beispielsweise im Parkhaus hinter dem Zentrum Kreuzberg, wo das Abstellen des eigenen Fahrzeugs zwischen Junkie und Dealer-Treffen eher was für die ganz Hartgesottenen ist. Spätestens ab dem zweiten Parkdeck herrscht Leere. Pony Pedro pflegen mit ihrem aktuellen Nutzungskonzept den Kampf auf dem Parkdeck. Der ist grün, relaxt, arbeitsam, multikulturell, musikalisch und sehr charmant.
12.07.2007
Kulturforum, ganz intim
Ute in Aufnahmen am 12. Juli 2007, 10:06 Kommentar schreiben »
Dienstagsschlange bei den Neue-Nationalgalerie-Franzosen führte zum Besuch im Kulturforum. Jawohl, allein mit Rembrandt und Caravaggio in der Gemäldegalerie, gemütliches Aussitzen in polnischer Design- Sitzgruppe im “Kunstgewerbemuseum” und Zwiesprache mit japanischer Plakatkunst in der Kunstbibliothek – eh voilà!
Mein Ausstellungsfavorit: Die Schinkel-Rahmen- Ausstellung in der Studiensammlung der Gemäldegalerie. Ein leerer, übermannshoher Goldrahmen in der Eingangshalle macht Lust, gleich nach links unten abzubiegen. Verschüttetes Halbwissen kann beim Blick auf die schönsten roten Museumswände Berlins aufgefrischt werden. Der rastlose Schinkel, der in seinen 60 Lebensjahren eigentlich alles rund um Gebäude, Stadtmöbel, Inneneinrichtung und Museen entworfen hat, ist bei der Rahmengestaltung für das Alte Museum natürlich nicht untätig geblieben.
07.07.2007
Leuchten mit Gas
Ute in berichtet am 7. Juli 2007, 09:56 38 Kommentare »
Das sieht man auch nur selten – eine offene Haube an der Gaslaterne und einen Mechaniker in Aktion. Nummer 42 am Görlitzer Park hatte jedenfalls Malessen am Zündkabel, da musste der Fachmann ran. 44.000 Gaslaternen gibt es noch in Berlin, sie verbreiten ihren rötlichen Schummer und das macht sich am Park ganz besonders hübsch. Gute Qualität, da sieht man uns nicht so oft beim Reparieren, ist der Mann auf der Leiter stolz auf sein Arbeitsobjekt.
05.07.2007
Semesterticketdiktat
Günter in berichtet am 5. Juli 2007, 13:29 25 Kommentare »
Von 10. bis 12. Juli findet an der FU eine Urabstimmung über die Fortführung des Semestertickets statt. Wer jetzt einen Aufruf zu Teilnahme und Zustimmung erwartet, irrt. Denn wie sich VBB und BVG gegenüber den Berliner Studenten verhalten, lässt eigentlich nur einen Entschluss zu: das Ticket abzulehnen.
Senefelderplatz
Ute in Ausflug am 5. Juli 2007, 09:24 5 Kommentare »
Ihm wird pro Saison mindestens einmal der Arm abgerissen. Mitsamt Spiegel. Aber was hat das alles zu bedeuten? Putti mit abgebrochenen Arm, aber dafür immer ohne Graffiti. Alois Senefelder in Spiegelschrift? Wurde dem Erfinder des Handspiegels am gleichnamigen Platz mit U-Bahn-Station ein Denkmal gesetzt?
Und überhaupt – wer hat dieses Monument jemals im Vorbeifahren wahrgenommen? Das liegt sicher nicht nur daran, dass die Hecke auf der Platzspitze davor über Gebühr in die Höhe geschossen und die Sichtachse auf das Denkmal versperrt ist.
Diese Stelle sah vor einem Jahrhundert ganz anders aus – hohe Bürgershäuser, in unmittelbarer Nachbarschaft der Brauereien des Prenzlauer Bergs. Vorgärten davor, langsam verschwindend, denn die Laden-Geschäfte in den Erdgeschossen an den sich zu Geschäftsstraßen wandelnden Ausfallstraßen verlangten nach unblockiertem Blick auf die Auslagen. So mussten Vorgärten abgeschafft werden, sobald das Window-Shopping Einzug hielt.
27.06.2007
Abendschau
Georg in Stadtnotizen am 27. Juni 2007, 15:10 43 Kommentare »
Friedrich Moll (58), kennen Sie den? Er ist einer der Moderatoren der Abendschau vom rbb. Mit silbernem Haar und stets komischer Krawatte moderiert er seit 17 Jahren die Abendschau. In letzter Zeit haperte es oft mit dem Teleprompter wie ich bemerkte. Des öfteren fand er auch schon mal seine Kamera nicht. Nach so langer Zeit schlichen sich halt Fehler ein. Mit seinen etwas eigentümlichen Texten ist er mir doch ein wenig ans Herz gewachsen. Nun darf er gehen und Sascha kann kommen. Ab dem 10. September wird Sascha Hingst (35) im Wechsel mit Cathrin Böhme die Abendschau im rbb Fernsehen präsentieren. Außerdem wird die Sendung dann im 16:9-Format ausgestrahlt und erhält ein neues Studiodesign. “Das neue Studio ist frischer, moderner und passt zum Lebensgefühl der Metropole Berlin”, so Abendschau-Chef Peter Laubenthal. Ach und die Anderen bei der Abendschau?
14.06.2007
Berliner Folklore
Sven in Kultur am 14. Juni 2007, 04:53 34 Kommentare »
In Berlin Friedrichshain an der romantischen Karl-Marx-Allee sind Ordnungswidrigkeiten Folklore. Jedenfalls, wenn es nach dem lokalen Polizeirevier geht. Die diensthabenden Streifenpolizisten beehrten den Autor dieses Artikels aus Anlass einer Ruhestörungsmeldung vor zwei Tagen noch nachts um drei in seiner Wohnung und erklärten ihm, nächtliche Ruhestörungen gehörten zu den (ich zitiere wörtlich) „üblichen Aktionen des Friedrichshainer Packs“ und dagegen könne man gar nichts machen. Das sei eben Berlin.
Die freundlichen Beamten legten es dem Autor nahe, umzuziehen. Schwertrunkene Ruhestörung rund um die Uhr, öffentliches Urinieren und das Mitführen dauerkläffender großer Hunde – in Berlin Ost keine Ordnungswidrigkeit, sondern Lokalkolorit. Die Streifenpolizistin schaute den Autor im Gehen von oben herab an und sagte: „Ich wohne hier doch auch nicht. Sie aber ziehen hier aus ganz Deutschland hin, weil Sie einen aufregenden Kiez wollten – das ist er.“
Na, danke, Freunde und Helfer. Ich zahle 1000 Euro Miete im Monat. Und von meinen Steuern bezahle ich Euch, Eure Arbeit und Eure Wohnung, die nicht hier ist. Ich habe das Gefühl, ihr habt die Managerkrankheit: ihr macht Euer Problem zu meinem. Wenn ich meinen Job nicht gut mache, bekomme ich keinen Anschlussjob. Aber ich bin ja auch nicht verbeamtet.
13.06.2007
Wehrhafte Bäume
Helene in Stadtnotizen am 13. Juni 2007, 19:41 2 Kommentare »
Ein paar Pappeln hat es schon erwischt. Hinter dem Prinzenbad ragen neben Absperrgittern dicke Stümpfe aus der Ufermauer. Wie man überall lesen konnte, wurden Sanierungsarbeiten an den Ufernbefestigungen des Landwehrkanals jahrelang verschlafen. Besonders hohe und schwere Bäume drohten umzustürzen, da sie keinen ausreichenden Halt mehr fänden, so heißt es.
10.06.2007
CSD 2007 - Termine
Susanne in Kultur am 10. Juni 2007, 15:04 5 Kommentare »
Höchste Zeit für die notwendigen Eckdaten im HSB, am Roten Rathaus flattert es immerhin schon seit Donnerstag regenbogenfarben.
Zuerst das ganz dicke Ding: Die große Parade wälzt sich am 23. Juni durch die Stadt, die Route und sonstige Infos zur Pride-Week finden sich auf der Webpage. Das Motto in diesem Jahr lautet „Vielfalt sucht Arbeit“ und soll auf Diskriminierung am Arbeitsplatz hinweisen.
Hingewiesen sei auch noch auf das Lesbisch-schwule Stadtfest am 16. und 17. Juni, bekannt auch als Motzstraßenfest oder – wie ich es im letzten Jahr empfunden habe – als Motzmesse. (Na, mal sehen, wie es diesmal wird. Abhalten lasse ich mich ja so leicht nicht.) Das umfangreiche Programm findet sich ebenfall gut sortiert auf der Webpage.
09.06.2007
Aufrüsten aus Ratlosigkeit
Claudia in Stadtnotizen am 9. Juni 2007, 19:27 20 Kommentare »
Ich werde beschimpft. „Nutte“ oder „deutsche Fotze“ ist noch harmlos. Ich werde bespuckt. Ich wurde inzwischen mehrmals fies und gesundheitsgefährdend vom Rad gedrängt. Ich werde von kleinen Rambos in Papas fettem Auto mit offensichtlicher Freude über die Straße gejagt. Das alles ohne ersichtlichen Grund. Die Dinge passieren, während man sich auf den Weg zur S-Bahn oder zum Supermarkt befindet. Die letzten vier verbalen und tätlichen Übergriffe auf meine Person wurden von vier Männern verübt, die ich nicht als deutschstämmig bezeichnen kann. Gab es eine Form der Kommunikation, wurden die Angriffe verbal darin untermauert, dass es mein „Vergehen“ ist, eine deutsche Frau zu sein. Es ist im realen Leben als deutsche Frau in Berlin-Tempelhof an der Grenze zu Neukölln (Oderstraße, Ghettokiez) lebend, inzwischen schwer durch den Tag zu kommen.
Ich habe gar keine Lust hier großartige Differenzierungen zwischen Deutscher und Ausländer zu bringen, denn eines ist mir absolut bewusst: es gibt in dieser Stadt mindestens eine muslimische Frau, die zur gleichen Zeit von ähnlichen Übergriffen erzählen kann, nur dass die Aggressoren bei ihr vermutlich Deutsche waren.

