Die Zeit hat Zähne

So heißt es doch, wenn die Dinge sich nach und nach verändern. Üblicherweise gilt das für einen langsamen Verfall, der sich unmöglich aufhalten lässt. Von Berlin jedoch gibt es immer wieder Bilderserien, in denen das genaue Gegenteil dargestellt ist. Da werden die Zähne auch mal gemacht, von der Zeit sozusagen. Besonders ergiebig ist das für die letzten 20 bis 25 Jahre, allerdings ist das auch nicht allzu schwer.

Oft weiß ich nicht genau, was ich davon halten soll. Von besonderer Bedeutung sind diese Bilder natürlich für diejenigen, die dabei gewesen sind. Damals, weißt du noch?! Das kann ich verstehen, doch selbst finde ich oft nicht viel darin. Ich fliege auf alte Aufnahmen aus der Gegend, die für mich ein »Damals« beinhaltet. Logisch.

Ganz interessant ist aber das, was ich heute gefunden habe. Im Grunde ist es wohl ein Hinweis auf ein Buch, »Berlin Wonderland – Wild Years Revisited«. Auch das könnte interessant sein, aber eigentlich witzig ist, was auf dieser BuzzFeed-Seite daraus gemacht wird. Tipp: Mit der Maus wischen bitte. Macht Spaß.

S-Bahn-Streik ab 14 Uhr

Jedes Jahr dasselbe, so scheint es mir. Die, mit dem Traumberuf vieler junger Menschen, streiken mal wieder. Die LokführerInnen meine ich, nicht die Feuerwehrmänner und -frauen. Das heißt also: Auch die Berliner S-Bahnen stehen still, morgen ab 14 Uhr bis vermutlich Donnerstag Nacht um 4 Uhr. Und auch danach wird es noch eine Weile einigermaßen zäh laufen.

Mehr kann man auf der Seite des rbb nachlesen.

Ich wünsche also fröhliches Staustehen morgen. Obwohl mein Tipp ja ist, in Zweifel lieber das Fahrrad zu nehmen. Das Wetter wird einigermaßen, Regen steht vermutlich nicht auf dem Programm. Gute Fahrt.

Schlossbeschriftung

Diesem auffälligen Betonneubau im Stadtzentrum wird eines Tages eine Fassade aufgeklebt werden, Erinnerung an ein abgerissenes preußisches Schloss ist dabei beabsichtigt. Noch ist nicht klar, wieviele Fassadenteile überhaupt finanzierbar sind, die Absicht aber ist immerhin vorhanden.

Humboldt-Forum
Humboldt-Forum, Baustelle, Foto: linda link

Um die wissenshungrigen Besucher der Stadt über den Sinn des Gebäudes aufzuklären, wäre die altpreußische Tradition der Schlossbeschriftung empfehlenswert. Potsdam ist an diesem Punkt der Hauptstadt meilenweit voraus. Dort orientiert man sich am historischen Vorbild.

Sanssouci
Sans, souci. Foto: Suse, wikimedia, CC

Sans, souci.  Also ein Sorglos-Gebäude. Es sollte hier keine Probleme geben, auch wenn es nur der Wunsch des Hausherrn war.  Der neue Landtag an der Stelle des Potsdamer Stadtschlosses ist lange vor dem Berliner Schlossnachbau-Versuch fertig geworden. Die Fassade enthält – ganz selbstverständlich – den Hinweis, dass hier kein Schloss steht:

Ceci n'est pas un chateau, Brandenburger Landtag, Foto: linda link
Ceci n’est pas un chateau, Brandenburger Landtag, Foto: linda link

Zugegeben, sich an einem René Magritte-Zitat zu bedienen, ist nicht so originell. Aber für Politiker “auf  Landesebene” zeugt es doch von selbstironischer Distanz zu ihrem Umfeld.

Wie könnte Berlin das noch toppen? Der frühere “Palast der Republik” bekam kurz vor seinem Abriss die Beschriftung “Zweifel”.

Palast der Republik
Beschriftung am “Palast der Republik”, Foto: linda link

Vielleicht könnte die neue “Schloss”-Beschriftung daran anknüpfen und mit dem neugewonnen städtischen Selbstbewusstsein verkünden:

“Nein. Keine Zweifel.”

Spazieren in Berlin

Weil mich die Geschichte Berlins immer interessiert, habe ich mir das Buch Spazieren in Berlin von Franz Hessel bei der Landesbibliothek, der früheren Amerika-Gedenkbibliothek, ausgeliehen. Es ist die Erstausgabe aus dem Jahr 1929. Auf knapp 300 Seiten schildert der Autor in lockerem Ton seine Eindrücke und Erlebnisse beim Schlendern durch die Stadt. Es gibt einige Passagen, die mich beim Lesen verharren lassen.

»Der künftige Potsdamer Platz wird von zwölfgeschossigen Hochhäusern umgeben sein.«

Später, im Kapitel über den Landwehrkanal, heißt es:

»Die Kottbuserstraße führt uns zurück an den Kanal, und wir kommen in die Budenstadt eines Marktes, der das ganze Maybacher Ufer bedeckt.«

Der Zeitsprung gelingt mühelos, als wären keine 85 Jahre vergangen. Er schildert Angebote, die auch heute noch zu haben sein könnten. Eine wunderbare Entdeckung!